Konflikt bei 10-Jährigem zwischen spielerischem Potenzial und mentaler Leistungsfähigkeit

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  • Hallo ich bin Mutter eines 10-Jährigen und habe folgendes Problem. Vielleicht könnt ihr mir einen Ratt geben. Mein Sohn hat mit 4 Jahren im Verein (Dorf) begonnen, Fußball zu spielen. Vor ca 1/2 Jahr wurde er zum DFB Stützpunkt eingeladen und trainiert dort nun 1x zusätzlich in der Woche. Er hat eine gute Technik und gutes Spielverständnis. Sein Problem liegt auf der mentalen Seite.


    Er hatte schön früher Probleme in "wichtigen" Spielen seine Leistungsfähigkeit abzurufen. Er wirkt dann extrem gehemmt, fahrig und verkrampft. Auf der anderen Seite kann er, wenn ein Spiel läuft wie "aufgezogen" spielen. Dann verliert er kaum einen Zweikampf und führt seine Mannschaft als Kapitän an.


    Seit er jetzt beim Stützpunkt ist , ist es noch schlimmer geworden. Er will alles besonders gut machen und ist gehemmt. Er hat Angst Fehler zu machen und übernimmt kaum noch die Führung sondern spielt den "Alibipass". Sein Trainer (im Verein) hat ihm wohl auch gesagt, er sei Führungsspieler und er erwarte mehr von ihm. Jetzt wirkt er vor dem Spiel nervös und im Spiel unsicher und abwartend.


    Ich habe mit ihm gesprochen weil ich glaube , dass es ihm so nicht gut geht, ob wir das Stützpunkttraining aufgeben sollen und er einfach nur normal mit seinen Jungs Fußball spielt. Vielleicht auch nicht mehr als Kapitän, damit er den Druck los wird. Aber er möchte Fußballer werden, am liebsten auf des Sportgymnasium gehen und beim Stützpunkt bleiben.( Hier gibt es keine Erwartungshaltung von uns ! Ich weiß ,dass das bei vielen Eltern so ist. Ich stehe dem eher skeptisch gegenüber.)


    Nun meine Frage : Sollte ich abwarten, ob er mit dem Druck doch noch zurechtkommt? Ist es vielleicht normal in seinem Alter? Ich möchte ihm nicht die Chance nehmen zumal das Training beim Stützpunkt wirklich im Vergleich zum Verein sehr viel anspruchsvoller ist. A B E R ich denke realistisch ist , selbst bei guter mentaler Verfassung werden nur die wenigsten später Fußballer. Und wenn er jetzt schon so zu kämpfen hat, ist das vielleicht nicht das Richtige für Ihn.


    Könnt ihr mir einen Rat geben?

  • Hey , ich denke es ist wichtig,dass du mit den Trainern (also Verein UND Stützpunkt sprichst,wie sie das sehen )--> denn oft können Trainer das Objektiver sehen.
    Sollten die der Meinung sein,dann musst du gerade den Vereinstrainer fragen,ob er das mit der Führungsrolle nicht nochmal überdenken sollte...
    Ich selber habe auch so einen in meinem Team,er ist mit Abstand der Beste,und hat auch die richtige Einstellung ( zieht die Schwachen im Training mit usw. ) ,aber Kapitän möchte er nicht sein,er hat Angst davor...
    Ich frage ihn jedes Training vorm Wochenende ob er am Samstag Kapitän werden möchte-Eigentlich sagt er immer nein. Aber vor 2 Wochen kam er zu mir und fragte ob das Angebot noch stehe- und er war Kapitän mit einem super Spiel !! Letzte Woche wollte er wieder nicht,aber das habe ich aktzeptiert!
    Die Kleinen sollen immernoch Spaß haben,das ist nie zu vergessen! Also wenn er nicht will, oder es besser für ihn ist,sollte er auch nicht. Allerdings sollte man ihnen die Möglichkeit geben ihre Führungsqualitäten zu verbessern.
    Stützpunkt Training würde ich beibehalten !
    LG
    Cokefreak

  • Ganz klar....den Trainer nach dem Training um einen Termin bitten und ihm exakt das, was du hier geschrieben hast so schildern. Wenn sich bei deinem Jungen in nahester Zukunft dann nichts ändert...würde ich ihn abmelden und das sagt dir dein mütterlicher Instinkt und Verstand doch auch schon. Sollte dein Junge sich hier festigen und verändern....werden sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf ihn zurück kommen. Im Endeffekt gibts viele gute Fußballer die gute Spieler ganz oben sein könnten, wenn ihr Ich nicht dagegen sprechen würde, ...was ich absolut ok finde. Wäre ich höhenfest, wäre ich Raumfahrer geworden;-))).


