Ruhig bleiben, aber wie?

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  • Moin


    Teile mir seit neusten mit einen anderen Spielervater das Training einer 2 G-Jugend, der mangels Trainer noch eine 3 G übernommen hat.
    So weit so gut, wir sind uns einig, das jeder spielen soll und das Ergebnis nicht im Vordergrund zu stehen hat.
    Wir beide sind zum Trainerjob gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde, mein Kollege hat inzwischen einen Basisschein und ich versuche ein wenig von der Erfahrung aus knapp 25 JAhren als Spieler zu zehren(alberner Ansatz, wie ich schnell lernen musste)
    Unsere Mannschaft ist gemischt mit ungefähr gleichen Anteilen 05er und 06ern, was zu Folge hat, das sie am Punktspielbetrieb als alter Jahrgang teilzunehmen hat.
    Und nun fangen die ersten Probleme an, die 05er sind junge 05er und die 06er teilweise 15-17 Monate jünger als die Gegner.
    Die ersten beiden Spiele gingen 1:9 und 0:4 verloren, wobei wir beim 2ten Spiel über schönes Passpiel unsere Kicker jubeln durften.
    Wir sehen das unsere Mannschaft sich entwickelt sowohl spielerisch als auch auf der sozialen Seite und das ist uns wichtiger als das eigentliche Ergebnis


    Was mir aber schon jetzt auf die Ketten geht ist das der teilweise pseudoprofihafte Ansatz der Gegner.
    Es werden Positionen vorgegeben und lautstark im Spiel eingefordert, an beiden Seitenlinien werden die Schützlinge begleitet und mit taktischen Anweisungen vollgequatscht.
    In beiden Spielen, war ich in der Versuchung den Profitrainern die Meinung zu geigen, konnte mich aber noch zurück halten und habe mich dann darauf konzentriert unsere Jungs starkzureden.


    Eine Frage an die erfahrenen unter euch:
    Macht es wirklich Sinn den Gegner darauf anzusprechen oder läuft man Gefahr als schlechter Verlierer da zu stehen, so nach dem Motto Recht hat, wer gewinnt??

  • Ich hatte mein Aha-Erlebnis, als wir zu G1-Zeiten auf einem Feldturnier waren. Damals war ich noch Co-Trainer, sowohl der damalige Trainer als auch ich waren, wie Ihr, wie die Jungfrauen zum Kinde gekommen. Wir hatten ein paar ganz gute Spieler im Kader, spielten mit einem letzten Mann und vier oder fünf Spielern davor, hat gut geklappt. Natürlich haben wir auch reingerufen, wie intensiv weiß ich jetzt nicht mehr, aber sicher im Zweifel eher mehr als weniger. Als klitzekleine Ehrenrettung mag vielleicht dienen, dass wir dabei zu den Jungs stets positiv waren, also niemanden rund gemacht haben und auch Fehler nicht oder zumindest kaum kritisierten -- um das mit Gewissheit auszuschließen, ist es zu lange her.


    Bei einem Spiel unseres Teams, bei dem es aber recht unaufgeregt zuging, sprach mich dann der Trainer der Gastgeber an, erwähnte, dass er eine Lizenz habe, und erzählte, dass bei ihm ganz bewusst alle Spieler überall spielen, dass unser letzter Mann sich doch langweilen würde, sowas in der Art. Aber nicht im vorwurfsvollen und belehrenden Ton, sondern auf eine kollegiale Art. Sein Team kam bei dem Turnier übrigens ziemlich unter die Räder, am Alter der Spieler lag das, glaube ich, nicht, aber dennoch hat er mich zum Nachdenken gebracht. Kurze Zeit später hat sich dann der Trainer ausgeklinkt und ich übernahm den Posten. Da hatte ich dann begonnen, mich zu informieren, hatte das DFB-Buch gekauft, etc. Der Rest ist Geschichte.


    Kurz und gut: Es kann funktionieren, die Anderen anzusprechen. Ich würde es eher aber nicht machen, wenn Eure beiden Teams gerade gegeneinander spielen, das kann sonst sehr schnell als Affront verstanden werden. Und gib schwer auf deinen Ton und die Art und Weise, wie du auf den Anderen zugehst, acht, damit sie sich nicht angemacht fühlen. Was ich als sehr hilfreich empfunden habe, sind ein paar Regeln, die Ihr bei Heimspielen umsetzen könnt:


    1. Keine Zuschauer auf dem Platz, dort dürfen sich nur Trainer (max. 2) und die Spieler aufhalten -- das reduziert den Lärmpegel und die Anspannung auf dem Platz ungemein
    2. Du stellst sich auf die selbe Seite wie es der gegnerische Trainer tut -- so kommst du viel leichter dazu, ab und an ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Es kommt dabei immer gut an, wenn du etwas Positives über seine Spieler sagen kannst


    Wenn du eine positive Grundstimmung erzeugen kannst, wird das, was du anschließend zu sagen hast, viel bereitwilliger aufgenommen.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Bei uns in der G-Jugend zeigte der Trainer den Spielern die Laufwege sogar auf Tafeln an. Emdstand 1:1.


