Aderlass in der A-Junioren/Motivation U18/17

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  • Einfache Antworten a la "Es betrifft halt Vereine ohne Konzept" werden dieser komplexen Thematik doch nicht gerecht.


    Zerfallsprozesse beginnen doch schon ab der E1.


    Einige Spieler hören auf, weil sie keine Lust mehr haben. Ich habe so dieses Jahr einen recht guten Spieler verloren, der als aktueller Bezirksmeister im Karate zeitgleich aus dem Karateverein ausgetreten ist. Die Eltern wissen auch nicht so recht, was mit ihm los ist.


    Einige Spieler hören auf, weil sie einfach über die eigenen Beine fallen und nie im Leben im Fußball Erfolg haben werden. Der berühmte dicke Paul stößt halt irgendwann an seine Grenzen und beginnt, über den Sinn des Ganzen nachzudenken. Auch so einen Spieler habe ich verloren. Diese Kinder hätten aber auch nie eine Chance, jemals in einer A-Jugend berücksichtigt zu werden.


    Und einige stärkere Spieler zieht es halt zu den erfolgreicheren Teams. Meine beiden aktuell besten Spieler werden in solche Teams wechseln, nachdem ich vor einem Jahr bereits 3 Leistungsträger verloren habe (1x Umzug, einmal vereinsintern einen Jahrgang höher gewechselt um ihn zu halten, einmal Vereinswechsel)


    Und schwupp, schon ist eine Mannschaft zerlegt, die bis vor einem Jahr im Landkreis ganz oben mitgespielt hat. Und an uns Trainern scheint es auch nicht zu liegen, da wir beide von Eltern und Kindern gebeten wurden, zumindest als Co-Trainer in der kommenden Spielgemeinschaft (das war unser Weg, das Problem zu lösen) an Bord zu bleiben, was wir auch gern tun.


    Dorfvereine tun sich halt immer schwerer, da die Bindung an die dörfliche Gemeinschaft nicht mehr vorhanden sind. Hier in Mittelfranken sind 50% und mehr im Ort Zugezogene, denen es völlig Wurscht ist, ob die Kinder in Verein A oder Verein B spielen. Und so konzentrieren sich die wirklich begeisterten und meist recht guten Fußballer dann in zehn Vereinen im Landkreis und der Rest versucht, irgendwie eine Mannschaft vollzubekommen.


    Und Jugendliche ticken hier noch viel extremer. Vieles von Mädchen über Schulstress zur Neuorientierung im Leben wurde ja bereits angesprochen.
    Unsere A-Jugend ist im vorigen Jahr aufgestiegen und hat eine Riesenparty gefeiert. 6 Wochen später haben der Torwart (Riesentalent!) und zwei weitere Kernspieler zum American Football gewechselt. 8|


    Die Vereine machen sicher einiges falsch, aber das ist erstens nicht immer der Fall und zweitens oft nicht die alleinige Ursache für wegbrechende Mannschaften. Die Handballer, Basketballer etc. sehen sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert.

  • @Manndecker,


    zunächst....ich habe provokant ...und hart...an meiner Wahrheit geschrieben und versuche dadurch zum Nachdenken...ggf. Nacharbeitung anzuregen...es ist nie zu spät den Brand zu löschen.


    Das war allgemein in den Raum gestellt und nicht an einen aktuellen und speziellen Adressaten gerichtet.


    PROFESSIONALISIERUNG...schreibst du...und damit wird etwas dargestellt, was ich so nicht sehe.


    Ich sehe jedoch in der Legende, dass es bestimmten Vereinen recht gut geht und anderen eben nicht. Schaut man etwas näher hin, stellt man fest, dass die Profivereine irgendwann in der Vergangenheit strukturiert aufgestellt waren und das, denke ich...war das Fundament für anderes.


    Hier -wie ich oft über das WARUM und WIE zur Einführung eines geschützten Konzeptes schrieb- ist das nur das Fundament. Ich sehe ein Konzept für den kleinsten Verein als machbar an. Es hilft Qualität einzuführen und zu halten, es hilft Streit nicht entstehen zu lassen und auch, Streit zu schlichten...schneller zu schlichten, was in der Gesamtheit zu einem ganz anderen Zusammenleben führen würde. Es steigert den Ruf und und und...


