Fußballcamps und Fußballschulen

  • Moin,


    einfach mal allgemein in die Runde gefragt:


    Wie findet ihr diese Camps über drei bis fünf Tage, die über die Fußballschulen der großen Vereine (1. + 2. BuLi meistens) in unseren Dorfvereinen durchgeführt werden?


    Wir haben schon an welchen teilgenommen und das Spektrum erscheint mir da schon recht groß zu sein, was die Qualität angeht.

    Ein Trainer für 20 Kinder, lange Standzeiten, monotone Übungen, wenig Geduld...negatives Bsp....nie wieder!!!

    Zwei Trainer für ca. 15 Kinder, dauerhaft in Bewegung, kreative Spiele mit unterschiedlichsten Bällen auf unterschiedlichste Ziele...positives Bsp....Junior möchte wieder hin.


    Oder doch einfach nur Abzocke???

    Mich interessieren Eure Erfahrungen/Meinungen...

  • Mein Sohn hat einige Male bei solchen Camps teilgenommen (FFH Fußballschule in Kooperation mit dem damaligen Zweitligisten FSV Frankfurt). Das ist professionell organisiert. Meinem Sohn hat es immer Spaß gemacht, sonst wäre er auch kaum mehrmals hingegangen. Über den Preis kann man streiten, aber ich fand's ok.


    Man darf allerdings nicht erwarten, dass das ein richtige Training ist oder dass sich die Kinder in der Woche stark verbessern. Und genauso wenig sind das Sichtungstrainings für die Bundesligisten. Aus meiner Sicht sind das Ferienspiele mit Fußball, also eine Kinder-Bespaßung ohne großen sportlichen Anspruch. Mit einem Alter zwischen 8 und 11/12 ist das ok. Jüngere werden meist nicht genommen, da sie noch nicht selbstständig genug sind. Und Ältere haben wenig Spaß zusammen mit den Kleinen.


    Grüße

    Oliver

  • Wir hatten das Thema hier schon mehrfach.

    Fußballcamp/-trainingslager


    Kinder fördertraining

    Aus meiner Sicht sind das Ferienspiele mit Fußball, also eine Kinder-Bespaßung

    So sehe ich es auch. Im besten Fall eine sportliche Betätigung in den Ferien. Eventuell neue Eindrücke, neue Freunde und neue Erfahrungen. Fußballerisch signifikante Fortschritte habe ich bei meinen Kids nicht feststellen können.

    Natürlich locken die großen Namen der Vereine. Allerdings haben die Trainer in den meisten Fällen nix mit den NLZ zu tun. Teilweise sind die Fußballschulen wohl sogar eigene Gesellschaften.

    Die Qualität der Trainer, die ich bislang kennengelernt habe, war auch sehr unterschiedlich. Teilweise sehr engagierte junge Leute (oft Studenten oder Auszubildende), teilweise Ex-Profis, die ihre Inhalte eher gelangweilt rüber gebracht haben. Da sich jedes Kind anmelden kann, sind die Gruppen häufig sehr heterogen. In der Regel wird ja nach Altersgruppen geteilt.

    Zu den Preisen will ich nichts weiter sagen, offensichtlich sind viele Eltern bereit sie zu zahlen.

    Und genauso wenig sind das Sichtungstrainings für die Bundesligisten

    Vielleicht hoffen Eltern, dass ihr Kind bei so einem Camp entdeckt wird. Die Mutter eines Spielers erzählte mir einmal ganz stolz, dass ihr Sohn zu einem BVB-Camp fährt und dass die besten Kinder dann zu einem Probetraining nach Dortmund eingeladen werden. Mit dieser Erwartungshaltung hat sie dann den Jungen zum Camp geschickt...

  • Hi,

    interessantes Thema. bei uns gibt es in der Umgebung Knappenschule und auch dieses Real Madrid Camp demnächst.

    Auf der anderen Seite veranstalten wir selber ein Fußball -Feriencamp vom Verein aus. 5 Tage von 10 bis 16 Uhr mit

    Vollverpflegung. Das ist natürlich auch nicht mit dem Anspruch versehen, da die Kinder exorbitant besser machen zu können, sondern unter dem Aspekt Spiel und Spaß. ( Die Trainer sind zwar Sportlehrer oder mind. C-Lizenz gibt aber natürlich auch SpielerPapas die mithelfen)Die (6)Gruppen halten wir hier bei 15 Kindern. Wiederanmeldequoten sind nahezu bei 100% sodass wir immer leider schon 2 Monate vorher zu sind.

