Abwägungen zwischen Spaß am Spiel und guter Ausbildung

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  • Vielleicht ist das hier eine (teilweise) unbeliebte Meinung, aber ich erzähle mal.

    (für den Kontext: E-Jugend Mannschaft, Dorfverein)


    Die Kinder sollen Spaß haben und optimal ausgebildet werden. In den meisten Fällen geht das ja auch miteinander einher. Aber ich stoße auch immer wieder auf Situationen, bei denen das auch mal Zielkonklikte sein können und ich mir nicht sicher bin, welcher Aspekt mehr gewichtet werden sollte.


    Beispiele, die mir dazu einfallen:

    1. In der E-Jugend sollte man den Kindern nicht das Dribbeln und die Lust auf 1gg1 Duelle abgewöhnen. Passspiel ist eine Option, aber kein Muss. Natürlich alles situationsabhängig. Nun ist es aber so, dass zu viele Alleingänge durch die stärkeren Spieler oft zu Unmut bei denjenigen führt, die zwar frei stehen, aber den Ball nicht bekommen. Hier mahne ich dann doch öfter dazu, nicht unbedingt jedes 1gg1 mitzunehmen, das sich anbietet. Nicht unbedingt, weil das erfolgsversprechender wäre, sondern einfach, damit alle mehr Spaß am Spiel haben. Auch wenn ich damit dem Dribbler ein wenig seine Entwicklung einbremse.
    2. Am liebsten möchten die Kinder zum Ende des Trainings ein klassisches Abschlussspiel machen. Ich werde öfter danach gefragt. Am liebsten 7gg7. Da haben die einfach Bock drauf. Zugunsten der besseren Ausbildung gebe ich dem Wunsch aber nur in Ausnahmefällen nach. Kompromisse sind dann 3gg3 oder 4gg4 auf zwei Feldern. Am liebsten wären ihnen vermutlich, wenn ich sie statt Training einfach nur anderthalb Stunden frei spielen lassen würde.
    3. Fair verteilte Spielzeit VS Spiele gewinnen: Der Ausgang der Spiele ist zweitrangig, wichtiger ist dass die Spielzeit der Spieler fair verteilt wird. Es sei denn, man fragt die Kinder. Zu meiner Überraschung habe ich schon öfter erlebt, dass manche lieber mehr auf die Bank wollen, um dafür vermeintlich bessere Spieler einzuwechseln und das Spiel eher zu gewinnen. Das hat sicher auch mit gefühltem Druck zu tun, wobei ich mir immer Mühe gebe, den Kindern keinem Erfolgsdruck auszusetzen und ihnen klar zu machen, dass wir das alles nur für die Freude am Spiel machen. Auch die Eltern scheinen die gleiche Philisophie zu vertreten. Aber es ist nun mal wie es ist...nach Siegen ist der Jubel groß und nach Niederlagen sind viele niedergeschlagen. Niederlagen zu verarbeiten gehört natürlich zum Reifeprozess dazu und wenn wir verlieren, dann gewinnt wenigstens die andere Mannschaft. Die Anzahl der Kinder, die sich über das Ergebnis freuen (Teamübergreifend) bleibt also in beiden Fällen gleich.
    4. Gleiches gilt für unbeliebte Positionen. Ich setze Kinder oft auf verschiedenen Positionen ein. Unter anderem auch mal auf deren schwächsten Positionen. Und das führt nicht immer zu Begeisterung. Kennt ihr sicher alle auch. Für die Ausbildung ist das in der E-Jugend wohl sinnvoll. Für den Spaß am Spiel nicht immer (gibt natürlich auch Kinder, denen die Position ziemlich egal ist). Annekdote: Wir spielen ein 2-3-1 und am unbeliebtesten ist erstaunlicherweise die Stürmerposition.