    Bei allen Träumen...Rene Adler hats gesagt..."Es gibt auch noch was anderes als Fußball"...usw....und ich finde darüber hinaus, dass in diesem Alter wir Eltern entscheiden und nicht der Junge und auch kein Stützpunktrainer.

  • Tropi24


    So wie dir geht es jährlich einigen Tausend Müttern in diesem Lande. Man freut sich und ist vielleicht sogar stolz darauf, das das Kind einen Platz auf dem Stützpunkt bekommen hat und nimmt private Entbehrungen gerne inkauf, um das Talent des Kindes zu fördern. Doch der Schock läßt nicht lange auf sich warten, wenn plötzlich im Verein wundersame Dinge vom talentierten Sprößling erwartet werden. Denn obwohl es allen Vereinstrainern angeboten wird, sich ohne vorherige Anmeldung das Stützpunkttraining anzuschauen, Fragen an die meist sehr gut ausgebildeten Trainer zu richten, nimmt dieses Angebot kaum einer wahr. (Es sei denn, sein Sohn spielt ebenfalls dort!) Normalerweise glätten sich die Erwartungswogen im Verein wieder.


    Euer Vereinstrainer ist deshalb kein Einzelfall, weil er glaubt, aus einem kleinen Stützpunktspieler könnte über Nacht ein Fussballstar für die Nationalmannschaft werden? Gerade mal ein halbes Prozent der in den 4 Jahren auf den DFB-Stützpunkten ausgebildeten Spieler schafft es später einmal in den obersten Profibereich vorzudringen. Das sind meist nicht die Talentiertesten, sondern die ihre Träume leben wollen, statt nur von diesem Träumen zu leben.


    Du solltest dir am besten einen Rat vom Stützpunkttrainer oder eurem Jugendobmann einholen und dann mit eurem Trainer sprechen, weil Anspruch und Realität zu weit auseinander klaffen. Das ist nicht gut für das Kind. In den meisten Fällen führen solche Gespräche zu guten Kompromissen. Sollte der Vereinstrainer allerdings weiterhin Leistungsdruck auf den Jungen ausüben, so wäre ein Mannschafts- oder gar Vereinswechsel eine Alternative, wenn gemeinsam mit dem Kind sorgfältig alle Vor- und Nachteile geklärt wurden.

  • Hallo ich bin Mutter eines 10-Jährigen und habe folgendes Problem. Vielleicht könnt ihr mir einen Ratt geben. Mein Sohn hat mit 4 Jahren im Verein (Dorf) begonnen, Fußball zu spielen. Vor ca 1/2 Jahr wurde er zum DFB Stützpunkt eingeladen und trainiert dort nun 1x zusätzlich in der Woche. Er hat eine gute Technik und gutes Spielverständnis. Sein Problem liegt auf der mentalen Seite.

    Stützpunkt in der E-Jugend? Wahrscheinlich eher Kreisauswahl. Ist aber auch egal.

    Er hatte schön früher Probleme in "wichtigen" Spielen seine Leistungsfähigkeit abzurufen. Er wirkt dann extrem gehemmt, fahrig und verkrampft. Auf der anderen Seite kann er, wenn ein Spiel läuft wie "aufgezogen" spielen. Dann verliert er kaum einen Zweikampf und führt seine Mannschaft als Kapitän an.

    Tja. Wichtige Spiele... Wodurch unterscheiden sich denn "wichtige" Spiele von "normalen" Spielen? Ich habe in der Vergangenheit schon ein paar Mal ähnliche Beobachtungen gemacht, dass das Spiel für manche einfach zu wichtig war. Diese Wichtigkeit kommt dann nicht von den Kindern, sondern vom Trainer oder anderen Erwachsenen. Das können auch die Eltern sein, muss aber nicht.

