Nachwuchsfussball in den USA

  • Besser spaet als nie! Nachdem ich in meinem Vorstellungsthread ersucht wurde, meine Beobachtungen/Erfahrungen hier in den USA zu teilen, moechte ich das hiermit gerne tun. Vorausschicken moechte ich, das alles weitere subjektive Beobachtungen aus einem ganz bestimmten Teil der USA (Virginia) darstellen. Weiters werde ich, soweit dies moeglich ist, auf eine Wertung zu verzichten und Fakten, so wie ich sie kenne, anfuehren (sind natuerlich nicht umfassend). Vergleichen kann ich natuerlich nur mit dem mir bekannten oesterreichischen System, auf Deutschland muesst ihr das Gesagte selber umlegen. Da AUT aber sowieso immer von DEU abschreibt, wird das nicht so schwierig sein. Als Basis/Ergaenzung empfohlen: http://www.soccerdrills.de/The…l-jugendfussball-usa.html



    So, wo fangen wir an, also – Soccer ist eine Sportarten mit unglaublichem Zulauf, vor allem bis zum Alter von ca.11/12 Jahren. Diese Grenze hat mit Masse mit der Stellung des Schulsports zu tun, dazu noch spaeter (siehe Unterschied #2). Dabei gibt es ca. gleich viele Maedchen – wie Jungenteams (Girls duerfen auch bei den Boys mitspielen, ist aber eher selten) – in AUT ist der Maedchenfussball noch in den Kinderschuhen, in DEU ist man da ja wesentlich weiter. Es gibt viele Organisationen (Kirche, Freizeitzentren,…) die eigene Ligen nach eigenen Regeln betreiben und nicht in der Landesorganisation erfasst sind. Sucht man “richtige” Vereine, also so, wie man es aus Europa kennt, so wird man auch hier schnell fuendig. Diese Vereine sind in landes – bzw. bundesstaatlichen Verbaenden aufgeteilet, spielen in festgelegten Ligen, usw.



    Es werden grundsaetzlich 3 verschiedene Leistungsniveaus angeboten (wobei diese Levels oft unterschiedlich benannt werden:
    a) Recreation: Der Einstieg, hier beginnen die Kinder, das Spiel zu erlernen. Es wird nur innerhalb des Vereins gearbeitet, d.h. keine Tabellen. Trainingseinheiten unter der Woche und Gameday am Wochenende, wobei bis U8 4 vs. 4 ohne Torwart (kleine Tore)mit Jugendschiedsrichter auf 2 Feldern gleichzeitig gespielt wird. Die Vorgabe ist meist, dass eine Mannschaft nicht mehr als 12 Spieler haben darf.
    b) Advanced: MS – System fuer Fortgeschrittene gegen andere Vereine, jedoch bis U12 ohne Tabelle, mit jeweiligem Playoff (Abschlussturnier) zu Saisonende. Unser Verein unterhaelt z.Bsp. 4 U11 – Teams auf diesem Level.
    c) Travel: Hoechster Level, grundsaetzlich fuer Talente, gespielt wird im MS-System gegen andere Vereine in 3 Divisions (wieder Leistungsklassen) oder speziellen Ligen im Bundesstaat. Dazu kommen entsprechende Truniere. Bedarf eines hohen Zeitaufwandes, da die Distanzen meist so gross sind, das bei Auswaertsspielen oder Turnieren (meist 2 Tage) am Vortag anzureisen ist.
    Darueber hinaus gibt es natuerlich eine Vielzahl von Sonderformen, Academies, usw. Es gibt auch Regionen, wo kein Advanced Level angeboten wird, es gibt Vereine, die nur Travel anbieten, usw. Bei den groessten Vereine in der Gegend, deren gibt es 2, sprechen wir von ca. 2600 aktiven Kindern im Alter von U4 (ja, wirklich) bis U18. Ja, alles ist groesser in den USA.
    (siehe: http://varush.com/index.php/club-profile)



    Ich moechte meinen Bericht auf, die wesentlichen Unterschiede zum "europaeischen" System,aufbauen:



    Unterschied #1: Fuer das Erreichen der naechsten Leistungsstufe wird nicht das Team, sondern der individuelle Spieler beurteilt. D.h. das ein jaehrliches Tryout stattfindet, welches die Voraussetzung fuer den Aufstieg (des einzelnen Spielers) in den naechsten Level darstellt. Meist sind die Tryouts 2 Trainingseinheiten bei denen vorher festgelegte Skills ueberprueft werden (je nach Altersgruppe), die letztendliche Entscheidung liegt aber beim jeweiligen Trainer. Hoert sich am Papier super an, hat aber auch seine Tuecken – kein System ist perfekt.



