Coaching von Spielformen G- / F-Jugend

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  • Moin,


    ich bin nun mit meinem JG 2019 in die F hochgegangen. Die G-Jugend war stark von dem Gelernten aus dem Kindertrainerzertifikat geprägt. D.h. Trainingsphilosophie Deutschland und Berücksichtigung der Entwicklungstabelle von Kindern.

    Standard-Training war: Fangen, Dribbelspiel und die meiste Zeit Funino auf mehreren Feldern. Zwischendurch mal ein 1gg1, ZickZack-Dribbling und Torschuss.


    Was mich von den meisten anderen Trainern unterschieden hat, war die Ruhe am Spielfeldrand. Ich habe maximal an die Spielrichtung erinnert, die Kinder aufgefordert zum Ball zu gehen und angefeuert beim Zweikampf.

    Das freie Spiel, Unterlassen von taktischen Hinweisen sowie Aufforderungen zum Passspiel, Torschuss oder "Geh zum Mann" habe ich -zum Leid der Eltern und Co-Trainer" aus Prinzip komplett sein gelassen!


    Nun komme ich vom Lehrgang (C-Lizenz Profil G-D-Jugend) zurück. Hier hat man uns stark eingeimpft, dass wir ja nicht ruhig bei den Spielformen sein sollen. Sondern aktiv coachen sollen und die Kids korrigieren.

    M.E.n macht das im Bereich der älteren E- und D-Jugend schon Sinn. Aber auf der anderen Seite sollen die Kinder ja logischerweise frei "spielen" und somit Selbstständigkeit bekommen und durch Erfahrung lernen die richtigen Entscheidungen zu treffen.


    Interessanterweise, ging es im Lehrgang ausschließlich um Individualtaktische Dinge! Dinge wie eine Grundstellung, Einer sichert ab während der andere nach vorne geht, Manndeckung etc. Wurde Null thematisiert.


    Ich werde mit dem Ausbilder im Oktober beim Prüfungslehrgang nochmal dieses Thema besprechen.


    Aber mich würde die Meinung hier aus dem Forum interessieren.


    Wie sieht euer Coaching im Bereich G- und F-Jugend aus? Mit welcher Häufigkeit friert ihr ein Spiel mal ein? Und was sind eure typischen Tipps/Korrekturen, die ihr den Kindern gebt?


    Viele Grüße

  • Nach dem was ich so bei Spielen gesehen habe, sind die meisten Teams übercoacht. In den Halbzeitpausen werden bedeutungsschwangere Ansprachen gehalten, die die Kids garantiert nicht verinnerlichen, geschweige denn umsetzten können. Im Spiel wird auch viel Unsinn erzählt.

    Das Coaching sollte maßvoll und motivierend sein. Im Training sich in der Altersklasse auf die ca. 11 Grundsätze (Hin zum Mitspieler, wenn er in Bedrängnis ist, weg vom Mitspieler, wenn er nicht in Bedrängnis ist, den freien Raum andribbeln, dem Ball entgegen gehen, Körper zwischen Ball und Gegner bringen, Nachsetzen nach Ballverlust etc.) beschränken. Ab und zu mal eine Spielsituation einfrieren, um Stellungsfehler transparent zu machen.

    Manndeckung gibt es eigentlich nicht mehr. Vielleicht ist mannorientiert Verteidigung gemeint.

  • Ich finde bei den F-Junioren kannst du langsam mit gewissen Dingen anfangen. Allerdings würde ich nur einige kleine Dinge nehmen, bspw. den richtigen Fuss für die Ballmitnahme nehmen oder Kopf oben haben. Ich würde dann zwischen Spielform und freien Spiel unterscheiden. In der Spielform coachen aber nur dass, was du gerade geübt hast und als Ziel vorgenommen hast (bsp. Coachingpunkte) und im freien Spiel lass sie spielen.

  • Kinder in der F-Jugend haben immer noch kein voll ausgebildetes Gesichtsfeld. Entfernungen oder Tiefenwahrnehmung sind ebenfalls noch nicht "fertig". Hier im Forum hat einer mal kleineren Kindern ne GoPro auf den Kopf geschnallt, es war erstaunlich, wie viel Hochtiefbewegungen die Kinder beim Laufen hatten. Auch das dürfte einer Orientierung eher hinderlich sein.


    Wenn du nun einfrierst, dann versteht das Kind vielleicht, dass sein Kumpel frei ist oder dass er sich "verlaufen" hat, er kann das aber im Spiel vielleicht überhaupt noch nicht sehen.
    Immer gibts Ausnahmen, die das schon früher können aber das Gros eben nicht.


    Geh das doch mal von einer anderen Sichtweise an. Du bist 7 Jahre. Was möchtest du von deinem Trainer hören?

