Taktik vorzeitig vermittelt – oder: Warum Kinder vieles von selbst lernen

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  • Deswegen sehe ich es auch als eine wichtige Aufgabe von uns Trainern mit der Kraft unserer Vereine und seinen Mitgliedern dafür zu sorgen, dass Sportplätze entstehen und frei zugänglich sind!

    Hier müssen wir erklären/argumentieren/aufzeigen, welche Bedeutung dies auch für die Qualität unserer Fußballer hat.

    Wenn ihr als Verein in der Position seid, selber die Sportplätze errichten und unterhalten zu können, sorgt dafür, dass sie auch außerhalb des Trainings für Kinder und Jugendliche zugänglich sind. Werbt dafür, dass die Plätze frei auch außerhalb des Trainings genutzt werden können. Es wird euch bessere Fußballer hervorbringen, als ihr je mit Training erreichen könnt!

    Hast du hierfür ein Konzept, Idee oder Beispiel? Ich wäre sehr daran interessiert.

    Sondern wir erwarten doch eher auch im 7 gegen 7, dass Paul mal an einem Spieltag vorne rechts spielt und der Ball dann von hinten nach vorne durch Kombinationen und natürlich auch Dribblings nach vorne gebracht wird und dann Paul von einer sinnhaften Position heraus sich mit Dribblings/Finten und Abschlüssen probieren kann. Und am nächsten Spieltag spielt Paul dann eben mal in der ersten Position vor dem Torwart und ein anderer Spieler kann sich vorne probieren.

    Ich erwarte das nicht mehr. Bei ca. 80% der Trainer spielen die meisten Kinder spätestens ab der E-Jugend bzw. ab dem 7 gegen 7 auf einer oder zwei Positionen.

    Wobei ich schon der Meinung bin, dass die Entwicklung beschleunigt wird, wenn ich vorab mit den Kids schon die besten Lösungen theoretisch gemeinsam erarbeite und sie dann in den Spielformen diese Lösungen praktisch probieren lasse.

    Warum müssen wir die Entwicklung immer beschleunigen? Da schulen Eltern ihre Kinder später ein, aber beim Fußball sollen sie einen Jahrgang höher spielen oder der Trainer versucht ihnen in einem langfristigen Prozess etwas beizubringen, dass später viel einfacher umgesetzt werden kann.

  • Warum müssen wir die Entwicklung immer beschleunigen? Da schulen Eltern ihre Kinder später ein, aber beim Fußball sollen sie einen Jahrgang höher spielen oder der Trainer versucht ihnen in einem langfristigen Prozess etwas beizubringen, dass später viel einfacher umgesetzt werden kann.

    Danke für diese Worte. Das fasst mein Gefühl, dass mich dazu bewogen hat, diesen Thread zu starten nochmal gut zusammen. Wir versuchen zu oft die Entwicklung zu beschleunigen, indem wir mühsam und zeitaufwendig - weil die Spieler eben noch nicht bereit sind - Dinge vermitteln, die mit ein bisschen Geduld von uns, den Spielern in ein paar Monat in den Schoß fallen würden.

  • Deswegen sehe ich es auch als eine wichtige Aufgabe von uns Trainern mit der Kraft unserer Vereine und seinen Mitgliedern dafür zu sorgen, dass Sportplätze entstehen und frei zugänglich sind!

    Hier müssen wir erklären/argumentieren/aufzeigen, welche Bedeutung dies auch für die Qualität unserer Fußballer hat.

    Wenn ihr als Verein in der Position seid, selber die Sportplätze errichten und unterhalten zu können, sorgt dafür, dass sie auch außerhalb des Trainings für Kinder und Jugendliche zugänglich sind. Werbt dafür, dass die Plätze frei auch außerhalb des Trainings genutzt werden können. Es wird euch bessere Fußballer hervorbringen, als ihr je mit Training erreichen könnt!


    Vom Grundgedanken bin ich da komplett bei dir, aber das funktioniert einfach nicht mehr. Wir haben einen Naturrasenplatz komplett ohne Umzäunung. Wenn es nach mir geht wäre da nächste Woche ein 2 Meter hoher Zaun drumherum.


    Da wird mit Fahrrädern und Quads über den Platz gefahren, Tore bleiben auf dem Rasen stehen, überall Müll, Tornetze und Rasen gehen kaputt weil die Tore nicht getragen sondern gezogen werden, Bänke in den Trainerhäuschen müssen im Jahresrhythmus getauscht werden, und, und und...


