Sommerpause - Hausaufgaben

  • Ich habe heute morgen mit dem U17 Trainer eines benachbarten Vereines telefoniert. Er erzählte mir, er habe seinen Jungs feste Aufgaben für die Sommerpause gegeben.

    2 Wochen vor Start der eigentlichen Vorbereitung startet wohl ein vorgegebener Athletikplan und zudem wollte er sich über eine kostenlose App von Polar 5 Screenshots pro Spieler zuschicken lassen. Die Jungs sollen jeweils eine vorgegebene Zeit joggen gehen und dies dann als Beweis zuschicken sollen.


    Naja, es ist jetzt eine ambitionierte Truppe in einem ambitionierten Verein, aber in einer doch relativ geringen Spielklasse (höchste Liga im Kreis).


    Ich habe meinen Jungs gesagt (C-Jugend) gesagt, dass es nicht verkehrt wäre sich in der Sommerpause mal etwas zu bewegen und wenn man im Schwimmbad mal ne Bahn schwimmt und nicht nur den Mädels hinterherguckt, würde dies nicht schaden. Und mal die PS4 PS4 seien lassen und sich bewegen - wie auch immer - wäre auch nicht schädlich. Aber jetzt einen Plan oder so ausarbeiten...also bei einer C-Jugend ohnehin nicht, aber wie seht ihr das? Meine Frage bezieht sich auf den A-, B-Jugend Leistungsbereich knapp unterhalb der Bundesliga.


    Weiß jemand wie es bei der C-Jugend und aufwärts in NLZs aussieht?

    Mich würde das einfach mal interessieren, wie das in der Praxis läuft und wie detailliert solche Pläne sind.

  • Ich halte davon gar nichts. Insbesondere, je leistungsorientierter es wird.


    Ich habe als Trainer gemerkt, wie toll es ist, mal vollständig vom Fußball abschalten zu können in der Sommerpause, für mindestens vier Wochen. Ich halte das für die Spieler für ebenso wichtig. Klar "wollen" die, sie würden auch teilweise durchtrainieren, wenn man es anbieten würde.


    Aber ich merke jedes Mal wieder, mit wie viel Feuer und Lust sie aus den Ferien kommen, wenn man sie da mal ganz in Ruhe lässt.

  • Wenn deine jungs Hausaufgaben machen müssen, dann kannst du ja auch bequem deinen Sommerurlaub für eine fussball Fortbildung Opfern. Das wäre das mindeste an Fairness, was du den Spielern entgegen bringen solltest, wenn du hausi forderst! Na? Was sagst?

  • Ich für meinen Teil bin froh dass die Saison durch ist. Was mich zum Kotzen bringt ist die Tatsache, dass die Herrenvorbereotung wieder angefangen hat. Da freue ich mich einfach auf 3 Wochen Urlaub mit Fußballlegastenikern 😄


    Den Spielern geht es genauso. In meiner F Jugend haben 2 Kinder letztens abgesagt weil sie lieber in die Gitarrenstunde wollten. Passiert im September doch eher selten 🤔

  • Wenn deine jungs Hausaufgaben machen müssen, dann kannst du ja auch bequem deinen Sommerurlaub für eine fussball Fortbildung Opfern. Das wäre das mindeste an Fairness, was du den Spielern entgegen bringen solltest, wenn du hausi forderst! Na? Was sagst?

    Dieses Jahr opfere ich meinen Sommerurlaub mal nicht dafür, das hab ich die beiden Jahre zuvor schon gemacht, um die B-Lizenz zu machen ;) Werde vielleicht nächstes WE zum Derbystarkongress nach Duisburg fahren, mal sehen..

    Aber es würde ja auch nicht um ganztägige Aufgaben gehen, ich könnte Argumenten wie:

    20 Minuten Joggen gehen ist ja nicht viel Zeitaufwand, diese Zeit würden die Jungs sonst vor der Playstation verbringen

    schon etwas abgewinnen. Die Frage ist einfach, welchen Nutzen sowas hätte. Und welche Gefahren/Risiken auch in Bezug auf Drop-Out.


    Ich sehe das Argument von Chris als sehr wichtig an. Das Gefühl, dass die Jungs top motiviert wieder aus der Sommerpause kommen und das Feuer richtig brennt, das habe ich zur Vorbereitung auch. Erst recht nach einer langen Saison, unsere endete erst letzte Woche...


    Ich halte davon gar nichts. Insbesondere, je leistungsorientierter es wird.

    Ich kann deine Argumentation voll nachvollziehen!

    Aber ich glaube nicht, dass es von den meisten so umgesetzt wird oder?

  • Dieses Jahr opfere ich meinen Sommerurlaub mal nicht dafür, das hab ich die beiden Jahre zuvor schon gemacht, um die B-Lizenz zu machen ;) Werde vielleicht nächstes WE zum Derbystarkongress nach Duisburg fahren, mal sehen..

