Streitthema Talentfoerderung

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  • Hier die Torjägerlisten der U17 Bundesligen. Ich bin mal gespannt, wer es nach oben schafft und wer sich dann für Deutschland entscheidet.

    fupa.net

    Interessant finde ich hier die Preßler-Zwillinge aus der BuLi-West.

    Mit 13 sind beide gemeinsam zum VFL-Bochum gewechselt.

    Beim Übergang zur U17 blieb einer beim VFL, der andere wechselte zu Rot-Weiß Essen. Ob der, der nach Essen gewechselt ist in Bochum nicht übernommen wurde, oder dem Konkurrenzkampf mit dem eigenen Bruder aus dem Weg gehen wollte, weiß man natürlich nicht.

    Jedenfalls war Mats in Essen der erfolgreichere Torjäger.

    Zur neuen Saison wechseln beide gemeinsam in die U19 von Mainz 05.

  • Wie steht ihr zu der heutigen Talentförderung? Für mich ist die stark verbesserungswürdig und müsste für mich auf den Prüfstand. Meine Punkte sind:

    - für den Stützpunkt wird am Ende der E-Jugend gesichtet und die Kinder/Jugendlichen gehen Montags zum Stützpunkttraining in der D- und C-Jugend. Ab welchem Alter ist eine Talentprognose einigermaßen verlässlich?

    - die Stützpunktspieler sollen ambitioniert Fußball spielen (wird bei uns in der Region mit Bezirksoberliga gleichgesetzt) - die Vereine der Bezirksoberliga müssen sich die Spieler oftmals zusammen scouten

    - in den NLZs spielen die talentierteren (oder zum jetzigen Zeitpunkt leistungsfähigeren) Spieler - das System unterscheidet allerdings nicht zwischen D- und C-Jugend (in der D-Jugend ist Bezirksoberliga das höchste bzw. Förderliga und in der C- Jugend habe ich darüber Regionalliga und Bayernliga - also ein anderes Ligensystem)


    Aus meiner Sicht müsste man in jüngeren Jahren in der Breite mehr fördern und den Kindern mehr Möglichkeiten bieten sich mit anderen zu messen. Meine Ideen:

    - All-Star-Games oder All-Star-Trainings von Staffeln - z.B. 6 Mannschaften pro Staffel in der D-Jugend -> 3 Kinder pro Team -> 18 Kinder -> 9 gegen 9 (gerne auch in einer kleineren Spielform)

    - Auswahlspiele oder Auswahltrainings über Staffeln hinweg - Gruppenauswahl, Kreisklasssenauswahl oder Kreisligaauswahl usw.

    - flexible Spielgemeinschaften - warum nicht ein paar Spiele mit gemischten Mannschaften (die meisten Mannschaften haben 2-4 gute Spieler und aus denen werden 2 Mannschaften gebildet)

    - flexibleres Zweitspielrecht - wird bei uns im Basketball v.a. gemacht. Du spielst bei deinem Heimatverein und bei einem Leistungsverein.

    Dadurch würde man aus meiner Sicht einer breiteren Masse in der D-Jugend und dann in der C-Jugend Spiele auf einem höheren Niveau bieten können.

    Die Maßnahmen würden aus meiner Sicht auch zu einem besseren Miteinander in der Liga führen, weil sich die Kinder/Jugendliche besser kennen.


    Wie seht ihr das?

  • Stützpunkt ist die allerletzte Schlangengrube bei uns. Die Spieler werden mitnichten verbessert oder gefördert. Es wird häufig geklüngelt. Die wirklich guten Jungs haben es ohne den Stützpunkt ins NLZ geschafft.

    Die Trainer nehmen die 300€ gerne mit und legen den Fokus auf andere Tätigkeiten (Jugendleiter etc).

