Soll/kann ich (auch mal) erfolgsorientiert aufstellen bzw. einwechseln?

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  • Hallo,


    letztens hatte ich einen Elternabend - ich möchte mindesten einmal pro Jahr einen Elternabend machen, in dem ich neben organisatorischen Dingen den Eltern auch ein wenig meine "Trainerphilosophie" nahebringe.


    Mir war an diesem Abend wichtig, den Eltern darzustellen worauf ich bei "meinen" Kindern (E-Junioren, Jahrgang '99) Wert lege: auf Ausbildung und Spielspaß und freie Entfaltung/fördern von Spielwitz. Ich habe besonders hervorgehoben, warum es mir deshalb auch wichtig ist, die Kinder immer wieder auf verschiedenen Positionen spielen zu lassen, z.B. weil ich auch den Jungen, der in der Abwehr bisher kaum was gebracht hat, weil er immer wieder vorrennt, trotzdem immer wieder mal in die Abwehr stelle: weil er nur dort und vor allem im Spiel lernen kann, wie "es da abgeht", wo er gebraucht wird und warum er auch da hinten wichtig ist und wertvoll sein kann. Das andere Kind - in der Abwehr eine Wucht - lasse ich immer wieder vorne im Sturm spielen, auch, wenn bislang viele Torchancen den Bach runter gegangen sind, weil es bislang noch nicht mit dem gewitzten, mutigen Torschuß oder dem "intelligenten" Zuspiel geklappt hat: nur so wird er dazulernen und auch ein Gefühl dafür kriegen, was er wann kann bzw. auch was er sich einfach mal erlauben kann, auch, wenn es vielleicht nicht so klappt.
    Ich habe den Eltern auch gesagt, dass ich diese Einstellung sehr bewußt auch auf Kosten eines möglichen Sieges pflege. Es redet sich zwar leicht, aber ich bin sicher, wenn ich konsequent "konservativ" also erfolgsorientiert aufstelle, die Kinder, die heute in der Abwehr eine Mauer sind hinten spielen lasse, die Torgefährlichen immer vorne platziere und mein Training auch konsequent darauf ausrichte, könnte ich mir/uns 50% der Niederlagen, die wir erleben, ersparen.
    Von zwei Eltern kam etwas heftiger Widerspruch (mir war die Diskussion auch wichtig): ich würde die Kinder um den Erfolg bringen, wenn sie nicht lernen auf ihren Positionen zu spielen, wird das auch später nicht klappen und andere Trainer im Verein haben damit ja auch wirklich ERFOLG (das stimmt, andere Mannschaften (F-Jugenden, E-Jugenden, D-Jugenden, mehr gibt es in unserem Verein nicht) sind tatsächlich viel erfolgreicher, aber ich beobachte auch, dass die Kinder dort wirklich alle nur auf "ihrer" Position spielen, es hat sich "eingespielt" und mit zunehmenden Alter der Gegner werden immer mehr Defizite sichtbar).


    Nun habe ich den Eltern in Aussicht gestellt, bei unserem nächsten Turnier die Kinder mal wirklich nur nach dem Erfolg aufzustellen: die Abwehrstarken hinten, die "Knipser" und Torgefährlichen vorne - in der Halle relativiert sich das ja ohnehin, aber meine Erfahrung war schon so, dass es in dieser Aufstellung auch besser läuft. Ich habe dann allerdings auch gesagt, dass es keinen Sinn macht "erfolgsorientiert" aufzustellen, dann aber bei der Einwechslung auf Gerechtigkeit zu achten (interessannterweise kamen die Einwände von den Eltern der Kinder, die ich "erfolgsorientiert" eigentlich kaum einwechseln dürfte, weil a) zu Dick und b) wegen Macken an den ich als Trainer arbeiten muß & möchte einfach uneffektiv).
    Ich weiß, dass das einiges Murren auslösen wird, wenn ich das wirklich mal ein Turnier lang durchziehe, gerade auch bei den Eltern, die mich wegen meiner Einstellung kritisiert haben. Daher reizt mich das natürlich schon etwas.
    Aber andererseits geht es eigentlich gegen meine Einstellung ("eigentlich" weil es mich natürlich schon mal interessieren würde, ob ich mit meiner Einschätzung recht habe und: ja natürlich hätte auch ich mal nichts gegen eine erfolgreiches Turnier) und außerdem müssen es vor allem die Kinder ausbaden.
    Wir haben danach zwar noch zwei Turniere, aber wie gesagt, reizen würde es mich schon, es mal, exemplarisch dem Erfolgsdruck nachzugeben.