    Das ist für mich nämlich die Grundvoraussetzung, bevor Aufgaben verteilt werden

    Aber unter dem Strich ist Pause auch Pause.

    In aller Regel bewegen sich Kinder im sommer genug, um fit zu bleiben.

    Je älter sie werden benötigt der Körper zudem auch mal eine längere Regeneration.

  • Da ich aus dem Ausdauersport komme sehe ich in dem ganzen zwei Seiten.


    In vier (oder mehr) Wochen herumliegen, ohne jegliche sportliche Betätigung baut der Körper ziemlich ab. Zusätzlich werden diverse Prozesse zurückgefahren die den folgenden Einstieg wieder deutlich schwerer machen. Daher kann ich ab einem gewissen Niveau durchaus erwarten dass sich die Spieler auch im Urlaub ab und zu etwas bewegen. Ehrlich gesagt kann ich nicht beurteilen ob die Spieler im hier angesprochenen Fall dies nicht auch von sich aus täten.


    Warum also überhaupt eine Pause?

    Jede Einheit ist Stress für den Körper (und den Kopf). Den Kopf setze ich hier im Klammern da dieses "nach Plan arbeiten" im Ausdauerbereich noch mehr erfordert als es im Fußball, in dem der Trainer alles Aufbaut und vorgibt, der Fall ist. So ist zumindest mein Empfinden.

    Dennoch dreht sich auch für Fußballer jede Woche um Trainings, Termine, Verletzungen, Fahrgemeinschaften, usw.. Plus, auch der Körper wird regelmäßig, im Idealfall bis zum Ende der Saison auch am Leistungslimit.

    Hier ist eine Pause notwendig um in der nächsten Periode wieder auf die komplette Regenerations- und Anpassungsfähigkeit des Körpers zurück greifen zu können. Und da hierbei der Kopf eine ganz entscheidende Rolle spielt sollte vor allem der frei haben.


    Fazit:

    Bewegung in der Pause, ja. Fester Plan, nein. - Ich würde hier Geistige Frische der körperlichen Ausdauer vorziehen.

    Zu überlegen ist natürlich auch die "gezwungene" Teamvorbereitung ein oder zwei Wochen zu verkürzen und diese Zeit zu nutzen um individuell zu arbeiten. In dem Fall kann ein fixer Plan Sinn machen.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Interessantes Thema. Weil du nach dem Vorgehen knapp unter der Bundesliga gefragt hast: Ein Kumpel von mir hat bis zur U17 in einem NLZ gespielt und bekam dort feste Trainingspläne (Stabi-Übungen, Ausdauereinheiten, ich meine sogar mit Pulsangaben) für die Sommerpause.


    Mein eigenes Vorgehen als U17-Trainer in der Kreisliga: Wir haben - auch bedingt durch meine B-Lizenz-Ausbildung - eine recht lange Sommerpause von ca. 7 Wochen. Zwischen Trainingsauftakt und Saisonauftakt liegen vier Wochen. Wenn meine Spieler jetzt sieben Wochen besoffen auf Malle liegen (ich übertreibe jetzt), habe ich ein Problem. Und sie genau so, weil ihr Körper in dieser langen Zeit ohne sportlich sinnvolle Lebensweise entsprechend abbauen würde (Verletzungsgefahr, konditionelle Probleme, Technik/Psyche leidet ebenfalls). Ich sehe es daher auch als unsere Pflicht als Trainer an, unsere Jungs genau daran zu erinnern. Zwei Wochen abschalten ist sinnvoll und notwendig, da bin ich völlig bei Chris. Nur danach müssen die Jungs auch in Eigeninteresse den Schalter wieder umlegen, um vernünftig durch die Vorbereitung und die Saison zu kommen. Da müssen sie von uns eine entsprechende Hilfestellung bekommen (Trainingsvorschläge, Essen, Schlaf, Verletzungsprävention). Höherklassig durch die steigenden Belastungen sowieso.


    Es gab bzw. gibt daher von mir die Empfehlung (=keine Pflicht!), auch in der Sommerpause wöchentlich zwei bis drei lockere Läufe für die Grundlagenausdauer (sprich: min. 20 Min, keine Pause, geringe Intensität) durchzuführen. Alles weitere bzgl. der Kondition folgt dann in der Vorbereitung auf dem Platz mit Ball.

    Ob sie die Läufe tatsächlich so absolvieren, ist nochmal eine andere Frage. Die Spieler haben aber alle Bock zu spielen und wissen, dass sie bei unserem 26-Mann-Kader (konstant 20 Mann im Training plus etwaige weitere 1-2 Neuzugänge und einem überragenden U15-Team in der Hinterhand) erstmal hinten anstehen, wenn sie konditionell nunmal nicht spielfähig sind.