    Durch die Groesse der Vereine ergibt sich eine relative Anonymität, es gibt auch keine wirkliche Heimstätte, kein Clubhaus, man kennt sich untereinander, speche jetzt von den Trainern in der gleichen Altersgruppe, kaum. Pro Saison gibt es eine Sitzung mit dem Jugendleiter und dem Ligavertreter. Aufgrund der Anzahl der Teams wir auch ueberall trainiert, auf den Sportanlagen von Schulen, Kindergaerten, usw. Auch muss der Trainer alle Hilfsmittel selber besorgen (und bezahlen) und selber mitbringen – Flutlicht ist Mangelware. Die Trainertaetigkeit ist ehrenamtlich bis zum Travel Level. Dort nimmt man allerdings auch nur Trainer mit entsprechender Qualifikation (zumindest bei unserem Verein).



    Unterschied #2: Es gibt keine Erwachsenenteams. Im Gegensatz zu uns bekannten Strukturen sind die meisten Vereine hierzulande reine Nachwuchs-/Ausbildungsvereine. Nach der U18/U19 geht man entweder ins College und spielt dort (inkl.etwaiges Stipendium) oder man hoert mehr oder weniger auf – ja natuerlich gibt es Erwachsenenligen mit Over 20, 30, 40 Mannschaften, das ist aber eher mit unseren Hobbymannschaften vergleichbar. Der Weg zum Profi geht ausschliesslich ueber die Collegeschiene (und die Akademien der MLS-Vereine).
    Dieses System wurde von den “grossen” US Sportarten,Football, Basketball und Baseball, uebernommen. Daher hat auch der Schulsport immer Vorrang vor dem Vereinssport. Denn ueber den Schulsport in der Middle School – High School kommt man ins College, auch wenn`s Sichtungen bei den Vereinen gibt. Gleichzeitig kommt mit Beginn des organisierten Sports in der Middle School (ca.11-12 Jahre, verschieden je Bundesstaat) der Einbruch bei den Vereinen, da die Kinder vermehrt anderen Sportarten nachgehen.



    Unterschied #3: Alles kostet; ueberhaupt einer der Grundsaetze in den USA, natuerlich auch bei jeglicher Form der Freizeitgestaltung. Noch besser – je hoeher das Leistungsniveau, desto teurer wird es.
    Zur Verdeutlichung ein kleines Bespiel, nur damit ihr sagen koennt, was wir ehrenamtlich und sponsormaessig so alles leisten: Im Level Advanced (spielt mein Junge) kostet das halbe Jahr $ 95.-, dazu kommt das Uniformpaket fuer $ 80.- (1xHeim, 1xAuswarts, ok fuer die Qualitaet echt billig, aber trotzdem), Ball sowieso selbst mitzubringen. Sind die Kinder dann auch noch talentiert und man schafft das Tryout fuer den Travel-Level, wird`s richtig teuer. Hier kann man mit ca. $ 2000.- pro Jahr rechnen, noch nicht dabei sind die Reisekosten, wenn man ein 2 Tagesturnier 300km entfernt spielt. Die (vernuenftigeren) Trainer verzichten zwar immer mehr auf solche Abenteuer um die Kosten zu senken, wirklich billiger wird`s aber auch nicht.
    (siehe: http://varush.com/index.php/co…neral/51-competitive-fees)



    Die Vereine geben sich als non-profit organisations, haben aber fixe Jobs. So sind der Executive Director, die Admistratoren, Technical Directior (etwa JL, aber auch Trainerausbilder und Supervisor) und die Coaches (ab Travel) bezahlt (Wieviel kann ich nicht sagen).
    Man kauft eine Dienstleistung, es wir auch so angeboten: 10 Wochen Training, 2 x die Woche plus Spiel am Samstag um $ x; da bekommt man dann auch das, wofuer man bezahlt hat und kein Training mehr; dafuer kann man nach einem halben Jahr auch wieder wechseln, falls es nicht passen sollte, eine Dienstleistung eben – mit dem Nachteil, dass du als Trainer nicht weisst, wer nach Weihnachten wieder kommt, e.v. musst du dir neue Spieler suchen.



