Trainingsplanung D-Jugend

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  • Der ein oder andere kennt mich wahrscheinlich noch, ich war jahrelang sehr aktiv hier. Jetzt, nach zwei Jahren im Herrenbereich, hat es mich wieder in die Jugend verschlagen.


    Seit ein paar Wochen bin ich nun Jugendleiter (A-C) in einem relativ großen Verein (Herren Landesliga, meiste Jugendteams ebenfalls). Nebenbei mache ich noch den Torwarttrainer bei einer D-Jugend. Nun bin ich natürlich in einer Doppelfunktion: habe die oberen Jugendteams im Blick, aber habe auch Einblick in das Training der aktuellen D2 (zukünftigen D1). Problem: Das Training und der Umgang mit den Kindern ist nicht altersgerecht.


    Die Empfehlung vom DFB ist klar und wenn man minimal davon abweicht, kann das natürlich auch noch altersgerecht sein. Wenn bei 11-Jährigen Spielern:

    - ausschließlich positionsgetreu trainiert wird (heißt: bei der Torschussübung schießt nur der Stürmer aufs Tor, nur die Flügelspieler flanken, nur die zentralen Spieler starten die Übung)

    - ab Juli dreimal die Woche fünfzehn Minuten Platzrunden auf Zeit gelaufen werden

    - im Training möglichst 9gg9 gespielt wird

    - feste Spielzüge erwartet werden (die außerdem ihre technischen Fähigkeiten überfordern, z.B. Flugball)

    - Spielzeit nicht gleichmäßig verteilt wird (zum Teil nicht alle aus dem Spieltagskader eingesetzt)

    - die neue "Kaderplanung" 19 Spieler beinhaltet (für 9er-Feld, darunter drei Torhüter), dafür fallen auch Ausbildungsentschädigungen an


    läuft da irgendwie alles falsch, was falsch laufen kann.


    Ich habe das zunächst im Trainerteam angesprochen. Habe dann jeweils 20 Minuten zu Beginn des Trainings erbeten und in der Zeit Übungen gemacht, die Altersgerecht sind und gehofft, dass es eine Wirkung auf die anderen Trainer hat. Dann kam der Vorstand auf mich zu, weil verwandtschaftlich über Spieler involviert. Jugendleiter für die D-Jugend hat das Training angeschaut. Ist etwas eskaliert, sodass der Vorstand mich nun um mehr Informationen gebeten hat. Ich habe gesagt, dass ich es mit den Trainern lieber nochmal anspreche, habe ich getan. Leider kein Erfolg, sodass es in einer Woche ein Gespräch mit Trainerteam und Vorstand geben wird, da geht es dann um die Ausrichtung dieser Mannschaft.


    Unterm Stricht machen die beiden Trainer einen "Verein im Verein" und ihr eigenes Ding. Ich will mich da jetzt eigentlich komplett raushalten, weil ich zwischen den Fronten stehe. Ich weiß, was richtig ist und habe es mehrfach angesprochen. Dass jetzt der Vorstand aktiv werden muss, hat nichts mit mir zu tun.


    Habt ihr eine Empfehlung, wie ich mich am besten aus dieser unangenehmen Situation entfernen kann? Kritisiere ich weiter, werde ich am Ende für die beiden Trainer ein Verräter sein, weil ich das gleiche wie der Vorstand erzähle (was übrigens auch richtig und altersgerecht wäre). Bin ich ruhig und helfe den Trainern, wo ich kann, verstoße ich gegen meine Prinzipien. Vom Vorstand werde ich persönlich keine Konsequenzen befürchten müssen, da man ja meine Arbeitsweisen und Ansichten kennt und diese Deckungsgleich sind.

    "Diese Antwort brauchen sie mir nicht zu stellen"

  • Huhu,


    einfach zum Kotzen sowas und bestätigt auch meine "bescheidene" Meinung aktuell zum Thema Kinder- und Jugendfussball, dass "vernünftige" Menschen mit guten und richtigen Ansichten einfach A) gar nicht mehr erwünscht sind in Vereinen und B) denen das Leben so schwer gemacht wird, dass man sich wirklich die Frage stellen muss ob das alles so noch Sinn und Spaß macht, seine Freizeit für so ein "System" zu opfern. Schlimm.