  • Sichtung nicht nur an einem bestimmten Tag sondern über mehrere Termine oder die Kinder auch mal in einem Spiel beobachten. Bei den Sichtungstagen sind sowieso zu viele Kinder und für die meisten ist es nur eine Belohnung von den Trainer. Richtig sind sie da eigentlich nicht

  • Stützpunkte sind an sich keine schlechte Einrichtung, erfüllen meiner Meinung nach aber selten das, was sie eigentlich erreichen möchten und ihre Wirkung hängt sehr stark vom restlichen fußballerischen Umfeld in der Region ab.

    In meinen Augen ist der DFB-Stützpunkt (der gerne schon zum letzten E-Jugend-Jahr, also ein Jahr früher starten könnte) eher dazu geeignet, Spielern, die noch nicht weit genug für leistungsorientierten Fußball im LZ sind eine Möglichkeit zu geben sich neben dem Vereinstraining auf ambitionierterem Niveau zu messen. Was den Stützpunktspielern aber leider fehlt ist die Spielpraxis mit starken mit und Gegenspielern auf hohem Niveau. Bei uns sind am Stützpunkt Spieler aller Klassen -von Gruppe bis Bayern- bzw. Förderliga- da ist die Spreizung schon extrem.

    Speziell in Bayern finde ich es z.B. unglücklich gelöst, dass die Spieler der BFV-NLZ (im Gegensatz zu denen der BuLi-NLZ) Montags am Stützpunkt trainieren müssen und damit ein Mannschaftstraining auf hohem Niveau verpassen und stattdessen das gemischte Niveau am Stützpunkt haben. Natürlich bekommt man durch die anderen Trainer und Mit-/ Gegenspieler auch den ein oder anderen Impuls, aber grundsätzlich halte ich es im Leistungsniveau besser öfter im Mannschaftsverbund zu trainieren.


    Im Leistungsbereich würde ich komplett auf Förderligen / Förderturniere setzen.

    Bezogen auf Bayern wäre eine engere Verzahnung zwischen Bundesliga und BFV-NLZ denkbar, so dass immer wieder vergleiche zwischen den beiden "Ebenen" möglich sind.

    Das Thema Zweitspielrecht funktioniert im Basketball ganz gut, allerdings spielen die Talente im Basketball dann normalerweise in älteren Mannschaften des Heimatvereins (mit 14/15 z.T. schon bei den Herren), was da aufgrund der geringeren Körperlichkeit funktioniert, im Fußball vermutlich schwieriger ist. Die Idee ist aber natürlich sehr gut geeignet um Spielzeit für die Talente zu generieren, funktioniert aber nur dann, wenn dadurch im Heimatverein andere dafür keine Spielzeit einbüßen.

    Auf Kreis-/Bezirksebene finde ich Deine Idee der Auswahl-/Allstar-Teams interessant.

    Zur Sichtung: der eine Talentsichtungstag ist sicher nicht die beste Möglichkeit möglichst viele Talente abzugreifen. Tatsächlich ist es nach wie vor so, dass viele gar nicht mitbekommen, dass und wann dieses Event stattfindet. Außerdem ist eine zeitpunktbezogene Betrachtung immer schwer, besonders wenn die Kinder wissen, dass sie "gescoutet" werden. Man kann 10/11-jährigen eine gewisse Nervosität, in solchen Situationen nicht verübeln. Deutlich besser wäre es, wenn man ausreichend Verbandstrainer hat, die regelmäßig Spiele und Trainings in Vereinen beobachten. Im Prinzip könnte auch jeder Vereinstrainer nach jedem Spiel eine Einschätzung zur den potentiellen Talenten im gegnerischen Kader abgeben.

    Das könnte relativ einfach über die Spielplus-App erfolgen indem ein Trainer dort markiert welche Spieler des gegnerischen Teams besonders auffällig waren. Dies ließe sich auswerten und wer regelmäßig markiert wurde, dessen Spiele werden von Stützpunkttrainern, Verbandssichtern, NLZ-Trainern besucht um sich ein Bild zu machen.

