Die Quittung der Basis: Warum die Praxis die DFB-Reform gerade eigenmächtig korrigiert (Tagebuch Teil 1/12)

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  • Hallo Trainerkollegen,
    ich habe mir das Ganze nicht gestern Abend aus den Fingern gesaugt. Ich habe die Realität an unserer Basis über die letzten 3 Jahre (von den Bambini bis zum U9-Altjahrgang) ganz genau beobachtet, analysiert und dokumentiert. Ich habe miterlebt, wie die Praxis die DFB-Reformen auf ihre eigene Weise korrigiert, während Scouts die Jüngsten plündern, Eltern bei Ausbildungskosten zur Kasse gebten werden, Torhüter wegzensiert werden und der alltägliche Materialwahnsinn regiert.
    Um keine ehrenamtlichen Kollegen im Kreis zu denunzieren oder lokale Fehden auszulösen, verzichte ich im Text komplett auf konkrete Vereinsnamen oder geografische Daten. Es geht mir hier rein um die strukturellen Fehler des Systems!


    🚨 BRANDAKTUELLES UPDATE VORAB – Die DFB-Zentrale kopiert bereits unsere Argumente!

    Ich habe die Nase endgültig voll gehabt. Mein 12-seitiger Praxisbericht ging vor wenigen Tagen als personifizierte Breitseite an 14 Top-Entscheider des deutschen Fußballs (u.a. Neuendorf, Wolf, Blask und dem scheidenden Geschäftsführer Andreas Rettig) sowie an das Management von Jürgen Klopp.


    Habt ihr die große Pressekonferenz zur Vorstellung von Jürgen Klopp und dem neuen Sportgeschäftsführer Per Mertesacker verfolgt? Ist euch aufgefallen, wie Mertesacker in seinem offiziellen Antrittsstatement plötzlich betont, man müsse ein Umfeld schaffen, in dem Spieler wieder „Verantwortung übernehmen“ und die Entwicklung „von der Basis an“ neu gestaltet werden muss? Das ist die direkte Reaktion auf den Druck von unten!


    Die Nervosität in Frankfurt ist riesig: Nur wenige Stunden nach dem Mail-Versand hat Andreas Rettig meinen Bericht persönlich gelesen und mich über die sportliche Leitung (Bereich Teams, Training & Entwicklung) sofort zu einem persönlichen Krisengespräch an den DFB-Campus nach Frankfurt eingeladen! Man wollte die nackte Wahrheit über den Zombieball, die Ausrüstungs-Abzocke und das Torwart-Sterben ganz schnell hinter verschlossenen Türen bei Kaffee und Keksen beruhigen.


    Ich habe diese Einladung sowie einen anschließenden Videocall im Namen des Schutzes unserer Vereine konsequent ABGELEHNT. Die Wahrheit gehört ins Rampenlicht der Öffentlichkeit und nicht in die klimatisierten Frankfurter Büros! Ich habe den DFB zu einer rein schriftlichen Stellungnahme zu meinen Kernforderungen gezwungen. Bis dato herrscht dort nun eisiges Schweigen – sie haben den nackten Fakten der Basis schlicht nichts entgegenzusetzen.


    Und genau deshalb wird der Bericht jetzt hier für alle öffentlich. In den nächsten 12 Tagen veröffentliche ich Stück für Stück mein persönliches „Tagebuch des Wahnsinns“ – jeden Tag exakt eine Seite. Schaut hin, vergleicht es mit euren Plätzen und lasst uns den Funktionären zeigen, was an der Front wirklich schiefläuft!


    Hier ist der offizielle Brief, gefolgt von TAG 1 / SEITE 1:

    Betreff: Praxisbericht U7–U11: Totale Kluft zwischen DFB-Theorie und Vereinsrealität
    „Mit bloßen Hütchen-Aufstellern wachsen keine Thomas Müllers nach!“


    Sehr geehrte Damen und Herren,

    werter DFB,
    die vom DFB proklamierte „Trainingsphilosophie Deutschland“ fordert völlig zu Recht die Wiederbelebung des Bolzplatz-Gedankens, um im gehobenen Jugendbereich wieder kreative, instinktgeleitete „Straßenfußballer“ entwickeln zu können. Deutschland braucht diese Spielertypen wieder – das historische und unbegreifliche Vorrunden-Aus unserer Nationalmannschaft gegen Paraguay bei der Weltmeisterschaft am 29. Juni dieses Jahres hat diesen eklatanten Mangel an individueller Klasse und fußballerischer Qualität einmal mehr unbarmherzig offengelegt.