    Unterschied #4: Man hoert zwar immer wieder von Zwischenfaellen mit Eltern (Newsletter, usw.), habe aber in 2 Jahren noch nicht den geringsten Zwischenfall erlebt. Ganz im Gegenteil – es ist verpflichtend, dass man nach dem Spiel sich beim Gegner und den SchiRis verabschiedet, grosser Resekt wird gelebt – und wann ist es euch das letzte Mal passiert, das ein Vater der gegnerischen Mannschaft euch (und eurem Kind) zur Leistung eures Kindes gratuliert hat, mir passiert das hier andauernd.

  • Unterschied #5: Da viele der Trainer, v.a. die Ehrenamtlichen, selber nie gespielt haben, viele trainieren auch ihre Kinder, werden die Lehrbuecher auf Punkt und Beistrich befolgt. Die Unterlagen sind zu 90% gleich wie unsere – also wenn dort also z.Bsp. steht, bis zur U12 kein fixer Torwart, alle Positionen rotieren, dann wird versucht, das auch 100% so umgesetzt. Auch habe ich das Gefuehl, das bei vielen die Ausbildung ueber den (kurzfristigen) Erfolg gestellt wird, zumindest zu einem hoeheren Prozentsatz als ich das gewohnt war. Trotzdem hatte (und habe) ich das Gefuehl, dass das Niveau in diesen Altersklassen geringer ist als ich es gewohnt war. Dies haengt aber vmtl. an den 3 Leistungslevels, die Spieler nach oben ziehen. Wirklich wettkampfmaessig wird es in den aelteren Travel Jahrgaengen, v.a. bei den grossen Turnieren (dort sind die Scouts). Der Verein will sich am “Markt” durchsetzten und versucht, moeglichst viele Abgaenger in College/Profi/Halbprofi Mannschaften unterzubringen – das kommt als Werbung zurueck.



    Eine weitere Philosophie ist das Schwergewicht Dribbling und Ballkontrolle v.a. in den jungen Jahrgaengen. Es wirkt manchmal, als ob der Trainer gar nicht will, dass abgespielt wird. Die Spiele loesen sich dadurch in Einzelaktionen auf. Mein erster Eindruck war das niemand hier auch nur einigermassen mit den Mannschaften zu Hause mithalten koenne – stimmt vermutlich auch in der U10, nur weiss ich nicht, ob das in der U16 immer noch so ist. Ich zumindest habe meinen ersten Eindruck ueberdacht.


    So, jetzt muss aber mal Schluss sein – mir wuerde ja noch mehr einfallen, aber das liest dann sowieso keiner mehrïŠ Insgesamt ist es fuer mich persoenlich eine grossartige Erfahrung, man kann schon einige Anregungen mitnehmen. Auch oder v.a. die Spieler, Eltern und Trainerkollegen, die man kennenlernt bereichern die Erfahrung enorm.
    Sobald man mit der Mannschaft aber am Platz steht, ist alles beim alten – da gibt`s die Motivierten, die die nur Spielen wollen, die Talente und die weniger Talentierten, die die immer kommen und die die manchmal kommen, die athletischen und die eher behäbigen – und die Paules - also ich freue mich schon auf die neue Saison in der U12, im Maerz geht`s los.

  • Vielen Dank für die vielen Infos. Macht Spaß, mal über den Tellerrand zu schauen. Hat mir die Busfahrt zur Arbeit versüßt ;)


    Hört sich auf jeden Fall sehr interessant an, natürlich auf das amerikanische System zugeschnitten, aber echt nicht schlecht.
    Sehr gut finde ich die 4 gegen 4 Spielform bei den ganz kleinen.