  • Ich geh da anders ran. U15, zweithöchste Liga. Vier Wochen lang sollen sie machen was sie wollen. Die meisten kicken eh oder gehen schwimmen, teilweise krieg ich von den Muttis gerade ungefragt zugesteckt, dass XY ja gerade laufen war. Niedlich.


    Wenn wir dann wieder anfangen zu trainieren (die letzten drei Ferienwochen), sind 6 von 7 Wochentagen mit Fußball belegt, Training oder Spiel. Teilweise zwei Termine am Tag. Die werden also schon fit...

  • Meine Tochter spielt ab der neuen Saison bei den D-Juniorinnen in einem Verein, bei dem sowohl die 1. Herren- als auch die 1. Damenmannschaft Regionalliga spielen. Die Mannschaft hat von ihrem Trainer die Aufgabe bekommen ab der 4. Ferienwoche dreimal wöchentlich 30 min locker zu joggen und bestimmte Stabi-Übungen zu machen. Ich finde das sehr gut, da ich 6 Wochen nichts tun einfach viel zu lange finde.

  • U15, zweithöchste Liga.

    Ich denke genau hier liegt ein großer Faktor versteckt. Ab einer gewissen Spielklasse oder auch im Bereich NLZ's usw. sind die Spieler wohl von selbst bereit, auch unaufgefordert etwas zu machen. Und man muss eben nicht die vier Wochen Ballermann fürchten.


    Ganz unten ist es wohl eher so das ich gerne Vorgaben geben kann, aber nur wenige werden sich darum kümmern.


    Dazwischen gibt es sicherlich viele Stufen und Herangehensweisen welche sinnvoll und gut sein können.


    Ein Punkt welcher mir hier in Taktiker_95 's Beitrag ins Auge fällt ist Stabi. Auch wenn das Thema im Fußball wohl immer noch etwas zurück hängt sehe ich hier durchaus guten Möglichkeiten in diesen Bereichen (generell auch Kraft) etwas zu Bewegen. Da jeder Muskel auf Beanspruchung erst einmal mit Erschöpfung reagiert ist e"intensives" Kraft oder Stabi-Training im regelmäßigen Trainingsbetrieb eher hinderlich, da Verletzungsgefährdend. In einer Pause kann hier aber durchaus ein Schwerpunkt gesetzt werden.


    Allerdings ist das jetzt nur eine These, ohne hierzu selbst Erfahrungen im Bereich Fußball einbringen zu können.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Bei meinem Sohn im NLZ U16 bekommt jeder Spieler einen (mehr oder weniger?) individuellen Plan, so in der Art:

    Mo 40 min langsamer Lauf, 30 min Stabiübungen

    Di 40 min schneller Lauf, 30 min Stabi

    Mi frei

    Do 30 min Intervalle laufen, 30 min Stabi

    Fr frei

    ...usw...


    Das ganze nimmt er mit in unseren Familienurlaub. Insofern durchbricht das die von Chris angesprochene Pause. Allerdings ist es kein Fussballtraining, d.h. nach dem Urlaub hat er sicher wieder richtig Lust zu kicken.


    Außerdem: Die Saison für sein Team endete bereits Ende Mai. Ab dann gab es im Verein noch ein paar Spaßtrainings und dann ab 10.6. gar nix mehr (außer Verbandsauswahl für einige aus dem Team). D.h. die Jungs hatten beim Beginn der hessischen Ferien schon 3 Wochen Pause hinter sich, bevor sie jetzt in den Ferien wieder einsteigen.


    Grüße

    Oliver

  • Mein Sohn ist ziemlich wild auf Sport, daher ist das für ihn mehr Lust als Last. Man muss ihn da eher manchmal einbremsen.


    Allerdings hat er auch schon Tage, wo ihm die Aufgaben nicht in den Kram passen. Da schwänzt er das dann halt. Sein letzter Trainer hat verlangt, dass die Jungs ihren Laufweg per App aufzeichnen und ihm schicken. Da ist er dann auch schon mal den Weg mit dem Rad abgefahren, weil er keine Lust zum Laufen hatte. Aber das ist wie gesagt die Ausnahme.


    Aber völlig unabhängig von den Aufgaben ist er nach einigen Wochen wieder ziemlich heiß auf's Kicken und freut sich auf das Training mit der Mannschaft.


    Grüße

    Oliver

  • Witzigerweise hatte ich sowas zu Beginn der letzten Saison auch so ähnlich. Da war ein Spieler beim Intervalllaufen auf die gleiche Distanz langsamer als beim Dauerlauf

    Intervall hat ja auch langsame Passagen. Das kann sich dann im Mittel schon ach unten entwickeln! :sleeping:


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)