    Wie seht Ihr das, wäre das mal drin und wenn ja, wie sollte ich die Kinder da mit einstimmen?


    Gruß,
    Sebi

  • Hallo Sebi


    Ich nehme an, dass Du in Deutschland, als Trainer tätig bist. Soviel ich verstanden habe, ist es bei Euch so, dass man bereits 11er Fussball spielt und mit Auf- Abstiegsregelung. Ist das richtig? Wenn das so ist, dann ist der Verband als erster Schuld, dass man grundsätzlich, erfolgsorienrtiert denkt.


    Bei uns in der Schweiz, kann man bei den E - Junioren, die Teams in beliebige Stärkeklassen anmelden. In der 1. Stkl. spielen die besseren Junioren und Teams in der 2. Stkl. eher die weniger begabten Kids. Der Verband versucht auch wirklich nach Niveau einzuteilen, damit krasse Ergebnisse ausbleiben. Nun spielen die E - Junioren an Samstag (in der Regel am Morgen) an Halbtagesturniere, wo es um wirklich gar nichts geht! Kein Aufstieg usw. Also sicher kein Erfolgsdruck! Da fällt es uns Trainer wirklich auch einfacher, die Spieler regelmässig zu rotieren usw. Natürlich gibts aber auch hier solche Pfeiffen, die nur ans "Gewinnen" denken. Aber egal... ist ja nicht das Thema.


    Ich finde deine Grundeinstellung eigentlich gut. Es ist richtig zu rotieren und die Spieler möglichst in verschiedenen Positionen laufen zu lassen. Formation und Aufstellung ist Kompetenz des Trainers. Da diskutiere ich garn nicht... da "diktiere" ich! Dies ist vermutlich die einzige Kompetenz, die man nicht diskutieren darf. Ich hoffe, denn Junioren zu liebe, dass Du deine gerechte Kinderfussball - linie halten wirst. Die Eltern sollten einfach verstehen, dass man in der E - Jugend, grundsätzlich zum Plausch gespielt wird.


    Diese Probleme kenne ich in der Schweiz eher nicht. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass Ihr in Deutschland eher an Probleme kommt, da bei Euch Fussball einen höheren Stellenwert hat und Ihr auch eher etwas fanatischer seid.


    Wünsche Dir viel Glück und alles Gute. TRPietro

  • Hallo Sebi,


    ich habe mit ungefähr 35 Jahren eine Jugendmannschaft übernommen. Ich hatte damals sehr gemischte Gefühle, weil ich nicht wußte, ob ich das wirklich hinbekomme. Man steht immer unter Beobachtung, in der Mitte des Geschehens, d.h. die Eltern schauen zu, fremde Eltern auch wenn Du mal pfeifst, Vereinskollegen schauen zu, in der Zeitung standen damals noch die Ergebnisse usw.. Trotz der Tatsache, dass ich aus beruflichen Gründen oft der Öffentlichkeit gegenüberstand und stehe, war mir da etwas mulmig. Ich fing an, Meinungen einzuholen, Erfahrungen zu machen, mir meine Meinung zu bilden und fuhr dann eine Linie. Hierbei machte ich fiele Fehler.


    Ich habe immer wieder erlebt, dass Eltern mit leichtem Zucken um die Augen Dinge äußerten wie "Warum ist mein Sohn Auswechselspieler, wieso wechsest Du soviel, wieso wechselst Du den Spieler X ein, der ist doch scheisse, nimm doch den Torwart raus, mein Sohn ist Stürmer, wieso ist der nun in der Abwehr, das ist ein Fliegenfänger, der hat aber länger gespielt als meiner, so`n Scheiss gucke ich mir nicht mehr an, dafür komme ich nicht, mein Sohn gehört aber auch in die Kreisauswahl usw." Dazu dann noch die Einrufe von Aussen, die teilweise dem Joystickverhalten nahe kamen (hierbei habe ich mich auch "schuldig" gemacht).