    Und wenn man das über eine durch Mitgliedsbeiträge gestützte Aufwandsentschädigung attraktiver zu machen...dann ist das zwar strukturell wie bei den Großen...aber längst nicht professionell...

  • @Manndecker Eine hohe Verletzungsrate ist ein Merkmal eines schlechten Trainings. Hier wird nicht ordentlich Periodisiert und nicht genug Wert auf Prävention gelegt. Es ist jedoch ab der B-Jugend zwingend nötig das zu tun. Außerdem wird vorher selten der Grundstein einer gesunden Sportlerkarriere durch ausgiebiges Koordinations- und Stabilisationstraining gelegt, so kommt es dann häufig schon in A-Jugenden zu überbelasteten Knien und Dauerverletzungen (wie Reizungen und Entzündungen), da die Muskulatur um die Gelenke herum nicht mehr den Anforderungen entspricht.
    Es sollte eigentlich mittlerweile in jedem Konzept stehen, das die Trainer nicht von Minis bis A durchgehen. Spätestens ab der C-Jugend alle 2 Jahre ein Trainerwechsel ist eigentlich die Norm und meiner Meinung nach gut für die Ausbildung der Spieler. Bei dem rest gebe ich dir jedoch recht.
    Mein Verein Spielt oben in der Landesliga mit und es ist schwer die Jugendlichen zu halten, da das Niveau was oben Ankommt nicht gut genug ist um direkt in der 1 Mannschaft mitspielen zu können. Bei uns schaffen das pro Jahrgang vielleicht 2. Das sind dann aber die berühmten Rückkehrer, die im Kleinfeldbereich bei uns waren, dann zu Hochklassigen Vereinen oder NLZs gegangen sind, dann aber eben zurückgekommen sind und richtig gute Fußballer sind.
    Die meisten jungen Erwachsenen merken halt, das für sie dann im Verein Schluss ist. Sie wollen nicht 3 oder 4 Herren Spielen, sondern 1 oder 2. Das ist aufgrund der etablierten Spieler und begrenzter Kadergrößen jedoch nicht möglich. Dann schwindet schon mal die Lust weiter zu machen.

  • Hier -wie ich oft über das WARUM und WIE zur Einführung eines geschützten Konzeptes schrieb- ist das nur das Fundament. Ich sehe ein Konzept für den kleinsten Verein als machbar an. Es hilft Qualität einzuführen und zu halten, es hilft Streit nicht entstehen zu lassen und auch, Streit zu schlichten...schneller zu schlichten, was in der Gesamtheit zu einem ganz anderen Zusammenleben führen würde. Es steigert den Ruf und und und...


    Und wenn man das über eine durch Mitgliedsbeiträge gestützte Aufwandsentschädigung attraktiver zu machen...dann ist das zwar strukturell wie bei den Großen...aber längst nicht professionell...

    Ich denke, wir haben unterschiedliche Zielrichtung. Es gibt auch bei uns im Umfeld einige Vereine, die sind scheinbar erfolgreich. Der Unterschied zu uns besteht darin, dass diese Vereine prinzipiell schon mal 10 mal so viele Mitglieder haben und höherklassig spielen. Und es besteht realistisch keine Chance, diesen Boden wettzumachen. Auch wenn wir alle Nachbarvereine assimilieren, kommen wir da nicht hin. Über ihre Höherklassigkeit werben diese Vereine gezielt im Stützpunkt die Spieler ab, die man gemeinhin als talentiert betrachtet. Damit habe ich mich abgefunden.


