Belastungssteuerung

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  • Hallo Kollegen, der Begriff der "Belastungssteuerung" oder der "Periodisierung" des Trainings wird häufig verwendet. Allerdings finde ich dazu wenig Material, insbesondere nicht in Bezug auf Junioren (C-Jugend aufwärts). So bleibt zum Beispiel für mich die Frage ungeklärt, inwiefern die Regeneration ausreicht, wenn Freitag Abend trainiert und Samstag Mittag gespielt wird. Besteht hier aufgrund relativ kurzer Regeneration ggf. ein erhöhtes Verletzungsrisiko? Oder ist das undramatisch, wenn ansonsten nur 2 bis 3mal die Woche trainiert wird (Breitensportverein)?

    Dieser Punkt ist nur ein Beispiel. Habt Ihr vielleicht Literaturtipps, die speziell den Amateur- und Juniorenbereich betreffen? Vielen Dank!

  • Freitagabend Training und Samstagmittag Spiel ist belastungstechnisch suboptimal. Entweder man trainiert nur mit geringerer Intensität oder verkürzt die Trainingsdauer. Andernfalls riskiert man tatsächlich Verletzungen oder die Spieler sind so ermüdet, dass sie nicht ihre Leistung abrufen können.


    Fast noch schlimmer ist Samstag Spiel und Montag Training bzw. Sonntag Spiel und Dienstag Training. Der Körper braucht nämlich nach einer Belastung wie einem Fußballspiel etwa 72 Stunden, um sich wieder komplett zu erholen. Und der zweite Tag nach einer derartigen Belastung ist der gefährlichste, weil hier die Nährstoffspeicher komplett leer sind. Das ist die Phase, in der die Verletzungsanfälligkeit an größten ist.


    Ich kann Dir diesen Artikel von spielverlagerung.de empfehlen. Die darin behandelten Prinzipien und Mechanismen gelten für alle Alters- und Leistungsklassen: » Trainingssteuerung.

  • Vielen Dank, ob ich Deine Schlussfolgerung teile, dass die Ausführungen auch für den Breitensport gelten, weiß ich aber nicht. Es ist doch eine völlig andere Belastung, wenn die Profis unter der Woche an sechs Tagen, teilweise zweimal trainieren. Da sind die Speicher natürlich schneller leer. Die haben doch eine viel größere Belastung als ein C-Jugendlicher, der zweimal die Woche trainiert. Belastungssteuerung im Breitensportverein ist ein weißer Fleck in der Diskussion. Ist eben weniger Geld im Spiel, Verletzungen haben kleinere monetäre Auswirkungen..

  • Durch das jahrelange Training sind Profis aber auch deutlich robuster, was Belastungen betrifft. Schick mal einen Amateur ins Bayerntraining. Wenn der versucht mitzuhalten, wird er schnell an seine Grenzen stoßen und sich ohne Erholung bald verletzen.

    Will sagen: Man gewöhnt sich an Belastungen. Wer nur zweimal die Woche trainiert, bekommt Probleme, wenn es plötzlich drei oder vier Trainings werden. Auch bei einer geringeren Trainingsbelastung muss periodisiert werden. Und dabei sind die gleichen Prinzipien zu berücksichtigen.

  • Ich würde aber schon bezweifeln, dass man die Belastung und Regeneration eines C-Jugendlichen Kreisliga-Kickers mit der eines Vollprofis vergleichen kann.


    Natürlich sind das unterschiedliche Belastungen, Anforderungen und andere Voraussetzungen. Und grundsätzlich sind die einen durchtrainierter und leisten mehr, die anderen sind weniger trainiert und leisten weniger.


    Aber ich sehe Jugendliche, die nach ihrem Spiel noch aufs Tor pöhlen wollen (und können). Und auf der anderen Seite sehe ich Profis, die nach dem Spiel nicht mehr geradeaus laufen können. Es gibt auch Kreisliga-Kicker, die morgens in der Zweiten spielen und nachmittags noch mit zur Ersten fahren. Als ich 18 war habe ich mal zwei Spiele nacheinander gespielt (A-Jugend-Landesliga und Senioren-Kreisliga). Mag sein, dass das 2006 noch was anderes war und vielleicht auch nicht richtig so war. Aber ich denke nicht, dass in der C-Jugend-Kreisliga diese Maßstäbe angesetzt werden müssen. Wir befinden uns auf einem ganz anderen Leistungsniveau und was mache ich jetzt mit Spielern, die nebenbei andere Sportarten machen oder Schulsport haben? Sollen die nach ihrem Tennisspiel dann auch 72 Stunden kein Fußball spielen?


    So sehr man vielleicht den Ansatz auch im Hinterkopf behalten sollte: umsetzbar wird das nicht für viele sein und ich finde es fraglich, ob das aus dem Spitzensport 1 zu 1 übertragbar ist.