    Ich trainiere eine E-Jugend im Dorfverein. Realistischerweise muss ich annehmen, dass ein gewisser Anteil meiner Manschaft irgendwann (aus unterschiedlichen Gründen) mit Fußball wieder aufhören und nie Herrunfußball spielen wird. Das heißt, je nachdem wie früh sie aufhören, ernten sie kaum die Früchte ihrer guten Ausbildung. Ihre "Ausbildungszeit" ist gleichzeitig ihre Gesamtzeit im Fußball.

    Und bei den Beispielen zu den Zielkonflikten frage ich mich dann manchmal, ob ich manchen Kindern nicht unrecht tue, wenn ich zu sehr den Fokus auf die Ausbildung lege.


    Dazu kommt dann vielleicht sogar noch die Frage, ob das Leben besser ist, nur weil man in der Kindheit als Fußballer besser ausgebildet wurde und nun Bezirksliga statt Kreisklasse spielt. Aber diese Frage hier zu erörtern würde wohl den Rahmen sprengen und mehr ins Philosophische gehen. Das ist wohl eine andere Diskussion.


    Klar ist natürlich auch, dass besonders durch abwechslungsreiches Training in Spielformen und einem Training in entspannter Atmosphäre meistens beide Ziele (Spaß, Ausbildung) gleichermaßen erfüllt. Aber wie beschrieben...nicht ohne Ausnahmen.


    Wie geht ihr sowas an?

  • Alles was du beschreibst sind die klassischen Problemchen im Breitensport. Die kennen die meisten in dieser oder ähnlicher Form, mal mehr mal weniger ausgeprägt.


    1. In der E-Jugend sollte man den Kindern nicht das Dribbeln und die Lust auf 1gg1 Duelle abgewöhnen. Passspiel ist eine Option, aber kein Muss. Natürlich alles situationsabhängig. Nun ist es aber so, dass zu viele Alleingänge durch die stärkeren Spieler oft zu Unmut bei denjenigen führt, die zwar frei stehen, aber den Ball nicht bekommen. Hier mahne ich dann doch öfter dazu, nicht unbedingt jedes 1gg1 mitzunehmen, das sich anbietet. Nicht unbedingt, weil das erfolgsversprechender wäre, sondern einfach, damit alle mehr Spaß am Spiel haben. Auch wenn ich damit dem Dribbler ein wenig seine Entwicklung einbremse.

    Auch ich verbiete Dribbling nie oder sage etwas dazu, solange es zielgerichtet ist und zu einem Torabschluss führt. Wer trifft hat recht.


    Die Frage ist spielt der Dribbler nicht ab weil er nicht will oder weil er den Mitspieler nicht sieht. Wahrscheinlich mal so mal so.

    Mit Provokationsregeln kannst du da natürlich arbeiten. Zum Beispiel direkte Tore zählen doppelt. Oder du machst den Dribbler zum neutralen Überzahlspieler der keine Tore erzielen darf. Oder das erste Tor eines jeden Spielers zählt drei, das zweite zwei und ab dem dritten zählt es nur noch einen Punkt, auch das fördert das Teamspiel. Das alles und noch viel mehr kann man mal machen. Da darf man ruhig Kreativ werden.

    Vieleicht hast du ja auch den ein oder anderen guten Verteidiger, der den Dribbler aufhalten kann.


    1. Am liebsten möchten die Kinder zum Ende des Trainings ein klassisches Abschlussspiel machen. Ich werde öfter danach gefragt. Am liebsten 7gg7. Da haben die einfach Bock drauf. Zugunsten der besseren Ausbildung gebe ich dem Wunsch aber nur in Ausnahmefällen nach. Kompromisse sind dann 3gg3 oder 4gg4 auf zwei Feldern. Am liebsten wären ihnen vermutlich, wenn ich sie statt Training einfach nur anderthalb Stunden frei spielen lassen würde.