    Ich sag dir ganz ehrlich, an deiner Stelle hätte ich schon direkt keinen Bock mehr, weil du einfach für andere Dinge einstehst und du ja auch darüber deine leidenschaft entwickelst für die Sache. So wirds n Rohrkrepierer. Weil du am Ende immer der Dumme sein wirst und bist, der dann doch nicht zu weit "das Maul aufmachen" darfst.

    Also, Kampf gegen Windmühlen, würde mir so keinen Spaß machen.

    Grüße

  • Also der Vorstand ist ja auf meiner Seite, ich bin mit meiner Ansicht sehr erwünscht. Meine Ansätze passen logischerweise (langjährige Erfahrung und B-Lizenz) genau zu dem, was der DFB und auch der Verein erwarten.


    Tatsächlich möchte ich da einen Haken hinter machen und mich da rausziehen. Acht Jugendmannschaften (davon vier überkreislich) zu managen ist auch nicht ohne. Da brauche ich nicht noch dreimal die Woche ein D-Jugend-Training, welches überhaupt nicht dem entspricht, was sich gehört.


    Nur sieht es natürlich doof aus: ich komme als TW-Trainer zur Mannschaft, kritisiere die Art und den Umgang, dann wird der Vorstand aktiv und ich gehe wieder raus. Am Ende werden die beiden Trainer Konsequenzen tragen müssen und es wirkt, als wäre ich nur kurz da gewesen um Feuer zu legen. Dennoch ist der Ursprung ja das Verhalten der Trainer und nicht meine Kritik.

    "Diese Antwort brauchen sie mir nicht zu stellen"

  • Huhu,

    jeps alles klar, nun verstehe ich das. Dachte, das so gelesen zu haben als wäre der Vorstand jetzt sauer auf dich, weil du da n Brand gelegt hast.

    Ich würde denen im Gespräch mit dem Vorstand einfach noch mal eine aktuelle Ausbildungsleitlinie vorlegen a la Trainingsphilosophie Deutschland vorlegen und nochmal darauf aufmerksam machen, wieso, weshalb, warum der DFB das aktuell so aktiv angeht und entsprechend auch so lehrt und dann mit den Worten abschließen, dass du nur Denkanstöße geben kannst und willst. Niemanden belehren oder verärgern magst, aber eben halt auch gerne eine Anregung gibst., wie es für alle Beteiligten besser laufen könnte.

    Dass du aber zeitlich etc. entsprechend ausgelastet bist und auch kein Interesse an einen weitergehenden Konflikt mit besagtem Team hast. A) Entweder die Trainer nehmen sich doch was davon an und dann ist es eine WIN-WIN Situation B) die Trainer machen mit ihrem Kram so weiter wie bisher, dann koppel dein TW Training davon so ab, dass du prinzipiell nichts weiter mit der Truppe zu tun hast C) der Verein findet ein neues Trainerteam für die Truppe, die es entsprechend gewünscht umsetzen

    So würde ich es denke ich angehen. Lass dich da nicht vor den Karren spannen um ihn aus dem Dreck zu ziehen, wenn du eh schon zu viel umme Ohren hast.

    LG

  • Schwierige Situation. Kannst du meiner Einschätzung nach nur für dich persönlich sauber raus kommen. Verhalte dich so, dass du mit dir im Reinen bist. Wer dir da einen Strick raus drehen will, wird ihn dir drehen, da kommst du nicht raus. Also Verhalte dich professionell und mache das Problem der Anderen nicht zu deinem.

  • Ich würde denen im Gespräch mit dem Vorstand einfach noch mal eine aktuelle Ausbildungsleitlinie vorlegen a la Trainingsphilosophie Deutschland vorlegen und nochmal darauf aufmerksam machen, wieso, weshalb, warum der DFB das aktuell so aktiv angeht und entsprechend auch so lehrt und dann mit den Worten abschließen, dass du nur Denkanstöße geben kannst und willst. Niemanden belehren oder verärgern magst, aber eben halt auch gerne eine Anregung gibst., wie es für alle Beteiligten besser laufen könnte.