    Wenn wir dann betrachten, was dann für uns übrig bleibt, dann läuft eigentlich bis einschließlich B-Jugend alles ganz gut. Wir spielen mit den uns verbleibenden Spielern in jedem Jahrgang mit 1 bis 2 Teams auf Kreisebene mit, haben eine gute Infrastruktur, basieren aber auf dem Ehrenamt. Als Trainer haben wir letztlich natürlich das gesamte Spektrum. Vom einfachen Vatertrainer zum engagierten lizensierten Trainer, ich bin da so ein Zwischending, als Vater angefangen, am Ende mit Lizenz seit vielen Jahren dabei. Ich habe das DFB-Konzept inhaliert, ich rotiere die Positionen, zur Halbzeit ist jeder auf dem Platz. Ich trainiere fast ausschliesslich in Spielformen. Die Aufwandsentschädigung spielt ehrlich gesagt für mich kaum eine Rolle. Und trotzdem kann ich erkennen, dass mich dieses Schicksal des Beteiligungsverlustes auch ereilen würde. Und meine Energie, ständig nachzuhaken, ständig die Spieler an das Spiel zu erinnern, daran zu erinnern, das Spiel und Training zusammen gehören, das diese Energie sich erschöpft. Den Schritt in die A-Jugend werde ich nicht mitgehen. Ich möchte das Disaster einfach nicht erleben.


    Vielleicht könnten wir auch tatsächlich auf Jahre hinweg mit dem Engagement eines Trainerstabs, der hier professioneller dasteht, mehr entwickeln, aber das ist doch eher ein Entwickeln über alle Altersklassen. Es würde bedeuten, im Kinderbereich ganz bewusst auf hohe Mitgliederzahlen zu gehen, um dann im U17/U18 wenigstens eine engagierte Truppe zu besitzen. Ist das das Ziel? In Kauf nehmen, dass in U16/17/18 die zwei Drittel der Spieler einfach die Bühne verlässt?


    Letztlich hast Du natürlich Recht, was hilft das große Gejammer, am Ende muss man mit der Situation so umgehen, wie sie ist, und eine Antwort könnte sein, über Jahre und die richtige Alleinstellung im Umfeld dann so viele Spieler anzuziehen, dass man am Ende in der U17/18 genau eine Mannschaft, dann aber auf hohem Niveau, bereitstellen kann. So machen es tatsächlich die erfolgreichen Klubs in unserem Umfeld.


    Das ist vielleicht der langfristige Weg. Aber trotzdem stelle ich mir die Frage, ob es Mittel und Wege gibt, den Verlust an Spielern U16 in Grenzen zu halten.

  • Manndecker Eine hohe Verletzungsrate ist ein Merkmal eines schlechten Trainings. Hier wird nicht ordentlich Periodisiert und nicht genug Wert auf Prävention gelegt. Es ist jedoch ab der B-Jugend zwingend nötig das zu tun. Außerdem wird vorher selten der Grundstein einer gesunden Sportlerkarriere durch ausgiebiges Koordinations- und Stabilisationstraining gelegt, so kommt es dann häufig schon in A-Jugenden zu überbelasteten Knien und Dauerverletzungen (wie Reizungen und Entzündungen), da die Muskulatur um die Gelenke herum nicht mehr den Anforderungen entspricht

    Den Punkt nehme ich gerne auf, denn hier beisst sich der Effekt "mangelnde Trainingsteilnahme" vs "Verletzungsrisiko". Wenn man nur alle zwei Wochen mal zum Training kommt, wie soll dann eine Wirkung von Koordination- und Stabilisierung eintreten? So kommt vielleicht auch eins zum anderen

  • Es würde bedeuten, im Kinderbereich ganz bewusst auf hohe Mitgliederzahlen zu gehen, um dann im U17/U18 wenigstens eine engagierte Truppe zu besitzen. Ist das das Ziel? In Kauf nehmen, dass in U16/17/18 die zwei Drittel der Spieler einfach die Bühne verlässt?

    Ist das nicht der "natürliche" Verlauf? Bei den unteren Jahrgängen bis zur E-Jugend sind die Vereine voll. In den Vereinen der Region ist es nichts seltenes, eine E4 zu betreiben.


    Hier gibts übrigens einen deutlichen Trend hin zu den Vereinen, die einen schicken Kunstrasenplatz haben. Die mit der alten Asche haben es deutlich schwerer! Wobei es einigen Vereinen trotzdem gelingt, als Topverein da zu stehen, bei dem man seine Kinder anmeldet.


    Aber mal aus Elternsicht: wenn der Fußball die Kinder eben doch nicht zu 100% gepackt hat, warum sollten sie nicht was anderes ausprobieren? Mit dem Wechsel in die weiterführenden Schulen und danach kommen neue Eindrücke und auch andere Sportarten auf. Ich finde das ehrlich gesagt vollkommen ok. Ebenso wie sich Freundschaften verändern, verändern sich die Interessen.
    Meine Kinder sollen sich in vielen Dingen ausprobieren können - wenn sie denn wollen. Natürlich kommt ein Späteinsteiger in der Regel nicht in den obersten Klassen an aber das schafft ja eh nur ein kleiner Teil aller Spieler.