    Aus der alltäglichen Praxis an der direkten Vereinsbasis muss ich Ihnen jedoch spiegeln: Wunsch und Wirklichkeit klaffen meilenweit auseinander. Da die im Folgenden skizierten Probleme struktureller Natur sind, verzichte ich bewusst auf die Nennung konkreter Vereinsnamen oder Fußballkreise. Es geht mir nicht darum, engagierte Ehrenamtliche zu denunzieren, sondern auf ein fundamentales Systemversagen hinzuweisen – in der Hoffnung, dass die Verbandsspitze die Augen vor der Realität nicht länger verschließt, ihre warmen Sessel räumt und Platz für echte Macher zur Verfügung stellt.


    📘 TAG 1 / SEITE 1: AKTUELLES VORWORT – FRISCH VOM PLATZ DIREKT IN IHR BÜRO!
    Was ich am vergangenen Wochenende live auf einem offiziellen Spielfest erleben musste, schlägt dem Fass endgültig den Boden aus. Es entlarvt die theoretische Scheinwelt Ihres DFB-Kinderkonzepts als das, was sie in Wahrheit ist: kinderfeindlich, bürokratisch und absolut schizophren.
    Sie verkaufen Ihre Reform mit der verlogenen Phrase, man wolle „den Druck von den Kindern nehmen“. Die Realität sieht anders aus: Zwei normale Sportplätze wurden in einer beispiellosen Materialschlacht in 20 Mini-Spielfelder zersägt. Über 250 Hütchen und Plättchen verwandelten den Rasen in eine unüberschaubare, unpersönliche Legebatterie. Bei einer Spielzeit von 1 x 7 Minuten ging zudem fast die Hälfte der Zeit für die reine Ballrückholung auf den viel zu eng gebauten Nachbarfeldern verloren – Netto-Spielzeit: Lächerliche 4 Minuten.


    Und dann die gelebte Schizophrenie Ihres Regelwerks: „Es wird nicht gewertet, aber wer verliert, steigt ab.“ Ein U9-Spieler zeigte exakt das, was Sie angeblich fordern: Spielintelligenz. Er erkannte die Lücke und erzielte ein geniales Tor direkt aus der eigenen Hälfte – nur um von Ihren bürokratischen Regeln eiskalt zurückgepfiffen zu werden. Das Tor zählte nicht! Kurz darauf schoss er mit dem Schlusspfiff das reguläre 1:0. Wieder aberkannt. Ein faires Unentschieden? Darf es laut Statut nicht geben, weil sonst Ihre mathematische Excel-Tabelle für den Feldwechsel nicht aufgeht! Ein unschuldiges „Schere-Stein-Papier“ zur Feldeinteilung wäre ja noch erträglich gewesen (obwohl selbst das eine Wertung darstellt).
    Aber was macht Ihr angeblich „druckfreies“ Konzept stattdessen? Es zwingt 8-jährige Kinder in ein mörderisches, psychologisch absolut verwerfliches „Sudden Death“-Ausschießen auf ein leeres Tor! Ein einziger Schütze pro Team. Die gesamte psychologische Last eines Mannschaftssports wird hierbei auf die schmächtigen Schultern eines einzigen Kindes abgewälzt, während die Eltern am Rand zuschauen. Am Wochenende traf es einen Spieler. Unter diesem maximalen, künstlich erzeugten Stress schoss er vorbei. Das Spiel war verloren (was ganz nebenbei wieder eine knallharte WERTUNG ist), die Mannschaft stieg ab und das Kind lag am Boden zerstört und weinend auf dem Platz. Ist das so gewollt in Ihren Ausschüssen? Sie nehmen den Kindern die normale, gesunde Tabelle weg, um ein sauberes Image zu pflegen, und im selben Atemzug erfindet Ihr Verband ein bürokratisches Monster, das ein einzelnes Kind psychologisch kollabieren lässt, nur damit Ihr künstlicher Feldwechsel mathematisch aufgeht! Das ist an Doppelmoral nicht zu überbieten. Versagt hat gestern nicht der 8-jährige Spieler – versagt hat exakt Ihr theoretisches, so hochgelobtes Konzept!


    Lesen Sie daher bitte ab morgen die nackten Fakten meines dreijährigen Beobachtungszyklus, der vor sechs Wochen an mehreren anderen Stellen des DFB arrogant ignoriert wurde: Keine inhaltliche Antwort, keine Reaktion, nur standardisierte, automatisierte Textbausteine.


    Fortsetzung folgt morgen:

    TAG 2 / SEITE 2 (Der taktische Wahnsinn in der U9, das 35-Minuten-Zombieball-Debakel und das Smartphone-Absagen-Paradoxon)

    Mit sportlichen Grüßen,

    Beobachter_Basis

  • Aber was macht Ihr angeblich „druckfreies“ Konzept stattdessen? Es zwingt 8-jährige Kinder in ein mörderisches, psychologisch absolut verwerfliches „Sudden Death“-Ausschießen auf ein leeres Tor! Ein einziger Schütze pro Team.