    Genau das ist der Plan. Es gibt auch eine Ausbildungslinie vom Verein (sehr ähnlich der des DFB), der das natürlich überhaupt nicht entspricht. Als ich das DFB-Konzept angesprochen habe, wurde mir gesagt "Und wir machen es anders. Wenn man es so macht, wie alle, ist man doch nichts besonderes mehr" und "ich habe schon viele gute Spieler so entwickelt, das ist doch jetzt nicht plötzlich falsch"...

    Schwierige Situation. Kannst du meiner Einschätzung nach nur für dich persönlich sauber raus kommen. Verhalte dich so, dass du mit dir im Reinen bist. Wer dir da einen Strick raus drehen will, wird ihn dir drehen, da kommst du nicht raus. Also Verhalte dich professionell und mache das Problem der Anderen nicht zu deinem.

    Du hast recht. Ich hab es angesprochen und habe es verteidigt, sodass mir im Trainerteam niemand vorwerfen kann, ich hätte Politik hinter deren Rücken gemacht. Das Gespräch mit allen am Tisch wird sehr interessant und ich habe weder auf der einen, noch auf der anderen Seite Aktien drin. Ganz im Gegenteil kann ich den Trainern immer sagen: ich hab das von Anfang an angesprochen.

    "Diese Antwort brauchen sie mir nicht zu stellen"

  • naja das Thema ist warum sind diese Trainer überhaupt eingesetzt worden. Väter die kostenlos sind, Sponsoren oder wirklich Trainer die es kostenlos machen.


    Ansonsten gibt es zu viele möchtegern Trainer die denken mit wiederkehrenden Abläufen Kinder dressieren zu müssen und sich wundern wenn es nicht klappt.


    Zu jedem Problem. du hast was gesehen angesprochen und ich bin gespannt wie es ausgeht

  • Wir haben jetzt noch 2 Wochen Sommerpause, das Vorstandsgespräch ist nächste Woche.


    Ich werde berichten!


    Danke für eure Einordnungen, das zeigt mir nur wieder, dass ich auf dem richtigen Weg bin!

    "Diese Antwort brauchen sie mir nicht zu stellen"

  • Ist das Trainergespann immer nur für die D-Jugend zuständig oder begleiten sie den Jahrgang auch in die C-Jugend.

    Bei ersterem hat das ja auch Einfluss auf deinen Bereich, wenn die beiden jeden Jahrgang „verpfuschen“ bevor sie in deinen Einflussbereich kommen.

  • Charles De Goal

    Du setzt dich für die Grundprinzipien des Kinderfußballs ein. Damit machst Du alles richtig.

    Ja, Vereinsfußball und Ehrenamt erfordert immer wieder Kompromisse aber wenn es um unsere Kinder geht, sollten wir alle "HALTUNG" zeigen.

    Hier mal ein sehr altes aber immer noch sehr aktuelles Lied ab 01:30min ist es hochaktuell zu Deinem Thema:

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    Ich wünsche Dir alle Kraft und noch viel mehr diplomatisches Geschick.

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

    Einmal editiert, zuletzt von Dirk Coerverfan ()

  • Ist das Trainergespann immer nur für die D-Jugend zuständig oder begleiten sie den Jahrgang auch in die C-Jugend.

    Bei ersterem hat das ja auch Einfluss auf deinen Bereich, wenn die beiden jeden Jahrgang „verpfuschen“ bevor sie in deinen Einflussbereich kommen.

    Also der eine Trainer ist seit der F-Jugend Trainer der Mannschaft, der andere erst vor 2-3 Monaten dazukommen. Die werden jetzt zur D1 und hätten dann ja ein Jahr, Dinge besser zu machen (sofern der Vorstand sie machen lässt, was ich aber nicht glaube). Wird das nicht besser, werden sie in meinem Verantwortungsbereich nicht Trainer sein, das kann ich jetzt schon sagen. Und das würde ich ihnen auch im Gespräch mit dem Vorstand sagen.

    Du setzt dich für die Grundprinzipien des Kinderfußballs ein. Damit machst Du alles richtig.

    Ja, Vereinsfußball und Ehrenamt erfordert immer wieder Kompromisse aber wenn es um unsere Kinder geht, sollten wir alle "HALTUNG" zeigen.