    In vielen kleineren Sportarten gibts längst dauerhafte Zusammenschlüsse diverser Vereine. Beim Handball gibts hier seit über 25 Jahren eine Sportgemeinschaft dreier Vereine. Die Basketballer haben nachgezogen...
    Vereine die immer noch auf Dorfklüngel setzen haben meiner Meinung nach die Zeichen der Zeit verpasst. Dieses doofe Gegeneinander... Derbyzeit... Stimmung im Dorf weil der Kleckersdorfer SC gegen den FC Kleckersdorf spielt.
    Das mag in den 70ern ne angesagte Nummer gewesen sein. Ich finde das nur noch dämlich.


    Wenn hier der Spieler vom Kleckersdorfer SC nicht mit dem neuen Trainer kann, dann kann er auf Grund des Dorftheaters nicht mal zum FC K. wechseln weil - das tut man nicht...


    Seid doch mal nett zu einander... das schadet der sportlichen Auseinandersetzung meist gar nicht.

  • Ich wollte mal ein kurzes Update geben, da ich ja aktuell in meiner vierten Trainingswoche mit meiner neuen A-Jugend bin.
    Wir (2 ''Co-Trainer'' und ich) haben nen großen Kader - aktuell 20 Spieler.
    Momentan spielen wir die Bezirksliga-Quali - deswegen sind wir jetzt noch/schon im Trainingsbetrieb.


    Und bisher werden meine Ansichten im großen Teil bestätigt.


    Da ich wohl der erste Trainer der Jungs bin, der ne Lizenz besitzt (A-Lizenz) und wirklich Wert auf taktische Dinge und abwechslungsreiches, innovatives Training legt, hab ich die meisten der Spieler überfordert bisher.
    Der Sinn der Übungen wird oftmals hinterfragt und der wirklich Zweck wird glaube ich nicht verstanden.
    Alles was kein Torschuss oder ne Spielform beeinhaltet ist für die wahrscheinlich scheiße.
    Das sagt natürlich (bisher) niemand öffentlich und es ziehen auch alle Jungs voll mit - aber spürt es irgendwie.


    Was ich in einem vorherigen Post ja schonmal angesprochen habe und hier unter euch ja auch als das größte Problem gesehn wird...
    ...die Prioritätenverschiebung! Die Trainingsbeteiligung ist top! Immer 16-20 Mann gehabt bisher.
    Die Abgründe tun sich aber dann vor den Spielen auf:
    4er-Gruppe - der Erste spielt Bezirksliga. Erstes Spiel gewinnen wir 3:1. Haben also gute Chancen.
    Was passiert? Ich schätze knapp 70% der Mannschaft war am Vorabend saufen, raucht vor dem Spiel 5 Zigaretten und lässt einfach komplett den Ehrgeiz vermissen. Spiel wurde dann auch komplett durch diese Probleme verloren, trotz großer spielerischer Überlegenheit. Die letzten 10 Minuten in der jeder HZ haben wir keine Luft mehr gehabt und der Gegner hat dort die Tore gemacht.
    Das hab ich der Mannschaft dann auch so in der HZ/nach dem Spiel sachlich und ehrlich verklickert. Das ihre Einstellung zum Fußball ihnen die Bezirksliga gekostet hab. Ergebnis waren einige fragende und betröppelte Gesichter.



    Ich kann JEDEM nur empfehlen, im frühen Alter schon seine Trainer-Scheine zu machen, um dann bereits im Leistungsbereich einsteigen zu können. Weil mit Visionen und vorallem Ambitionen wird es zu 90% frustrierend in einem ''Dorfverein''.
    Es ist fast unmöglich, sämtliche Dinge, die von der D- bis A-Jugend versäumt wurden, aufzuarbeiten.
    Sowohl sportlich als auch (und vorallem) menschlich.
    Ich habe es als ''letzte Chance'' gesehen um etwas in einem kleinen Verein zu bewegen (nebenbei trainiere ich in einem NLZ eine jüngere Jugend) und etwas von meinen Erfahrungen aus größeren Vereinen weiterzugeben - aber es fehlt einfach zu sehr an elementaren Dingen.


