Eigenes Konzept oder Vereinsphilosophie: Gegensätze?

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  • Hallo,


    mir fiel auf, dass der Trainer sein Konzept oder seine Philosophie erstellt, verfolgt und damit arbeitet und aggiert.


    Ist das Konzept nicht eine Philosophie oder sollte/wird hier unterschieden?


    Ich finde es bei meinem jetzigen Erfahrungsschatz schlecht, wenn jeder sein Süppchen kocht, denn mancher macht es schon mit seiner grundsätzlichen Einstellung gleich zu Beginn sehr schlecht, ...ohne es zu wissen, ....der ein oder andere auch ohne jemals in er Lage zu sein, es irgendwann zu erkennen. Andere sind von vornherin schon vom Typ her nicht richtig im Traineramt, führen dieses Amt aber oft jahrelang aus.


    Im Umkehrschluss möchte ich aber auch niemandem -vor allem dem, der seine Sache gut macht- seine Linie nehmen. Es birgt im Negativfall die große Gefahr, dass das Süppchen wirklich bescheiden schmeckt, obwohl es doch der Renner sein könnte.


    Beispiel: Trainer der B trainiert und spielt ebenso wie der C Trainer mit der Viererkette. Der in der A tut dies nicht.


    In diesem Zusammenhang stellt sich für mich die Frage, ob es nicht besser wäre, hier eine Philosophie vorzugeben, damit nicht jeder sein Süppchen kocht. Ich finde das das für den ein oder anderen Trainer -egal ob mit Schein oder ohne (es gibt ausreichend viele Beispiele von Trainern mit Schein, die nicht begriffen haben!) eine Einschränkung darstellt, die aber im Sinne einer Gleichbehandlung notwendig wäre, weil es noch viel mehr Trainer gibt, die dieser Einschränkung im Sinne einer guten Jugendarbeit dringend bedürften.


    Hieraus ergibt sich auch die Frage, wie man die Trainerschaft an die Philosophie/das Konzept binden könnte, damit sie sich damit identifizieren und arbeiten (Vergütung/"Arbeitsvertrag"/Aufklärung etc.).

  • Hallo Andre,


    eine ganz schwierige und wichtige Frage zugleich!


    Wie kann ein Verein eine erfolgreiche Gesamtkonzeption (und hierbei meine ich nicht nur sportlichen Erfolg und Ausbildung der Kicker (mein Leib- und Magenthema) sondern auch ein Erfüllen der gesellschaftlichen Aufgaben) umsetzen, ohne die individuellen Stärken und Kreativität einzuschränken.


    Generell bin ich der Auffassung, dass es gerade im Kinder- und Jugendfussball eine einheitliche Vereinsphilosophie geben muss, an die sich auch alle halten müssen und wo es auch die Möglichkeit geben sollte, Grenzüberschreitungen zu sanktionieren.


    Aber machen wir uns nichts vor, das ist in der Praxis nicht einfach umzusetzen:


    In den meisten Vereinen herrscht chronischer Trainermangel, es gibt keine festangestellten Trainer und es ist daher schwer, im Wege von Weisungsbefugnis zu arbeiten. Man geht dann ja das Risiko ein, dass einen auch ein insgesamt sehr guter Trainer verlassen würde, wenn man ihm zu sehr auf die Füße tritt .


    Hier kann man meiner Ansicht nach nur mit Überzeugungsarbeit und Sanktionen bei starken Regelverstössen arbeiten:


    Wir haben zum Beispiel vor zwei Jahren fristlos die Zusammenarbeit mit einem Jugendtrainer beendet, der sich zu einer Tätlichkeit gegen einen Spieler, der ihm - vermutlich sogar mit Absicht - aus nächster Nähe einen Ball ins Gesicht gedonnert hat. Die Kurzschlusshandlung im Affekt mag zwar einerseits aus der Situation erklärbar sein, aber dazu darf man sich doch nicht hinreissen lassen!