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  • Nicht jede Überbelastung führt automatisch zu Verletzungen. Trotzdem sollte man Vorsicht walten lassen. Auch wenn es bei manchen Vereinen keine anderen Platzzeiten gibt, sollte man zumindest die Trainingsintensität so anpassen, dass die Spieler im Wettkampf noch halbwegs leistungsfähig sind. Man sollte also schon gewisse Prinzipien berücksichtigen, um Spieler nicht dauerhaft zu gefährden. Und diese Prinzipien gelten unabhängig von Alter und Leistungsniveau.

  • Hier ein kleiner Artikel zur Regeneration und körperlichen Verfassung von 8- bis 12-Jährigen: Offenbar sind zumindest im unteren Bereich die Kinder müdigkeitsresistenter und erholen sich schneller als Erwachsene.

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  • Hier ein kleiner Artikel zur Regeneration und körperlichen Verfassung von 8- bis 12-Jährigen: Offenbar sind zumindest im unteren Bereich die Kinder müdigkeitsresistenter und erholen sich schneller als Erwachsene.

    Danke, das stand vor einiger Zeit auch im Spiegel. Ich hatte den Artikel einigen überbesorgten Eltern in der E-Jugend zugeleitet (verbunden mit dem Argument, dass die Kinder sich auch weiter bewegen und in Wettkämpfen messen, wenn kein Training ist, zum Beispiel auf dem Schulhof). Interessant ist aber der ältere Juniorenbereich (ab C-Jugend). Vielleicht versuche ich hierzu mal mein Glück mit einer Anfrage beim DFB ...

  • Danke, das stand vor einiger Zeit auch im Spiegel. Ich hatte den Artikel einigen überbesorgten Eltern in der E-Jugend zugeleitet (verbunden mit dem Argument, dass die Kinder sich auch weiter bewegen und in Wettkämpfen messen, wenn kein Training ist, zum Beispiel auf dem Schulhof). Interessant ist aber der ältere Juniorenbereich (ab C-Jugend). Vielleicht versuche ich hierzu mal mein Glück mit einer Anfrage beim DFB ...

    Ich weiß nicht, ob der DFB mit dem Thema sich tiefergehend damit befasst.


    Immerhin bietet man dort Montags in vielen Teilen Deutschlands Stützpunkttraining an, obwohl fast alle Jugendspiele Samstags stattfinden. Entweder ignoriert man das Thema oder man beim DFB Erkenntnisse, dass das keinen allzu großen Einfluss hat.

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  • Ich würde gerne noch hinzufügen, dass Trainer im Breitensport auch nicht den Gesundheitssportaspekt außer acht lassen sollten.

    Wenn die Spieler bis ins hohe Alter die freude am Fußballspielen und Sport behalten hat man viel erreicht. Ein Grundpfeiler dafür ist , dass die Kinder und Jugendlichen ihren eigenen Körper kennen und selbst einschätzen können wie sie sich fühlen.

    Eine genaue Periodisierung ist im Breitensport oft einfach nicht machbar. Für genaue Messungen oder qualitative Beobachtungen mangelt es einfach an Personal, Zeit und Geld.

    Man sollte aus diesem Grund immer wieder auf die Spieler zugehen, sie fragen wie sie sich fühlen und ernsthaft zuhören und reagieren.

    Ich frage z.b. immer am Anfang des Trainings nach, ob sich jemand schlecht oder unfit fühlt. Merke ich beim Training, dass ein Spieler schnell Erschöpfungsanzeichen zeigt, nehme ich ihn mir beiseite und spreche mit ihm darüber. Themen dabei sind immer Ernährung, Schlaf und eben auch Belastung.

    Am Ende des Trainings frage ich dann immer wie Anstrengend die Mannschaft das Training fand.

  • Beitrag von TorRalf ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().
  • Ich habe den Autor des von let1612 gefundenen Blogs zu meiner Frage angesprochen. Jürgen Pranger war einverstanden, dass ich sie hier wiedergebe (Vielen Dank, Jürgen !!!)


    'Belastungs- und Regenerationsmanagement ist ein sehr komplexes Thema und der Großteil der Literatur bezieht sich auf den semiprofessionellen Fußball, professionellen Fußball oder leistungsorientierten Jugendfußball. Die Grundprinzipien bleiben jedoch gleich.


    Die übergeordnete Frage ist: Wann darf ich meine Spieler wie stark belasten, damit sie sich körperlich bestmöglichst weiterentwickeln, ohne sich zu verletzen.


    So, einfach gesagt, als dann in der Praxis umgesetzt.


    Da jeder Spieler auf eine Belastung unterschiedlich reagiert und auch unterschiedlich schnell regeneriert, ist es entscheidend zu wissen, wie der einzelne Spieler auf die gesetzte Belastung reagiert hat und, ob er ausreichend regeneriert ist, um die nächste Belastung zu tolerieren.