    Wichtig und gleichzeitig schwierig ist natürlich die entsprechende Neutralität aller beteiligten. Aber das Problem besteht leider auf allen Ebenen, dass subjektive Faktoren immer wieder eine Rolle spielen (Elterneinfluss, Vereinsbrille, regionale Brille, ... Trainer mag Verein A nicht als wird da aus Prinzip keine Spieler als Talent markiert...). Selbst auf Verbandsebene bei Auswahlmannschaften ergibt sich sehr oft ein regionales Ungleichgewicht aufgrund regionaler Präferenzen.

    In Bayern wird z.B. eine Auswahlmannschaft vom Stützpunktkoordinator einer Region betreut. Deshalb kommen auch 75% der Auswahl aus dieser Region Das sorgt zum einen dafür, dass ein Großteil der Auswahl-Maßnahmen in dieser Region stattfinden, bringt einen entsprechenden Mehraufwand für die Spieler aus anderen Regionen mit sich und lässt Spieler aus anderen Regionen, die keinesfalls schwächer sind bei der Förderung außen vor.

  • Was ich beobachte ist die Tatsache, dass in den Sichtungstrainings für die Stützpunkte schon viel zu viel auf körperliche Attribute geachtet wird. Sprinttests sind ein wesentlicher Bestandteil. Dadurch werden systematisch schon zahlreiche Kids ausgeschlossen von der weiteren Förderung.


    Zudem sollte man aus meiner Sicht aktuell mal nach Frankreich schauen. Diese sind meiner Meinung nach seit gut 30 Jahren absolute Weltspitze, was die Ausbildung von Talenten angeht.

    Sowohl in der Masse, wenn man sich anschaut, wieviel französische Fußballer in den Topligen Europas spielen, als auch in der Spitze, wenn man sich die Qualität von Superstars wie Zidane, Henry, Ribery, Benzema, Pogba, Mbappe oder Lloris anschaut.

    Zudem bilden die Franzosen wirklich für fast alle Positionen Spieler auf extrem hohen Niveau aus.

    Die Titel der Franzosen seit 1998 sprechen dazu ebenfalls Bände: 2 WM-Titel (1998 und 2018) und weitere 2 WM-Finals (2006 und 2022), dazu der EM-Titel 2000 und EM-Finale 2016 und weitere Titel wie die Nations League 2021 und Konfed-Cup 2001 und 2003. Sie zählen seit 30 Jahren bei den jeweiligen Turnieren zu den Topfavoriten, weil sie immer die besten Einzelspieler im Kader haben.


    Von den in Frankreich ausgebildeten Spielern profitieren bspw. auch viele afrikanische Nationen wie Marokko, Senegal, Tunesien oder Algerien. Auch ein Eden Hazard oder Riyad Mahrez wurde als Beispiel in Frankreich ausgebildet.


    Was machen die Franzosen anders?

    Die Franzosen haben keine Stützpunkte in dem Sinne.

    Deutschland hat über 400 Stützpunkte, die zudem föderalistisch durch die vielen Landesverbände koordiniert werden.

    Die Trainer versammeln sich über diverse Stützpunkte und NLZ´s.

    In Frankreich gibt es 16 Akademien, die durch den französischen Verband koordiniert werden. Übergeordnet gibt es dazu noch das Leistungszentrum in Clairefontaine, welches die Creme de la Creme dann nochmal speziell fördert.

    Die Akademien arbeiten eng mit den Vereinen zusammen, um talentierte Spieler zu identifizieren.

    Es existiert also eine zentralistische Förderung. In den Akademien und in Clairefontaine werden nicht nur die besten Spieler mittels aufwendiger Auswahlprozesse angesammelt, sondern dort sind auch die besten Jugendtrainer versammelt.


    Die Kinder können dort ab 13/14 Jahren anfangen und werden dann unter gleichgesinnten extrem gefördert. Im ersten Jahr bspw. wird dort fast nur 1 gegen 1 trainiert, was dazu führt, dass du sowohl technisch herausragende Offensivspieler als auch körperlich robuste und starke Verteidiger ausbildest. Zudem stehen taktische Inhalte erst sehr viel später auf dem Lehrplan, werden dann aber sehr intensiv und tiefgehend trainiert.