    Außerdem wird eingegriffen, wenn Kinder- und Jugendfussball mit Erwachsenenfussball verwechselt wird und wenn auch die Aus- und Weiterbildungsangebote nicht genutzt bzw. die Erkenntnisse hieraus nicht umgesetzt werden. In einem Fall wurde durch die Jugendleitung bei einem Trainer auch schon mit einem Coachings durch einen erfahrenen Kinder- und Jugendtrainer gearbeitet, der beim Training beobachtend und unterstützend tätig war.


    Eine adäquate Vergütung wäre natürlich ein Baustein, die Weisungsbefugnis des Vereins für den Trainer akzeptabler zu gestalten, doch welcher Verein kann sich so etwas schon leisten?


    Extrembeispiele, bei denen man den Hammer rausholen muss (s.o.) sind ja zum Glück eher selten und häufig passieren Fehler ja aus Unwissenheit (hierbei schliesse ich mich explizit ein), so dass der Betreffende ja meist froh ist, wenn er Hilfe bekommt (z.B. durch Trainerschulungen, Gespräche mit erfahrenen Kollegen). Deshalb ist auch diplomatisches geschick gefragt und man muss sich von Vereinsseite immer auch in den Trainer hereinversetzen, der ja aus seiner Sicht das Beste macht, seine Freizeit opfert und zumeist auch noch ordentlich Geld in sein Ehrenamt steckt.


    Wichtig ist auch der regelmäßige Austausch zwischen den Trainern, man ist ja häufig eher geneigt, einen Ratschlag eines Kollegen aufzunehmen als sich etwas aufdrücken zu lassen. Deshalb muss der Vorstand/die Jugendleitung versuchen, besonders geeignete und akzeptierte Kollegen in solche Fragestellungen einzubinden.


    Leider habe ich also auch kein Patentrezept, sondern nur ein paar Anregungen.


    Schöne Grüße
    Coach99

  • Wenn das Konzept gemeinsam erarbeitet und von den Beteiligten im Großen und Ganzen getragen wird, dann sollte es keine Probleme geben.
    Das ist aber in der Realität selten der Fall, weil die Meinungen oft weit auseinander gehen und je länger Trainer aktiv sind, desto weniger lassen einige sich von ihrem "eigenen" Konzept abbringen.
    Da stellt sich dann die Frage ob der Verein auf solche "Abweichler" angewiesen ist, die ein entsprechendes Konzept nicht mittragen wollen, oder ob er auf sie verzichten kann und genügen Trainer bereit stehen, die ein entsprechendes Konzept mittragen.


    Uns im Verein fehlt z.B. diese Auswahl. Da wird derzeit in der C- und B- Jugend 4er-Kette gespielt, der A-Jugend Trainer hält davon nicht viel und der Senioren-Trainer, der aber eh alle 2-3 Jahre wechselt, derzeit auch nicht.
    Da stellt man sich dann die Frage ob sowas Sinn macht.

  • Vielleicht sollte man es nur ein bisschen anders formulieren:


    Es sollte ein geschriebenes Vereinskonzept geben (an dass sich jeder Trainier zu halten hat), jedoch sollte jedem Trainer seine eigene Fussballphilosophie gelassen werden, mit der er das Vereinskonzept erfüllen soll.

    "Alles, was ich sicher weiß über Moral und Pflicht, verdanke ich dem Fußball!"


    (Albert Camus)




    "Der Fußball ist für mich ein Mikrokosmos der gesamten Gesellschaft. Alle Prozesse, die in der Familie, in der Großfamilie, in der Kleinfamilie, in irgendeinem Unternehmen ablaufen, finde ich auch im Fußball."



    (Christoph Daum)

  • Grundsätzlich wäre es schön, wenn man ein einheitliches Konzept in der gesamten Fußballabteilung hätte, jedoch ist das meiner Meinung nach teilweise sehr schwierig durchzuziehen.


    Wir spielen im Großfeld z.B. mit allen Mannschaften mit Viererkette, jedoch spielen unsere beiden Herrenmannschaften mit Libero. Die Frage nach dem Sinn stellt sich nicht, da der Trainer bzw. die Trainer das eben so praktizieren wollen. Ansonsten kann man den Trainern derzeit auch keine großen Vorwürfe machen, denn sie fördern die Jugendspieler.


