Probleme mit schwachen Spielern

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  • Hallo zusammen,


    Ich stehe bei meiner C-Jugend (eher niedriges Kreisniveau, kleiner Dorfverein ohne JSG) in jedem Spiel vor dem Problem wie ich meinen schwächeren Spielern Spielzeit gewähren kann.


    Dadurch das wir nur eine Mannschaft pro Jahrgang besitzen habe ich ein sehr unausgeglichenes Leistungsgefüge. In der Mannschaft befinden sich ein paar sehr gute Spieler die über dem durchschnittlichen Niveau der Liga liegen. Dazu kommen einige durchschnittliche und dann eben auch 3-4 Spieler die deutlich unter dem Niveau vom Rest liegen.


    Unsere Spiele laufen generell immer relativ gleich ab:

    Ich starte mit der nominellen „A-Elf“ und wir spielen auch einen guten Fußball so wie ich mir das vorstelle und wie wir es trainieren, wir dominieren nicht komplett aber führen meistens zur Halbzeit mit 2-3 Toren. Soweit also alles gut.

    Sobald ich jedoch damit beginne meine schlechteren Spieler einzuwechseln kommt es schnell dazu das das Spiel kippt und wir gefühlt in Unterzahl sind. In mehreren Spielen hat es jetzt schon dazu geführt das wir die Führung verspielt haben und uns entweder noch zu einem Unentschieden gerettet haben oder das Spiel verloren haben.


    Mir ist bewusst das in dem Alter und der Leistungsklasse die Ergebnisse nicht an oberster Stelle stehen sollten. Jedoch führt diese Art von Spielverlauf insbesondere bei den besseren Spielern regelmäßig zu schlechter Laune nach den Spielen, was ich ehrlicherweise auch verstehen kann.

    Auch ich erwische mich dabei das ich schlecht gelaunt bin wenn wir die Spiele so aus der Hand geben. Die Stimmung in der Mannschaft ist bei allen deutlich besser wenn wir gewinnen (logisch) das zählt auch für die unterdurchschnittlichen Spieler, obwohl sie dann teilweise nicht viel Spielzeit gesehen haben.


    Wie würdet ihr in meiner Situation handeln? Die Spielzeit der schlechteren reduzieren, so dass die Mannschaft insgesamt mehr Erfolg hat? Oder weiterhin möglichst ausgeglichen verteilen auf Kosten des Erfolgs und der Moral der besseren Spieler?


    Vielleicht hat ja jemand Tipps oder Erfahrungswerte zu dieser wahrscheinlich nicht ganz unüblichen Situation.

    Danke schon einmal im Voraus für jede Antwort.

  • Wie wäre es denn, wenn du zwei deiner vier Spieler von Anfang an spielen lässt und dann Schwach gegen Schwach wechselst. So hat du keinen krassen Leistungsverlust, auch wenn das etwas zur Lasten der Performance der A-Mannschaft geht.

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • So etwas habe ich auch schon überlegt und ich probiere auch immer das ich nicht alle gleichzeitig auf dem Feld habe.


    Die besagten Spieler fallen aber wirklich stark vom Rest ab, ich habe die Mannschaft im Sommer übernommen und frage mich teilweise was da in der Vergangenheit gemacht worden ist. Das sind Jugendliche im Alter von 13-15 die seit mehreren Jahren Fußball spielen und teilweise nicht mal einen Ball annehmen können oder einen normalen Pass über 5 Meter spielen können.


    Dadurch wirken die Spieler auf dem Platz eher wie Statisten, deshalb werden sie vom Rest der Mannschaft auch nicht angespielt da der Ball meistens direkt verloren ist.


    Das hört sich vielleicht hart an ist aber leider so der Fall, da fällt es mir als Trainer auch schwer zu argumentieren diese Spieler mit einzubeziehen.


    Wir versuchen natürlich diese Defizite im Training aufzuholen und ich habe das Training auch schon teilweise in 2 Gruppen aufgeteilt damit die besseren Spieler nicht unterfordert sind. Es ist aber einfach ein riesiger Leistungsunterschied.