    Das was Du da betreibst ist aus meiner Sicht super klasse und da solltest Du -wie mein Vorredner es sagt- nicht Diskutieren-, ....die Eier sind gelegt. Wer dich als Trainer hat, hat dein Programm gebucht! Da das Programm gut sein scheint, gibt es auch niemanden ausser wenige der Eltern, die das in Frage stellen. Du bist der Fachmann, sie nicht!


    Ich bin der Ansicht, dass man die Kinder selbst in der D und C Jugend (F und E erst recht!) auf Großfeld nicht festspielen lassen sollte. Hier darf man vier Spieler so oft wechseln wie man will. Sicher kann man nach Neigungen schauen, aber ein Abwehrspieler sollte auch im Mittelfeld spielen, ein Mittelfeldspieler Abwehr oder auch Sturmfähig sein, und der Stürmer sollte das Mittelfeld kennen, sowie der Torwart auch mal ein Turnierchen die Abwehraufgabe kennen lernen. Das wäre die Philosophie mit der ich aufgehört habe und auch weitermachen würde, wenn ich eine Mannschaft übernehmen würde.


    Mir ist vor einem Jahr ein Spieler abgewandert (ein guter Spieler) weil er in der E meist hinten spielte und das auch in der D sollte. Der hatte keinen Bock mehr. Schade, denn ich habe die Wichtigkeit hier nicht so gesehen und mich an anderen Trainern orientiert.


    Halte die Frontlinie und lass dich nicht beirren, Gruss Andre :)

  • Fakt ist, das der Trainer für die Aufstellung der Mannschaft zuständig bzw. verantwortlich ist.


    Wo liegt dann für dich das Problem mal zu testen, ob bzw. wie sich das ganze unter der von dir optimal eingeschätzten Aufstellung abläuft?


    Es ist eine von vielen Varianten, die du austesten solltest. Was du mit diesen Erkenntnissen dann anfängst, liegt ja wieder in deinem ermessen bzw. in deiner Verantwortung. Da du dir viele Gedanken machst über die optimale Weiterentwicklung der Kinder habe ich in diesem Punkt aber absolut keine Befürchtungen.

    Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft hat bereits verloren

  • Deine Idee und Vorgehensart ist perfekt, du solltest dies auch so durchziehen, egal, was die Eltern darüber sagen. Wenn sich der Erfolg einstellt, dann sind automatisch alle Eltern ruhig (komischerweise :) ).


    Ich habe wohl die Leute bereits eingeteilt in die Positionen, gehe aber auch auf Wünsche meiner Jungs ein. So habe ich eben gestern auf der Strasse meinen Verteidiger getroffen und gefragt, auf welcher Position er sonst mal gerne pielen würde. Er erwähnte das Mittelfeld. Ich werde ihn auch mal im STurm einsetzen. Aber "sein" Mittelfeld werde ich mal austesten, dafür sind die Turniere im E (CH) ja da.

    Wer gewinnen will, muss zuerst verlieren lernen!
    Die Kombination Trainer/Schiri ist noch sehr witzig... :D =) :]

  • Du bist der Trainer, also bist du auch der einzige der das zu entscheiden hat.
    Du opferst Woche für Woche und Training für Training deine Zeit.


    In einem anderen Thread hat Andre einen Brief kopiert, den er an seine Eltern verteilt hat. Vielleicht solltest du diesen benutzen. Eventuell noch ein bisschen verändern da er glaub ich für ne G- Jugend verfasst wurde, aber die Grundidee stimmt mit deiner Philosophie überein


    Gruß
    Markus

  • so sollte es sein, großes kino! respekt!
    sollte man versuchen, ganz klar, aber schwer ist es, ganz schwer...