    Ansonsten müßte aber auch, falls es Vorgaben gibt, eine Überwachung stattfinden, ob die Punkte auch eingehalten werden. Dazu sind regelmäßige Gespräche mit den einzelnen Trainern notwendig, dies ist sehr zeitintensiv usw.

  • Ich habe manchmal den Eindruck, dass gute Worte nicht viel bewirken. Diejenigen die immer zu hören, hören auch da zu und die anderen hören wegen dem "Dicken Fell" sowieso nicht hin.


    Wenn ich könnte wie ich wollte würde ich folgendes tun:


    1. Die Trainer der ersten und zweiten Mannschaft (Reserve) dürfen die Mannschaft nur als Trainer mit Schein trainieren. Hierfür bekommen sie den Betrag X. In meinem Verein würde das zu lasten der hinteren Mannschaften gehen, sorry, aber anders wäre das nicht zu finanzieren. Zudem wäre es ein Anreiz für die hinteren Mannschaftstrainer, sich fortzubilden, soweit sie auch an der Kohle interessiert sind.


    Die dann bezahlten Trainer der 1 und 2 Mannschaft der jeweiligen Jugend unterliegen strengstens der Philosophie, die man in einer "Speziallistenrunde" selber erarbeitet hat. Mit ihrem eigenen Konzept verfolgen sie die Philosophie.


    2. Die Trainer bekommen 12 "Gehälter" und haben einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Sie sind verpflichtet, sich fortzubilden. Hierzu nehmen sie zweimal im Jahr an Fortbildungen teil, die hier z.B. vom Stützpunkt oder in Kaiserau oder auch vom Verein angeboten werden. Tun sie das nicht, gibt es eine Abmahnung und ein "Gehalt" zum Wohle des Jugendvorstandes weniger. Ich Euro schwebt mir hier ein Summe von 100 bis 200 Euro vor.


    Wer es sich als Verein leisten kann, zahlt auch für die dritte usw..


    Ein Modell, dass in jedem Verein machbar wäre, der eine Aufwandsentschädigung pro Mannschaft zahlt. Es wäre eine neue Umverteillung der verfügbaren "Masse" zum Wohle der Ausbildungsqualität und damit für die Kinder und im weitesten für den deutschen Fußball.


    Einfach und gut und einen Versuch wert.


    Gruß Andre

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Man muss hier aus meiner Sicht ganz klar von Verein zu Verein differenzieren. Ich würde es absolut begrüßen, gäbe es in meinem Verein so eine "Philosophie", nach der die Jugendarbeit ausgerichtet ist.


    Wir haben aber wie viele Breitensportvereine akkuten Trainermangel, viele Väter die aushelfen etc. Viele machen ihre Arbeit engagiert und für ihre Verhältnisse gut, bei anderen frage ich mich, warum sie überhaupt noch ihre Zeit opfern, hat man doch eher das Gefühl, sie hätten eigentlich gar keinen Bock dazu. Niemand bekommt dafür auch nur einen Cent.


    Würde man ihnen jetzt eine Philosophie vor die Nase setzen, bin ich der festen Überzeugung, dass sich einige damit gar nicht beschäftigen würden und weiter ihr Süppchen kochen, andere würden vielleicht sogar hinschmeißen und wir hätten große Mühe Ersatz zu finden.


    Ohne mich in irgendeiner Weise überhöhen zu wollen, es gibt eigentlich in unserem Verein außer mir kaum einen Jugendtrainer, der über Kenntnisse modernen Jugendtrainings verfügt. Das war bei mir anfangs nicht anders, aber ich habe mich mehr und mehr mit dem Thema beschäftigt, an Lehrgängen teilgenommen etc. Dieses Engagement kann ich von berufstätigen Familienvätern aber nicht erwarten, es wäre zwar schön, aber nun...


