"Projekt Zukunft" oder "So steht es aktuell um den deutschen Fussball"

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  • Die Tage hat Oliver Bierhoff sich zum Thema Männerfussball geäussert und ist dann sehr schnell zum eigentlichen Fundament des Männerfussballs gekommen, dem Kinder- und Jugendfussball.


    "Mit neuer Dynamik zurück an die Weltspitze"


    Ich bin früher nicht immer grün mit seiner Art und Weise gewesen, insbesondere wenn ich das Gefühl hatte, dass er die Nationalmannschaft lieber besser vermarkten als besser machen möchte, aber in dieser Rede finde ich hat er sehr viele gute Punkte angesprochen und deutlich gemacht, dass die Basis die Kinder sind und das aktuelle System viel zu ineffizient ist und wir in einigen Jahren ein böses Erwachen erleben könnten, wenn wir nicht viele Dinger an die Kinder anpassen und nicht andersherum.


    Wie ist eure Meinung zu dem Thema?


    Beste Grüsse

    Malikinho

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"

  • Vielen Dank für diesen Thread und den Link.


    Am spannendsten finde ich diesen Punkt:

    Zitat

    Talente werden meist zu wenig (weiter) entwickelt und stattdessen oft schon zu früh selektiert.


    In diesem Satz steckt für mich unheimlich viel drin.


    Ich finde für den Grundlagenbereich als einen Ansatz das Konzept des Förderkaders sehr interessant. Es könnten mit diesem Konzept, meine ich, viel mehr Bewegungstalente als über die NLZ-Struktur gefördert werden, die zugleich in ihren gewohnten Strukturen bleiben, während sie erste Erfahrungen punktuell mit dem Leistungsfußball sammeln. Zugleich wirken diese Kinder als Multiplikatoren in ihr Umfeld hinein.

    "There is only one ball, so you need to have it." (J. Cruyff)

  • Danke für den Link. Hätte ich wahrscheinlich sonst nicht wahrgenommen.

    Ich greife mal zwei, drei Punkte aus dem Text raus:

    "...Wir brauchen zudem neue Wettbewerbsformen vom Amateur- bis in den Profi-Bereich.
    - Mehr Spielenachmittage statt Regelbetrieb
    - Veränderungen der Spielformen im Grundlagenbereich. z.B. 2 gegen 2 im Bambini-Bereich bis 5 gegen 5 in der E-/D-Jugend

    ..."

    Spielenachmittage wären vor allem aus meiner Sicht ab der F-Jugend von Vorteil. Zum einen reduzieren diese etwas den Zeitaufwand für ein einzelnes Spiel gegenüber zwei, drei kürzeren Spielen.

    Ich habe es gerade beim Funino-Festival erlebt. Die Jungs haben über die 7 Begegnungen im Funino eine spürbare Entwicklung/Verbesserung durchgemacht. Ich denke, dass bei solchen intensiven Veranstaltungen der Lerneffekt für die Kinder größer ist.

    Veränderung der Spielformen:

    Mit freiwilligen Funino-Veranstaltungen fängt es ja jetzt schon an. Ein 4+1 in der F-Jugend würde ich bevorzugen. Alle Feldspieler sind hier mehr eingebunden und können aktiv am Spiel teilnehmen.


    Ich denke, dass das ein Schritt in die richtige Richtung wäre um die Kinder individuell besser zu fördern. Und damit meine ich nicht in die Spitze zu fördern, sondern in die Breite. Ich glaube nämlich, dass einige Kinder mit Fussball auch aufhören, da diese aufgrund der Spielformen keine Lust mehr haben (im 6+1 sind meistens nur die "starken" Spieler am Ball).

  • auch danke für den Link!

    Tolle Rede! Wünschen wir uns, dass möglichst viel davon in geeignete Maßnahmen mündet!

    Zitat

    Das "Projekt Zukunft" ist als Gemeinschaftsprojekt des gesamten deutschen Fußballs von der Basis bis zur Spitze angelegt.

    ...und hoffentlich bekommt die Basis dabei spürbar was ab.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Problem ist wohl eher, ob die Basis (bzw die älteren Herren, die sie in den Gremien und Ausschüssen vertreten) das überhaupt möchte und annimmt.


    In unserem Kreis sind fast alle Jugendausschussmitglieder grundsätzlich gegen Funino, 3+1 etc eingestellt und das merkt man natürlich auch

  • Nichts zu danken.


    Bin beim Stöbern im www über den Artikel gestolpert und hab ihn mir dann in Ruhe durchgelesen und viele interessante Aspekte drin gefunden.


