Hallo,
letztens hatte ich einen Elternabend - ich möchte mindesten einmal pro Jahr einen Elternabend machen, in dem ich neben organisatorischen Dingen den Eltern auch ein wenig meine "Trainerphilosophie" nahebringe.
Mir war an diesem Abend wichtig, den Eltern darzustellen worauf ich bei "meinen" Kindern (E-Junioren, Jahrgang '99) Wert lege: auf Ausbildung und Spielspaß und freie Entfaltung/fördern von Spielwitz. Ich habe besonders hervorgehoben, warum es mir deshalb auch wichtig ist, die Kinder immer wieder auf verschiedenen Positionen spielen zu lassen, z.B. weil ich auch den Jungen, der in der Abwehr bisher kaum was gebracht hat, weil er immer wieder vorrennt, trotzdem immer wieder mal in die Abwehr stelle: weil er nur dort und vor allem im Spiel lernen kann, wie "es da abgeht", wo er gebraucht wird und warum er auch da hinten wichtig ist und wertvoll sein kann. Das andere Kind - in der Abwehr eine Wucht - lasse ich immer wieder vorne im Sturm spielen, auch, wenn bislang viele Torchancen den Bach runter gegangen sind, weil es bislang noch nicht mit dem gewitzten, mutigen Torschuß oder dem "intelligenten" Zuspiel geklappt hat: nur so wird er dazulernen und auch ein Gefühl dafür kriegen, was er wann kann bzw. auch was er sich einfach mal erlauben kann, auch, wenn es vielleicht nicht so klappt.
Ich habe den Eltern auch gesagt, dass ich diese Einstellung sehr bewußt auch auf Kosten eines möglichen Sieges pflege. Es redet sich zwar leicht, aber ich bin sicher, wenn ich konsequent "konservativ" also erfolgsorientiert aufstelle, die Kinder, die heute in der Abwehr eine Mauer sind hinten spielen lasse, die Torgefährlichen immer vorne platziere und mein Training auch konsequent darauf ausrichte, könnte ich mir/uns 50% der Niederlagen, die wir erleben, ersparen.
Von zwei Eltern kam etwas heftiger Widerspruch (mir war die Diskussion auch wichtig): ich würde die Kinder um den Erfolg bringen, wenn sie nicht lernen auf ihren Positionen zu spielen, wird das auch später nicht klappen und andere Trainer im Verein haben damit ja auch wirklich ERFOLG (das stimmt, andere Mannschaften (F-Jugenden, E-Jugenden, D-Jugenden, mehr gibt es in unserem Verein nicht) sind tatsächlich viel erfolgreicher, aber ich beobachte auch, dass die Kinder dort wirklich alle nur auf "ihrer" Position spielen, es hat sich "eingespielt" und mit zunehmenden Alter der Gegner werden immer mehr Defizite sichtbar).
Nun habe ich den Eltern in Aussicht gestellt, bei unserem nächsten Turnier die Kinder mal wirklich nur nach dem Erfolg aufzustellen: die Abwehrstarken hinten, die "Knipser" und Torgefährlichen vorne - in der Halle relativiert sich das ja ohnehin, aber meine Erfahrung war schon so, dass es in dieser Aufstellung auch besser läuft. Ich habe dann allerdings auch gesagt, dass es keinen Sinn macht "erfolgsorientiert" aufzustellen, dann aber bei der Einwechslung auf Gerechtigkeit zu achten (interessannterweise kamen die Einwände von den Eltern der Kinder, die ich "erfolgsorientiert" eigentlich kaum einwechseln dürfte, weil a) zu Dick und b) wegen Macken an den ich als Trainer arbeiten muß & möchte einfach uneffektiv).
Ich weiß, dass das einiges Murren auslösen wird, wenn ich das wirklich mal ein Turnier lang durchziehe, gerade auch bei den Eltern, die mich wegen meiner Einstellung kritisiert haben. Daher reizt mich das natürlich schon etwas.
Aber andererseits geht es eigentlich gegen meine Einstellung ("eigentlich" weil es mich natürlich schon mal interessieren würde, ob ich mit meiner Einschätzung recht habe und: ja natürlich hätte auch ich mal nichts gegen eine erfolgreiches Turnier) und außerdem müssen es vor allem die Kinder ausbaden.
Wir haben danach zwar noch zwei Turniere, aber wie gesagt, reizen würde es mich schon, es mal, exemplarisch dem Erfolgsdruck nachzugeben.
Wie seht Ihr das, wäre das mal drin und wenn ja, wie sollte ich die Kinder da mit einstimmen?
Gruß,
Sebi