    Auch unser Verantwortlicher für die Jugendfußball-Abteilung hat wenig Einblicke, dazu ist er beruflich sehr viel unterwegs. Nun habe ich mir schon häufiger überlegt, dass ich eigentlich Verantwortung übernehmen müsste und den Karren hier mal auf den richtigen Weg bringen müsste. Aber wenn ich mich mit den Kollegen mal als Beispiel über Viererkette unterhalte, kriege ich die Antwort "Abseits, Schiri, Spielermateriel,..." ihr kennt das. Trainerlehrgänge haben die meisten zwar Interesse dran, wenn sie dann aber hören, dass sie mal mehrere Wochen am Stück samstagsmorgens um 9Uhr ran müssen, vergeht ihnen der Spaß. Ne Woche Sportschule klappt natürlich berufsbedingt nicht.


    Kurz gesagt: da vergeht mir manchmal die Lust und ich koche weiter mein eigenes Süppchen, wie alle anderen auch. Und das finde ich leider schade...

    Einmal editiert, zuletzt von dido ()

  • Wir versuchen grade ein Jugendkonzept in unserem Verein aufzubauen. Ist jedoch schwieriger als gedacht in einem Breitensportverein.
    Da ich in meinem ersten Versuch gegen eine Wand gelaufen bin, gehe ich die Sache dieses mal ein bisschen anders an.
    Wir haben uns entschieden, erst ein mal an einem Tag zu treffen, an dem wir uns alles an den Kopf werfen, was wir uns vorstellen, was gut und was schlecht läuft. Wenn wir das dann ausgewertet haben, sollte es möglich sein ein Konzept zu erstellen, das allen Anforderungen gerecht wird und jeder Trainer mitträgt.


    Einige Sachen, die hier erwähnt worden sind, hatte ich auch in "mein Konzept" gepackt (Trainerfortbildung, einheitliches Spielsystem, altersgerechtes Training, Ziele für jeden Jahrgang (was muss ein F-Jugendspieler können usw.)
    Hoffen wir auf das beste...

    Captain's word is law!

  • Hallo Andre


    Ich bin nun Trainer beim Team Bodensee. Das ist eine Gruppierung zwischen dem FC Arbon und FC Steinach (Schweiz).
    Mein Mit-Trainer und ich haben es geschafft, die zwei Vorstände der Vereine zu überzeugen, einen Ausbildungskonzept für die C + D Junioren zu erstellen. Dies als Pilotprojekt, befor man weiteres im E usw. einführt.


    Vorgehen:


    Wir werden mitte oder ende Februar einen Work Shop mit allen C+D Trainer durchführen. Es findet an einem Samstag-Morgen statt (ca. 4 - 5 h).
    1. Einführung, Begründung und Erklärung des Work Shops durch einen externen Moderatro (nicht Vereinsmitglied und möglichst Expert).
    2. Gruppenarbeit (4 - 6 Personen/ Gruppe); Ueberlegung- Was soll man im D2, D1, C2, C1 trainieren? Welche Fähigkeiten sollten in welcher Kategorie bereits vorhanden sein? Welche TE, TA und KO - Faktoren?
    3. Separates Brainstorming für alle Kategorien.
    4. Anhand Brainstorming, Ausbildungskonzept erstellen.


    Vorteil zur pragmatische Lösung.


    - Alle Trainer wurden bei der Gestaltung des Konzeptes integriert. Also sind die Trainer auch eher bereit, dass Abgemachte einzuhalten. Das Konzept ist Produkt von allen Trainern.


    Schwierigkeit


    - Das finden eines Fachmanns als Moderator.


    Ich kann mir vorstellen, dass Du etwas ähnliches bei Dir einführen möchtest und darum diese Frage kommt. Ich hoffe, Dir somit anhand eines Beispiels, geholfen zu haben.


    Gruss
    Pietro

  • Ich finde TRPietros Ansatz interessant.
    Haben wie gesagt bei uns im Verein ne ähnliche Situation wie dido sie beschrieben hat.


    TRPietro: Ich würde mich freuen, wenn du den Ausgang eures Workshops hier im Forum schildern könntest. Ob es so funktioniert hat wie ihr euch das vorgestellt und ob ein Konzept, das diese Bezeichnung verdient, dabei rausgekommen ist.

