Dezentrale C-Lizenz Kinder & Jugend

  • Hallo zusammen,


    bei mir am Dorfverein gäbe es bald die Möglichkeit die dezentrale C-Lizenz Kinder & Jugend zu machen. (Bayerischer Fußballverband)

    Spiele seitdem mit dem Gedanken teilzunehmen bzw. ob so ein Lehrgang für mich was wäre...

    Hier gibt es doch bestimmt zahlreiche User, welche diese bereits besitzen und mir etwas aus Ihren Erfahrungen berichten könnten? Hab zwar schon viel gegoogelt dazu, würde aber gerne etwas von euren Erfahrungen hören. Wie aufwendig ist so eine Lizenz und wie hoch ist der Schwierigkeitsgrad bei solchen Lehrgängen und vor allem bei den anschließenden Prüfungen?


    Zu mir: Bin jetzt Mitte 20 und gehe in meine vierte Saison als Jugendtrainer (D-Jugend, mit der dann in die C-Jugend und nun eine F-Jugend). Bin etwas klassisch "reingerutscht", weil sich für meine erste Mannschaft niemand mehr gefunden hat und sonst ein Mannschaftsrückzug der letzte Ausweg gewesen wäre. Habe bisher mein "Wissen" über Bücher, DVDs, Internet (auch hier) angeeignet. Muss gestehen, selbst war ich aktiv kein großer Fußballer (beendet aktiv noch zu E-Jugendzeiten, danach nur mehr freizeitlich gekickt und dem Sport natürlich als großer Fan treu geblieben). Sport betreibe ich schon sehr viel (Ausdauer, Marathon z.B.). Mittlerweile macht mir die Kinder-/Jugendarbeit sehr viel Spaß, mag das nicht mehr missen, ist eine tolle Ablenkung zum Alltag. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mich noch über die Jahre in dem Bereich zu engagieren. Mein Motiv bei einer Teilnahme ist daher eher noch tiefgründigeres Wissen zu bekommen und nicht irgendeine Karriere in einem NLZ oder Leistungsverein zu starten.


    Auf was wird Wert gelegt bei solchen Lehrgängen? Geht es mehr darum tieferes Wissen zu vermitteln gerade im Jugendfußball? Daran hätte ich wie gesagt durchaus Interesse. Wenn es aber mehr darum geht praktischen Können zu zeigen (z. B. Flugbälle beidfüßig zu schlagen, irgendwelche Schusstechniken vorzumachen etc.). Vielleicht mag sich hier der ein oder andere User Zeit nehmen und mir etwas berichten.


    Tausend Dank :-)

    (Bei uns im Verein besitzen übrigens nur zwei Leute eine solche Lizenz)

  • Die Trainer-C Lizenz ist schon als klassische Breitensport-Qualifikation gedacht. Es werden inhaltlich Grundlagen der Trainingsgestaltung und Steuerung gelegt.


    Ich denke, dass, bei deinem Anforderungsprofil, das sicherlich eine geeignete Weiterbildung ist. Die Anforderungen in puncto Eigenkönnen sind schon sehr moderat. Wenn du in deiner Freizeit hin und wieder Fußball spielst (und ehrlich gesagt, selbst wenn das nicht der Fall wäre), solltest du da in jedem Fall durchkommen.

  • Ich habe sowohl die C-Lizenz als auch die B-Lizenz absolviert, laut meiner Wahrnehmung gestalten sich die Lizenzen so.


    C-Lizenz: Grundlagen des Trainings, wie baue ich ein Training auf, was genau ist Technik/Taktik/Kondition und wie trainiere ich es jeweils und vieles mehr... (Also eher den Schwerpunkt auf Trainingsorganisation, Technik etc.)


    B-Lizenz: Training der Viererkette, Spielsysteme, Konter/Konterverteidigung, Übungs- und Spielformen im Detail, wie coache ich um ein bestimmtes Verhalten zu provozieren und vieles mehr... (Schwerpunkt also eher auf Taktik und Coaching etc.)


    Bezüglich Schwierigkeitsgrad: Bei der C-Lizenz wird jeder durchgewunken, während bei der B-Lizenz schon viel theoretisches und praktisches Können vorausgesetzt wird (vor allem wenn man 10+ Punkte will)

    Ich würde dir in jedem Fall raten eine der beiden Lizenzen zu machen, da man einfach unglaublich viel dabei lernt und sich vor allem auch selbst reflektiert.