    Seit er jetzt beim Stützpunkt ist , ist es noch schlimmer geworden. Er will alles besonders gut machen und ist gehemmt. Er hat Angst Fehler zu machen und übernimmt kaum noch die Führung sondern spielt den "Alibipass". Sein Trainer (im Verein) hat ihm wohl auch gesagt, er sei Führungsspieler und er erwarte mehr von ihm. Jetzt wirkt er vor dem Spiel nervös und im Spiel unsicher und abwartend.

    Da haben wir schon den Punkt: Führungsspieler in der E-Jugend... Ja, manche können eine solche Rolle in der E-jugend ausfüllen. Das kommt dann aber von ihnen. Das sind in diesem Alter aber große Ausnahmen. Diese Rolle kann man als Trainer nicht verordnen. In dem Alter sind viele noch viel zu sehr mit sich beschäftigt, als dass sie die anderen führen könnten. Und das müssen sie auch nicht.
    Wenn der Trainer Deinem Sohn sagt, er erwarte mehr von ihm, weißt Du auch, wo der Druck herkommt...

    Nun meine Frage : Sollte ich abwarten, ob er mit dem Druck doch noch zurechtkommt? Ist es vielleicht normal in seinem Alter? Ich möchte ihm nicht die Chance nehmen zumal das Training beim Stützpunkt wirklich im Vergleich zum Verein sehr viel anspruchsvoller ist. A B E R ich denke realistisch ist , selbst bei guter mentaler Verfassung werden nur die wenigsten später Fußballer. Und wenn er jetzt schon so zu kämpfen hat, ist das vielleicht nicht das Richtige für Ihn.

    Wieso später Fußballer werden? Er ist doch jetzt schon Fußballer. Fußball macht auch ohne Profikarriere Spaß...

    Könnt ihr mir einen Rat geben?

    Ich würde den Trainer bitten, Deinen Sohn als normalen E-Jugendlichen zu behandeln. Die Kreisauswahl ist nicht die Nationalmannschaft und ein 10-Jähriger kein Profi.
    Wenn er Spaß daran hat, würde ich ihm auf keinen Fall das Auswahltraining streichen.

  • Druck wegnehmen ist sicher sinnvoll. Nach Deiner Beschreibung kommt der Druck aber nicht vom Stützpunkt, sondern wird vom Vereinstrainer aufgebaut. Hier würde ich ansetzen und ggf. mit diesem Trainer sprechen. Parallel würde ich versuchen, selbst Druck von Deinem Jungen wegzunehmen. Es gibt in dem Alter eigentlich keine "wichtigen Spiele". Das musst Du ihm vermitteln. Das Stützpunkttraining würde ich beibehalten.


    Grüße
    Oliver

  • Vielen Dank für die vielen Anregungen. Mit dem Vereinstrainer werde ich nochmal reden. Dieser ist eigentlich ein ruhiger Vertreter (also schreit nicht rum oder so). Aber im Gespräch mit meinem Sohn sagt er ihm oft er soll nicht verkrampfen, soll kämpfen u.s.w.Vielleicht ist das wirklich zu viel. Ich dachte bis jetzt nicht ,dass es am Trainer liegt.


    Mit den "wichtigen" Spielen ist das so, dass bei uns schon ab der F-Jugend Kreismeisterschaften, Pokalrunden und Hallenkreismeisterschaften ausgetragen werden. Und hier gibt es dann immer Qualifikationsspiele oder man muß mind. Gruppenzweiter werden um weiter zukommen u.s.w. Hier liegt dann meist das Problem. In einem solchen Spiel oder auch gegen vermeintlich sehr starke Gegner ist mein Sohn dann wie blockiert und scheint auch keinen Spaß zu haben.Wenn die Mannschaft in Rückstand gerät, läßt er schnell den Kopf hängen und ihm scheint nichts mehr zu gelingen. Führen sie allerdings scheint ein ganz anderes Kind auf dem Platz zu stehen.


    Wenn ich ihn aber am Nachmittag auf dem Bolzplatz spielen sehe,ist er total locker , feuert alle an und hat Spaß. Hier spielt auch ein Rückstand keine Rolle, es geht ja um nichts.