    und gegen die teams die über einem stehen würde ich dennoch die besten kinder an den für sie sinnvollsten positionen spielen lassen. zum einen um ihnen die sicherheit zu geben, die sie dann brauchen und zum anderen natürlich um konkurrenzfähig zu sein.
    das hilft den kindernund dem team. ist vielleicht in dem moment kurzfristig gedacht, aber in einer eh schwierigen pubertätsphase sind erfolge eben auch wichtig für die kinder und nicht konsequente vorgabenanwendung des dfb durch organisierte verwirrung und in kauf genommene niederlagen. da bin ich ganz ehrlich, wenn wir die chance haben einen stärkeren gegner zu schlagen, dann mache ich das auch und setze meinen besten stürmer in die abwehr und umgekehrt. ich spreche hier von älterer d-jugend und behaupte hier mal, das dies der großteil der teilnehmer hier so praktiziert, auch wenn das hin und wieder anders rüberkommt. testen und umstellen mache ich bei den vermeintlich leichten gegenern, auf turnieren und freundschaftsspielen. ich finde, das ist ausreichend.

  • Also ich finde, man kann in bestimmten Situationen schon erfolgsorientiert aufstellen bzw. einwechseln.


    Wir hatten vor ein paar Wochen ein Hallenturnier. Wir haben dort gegen 2 unserer direkten Nachbarn gespielt. Im ersten Spiel stand es 2:1 für unseren Gegner und es waren noch 2 Minuten zu spielen. Ich habe bei dem Turnier, da ich genau 11 Kinder hatte immer in 2 5er Blöcken gewechselt, sodass jeder genug spielt und die Teams nicht zu viel durcheinandergewürfelt werden. In dem Spiel hab ich dann 2 Minuten vor Schluss dieses verändert und habe die besten 6 Spielen lassen. Wir haben dieses Spiel noch 3:2 gewonnen. Nachdem ich dann nachher mit den 2 Kindern geredet habe, die ich runtergenommen habe, kam heraus, dass diese den Wechsel total verstehen konnten und sich mehr über den Sieg gefreut haben , als darüber geärgert, dass sie 2 Minuten weniger gespielt haben.

  • Das mit den Positionswechseln ist schon richtig, aber du musst aufpassen, dass du nicht zu viele Spiele verlierst. Bei den Kindern macht das Selbstvertrauen ziemlich viel aus, und wenn ihr jedes Spiel verliert, fehlt den Spielern das Selbstvertrauen! Deshalb solle es eine gewisse Mischung zwischen "erfolgsorientierter" und rotierenden Aufstellung geben. Das wichtigste ist aber, dass alle zum Einsatz kommen, und keiner zu lange draussen sitzt.

    "Alles, was ich sicher weiß über Moral und Pflicht, verdanke ich dem Fußball!"


    (Albert Camus)




    "Der Fußball ist für mich ein Mikrokosmos der gesamten Gesellschaft. Alle Prozesse, die in der Familie, in der Großfamilie, in der Kleinfamilie, in irgendeinem Unternehmen ablaufen, finde ich auch im Fußball."



    (Christoph Daum)

  • hallo


    Zitat

    Bei den Kindern macht das Selbstvertrauen ziemlich viel aus, und wenn ihr jedes Spiel verliert, fehlt den Spielern das Selbstvertrauen!

    das sehe ich etwas anders. es geht den kids in erster linie nicht um den sieg, sondern darum, dass sie viele spielerlebnisse haben. ich vermute mal wir reden hier von nicht allzu derben "Wäschen" wie 0:20, sondern von etwas knapperen niederlagen. wenn jedes kind im spiel viele ballkontakte hat, auch mal ein erfolgserlebnis hat (muss nicht unbedingt ein tor, sondern kann auch das verhindern einer guten möglichkeit vom gegner sein oder ein genialer pass oder eine saubere grätsche) dann reicht das vollkommen aus. wichtig ist nur, dass die kinder ein bis zwei gute erinnerungen aus dem spiel mitnehmen. viele erinnern sich eher an die selbst geschossenen tore (hatte mal ein spiel, das für uns 10:2 verloren ging, aber die stimmung nach dem spiel war durch die zwei eigenen tore sehr gut und beim training war wieder alles vergessen). hier spielt eben auch die motivation eine enorm große rolle!