    Wir haben uns das damals nur amüsiert angesehen ........................ heute, drei Jahre später hauen wir dieses Team jedes Mal zweistellig vom Feld, ohne uns großartig anstrengen zu müssen.

    [b][color=#990000]"Absolvent der SOCCERDRILLS-ONLINE Kurse BASIS, Ki-Fu und JUGEND-FU."

  • Solch Leute sind oft enorm arrogant, auch aggressiv. Wir hatten mal einen mit "Lizenz", da dürften sich Kinder nur in kleinen Rechtecken bewegen, die er im Kopf hatte: rechter Verteidiger nur zwischen rechtem Pfosten, Auslinien und Mittellinie - sonst gabs ein Donnerwetter mit Drohung sofortiger Auswechslung oder andere Strafen. Das Team lebte ganze 5 Monate, aber ihm wars egal, bekam gleich das nächste und immer so fort. Das ist Kinderfußball in seiner aktuellen Form, von oben per DFB-Lizenzwesen abgesegnet. Wer da nicht zuerst eine höhere Lizenz erwirbt, darf gar nichts sagen, wird nur belächelt o. bei Widerworten ausgeschlossen, egal wie Recht er hat. Seid für euch die Ausnahme, mehr kann man wohl nicht ausrichten. Mit den Kindern unter diesen Trainern kann man da nur Mitleid haben, aber den Verband interessiert es halt nicht die Bohne, daher ist Reden sinnlos!

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Danke für die Antworten.
    Werde wohl dann lieber meinen Schnabel halten und mir meinen Teil denken.
    Ärgerlich ist nur, das solche Gegner durch die Siege auch noch denken, alles richtig zu machen.
    Na ja wenn unsere Truppe zusammenbleibt werden wir irgendwann mit unser Denke vorne sein, nicht heute nicht morgen aber irgendwann!!

  • Zunächst einmal möchte ich noch kurz auf "Kicker" eingehen. Klar gibt es Vollpfosten mit Trainerlizenz, aber sie werden nicht als solche vom DFB ausgebildet. Es ist dem DFB durchaus bewußt, das die Möglichkeit besteht, das Trainer später wieder in alte Gewohnheiten verfallen.
    Derzeit gibt es ein Modell, nach der die Trainerausbildung im Breitensport teilweise vor Ort, d.h. mit den Heimatmannschaften stattfindet. Dort wird der angehende Trainer in echten Stresssituationen vom Ausbilder betreut. Es gibt sehr gute Erfahrungen damit. Leider ist es aber so, das die Ausbildung teurer wird und auch nicht flächendeckend angeboten werden kann, weil es nicht genügend Ausbilder gibt.


    Nun zu den Brüllaffen mit/ohne Lizenz! Da gebe ich "Kicker" recht! Diese zu maßregeln bringt meist gar nichts.


    Wer sich als Trainer selbst den Druck auferlegt, gewinnen zu müssen, für den bricht die Welt zusammen, wenn trotz permanenter, energischer Anweisungen von außen an seine Spieler, eine Niederlage eingefahren wird. So einer trägt die Niederlage mit ins Familienleben ein und nervt andere damit. Dort bekommt er dann schon sein Fett weg.


    Häufig erledigt sich das mit solchen Trainern von alleine, sobald kein Spieler mehr zum Training oder Spiel erscheint. Auch die Eltern dürfte dieser Trainerton nerven. Spätestens, wenn es Niederlagen hagelt, bricht der fragile "Burgfrieden". Denn dann meint der Trainer, die Mannschaft sei schuld und die Eltern meinen, der Trainers sei der Hauptschuldige.


    Man kann sich dennoch das Leben ein wenig dadurch leichter machen, indem man vor dem Spiel den/die gegnerischen Trainer freundlich begrüßt und ein paar nette Worte austauscht. Auch nach dem Spaß kann es nicht schaden, unabhängig vom Ergebnis Worte des sportlichen Respekts zu finden. Man kann ja durchaus die gegnerischen Kinder loben! Dann werden die "großen Ars...l..." zumindest zu etwas "Kleineren". Dann sieht man weiteren Treffen etwas gelassener entgegen.


    Vielleicht hast du ja auch das Glück, das es bald auch bei euch die Fairplay Regeln für den Kinderfussball eingeführt werden. Denn diese "Joystick-Trainer" müssen dann befürchten, den Kindern zuliebe in Schranken gewiesen zu werden. Das dürfte dann auch eher nach deinem Geschmack sein oder?