    "Prima, klasse, weiter so"
    "Gleich nochmal, macht nix, bleib dran"

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Token2026
    Ich bin schon soooooo lange hier im Forum aber das war, auch wenn er von Karl Lagerfeld geklaut ist, der kürzeste und präziste Kommentar den ich hier lesen durfte.

    Gennemer89
    Das soll jetzt überhaupt nicht gegen dich als Person gehen. Ich freue mich über jeden Trainer, der sich und seine Methoden hinterfragt. Das zeigt, dass du lernwillg und lernbereit bist.
    Für mich bist du jetzt schon eine Bereicherung, da ich zum ersten Mal nach diesem Wort gegoogelt habe und unfassbar hilfreiche Grafiken gefunden habe.

    Bevor du zum Lehrgang gegangen bist warst Du auf dem richtigen Weg. Haben euch die Referenten nie erzählt wie ihr wann bei welcher Altersstufe coachen sollt?


    Jetzt speziell meine Meinung zum Coachen in der G- u. F- Jugend. Einfach spielen lassen. Ein- und Auswechslung gerecht regeln (jedes Kind bekommt die gleiche Spielzeit) und gut ist. Eltern einfangen, wenn sie reinrufen und den Kindern den Augenblick des Spiels genießen und für sich erleben lassen. Halt Straßenfussball in seiner allerschönsten Art auf das Spielfeld bringen. Es geht ohne uns Trainer und Eltern viel besser. Wir können das Spielfeld gestalten aber sollten das Spiel der Kindern niemals wie ein Schachspiel sehen. Bitte, bitte niemals unterbrechen.
    Wenn euch das beigebracht worden ist, dann sind die Referenten niemals durch die neue Referentenschule gegangen. Sorry, das ist genau das, was Token2026 kurz und knapp sagen wollte.

    Ein verstehender Kindertrainer füllt keine Vase.

    Er eröffnet Möglichkeiten und entfacht die Freude am lebenslangen Lernen.

  • Gennemer89

    Wenn du mehr zu meiner Auffassung vom G- u. F-Jugendfussball tendieren solltest, würde ich den Referenten erst nach der Prüfung davon erzählen.

    Er scheint jemand von dem ganz alten Schlag zu sein, der nicht mehr unbedingt alles lernen möchte. Ansonsten könnte deine Note darunter leiden. :D

    Ein verstehender Kindertrainer füllt keine Vase.

    Er eröffnet Möglichkeiten und entfacht die Freude am lebenslangen Lernen.

  • Unterschiedliche Auffassungen sind legitim. Davon lebt ein Forum. Goodie hat das ja inhaltlich begründet. Ich sehe es wie Goodie, Dirk sieht das anders.


    Was aber m.E. nicht geht, sich im Stil eines facebook Kommentars abfällig über jemand zu äußern, der sachlich seine Ansicht referiert.

  • Gott, ich denke, da war auch etwas Spaß dabei. Wenn das nicht mehr erlaubt sein sollte, dann wird es hier schon ziemlich trocken...


    Aber zum Thema.

    Wie viele U9 Spieler haben wohl Lust drauf und können nachvollziehen, dass ein Trainer das Spiel einfriert und dann langatmig erklärt, was man in dieser Situation hätte besser machen können. bzgl. Positionierung, Laufverhalten...

    Was man eher erreicht. Die Spieler sind genervt und erst mal komplett raus aus der Dynamik, da die Spielform komplett gestoppt wird für einige Zeit. Kommt da dann so viel an im Kopf? Weiß auch nicht, aber ich vermute bei ganz vielen...

    Zumal U9... 8 Jahre alt...

  • Wer bei einer F Jugend einfriert hat die Kontrolle über sein Leben verloren

    Könntest du deinen Standpunkt näher erläutern? Mir ist das Thema wirklich wichtig.

    Kinder in der G unf F Jugend haben einen hohen Spielbetrieb, sind aber meistens nicht fähig abstrakte Erklärungen zu verarbeiten. Einfrieren kostet Zeit, langweilt die Kinder und der Lerneffekt wird ausbleiben.


    Kurze Anekdote hierzu; Meine Tochter Dezember 2014 hat mit der damaligen F2 (2016) trainiert. Der Trainer hat die Kinder viel frei spielen lassen. Einmal "durfte" sie dann bei der F1 (2015) trainieren. Sie hat sich gefreut, da sie schon immer mal bei den Großen probieren wollte. Hab dem Trainer der F1 Jugendtore tragen geholfen und hab dann zugeschaut. Ca. 15 Mal unterbrochen in 12 Minuten Spielzeit. Meine Tochter danach "ich möchte lieber wieder in der F2 trainieren". :D


    Musste auch wirklich alle Selbstbeherrschung zusammen nehmen um den F1 Trainer nicht noch ein paar Takte zu sagen.

  • Das ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, auf Trainer in der Altersklasse zu verzichten und Fehler einschleifen zu lassen, während in anderen Ländern Kinder in dem Alter längst gut ausgebildet sind.