  • solche Untalente hat fast jedes Dorfteam.

    Und wenn du nur einen aufstellst und zwei Mal auf dieser Position tauschst, jeder also ein Drittel spielt.?. immer noch besser als nachher drei auf dem Platz zu haben und unter die Räder zu kommen.

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Wie wäre es, wenn Du die Jungs fragst, wie Ihr das lösen könnt?


    Ideen für so ein Gespräch:

    - Es geht um das gemeinsame Finden von Lösungen, nicht um Schuldzuweisungen.

    - Habt ihr Ideen, wie wir es schaffen, dass alle Spaß haben und wir trotzdem erfolgreich sind?

    - Jeder Spieler sollte was sagen. Du kannst am ende zusammenfassen.


    Ich glaube, da steckt eine ganz große Chance für Dein Team, gerade im C-Jugendalter, dieses Problem zu lösen: Die Spieler fühlen sich ernst genommen und als Teil der Lösung. Es entsteht Verständnis für unterschiedliche Perspektiven. Die Verantwortung für die Teamkultur wird geteilt. Du stärkst das Teamgefühl und die persönliche Entwicklung der Spieler und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Gerade für einen kleinen Dorfverein wichtig. Idealerweise engagieren sich die Jungs später mal selbst als Trainer.

  • Für mich Richtiges ist schon geschrieben worden:

    nicht mit der A-Elf starten, sondern dafür sorgen, dass durch Wechsel das Spielniveau etwa gleich bliebt.

    In der Aufstellung dafür sorgen, dass die Schwächeren von Stärkeren umgeben sind und helfen können.

    Ich würde zusätzlich gerade schwache und starke Spieler im Training gemeinsame Übungen machen lassen (wenn zwei nicht passen können und gemeinsam üben wird das nie besser).

    Das Ganze aber mit der Mannschaft besprechen: warum mache ich was!

  • Also ich bin schon Ü40 und soweit ich mich erinnern kann hatten wir damals schon das gleiche Problem als ich in der D/C-Jugend war. Ich hab selbst in der E-Jugend angefangen, da waren aber trotzdem genug schwächere dabei. Die Lösung war damals die schwachen im Sturm aufzustellen und die Starken in die Verteidigung um den Bus zu parken.


    Ich habe in meiner F-Jugend derzeit auch ein paar Kids die einfach keine Fußballer sind. Die trainieren bei mir seit 1 1/2 Jahren leider sehr unregelmäßig. Obwohl ich schon in der G-Jugend 2x die Woche Training angeboten habe. Bei mir wird wirklich sehr viel Funino 2v2 oder 3v3 gespielt und trotzdem sieht man bei dem ein oder anderen kaum Entwicklung 🤷🏼‍♂️ die stärkeren 10 haben sich im Gegensatz überdurchschnittlich entwickelt. Also am Training kann es nicht liegen.


    Der Ansatz alle in die Lösungsfindung einzubinden finde ich auch sehr gut. Wenn es dumm läuft wirst du die besseren sonst über kurz oder lang wahrscheinlich verlieren.

  • Hier mal die Sicht eines Betroffenen (selber am Ball hochgradig untalentiert). Ich konnte auf dem Niveau, das du beschreibst immer ganz gut mithalten. Dazu musste ich mehr laufen und als Verteidiger etwas robuster, manchmal auch cleverer sein, als die Stürmer, die am Ball alle besser waren als ich. Mein Vorteil war immer, dass ein Spieler im Schnitt nur zu 5% des Spiels tatsächlich in Ballbesitz ist. Damit war ich zu 95% ein guter Spieler.


    Ist heute natürlich viel schwieriger wenn der Trainer einen kontrollierten Spielaufbau aus der Defensive fordert, wo früher ein Befreiungsschlag ins Aus auch schon gelobt wurde. Aber auch da hätte ich gewusst, in welche Richtung der Ball muss, damit ein versierterer Mitspieler den Gegenangriff einleiten kann.


    Mit diesen Ansätzen machst du aus deinen Untalentierten zwar keinen Messi, aber sie behalten den Spaß und die Akzeptanz, um am Ball zu bleiben und damit die Chance, sich (wenigstens ein bisschen) weiterzuentwickeln.