  • Ich halte Deinen Ansatz für gut und wichtig, aber auch in großen Bereichen leider für nicht umsetzbar.
    Es wäre absolut wünschenswert, wenn man die Kids mit einem möglichst optimalen Konzept "beschult". Aber dafür braucht es entsprechende Bedingungen, die im Breitensport wohl nur selten zu finden sind.
    Du hast zum Beispiel Trainer mit den unterschiedlichsten Kompetenzen, vom früher hochklassig spielendem Lizenzinhaber bis zum Freizeittrainer-Vater. Diese müssen alle bereit sein, sich einem Konzept unterzuordnen bzw. daran mitzuwirken. Manche werden aber vielleicht nur so arbeiten wollen, wie sie es gerade tun - oder gar nicht. Es ist also sicher schwer, so etwas mit bereits bei einem Verein tätigen Trainern aufzustellen und alle zum Mitziehen zu bewegen. Über eine entsprechende Bezahlung "erwirbt" man als Verein vielleicht ein gewisses Recht, Vorgaben zu machen und die Einhaltung zu fordern, aber das können sich mit Sicherheit nicht alle leisten. Also muss die Bereitschaft der Trainer auch so da sein. Dann stellt sich die Frage, ob die vorhandenen Trainer überhaupt in der Lage sind, so etwas umzusetzen. Sicher, auch kleine Schritte können schon ein Erfolg sein. Wenn Du aber bestimmte Sachen wie das beliebte Thema Kette anführst, da werden mit Sicherheit einige an ihre Grenzen stoßen, dies auch wirklich beibringen bzw. umsetzen zu können. Und dann muss man sich auch noch einig sein, was die Ziele sind. Du hast glaube ich selbst mal geschrieben, dass Du, Ausbildung hin oder her, am "jetzt" orientiert bist. Ein gemeinsames Konzept hat ja nur etwas für sich, wenn man es langfristig verfolgt. Man müsste sich also doch eigentlich ein wenig vom "jetzt" lösen, weil man ja langfristige Ausbildungsziele verfolgt. Das nimmt aber dem einen oder anderen den Sinn, denn manche machen das ganze ja nur, um am Wochenende den alles entscheidenen Sieg einzufahren :D. Da stehen langfristige Ziele nicht unbedingt auf der Agenda.
    In einem Verein wie dem Euren mit so vielen Mannschaften und Trainern hätte man mit einem vernünftigen Konzept bestimmt eine Riesennummer geschaffen, es kann aber wie Du schon schreibst hier und da auch Kompetenzen "verjagen", die unter dem Strich eigentlich Woche für Woche gute Arbeit machen, sich halt aber nicht an solch einem Konzept beteiligen wollen oder können. Bei unserer Handvoll Mannschaften mit ein paar (unbezahlten) Trainern ist das Ergebnis unter dem Strich sicher weniger Enorm, da eh nur eine vergleichsweise winzige Gruppe an Spielern auf die gleiche Weise beschult würden, da wäre der Verlust der Trainer, die nicht bereit oder in der Lage wären, ein vernünftiges Konzept umzusetzen, wohl schmerzvoller.

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen."
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph)

  • Hallo Zw3rg
    Ok. Ich werde Euch Bescheid sagen. Ist für mich auch das erste mal, dass es so Konkret laufen soll.
    Im Moment kann Ich Dir nur mein Frust mitteilen, weil es sehr schwer ist einen Moderator zu finden. Habe gerade eine weitere Absage per Mail erhalten. Tja... weitersuchen ist angesagt.

    Einmal editiert, zuletzt von TRPietro ()


  • Ich kann nur für meine Region sprechen. Mit einem Betrag von Euro 100-200 pro Monat wirst Du keinen Jugendkoordinator finden.

  • Moin Hattabi,


    ich suche ja auch keinen Koordinator, sondern bezahlte Trainer, die sich durch


    a)ihre nachweisliche Ausbildung, ihre Einstellung und ihre Konzepte und die Bereitschaft, sich Fortzubilden, als Trainer einer ersten, zweiten und vielleicht auch dritten Mannschaft emfpfehlen, weil ihre Konzepte und Einstellungen der des Vereines entsprechen.