    Falls du doch mal irgendwann ambitionen haben solltest eine Mannschaft auf überkreislichem Niveau trainieren zu wollen, würde ich sogar eher zur B-Lizenz raten :)

  • Sollte Pflicht sein für jeden der sich im Fussball im Kinderbereich tätig sein will. DFB Therorie und Praxis am Trainingsplatz liegen Welten.
    Beim Verband gibt es ein Ideal an Spieler und Trainer. Realität sieht es ganz anders aus. Genau hier die Mitte zu finden ist die Herausforderung für mich.

  • jeder der im kifu und Jugendbereich tätig ist sollte ja entwicklung vor ergebnis stellen. Das fängt komischerweise 😉 bei einem selber an. Also machen, und nicht stehen bleiben. Das mitnehmen und immer weiter. Der dfb und die Leitplanken sind interessant aber sicher nicht der stein der weisen. Von daher neben Lizenzen machen immer alles nutzen an hospitationen etc. Und vielfältigen Möglichkeiten zum lernen....

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Sollte Pflicht sein für jeden der sich im Fussball im Kinderbereich tätig sein will. DFB Therorie und Praxis am Trainingsplatz liegen Welten.
    Beim Verband gibt es ein Ideal an Spieler und Trainer. Realität sieht es ganz anders aus. Genau hier die Mitte zu finden ist die Herausforderung für mich.

    Na ja. Ich würde gerne einen Trainer C machen, er mir zeitlich aber viel zu umfangreich. Obwohl er vor Ort angeboten wird!

    Ich bin ein klassischer Papa-Trainer und voll berufstätig.


    Ich hätte es im Breitensport fast lieber, dass wir pro Verein ein paar Lizenztrainer haben, die sich auch mal um den Jugendbereich kümmern. Also interne Kurzschulungen oder mal bei Training mithelfen.



    Nachtrag: Alternativ wäre es für mich super, wenn der DFB auch viele Teile schon Online anbietet. Da könnte man sich selbstständig einteilen und hätte statt 120 Stunden vielleicht nur noch 60-90 feste Stunden.

  • Ich hätte es im Breitensport fast lieber, dass wir pro Verein ein paar Lizenztrainer haben, die sich auch mal um den Jugendbereich kümmern. Also interne Kurzschulungen oder mal bei Training mithelfen.

    Schöne Idee. Scheitert aber in allen Vereinen, die ich kenne, am Kompetenzgerangel. Da kann der Lizenzierte Trainer der sich ständig fortbildet schon anbieten, anderen zu helfen, bzw. selbst zu schulen. Umgesetzt wird es leider sowieso nicht. Weil der Papa Trainer nämlich 2 Klassen höher gespielt hat, und genau weiß (von früher) das es absolut unabdingbar ist, Grundlagenausdauer in der F Jugend ausgiebig zu -schulen- …

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Ganz ehrlich, das Profil Kinder ist nichts anderes als Band 1 "Ausbilden mit Konzept" vom DFB. Wer das gelesen hat, weiß zumindest alles was der DFB theoretisch vermittelt.


    Selbst habe ich die Profile Kinder und Jugend gemacht und ich fand das Material was man bekommt und bearbeitet, war für mich nichts mehr neues.


    Praxisteil sieht wieder anders aus. Da fand ich unseren Referenten Top. Nicht nur das fand ich gut, sondern auch das direkte Feedback von ihm und den Kollegen wenn man seine Muster-Einheit vorgestellt und geleitet hat.


    Ausserdem natürlich Ideen und Anregungen der Kollegen und des Referenten, sowie das Netzwerk.


    Bei uns gab es einen ziemlich straffen Zeitplan für den ich tatsächlich einige Abende und Samstage freischaufeln musste. Genau darum habe ich aber den Kurs belegt, denn vom ersten Tag (mitte April) bis zur Prüfung (anfang Juni) hätte man zwar etwas Rennerei, aber dafür war man auch schnell davon.


    Für mich ist die C Lizenz eher als Durchgang zur B zu sehen, wenn man sich vorher über die gängigen Medien schon mit den Grundlagen beschäftigt hat. Ansonsten uneingeschränkt zu empfehlen.