    Und unser Platz ist in einem 500 Seelen Dorf. Bei meinem vorherigen Verein in der Großstadt musste sogar Kameraüberwachung angebracht werden um die Kosten für Reparaturen, die für Schäden trotz kompletter Umzäunung angefallen sind, an die richtigen Personen weitergeben zu können. Danach wurde es besser.

    Ohne Aufsicht kann man einen Platz einfach nicht frei zugänglich lassen.

  • Ja, da bin ich natürlich absolut bei dir. Rasenplätze sind normalerweise auch nicht dafür geeignet sie frei zugänglich zu lassen. Zumindest nicht die Hauptplätze, welche für Punktspiele genutzt werden sollen.


  • ... wenn es so ist, dass man eh nicht sagen kann woran es liegt, wenn einer später ne Klasse oder 2 höher spielt, wie kann man dann so selbstbewusst ausschließen dass nicht gerade z.b. Thomas (oder andere) mit seiner Art Spieler auszubilden, entscheidend dazu beiträgt später höher zu spielen?

    Entscheiden am Ende Talent und Wille viel eher über den weiteren Werdegang als (uns) Ausbildern/Trainern lieb ist? Frage für einen Freund.

    Letzten Endes berichten wir hier alle nur von unseren persönlichen Erfahrungen. Das ist auch der Sinn eines Forums. Spielintelligenz sich ohne Vorgaben entwckeln zu lassen musste ich erst lernen. Ich habe früher auch Laufwege vorgegeben. Vor fast 20 Jahren habe ich mit einer F-Jugend eine Spieleröffnung trainiert. Brachte mir viel Lob ein, weil "jeder wusste, was er zu tun hatte" und "man eine Handschrift erkennen konnte". War aber Blödsinn. Spätere Mannschaften machten intuitiv oft das Richtige, ohne einen Laufweg vorgegeben zu bekommen oder fanden Lösungen, die nicht dem Standard entsprachen.

    Die beste E-Jugend, die ich je trainieren durfte, hat am Schluss ballorientiert verschoben, ohne das Wort "verschieben" je von mir gehört zu haben. Es war auch nicht das Ziel gewesen, sie dahin zu bringen. Sie haben einfach aus ihrer Spielintelligenz heraus viele individuelle Entscheidungen richtig getroffen, so dass es zu einem kollektiven Verhalten führte. Ehrlich gesagt hatte ich das so auch nicht für möglich gehalten - umso faszinierender fand ich das.

  • Sieht man halt immer wieder. Bei uns gibt es ein ganz tolles G-Jugend Team. Die gewinnen fast immer. Die Spielzüge und Laufwege sind weitgehend vorgeben oder werden rein gerufen. Die Kids machen das dann auch. Der Trainer referiert seine Erfolge wöchentlich in der Trainergruppe. Der Trainer ist stolz, die Kids und Eltern glücklich.


    ;)

  • Ich habe zum Ende dieser Saison eine Hand voll D-Jugendspieler übernommen, deren Trainer sich komplett auf die Strategie "das lernen die durchs Spielen von selbst" verlassen hat. Der hat denen kaum etwas gezeigt, vorgemacht oder beigebracht. Der hat außschließlich (immerhin in kleinen Spielformen) spielen lassen, abgesehen vom Tickspielen zur Aktivierung/Koordination. Sein Coaching beschränkte sich meist auf motivierendes Hereinrufen.


    Habe nach den ersten Trainings mit denen dann festgestellt, dass die sich im defensiven Zweikampf verhalten wie in der F-Jugend und ohne Defensivstellung völlig ungestüm auf den Ballführer draufrennen und dann ausgespielt werden. Und Offensiv dann ohne Freilaufverhalten stehen sie neben ihrem Gegenspieler und warten darauf, dass ihnen jemand einen Pass zuspielt.


    Das ist dann wohl das andere Extrem, was auch nicht so richtig funktioniert.


    Ich bin mir sicher dass der Mittelweg, bestehend aus vormachen, Prinzipien erklären, ausprobieren lassen, ggf. hier und da nachbessern und den Rest in Spielformen von den Spielern selber erarbeiten zu lassen, die langfristig besten Ergebnisse liefert.

  • Ich bin mir sicher dass der Mittelweg, bestehend aus vormachen, Prinzipien erklären, ausprobieren lassen, ggf. hier und da nachbessern und den Rest in Spielformen von den Spielern selber erarbeiten zu lassen, die langfristig besten Ergebnisse liefert.