    In welchem Konzept steht das? Das habe ich noch nie gehört und gelesen. Gibt es dazu bitte eine Quelle? Danke.

  • Und jetzt kommen wieder die speziellen Verbandsumsetzungen ins Spiel :)

    Die Verbände haben ja wie immer etwas Spielraum in der Umsetzung. Konkret. Jeder macht was anderes. :/ Und dann kommt halt so was raus in manchen Verbänden.

    Eigentlich empfiehlt der DFB zumindest laut „Anpassungen – Wettbewerbsformen im Kinderfußball“


    Champions League Modus: Bei Unentschieden steigt das Team auf, welches das letzte Tor erzielt hat; bei 0:0 entscheidet Stein-Schere-Papier

    Ich persönlich finde die "letztes Tor" Regel ja auch nicht sonderlich fair. Warum hat das Team "gewonnen" nur weil es das letzte Tor erzielt hat. :) Da ist mir Schnick, Schnack, Schnuck lieber und so mache ich es auch. Damit kommen alle klar. Geht schnell. Fertig.


    Zur Thematik. Muss ich jedes Kind vor jeder möglichen Niederlage schützen? Ich weiß auch nicht. Gehört dazu und muss der eine oder andere Spieler verdauen lernen. Auch schon in dem Alter. So ist das Leben. Es können nicht immer alle nur gewinnen...

    Obwohl ich dem Fall schon eher Schnick, Schnack, Schnuck vorgeben würde. Warum da so ein unnötiges Prozedere einführen beim Feldwechsel...

    Ganz ehrlich, die Thematik mit den nicht gegebenen Toren verstehe ich auch nicht wirklich, warum das kritisiert wurde. So sind die Regeln. Wenn die nicht da sind, schießen einige aus allen Lagen, während sie lieber dribbeln sollten... Außerdem ist halt irgendwann das Spiel vorbei, dann zählt das Tor nicht mehr. Manchmal gibt es Diskussionen dazu, aber da kann der DFB jetzt irgendwie auch nichts dafür.

  • Aber was macht Ihr angeblich „druckfreies“ Konzept stattdessen? Es zwingt 8-jährige Kinder in ein mörderisches, psychologisch absolut verwerfliches „Sudden Death“-Ausschießen auf ein leeres Tor! Ein einziger Schütze pro Team.

    In welchem Konzept steht das? Das habe ich noch nie gehört und gelesen. Gibt es dazu bitte eine Quelle? Danke.

    „Genau das ist der springende Punkt, an dem Wunsch und Wirklichkeit krachend auseinanderbrechen! In den theoretischen Hochglanzbroschüren des DFB wirst du das Wort ‚Sudden Death‘ natürlich nicht finden – dort existiert es schlichtweg nicht.

    Die nackte Wahrheit auf unseren Sportplätzen sieht jedoch völlig anders aus: Da es laut offiziellen DFB-Regeln beim Kinderfußball-Festival keine Tabellen und keine regulären Unentschieden geben darf, das Festival aber zwingend ein mathematisches Auf- und Abstiegssystem nach jeder Runde verlangt (Feldwechsel-Prinzip), stehen die ehrenamtlichen Ausrichter vor Ort bei Gleichstand nach 7 Minuten vor einem logistischen Kollaps. Die Excel-Tabelle des Verbandes verlangt einen eindeutigen Sieger, damit der Feldwechsel mathematisch aufgeht.

    Und genau aus dieser Not heraus wird das Regelwerk an der Basis eigenmächtig pervertiert: Weil die Zeit drängt und das nächste Spiel sofort starten muss, erfinden die Kreise oder Ausrichter genau diese grausamen Notlösungen wie das ‚Ausschießen auf das leere Tor im Sudden Death‘.

    Ich fordere hier keine gedruckte Quelle des DFB – ich dokumentiere die gelebte, ungeschönte Realität, die am vergangenen Wochenende exakt so auf einem offiziellen Spielfest unseres Kreises stattgefunden hat. Das ist das direkte Resultat eines bürokratischen Monsters, das den Druck angeblich von den Kindern nehmen will, sie in der Praxis aber psychologisch kollabieren lässt, nur damit ein theoretischer Feldwechsel mathematisch aufgeht. Wer das noch nie gehört oder gesehen hat, sollte dringend seinen warmen Sessel verlassen und sich am Samstagmorgen mal an die echte, ungeschönte Basis stellen!“

  • „Danke für diese ehrliche Bestätigung aus deiner Praxis! Du zeigst genau das auf, was ich meine: Jeder Verband kocht sein eigenes Süppchen, und am Ende kommt ein bürokratisches Regel-Chaos heraus, bei dem selbst die Trainer nicht mehr durchblicken.

