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  • Ich möchte mal die Meinungen hören, warum Dinge, die in vielen Randsportarten vollkommen normal sind, ausgerechnet beim Fußball nicht funktionieren.


    Ich habe Jahrzehnte Volleyball gespielt und immer hieß es in den Vereinen: wir melden euer Team nur, wenn ihr mindestens zwei Schiris habt und einen Jugendtrainer stellt. Aus einen Kader von 12 wohlgemerkt. In vielen Sportarten kann man gar nicht Sportartenfremd Training geben. Aber beim Fußball gucken alle reflexartig auf die Eltern.
    In meinem Verein ist genau einer aus der Herren auch im Jugendbereich engagiert. Einer (!) aus drei Herrenteams.


    Ist meine Beobachtung falsch?

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Ich denke, das hat sich historisch so entwickelt. FrüherTM haben die Erwachsenen bis 30 oder so in den aktiven Mannschaften gespielt und sind danach dann eben Jugendtrainer geworden oder haben andere Funktionen übernommen, weil das eigene Vereinsleben ja weitergehen sollte.


    Dass eine aktive Mannschaft nicht gemeldet wird, weil zu wenige Zusatzaufgaben übernommen werden, ist undenkbar. Besonders die Spiele der 1. Mannschaft sind ja zuschauerrelevant, was bei Heimspielen durchaus vierstellige Netto-Einnahmen für den Verein bedeuten können.

  • Seit Corona sind viele noch Egoistischer geworden. Erst Ich dann Ich und dann schauen wir mal was mit meiner kostbaren Zeit angestellt wird. Vielen denken auch Vereine wollen ganz viel Geld verdienen

  • Ich möchte mal die Meinungen hören, warum Dinge, die in vielen Randsportarten vollkommen normal sind, ausgerechnet beim Fußball nicht funktionieren.


    Ich habe Jahrzehnte Volleyball gespielt und immer hieß es in den Vereinen: wir melden euer Team nur, wenn ihr mindestens zwei Schiris habt und einen Jugendtrainer stellt. Aus einen Kader von 12 wohlgemerkt. In vielen Sportarten kann man gar nicht Sportartenfremd Training geben. Aber beim Fußball gucken alle reflexartig auf die Eltern.
    In meinem Verein ist genau einer aus der Herren auch im Jugendbereich engagiert. Einer (!) aus drei Herrenteams.


    Ist meine Beobachtung falsch?

    Du meinst damit, dass Trainer nur Leute sein können, die selbst auch gespielt haben?

    Aus den Herrenteams hast du nur sehr wenige, die auch als Trainer agieren. Das ist auch zeitlich sehr schwierig beim Fußball. Gerade im höherklassigen Fußball wird häufig 3-4x die Woche trainiert + die Spiele am Wochenende. Und selbst im unterklassigsten Bereich wird meist 2x die Woche trainiert + die Spiele am Wochenende.

    Die Spieler der 1.Herren werden dazu noch in ihren Vereinen teilweise sehr hofiert bzw. werden sie oftmals im Landesspielbetrieb auch bezahlt und sind sehr häufig vom Ursprung her überhaupt nicht aus dem Verein.


    Noch aktive Fußballer dazu zu motivieren, dazu noch auch als Trainer zu agieren ist sehr herausfordernd.

    Es gibt Vereine, die das aber auch beispielhaft auch fördern und fordern. Also möglich ist es schon, aber es erfordert gute Argumentationen.

  • Du meinst damit, dass Trainer nur Leute sein können, die selbst auch gespielt haben?

    Ich bin der Meinung, dass Fußball ein Alleinstellungsmerkmal hat, dass auch sportartenferne Personen das machen können (und auch in gewissem Umfang natürlich auch lernen können). Bei der Leichtathletik, Eiskunstlauf oder beim Judo in meinen Augen undenkbar.


    Hier liest man ja immer: niemanden aussortieren, selbst das größte Untalent kann noch Kassierer werden etc. Doch wird das Selbstverständnis hergestellt, dass man auch mal nen Trainerschein machen muss? Dass Schiris gestellt werden müssen? Dass ein A-Jugendlicher auch bei der F mithelfen kann? Oder ist hier der Sportler fein raus und das können gerne andere machen?

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Warum kann man denn in anderen Sportarten als Sportfremder nicht trainieren und beim Fussball schon?

    Finde ich jetzt interessant. Ist vielleicht auch einen neuen Thread wert.