    aber zum thema: du machst das vollkommen richtig. ich würde mich da auch nicht auf diskussionen einlassen. du solltest den eltern lediglich erklären können, warum du so aufstellst und spielen lässt, wie du es tust. wer damit nicht klar kommt, den muss man eben mal zurechtweisen. und als bestes feedback auf deine arbeit gilt immer noch die trainingsbeteiligung und obs den kindern spass macht. und solange das der fall ist, können die eltern auch nur murren... oder ihre kinder aus der mannschaft nehmen, aber das werden diese ihnen übelnehmen.


    grüße

    "Ihr vier spielt jetzt drei gegen zwei!" ;)


    "Der Verteidiger wurde fair vom bein getrennt!"


    "es ist enorm wichtig, dass man neunzig minuten hundertprozentig ans nächste spiel denkt!"

  • Das größere Problem scheint wohl die Meinung der Eltern zu sein.


    Hast du eventuell schonmal versucht ihnen zu erklären, dass dieser "klassische" Fussball á la Zerstörer-Abwehr und Knipsersturm quasi nurnoch in den untersten Klassen existent ist? Könntest sie ja mal fragen ob sie ihren Sohn später mal in der Kreisklasse D vor sich hindümpeln sehen, oder ob sie ihm wenigstens die Mölichkeit bieten wollen später auch höher zu spielen. Selbst in der Kreisoberliga, auch sehr weit unten, ist es bei uns in der Gegend so, dass die Abwehrspieler viele Offensivaktionen mitgestalten bzw. einleiten. Also der klassische Abräumer, der dem Gegner den Ball abnimmt und nach vorn bolzt ist out.
    Für eine Jugend hieße das im Klartext: Ein guter Abwehrspieler braucht Erfahrung aus dem Mittelfeld.
    Wenn man sich dazu noch Samstags hin und wieder die Sportschau anschaut fällt auf, das mitlerweile garnichtmehr so wenige Tore von Abwehrspielern geschossen / vorgelegt werden. Also ist die Erfahrung aus dem Sturm mit sicherheit hilfreich.
    Im Mittelfeld das selbe Thema, ein guter Mittelfeldspieler muss auch gut verteidigen können, genauso wie angreifen. Also schaden die Erfahrungen an diesen Positionen bestimmt nicht.
    Und gutes Verteidigen beginnt sehr oft schon beim Defensivverhalten der Stürmer, also warum nicht auch mal nem Stürmer die Erfahrung aus dem Devensivbereich gönnen?



    edit: achso, du könntest natürlich auch mal fragen, ob die Eltern wirklich jetzt schon eine feste Position für ihr Kind wünschen, oder ob sie ihm nicht die freie Wahl lassen wollen. Mit 10-11 Jahren finde ich es noch falsch sich schon für den Rest seines Lebens festzulegen (Naja, natürlich ist ein Positionswechsel immer möglich, aber wenn man von dem Alter an auf "Manndecker" gedrillt wird ist es später sehr schwer sich in ner neuen Position einzufinden)

    2 Mal editiert, zuletzt von Peter_Pan ()

  • Hallo zusammen,


    erst einmal vielen Dank für die vielen Beiträge - dieses Forum ist wirklich erfrischend und gerade ich als "Quereinsteiger" kann aus den Diskussionen (die ich bisher fast nur gelesen habe, ohne mich zu beteiligen) sehr viel Anregungen, Gedanken und auch Mut ziehen, ich hoffe, im Laufe der Zeit auch meinen Teil dazu beitragen zu können! Sehr ermutigend finde ich auch die sehr offensichtliche Fähigkeit zur Selbstkritik hier bei einigen Forumsteilnehmern, die mir einen sehr kompetenten Eindruck machen (dazu gehört das sich selbst hinterfragen unbedingt dazu). Ich bin sicher, hätte es dieses Forum mit dieser Aktivität schon vor längerer Zeit gegeben, wäre die ein oder andere frustrierende Erfahrung vermieden worden, oder?