    Aber zu deinen zwei entscheidenden Denkfehlern möchte ich gerne konkret Stellung beziehen:

    1. Der Unterschied zwischen einer sportlichen Niederlage und psychologischem Stress:

    Niemand fordert, Kinder vor Niederlagen in Watte einzupacken! Eine normale Niederlage im Fußball ist gesund: Das Team verliert als Mannschaft 1:3, man schüttelt dem Gegner die Hand, ärgert sich gemeinsam in der Kabine, trinkt eine Limo und nächste Woche geht es weiter. Das ist Sport.

    Was am Wochenende passiert ist, war aber keine normale sportliche Niederlage! Hier wurde die gesamte psychologische Last eines Mannschaftssports im ‚Sudden Death‘ auf die schmächtigen Schultern eines einzigen 8-jährigen Kindes abgewälzt – vor den Augen aller gaffenden Eltern. Und warum? Nicht aus sportlichen Gründen, sondern nur damit die mathematische Excel-Tabelle des Verbandes für den Feldwechsel aufgeht! Das hat mit ‚Verdauen lernen‘ nichts zu tun. Das ist das brutale Abschieben von Verbandsunfähigkeit auf die Psyche eines Kindes. Wenn selbst du als Trainer sagst, Schnick-Schnack-Schnuck sei dir da lieber, merkst du doch selbst, wie absurd das DFB-Konzept in der Realität mutiert.

    2. Das Verbot von Toren aus der eigenen Hälfte:

    Zu sagen, das Verbot sei gut, damit die Kinder ‚lieber dribbeln‘, ist die absolute Krönung der theoretischen Fehlsteuerung. Wenn ein 8-jähriger Junge in der U9 im Bruchteil einer Sekunde erkennt, dass der gegnerische Torwart oder die Verteidiger zu weit aufrücken, den Mut besitzt, den Kopf hochzunehmen und den Ball präzise aus der eigenen Hälfte über alle hinweg ins Tor schießt – dann ist das pure Spielintelligenz und Handlungsschnelligkeit!

    Genau diese Instinkte fordert der DFB in seinen Theorie-Broschüren gebetsmühlenartig ein. Wenn wir dieses genial antizipierte Tor dann aber mit der bürokratischen Begründung ‚Du hättest aber lieber dribbeln sollen‘ eiskalt aberkennen, erziehen wir die Kinder zu starren, mutlosen System-Robotern.

    Wir nehmen den Kindern die natürliche Freude am Torerfolg weg, um sie in ein künstliches Lehrbuch-Korsett zu pressen. Und genau deshalb wachsen an unserer Basis eben keine kreativen Thomas Müllers mehr nach, sondern nur noch glattgebügelte Hütchen-Abspurter. Die Praxis straft die Theorie hier Tag für Tag Lügen!“

  • Ich persönlich finde die "letztes Tor" Regel ja auch nicht sonderlich fair. Warum hat das Team "gewonnen" nur weil es das letzte Tor erzielt hat. :) Da ist mir Schnick, Schnack, Schnuck lieber...

    Der Grundgedanke bzgl. der "letztes Tor Relgel" ist es, sich gerade bei so kurzen Spielzeiten nicht auf der Führung "auszuruhen" und die Zeit "routiniert" runterzuspielen.


    Kann schmerzhaft sein, wenn man den Ausgleich kurz vor Schluss bekommt obwohl man besser war...😥


    Aber auch die Möglichkeit des "Lucky-Punch" gehört zum Sport und kann die zurückliegende schwächere Mannschaft motivieren bis zum Schluss um den Sieg zu kämpfen.


    => Ich finde die Regel gut.


    Beim 0-0 kann man Schnick-Schnack-Schnuck spielen (glückssache) oder die Heim-Mannschaft gewinnt ("Heimvorteil" 🙂)

  • Ich fühle jetzt schon, die Diskussion könnte sehr komplex werden. Weiß nicht, ob ich dafür Zeit habe :)


    1,

    Ja, bei den verschiedenen Entscheidungsvarianten bei Unentschieden wird die Last auf einzelne Spieler geladen. 9/11m Schiessen usw... Die Spieler können aber nicht nur verlieren, sondern auch zu Heros werden im Team. Braucht es das im Kinderfussball. Denke nicht.

    Braucht es das überhaupt, später? Siehe Jonathan Tah oder unzählige Engländer. In Kolumbien kannst Du auch mal erschossen werden...