    Hiermit würde ich mich selbst derzeit rausboxen, weil ich mir die Grundlage -Trainerschein- derzeit fehlt. Im Sinne der Kinder wäre das aber o.k..


    Im weiteren wäre ich als Koordinator meiner Meinung auch nicht mehr tragbar, weil für mich


    a)der Einsatz eines bzw. mehrerer Koordinatoren als "Kontrolle" und Verbindungsglied unumgänglich ist


    und


    b)dieser Kodi/diese Kodi ebenfalls einen Trainerschein vorweisen müßten, der bestenfalls höher anzusiedeln sein müßte, als der des Trainers der 1,2 oder 3 Mannschaft. Man könnte hier darüber nachdenken, dass es einen Chefkoordinator sein könnte, der hier mit einem B oder A Schein fungieren würde.


    Zusatz: Als Koordinator bekomme ich übrigens 0 Euro ;) :)


    Nachsatz


    Mir ist das klar, dass sich das im Augenblick utopisch anhört. Es hört sich aber nur so an, machbar ist das mit einem Fingerschnipp, soweit alle an einem Strang ziehen. Das letztere ist das Problem, weil oft jeder am Strick in jede Richtung zieht. Eine solche Maßnahme würde sicherlich dazu führen, dass die ein oder Mannschaft zunächst ohne Trainer da stünde. Diese Dinge lassen sich aber Regeln. Würde man das so einführen, würden gewisse Diskussion und Grundsatzprobleme wegfallen und zwar für immer.

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Hi Holler,


    es wird auch bei einigenThemen immer unterschieden zwischen Breitensport und Spitzensport, zu recht. Ich kann und darf das an meinem Verein gemessen nur auf diesen Münzen. Mein Verein hat im Jugendbereich eine Größe, die es meiner Ansicht nach erforderlich macht, hier einen "Zwitter" zu formen, also einen glasklaren Breitensportverein, der mit einigen Mitteln aus dem Spitzensport Dinge in gelenkte Bahnen führt, um sozusagen nach dem ökumenischen Prinzip aus dem gegebenen Potenzial das Maximum heraus zu holen, statt zu heizen und dabei die Fenster offen stehen zu lassen.


    P.S. In Momenten, wo ich resigniere schreibe ich für den Moment auch ernst gemeint, dass mich die Zukunft nicht interessiert ;)

  • Zitat

    Original von Andre
    ..., statt zu heizen und dabei die Fenster offen stehen zu lassen.


    Das klingt gut, ein schöner Vergleich. Man "investiert" unzählige Trainerstunden, und möchte damit auch etwas nachhaltiges schaffen. In einem Verein Eurer Größe hätte das ganze auch sicher professionelle Züge, wenn es sich umsetzen lässt, wobei die Grenze dann sicher schmal wäre zwischen gut organisiertem Breitensport und lesitungsorientiertem Arbeiten, denn man will dann ja auch meist zählbares erhalten, wenn man so arbeitet. Ich kenne jedenfalls keinen Verein, der so große Anstrengungen unternommen hat, ohne dann -leider- in den Versuch abzurutschen, Leistungsfussball zu implementieren (braucht man sich bei Dir aber keine großen Sorgen machen). Im Optimalfall schafft man es, den Trainerstunden, die geleistet werden, für gemeinsame Ziele eine gemeinsame Richtung zu geben.
    Ich würde für Dich hoffen, dass Eure Trainer diesem Anliegen dann offen gegenüberstehen und man sich auf eine solche Richtung einigen kann, ohne dass es große Grabenkämpfe z.B. um bereits vorhandene Philosophien gibt.