  • An dieser Stelle ein Beispiel von mir:


    Ich habe im Dezember 2011 ein Hallenturnier für unsere D-Junioren veranstaltet und alle Mannschaften unserer Spielklasse eingeladen,
    als kleines Highlight zum Saisonabschluss (Qualistaffel). Es waren zusammen 6 Mannschaften, aber eine viel dabei besonders auf.
    Nicht nur weil die Spieler zunächst gut spielten, sondern auch weil die Trainer ständig am rumbrüllen waren und sogar unsere jungen
    Nachwuchsschiedsrichter anmachten. So nach dem Motto, nun pfeiff doch mal ordentlich - aber verbal mit nicht kinder- und jugendgerechten Wörtern stark betont.
    Der eine (Cheftrainer) war der Vater vom jüngeren und beide teilten sich die Torpfosten so auf, dass jeder eine seite gut bebrüllen konnte.


    Beide Trainer zog ich dann nach dem dritten Spiel raus und sagte ihnen meine Meinung. Ich erwähnte dabei nicht dass ich viel jünger als diese waren und
    auch nicht dass ich eine Lizenz habe, machte aber mit meinem Hintergrundwissen Druck. Wir redeten bzw. diskutierten ca. 20 - 30 Minuten dadrüber, dass
    die Ausbildung der Kinder durch stark verbale Instruktionen sehr negativ beeinflusst wird und der Spaß ALLER Teilnehmer sehr gedrückt wurde.
    Es kam dann irgendwann die Antwort: "Aber meine Jungs brauchen dass!" - Da musste ich schmunzeln und fing erneut an, welche Ziele ein Trainer hat und da
    stimmte er mir zu. Nun hatte ich ihn. Anschließend ging ich dazu über dass die Ausbildung am Besten gefördert wird, wenn die Kinder selber lernen können
    und ihre Erfahrung machen können und nicht alles vorgegeben wird. Der Trainer ist dafür da, die Kinder leicht zu korrigieren und nicht dafür da, die Kinder
    in eine Backform zu pressen und alles vorzugeben. Noch ein paar Beispiele und die Sache war für mich gegessen.


    Bis dahin, war die Mannschaft auf Platz eins. Ab dem nächsten Spiel sagten beide Trainer rein gar nichts mehr und saßen ruhig auf der Bank.
    Ich werde das Bild nie vergessen. Das Spiel ging los und die Kinder waren richtig erstaunt darüber und sehr verwundert, warum keine Anweisungen
    von den Trainern kamen. Seit dem haben sie alle Spiele verloren, weil die Kinder nicht damit umgehen konnten, nicht angeschrieben zu werden.
    Nach dem Turnier ging ich nochmal zum älteren Trainer und sagte ihm: "Lass deinen Kindern Zeit sich zu entwickeln. Auch wenn ihr die nächsten Spiele
    vielleicht verlieren werdet, helft ihr euren Spielern zur Selbstständigkeit und mehr Spaß am Fußball."


    Nun sehen und schreiben wir uns öfters. Seine Jungs haben sich prächtig entwickelt!


    Also, auch so kann es gehen. Man muss nur wissen wie. Ich hatte Glück und muss zugeben, dass ich an diesem Tag irgendwie voll Bock darauf hatte,
    eine Diskussion im fussballspezifischen Rahmen zu führen und gerade mit diesem Thema.
    Und in dieser Hinsicht bin ich immer noch Stolz auf mich und auch auf die beiden Trainer,
    die nun wirklich nicht sehr einfach sind/waren.


    Es kommt aber letzten Endes auf die Situation drauf an.
    Habe ich gute Aussichten darauf die Trainer umzustimmen bzw. zum Nachdenken zu bewegen,
    oder laufe ich damit gegen eine felsen feste Wand?
    Habe ich die Voraussetzungen dafür, auf einer höheren Ebene solch ein Gespräch zu führen und
    kann ich dies auch mit dominanten Personen die mir ins Wort fallen?

  • Guenter,


    dazu muss der ensprechende Trainer aber erst erkennen das sein handen falsch war. Und von alleine kommt diese Einsicht die zur Änderung im eigenen Bereich führt nicht.

    Versuche im jeden Training 1 Spieler gezielt besser zu machen und du hast in einem Jahr/einer saison, VIEL geschafft!

  • Kalinka


    Schaue auf dich und deine Truppe. Glaubs mir: Diese Typen haben ein stark begrenztes Haltbarkeitsdatum. Ab D wirds ruhiger. Schlimm nur das bis dahin die Kinder darunter leiden müssen. Wenn sie überhaupt solange aushalten.