    Er hat da zb schon Recht, dass zb die Generation der 90er Strassenfussballer-Kinder eine der letzten ist bzw es danach abnimmt. Es bestätigt auch mein Gefühl, dass in in den 00er Jahren sich mehr Kinder auf den Strassen tummelten und auf den Bolzplätzen spielten als in den letzten Jahren.


    Oder dass der Spielbetrieb bei den kleinsten reformiert werden soll. Vom 2vs2 über das 5vs5 in der E-/D-Jugend. Ich fände es überragend, wenn man das schnellstmöglich umsetzen könnte und würde.


    Dass mit den Mindestspielzeiten wäre auch klasse, aber das ist leider utopisch und wird nicht umsetzbar sein, da nicht prüfbar.


    Die Aussage, dass sich die Wirkung dieser Massnahmen erst in 5 bis 15 Jahren bemerkbar machen wird, lässt bei mir Fragezeichen offen.


    Meint er bis das alles umgesetzt ist oder, dass man dann schon die ersten spürbaren Erfolge sehen wird? 5 Jahre scheint mir etwas zu kurz.


    Denn selbst wenn man es jetzt sofort bei den Bambini umsetzen würde, kann man die Wirkung nach aussen hin erst in ca. 10 Jahren spürbar merken, wenn man sich international vergleicht.


    Ich freue mich für all die, die es schon vor Jahren begonnen haben und ihre Kids dementsprechend trainieren. Man sieht es ja jetzt schon auf Turnieren welche Teams Wert auf Technik, Spielintelligenz und nicht ausschliesslich auf biologische Vorteile und nach langen TW-Abschlägen den 2.Ball jagen.

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"

  • Vieles ist da denke ich richtig. Ich vermisse nur ein wenig den Teil wie der DFB wieder mehr Kinder und Jugendliche für den Fußball begeistert werden. Der Spielerschwund ist mittlerweile dramatisch und das liegt denk ich nicht nur an zuwenig Einsatzzeiten etc.

  • Fussballtalente eine Chance bieten heißt

    -Es sollte nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein

    -Trainer sollten mehr Ausbildung und dafür mehr Geld bekommen

    Mehr Bolzplätze und Flächen zum Spielen

    Freizeitangebote an die Schule angegliedert

    Mehr Schulen mit dem Schwerpunkt Sport .

    Sport sollte gleichwertiger behandelt werden zu anderen Fächern .

    Mehr Förderung für Kinder , die aus sozial schwachen Familien kommen .

    -Fahrdienste usw.

    Boateng hatte das Glück in Berlin gelebt zu haben .

    Andere leben in einem kleinen Dorf in Mecklenburg .Der hat von Anfang an keine Chance .

    Der kann noch nicht einmal zum nächsten Stützpunkt gelangen , wenn ihn keiner fahren kann .

  • Vieles ist da denke ich richtig. Ich vermisse nur ein wenig den Teil wie der DFB wieder mehr Kinder und Jugendliche für den Fußball begeistert werden. Der Spielerschwund ist mittlerweile dramatisch und das liegt denk ich nicht nur an zuwenig Einsatzzeiten etc.

    Vollkommen richtig.


    Es sollte auch mehr in Richtung B - und A - Jugend gedacht werden, ansonsten hat der Breitensport im Seniorenbereich bald Probleme die gravierend sein werden.

  • Vieles ist Richtig und Wichtig, was gesagt wurde. Das Umdenken an sich ist ja auch begrüßenswert.

    Die engere Verzahnung STP-Vereine wäre für mich wünschenswert. Und das nicht nur in Hinblick auf die STP Spieler, sondern generell

    die Trainingsmethodik. Es nützt nichts, wenn Spielern empfohlen wird, zu höherspielenden Vereinen zu gehen, damit Sie -gefordert- werden, wenn man das Training in den Vereinen gar nicht beurteilen kann.

    Manche Spieler wollen auch gar nicht wechseln. -Perspektivgespräche- z.b. mit 11 jährigen ohne Eltern bzw. Trainer halte ich für schwachsinnig, das ist aber nur EIN Beispiel, wie entfernt von der Basis der DFB, trotz Reformwillen, noch immer agiert.

    Mein Sohn z.b. will gar nicht wechseln. Der will nur kicken. Der STP hat da anscheinend mehr Ehrgeiz als er(oder ich). Manche Kids sollte man einfach in Ruhe lassen, falls es dann irgendwann nicht mehr reicht, ist das auch ok. (das ist offtopic, aber es hat eben auch mit der Verzahnung DFB-STP- Vereine, Trainer zu tun)

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Ich denke mal der Leistungsbereich ist da schon etwas besser aufgestellt, wobei auch dort bestimmt genug Baustellen sind.