    Zitat

    P.S. In Momenten, wo ich resigniere schreibe ich für den Moment auch ernst gemeint, dass mich die Zukunft nicht interessiert ;)


    Ich hatte Dich jetzt auch nicht zukunftsverschlossen eingeschätzt, keine Angst ;) :D
    Ich fand diesen Ansatz von Dir, sich manchmal (wenn es die Situation hergibt) auch einfach mal an dem "Jetzt" zu orientieren, ganz reizvoll. Bis dato ging ich immer von dem Grundsatz aus, den ich mir aufgelegt habe, für die Zukunft auszubilden. Als ich dann diese Aussage von Dir in irgendeinem Zusammenhang mal gelesen hatte, habe ich dann aber überlegt, ob ich damit wirklich immer allen Kids bei mir gerecht werde, und dass musste ich mir mit "Nein" beantworten, denn manche Kids wollen gar nicht für die Zukunft ausgebildet werden, sondern einfach jetzt Spass haben. Diese Frage könnte aber bei einem gemeinsamen Konzept durchaus auch ein Stolperstein sein, deshalb hatte ich dies mit ins Spiel gebracht.
    Gruss
    Holler

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen."
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph)

    Einmal editiert, zuletzt von Holler ()

  • Exakt so, wie Du es beschrieben hast, "ticke" ich. So isses, wir bedienen nicht nur die, die von der Bundeliga träumen, sondern auch Talente und auch Nichttalente, die Bergmann, Automechatroniker oder was auch immer werden wollen. Das dürften so ca. 99,999999 Prozent sein und eigentlich geht es um die. Die schmieden beim Fußball oft Freundschaften fürs Leben und das ist für mich viel wichtiger. Ich ärgere mich direkt um die verlorenen Stunden, wo ich das mal anders gesehen habe und könnte mir diesbezüglich selber in den Ar...
    treten, Gruß Andre und einen schönen Tag noch.

  • Ich erarbeite für unseren Verein gerade etwas ähnliches (simples Konzept), mache mir aber auch Gedanken, wie ich die Trainer zur Umsetzung bewege und bin über geringe Bezahlung nicht hinausgekommen.


    Problem:


    Bei nur 100 Euro pro Mannschaft, die nur jeder Haupttrainer einer Mannschaft kriegt, sind das 1200 Euro pro Mannschaft und bei 12 oder 13 Mannschaften 14400 oder 15600 Euro im Jahr. Woher nehmen???

  • Hi Chris,


    nicht das wir uns falsch verstehen. Das was ich schrieb, ist ein unbesprochener Wunsch, eine Denkweise meinerseits. Ob diese Idee so oder so ähnlich oder ganz ander oder sogar überhaupt kommt, liegt in Händen anderer.


    Mein Verein ist bei 102 Trainern (incl. Betreuern) und derzeit 43 gemeldeter Mannschaft ein mittelständisches Unternehmen. Ich möchte nicht mit Zahlen aufwarten, weil das könnte man mir übel nehmen und das möchte ich nicht.


    Die Mannschaften bekommen derzeit 50 Euro und nach meinem Denkmodell würden hier für die hinteren Mannschaften diese Gelder wegfallen. Damit hänge ich natürlich zum Federn an der Wand, aber auch das muß man mal erlebt haben und würde ich aushängen, den anders wäre das nicht machbar.


    43 Mannschaften mal 50 Euro (Trainer mit Schein 60 Euro) pro Mannschaft (es dürfte etwas mehr sein, da die A/B Jugendtrainer vermutlich etwas mehr bekommen) 2150 Euro im Monat, die elf mal im Jahr ausgeschüttet werden (Ferien abgezogen). F, E, D, C Jugend (B und A nehme ich derzeit mal aus) mal jeweils drei (event. auch nur zwei) Mannschaften (wer es sich nicht leisten kann, eben nur bis zur zweiten oder gar nur die erste Mannschaft) = angenommene 12 Mannschaften bei 100 Euro = 1200 Euro. Nun könnte man sich überlegen, ob der Co-Trainer das gleiche oder beispielsweise die Hälfte bekommt. Da bliebe also noch eine Differenz zu dem über, was jetzt auch schon ausgegeben wird. Diese Differenz könnte als Weihnachtsgeld und Anerkennung an die "restlichen" Mannschaften ausgeschüttet werden oder ob man den "Rest" teilt und auch monatlich auszahlt.