    Um zu den -professionellen- zu kommen. Ein Name wie Real Madrid zieht natürlich. Gibts da noch ein Trikot dazu, dann ist das

    natürlich toll für viele Kids. Über Qualität läßt sich streiten. Von daher würde ich immer die örtlichen Feriencamps unterstützen. (oder die TW-Tage zum Beispiel). Wie will man 10 jährige Kinder in heterogenen Gruppen in 3 Tagen besser machen? Ich glaube das ist zuviel erwartet.

  • Für mich ist auch ganz klar, es steht die Fußballerische Ausbildung an zweiter stelle. Primär dienen die Camps dem Ausgleich der Diskrepanz Eltern-Urlaubstage zu Kinder-Ferientage pro Jahr. (Bestimmt gibt es Ausnamen, aber so nehme ich es eben wahr.)


    Deswegen sind - vermute ich - diese Tagescamps auch so erfolgreich und Camps mit Übernachtung eher schwer durchzuführen - denn abends sind die Eltern ja dann zu Hause.

  • Wir haben sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Es gibt Veranstalter wo die Kinder sich praktisch selbst überlassen werden und den ganzen Tag bolzen ohne das die Trainer eingreifen und eventuell das Spiel etwas lenken. Sehr positive Erfahrungen haben wir gemacht wenn das spielerische Niveau der Kinder etwas höher ist und der Veranstalter viele technische Geräte ( Rebounder , Ballkanone )mit im Angebot hat. Die Verwendung einer Ballkanone hat zum Beispiel zum erlernen/beherrschen von Volleyschüssen geführt .

    Zu einer sichtbaren Verbesserung der Leistung hat bei uns , die Teilnahme an einem Torwart Camp geführt.

    Der Spaß steht sicherlich bei den meisten Camps im Vordergrund.

  • Bei uns werden diese Camps meistens von größeren Vereinen durchgeführt deren erste Herren in Verbands bis Regionalliga spielen. Die Buli Clubs machen sowas auch, doch da sind die Plätze stark begrenzt. Die Kinder haben meist viel Spaß und verbessern sich auch ein wenig. Als Ferienbeschäftigung ist das sicherlich besser als Cola + Playstation, man darf aber auch nicht mehr Erwarten.
    Die einzige Sache die ich (krass)negativ sehe ist, dass einige der besagten Vereine in jeder Altersklasse versuchen jeden halbwegs begabten Jungen einzusammeln, das wird dann leider auch auf die Fußballcamps ausgeweitet. So kam es schon vor das ein Spieler der in einem kleineren Verein erste E spielte ,abgeworben wurde und dann erstmal in die 3te E kam. Den Sinn dahinter versteh ich einfach nicht und Abwerben in solchen Feriencamps geht gar nicht.

  • Von den Camps der großen Vereine vor Ort beim Dorfverein halte ich inzwischen wenig. Das ist für mich Geldmacherei. Für eine Ferienbetreuung geht das zu spät los, für eine sportliche Entwicklung taugt das auch kaum (warum auch). Und gerade Real Madrid heuert temporär lokale Trainer an.


    Ganz cool fand ich ein Camp beim Bundesligisten auf dessen Gelände. Die Umkleiden im Stadion, die Materialien (Fußballtennis, Rebounder, Scoccercourt) und die großen Platzanlagen, im Rahmenprogramm noch Stadionführungen und Autogrammstunden, dann kamen den Kids auch noch die Profis entgegen und haben ihnen übern Kopf gewuschelt... das hat meinen Junior schon ziemlich beeindruckt. :)


    Leider ist das organisatorisch für uns kaum zu stemmen da bekanntlich die Urlaubstage und die Ferientage der Kinder leicht differieren. X/ Da kann ich nicht ne Woche frei nehmen und die Kinder zum gewünschten Bundesligisten kutschieren.

  • Skriwer das mit dem Ansprechen der Kids ist natürlich wirklich krass. Wir sind zwar von der Jugendabteilung etwas größer als umliegende Vereine, erste spielt -nur- Landesliga, aber soetwas ginge schon gar nicht, weil man - sich kennt-.

    Goodie Real Madrid Fußball Camp macht das echt geschickt und gewinnoptimierend. Da wirbt dann der -kleine- Verein damit -Partner- von Real Madrid zu sein. Das ist irgendwie drollig und erheiternd, aber viele fallen auf sowas rein.

    Ärgerlich das damit viel mehr Geld gemacht wird, als wenn man selber sowas mit Riesem Aufwand und ständig anwesenden15 Ehrenamtlichen veranstaltet. Und mit Geld machen meine ich lediglich ein paar Euro für die Jugendkasse die da übrigbleiben.