    Man hat schon vieles ausprobiert bei Unentschieden, aber die geniale Idee fehlt noch um das sportlich zu lösen, ohne dass Verlierer übrig bleiben. Hast Du eine Idee? Der Champions League Modus benötigt einen Sieger. Natürlich könnten wir auch ein Münze schmeißen. Das dem Zufall zu überlassen mag im Kinderfussball noch ok sein, aber dann?


    2,

    Ich habe die Vermutung, dass Du kein Fussball Trainer bist? Sonst würdest Du vielleicht erfahren haben was passiert, wenn Regeln dieser Art nicht aktiv sind. Im Funino gibt es übrigens auch die Schusszone, in der Tore zählen und sonst nicht.

    Diese Regeln sind vor allem eingeführt worden um sinnloses Rumgeballere aus allen Lagen einzudämmen. Die Spieler sollen sich dribbelnd oder mit Pässen aus der eigenen Hälfte in die Schusszone vorarbeiten und Lösungen dazu finden. Die Jungs kennen die Regeln meist genau und versuchen alles aus dem Regelpaket rauszuholen. Da sind sie schon recht pfiffig.

    Sehe ich da jetzt den neuen Messi, nur weil er aus der eigenen Hälfte geschossen hat. Sorry, also ganz so euphorisch wie Du bin ich jetzt noch nicht. :)


    Regeln derlei Art hat es bei Thomas Müller auch schon gegeben. Hat ihn nicht verhindert...

  • Felix007

    Ich sehe schon den Gedanken hinter der Regel, aber am Ende bleibt es ein Unentschieden.


    Vielleicht haben auch beide Mannschaften bis zum Schluss gekämpft und es war pures Glück, wie die Tore gefallen sind. Aber klar, man kann das so machen.

    Bin gespannt, ob die Regel bei der nächsten WM schon eingeführt ist :)

  • Naja, am Ende ist Schnick-Schnack-Schnuck auch nur ein Glücksspiel, da kann man dann auch das Glück im eigentlichen Fußballspiel honorieren. Daher die Regel mit dem Heimvorteil oder eben letztes Tor gewinnt.


    PS:

    Letztes Tor gewinnt haben wir auf dem so oft zitieren Bolzplatz immer gespielt... Selbst wenn es vorher nicht unentschieden war... 😀

  • Lass mich raten: dein Sohn hat es leider erwischt und er war sowohl der Unglückliche beim Sudden Death als auch mit dem wahnsinnigen Fernschuss, der nicht gezählt wurde...

  • Felix007

    Der Unterschied zwischen dir und mir ist.


    Bei mir endet das Spiel Unentschieden und beide Teams wissen das. Danach kommt das Glück ins Spiel, rein für den Modus. Ich lasse ein sportliches Unentschieden zu.


    Bei Dir bekommt das letzte erzielte Tor eine höhere Wertigkeit. Das wurde erst vor kurzem erfunden. Also bei mir damals auf dem Bolzplatz im letzten Jahrtausend gab es das definitiv noch nicht :)


    Aber wenn ich so darüber nachdenke. Deutschland gg Paraguay: 1:1

    Paraquay 42 Min

    Deutschland 54 Min

    Wir wären weiter, vielleicht sogar Weltmeister geworden. Nagelsmann wäre noch Trainer. Alles wäre gut. Ja ok :)

  • Zur Ausgangsthematik muss man noch anmerken.


    Kann natürlich schon auch sein, dass die Basis, der Veranstalter mal wieder eigene Regeln erfunden hat für das Festival. Man weiß es nicht, aber würde mich auch nicht wirklich wundern.

  • Beobachter_Basis

    Huch, das ist ein ordentliches Fass, das du da eröffnet hast. Ich finde, dass du in manchen Punkten zwar Recht hast, aber dich im Namen "unserer Basis" so beim DFB zu äußern ist meiner Meinung nach zumindest mal fragwürdig.


    Die DFB-Reform des Kinderfussballs ist mMn eine der wichtigsten und richtigsten Entscheidungen der letzten Jahrzehnte. Dass nicht alles auf Anhieb funktioniert und es nach wie vor Trainer und Funktionäre gibt, die ihr eigenes Süppchen zu kochen versuchen ist klar. Die muss man ansprechen und versuchen zu überzeugen. Jedoch das ganze System so in Frage zu stellen und es als versagt anzusehen, da gehe ich nicht mit.

  • Also als erstes möchte ich mal anmerken, dass mich die überbordende Zahl an Superlativen nervt und die Terminologie zu sehr ins polemische abdriftet. Mir fehlt es an "Seriosität" angesichts von angeblich drei Jahren Kinderfußballbeobachtung.


    Ferner irritiert mich, dass ich hier häppchenweise (seitenweise) mit dem Briefinhalt gefüttert werden soll. Warum nicht einfach den ganzen Brief hierher und fertig. Die gesamte Tonalität schreckt mich ein wenig ab. Mehr Souveränität würde dem ganzen sicherlich gut tun.