    Respekt an die ehrenamtlichen Trainer, die dann sogar das ganze Material stellen!

  • Hallo TomTom,


    danke für Deinen wirklich sehr interessanten Bericht.



    Zitat

    So, jetzt muss aber mal Schluss sein – mir wuerde ja noch mehr einfallen, aber das liest dann sowieso keiner mehr


    ...wenn Du Dich hier mal nicht täuscht...


    Gruß Karl

  • Sehr gut finde ich die 4 gegen 4 Spielform bei den ganz kleinen.


    bei uns wird in der G doch auch schon 4:4 in Turnierform seit so 3-4 Jahren gespielt. ist also nichts Neues. , um Gutes zu finden.Musst also nicht über den Teich fahren =)


    ansonsten finde ich den Bericht von Tom Tom sehr interessant. in den USA ist halt das ganze Sportsystem anders aufgezogen als bei uns.


    gg

  • Hallo Tom,


    danke für interessanten Einblicke! Was Du beschreibst, ist hier in D näher an privaten (=Kommerziellen) Fussballschulen als an klassichen Fussballvereinen.


    Was ich noch nicht ganz begriffen habe, ist der Übergang in den Schulsport in Middle School / College. Heisst das, dass talentierte Spieler ins Schulteam kommen und dann nicht mehr im Verein spielen? Und spielen die Schulen in eigenen Ligen oder messen die sich auch mit Vereinen? Gibt es an den Schulen auch Teams für die weniger talentierten?


    Grüße
    Oiver

  • TomTom


    Erst mal auch von mir ein großes Lob für deinen USA-Bericht. Meine persönlichen Erfahrungen schauen nicht so besonders aus. Aber vielleicht kannst du es uns ja erklären?


    1. Beispiel: Torhüterin
    Weil der Frauenfussball in den USA weltweit sehr erfolgreich ist, habe ich mich gefreut, als ich eine Keeperin, die nach eigenem Bekundungen über mehrere Jahre im College-Team das Tor gehütet hatte, zum Probetraining bekam. Doch schon rasch mußte ich erkennen, das das Mädel über reine Torlinienfähigkeiten nichts drauf hatte. Ich war maßlos enttäuscht. Am Ende des Probetrainings bestätigte sie auch, das die Anforderungen in Deutschland an diese Position deutlich höher wären und sie kurzfristig keine Chance für sich sehen würde, an diesen Level heranzukommen. Nun weiß ich ja, das es in den USA ein Frauen-Fussball-Francise gibt, in der es keinen sportlichen Auf- und Abstieg gibt (wie z.B. in Europa). Aber ist das Niveau dort so unterschiedlich?


    2. Beispiel: Trainer
    Mir erzählte ein früherer Trainerkollege, er habe in den USA seine Trainer-Lizenz gemacht. Zwar besaß er sehr gute Fähigkeiten in der Kommunikation mit den Jugendlichen. Anders sah es jedoch beim Eigenkönnen und dem taktischen Verständnis aus. Kennst du das Trainer-Ausbildungssystem in den USA und ggf. auch grob die Inhalte?

  • http://www.ussoccer.com/~/media/9931368D87CF49488660D59619A51845.ashx?w=666&h=719 zeigt die amerikanische Pyramide.


    E: 18 Stunden (Vater-der-nicht-schnell-genug-nein-gesagt-hat-Wochenend-Seminar)


    D: 36 Stunden (ungefähr JUNIOR-COACH) des DFB


    C: http://www.ussoccer.com/Coaches/Licenses/National-C.aspx (=ungefähr wie bei uns) aber für F-C-Jugend gedacht


    B: http://www.ussoccer.com/Coaches/Licenses/National-B.aspx (=ungefähr wie bei uns) aber für B-A-Jugend gedacht


    A: http://www.ussoccer.com/Coaches/Licenses/National-A.aspx Erwachsenfußball

    Torhüter: http://www.ussoccer.com/Coaches/Licenses/Goalkeeping.aspx (ca. 8 extra Tage) als Ergänzung zu den A- & B Kursen

  • @ All


    Danke fuer die Blumen, werde versuchen die aufgetretenen Fragen zu beantworten.


