Also als erstes möchte ich mal anmerken, dass mich die überbordende Zahl an Superlativen nervt und die Terminologie zu sehr ins polemische abdriftet. Mir fehlt es an "Seriosität" angesichts von angeblich drei Jahren Kinderfußballbeobachtung.
Ferner irritiert mich, dass ich hier häppchenweise (seitenweise) mit dem Briefinhalt gefüttert werden soll. Warum nicht einfach den ganzen Brief hierher und fertig. Die gesamte Tonalität schreckt mich ein wenig ab. Mehr Souveränität würde dem ganzen sicherlich gut tun.
Ich bin nun im 10. Jahr Jugendfußballtrainer und kann nur sagen, dass wir das im Württembergischen Fußballverband ganz ordentlich hinbekommen. Aktuell spielen wir - anders als der DFB empfiehlt - zwar in der E-Jugend noch im Ligasystem und fangen sogar an, nochmal einzelne Regelungen zu ändern, beispielsweise die Einführung der Rückpassregel in der U11, aber im Großen und Ganzen "machen wir es richtig".
Die Regelung, keine Ergebnisse aufzuschreiben, hat nicht den Sinn, den Kindern das Verlieren zu ersparen. Sondern den Trainern den Drang zu nehmen, Tabellenführer sein zu müssen/wollen, was zur Folge hätte, dass er nur die stärksten Spieler spielen lässt und die Schwachen a) daheim lässt oder b) feigenblattartig die letzten 2 Minuten noch einsetzt.
„Vielen Dank für dein Feedback! Dass dich meine Tonalität abschreckt, tut mir leid, aber wir sind hier in einem Fußballforum – da darf die Sprache ruhig so lebendig und direkt sein wie an der Seitenlinie im Matsch und im Regen.
Warum häppchenweise? Ganz einfach: Mein Bericht umfasst 12 Seiten geballte Praxis. Würde ich diesen Berg an Text als einen einzigen, monumentalen Post hier reinwerfen, liest ihn im Zeitalter der kurzen Aufmerksamkeitsspannen kein Mensch mehr. Die tägliche, seitenweise Diskussion gibt uns die Chance, jeden Aspekt sauber und im Detail zu besprechen.
Aber kommen wir zum sportlichen Kern deines Beitrags, für den ich dir ausdrücklich danken möchte! Du wirfst mir mangelnde Seriosität vor, lieferst aber im letzten Absatz den unumstößlichen Beweis für meine Hauptthese:
Du bestätigst im 10. Trainerjahr schwarz auf weiß, dass ihr im Württembergischen Fußballverband die DFB-Empfehlungen in der E-Jugend komplett ignoriert, weiterhin im Ligasystem spielt und eigenmächtige Regelungen (wie die Rückpassregel in der U11) einführt! Exakt das ist doch die eigenmächtige Korrektur der DFB-Reform durch die Praxis, von der meine Überschrift spricht! Ihr merkt selbst, dass die reine DFB-Theorie am grünen Tisch für die älteren Jahrgänge nicht funktioniert, und repariert das System vor Ort nach eurem gesunden Menschenverstand. Wir tun also im Grunde genau dasselbe – ich dokumentiere es nur ungeschönt.
Zu deinem letzten Punkt: Dass die Ergebnislosigkeit die Trainer disziplinieren soll, ist der richtige theoretische Ansatz des DFB. Die Praxis straft diesen Wunsch aber jeden Samstag Lügen, weil die erzwungene Mathematik des Feldwechsels (wie gestern beschrieben) die Kinder am Ende in absurde Sudden-Death-Szenarien zwingt, nur damit das System aufgeht.
Da wir nun ohnehin schon mitten in der Diskussion über die reale Trainingsarbeit stecken, blättern wir jetzt ganz souverän und ohne Umschweife die nächste Seite um. Schauen wir uns an, wie viel kostbare Ausbildungszeit im ganz normalen Trainingsalltag durch absolute Konzeptlosigkeit und das Hütchen-Korsett vernichtet wird...“