  • Ich oute mich auch mal als Betroffener: (Tenor halt den Gegner so lange auf bis Fußballer kommen)

    Und selbst die 5% sind zu hoch gegriffen!

    Meine Jungs haben immer wieder gestaunt wenn ich ihnen vorgerechnet habe, dass sie maximal 2-3 Minuten in einem Spiel tatsächlich am Ball sind.

    Konsequenz: die übrigen 9x% sind Stellungspiel und Laufarbeit!

  • Danke erstmal für die Rückmeldungen.

    Das Ganze offen anzusprechen wird wohl die beste Lösung sein, jedoch habe ich das Gefühl das einige der Schwächeren gar nicht unbedingt wissen oder wahrhaben wollen das die leistungsmäßig hinterherhinken.

    Ich werde es trotzdem ansprechen und hoffe auf eine gute Selbsteinschätzung in dem Alter.


    Leg0_o den Punkt mit dem Training kann ich so nur bestätigen. Es sind leider die besagten Spieler die am meisten fehlen oder im Training auch nicht so aufmerksam sind und Schwierigkeiten haben Sachen umzusetzen.

    Im Sommer hatte ich die Hoffnung das die Lücke zu den guten geschlossen wird aber es ist eher das Gegenteil. Die talentierten und engagierten Spieler werden besser und der Unterschied wird eher größer da die schlechteren etwas auf der Stelle treten.

  • CommentNCo

    Wenn ich es richtig verstanden habe, dann trainierst Du eine C-Jugend im Breitensport.

    C-Jugendliche sind körperlich und geistig hochgradig pubertierend.

    Hier von schwachen und starken Spielern zu schreiben finde ich sehr gewagt. In diesem Alter ist die körperliche und manchmal auch geistige Entwicklung sehr, sehr weit auseinander. Daher kann es zu extremen Leistungsunterschieden im Können und Wollen innerhalb deiner Mannschaft kommen. Beispiel: Du hast bestimmt noch einen Spieler dabei, der im Körper eines E-Jugendlichen steckt und eine Spieler der 185cm Gardemaß hat. Daran kannst du schon festmachen, dass es nur früh und spätentwickelte Jugendliche in deinem Team gibt.

    Jungs in dieser Alterstufen haben auch ein mentales Problem. Beispiel: "Ich kann nichts", "ich bin der Schlechteste", "keiner mag mich", "eigentlich habe ich keine Lust" usw. usw.

    Das ist normal in dieser Alterstufe. Wenn Du dir die Jungs genau ansiehst, dann kannst Du auch erkennen, dass die Extremitäten bei vielen Spielern auch unterschiedlich schnell wachsen (linkes Bein länger als das Rechte). Wie soll ein Spieler mit zwei unterschiedlich langen Beinen gut Fußballspielen können? Wie soll ein Spieler mit sehr schwankenden Selbstwertgefühl gut Fußballspielen können?


    Dein Job sollte es sein, mit den Jungs sehr viel koordinative Spiele und Übungen, im Training zu machen. Wenn Du dann diese Spiele auch noch als Mannschaftswettbewerbe machst, wirst Du auch das Teambuilding verstärkt fördern.

    Wenn du dann auch immer mal wieder eine Trainingseinheit für Teambuilding (Stadionbesuch, Schwimmen gehen, Zelten, "opferst" kann es dir sogar gelingen, ein echtes Team zu formen. Die Jungs in dieser Alterstufe sind dafür sehr empfänglich.

    Wenn sie sich als ein Team betrachten, dann werden die Jungs auch aktzeptieren, dass alle das Recht auf gleich Spielzeit haben.


    C-Jugend ist für einen Trainer wirklich nicht so einfach. Manchmal hilft es, wenn man zurück zur D-Jugendzeit der Jungs zurückblickt. So wie sie dort waren, so werden sie fast immer in der B-Jugend sein.

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

  • [...]

    Wenn sie sich als ein Team betrachten, dann werden die Jungs auch aktzeptieren, dass alle das Recht auf gleich Spielzeit haben.