    Was mir in der Ausbildung fehlt, ist irgendwie ein Rahmenlehrplan. Das ist doch sehr vage gehalten alles.


    Da heisst es dribbeln, schiessen, passen in der Grobform für F Jugendliche. Das ganze muss man dann selbst für sich aufschlüsseln. Gerade Einsteiger werden hier vermutlich oft mehr wollen als eigentlich nötig. Vor allem wenn man den durchschnittlichen Breitensportverein nimmt und Videos der Münchner Fussball Schule als Maßstab nimmt.


    Da verweise ich gerne auf das kostenlose PDF "Nachwuchs-Fußball-Ausbildungs-Konzept" von Richard Cieslar.


    Daran kann man sich gut orientieren.

  • Mein Motiv bei einer Teilnahme ist daher eher noch tiefgründigeres Wissen zu bekommen und nicht irgendeine Karriere in einem NLZ oder Leistungsverein zu starten.

    Dann bist Du da genau richtig aufgehoben.

    Auf was wird Wert gelegt bei solchen Lehrgängen? Geht es mehr darum tieferes Wissen zu vermitteln gerade im Jugendfußball? Daran hätte ich wie gesagt durchaus Interesse. Wenn es aber mehr darum geht praktischen Können zu zeigen (z. B. Flugbälle beidfüßig zu schlagen, irgendwelche Schusstechniken vorzumachen etc.). Vielleicht mag sich hier der ein oder andere User Zeit nehmen und mir etwas berichten.

    Niemand wird bei diesem Lehrgang von Dir verlangen, beidfüßig Flugbälle zu schlagen.

    Natürlich machst Du auch Einheiten auf dem Platz. In meinem Lehrgang war vom Ex-alte-Herren-Spieler in der 3. Kreisklasse bis zum aktiven Landesligaspieler alles vertreten. Insofern wurden da keine Wunderdinge erwartet.

    Trotzdem ist es wichtig, einige Dinge auf dem Platz zu lernen.
    Kleines Beispiel zur Verdeutlichung: Natürlich hatte ich (Jahrgang 1970) mich schon in der Theorie mit der 4er-Kette beschäftigt. Wirklich gemacht habe ich das in diesem Lehrgang zum ersten Mal. Und daraus ist für mich die Erkenntnis gewachsen, welche Grundlagen in E- und D-Jugend gelegt werden müssen, um in der C auf dem 11er Feld ballorientiert zu verteidigen.

    Was die Schusstechniken angeht: Die Vermittlung der sog. methodischen Reihen haben die Schustechniken manches Teilnehmers verbessert. Meine auch ;).

  • Ganz ehrlich, das Profil Kinder ist nichts anderes als Band 1 "Ausbilden mit Konzept" vom DFB. Wer das gelesen hat, weiß zumindest alles was der DFB theoretisch vermittelt.


    .....


    Vor allem wenn man den durchschnittlichen Breitensportverein nimmt und Videos der Münchner Fussball Schule als Maßstab nimmt.


    Das Buch Ausbilden mit Konzept habe ich. Die Grundstruktur kenne ich, bin als Papa-Trainer aber kein großer Fan von den Trainingseinheiten. Warum auch immer, irgendwie kann mich nicht damit anfreunden.

    Bin dann mehr auf Horst Wein gekommen.



    Zur Münchener Fußballschule:

    Ist dann Satz so gemeint, dass man die Videos der MFS nicht als Maßstab heranziehen sollte?

    Ich als Hobby-Trainer finde dort Technik-Videos sehr hilfreich. Ich baue aber dann nur einzelne Übungen in mein Training ein.

  • Das Buch Ausbilden mit Konzept habe ich. Die Grundstruktur kenne ich, bin als Papa-Trainer aber kein großer Fan von den Trainingseinheiten. Warum auch immer, irgendwie kann mich nicht damit anfreunden.

    Bin dann mehr auf Horst Wein gekommen.

    Ist doch auch gut. Beim DFB wird viel darüber philosophiert, WAS (und bis wann) vermittelt werden soll.

    Das WIE ist aber mindestens genauso wichtig. Für mich jedenfalls.


    Aus dem was man liest, sollte man möglichst viel machen, das man auch versteht.

    Ansonsten hinterfragen, hinterfragen, hinterfragen.