    Ich bin nun im 10. Jahr Jugendfußballtrainer und kann nur sagen, dass wir das im Württembergischen Fußballverband ganz ordentlich hinbekommen. Aktuell spielen wir - anders als der DFB empfiehlt - zwar in der E-Jugend noch im Ligasystem und fangen sogar an, nochmal einzelne Regelungen zu ändern, beispielsweise die Einführung der Rückpassregel in der U11, aber im Großen und Ganzen "machen wir es richtig".
    Die Regelung, keine Ergebnisse aufzuschreiben, hat nicht den Sinn, den Kindern das Verlieren zu ersparen. Sondern den Trainern den Drang zu nehmen, Tabellenführer sein zu müssen/wollen, was zur Folge hätte, dass er nur die stärksten Spieler spielen lässt und die Schwachen a) daheim lässt oder b) feigenblattartig die letzten 2 Minuten noch einsetzt.

  • Also als erstes möchte ich mal anmerken, dass mich die überbordende Zahl an Superlativen nervt und die Terminologie zu sehr ins polemische abdriftet. Mir fehlt es an "Seriosität" angesichts von angeblich drei Jahren Kinderfußballbeobachtung.


    Ferner irritiert mich, dass ich hier häppchenweise (seitenweise) mit dem Briefinhalt gefüttert werden soll. Warum nicht einfach den ganzen Brief hierher und fertig. Die gesamte Tonalität schreckt mich ein wenig ab. Mehr Souveränität würde dem ganzen sicherlich gut tun.


    Ich bin nun im 10. Jahr Jugendfußballtrainer und kann nur sagen, dass wir das im Württembergischen Fußballverband ganz ordentlich hinbekommen. Aktuell spielen wir - anders als der DFB empfiehlt - zwar in der E-Jugend noch im Ligasystem und fangen sogar an, nochmal einzelne Regelungen zu ändern, beispielsweise die Einführung der Rückpassregel in der U11, aber im Großen und Ganzen "machen wir es richtig".
    Die Regelung, keine Ergebnisse aufzuschreiben, hat nicht den Sinn, den Kindern das Verlieren zu ersparen. Sondern den Trainern den Drang zu nehmen, Tabellenführer sein zu müssen/wollen, was zur Folge hätte, dass er nur die stärksten Spieler spielen lässt und die Schwachen a) daheim lässt oder b) feigenblattartig die letzten 2 Minuten noch einsetzt.

    Seh ich auch so. Außer der Beobachtung eines ggf. schlecht organisierten Festivals besticht der ganze Beitrag hauptsächlich durch Polemik und negatives Framing.

  • Felix007

    Ich sehe schon den Gedanken hinter der Regel, aber am Ende bleibt es ein Unentschieden.


    Vielleicht haben auch beide Mannschaften bis zum Schluss gekämpft und es war pures Glück, wie die Tore gefallen sind. Aber klar, man kann das so machen.

    Bin gespannt, ob die Regel bei der nächsten WM schon eingeführt ist :)

    „Genau das ist der Punkt: Es bleibt ein ehrliches, faires Unentschieden! Zwei Mannschaften haben sich reingehängt, alles gegeben und sich am Ende die Punkte brüderlich geteilt. Das ist der pure, sportliche Anstand, den wir Kindern vermitteln sollten.

    Aber anstatt diesen Stolz über ein erkämpftes Remis zuzulassen, bügelt das System die Realität glatt, weil ein Unentschieden das mathematische Auf- und Abstiegssystem der Excel-Tabelle auf dem Platz sprengen würde.

    Und zu deiner Frage mit der nächsten Weltmeisterschaft: Schau dir das historische WM-Aus unserer Nationalmannschaft in diesem Sommer an und lies die aktuellen Antrittszitate unseres neuen DFB-Sportgeschäftsführers Per Mertesacker! Selbst die absolute Verbandsspitze fordert nach der bitteren Pleite plötzlich panisch im Minutentakt, dass wir an der Basis wieder ein Umfeld schaffen müssen, in dem Kinder lernen, ‚Verantwortung zu übernehmen‘ und echte Widerstände zu überwinden.