    Und dabei ist mir durchaus bewusst, dass man sich anpassen muss und sich nicht wie ein Guardiola in einem Dorfverein aufführen kann. Natürlich trinke ich bei meiner aktuellen Mannschaft nach dem Training auch mal ein Bier mit und sehe auch andere Dinge lockerer als in einem NLZ.
    Aber wenn die grundlegende Einstellung dem Fußball gegenüber einfach nicht da ist - dann passt so etwas auf lange Sicht einfach nicht.
    Und dieses Problem wird sich in 90% der Breitensportvereinen so wieder finden.
    Warum dann doch einige Teams Erfolg haben?
    Den haben wir ja auch (ich gehe davon aus, dass wir in der Leistungsstaffel nächste Saison um den Titel spielen werden) - eine Ansammlung von guten Fußballern sorgt ja von Natur aus für ein gewisses Leistungsniveau.
    Nur muss man sich eben von seinen Prinzipien weitesgehend verabschieden und seine Visionen vergessen. Wer das kann und/oder keine hatte, der wird sich auch nicht ärgern.


    Es gibt natürlich auch positive Beispiele:
    2-3 Spieler, die noch am ehesten auch eine theoretische Fußballaffinität besitzen, kommen öfters nach Spiel/Training zu mir und fragen mich nach meiner Meinung, ob sie die Rolle heute gut gespielt haben und was sie besser machen können.
    Sowas freut einen natürlich - ist aber doch eher Ausnahme.

  • Ich glaube du bist einfach im falschen Verein. Ein Dorfverein ist etwas anderes und das passt mit deinen Vorstellungen nicht zusammen. Was finde ich nicht geht, dass du gegen Spieler und Trainer austeilst die deinen Vorstellungen von Fußball nicht entsprechen. Fußball im Dorfverin ist mehr als nur Fußball. Es ist Gemeinschaft. Du kannst da niemanden vorwerfen, dass er keine Affinität zum Fußball mitbringt oder eine mangelnde Einstellung. Der Junge will sich wahrscheinlich nur nach dem Spiel/Training mit seinen Kumpels betrinken und das ist ok, oder wo siehst du da konkret das Problem? Ich bin über jedes Mädel in meinem Training froh, dass wenig Affinität zum Fußball hat. Das sie auftaucht, zeigt doch, dass es ihr Spaß macht und sie mein Training besser findet als zuhause vor der Glotze zu hocken. Ein größeres Lob kann es doch gar nicht geben.
    Warum solche Mannschaften trotzdem erfolgreich sind?
    Weil es unglaublich Spaß macht in so einer Truppe zu spielen und das setzt enorm viel Energie frei.

  • Ich kann JEDEM nur empfehlen, im frühen Alter schon seine Trainer-Scheine zu machen, um dann bereits im Leistungsbereich einsteigen zu können. Weil mit Visionen und vorallem Ambitionen wird es zu 90% frustrierend in einem ''Dorfverein''.


    Es ist fast unmöglich, sämtliche Dinge, die von der D- bis A-Jugend versäumt wurden, aufzuarbeiten.
    Sowohl sportlich als auch (und vorallem) menschlich.

    Da wurde in der D- bis A-Jugend nichts versäumt, sondern die Jugendlichen in berühmten "Dorfverein" haben schlichtweg einen ganz anderen Anspruch. Die emporstrebenden Spieler haben den Verein bereits in der E-Jugend gewechselt und was übrig bleibt sind Spieler, die mit Spaß kicken und Unter-Dodesleben besiegen wollen. Du passt da einfach nicht rein. Genau so wenig, wie ich in ein NLZ passen würde. Ich kenne eine Menge Trainer, die mit Freude im Dorfverein arbeiten, aber das ist eine andere Welt als das NLZ.

  • Ich kann JEDEM nur empfehlen, im frühen Alter schon seine Trainer-Scheine zu machen, um dann bereits im Leistungsbereich einsteigen zu können. Weil mit Visionen und vorallem Ambitionen wird es zu 90% frustrierend in einem ''Dorfverein''.