    Die Bücher, die mich am meisten geprägt haben, waren H.Wein Spielintelligenz, sowie Fußball durch Fußball von R.Maric / M. Henseling.

    Den Praxisbezug durch Hospitieren, eigene Erfahrungen und bewerten lassen.

    Dann kommt noch ein kleiner Einfluß durch die Lehrgänge dazu. Stand heute hat z.b. die C Lizenz nur den Anschub gegeben, sich intensivst und vor allem ZIELgerichtet mit der Materie zu beschäftigen. Alleine Deswegen hat es sich dann irgendwie gelohnt.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Ich kann jetzt nur von den bisherigen F Jugenden die ich auf dem Dorf habe sprechen und die sind mit vielen Übungen hoffnungslos überfordert. Jetzt könnte man natürlich sagen dann hinterfrage dich mal als Trainer.


    Ist auch durchaus richtig, aber in den 3 Stunden die Woche in den warmen Monaten und in der einen Stunde im Winter lege ich den Fokus dann doch etwas anders.


    Ähnlich wie du eher Richtung Horst Wein. Viel spielerisch vermitteln. Natürlich sind deren Videos top, aber ich muss mit den 12 Kindern arbeiten die ich habe und kann mir nicht die besten 12 aussuchen.


    Trotzallem ist deren Konzept nach meinem empfinden ein anderes. Die leben eher von der individuellen Ausbildung. Irgendwo auch logisch.


    Wenn du als Vater deinen Sohn dort anmeldest, erwartest du, daß er persönlich besser wird.


    Guckst du denen dann 1.5 Stunden zu und die trainieren nur in Spielformen und in spielnahen Übungen, fragst du dich auch wozu du monatlich Betrag x abdrücken sollst, wenn die "nur spielen".


    Was die Einheiten vom DFB betrifft stimme ich dir zu, zumindest die Online, da gefallen mir auch nur sehr wenige.


    Eine der Lieblingsübungen zum Thema passen meiner Kids ist zB ein einfacher Staffelwettbewerb.


    Start und Aktionshütchen platzieren, 3 Hütchen in Reihe aufstellen, zwischen Hütchen 1 und 2 steht ein Spieler. Der Startspieler versucht nach andribbeln im Aktionsraum das erste Hütchen umzupassen und läuft seinem Pass nach zwischen die Hütchen. Der zweite Spieler nimmt den Ball an, dribbelt kurz und passt zum nächsten in der Reihe.


    Du hast zwar keinen Gegnerdruck, aber Zeitdruck. Denn du willst ja vor Team 2 die Hütchen alle drei weg haben.


    Total einfache aufzubauen, super spannend und doch lehrreich.


    Die Spieler müssen zum gepassten Ball laufen wenn er neben das Hütchen geht, den Ball annehmen wenn er das Hütchen trifft und komplett die Richtung ändert, sie müssen ihn aus der Bewegung passen, usw.


    Das als Warm Up bei uns, und die sind sofort auf Betriebstemperatur. Das macht jedem Spaß.

  • Guckst du denen dann 1.5 Stunden zu und die trainieren nur in Spielformen und in spielnahen Übungen, fragst du dich auch wozu du monatlich Betrag x abdrücken sollst, wenn die "nur spielen".

    warum?!? werden die dann individuell nicht besser?!?

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Wenn Du die Zeit und Möglichkeit hast, dann solltest Du das machen!!! Alles was man mitnehmen kann, sollte man tun. Schaden tut es sicherlich nicht.

    Aber rein vom Wissen her kannst Du das wohl alles mit den Büchern von Horst Wein und dem DFB - Ausbilden mit Konzept I bzw. dem Internet (u.a. hier in diesem Forum) abdecken.

    Ich bin "nur" Papa-Trainer, daher wird mein Engagement wohl spätestens in zwei Jahren für meinen Sprössling (jetzt letztes F-Jugend-Jahr, dann Übergang E- auf D-Jugend) enden. Evtl. werde ich dann wieder, wenn ich Lust und Zeit habe wieder eine F-Jugend übernehmen und diese bis zum Ende der E-Jugend begleiten.

    Weil eigentlich macht es wahnsinnig Spaß den Kids was grundlegendes beizubringen und unabhängig vom Erfolg das Feuer für den Sport zu wecken.