    Ich habe hier viel über den Kinderfußballgedanken gelesen und bin ganz begeistert davon. Leider ist das in unserer Region gar nicht üblich.

  • In Deiner Darstellung ist der Trainer ja gar nicht übel, er macht nur vermutlich ein paar - ich glaube ziemlich weit verbreitete - Kommunikationsfehler im Umgang mit Deinem Knirps.

    Sein Trainer (im Verein) hat ihm wohl auch gesagt, er sei Führungsspieler und er erwarte mehr von ihm.

    "ich erwarte mehr von Dir" ist für sich genommen eine Null-Information für einen E-Jugend-Spieler. Was geht da im Kopf des Kindes wohl alles ab - Verkrampfung ist fast zwangsläufig. Mit "Ich erwarte mehr von Dir" kann kein Kind ohne zusätzliche Information etwas anfangen - und mit zusätzlichen Informationen wird es für das Kind in der natürlichen Anspannung vor einem Fußballspiel schnell zu viel. Viele Trainer neigen dazu, mehr zu sagen, als ein Kind aufnehmen kann (passiert mir auch immer noch zu oft) Also am besten für den Trainer diesen Satz komplett aus dem Repertoire streichen.

    Ich dachte bis jetzt nicht ,dass es am Trainer liegt.

    Ich denke aber, dass es sich relativ schnell abstellen lässt.

    sagt er ihm oft er soll nicht verkrampfen, soll kämpfen

    Der 1. Halbsatz ist nett gemeint, kann ein Kind aber auch nur wenig mit anfangen: Wie macht man das: "Nicht verkrampfen"?. Also eher Formulierungen wie: "Spiel einfach drauf los, probier aus, was Du gelernt hast, dann klappt das schon". Viel mehr braucht ein einzelner E-Jugendlicher als "Individualansprache" nicht.


    Wenn Du das dem Trainer so ein bisschen als Rückmeldung gibst, dass Dein Junge eben so tickt und immer etwas aufgeregt und nur bedingt aufnahmefähig vor einem Spiel ist, ist jeder gute Trainer dankbar.

  • die Vorschreiber haben schon vieles angesprochen-


    vor Lösungsansetzen solltest du jedoch unbedingt die Ursache für dieses Problem finden.


    Zuerst mal einen Trost: es kommt häufiger vor als man meint.


    die mir bekannten Ursachen sind:


    1: Schönwetterfussballer
    das sind an sich gute Fussballer, die aber immer nur dann gut, sind wenn es allgemein gut läuft, ansonsten aber in der
    Versenkung verschwinden.
    bei einem 10jährigen aber noch nicht kennengelernt, und würde das auch bei euch ausschliessen.


    2. Erwartungshaltung der Eltern
    häufigste Ursache, die du jedoch ausschliesst


    3. eigene Erwartungshaltung
    hier würde ich mal intensiver nachforschen.
    z.B. er kennt seine eigene Stärke und erwartet von sich selbst gute Leistung in schweren Spielen
    auch 10jährige können bereits unter selbstgemachten Erfolgsdruck stehen, vermeintlichen (wenn auch objektiv gar nicht vorhanden)
    Erwartungen ausgesetzt fühlen


    auch wenn Eltern voll überzeugt sind, keinen Leistungsdruck auszuüben, kann das Kind das anders empfinden.
    hier sollte eigenes Verhalten unbedingt sehr kritisch betrachtet werden.


    bei diesem Punkt hilft, den Fussball thematisch sehr stark aus der Familie herauszunehmen.
    auf "wichtige" Spiele gar nicht eingehen, als normales Spiel runterstufen (gerade bei einem solchen Spiel als Elternteil mal fernbleiben)
    hier hat man mehr Einfluss als jeder Trainer
    den Traum Profi zu werden, würde ich aber einem 10jährigen immer noch lassen.