    Die Realität auf den Plätzen sieht durch solche absurden Regeln aber völlig anders aus. Solange wir ehrliche Unentschieden verbieten und 8-Jährige lieber in ein mörderisches Sudden-Death-Ausschießen jagen, züchten wir mutlose System-Roboter statt widerstandsfähige Gewinner-Typen heran. Die Quittung für dieses Glattbügeln bekommen wir dann Jahre später ganz oben im Herrenbereich serviert. Das Rad muss nicht neu erfunden werden – es muss nur der gesunde Menschenverstand zurück auf den Platz!“

  • Was am Wochenende passiert ist, war aber keine normale sportliche Niederlage! Hier wurde die gesamte psychologische Last eines Mannschaftssports im ‚Sudden Death‘ auf die schmächtigen Schultern eines einzigen 8-jährigen Kindes abgewälzt – vor den Augen aller gaffenden Eltern. Und warum? Nicht aus sportlichen Gründen, sondern nur damit die mathematische Excel-Tabelle des Verbandes für den Feldwechsel aufgeht! Das hat mit ‚Verdauen lernen‘ nichts zu tun. Das ist das brutale Abschieben von Verbandsunfähigkeit auf die Psyche eines Kindes.

    2. Das Verbot von Toren aus der eigenen Hälfte:

    Zu sagen, das Verbot sei gut, damit die Kinder ‚lieber dribbeln‘, ist die absolute Krönung der theoretischen Fehlsteuerung. Wenn ein 8-jähriger Junge in der U9 im Bruchteil einer Sekunde erkennt, dass der gegnerische Torwart oder die Verteidiger zu weit aufrücken, den Mut besitzt, den Kopf hochzunehmen und den Ball präzise aus der eigenen Hälfte über alle hinweg ins Tor schießt – dann ist das pure Spielintelligenz und Handlungsschnelligkeit!

    Lass mich raten: dein Sohn hat es leider erwischt und er war sowohl der Unglückliche beim Sudden Death als auch mit dem wahnsinnigen Fernschuss, der nicht gezählt wurde...

    „Nette Spekulation, aber da muss ich dich leider enttäuschen: Ich habe überhaupt keinen Sohn in diesem Alter auf dem Platz stehen.
    Merkst du eigentlich, wie bezeichnend deine Reaktion ist? In dem Moment, in dem die nackten, logischen Argumente der Praxis – wie das logistische Einknicken der Verbände vor Excel-Tabellen oder das softwareseitige Wegzensieren von Spielintelligenz – nicht mehr sachlich widerlegt werden können, flüchtet man sich in die persönliche Unterstellung und versucht den Beobachter als ‚beleidigten Vater‘ abzustempeln.
    Genau das ist die typische Abwehrhaltung der Funktionärsebene, wenn jemand den Finger ungeschönt in die Wunde legt: Man sucht den Fehler beim Kritiker, statt sich den eklatanten Fehlern des eigenen Systems zu stellen.
    Ob es an jenem Wochenende mein Kind, das Kind des Nachbarn oder ein völlig fremdes Kind war, das unter eurem künstlichen ‚Sudden Death‘-Stress weinend auf dem Rasen lag, ist für die systemische Kritik völlig irrelevant. Es ist passiert. Und es passiert jeden Samstag auf Deutschlands Sportplätzen, weil die Theorie an der Realität vorbeigeplant wurde.
    Aber anstatt weiter Nebelkerzen über meine Familienverhältnisse zu werfen, blättern wir doch einfach mal das nächste Kapitel auf – heute schauen wir uns an, wie viel wertvolle Trainingszeit durch pure Sorglosigkeit und methodische Hektik im Alltag verbrannt wird.“

  • „Da hast du vor lauter Tipp-Hektik die Minuten deiner eigenen Rechnung verdreht: Wenn Paraguay in der 42. Minute das 1:0 schießt und Deutschland in der 54. Minute das 1:1 erzielt, dann war das deutsche Tor das letzte Tor des Spiels. Nach der absurden DFB-Logik, die du hier verteidigst, wäre Deutschland also weitergekommen! Merkste selbst, oder? 😉

    Aber Spaß beiseite: Du merkst doch an deinem eigenen Beitrag, wie tief wir schon im Sumpf der künstlichen Verbandsmathematik stecken, wenn wir ernsthaft darüber diskutieren müssen, welches Tor im Fußball ‚mehr wert‘ ist, nur damit eine Excel-Tabelle auf dem Dorfplatz aufgeht.

    Es freut mich aber ehrlich, dass du in deiner eigenen Trainerpraxis das sportliche Unentschieden zulässt. Damit korrigierst du den Verbandsirrsinn ja genau auf die eigenmächtige Weise an der Basis, von der ich in meiner Überschrift spreche! Wir sind da also im Kern völlig einer Meinung.

    Und genau um diese mangelnde Struktur und die Sorglosigkeit der Erwachsenen auf dem Platz geht es jetzt im nächsten Kapitel. Lassen wir die Tabellen mal beiseite und schauen uns an, wie im Trainingsalltag massenhaft kostbare Ausbildungszeit vernichtet wird...“

  • Zur Ausgangsthematik muss man noch anmerken.


