Vielleicht ist das hier eine (teilweise) unbeliebte Meinung, aber ich erzähle mal.
(für den Kontext: E-Jugend Mannschaft, Dorfverein)
Die Kinder sollen Spaß haben und optimal ausgebildet werden. In den meisten Fällen geht das ja auch miteinander einher. Aber ich stoße auch immer wieder auf Situationen, bei denen das auch mal Zielkonklikte sein können und ich mir nicht sicher bin, welcher Aspekt mehr gewichtet werden sollte.
Beispiele, die mir dazu einfallen:
- In der E-Jugend sollte man den Kindern nicht das Dribbeln und die Lust auf 1gg1 Duelle abgewöhnen. Passspiel ist eine Option, aber kein Muss. Natürlich alles situationsabhängig. Nun ist es aber so, dass zu viele Alleingänge durch die stärkeren Spieler oft zu Unmut bei denjenigen führt, die zwar frei stehen, aber den Ball nicht bekommen. Hier mahne ich dann doch öfter dazu, nicht unbedingt jedes 1gg1 mitzunehmen, das sich anbietet. Nicht unbedingt, weil das erfolgsversprechender wäre, sondern einfach, damit alle mehr Spaß am Spiel haben. Auch wenn ich damit dem Dribbler ein wenig seine Entwicklung einbremse.
- Am liebsten möchten die Kinder zum Ende des Trainings ein klassisches Abschlussspiel machen. Ich werde öfter danach gefragt. Am liebsten 7gg7. Da haben die einfach Bock drauf. Zugunsten der besseren Ausbildung gebe ich dem Wunsch aber nur in Ausnahmefällen nach. Kompromisse sind dann 3gg3 oder 4gg4 auf zwei Feldern. Am liebsten wären ihnen vermutlich, wenn ich sie statt Training einfach nur anderthalb Stunden frei spielen lassen würde.
- Fair verteilte Spielzeit VS Spiele gewinnen: Der Ausgang der Spiele ist zweitrangig, wichtiger ist dass die Spielzeit der Spieler fair verteilt wird. Es sei denn, man fragt die Kinder. Zu meiner Überraschung habe ich schon öfter erlebt, dass manche lieber mehr auf die Bank wollen, um dafür vermeintlich bessere Spieler einzuwechseln und das Spiel eher zu gewinnen. Das hat sicher auch mit gefühltem Druck zu tun, wobei ich mir immer Mühe gebe, den Kindern keinem Erfolgsdruck auszusetzen und ihnen klar zu machen, dass wir das alles nur für die Freude am Spiel machen. Auch die Eltern scheinen die gleiche Philisophie zu vertreten. Aber es ist nun mal wie es ist...nach Siegen ist der Jubel groß und nach Niederlagen sind viele niedergeschlagen. Niederlagen zu verarbeiten gehört natürlich zum Reifeprozess dazu und wenn wir verlieren, dann gewinnt wenigstens die andere Mannschaft. Die Anzahl der Kinder, die sich über das Ergebnis freuen (Teamübergreifend) bleibt also in beiden Fällen gleich.
- Gleiches gilt für unbeliebte Positionen. Ich setze Kinder oft auf verschiedenen Positionen ein. Unter anderem auch mal auf deren schwächsten Positionen. Und das führt nicht immer zu Begeisterung. Kennt ihr sicher alle auch. Für die Ausbildung ist das in der E-Jugend wohl sinnvoll. Für den Spaß am Spiel nicht immer (gibt natürlich auch Kinder, denen die Position ziemlich egal ist). Annekdote: Wir spielen ein 2-3-1 und am unbeliebtesten ist erstaunlicherweise die Stürmerposition.
Ich trainiere eine E-Jugend im Dorfverein. Realistischerweise muss ich annehmen, dass ein gewisser Anteil meiner Manschaft irgendwann (aus unterschiedlichen Gründen) mit Fußball wieder aufhören und nie Herrunfußball spielen wird. Das heißt, je nachdem wie früh sie aufhören, ernten sie kaum die Früchte ihrer guten Ausbildung. Ihre "Ausbildungszeit" ist gleichzeitig ihre Gesamtzeit im Fußball.
Und bei den Beispielen zu den Zielkonflikten frage ich mich dann manchmal, ob ich manchen Kindern nicht unrecht tue, wenn ich zu sehr den Fokus auf die Ausbildung lege.
Dazu kommt dann vielleicht sogar noch die Frage, ob das Leben besser ist, nur weil man in der Kindheit als Fußballer besser ausgebildet wurde und nun Bezirksliga statt Kreisklasse spielt. Aber diese Frage hier zu erörtern würde wohl den Rahmen sprengen und mehr ins Philosophische gehen. Das ist wohl eine andere Diskussion.
Klar ist natürlich auch, dass besonders durch abwechslungsreiches Training in Spielformen und einem Training in entspannter Atmosphäre meistens beide Ziele (Spaß, Ausbildung) gleichermaßen erfüllt. Aber wie beschrieben...nicht ohne Ausnahmen.
Wie geht ihr sowas an?