    Selbst in den STP ist das Level anscheinend nicht so hoch wie man es gerne hätte. Es gibt sogar schon Eltern die ihre Kinder da rausgeholt haben.


    Wichtig finde ich, dass es erstmal genug Förderung für die kleinsten gibt, um diese auf ein Level zu bringen, dass sie in ein NLZ oder STP kommen.


    Im Grundlagenbereich werden unheimlich viel Talent, Spass und Kinder "zerstört" durch die Kombination von:


    - unqualfizierte und vor allem pädadgogisch absolut ungeeignete Trainer

    - unqualifiziertem Training

    - Ergebnisorientierung im Training und im Spiel

    - falsche/unpassende Wettbewerbsformen

    - usw.


    Ich habe bis vor ein paar Jahren nur Senioren trainiert und bin dann in den Juniorenbereich gerutscht und bin zu Beginn und auch aktuell noch entsetzt was dort mit Kindern gemacht wird durch die Trainer und auch Eltern.


    In den letzten beiden Saisons begegnet man sich ja immer wieder und bin schockiert was mit Kindern passiert die zu Beginn toll mit dem Ball umgehen konnten und versucht haben den Ball mit der Sohle zu ziehen, eine Finte zu machen, Kinder auszudribbeln, etc.


    Ein Jahr später hat man das Kind nicht mehr wiedererkannt. Jeden Ball den es bekam musste es nach vorne oder bei Gegnerdruck ins Aus schiessen.


    Es ist unglaublich wie viele mögliche Talente hier in Deutschland zerstört werden.


    Bei über 80Mio Einwohnern ist es natürlich sehr wahrscheinlich, dass es ein paar nach oben schaffen, und wir auch Weltmeister geworden sind, aber Effizienz ist anders und die Alarmglocken schrillen. Nur will es kaum einer hören.


    Wenn man sich anschaut wieviele Einwohner andere Staaten haben mit talentierten Spielern, muss man sich hinterfragen warum. Und diese Staaten haben ja nicht den grössten Fussballverband der Welt hinter sich und diese Infrastruktur wie wir hier.


    Im Vergleich dazu:


    Holland: 17Mio

    Belgien: 12Mio


    Wieviele sind denn davon Kinder und wieviele spielen davon überhaupt Fussball?


    In Deutschland leben allein ca. 12Mio Kinder bis 14 Jahren.


    Prozentual gesehen wären das in Belgien ca. 1,9Mio Kinder.


    Wenn man das so sieht, ist das berechtigt zu hinterfragen warum aus so wenig KIndern soviel rausgeholt wird.


    In Deutschland hören zwischen F- und A-Jugend ca 50% der Kinder mit dem Fussball auf. Vielen ist es aber gar nicht aufgefallen.


    Man braucht ja nur bei Fussball.de zu schauen wieviele Staffeln es in der F-Jugend gibt und wieviele in der A-Jugend. Zwar spielt die A-Jugend mit mehr Feldspielern, aber die Teams bestehen meist auch aus 2 Jahrgängen.


    Es gibt in Köln in der U8 + U9 24 Staffeln a ca 5 - 6 Mannschaften = ca. 130 Mannschaften.


    In der A-Jugend gibt es:

    - 1x Sonderliga mit 12 Teams, davon hat eins zurückgezogen = 11 Teams

    - 1x Leistungsklasse mit 10 Teams, davon 2 zurückgezogen = 8 Teams

    - 1x Kreisklasse mit 12 Teams


    Und das in Köln.

  • da sind wir ja auf einer linie. Das training in den vereinen muss zwingend besser werden. Es sind ja am STP viele Kids nicht WEGEN des trainings in den Vereinen sondern trotz des trainings in den vereinen. Ich bin oft erschrocken das basics wie dribbling mit gegnerfernem fuss etc. Noch im stp geschult werden muss... deshalb wünschte ich mir eine stärkere rückkopplung.

    Zum -zerstören- von -begabten-.

    Mir ist nach dem letzten c Jugend spiel ein satz eines spielers hängengeblieben. (1-2 verloren super gespielt). Gegnertrainer kam überglücklich über den sieg zu meinen jungs und sagte: fussballerisch wart ihr klar besser.

    Sagt der spieler: der freut sich über den sieg und wir sollen uns über guten fussball freuen?