    Ich handhabe es wie du im Training ist 5vs5 das Maximum. 7vs7 habe ich einmal gemacht, wir waren halt genau 14 hat gepasst und war sowieso ein bisschen Geigeltraining. Wenn die Kids 90 min frei spielen wollen, dann können Sie das gern auf dem Bolzplatz tun. Aber Fußballtraining ist ja nicht betreutes Freispiel.


    Fair verteilte Spielzeit VS Spiele gewinnen: Der Ausgang der Spiele ist zweitrangig, wichtiger ist dass die Spielzeit der Spieler fair verteilt wird. Es sei denn, man fragt die Kinder. Zu meiner Überraschung habe ich schon öfter erlebt, dass manche lieber mehr auf die Bank wollen, um dafür vermeintlich bessere Spieler einzuwechseln und das Spiel eher zu gewinnen. Das hat sicher auch mit gefühltem Druck zu tun, wobei ich mir immer Mühe gebe, den Kindern keinem Erfolgsdruck auszusetzen und ihnen klar zu machen, dass wir das alles nur für die Freude am Spiel machen. Auch die Eltern scheinen die gleiche Philisophie zu vertreten. Aber es ist nun mal wie es ist...nach Siegen ist der Jubel groß und nach Niederlagen sind viele niedergeschlagen. Niederlagen zu verarbeiten gehört natürlich zum Reifeprozess dazu und wenn wir verlieren, dann gewinnt wenigstens die andere Mannschaft. Die Anzahl der Kinder, die sich über das Ergebnis freuen (Teamübergreifend) bleibt also in beiden Fällen gleich.

    Auch immer schwieriges Thema. Ich würde fairverteilte Spielzeit auch dem gewinnen vorziehen. Wobei fair bei mir nicht identisch bedeutet. Wichtig ist mir, dass alle die beim Spiel sind signifikant Spielzeit bekommen, also nicht nur 5 Minuten. Es gibt aber auch welche die Spielen aus unterschiedlichen Gründen mehr als andere.


    Und das man mal den Sieg mitnimmt und vieleicht nicht abselut fair war, finde ich auch in Ordnung, gerade wenn mann vieleicht oft verliert. Sollte halt eher die Ausnahme als die Regel sein.

    Gleiches gilt für unbeliebte Positionen. Ich setze Kinder oft auf verschiedenen Positionen ein. Unter anderem auch mal auf deren schwächsten Positionen. Und das führt nicht immer zu Begeisterung. Kennt ihr sicher alle auch. Für die Ausbildung ist das in der E-Jugend wohl sinnvoll. Für den Spaß am Spiel nicht immer (gibt natürlich auch Kinder, denen die Position ziemlich egal ist). Annekdote: Wir spielen ein 2-3-1 und am unbeliebtesten ist erstaunlicherweise die Stürmerposition.

    Auch das handhabe ich so, wobei ich schon versuche darauf zu achten, dass der Spieler die Aufgabe auch bewältigen kann. Also gegen den stärksten Gegner mache ich das weniger, gegen schwächere dann umso mehr. Das Zentrum besetzte ich auch nicht mit Spielern die das nicht leisten können, da spielen eher die stärkeren. Insgesamt hilft es den spielern auf dauer wenn sie alle Aspekte des Spiels beherschen. Auch als Verteidiger solte ich zu offensiven Aktionen in der Lage sein und auch als offensiver Spieler benötige ich defensive Fähigkeiten.

    Das der Stürmer unbeliebt ist finde ich nicht verwunderlich, da hat man am wenigsten den Ball.


    Insgesamt finde ich das so was du es beschreibst und wie du es handhabst schon ganz richtig. Und natürlich erkennen die Kinder den langfristigen Mehrwehrt aktuell noch nicht. Das muss man dann halt moderieren und versuchen in einem vernünftigen Gleichgewicht zu halten. Wenn du die Eltern an Bord hast, ist das schonmal top, dass wäre natürlich ein schwieriger Kriesenherd. Den Kindern kan man glaube ich schon recht viel erklären. Auch warum kleinspielformen sinnvoller sind als 11vs11.