    Hier ist aber schon der Fehler! Es gibt genug Trainer, die einfch nur mit ihren Schützlingen Spaß haben wollen. Denen es Spaß macht, sie ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten.
    In meinem Trainerlehrgang wollten 3 von 24 Teilnehmern in den Leistungsbereich. Alle anderen erfreuen sich ihrer Dorftruppen mit der üblichen Spreizung bis hin zum dicken Paul.


    Ich würde dir auch empfehlen, dass Thema Dorfverein aufzugeben oder dich wirklich auf die Begebenheiten einzulassen.


    Veränderungen kann man immer nur moderat herbeiführen. Mit Sprüchen wie "von der A-D-Jugend wurde nix gescheites gemacht" wirst du dich ruckzuck ins Abseits stellen und da gehörst du dann ggf. auch hin. Viel Glück!

  • Hallo Counterpressing91,


    bitte halte uns weiter auf dem Laufenden, ich finde Deinen Bericht sehr interessant.


    Ich denke das gleiche Ergebnis würde auch mit einem Mastercoach entstehen, der Traininingshalte "verbessert" , Taktik beibringt usw.
    Wir würden es toll finden, aber die Spieler würde sich nur denken was für sch...


    Ist das dann falscher Ergeiz oder ist man damit als Trainer nur am falschen Ort?

  • Es ist ganz klar der falsche Ort.


    Beispiel aus dem "richtigen Leben": Warum werden einige Ingenieure mit tollem Abschluss in mittelständischen Betrieben nicht glücklich? Ganz einfach weil dort nicht nach der "reinen Lehre" gearbeitet wird, sondern pragmatisch und mit ganz anderen Zielen als im Großkonzern.


    Man sollte als Trainer auch in sich hineinhören, welche Inhalte man dem Fußballernachwuchs vermitteln will. Im Dorfverein stehen hier ganz andere Sachen im Vordergrund als im NLZ.

  • Komisch?
    Warum darf man bei einem Dorfverein nicht kritisieren das sich technische, taktische Defizite aufgehäuft haben. Desweiteren hat mich in meiner Jugend nicht nur der Teamgeist davon abgehalten mich am Abend vor einem Spiel sinnlos zu benebeln.


    Ist es nicht die Perspektivlosigkeit, den Sport auch im Erwachsenenalter weiter auszuüben, die in vielen A Jugenden zu beobachten ist. In meinen Umfeld haben in den letzten Jahren ganze Jahrgänge ihre Schuhe an den Nagel gehängt, da sie bei den Senioren keine Chance hatten.
    Hierfür gibt es sicherlich viele Gründe, aber ein Grund ist sicherlich auch eklatante Ausbildungsdefizite.
    Mein Trainerausbilder hat es damals gut auf den Punkt gebracht, warum sind die meisten A Jugendteams scheinbar zu blöd eine funktionierende 4 Kette zu spielen, wenn die Natinalmannschaft der Jugendlichen mit geistigen Defiziten dies problemlos hinbekommt.
    Es sind scheinbar nicht die zu blöden Jugendlichen.


    Haben Kinder und Jugendliche der Dorfvereine nicht auch das Anrecht auf ein innovatives Training, auch der "dicke Paule"möchte sich sicher weiterentwickeln. Habe in den letzten Jahren teilweise beeindruckende Entwicklungssprünge beobachtet. Aber meist nur da wo die Trainer den Ehrgeiz hatten das sich die Kinder auch weiter entwickeln.
    Wenn die Kinder nur noch Spaß haben wollen und ihre Neugier und Lust etwas neues zu erlernen verflogen ist, sind sie leider bereits in den Brunnen gefallen.
    Die enormen Leistungsunterschiede innerhalb der Jahrgänge der meisten Dorfvereine sind nach meiner Ansicht nicht genetisch oder zufällig, sondern zumeist hausgemacht.
    Leider übernimmt hierfür keiner die Verantwortung. Kritik auch zumeist unerwünscht.
    Daher finde ich ein wenig Kritik an dem Ausbildungsstand von Jugendlichen in einem Dorfverein auch nicht überheblich oder anrüchig.
    Problematischer und sich mit meinen Erfahrungen deckend, ist die auch sportspezifische Schwierigkeit sich auf neue Trainingsmethoden einzustellen. Diese werden häufig nicht nur von der Lerngruppe, sondern auch von ihrem Umfeld abgelehnt. Diese Eingefahrenheit aufbrechen zu wollen finde ich trotz aller Widerstände schwierig aber auch noch in diesem Alter mehr als sinnvoll.