    Natürlich haben diese Akademien keinen gesellschaftlichen Auftrag in Frankreich, sondern es geht um die Ausbildung von Supertalenten für den französischen Fußballverband.

    Aber welchen Auftrag haben unsere NLZ´s? Definitiv auch keinen oder nur untergeordneten gesellschaftlichen Auftrag, sondern dort geht es um die Ausbildung von Talenten für die jeweiligen Vereine, welche das NLZ leiten.


    Und in Frankreich ist grundsätzlich Fußball nicht überall der Top-Sport. Im Süden Frankreichs ist bspw. Rugby auch sehr populär.

    Die Talente kommen zum großen Teil aus dem Großraum Paris, wo sicherlich auch die schlechten sozialen Bedingungen der Menschen dort mithelfen einen besonderen Ehrgeiz zu entwickeln Fußballprofi zu werden. Diese Ansätze gibt es zwar in Deutschland auch, ist aber nicht so extrem.


    Den gleichen Ausbildungsansatz verfolgen die Franzosen übrigens auch im Handball, wo die Dominanz der Franzosen noch größer ist als im Fussball.

  • Die jetzige Lösung mit den Stützpunkten und der zugehörigen Sichtung finde ich alles andere als Zielführend.

    Ich hatte es ja bereits woanders mal geschrieben: in einmal 60 oder 90 Minuten kann man eventuell die absoluten Toptalente raussuchen aber mehr nicht.


    Ich würde es besser finden wenn die Spieler vorab beobachtet werden und dann gezielt eingeladen werden. Der Trainer sollte bei der Entscheidungsfindung keine Rolle spielen oder sollte maximal bei Grenzfällen "befragt" werden.

    Das ganze wäre natürlich sehr aufwendig da man die Spiele verschiedener Vereine beobachten musses würde aber aus meiner Sicht deutlich mehr bringen.

  • Der Trainer sollte bei der Entscheidungsfindung keine Rolle spielen oder sollte maximal bei Grenzfällen "befragt" werden.

    Das sehe ich anders. Die Arbeit und Weiterentwicklung liegt im Verein und die Trainer sehen die Jugendlichen in jedem Training und Spiel - und ich behaupte mal, dass ich Spieler von den Vereinen in der Umgebung öfters in einem Spiel gesehen habe als die Stützpunkttrainer (Spiele über Jahre gegeneinander, Spiele in der Liga/Freundschaftsspiele/Turniere).

    Und man muss schon schauen, wie man eine Trainingsgruppe zusammenstellt und was ein Talent ausmacht. Hierbei werden nicht immer die fußballerisch Besten ausgewählt (Beispiele: EM-Kader, der jetzt bekannt gegeben wird; Diskussion um Paris Brunner vor der WM) - und ja, ich liebe Charakterköpfe und Persönlichkeiten an denen man sich reiben kann ;), aber gruppendynamisch ist das eine oder andere schon mal ein Ausschlusskriterium oder eine besondere Herausforderung

  • Ich bin aktuell viel unterwegs und schaue mir verschiedene Vereine, Trainings in allen Altersschichten und auch Auswahltrainings an.

    Da war ich auch letztens bei einem Auswahltraining für eine "Fußballklasse" (5. Klasse ab dem kommenden Schuljahr), Anwesend auch der DFB-Stützpunktleiter der Region.

    Rund 35 Kinder waren da, 13 kommen in die Klasse. Es gab 4 Stationen (Dribbeln und Torschuss, Sprint, Funino und eine Übung im Viereck mit Außenspielern) die von verschiedenen Personen (DFB-Stützpunktleiter, DFB-Trainer, Rektor der Schule und Sportlehrer der Schule der früher in der 2. Liga gespielt hat) begleitet wurden. Zum Abschluss ein Spiel.


    Alles ganz interessant. Im Nachgang bin ich jetzt an die Liste gekommen wer es final in die Klasse geschafft hat.

    Und es ist wie immer beim DFB, ohne Vitamin B geht gar nichts.