    [...]

    Sowohl als Spieler als auch als Trainer sind das die Teams, die mir am meisten Spaß gemacht haben bzw. machen.

    Das ist im Breitensport so wichtig und auch eine gute Basis für Erfolge und das gemeinsam ertragen von Niederlagen.


    Und die anderen von Dirk angesprochenen Pkt. halte ich auch für sehr wichtig und richtig.

  • Moin, du schreibst auch von einer Mannschaft pro Jahrgang. Sind die "schwachen" der jüngere Jahrgang in deiner C-Jugend ?


    Gerade in der C ist auch das Längenwachstum ein Problem. Die jüngeren haben es da deutlich schwerer da auch zusätzlich körperlich unterlegen. Da sieht alles schwach aus. Zu langsam , keine Durchsetzung usw

  • Bei unserer D-Jugend sieht es ähnlich aus. Sehr ausgeprägtes Leistungsgefälle und zu wenig Spieler, um zwei Mannschaften zu melden. Seit Monaten wird jedes Spiel zweistellig verloren. Ich glaube, letzten Herbst gab es immerhin mal ein Untenschiden.

    Habe neulich mal ein Spiel der Mannschaft gesehen...joa...nach Spielfreude sah das dann irgendwann nicht mehr aus.


    Die drei vier starken Spieler der Mannschaft haben keinen Bock mehr auf das ständige Verlieren und wollen mit Fußball aufhören oder den Verein wechseln.


    Wenn man nur eine Mannschaft melden kann, ist das echt schwierig. Entweder verlierst du die Schwachen, weil sie zu wenig spielen oder die Starken wollen irgendwann weg, weil sie auch mal gewinnen wollen.


    Ich würde mal mit der Mannschaft sprechen und versuchen, einen gemeinsames Ziel auszuarbeiten. Ich glaube nämlich, dass manche schwächere Spieler es gar nicht soo schlimm finden, mehr auf der Bank zu sitzen als andere, wenn die Mannschaft dafür dann erfolgreicher ist. Die sind ja nicht dumm und spüren durchaus, dass sie mitunter ein Faktor für eine Niederlage sind, auch wenn es niemand ausspricht. Manche wollen diese Verantwortung überhaupt nicht.

    Oder vielleicht es ist umgekehrt und der Mannschaft ist es vor allem wichtig, dass alle spielen und vielleicht ist die schlechte Laune nach einem verlorenen Spiel gar nicht nachhaltig, sondern nur temporär.

  • Ich plädiere schon lange, sich weder auf die Starken oder die Schwachen zu konzentrieren sondern auf die in der Mitte. Wie bei einer Gauß'schen Kurve. Die Besten wollen eh irgendwann mehr und die Schwächsten hören auf. Die Mitte ist das Fundament.

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Latinl mit einer Mannschaft pro Jahrgang meinte ich eine Mannschaft pro Jugend also 1x C, 1x B usw.


    Einen Zusammenhang mit dem Alter der Spieler kann ich nicht feststellen, das betrifft auch 2 die mit am ältesten sind.


    Mir ist bewusst das es in der Pubertät deutliche Unterschiede in der Entwicklung gibt, diese Unterschiede gibt es aber schon über Jahre. Ich bin gleichzeitig Jugendwart im Verein und verfolge diese Mannschaft deshalb schon länger.


    Mit meiner Bezeichnung von „guten“ und „schlechten“ Spielern möchte ich natürlich keine Jugendlichen abschreiben, schlecht reden o. Ä.

    Ich wollte nur den Unterschied darstellen.


    In der Vergangenheit habe ich selbst erlebt das aus einem vermutlich „schlechten“ Spieler in der C-Jugend durch regelmäßiges Training und Lernbereitschaft in der A-Jugend ein sehr solider Spieler geworden ist.


    Ich werde definitiv keine Spieler vernachlässigen nur weil sie im Moment schwächer sind als andere, jedoch fällt es mir wie im Erstbeitrag beschrieben schwer diese auch sinnvoll einzusetzen.

    Einige Vorschläge von euch werde ich aber definitiv umsetzen.