    Zu Deiner ursprünglichen Frage.

    Bei uns sind derzeit viele Spieler der Seniorenmannschaften und A oder B Jugendspieler Trainer. Meist sind es aber die Söhne von noch aktiven oder ehemaligen Trainern und / oder Jugendbetreuern.

    Weil das Vereinsleben da vorgelebt wird oder wurde. Dazu kommen bei uns viele Trainer aus der Elternschaft, mit oder ohne Fusballvergangenheit. Wir haben derzeit quantitativ genug Trainer. Allerdings haben wir qualitativ Probleme in der Trainerschaft und es fehlt bei vielen auch die Bereitschaft zur Weiterbildung.

    Klar kann eigentlich jeder Trainer machen, nur muss ich den Kindern eigentlich ja schon Technik vermitteln, damit sie diese anwenden können.

    Wieviele Senioren können denn in der Kreisliga einen vernünftigen Flugball spielen? Geschweige denn einen mit dem schwachen Fuß? Das sollte doch auch vermittelt werden können.

    Und ja, es ist toll wenn ich alle Kinder mitnehme und ihnen ein Angebot machen kann, dass sie sich bewegen. Aber könnten das andere Sportarten nicht auch?


    Die Beiträge für Fußballvereine sind doch großteils nur so günstig weil viele Leute unglaublich viel Zeit und Herzblut investieren und das ehrenamtlich. Als Trainer, Kassier oder Sonstiges.

    Wieviele Tennistrainer gibt es denn die Stunden für eine Spendenbescheinigung geben? Kenne keinen...

  • Ich bin der Meinung, dass Fußball ein Alleinstellungsmerkmal hat, dass auch sportartenferne Personen das machen können (und auch in gewissem Umfang natürlich auch lernen können). Bei der Leichtathletik, Eiskunstlauf oder beim Judo in meinen Augen undenkbar.

    Das sehe ich anders - zumindest im Grundlagenbereich (vielleicht nicht bei deinen genannten Beispielen Eiskunstlauf und Judo). Ich habe schon Turner, Badmintonspieler und Basketballer begleitet und Tennistraining gegeben ohne das früher aktiv im Verein ausgeübt zu haben. Und viele Sportlehrer haben die Sportarten, die sie unterrichten auch nicht aktiv im Verein betrieben.

    Die Wahrscheinlichkeit zum Fußball zu kommen ohne das die Eltern diesen Sport betrieben haben, ist für mich höher als in jeder anderen Sportart (die werden ja teilweise "vererbt").

  • Ich bin der Meinung, dass Fußball ein Alleinstellungsmerkmal hat, dass auch sportartenferne Personen das machen können (und auch in gewissem Umfang natürlich auch lernen können). Bei der Leichtathletik, Eiskunstlauf oder beim Judo in meinen Augen undenkbar.

    Das sehe ich anders - zumindest im Grundlagenbereich (vielleicht nicht bei deinen genannten Beispielen Eiskunstlauf und Judo). Ich habe schon Turner, Badmintonspieler und Basketballer begleitet und Tennistraining gegeben ohne das früher aktiv im Verein ausgeübt zu haben. Und viele Sportlehrer haben die Sportarten, die sie unterrichten auch nicht aktiv im Verein betrieben.

    Die Wahrscheinlichkeit zum Fußball zu kommen ohne das die Eltern diesen Sport betrieben haben, ist für mich höher als in jeder anderen Sportart (die werden ja teilweise "vererbt").

    im Fußball haben viele Papis ein Interesse das ihr Filius spielt und stellen sich an den Seitenrand. Hier wird auch von den Medien vermittelt das jeder ein Profi mit dickem Einkommen wird.


    Nichtsdestotrotz, mit viel Spielzeit erreichst du das selbst der unbegabte einen geraden Ball spielen kann

  • Du meinst damit, dass Trainer nur Leute sein können, die selbst auch gespielt haben?

    Ich bin der Meinung, dass Fußball ein Alleinstellungsmerkmal hat, dass auch sportartenferne Personen das machen können (und auch in gewissem Umfang natürlich auch lernen können). Bei der Leichtathletik, Eiskunstlauf oder beim Judo in meinen Augen undenkbar.


    Hier liest man ja immer: niemanden aussortieren, selbst das größte Untalent kann noch Kassierer werden etc. Doch wird das Selbstverständnis hergestellt, dass man auch mal nen Trainerschein machen muss? Dass Schiris gestellt werden müssen? Dass ein A-Jugendlicher auch bei der F mithelfen kann? Oder ist hier der Sportler fein raus und das können gerne andere machen?