    Ein Junge ist seit Monaten krank, konnte gar nicht am Training teilnehmen. Ist aber in der Fußballklasse weil sein Vater selber Trainer ist und gut mit den Jungs vom DFB kann. Das habe ich während dem Training schon von Eltern erzählt bekommen und weiß es inzwischen aus erster Hand.

    Ein Verein ist überproportional vertreten, ein anderer gar nicht obwohl die mMn beste Spielerin des Trainings aus diesem Verein ist.


    Und wenn bei so etwas "kleinem" wie einer Fußballklasse schon so gemauschelt wird will ich gar nicht wissen wie es mit NLZ und Stützpunkten läuft.


    Der DFB sollte einfach wieder die größten Talente fördern und nicht nach Beziehungen aussuchen.

  • golfstrom bei den Franzosen gibt es zusätzlich eine stark ausgeprägte Straßenspielkultur. Ohne jetzt jeden Nationalspieler zu recherchieren, kommen doch schon einige aus den größten Städten wie Paris, Marseille, Lyon...

  • Das ist tatsächlich ein Problem was ich auch schon beobachtet habe. Ich habe in der Hinrunde gegen einen verein gespielt wo der Sohn eines Stützpunkttrainers dabei ist. Von den 11 Kindern die dabei waren, waren 6 im Stützpunkt. Normalerweise darf ein Verein maximal 3 Spieler melden ...



    Der Trainer sollte bei der Entscheidungsfindung keine Rolle spielen oder sollte maximal bei Grenzfällen "befragt" werden.

    Das sehe ich anders. Die Arbeit und Weiterentwicklung liegt im Verein und die Trainer sehen die Jugendlichen in jedem Training und Spiel - und ich behaupte mal, dass ich Spieler von den Vereinen in der Umgebung öfters in einem Spiel gesehen habe als die Stützpunkttrainer (Spiele über Jahre gegeneinander, Spiele in der Liga/Freundschaftsspiele/Turniere).

    Und man muss schon schauen, wie man eine Trainingsgruppe zusammenstellt und was ein Talent ausmacht. Hierbei werden nicht immer die fußballerisch Besten ausgewählt (Beispiele: EM-Kader, der jetzt bekannt gegeben wird; Diskussion um Paris Brunner vor der WM) - und ja, ich liebe Charakterköpfe und Persönlichkeiten an denen man sich reiben kann ;), aber gruppendynamisch ist das eine oder andere schon mal ein Ausschlusskriterium oder eine besondere Herausforderung

    Nun ja wir sprechen hier über 9 /10 Jährige. Hier sollte meiner Ansicht nach das fußballerische an erster Stelle stehen. Gerade um diese "Umfeldfaktoren" auszuklammern sollte der Trainer nicht Zuviel Mitspracherecht haben.

  • golfstrom bei den Franzosen gibt es zusätzlich eine stark ausgeprägte Straßenspielkultur. Ohne jetzt jeden Nationalspieler zu recherchieren, kommen doch schon einige aus den größten Städten wie Paris, Marseille, Lyon...

    Hey, wie ich schrieb in meinem Bericht. Die Spieler der Franzosen kommen zu 90% aus den Banlieues, also den Hochhaussiedlungen rund um Paris, Marseille und Lyon - die allermeisten aus dem Großraum Paris.


    Da profitieren die Franzosen sicherlich auch stark von der schlechten Sozialpolitik ihres Landes an der Stelle. Trotzdem hat die zentralisierte Förderung dieser Talente einen großen Stellenwert und weicht stark von unserer föderalistischen Struktur ab mit zahlreichen NLZ´s und über 400 Stützpunkten.


    Die Spanier, ebenfalls eine der führenden Nationen in der Talententwicklung in den letzten 30 Jahren, haben eine ähnlich zentralisierte Struktur in der Talentförderung. Nur dort läuft es viel über die Nachwuchsschulen der großen Vereine und weniger über den Verband.