    Ja, die Entscheidung wie ich Aufstelle liegt natürlich bei mir und ich lasse sie mir auch nicht von den Eltern aufdiksutieren (hoffe ich), dennoch ist es mir wichtig (vor allem auch aus eigener Erfahrung als Spielervater), den Eltern von Zeit zu Zeit meinen Standpunkt zu erläutern und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich dazu zu äußern. Als ich gesagt habe, dass es bei mir keine "rein erfolgsorientierte" Aufstellung aus genannten Gründen geben wird, haben sie das - denke ich - auch absolut akzeptiert.


    Ich muß natürlich gestehen: immer gelingt es mir auch nicht, z.B. nach längeren "Durststrecken" (Niederlagen) möchte ich den Kindern und natürlich auch mir mal ein Erfolgserlebnis gönnen. Auch, wenn das natürlich nicht ganz richtig ist, kann ich der Versuchung nicht immer widerstehen. Einmal hatte ich sogar das Erlebnis, das dies ALLEN Kindern ganz recht zu sein schien: bei unserem eigenen Sommerturnier haben wir erstmal einiges verloren, im nächsten (vierten) Spiel habe ich dann mal ein "A"-Team aufgestellt und die anderen etwas weniger eingewechselt. Wir haben das Spiel gewonnen und die Kinder die bei mir am Rand standen, haben gemeint, dass sollten wir doch immer so machen. Ich habe es dann aber doch nicht so weitergeführt.
    Ich möchte noch anmerken, dass ich nicht alle Niederlagen auf das Aufstellungsproblem zurückführe. Natürlich könnte ich sicherlich "erfolgreicher" sein, wenn ich jeden nur auf seiner Bombenposition spielen lasse und die schlechteren Kinder (ich habe bei meinen 11 Kindern ein wirklich gewaltiges Leistungsgefälle) weniger einsetze, aber meine Aufgabe als Trainer ist es ja gerade, dafür zu sorgen, dass es auch anders klappen kann, dass sich die Kinder verbessern und - das ist jetzt der Idealfall, sicher genauso wenig zu erreichen wie eine Welt ohne Waffen, aber danach zu streben - dass es irgendwann einmal egal ist, wann und wie ich einwechsel, weil ich immer weiß, dass die Kinder überall am richtigen Platz sind. Wie gesagt, ein nicht zu erreichendes Ideal, aber als "Idee" an der ich mein Training ausrichte für mich sicher perfekt, und wenn eine Niederlage tatsächlich mal auf die falsche Aufstellung zurückzuführen ist, muss ich mir als Trainer überlegen, wie ich die Mannschaft dazu bringe, dass es auch in dieser Aufstellung besser wird (da habe ich noch einiges zu kämpfen und zu überlegen und mir fallen spontan zehn Fragen ein, die ich als Thema auch einstellen könnte - alles zu seiner Zeit, vllt. sollte ich mich auch erstmal konstruktiver hier beteiligen).