    4. Druck durch den Trainer


    dieser erfolgt oft sehr unbewusst, gerade positv gemeinte Aufforderungen und Ansprachen können hier das Gegenteil bewirken.
    (bist Leistungsträger, kannst Führen)


    offensichtlich kannst du mit eurem Trainer ja reden, tu das.


    als Trainer würde ich bzw. hab ich schon gemacht:


    keine Kapitänsbinde
    eine zeitlang eine Position spielen lassen, die grundsätzlich nicht zu den entscheidenden Positionen gehört (z.B. Verteidiger)
    gerade in den schwierigen Spielen eine der leichtesten Aufgaben zuteilen, da Rotation eh gegeben sein sollte, gerade in solchen
    Spielen erst einwechseln.
    gerade bei schächerer Leistung bei diesen Spielen irgendetwas heraussuchen das ich besonders loben kann.



    ich würde ihn aber unbedingt beim Stützpunkt lassen.


    hier kann sich nämlich zweierlei ergeben:


    da er mit gleichstarken Jungs zusammen ist, entfällt der Druck durch eigene bessere Leistung zu stehen, um mit seiner Mannschaft zu gewinnen.
    Ist dem so, dann würde ich mir keine grosse Gedanken machen, dann regelt sich alles mit der Zeit


    zeigt er dort jedoch das gleiche Verhalten, dann wird die Sache komplizierter,. er setzt sich dann unter einen persönlichen Leistungsdruck.
    Hier muss man dann genauer hinschauen, ist das nur beim Fussball, in der Schule, im familiären Bereich.
    Hier würde ich als Vater zuerst mit Gesprächen versuchen einzusteigen und sogar fremde Hilfe in Anspruch nehmen.


    Dringends kann ich auf jeden Fall raten, wie auch schon angesprochen, mit dem Stützpunkttrainer das Gespräch suchen.
    Er ist zur Zeit der neutralste Beobachter und gibt dir mit Sicherheit die neutralste Bewertung deines Kindes ab. Noch ist er frei
    von eventuellen eigenen Beweggründen ( die beim Heimtrainer durchaus immer sein können)


    Ich wünsche dir ein glückliches Händchen

  • keine Kapitänsbinde
    eine zeitlang eine Position spielen lassen, die grundsätzlich nicht zu den entscheidenden Positionen gehört (z.B. Verteidiger)


    Verteidiger finde ich schwer, gerade da hat man "weniger" Chancen, ein Tor zu schießen oder etwas besonders "nennenswertes" zu machen. Aber wenn der Gegner durchkommt, man einen Zweikampf verliert, und darauf hin das Tor fällt spürt man unmittelbar "schuld" zu sein. Ein Verteidiger kann 10 Tore verhindern, ohne das dies weiter auffällt (hat halt ok gespielt), aber auch das eine Tor reinkriegen, wo alle drauf gucken weil es spielentscheidend ist --> kurz vor Ende der Spielzeit 0:0, Verteidiger verliert Zweikampf, 1:0...Also lieber sowas wie Mittelfeld (oder bei Kleinfeld "Außenverteidiger"), ist zwar wichtig, gerade dort gute Spieler zu haben, aber Fehler sind nicht so unmittelbar spürbar. Auf Positionen wie letzter Mann oder Innenverteidiger würde ich persönlich keine Spieler stellen, die unter Druck leiden.

    Life is a tale told by an idiot (Shakespeare)

  • @ guenter
    vielen Dank für deine Mühe. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Offensichtlich steht er unter Leistungsdruck. In der Schule (4.Klasse) gibt es keine Anzeichen. Er hat nur Einsen und Zweien und möchte auf das Gymnasium . Vor Arbeiten hat er keine Angst . Beim Stützpunkt gab es noch keine Turniere. Bei den Trainingseinheiten (Technik) macht er locker mit. Bei Spieleinheiten ist er auch hier zurückhaltender aber nicht verkrampft.
    Allerdings wird bei uns zu Hause viel über Fußball gesprochen und viel Fußball geschaut. Wir fahren auch zu den Spielen mit.Wir werden deinen Rat annehmen und mal zu Hause bleiben .
    Vielleicht kann der Trainer ihn mal auf anderen Positionen einsetzen. Bei uns wird kaum routiert . Sie spielen 7+1 und mein Sohn spielt meist zentrales Mittelfeld. Ich werde das auf alle Fälle mal ansprechen. Bis jetzt war er für jedes Punktspiel gesetzt und spielt auch meist durch. (mit noch 1-2 anderen). Der Kader besteht allerdings aus 12-13 Spielern. Es würde vielleicht auch helfen ,wenn er auch mal draußen wäre.
    Die Stützpunkttrainer sehen sich wohl auch ab und an die Spiele der Vereine an, um die Jungs zu beobachten. Auch hier merke ich, dass ihn das beschäftigt ,obwohl er noch nicht beobachtet wurde.
    Nochmals vielen Dank an alle! Wir werden mit beiden Trainern sprechen.