  • Real Madrid gab es bei uns in der Nähe auch mal.

    Interessanterweise fanden zeitgleich in ganz Deutschland mehrere Camps statt.

    Dass fand ich sehr "verdächtig" ;)


    Ich find es halt, wie Skriwer geschrieben hat, ganz cool, wenn die Kids ihre Freizeit im Freien und nicht vor der PS verbringen.


    Nur wenn man für so etwas Geld ausgibt (und es ist ja wirklich viel Geld dabei im Spiel), dann doch bitte für ein Camp, wo sich auch um die Kinder gekümmert wird.

  • Da wirbt dann der -kleine- Verein damit -Partner- von Real Madrid zu sein. Das ist irgendwie drollig und erheiternd, aber viele fallen auf sowas rein.

    Joh, aber auch unser JL liebäugelt damit :pinch: Und gerade Real Madrid tingelt überall!!!


    Wenn die Zielgruppe Kinder von 5-10 ist, dann zieht der Name doch noch weniger. Die kleinen haben ihren Lieblingsverein, dazu noch CR7 oder Messi oder sonst wen als internationalen Superhelden und fertig. Ob das Camp nun von Real Madrid oder FC Kleckersdorf ist, interessiert die Kinder wohl am wenigsten, wenn sie eigentlich auf Schalke stehen...


    Anfangs hats mich nicht so gestört aber wenn soviel Geld im Markt ist, dass man > 200€ für ne Woche Kinderbespaßung ausgeben kann, wieso arbeiten die meisten hier für das jährliche Grillfest und nen warmen Händedruck? Warum fehlt es an kleinen Toren, an heilen Tornetzen und anderen Trainingsmaterialien?

    Im Verein muss immer alles schön billig sein, damit man es dann dem kommerziellen Anbieter in den Rachen werfen kann oder wie?

  • Goodie ab 10 fängts aber an mit den superheroes. was früher Augenthaler war mit hartem Schuß und Kampfgeist, ist heute CR7 und tollem torjubel;-) und dann ein trikot von dem verein finden die dann toll.

    Klar muß im Verein immer alles schön billig sein. Ist doch Ehrenamt ;-) .

    Im Ernst, ich sehe es so, das man Kindern eine Woche für unter 100,00 € ermöglichen sollte und trotzdem ein Shirt, 1 Ball und ne Trinkflasche o.ä. sowie Mittagsessen, frisches Obst und Getränke bereit stellen sollte. Wenn man es dann schafft 2,3von 5 Mittagsessen gesponsert zu bekommen, ist das vollkommen ok.

    Auch sollten Geschwisterkinder dann günstiger sein. Auch sollte es möglich sein, bei Krankheit kein Geld zu bezahlen. Auch sollte es möglich sein, ein normales 14tägiges Widerrufsrecht zu haben etc. etc...

    Die letztgenannten Möglichkeiten gibt es alle, meines Wissens, nicht bei den Real Madrid Geschichten.

  • Joh, aber auch unser JL liebäugelt damit Und gerade Real Madrid tingelt überall!!!

    Als Ausrichter eines solchen Camps sieht man manches mit anderen Augen.


    Aus Vereinssicht rate ich bei allen "großen" Fußballschulen genau hinzusehen. Am Ende wird oft nur der Name verliehen und dafür geht aber der größte Teil der Einnahmen an diesen Verein. Was mich hierbei immer ärgert ist das diese Fussball-Camps dann ein vielfaches der kleinen "Vereins-Camps" kosten obwohl die Arbeit doch wieder vor Ort liegt. Denn in der Regel stellt der Namensgeber nur Material und eine Hand voll Trainer ab. Alles weitere an Personal muss der Ausrichtende Verein stemmen.

    Vom Erlös bleibt diesem Verein meist aber nur ein sehr kleiner Teil. Auch wenn das nicht im Vordergrund stehe finde ich es immer wieder interessant das hier nur wenige Vereine ein solche "Vertrags-Camp" mehrfach veranstalten.


    Wir als Einzelkämpfer gehen jetzt ins 10te Jahr. Und dabei stimmt der Spaß und der Erlös. Wiederholer sind jedes Jahr um die 80% der Teilnehmer.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Wir habe jedes Jahr zwischen 100 und 120 Kinder dabei. Das ganze über Drei Tage für <100€. Die Anzahl hängt auch immer von den verfügbaren Trainern (Ehrenamtlich) ab. Das wir pro Gruppe mit einem Trainer und zwei Co Trainer planen ist das nicht ganz so leicht.