    @ GC


    Danke fuer die Links, nur einige Ergaenzungen/Zusaetze:


    Die Vater der nicht schnell genug nein sagen kann haben gar keinen Kurs, bzw. eine sog. F-Modul, welches in den Landesverbaenden angeboten wird.


    D ist bei uns Voraussetzung fuer den Headcoach eines Travel Teams


    Mit C aufwaerts kannst du dich schon locker als Technical Director an jeder Highshool bewerben, da passt die Altersangabe nicht ganz.....


    A ist die Profilizenz, vglb. mit UEFA Profi Lizenz


    Habe F vor 2 Jahren gemacht und gehe in Feb auf das E Modul:); das derzeit erlebte war sehr sehr positiv, die Qualitaet betreffend, da karrte man auch entsprechend Vortragende des Verbandes und die staatlichen Trainerausbilder heran - wenn man bedenkt, das der Aufwand so bei 4 Std Autofahrt liegt - eine Strecke wohlgemerkt - dann ist das schon beachtlich. Das Problem das ich derzeit sehe ist das die Kurse nur 1x pro Jahr, max.2x in der naeheren Umgebung angeboten werden - ansonsten, und ab D sowieso heist es Hotel nehmen.


    @TW


    zu deiner 1.Frage noch soviel: Ich kann nur von meiner Gegend hier sprechen - im Collegesport gibt es 3 Divisions unterschiedlicher Staerke, kann sien das in einer kleinen Schule das Niveou einfach geringer ist. Bei grossen Unis, die auch entsprechend Sportstipendien vergeben, ja auch im Fussball, ist die Konkurenz entsprechend; man kann da auch ganz schnell wieder raus sein.


    @Don


    ja, die Schulen selektieren, je nach Groesse schon sehr stark. Die Spieler bleiben weiter beim Verein, so sie Fussball auch in der Schule spielen. Was ich meinte war eher das viele dann eine andere Sportart waehlen (Football, Basketball, Baseball). Schulsport Fussball gibt es nur im Herbst, da passiert es dann, das du deine Spieler nur 1x und am Wochenende siehst, wenn die Termine unguenstig fallen, da die Schulen unter der Woche ihre Bewerbstspiele haben; und natuerlich Training.

  • "F" oder "E" also so eine Art kleiner Crash-Kurs mit dem Wichtigsten für Einsteiger .............................. so etwas fehlt leider dem DFB.


    Und jetzt komme mir bitte keiner mit dem Papa-Mobil ...ehm...DFB-Mobil. Das zeigt nur ca. drei Stunden etwas und verteilt dann ein paar Regeln.

  • Interessantes Thema! Danke für den Einblick, TomTom! Da ich selbst auch ein paar Erfahrungen über den Soccer an der US-Ostküste (Raum Philadelphia/New York) machen konnte, kann ich vieles von TomTom bestätigen!


    Zunächst mal war für mich schon eine Überrraschung, wie gut die Spieler, die ich beim Spiel und Training beobachten konnte (U12 - U14), im technischen Bereich waren. Insbesondere beim Dribbling und Fintieren hatten viele ein wirklich gutes Level und stehen ihren deutschen Altersgenossen nur wenig nach. Ich vermute ganz stark, dass die vielseitige ganzjährige sportliche Betätigung (fast alle Fußballer spielten neben Soccer noch Baseball, Basketball, Football o.a.) den Spielern da zu gute kommt und sie deshalb im technisch/koordinativen Bereich einen ähnlichen Leistungsstand wie unsere Teams haben.


    Wenn man sich dann ein Spiel ansieht, ist es überwiegend von Kraft, Athletik und Einzelaktionen geprägt, wirkliches Kombinationsspiel wie es hier in Deutschland tausende Mannschaften (versuchen zu) praktizieren, habe ich nur sehr selten gesehen, aber ich hatte genau wie TomTom den Eindruck, dass darauf auch kein großer Wert gelegt wurde. Trotzdem sind die Spiele nicht langweilig, sondern gerade durch die vielen Dribblings durchaus interessant.