  • Hi,


    ich habe mir ehrlich gesagt nicht alles durchgelesen. Aber ich habe das hier gelesen:


    Zitat

    Sein Trainer (im Verein) hat ihm wohl auch gesagt, er sei Führungsspieler und er erwarte mehr von ihm. Jetzt wirkt er vor dem Spiel nervös und im Spiel unsicher und abwartend.

    Nicht jeder Spieler ist ein Führungsspieler, ganz im Gegenteil. Im Normalfall enthält eine Mannschaft 1,2,3 richtige Führungsspieler.


    Ein Spieler muss, auch in der Jugend, nicht unbedingt ein Führungsspieler sein, um ein grandioser Kicker zu werden. Es sieht ja fast so aus, als würde dein Kleiner unter dem Druck zusammenbrechen. Wenn er keinen Druck hat spielt er auf super Niveau, wenn er Druck bekommt spielt er unter seinen Möglichkeiten. Naja, ich würde mal den Druck, auch vom Vereinstrainer, runterschrauben (lassen).



    Ich hab das Glück im selben alter einen absoluten Führungsspieler zu haben. Doch was zeichnet den Spieler als Führungsspieler aus? Technisch ist er nicht der beste, spielerisch ist er nicht der beste... aber er hat eine Ausstrahlung, sowohl im Spiel wie auch im Training... er reißt die anderen einfach mit. Sie respektieren ihn auch als Spielführer, gerade weil jeder um seine Qualitäten weiß.
    Dagegen habe ich Spieler, die spielerisch (zumindest im Training) weitaus besser sind, aber weder die Persönlichkeit haben noch die Führungsrolle tatsächlich übernehmen wollen. Das ist okay!


    Also mein Rat: Der Druck muss von ihm weg! Nicht jeder gute Spieler ist automatisch ein Führungsspieler!

  • Du sagtest das dein Kind in der Schule kein Problem hat und nur 1 und 2 schreibt. Das ist doch schon ein positiver ansatz. Dabei sollte man bedenken, das Kindern aber in dem Alter die Schule noch lange nicht so wichtig ist wie evnuell das verlorene Spiel. Das als indikator zu nehmen das er Druck standhält ist daher falsch


    Ich wundere mich eigentlich, das in einer E-Jgd jemand Spielführer sein soll. das ist schon mal grund verkehrt. Die Binde solte man Reihum geben ud jedem mal dran lassen (wobei ich nicht verstehe warum man das von Seiten des DFB noch uterstützt und Spielführer in dem Alter verlangt).


    Ich habe 2 Ratschläge:


    1: Entgegen gesetzt von Andre: Melde ihn nicht vom Fussball ab, egal was passiert, außer er will es selber. Solltetst du das machen, nimmst du ihm das wichtigste weg. Er scheint freude dadran zu haben und da ist der Druck egal. Zumal dieser sich ja ofensichtlich nicht in andere Bereiche wiederfindet


    2. Bau ihn positiv auf. Alles was er macht positiv beführworten. Alibipass? Egal, er kam an. Kopf hängen gelassen? Egal, bei nächsten mal wird es besser....... . genau so sollte übrigens in dem Alter auch euer Trainer ticken. Sobald du anfängst zu kritisieren wird er verkrampfen. Also POSITIV

  • Mit den "wichtigen" Spielen ist das so, dass bei uns schon ab der F-Jugend Kreismeisterschaften, Pokalrunden und Hallenkreismeisterschaften ausgetragen werden. Und hier gibt es dann immer Qualifikationsspiele oder man muß mind. Gruppenzweiter werden um weiter zukommen u.s.w.

    Ja, kenne ich. Ist bei uns auch so. Aber auch diese Spiele müssen erst zu wichtigen Spielen gemacht werden.