    Zum Ertrag kann ich nur sagen wir kämpfen jedes Jahr um unseren Preis da die Vorstandschaft natürlich die Preise der großen Schulen kennt und gerne mehr Ertrag sehen würde. Wo ist das bitte nicht so?

    Ich hatte aber letztes Jahr die Möglichkeit die Zahlen des Nachbarvereins vorzulegen und hier haben wir etwa das 4-Fache an Erlös hatten was denen am Ende blieb. Und das war nicht unseren guten Zahlen geschuldet sondern erschreckend wenig auf der anderen Seite.


    Aber das ist ein Fall von dem ich Schlüsse auf die häufig wechselnden Veranstalter-Vereine ziehe. Das kann mit anderen Vertragspartnern auch anders aussehen.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • totog das ist doch gut. Wir machen bei ca. 90 Kindern Schluß. 1 Trainer pro Team mit wechselnden Helfern aus der -Ersten-, oder Spielereltern. 1 Woche auch unter 100,00€. Essen halt einiges gesponsert, Von daher ok. An tolle Real Madrid Camps etc. möchte ich mich nicht hängen, dafür gibts das bei uns schon rund 15 Jahre.

  • Qualität kann schon was kosten! Wenn es sich um ein einwöchiges Feriencamp von Morgens bis Nachmittags handelt mit Verpflegung, sind wir außerhalb der regulären Vereinsarbeit (die wirklich für jeden Zugänglich sein sollte). Das ist Ferienbespaßung, damit die Eltern ihre Ruhe haben können etc. Wenn es Vereinsarbeit wäre dürften nur Kinder aus meinem Verein teilnehmen.(Das machen wir manchmal bei uns für einen Unkostenbeitrag.)
    Ich hab mal kurz geguckt und bei uns in der Gegend kosten vergleichbare Angebote (nicht vom Fußball )ca. 32€ am Tag (8:30 - 16:00 Uhr). Fußballschulen nehmen ähnlich viel. Das sind 160€ die Woche. Wenn die Qualität der Betreuung und der Aktivitäten stimmt ist das durchaus ok. Man kann ja sogar Zuschüsse (als Elternteil) für sowas beantragen. Dazu kommt das ich sowas auf keinen Fall ehrenamtlich machen würde, da der Aufwand viel zu groß ist.

    Nun bin ich mir bewusst das es viele Eltern gibt, die wegen ihrer Arbeit eine Betreuung für ihre Kinder in den Ferien suchen und für die 160-200€ ganz schön happig sind. Ich finde aber nicht das es die Aufgabe eines Fußballvereins ist diese Betreuung zu gewährleisten. Wie seht ihr das?

  • Als dreifacher Vater bin ich ganz klar der Meinung das bei 100€/3Tage Schluss seine sollte. Wir haben hier die Audi-Schanzer Fußballschule welche derzeit 180€ für vier Tage nehmen. Allerdings ahne Geschwister-Rabatt und ähnliches.


    36€ pro Tag finde ich OK. Es stehen ja auch Kosten dahinter!


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Urlaub nehmen um ein Camp durchzuführen?

    Nee das geht mir zu weit.

    Ich reiße weit über 100 Stunden ehrenamtlich und kostenlos ab.

    Das sollte dann auch genügen. Wenn der Verein der Meinung ist über ein solches Angebot seine Kassen aufzubesseren bitte.

    Aber nicht wieder auf dem Rücken der ehrenamtlichen Trainer!

    Es kann doch nicht sein, dass wir für alles die Melkkühe sind.
    Dann muss er sich halt Honorartrainer für die 4 Tage gönnen.

    Oder den Trainern die wollen eine angemessene Aufwandsentschädigung zahlen.

  • Das muss man eben kalkulieren. Wie viel will man bieten, wie viele Laute braucht man, was will man denen bezahlen. Und was ist die Zielgruppe bereit zu bezahlen. Kauft man die Semmeln in der Backbude oder beim Biobäcker. Ich finde da gibt es kein richtig oder falsch, sondern nur seriöse Kalkulation: z.B. Kaufkraft im Einzugsgebiet, Angebotsdichte in der Nische etc. ... Und vor allem sollte man nicht versuchen die Kunden zu verarschen - das merken die nämlich und kommen nicht mehr - aber dafür kann man ja dann mit seinem Angebot herum reisen - so wie manche solche Anbiete mit großen oder größeren Namen im Rücken eben auch machen.