    Peter_Pan: ja, da sprichst Du einen Gedanken an, der mir oft durch den Kopf geht. Zur Erläuterung: wir sind ein rein breitensportlich orientierter Verein (in Bayern), bei uns gibt es Fußball nur bis zur D-Jugend (bis E-Jugend Kleinfeld, in der D i.d.R. Großfeld). Danach wechseln unsere Kinder zum Nachbarverein, wo es dann bis zur A-Jugend, ggf. bis zur 1. und 2. Herren geht (1. Herren spielt derzeit Kreisliga, also auch nicht wirklich hoch). Bis zur E gibt es ohnehin keinen Aufstieg, vor zwei Jahren hat sich die damalige D1 die Kreisklasse erspielt, welches die nachfolgende D1 "ausbaden" musste, jetzt halt wieder Gruppe. Was will ich mit den Kindern bzw. für die Kinder. Natürlich würde es mich freuen, wenn die Kinder bzw. wenn einzelne Kinder später einmal "höher" hinaus kommen. Wenn unsere D-Jugend sich konstant hoch einspielen würde, hätte ich natürlich auch nichts dagegen. Aber ist es wirklich das, was ich (unbedingt) will? Ich denke Nein! Meine Kinder haben in diesem Verein angefangen, dadurch bin ich ja auch dazu gekommen - es ging mir als Vater immer sehr viel um das Soziale: Mannschafsdenken, zusammenspielen, zusammengehören. Natürlich wollte ich auch, dass die Kinder gut spielen und sich verbessern, aber mir war es wichtiger, dass die Kinder als Mannschaft verlieren, als dass einzige das Spiel gewinnen und die Stimmung in der Mannschaft schlecht ist (ich erlebe das leider derzeit gerade bei der Mannschaft meines Jüngeren: gewinnen fast alles und scheißen sich gegenseitig permanent zusammen, wenn mal was nicht läuft - ich leide sehr). Insofern ist einse meiner primären Ziele nicht eine hohe Klasse/Liga sondern ein hohes Sozialverhalten als Teamspieler (was ich bei aller Bescheidenheit bei den Kindern meiner Mannschaft auch beobachte - die "schlechteren" Kinder sind voll integriert), dies ist fast gleichzusetzen, mit meinem Bestreben, die Kinder auszubilden. Natürlich sind Kinder dabei, die das Zeug für Höheres haben (mögen), ich möchte diese Kinder auch wirklich fördern, aber das Ziel für mich ist eben nicht die nächste Klasse/Liga für die Mannschaft sondern die Mannschaft an sich. Insofern ist dies auch ein Argument, welches ich den Eltern ggü. nicht anbringen möchte. Ehrlich gesagt, glaube ich auch nicht, dass ich derzeit das Zeug habe, um potentielle Oberliga-Spieler zu erkennen und gezielt auszubilden.
    Dies steht meiner Meinung nach aber nicht im Widerspruch zum Ausbildungsgedanken, den ich dennoch verfolge, denn Ausbildung beginnt auch und findet auch in den untersten Spielklassen statt.
    Natürlich trifft es sich für mich da sehr gut, dass unser Verein erst ab der D-Jugend um Aufstiege spielt und ich Jugendleiter dieses Vereins bin. Wenn meine Mannschaft in die D-Jugend wechselt, gibt es eine Zusammenlegung der Trainer und Kinder aus dem Partnerverein (die Kinder kommen für zwei Jahre zu uns). Da werde ich mich dann langsam rausziehen, als Co-Trainer fungieren und wenn die Mannschaft dann wechselt, werde ich bei meinem Verein bleiben und wohl noch einmal "ganz unten" anfangen und eine kleine Mannschaft durch die folgenden Jahre führen. Den Kampf um Aufstiege/gegen Abstiege, den zunehmend leistungsorientierten (und in diesem Verein mit Herrenmannschaften und entsprechendem Repräsentationsdruck auch erfolgsorientierten) Fußball werde ich als Trainer nicht mehr begleiten - ehrlich gesagt wäre ich auch überhaupt nicht im Mindesten der Typ dafür.


    Gruß,
    Sebi

  • äh um das kurz klarzustellen: mit später meine ich natürlich die Herrenmannschaften.


    glaube das was ich geschrieben habe wurde leicht misverstanden. ich finde es in den unteren Jugenden verkehrt einige "speziell" zu fördern. Vielmehr meinte ich, ALLE spieler sollen erfahrungen auf allen Positionen machen. Ob sie später Kreisklasse, Kreisliga, Landesliga oder Bundesliga spielen (können) ist ja erstmal vollkommen Wurscht. Es geht darum, den Grundstein zu legen, für alle. Und dazu gehört in dem Alter eine Ausbildung auf allen (meiner Meinung nach: Feld-) Positionen.

  • Aus meiner Sicht ist es eine klasse Zielrichtung, die du da verfolgst, Sebi.


    Zu deiner Frage: Es ist OK, wenn du "mal" erfolgsorientiert aufstellst - ohne das besonders zu erwähnen - um für dich zu experimentieren. Du solltest es aber nicht machen, um den Eltern was zu beweisen. Einerseits sind Eltern, die erfolgsorientiert denken, oft ziemlich stur. Andererseits weißt du nicht, wie das ganze ausgeht. Was ist, wenn ihr plötzlich das Hallenturnier gewinnt? Würden dann nicht alle fordern, weiterhin erfolgsorientiert aufzustellen, um in Zukunft auch zu gewinnen...?