    Allerdings wird bei uns zu Hause viel über Fußball gesprochen und viel Fußball geschaut. Wir fahren auch zu den Spielen mit.Wir werden deinen Rat annehmen und mal zu Hause bleiben .

    Das ist ein ganz wichtiger Hinweis, der erkären kann, warum er glaubt, dass Fußball so wichtig ist.
    In diesem Zusammenhang eine kleine Ergänzung: Geschwister können sich gegenseitig enorm Druck machen. Gerade wenn einer oder mehrere überdurchschnittlich talentiert sind, kann sich ein enormes Konkurrenzdenken entwickeln.

  • Bis jetzt war er für jedes Punktspiel gesetzt und spielt auch meist durch. (mit noch 1-2 anderen). Der Kader besteht allerdings aus 12-13 Spielern.

    Auch dieses Zitat gereicht dem verantwortlichen Trainer nicht gerade zur Ehre: Offenbar lässt er die stärkeren durchspielen (um zu gewinnen). Das ist falsch, es sollte in der E (=Kinderfussball) rotiert werden, um auch den Schwächeren gerecht zu werden. Zudem suggeriert das Durchspielen den Stärkeren "Ihr seid unverzichtbar", auch das erhöht den Druck.


    Grüße
    Oliver

  • Es sind ja schon viele gute Tipps gegeben worden und ich möchte den Eltern des Spielers nur noch eine Beruhigung mitgeben.


    In diesem Alter durchleben die Kinder halt einfach auch Phasen, in denen sich der Kopf beim Fussball zum ersten Mal so richtig meldet und der Ball nicht einfach genommen und nach vorn getragen oder geschossen wird.
    Der Spieler sieht jetzt mehrere Möglichkeiten (Passen, Dribbeln, Schiessen, Freilaufen usw.) und das erzeugt einen gewissen Druck bei einem selbstkritischen Akteur, der "das Richtige" tun möchte. Das führt nach meiner Erfahrung dann häufiger zu den oben genannten Alibipässen.


    Dieser Zustand ist wie alles in diesem Alter aber zum Glück nicht von Dauer und diese Spieler sind ein halbes Jahr später sehr häufig nochmals einen Tick besser und entschlossener als vorher, weil sie dann die Spielsituation besser erfassen und beurteilen können.


    Ich wäre wirklich mal gespannt, wie der Junge sich entwickelt und in einem Jahr spielt!


    Also: Erwartungen mindern, weiter zum Auswahltraining gehen und vorallendingen Zeit geben.

  • Stefan


    ein wichtiger Ansatzpunkt.


    manchmal verliert man so einiges aus dem Gesichtsfeld.


    aber wenn ich mich so erinnere hab ich immer wieder Spieler gehabt, gerade so im E-Jugendalter, bei denen ich einen Stillstand in der Entwicklung,
    gefühlmässig sogar einen Rücksschritt, festgestellt habe, Leistungsmässig von anderen überholt wurden, dann aber plötzlich eine gewaltigen
    Schritt nach vorne machten. Erklärungen dafür hab ich nie gefunden.
    Hab das dann als Vorpupertätsspuren abgetan.
    Gegen Schluss meiner Tätigkeit, hab ich mich damit mehr gar nicht mehr befasst, und als gegeben hingenommen.
    Hab mir da einfach selbst Geduld verordnet und dies auch besorgten Eltern vermittelt.


    gg

  • Hallo Tropi,


    welchen anderen Hobbys außer Fußball geht Ihr Sohn denn noch so nach? Vielleicht können Sie ihm ja helfen, den selbstauferlegten Druck loszuwerden oder zumindest ein bisschen einzudämmen, indem Sie sein Interesse an einer oder mehreren anderen Sachen, die ihm so richtig Spaß machen, noch mehr fördern (z.B. andere Sportangebote raussuchen, die er gerne macht oder eine Theater-AG an der Schule initiieren, falls er zu Hause mit seinen Freunden ZDF-Samstagabendshows nachspielt oder mal mit ihm auf's Meer fahren, falls er schon immer mal einem Wal eine knallen wollte oder, oder, oder...)



    Viele Grüße und alles Gute,


    Martin H.

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