    Kann natürlich schon auch sein, dass die Basis, der Veranstalter mal wieder eigene Regeln erfunden hat für das Festival. Man weiß es nicht, aber würde mich auch nicht wirklich wundern.

    „Exakt genau das ist mein Reden! Du bringst es im letzten Satz perfekt auf den Punkt: Die Verbände verordnen am grünen Tisch theoretische Hochglanz-Festivals, aber lassen die ehrenamtliche Basis vor Ort mit der logistischen und mathematischen Umsetzung komplett im Regen stehen. Und das Ergebnis ist genau dieser Wildwuchs an absurden Eigenkreationen wie das ‚Sudden-Death-Ausschießen‘, um den Feldwechsel zu retten.

    Wir sind uns im Kern also völlig einig: Das theoretische Konzept kollabiert an der harten Realität der Praxis.

    Da der sprichwörtliche Elefant im Raum damit benannt ist, schlagen wir jetzt wie versprochen das nächste Kapitel auf. Schauen wir uns an, wie dilettantisch die kostbare Ausbildungszeit im ganz normalen Trainingsalltag durch absolute Konzeptlosigkeit und das Hütchen-Korsett vernichtet wird...“

  • Beobachter_Basis

    Huch, das ist ein ordentliches Fass, das du da eröffnet hast. Ich finde, dass du in manchen Punkten zwar Recht hast, aber dich im Namen "unserer Basis" so beim DFB zu äußern ist meiner Meinung nach zumindest mal fragwürdig.


    Die DFB-Reform des Kinderfussballs ist mMn eine der wichtigsten und richtigsten Entscheidungen der letzten Jahrzehnte. Dass nicht alles auf Anhieb funktioniert und es nach wie vor Trainer und Funktionäre gibt, die ihr eigenes Süppchen zu kochen versuchen ist klar. Die muss man ansprechen und versuchen zu überzeugen. Jedoch das ganze System so in Frage zu stellen und es als versagt anzusehen, da gehe ich nicht mit.

    „Danke für deine differenzierte Meinung! Es ist völlig legitim, dass du beim Gesamtfazit eine andere Abzweigung nimmst als ich. Aber genau deshalb diskutieren wir hier ja.

    Erlaube mir zwei klare Gedanken zu deinen Punkten:

    1. Wer ist ‚die Basis‘?

    Ich habe mich in meiner Mail an den DFB ganz bewusst nicht als gewählter Sprecher oder Funktionär inszeniert. Ich habe mich als das betitelt, was ich bin: Ein unabhängiger Beobachter der deutschen Fußballbasis. Und wenn ich die Missstände von den Sportplätzen protokolliere – den Materialwahnsinn, das Torwart-Sterben, den psychologischen Stress durch Sudden-Death-Ausschießen –, dann ist das kein ‚fragwürdiges Äußern im Namen anderer‘. Es ist das ungeschönte Dokumentieren der Realität, die tausende Ehrenamtliche schweigend ertragen müssen, weil ihnen vor lauter Schlepparbeit die Zeit fehlt, selbst einen 12-seitigen Bericht zu verfassen. Wenn der DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig diesen Bericht persönlich liest und mich sofort zu einem Krisengespräch einlädt, zeigt das doch nur, wie dringend Frankfurt genau diese ungefilterte Stimme von unten braucht!

    2. Systemversagen vs. Startschwierigkeiten:

    Du sagst, die Reform sei die wichtigste Entscheidung seit Jahrzehnten. Mag sein, dass die Grundidee (viele Ballkontakte, Bolzplatz-Gedanke) in der Theorie glänzt. Aber ein Konzept ist immer nur so gut wie seine reale Umsetzbarkeit. Wenn ein System nach Jahren der Einführung im Alltag flächendeckend dazu führt, dass Vereine logistisch kollabieren, Trainer Trainingszeiten per Smartphone wegen 9 Kindern absagen und Talente nach drei Jahren auf demselben Stand verharren, dann reden wir nicht mehr von ‚Startschwierigkeiten‘. Dann reden wir von einem fundamentalen Konstruktionsfehler am grünen Tisch. Man kann ein Pferd nicht von hinten aufzäumen: Man kann keine Spielformen diktieren, ohne die notwendige Infrastruktur, die kostenlose Trainerausbildung und die logistische Entlastung des Ehrenamts mitzuliefern.

    Aber genau zu dieser Ineffizienz und der realen Trainingspraxis blättern wir jetzt das nächste Kapitel auf. Schauen wir uns an, wie viel kostbare Ausbildungszeit im ganz normalen Trainingsalltag durch absolute Konzeptlosigkeit und das Hütchen-Korsett vernichtet wird...“