    Der Ansatz was dort zentralisiert trainiert wird ist in Spanien sicherlich deutlich anders als in Frankreich. In Spanien läuft viel über das Trainieren von Passtechnik und dem taktischen Verhalten auf dem Platz mit Ballbesitz und Dreiecksspiel. Die Franzosen pflegen den eher individuellen Ansatz über die Entwicklung von herausragenden Individualisten

  • Zentralisiert stimmt in Spanien allerdings nur indirekt.

    Um die Talentförderung kümmern sich die Vereine. Diese haben in der Regel das Ziel die besten Talente Ihrer Region zu bekommen.

    Dazu kooperieren sie sehr eng mit vielen Vereinen in der Region. (s. anderer Thread, wo das sicher extreme Modell im Baskenland beschrieben wird.)

    Durch die regionalen Vereinskooperationen ist das Trainings- und Trainerniveau höher und damit werden viel mehr Spieler viel früher gut ausgebildet, als z.B. bei uns. Der Focus liegt viel stärker auf finden und ausbilden der lokalen bzw. regionalen Talente, als bei uns, wo man in jungen Jahren relativ halbherzig Junge Talente ausbildet, in Wirklichkeit aber nur darauf wartet, bis man später den Scoutingradius erweitern kann und dann bundesweit mit den anderen Vereinen um die Toptalente konkurriert, oder sogar internationale Talente verpflichtet.

    Ich glaube, dass speziell das regionale Kooperationsnetzwerk ein wesentlicher Faktor ist, dass immer wieder Talente nachschieben, die noch nicht direkt im Verein sind, aber trotzdem eine gute Basis haben um weiter ausgebildet zu werden.

    In Deutschland wird die Kluft zwischen LZ-Spielern und nicht-LZ-Spielern in einer Region oft sehr schnell so groß, dass ein Nachschub von Spielern aus der Region kaum noch möglich ist. Deshalb wandern in höheren Jahrgängen viele Spieler von NLZ zu NLZ oder werden durch internationaler ersetzt.

  • Wollte nicht gegen Deine Ausführungen schreiben, sondern nur ergänzen. Hier wurde kürzlich an anderer Stelle schon mal diskutiert, dass der DFB bei Reformen oftmals gar nicht das eigentliche Problem ist, sondern eher die Landesverbände. Da ist der Föderalismus tatsächlich nicht selten Bremsklotz, den es in einer zentralisierten Organisation so nicht gibt.

  • Wollte nicht gegen Deine Ausführungen schreiben, sondern nur ergänzen. Hier wurde kürzlich an anderer Stelle schon mal diskutiert, dass der DFB bei Reformen oftmals gar nicht das eigentliche Problem ist, sondern eher die Landesverbände. Da ist der Föderalismus tatsächlich nicht selten Bremsklotz, den es in einer zentralisierten Organisation so nicht gibt.

    Ich bin absolut deiner Meinung, dass der Föderalismus im DFB ein absoluter Bremsklotz in der Ausbildung ist und dass ein Zentral vom DFB vorgegebenes System, das zusätzlich regionale Besonderheiten wie Bevölkerungsdichte, Infrastruktur, Anzahl an Profivereinen / NLZ vor Ort, berücksichtigt wesentlich besser wäre, als das was wir heute haben.

    Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Kooperationsnetzwerke von Profivereinen im regionalen Umfeld noch erfolgreicher wären, weil sie schneller für eine gute Ausbildungsbasis in ihrem Umfeld sorgen könnten und, weil man vermutlich auf Vorgaben des lokalen Topvereins eher hört als auf das was der DFB da gerade postet (geht nicht gegen den DFB sondern die Beratungsresistenz vieler Vereine und Trainer).

    Dort wo die Abdeckung mit professioneller Ausbildung durch Profivereine nicht so gut ist müsste ohnehin der DFB als "Kooperationspartner" einspringen und lokale / regionale Talentpools zusammenbringen.

    Was man bei der ganzen Diskussion nicht vergessen darf ist, dass in Deutschland die "Risikobereitschaft" , die der Weg von Kindern und Jugendlichen in den Leistungsfußball bedeutet, vermutlich wesentlich geringer ist als in Spanien oder Frankreich.