    Im Grunde kann dies nur über ein entsprechendes Monitoring funktionieren. Entweder man nutzt ein Trackingsystem oder man erhebt subjektive Daten, wie die Rate of perceived exertion etc. und leitet daraus entsprechende Konsequenzen für sein Training ab.


    Um auf deine Frage zurückzukommen... "inwiefern die Regeneration ausreicht, wenn Freitag Abend trainiert und Samstag Mittag gespielt wird. Besteht hier aufgrund relativ kurzer Regeneration ggf. ein erhöhtes Verletzungsrisiko? Oder ist das undramatisch, wenn ansonsten nur 2 bis 3mal die Woche trainiert wird (im Breitensportverein)?"


    Das kann so pauschal nicht beantwortet werden. Wichtig ist, dass die Spieler vollkommen erholt in das Spiel gehen. Ansonsten, wie du schon richtig erwähnt hast, wird nicht nur die Leistungsfähigkeit gemindert, sondern die Verletzungswahrscheinlichkeit der Spieler steigt. Das bedeutet folglich, dass das Training am Freitag Abend so gewählt werden muss, dass die Spieler spätestens Samstag Mittag vollkommen regeneriert sind. Die Schwierigkeit dabei ist, dass die passendes Trainingsbelastung von Mannschaft zu Mannschaft und sogar von Spieler zu Spieler variiert (deswegen ist ein Monitoring so wichtig => Belastung zu hoch? Belastung passt? Belastung zu niedrig?).


    Auch ein Training am Donnerstag kann zu intensiv ausfallen und die Spielleistung am Samstag negativ beeinflussen. Deswegen kann nicht pauschal gesagt werden, dass in diesem Fall ein Training am Freitag falsch oder richtig ist. Die richtige Antwort darauf ist leider - und ich weiß, dass ist nicht sehr befriedigend - es kommt darauf an (= Intensität, Umfang, Leistungsniveau der Spieler).


    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. "

  • Mir gefällt der Ansatz mit den subjektiven Eindrücken der Spieler sehr gut - sicherlich ab der U15 auch verlässlich möglich. Um es nicht zu übertreiben, reicht es ja, nach dem Training in die Runde zu fragen, wie intensiv das Training wahrgenommen wurde (Skala von 1 bis 10). Mit einem Durchschnittswert kann ich schon arbeiten und kann abschätzen, welche Schwerpunkte ich für das nächste Training setze und wie intensiv es sein sollte. Oder man setzt sich das Ziel, für eine Woche im Schnitt bei jeder Einheit bei 7 zu liegen.


    Ich möchte ungern für 20 Spieler Buchführung machen und ständig Zahlen eintippen, um ihre Regenerationszeit zu berechnen. Wenn ich mich aber am Durchschnitt der Mannschaft orientiere, werde ich jedoch wohl den meisten gerechter als bislang.


    Ich werde das mal ausprobieren. Nach ein paar Monaten Erfahrungen auf dem Gebiet werde ich das sicherlich noch besser durch die Trainingsplanung steuern können. Allerdings bestimmen ja meist die Spieler selbst die Intensität im Training und das ist für den Trainer kaum planbar.

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  • Ich frage mich, ob ich nicht auch (zusätzlich?) den Erschöpfungszustand vor dem Spiel abfragen müsste. Denn wenn die Regenerationszeit unterschiedlich ist, kann sich ein Spieler, der nach dem Training bei 9 lag, ja vor dem Spiel wieder fit sein, während das bei einem anderen, der nach dem Training bspw. bei 8 lag, noch nicht der Fall ist.

    Oder mache ich hier einen Denkfehler?

  • Nein, das ist mit Sicherheit auch bei jedem unterschiedlich, abhängig von Kondition und Konstitution. Vor allem im Breitensport wird das ganz weit auseinandergehen.


    Aber auch hier wird es meiner Meinung nach zu viel Aufwand, wenn man es für jeden Spieler einzeln macht. Mit dem Durchschnitt zu arbeiten ist wahrscheinlich vom Aufwand/Nutzen-Verhältnis am sinnigsten.

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  • Eine benötigte Regenerationszeit von 72 Stunden halte ich in der Regel auch im Amateurbereich für überzogen.

    Dies mag vielleicht bei manchen Spielern im Moment aufgrund des vergangenen Lockdowns hinhauen.


    Wenn die Spieler nur Ansatzweise gut trainiert sind, reicht ein Tag Pause zwischen Spiel und Training (also 48 Stunden) in der Regel locker aus. Am Abend vor dem Spiel allerdings noch eine normale Trainingseinheit durchzuziehen halte ich hingegen wieder für sehr knapp bemessen (weniger als 24 Stunden).

    Das bedeutet nicht, dass sich einer der Spieler beim Spiel zwangsläufig verletzt, aber vielleicht wird ein Spieler schon in der 50. Minute müde der mit optimaler Erholung vielleicht bis zur 70. Minute durchgehalten hätte.