    Spieler war neu bei mir. ;)

    Generell zeigt es aber alles. Dem trainer war es total egal wie seine jungs gespielt haben. Spiel war auf 2,3 gute abgestellt- rest waren Erfüllungsgehilfen die nichts durften außer rauskloppen oder die Stars anspielen. Hauptsache gewonnen. (EDIT: Kinder die nichts dürfen- werden Spieler die nichts können- genial simpel wie auch wahr;))

    Meine spieler sollten wissen das sie mir nicht egal sind, und wir deshalb NICHT jedes spiel gewinnen müssen, sondern ca. 14 spieler sich jedes spiel und training verbessern dürfen...

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

    Einmal editiert, zuletzt von Trainer E ()


  • Wir sind defintiv auf einer Linie 8):thumbup:


    Dein Beispiel ist ein Paradebeispiel. Den meisten Trainern geht es ausschließlich um den Sieg.


    Es wird im Training das trainiert was angeblich am besten zum Sieg führt:


    - Passspiel (am besten One touch)

    - keine Technik ("ist nur Zirkus!")

    - keine Dribblings ("zu viel Risiko!")

    - und natürlich Torschuss ( 15 Kinder am Mittelkreis - Pass an den 16er - Schuss! - Kommt ja 85mal im Spiel vor) *Ironie off* 8)


    Aufstellung:

    - Wer am besten im Tor oder am schlechtesten im Feld ist oder wer nicht schlecht ist

    - die kräftigsten/zweikampfstärksten in die Abwehr

    - die schnellsten nach vorne


    Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr,....


    Wie soll sich das Kind denn da entwickeln? Wie soll es besser werden?


    Leider trifft man sehr oft auf solche Trainer.


    Deine Jungs können sich glücklich schätzen dich als Trainer zu haben und werden es dir in den nächsten Jahren danken.


    EDIT: Uns Trainer sollte nicht der Erfolg das Ergebnis kümmern, sondern dass unsere Kinder besser werden.


    Als Verein sollte man die Leistung des Trainers nicht an den Erfolgen messen, sondern wieviele Kinder aus der Mannschaft es in den nächsten Jahrgang schaffen.


    Wenn ich Meister werde, dann aber 8 Spieler rauswerfe und gegen 8 andere Kinder austausche, muss ich doch was falsch gemacht haben und nicht die Kinder.

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"

    Einmal editiert, zuletzt von Malikinho ()

  • Mir fällt auf, dass die Stützpunkte in seiner Rede gar nicht vorkommen. Wenn es um Ergebnisfokussierung geht, wären es gerade die Stützpunkte, auf die der DFB schon jetzt einen direkten Zugriff hätte.

    genau. und da könnte man eben die Basisarbeit doch direkt ausweiten, weil der kontakt zu den vereinen doch bereits besteht.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • So viele Kommentare wie manche falsch tranieren, möchte mal gerne Training und Turnierspiele von denen anschauen, die "richtig " wiesen :wacko:


    Ich freue mich über jeden Tipp den man mir gibt um die Kinder besser zu machen.


    Lerne sehr gerne dazu und versuche aus meinen UND den Fehlern anderer Trainer zu lernen.


    Also wenn du einen Tipp hast, gerne raus damit.


    PS: Dies ist nicht ironisch gemeint. Ich meine das so und freue mich über Hilfestellungen.

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"

  • Malikinho

    Welche U-Mannschaft trainierst Du denn?

    Ich trainiere eine U9 und finde es wahnsinnig schwierig den Spagat zwischen Förderung einzelner (sowohl den stärkeren und vor allem den schwächeren Spieler), der Gruppe als Ganzes, dem Spaß (welcher in der U9 definitiv nicht zu kurz kommen sollte) und auch der Schulung der "Basis" gerecht zu werden.


    Ich werde gezielt versuchen bei Splittung der Trainingsgruppe (z.B. für 3vs3 und die andere Gruppe macht eine andere Spielform) noch stärker nach Spielstärke aufzuteilen. Dann kann man die jeweiligen Spielformen besser dem Leistungsstand der einzelnen Spieler anpassen und ggf. mit der einen Gruppe besser die Basis üben und sich mit der anderen Gruppe schon auf andere Dinge fokussieren.

    Aber viel andere Möglichkeiten wie das Splitten über einzelne Trainingsgruppen innerhalb des Trainings sehe ich kaum. Das mag aber auch daran liegen, dass ich erst seit ein paar Wochen Trainer bin ;-)