  • Ich wollte niemanden auf den Schlips treten, geschweige denn das ''Dorfverein-Dasein'' generell kritisieren.
    Dafür habe ich selber in der Jugend zu lange bei einem gespielt.
    Ich habe ja auch in einem Absatz erklärt, dass ich kein Problem habe mich in gewissen Bereichen anzupassen.
    Ich bin selber erst Mitte 20 - also vom Typ her glaube ich, dass ich die Jungs da ganz gut erreiche und trotz meiner Ambitionen nicht als ''arrogant'', ''weltfremd'' o.ä. rüber komme.


    Aber es gibt einfach Dinge (Basics), die für mich für JEDEN Verein zu realisieren sind, ohne dabei ihre Identität zu verlieren bzw. den Spaß zu verlieren.
    Und wenn diese Dinge in einer A-Jugend nicht vorhanden sind, dann sind die Gründe für mich entweder die bereits erwähnte Prioritätenverschiebung bei der Generation Y oder eben die Versäumnisse der Trainer in den Jugenden davor.


    Ich kann ja nochmal 4-5 konkrete Beispiele nennen:


    1) Pünktlichkeit
    Es sollte sebstverständlich sein, dass man zum Training/Spiel pünktlich kommt.
    An der Tagesordnung steht aber meistens, dass 2-3 Spieler zu spät kommen UND (was aus meiner Sicher das Problem ist) dann noch im langsamen Schritt in die Kabine traben als ob sie ne Stunde zu früh wären.


    2) ''Bolzen'' vor vor/während Training/Spiel. Ist bei mir einer der ersten Regeln. Es gibt fast nichts sinnloseres, als auf den Platz zu kommen und erstmal
    X Mal mit 10 Bällen plump aufs Tor zu knallen. Egal wer alles im Weg steht. Von der Verletzungsgefahr ganz zu schweigen.


    3) Einheitliches Auftreten vor Spielen.
    Immernoch kommen die meisten Spieler TROTZ eigentlich kompletter Ausstattung mit Jeans, Jogginghose, T-Shirt etc. zum Spiel.
    Das zu kritisieren mag kleinkariert klingen...aber für mich gehört sowas einfach dazu.


    4) Verantwortlichkeit für den Ballverlust
    Die gibt es bei den meisten Jungs in dem Alter doch überhaupt nicht mehr. Da wird ein Ballverlust einfach so in Kauf genommen (wenn man dafür einen hätte tunneln können) ohne dabei zu bedenken, dass die Jungs dahinter alles geben müssen um sich den Ball zurück zu erobern. Meistens wird auch noch stehen geblieben.
    Das ist diese ''Bolzplatz-Mentalität''. Die hat für mich egal ob NLZ oder ''Dorfverein'' nichts zu suchen, sofern zumindest ein gewisser Fortschritt und Erfolgsgedanke besteht.


    5) Ehrgeiz
    Ich muss als Trainer doch verlangen können (egal wo meine Mannschaft spielt), dass ein gewisser Ehrgeiz vorhanden ist.
    Wenn dann vor einem wichtigen Spiel die ganze Nacht gefeiert und gesoffen wird, dann ist das einfach ein Einstellungsproblem.
    Das hat dann nichts mit ''Im Dorfverein ist das halt so'' zu tun.


    Zumal, wenn man sich mal die Landesligen der Verbände anschaut in B- und A-Jugend, sieht man überall mindestens 2 Vereine, die von der Größe und Umfeld her auch klar als ''Dorfverein'' zählen.
    Dort wird aber scheinbar irgendetwas anders (besser) gemacht...


    Und Dorfvereinsleben und Spaß hin- oder her...das eine schließt das andere ja nicht aus.
    Ich glaube nicht, dass Verein X, der sich z.B. an die oben genannten Punkte hält, weniger Spaß und Affinität zum Fußball hat als Verein Y, der diese 0815-Mentalität an den Tag legt.