    Eigentlich Wahnsinn, dass ich daran zweifle, obwohl das nachweislich das richtige ist. Klar braucht man immer Kompromisse und es gibt verschiedene Ansichten - ich kann mich hier an lange Diskussionen zwischen Techniktraining und Spielformen erinnern. Am Ende hat jeder Trainer seine eigene Art und Weise. Solange das im altersgerechten Rahmen ist, ist das auch völlig okay.

    "Diese Antwort brauchen sie mir nicht zu stellen"

  • Hi Charles De Goal.

    Was Du schilderst ist ein mir sehr bekanntes Phänomen. Das Schlimme ist, dass solche Trainer kurzfristig Erfolg haben und meist auch noch dafür gefeiert werden. Die Ergebnisse sind ja meist auch gut. Das hier auf lange Sicht, dzrch wenig Spielzeit und schlechtes Training, viel kaputt gemacht wird, dass wird meist gar nicht gesehen.

    Ich finde Dein Vorgehen genau richtig.

    Du hast es intern angesprochen.

    Das der Vorstand sich von alleine einschaltet, würde ich in dem Gespräch nochmal ausdrücklich betonen. Am Besten stellt das der Vorstand von sich aus klar. Wenn nicht, musst Du es machen. Damit bist Du nämlich schon mal aus der Schusslinie.

    Das die Trainer sich ändern bezweifle ich.

    Bin gespannt was Du berichtest und drücke Dir die Daumen

  • Hi Charles De Goal.

    Was Du schilderst ist ein mir sehr bekanntes Phänomen. Das Schlimme ist, dass solche Trainer kurzfristig Erfolg haben und meist auch noch dafür gefeiert werden. Die Ergebnisse sind ja meist auch gut. Das hier auf lange Sicht, dzrch wenig Spielzeit und schlechtes Training, viel kaputt gemacht wird, dass wird meist gar nicht gesehen.

    Es gibt da ja auch noch einen Widerspruch: Das Training soll so gut. Dann frage ich mich, warum 5 neue Spieler kommen müssen. Gutes Training sollte ja die vorhandenen Spieler besser machen.


    Also es wurde mir zur Spielzeit ein Argument genannt: dadurch, dass die Mannschaft auch viele Freundschaftsspiele und Turniere spielt, haben die Spieler in Summe mehr Spielzeit, als die Spieler anderer Mannschaften. Da stimme ich sogar zu: wer zusätzlich zur Meisterschaft genau so viele Freundschaftsspiele spielt, verdoppelt die mögliche Spielzeit. Dennoch hat man ja am Ende ein Ungleichgewicht: wenn manche Spieler ALLES durchspielen, haben sie immer noch dreimal so viel Spielzeit, wie jemand, der im Freundschaftsspiel seine Halbzeit bekommt und im Meisterschaftsspiel 5-10 Minuten.

    "Diese Antwort brauchen sie mir nicht zu stellen"

  • Hey Charles De Goal


    was du schilderst ist absolut typisch und vermutlich in sehr vielen Vereinen anzutreffen.

    Die meisten Vereine haben eine Ausbildungsphilosophie, sehr häufig orientiert diese sich an den Leitlinien des DFB.


    In den wenigsten Vereinen wird diese Philosophie allerdings konsequent durchgedrückt.

    Ursache ist meistens, dass Instanzen im Verein fehlen, die die Philosophie bei den Trainern vernünftig platzieren und darüber wachen, dass die Philosophie auch umgesetzt wird.

    Zweite Ursache ist meistens, dass keine Alternativen zu den vorhandenen Trainern vorhanden sind. Also wenn ihr mehrere widerwillige Trainer vorfindet, könnt ihr sie zwar aus den Mannschaften nehmen, aber ihr werdet meistens keine Alternativen schnell finden.


    Was kannst du tun?

    Dein Hauptaufgabenfeld kann zusammen mit dem Vorstand nur Überzeugungsarbeit sein!

    Diskutiert die jeweiligen Philosophien gemeinsam aus und erläutert warum ihr als Verein eure Leitlinien durchgesetzt haben wollt. Kündigt an, dass ihr bei fehlender Einsicht euch zur neuen Saison trennen müsst.

    Da habt ihr genügend Vorlauf für Ersatz bei Bedarf zu sorgen und setzt auch für andere Trainer eures Vereins ein Zeichen, dass euch eure Philosophien und Leitlinien wichtig sind.