    Der Aufwand für zeitintensives Fußballtraining, geht nun mal zu Lasten der Zeit für Schule und andere Dinge. Ich bin mir ziemlich sicher, dass bei uns die Zahl der Eltern, die ihren Kindern von diesem "Risiko" abraten oder bei ersten Misserfolgen zur Aufgabe raten deutlich geringer ist als in den beiden angesprochenen Ländern.

    Damit reduziert sich die Zahl der Talente, die wirklich alles in den Traum investieren schon einmal deutlich und das spiegelt sich am Ende auch in der Zahl derer die übrig bleiben wieder.

    Einmal editiert, zuletzt von Coach1976 ()

  • Das mit den Kooperationsvereinen gebe ich dir absolut Recht.

    Es müsste, ab der E Jugend, eine Möglichkeit geben talentierten Kids weitere Förderungen zu ermöglichen.


    Bei uns in der F Jugend sieht man schon ansatzweise, was aus der Generation Funino rauskommt. Einige Trainerkollegen aus unserem Verband und wir praktizieren das nun bereits 4 Jahre und die Unterschiede sind mittlerweile enorm.


    Die Vereine, die das praktizieren haben im der Regel nicht nur 1 oder 2 Spieler auf Nlz Qualität, sondern mindestens das doppelte. Die Anzahl der "mittleren" Kids ist auch wesentlich höher. Eigentlich alles positive, was prognostiziert wurde. ( Wahrscheinlich auch durch die höhere Schlagzahl...)



    Haben die französischen Kids nicht eine höhere schulische Belastung mit ihrem Ganztagsmodell?

    Einmal editiert, zuletzt von Coach_T88 ()

  • Wenn die Vereine bei uns besseres Training anbieten würden, käme es auf so eine frühe Auswahl von Spielern durch den Verband vielleicht weniger an. Werf ich mal so als Gedanken ein. Außerdem wird m.E. Talent überbewertet. Zumal es in der Phase, in der die Auswahl von Spielern stattfindet schwer erkennbar ist, ob jemand höher talentiert ist oder eben durch gutes und schon längeres Training einfach weiter ist in seiner Entwicklung.

  • Wenn die Vereine bei uns besseres Training anbieten würden, käme es auf so eine frühe Auswahl von Spielern durch den Verband vielleicht weniger an. Werf ich mal so als Gedanken ein. Außerdem wird m.E. Talent überbewertet. Zumal es in der Phase, in der die Auswahl von Spielern stattfindet schwer erkennbar ist, ob jemand höher talentiert ist oder eben durch gutes und schon längeres Training einfach weiter ist in seiner Entwicklung.


    Ich habe im Laufe der Saison ja meinen Kader verkleinert weil einige Kiddies nicht mehr wollten. Hab ich in einem anderen Thema schon mal erwähnt warum und weshalb.

    Seit ich aber einen Kader habe der fokussiert und leidenschaftlich arbeitet geht die Lernkurve immer steiler nach oben.


    Talent macht es einem einfacher, aber es gehört immer Fokus und harte Arbeit der Spieler dazu um besser werden zu können.

    Und das diese harte Arbeit Spaß macht gehört zu unserem Job im Jugendfußball.


    Ein Junge beispielsweise, etwas pummelig, hat mir immer leid getan. Er war immer im Training, hat immer alles gegeben war aber absolut überfordert und auch technisch schnell am Limit. Aber so ein toller Charakter.

    Der geht seit dem Winter regelmäßig mit seinem Papa neben dem Training noch laufen. Ist dadurch schmaler geworden, hat einen kleinen Schuss nach oben gemacht und arbeitet jetzt, da zwei Störenfriede weg sind die ihn immer mit abgelenkt haben, besser mit.

    Seit ein paar Wochen trifft er jede Woche und hat auch technisch einen riesigen Sprung gemacht.

    Das war kein naturgegebenes Talent sondern harte Arbeit für ihn.