    Wenn dann Fortbildungen anstehen, die beispielsweise im Verein stattfinden oder eine Trainerversammlung stattfindet, wäre bei diesem Denkmodell die Teilnehmerliste die Umgeht ganz besonders wichtig. Denn wer an diesen Events dort nicht draufsteht, bekommt seine Kohle bei meinem Denkmodell für den Monat schon mal nicht! Aber das nur am Rande.


    Finanziert wird das durch Mitgliedsbeiträge, und große Events die einmal im Jahr stattfinden. Ich möchte mich nicht festlegen, aber es sind bei uns ca. 800 Fußballkinder, die im Schnitt ca. 7 Euro pro Monat zahlen.


    Ich bin der Meinung, das diejenigen Vereine, die hier besonders günstig sind, einfach mal eine Offensive starten müssen. Wenn es doch um Ausbildungsqualität geht, könnten echte und ernst gemeinte Aufhänger wie:


    -Ausbildungsqualität erhöhen
    -das Ehrenamt ist mehr Wert als ein feuchter Händedruck
    -Trainermangel, Anzreiz durch Taschengeld
    -Musikschule kosten hier 45 Euro im Monat pro Kind


    Diese und manch andere Aufhänger dürften doch wohl dazu führen, den Eltern klar zu machen, dass auch Fußball mal fünf oder acht Euro im Monat kosten darf, oder? Was würde das ganze Kosten, wenn die Stadt den Platz nicht auf ihre Kosten pflegen würde, das Warmwasser nicht bezahlen würde, den Platzwart nicht stellen würde und der Verein das Gelände noch pachten oder kaufen müßte? Dann wären wir wahrscheinlich bei 30 oder 50 Euro im Monat.


    Auch wenn das Schade wäre, gehe ich sogar soweit zu sagen, dass wem das nicht paßt, sich ja gern nach einem anderen Verein umschauen kann, denn man kann es leider nicht jedem zum Nulltarif recht machen, weder den Kindern, noch den Eltern, noch den Trainern.

    2 Mal editiert, zuletzt von Andre ()

  • In unserem Verein, in dem ich neben meiner Funktion als Trainer auch die Aufgabe des sportlichen Leiters übernommen habe, haben wir vor wenigen Tagen eine Leitline im Sinne einer Philosophie verabschiedet. Ich habe zunächst einen Entwurf ausgearbeitet und den im Plenum vorgestellt. Danach haben wir in einer Arbeitsgruppe den Entwurf noch einmal diskutiert. Darauf basierend habe ich dann die Endfassung erstellt und sie auf unserer letzten Trainersitzung vorgestellt.


    Mich hatte auch mächtig gestört, dass die Trainer vor sich hin gearbeitet haben, ohne sich auszutauschen. Zudem waren dort Auffassungen vom Kinder- und Jugendtraining vertreten, die mir meine wenigen Haare zu Berge stehen ließen. Deswegen habe ich die Initiative ergriffen, mich als sportlichen Leiter einsetzen lassen und die Leitline auf den Weg gebracht.


    Die Leitline habe ich in die Bereiche Prinzipien und Ziele, Trainingsarbeit, Wettkamp sowie Trainer und Betreuer unterteilt. Ich habe den Trainern verdeutlicht, dass ich sie daran messen werde. Dies wurde von allen akzeptiert bzw. keiner hatte Einwände vorgetragen. Jetzt geht es darum, dass in der täglichen Arbeit umzusetzen. Ich selbst bin sehr auf die nächste Zeit gespannt.


    Was die Fortbildung anbetrifft: Auf jeder monatlichen Trainersitzung wird ein bestimmtes Thema vorgestellt. Entweder durch mich oder - wie ich es geplant habe - durch eine externen Experten. Natürlich lege ich allen Trainern nah, den Schein zu machen oder Kurzlehrgänge zu besuchen. Außerdem werde ich mir mit Beginn der Rückrunde die Trainingseinheiten anschauen und mit den Kollegen darüber reden.

    Viele Grüße
    Thomas