    Toll war wirklich auch die Fairness, die ich in allen Spielen erlebt habe. Positiv blieb mir auch eine Art "Ehrenregel" in Verletzungspausen in Erinnerung: sobald sich ein Spieler egal welchen Teams verletzt, knien sich alle Spieler beider Teams auf der Stelle hin und warten, bis der Spieler entweder nach Behandlung weiterspielen kann oder bis er ausgewechselt wurde und der Schiedsrichter das Spiel wieder freigibt. Den genauen Hintergrund der "Regel" konnte ich nicht herausbekommen, aber für mich war das ein schlichtweg tolles Zeichen an respektvollen Umgang beim Mannschaftssport. Vielleicht kann ja TomTom sogar hierzu noch was sagen, falls das nicht nur regionalypisch gewesen ist...

  • Josés Eindruck kann ich bestätigen, auch das "Take a Knee" also das alle Knien bei Verletzungen und klatschen, when der Spieler dann zurueck kommt. Duerfte Ueberregional sein, und kommt auch in anderen Sportarten .


    Auch ich sehe die Spiele genau so. Noch kurz zum Thema Eigenkönnen, von @TW angesprochen. Als Faustregel kann man sagen, bei Recreation Vatertrainer, oft ohne Eigenkönnen, weil selbst nie gespielt, aber mit viel Einsatz. Ab Advanced steigt auch das Eigenkönnen, dort hat die Masse selbst gespielt. Was auffällt ist natürlich das geringe Alter der Coaches, oft um die 20. Bei Travel kommen erfahrene Coaches zum Einsatz, hier versucht man ja auch mit entsprechender Qualität Spieler anzulocken. Bei uns sind einige ehemalige Halbprofis und Profis unterwegs.
    Die mit der meisten Erfahrung sind aber meist die technical Director, auch als Director of Coaching bezeichnet. Dies ist mehr als ein JL, sie sind auch für die Qualität ihrer Coaches verantwortlich, also auch für Aus-und Fortbildung, sind auch immer am Platz und unterstützen wo Hilfe benoetigt wird. Hier muss man natürlich dazusagen, das diese Personen beim Verein angestellt sind.

  • Josés Eindruck kann ich bestätigen, auch das "Take a Knee" also das alle Knien bei Verletzungen und klatschen, when der Spieler dann zurueck kommt. Duerfte Ueberregional sein, und kommt auch in anderen Sportarten .


    Die Kollegen im amerikanischen Forum meinen, es sei allerdings den "recreational teams" vorbehalten, so nett es auch sei.
    Grundsätzlich wird es als "unprofessionell" bzw. kindlich eingestuft.

  • GC, habe diese Geste nur erwähnt, weil ich das zu Hause noch nicht gesehen habe. Es ist jedoch fuer mich ein Symbol von Fair Play in diesem Land. Und ob man im Nachwuchsfussball professionell Aussehen muss, bezweifle ich, auch nicht im Travel. Ich weis die Amis schauen viel Premier League, es is nur cool wenns dort gezeigt wird.
    Anyway, kein großes Thema und sicherlich keinen Thread wert.

  • Vielen Dank für eure Berichte über den amerikanischen Nachwuchsfussball!


    Natürlich kommt man dabei unweigerlich zur Frage, was wir daraus lernen können? Angesprochen wurde bereits die Fairness-Geste aller Spieler bei einer Verletzung, unabhängig davon, ob es als Foul gepfiffen wurde oder nicht! Es ist deshalb von Symbolcharakter, weil nur dann weiter gekämpft wird, wenn wieder "alle Mann an Bord sind"! Für den KiFu auf jeden Fall ein Gedanke wert. Desweiteren wurde berichtet, das der dortige Jugendleiter (Technical Director oder Coaching Direktor) mit mehr Kompetenz ausgestattet ist und aktiv eingreift, wenn der (vielleicht noch unerfahrene) Trainer Unterstützung benötigt. In Deutschland ist der Jugendleiter viel zu sehr mit der Jugendorganisation beschäftigt, als das er drigende Aufgaben am Spielfeldrand erledigen könnte. Nun weiß ich zwar nicht, wieviele Teams durchschnittlich einer Jugendabteilung eines Vereins angehören, aber in Deutschland wäre der Jugendleiter bei dieser Aufgabe hoffnungslos überfordert, weil einfach zu viele Teams Woche für Woche um Tore und Punkte kämpfen. Hier wäre aber eine "Patenschaft" eines erfahrenen Trainers über einen Trainerneuling möglich, denn meist liegen die Spiele zeitlich auseinander, weil der erfahrene Coach meistens im älteren Jugend- und der unerfahrene Trainer meist im unteren Jugendbereich trainiert. Individuell gibt es sicherlich andere Alternativen. Eine bessere Unterstützung für die Trainerneulinge würde auf jeden Fall eine Nachfrage befriedigen.