    Amen, genau so sehe ich das auch.

  • Sieht man halt immer wieder. Bei uns gibt es ein ganz tolles G-Jugend Team. Die gewinnen fast immer. Die Spielzüge und Laufwege sind weitgehend vorgeben oder werden rein gerufen. Die Kids machen das dann auch. Der Trainer referiert seine Erfolge wöchentlich in der Trainergruppe. Der Trainer ist stolz, die Kids und Eltern glücklich.


    ;)

    Was genau ist jetzt aber falsch daran, dass Kids und Eltern glücklich sind?

  • Fechter

    In der G Jugend (3v3) spielte mein damaliges Team auch öfter gegen eine vermeintliche Übermannschaft, bei der die Kids vorgegebene Spielzüge wiederholt ausführten und meist gewannen.


    Die ersten 2-3 Spiele verloren wir, doch unsere Kids, die freier trainierten, erkannten das Muster und blockierten den einstudierten Ablauf. Nach jeder Balleroberung setzten sie ihre individuelle "Technik" ein ohne das die Gegner wussten, wie sie uns verteidigen können.


    Nach einem deutlichen 7:1 Sieg vermied der Trainer das Spiel gegen uns. Ich erinnere mich deswegen so gut daran, weil er seine Kids zusammen brüllte und unter anderem ich seine Kids nach der Niederlage tröstete und sie für ihr Passspiel lobte, aber auch den Tipp gab, mehr eigene Ideen mit den Ball zu üben und das auch ihrem Trainer zu sagen.


    Heute ist diese Mannschaft so selektiert aus anderen Vereinen, dass sie locker im 7+1 oder 8+1 zwei Jahrgänge höher spielen können und der Sohn vom Trainer die meiste Zeit zuschaut. Das ist weiter taktisch sehr diszipliniert und wir haben absolut keine Chance, weder spielerisch noch körperlich. Jetzt vermeide ich lieber die Spiele. ^^

  • fahrender Vater Das nennt man vorsätzliches Missverständnis. Das Glück der Eltern und die Freude der Kinder wurde weder kritisiert noch solches insinuiert. Und das ist Dir im Grunde auch klar.


    ruffy85 Dann war der Trainer vielleicht lernfähig. Im Übrigen kann man mit Positionstreue, vorgegebenen Lauf- und Passwegen im Kinder- und Jugendfußball recht erfolgreich sein. Es dürfte aber weitgehender Konsens sein, dass das nicht der richtige Ansatz für die Spielerentwicklung ist.

    Einmal editiert, zuletzt von Fechter ()

  • fahrender Vater Das nennt man vorsätzliches Missverständnis. Das Glück der Eltern und die Freude der Kinder wurde weder kritisiert noch solches insinuiert. Und das ist Dir im Grunde auch klar.

    Hi Fechter,

    Sorry, dann habe ich tatsächlich etwas falsches in deine Aussage hinein interpretiert. Da du geschrieben hattest (von mir auf den wesentlichen Kontext eingekürzt

    Sieht man halt immer wieder.... ganz tolles G-Jugend Team... Spielzüge und Laufwege sind weitgehend vorgeben oder werden rein gerufen... Trainer referiert seine Erfolge wöchentlich in der Trainergruppe. Der Trainer ist stolz...


    ;)

    Das verstehe ich alles negativ konnotiert. Dann der, nur durch ein Komma getrennte Abschlusshalbsatz, den ich im Kontext eben auch negativ konnotiert empfunden habe.

    Der Trainer ist stolz, die Kids und Eltern glücklich.


    ;)

    Nochmal sorry, wollte dir nichts in den Mund legen was du so garnicht gemeint hattest.


    Hab aber überlegt, warum ich es so empfunden und warum ich dir die Frage gestellt hatte, "was schlecht am Glück der Kids und Eltern ist" Wahrscheinlich weil hier sehr oft Siege in z.b. E Jugend für meinen Geschmack viel zu oft schlecht geredet werden, wenn Sie durch Mannschaftstaktik erzielt werden, immer mit dem Hinweis das es der individuellen Entwicklung der Kids nicht hilft, was irgendwann viel später dann Nachteile bringt.

    Ich gewichte für mich wahrscheinlich das Glück der Kids im "Hier und Jetzt" etwas anders/höher als mögliches Glück in der Zukunft.