    Also aus dem Handball und Volleyball weiß ich, dass auch dort sehr häufig Leute als Jugendtrainer agieren, die selbst nie den Sport gespielt haben. Es geht auch oftmals gar nicht anders und gerade die bei Kindern sehr populären Sportarten werden es nicht hinbekommen, für alle Teams Trainer zu haben die selbst auch spielen oder gespielt haben.

    Beim Fußball kommt auch dazu, dass dieser Sport sehr präsent im TV ist und man sich zumindest in der Theorie sehr vieles relativ einfach aneignen kann. Also ich kenne ganz hervorragende Jugendtrainer, sie sich nur mit Interesse und Liebe viel theoretisches Wissen angeeignet haben und zumindest in Breitensportvereinen damit ganz hervorragende Jugendtrainer auch sind.

    Ich kenne auch B-Lizenz-Trainer, die selbst nie aktiv gespielt haben. Also möglich ist das alles bis zu einem gewissen Level.

  • In unserem Landesverband müssen Vereine pro Mannschaft, die einen SR benötigt (als ab D-Jugend aufwärts) einen Schiedsrichter stellen. Wenn nicht, muss der Verein pro fehlenden SR abhängig von der Spielklasse eine Geldstrafe (unser Verein z.B. 200€) bezahlen. Im kommenden Jahr, würde die höchstspielende Mannschaft pro fehlenden SR einen Punkt Abzug bekommen.


    Bei einem SR-Fehl ist bei uns also die 1. Herren betroffen. Daher wurde bei uns im Verein versucht aus deren Reihen SR zu gewinnen. Ist allerdings wirklich schwierig, weil eine "SR-Karriere" und eine "Spieler-Karriere" zeitlich kaum miteinander vereinbar sind. Ich hatte damals deswegen auch als SR aufgehört.

    Bei D- und teilweise C-Jugend-Mannschaften ist es wegen des Mindestalter in unserem Kreisverband (14 Jahre) kaum möglich, dass diese Schiedsrichter stellen können. Da müssten dann Eltern oder Spieler aus den höheren Mannschaften ran. Bei uns stand tatsächlich einmal zur Diskussion, eine D-Jugend nicht zu melden, weil es nicht genügend SR gab. Diese Entscheidung hätte ich nicht akzeptiert.

  • In unserem Landesverband müssen Vereine pro Mannschaft, die einen SR benötigt (als ab D-Jugend aufwärts) einen Schiedsrichter stellen. Wenn nicht, muss der Verein pro fehlenden SR abhängig von der Spielklasse eine Geldstrafe (unser Verein z.B. 200€) bezahlen. Im kommenden Jahr, würde die höchstspielende Mannschaft pro fehlenden SR einen Punkt Abzug bekommen.


    Bei einem SR-Fehl ist bei uns also die 1. Herren betroffen. Daher wurde bei uns im Verein versucht aus deren Reihen SR zu gewinnen. Ist allerdings wirklich schwierig, weil eine "SR-Karriere" und eine "Spieler-Karriere" zeitlich kaum miteinander vereinbar sind. Ich hatte damals deswegen auch als SR aufgehört.

    Bei D- und teilweise C-Jugend-Mannschaften ist es wegen des Mindestalter in unserem Kreisverband (14 Jahre) kaum möglich, dass diese Schiedsrichter stellen können. Da müssten dann Eltern oder Spieler aus den höheren Mannschaften ran. Bei uns stand tatsächlich einmal zur Diskussion, eine D-Jugend nicht zu melden, weil es nicht genügend SR gab. Diese Entscheidung hätte ich nicht akzeptiert.

    Das ist im Landesverband Brandenburg ebenso so geregelt. Geldstrafen und bei fehlender Verbesserungen gibt es Punktabzüge für die ersten Mannschaften.

    Führt dazu, dass Schiedsrichter wie Spieler richtig durch die Vereine transferiert werden und von Vereinen mit zahlungswilligen Sponsoren sogar noch extra monatliche Aufwandsentschädigungen bekommen, damit die Schiris zu ihnen wechseln.

    Zudem werden extrem viele Jugendliche gerade regelrecht zu Schiedsrichterschulungen und Zertifizierungen "überredet", damit die Vereine ihre Kontingente melden können.