  • Danke auch von mir. In meinem Sinne vorbildlich für uns. Klar, fußballerisch fehlt Tradition, aber die Orga stellt Kundeninteresse mehr in den Fokus, oder? Wird auch "mental" gearbeitet u. wenn wie (vgl. die Differenzierungen zB bei wikipedia)? Einziger Wermutstropfen für mich: die fremdbestimmten Tryouts. Sonst wird in den USA doch soviel auf Eigenmotivation/initiative abgestellt, wieso nicht auch hier mehr? Oder kam das nur nicht rüber? Wer gilt als Kunde: das Kind o. die zahlenden Eltern?

  • Für Deutschland wäre es ganz, ganz wichtig, dass nur ein Trainer als Mannschaftsverantwortlicher eingetragen und tätig sein darf, der zumindest einen einsamen Grundwochenendkurs mit dem allernötigsten Wissen absolviert hat: eine Art "Trainings- und Spielbetriebserlaubnisschein".


    Das muss ja nicht viele Stunden umfassen und kann sogar auf seinen Doppeljahrgang zunächst beschränkt sein. Aber irgendwie muss sichergestellt werden, dass man die Altershinweise, die drei groben Teile einer Trainingseinheit sowie vorbildliches Trainerverhalten für Kinder- und Jugendliche mal gehört hat.


    Hier darf keiner ohne Schein ein Kinderturnen leiten, Fußballtrainer darf er aber sein.


    Da passt was nicht!

  • Ich sehe es da genauso wie TW-Trainer und finde die "Taking a Knee" - Geste ist auf alle Fälle eine Überlegung Wert, ob das nicht auch für den Kinder-/Jugendfußball in Deutschland interessant wäre. Auf mich hat es jedenfalls, wie bereits geschrieben, einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.

  • Das ist das Stichwort. Ich möchte keine Bewertung vornehmen, würde mir nicht zustehen, die Rahmenbedingungen sind auch zu unterschiedlich. Ich werde bestimmt einiges mitnehmen, das ich dann zu Hause probieren möchte.


    Das FairPlay z.bsp. Wird echt zelebriert, hatte noch nie eine solch entspannte Zeit auf Fußballplätzen, 1 Zwischenfall in 3 Jahren...
    Auch sehe ich das oben angesprochene Mentoring durch einen erfahrenen JL als sehr erstrebenswert.
    So wie @GC das für DEU sieht, ist es auch in AUT. Die trainerlehrgänge sind so ausgebucht, viele wollen auch nicht die Freizeit Opfern...da wäre ein 1tägiger Kurs, am Besten vor Ort, sehr gut um die Grundsätze zu vermitteln.


    @Kicker: "mental"? Ich habe noch nie, auch nicht im Travel, Ergebnisdruck erkennen können- bei unserem Verein! Das wird auch so kommuniziert. Tryouts sind immer subjektiv, egal welches System angewandt wird. Wenn 3 Teams pro Altersgruppe zu füllen sind, und es werden pro Team nur 3 Ersatzspieler genommen(bei uns) um gleiche Spielzeiten garantieren zu können, und 60 Kinder kommen, dann muss ja irgend ein System angewandt werden. Der Rest spielt eine Stufe darunter, und kann natürlich jedes Jahr wieder die Tryouts versuchen.