    In der Realität ist das natürlich ganz anders. Gerade durch das kurze Einfrieren sind langatmige Erklärungen nicht notwendig. Schaut mal, wo Ihr steht und schaut mal wo der Gegner steht. Fällt Euch was auf? Schon dadurch lernen Kinder eine Situation zu begreifen, die sich sonst suboptimal ständig wiederholt.

    Das ist weder lang noch muss es ständig erfolgen. Die Idee, dass die Kinder alles von allein ohne Anweisung und Hilfestellung lernen, ist abwegig.

    Auf dem echten Bolzplatz mag das noch dadurch klappen, dass man mit Älteren spielt, von denen man sich was abschaut. Innerhalb desselben Jahrgangs geht das nicht. Außerdem werden die Spätzünder, die es eben nicht von allein begreifen schlicht irgendwann frustriert aufhören.

    Einmal editiert, zuletzt von Fechter ()

  • Denke auch, der entscheidende Punkt ist, in welcher Altersklasse und wie oft.


    Wenn ein Trainer in 12 Minuten 15x einfriert, dann finde ich das absoluten Mist. Egal in welcher Altersklasse.

    Kann mir keiner erzählen, wenn man die Kinder/Spieler hinterher fragen würde. Und wie wars? >>> Super, hat echt Spaß gemacht!!!

    Klar, kann man immer irgendwas verbessern bis zum geht nicht mehr, aber wenn überhaupt kein Spielfluss aufkommt.


    Ok, 1-3 mal im Rahmen einfrieren in einer Spielform Session, aber 2019er Jahrgang 7-8 Jahre alt? Die lasse ich lieber kicken mit ein bisschen Coaching ab und zu von der Seitenlinie...


    Spielte früher im Musikverein und wir hatten einige Jahre einen Dirigent, der in den Proben vor dem Konzert alle 5-10s abgerissen hat. Klar, der hatte immer recht und feilte an allem bis zum Erbrechen. Das Endergebnis war auch top, aber ich habe es gehasst. Möchte ein Stück nicht einmal im Konzert von vorne bis zum Schluss spielen. Sorry, etwas abgeschweift...

  • F-linge zu trainieren ist toll, weil sie total viel umsetzen. Statt jedoch die Position im Raum zu korrigieren (einfrieren) wobei ich auch den Lerneffekt überschaubar finde, würde ich den natürlichen Spieltrieb nutzen.


    3vs0 vergessen viele Trainer. Wer das noch nicht gemacht hat, wird feststellen, dass der Ball schräg nach vorne eben nicht selbstverständlich ist.

    2vs1 oder gar 3vs1 sind Spielformen, die die Kinder mit Spaß darauf aufmerksam machen, dass es schlau sein kann, den Ball abzuspielen. In Varianten läuft der Gegenspieler von hinten ein oder entgegenkommend. Auch können alle drei sofort loslaufen aber der Gegenspieler muss noch ein Hütchen umrunden...
    Das Buch Fußballintelligenz spielerisch lernen ist voll mit diesen Übungen und Spielen die angepasst auf ne F sind.

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Coaching gehört bei mir zum Training dazu - die Frage ist, was für ein Coaching?

    Einfrieren und Vorträge: Nein!

    Spielfeldgröße, Spieleranzahl, wo stehen die Tore? usw.: Ja!


    Weil aber die meisten unter Coaching das Reden des Trainers und nicht das Handeln verstehen, sage ich: Im Kinderfußball will ich kein Coaching!

  • Genau, "Spielfeldgröße, Spieleranzahl, wo stehen die Tore?" Das schafft die Oma oder der Hausmeister. Also bitte, dann deutlich sagen, dass man auf Trainer verzichten sollte.

  • Spielfeldgröße, Spieleranzahl, wo stehen die Tore? Das sind elementare Steuerungsmöglichkeiten für ein Training. Die richtig einzusetzen um ein gewünschtes Verhalten zu provozieren kann ebend nicht jeder Hausmeister oder die Oma.

  • Ich sehe das wie Atzeikke - und ich sehe das auch auf den Trainingsplätzen im Umkreis: die meisten Trainer können diese Steuerungsmöglichkeiten nicht einsetzen (wenn sie sie überhaupt kennen).


    Und ja, wir verzichten einmal die Woche auf Trainer und lassen unsere F-Jugendlichen einfach Fußball 3 bolzen ;) - von Eltern betreut (größte Herausforderung ist: kein Coaching der Eltern! :) - weil meistens ist es schlechtes Coaching)

  • Das wäre doch mal ne Idee für einen Fortbildungskurs zur Lizenzverlängerung. Spieleranzahl, Torposition und Spielfeldgröße im Kinderfußball bestimmen. Wobei man das sicher aufgrund der Komplexität nicht in einem Termin hin bekommt.