    @AKjfv
    Sehe ich genauso!
    Ich hab den Spielern beim Training letztens gesagt, dass mein Ziel ist, jeden von ihnen im nächsten Jahr zu einem besseren Fußball zu machen, damit er im Seniorenfußball Fuß fassen kann und zumindest regional gesehen eine gute Rolle spielen kann. Ich glaube sowas haben sie noch nie vorher gehört..

  • Die enormen Leistungsunterschiede innerhalb der Jahrgänge der meisten Dorfvereine sind nach meiner Ansicht nicht genetisch oder zufällig, sondern zumeist hausgemacht.Leider übernimmt hierfür keiner die Verantwortung. Kritik auch zumeist unerwünscht.

    sehe ich auch so!
    Zudem ist mir die Schwarz-weiß-Einteilung in NLZ oder Dorfverein zu billig!
    Wenn nix funktioniert wird eben gerne als Entschuldigung der Begriff "Dorfverein" verwendet, was Alternativlosigkeit wiederspiegeln soll.
    Dabei herrscht unter den Breitensportvereinen" eine große Artenvielfalt.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Ich kann ja nochmal 4-5 konkrete Beispiele nennen:...

    Hast du dich denn mal mit der Mannschaft zusammengesetzt und diese nach den Zielen und Wünschen befragt? Eine Teambesprechung ist doch eigentlich das erste was man macht, wenn man eine neue Mannschaft übernimmt. Was sagen die denn?


    Stelle mit den Jungs gemeinsam Regeln auf und überlegt euch wie ihr Nichteinhaltung dieser Regeln sanktionieren wollt. Dazu gehört auch, dass jemand die Sanktionen eintreibt! Das kann der stupide Geldstrafenkatalog sein oder auch etwas einfallsreicheres.


    3x zu spät gekommen = statt Training dem Platzwart helfen
    verkatert zum Spiel = eine Kiste Bier fürs nächste "gruppendynamische Treffen" stiften
    oder was weiß ich...

  • Ich kann ja nochmal 4-5 konkrete Beispiele nennen:

    Ich habe mir deine Beispiele durchgelesen. So wie du das beschreibst, hast du eine Truppe vor dir die einfach nur kicken will. Sie haben einfach nicht diesen Ehrgeiz und geben Fußball als Sportart eine geringere Priorität.
    Goodie hat es ja geschrieben, setz dich mit deiner Mannschaft zusammen und besprich was ihr wichtig beim Fußball ist. Versuch dann aus diesen Gegebenheiten das Maximum rauszuholen, denn fachlich hast du es sicher drauf. Sehe dich mehr als Dienstleister und orientiere dich an den Bedürfnissen und Wünschen deiner Spieler. Das aber auch klar gesagt, ein Dienstleister muss nicht das tun was er nicht will. Dann solltest du die Konsequenz ziehen und zeitnah aufhören, alles andere führt zu beiderseitigen Frust.

  • Es soll jetzt auch nicht so rüber kommen, als wären die 4 Wochen jetzt total frustrierend für mich gewesen.
    Im Gegenteil - so ne hohe Trainingsbeteiligung ist geil und es sind auch wirklich ein paar geile Kicker im Team.


    Aber meine Ausführungen sollten ja auch ein wenig an den Ursprungspost angelehnt sein:
    Der Aderlass in der A-Jugend ist meiner Meinung nur die ''Spitze'' des Eisberges - die größten ''Probleme'' finden davor statt.


    Denn ich glaube, meine A-Jugend spiegelt einfach die allgemeine Situation in den Vereinen wieder.
    Ich habe keineswegs eine besonders lustlose oder disziplinlose Truppe übernommen..dann würde ich sofort sagen ''Nein, das passt nicht''.
    Ich denke, ich würde bei 9 von 10 ''kleineren'' Vereinen diese Umstände vorfinden - und diese Tatsache muss ja irgendwo ihre Wurzeln haben.


    Und da kommt man zwangsläufig wieder zu den 3 Punkten 1) Perspektivlosigkeit 2) verpasste Wertevermittlung in den Jahren zuvor 3) Generelle Interessenverschiebung und Unverbindlichkeit der Generation Z.