Lernen das Spiel zu lesen

  • Moin,

    beim beobachten anderer Trainer fällt mir wiederholt auf, dass einige Trainer ein Spiel sehr gut lesen können und andere weniger gut.


    Bsp.: Trainer A erkennt bei seinem Team schon nach 5 Minuten, dass sein linker Verteidiger mit dem Gegenspieler Probleme hat weil dieser zu wendig für ihn ist. Er stellt sein Team um. In der Halbzeit bespricht er dies mit seinem Verteidiger. Zusätzlich ändert er die Aufstellung, weil der Gegner sich mit seinen Außenverteidigern oft vorne einschaltet und er auf den Außen zu dünn besetzt ist. Er erklärt dies seinen Spielern in der Halbzeit damit diese sich besser darauf einstellen können.


    Trainer B (gleiches Spiel als Beispiel) bemerkt diese Details nicht. Er belässt seine Aufstellung und Taktik. In der Halbzeit versucht er sein Team zu motivieren. Fordert mehr Pressing und Aktivität. Er versucht die Spieler zu pushen.


    Beide Trainertypen habe ich schon selbst erlebt. Die zusätzliche Eigenschaft von Trainer A Probleme oder auch positive Dinge der Teams im Detail zu erkennen und sich individuell auf den Gegner einzustellen verschaft ihm einen großen Vorteil. Trainer B erkennt die Details nicht und kann daher auch nicht darauf eingehen.


    Gleiches Phänomen erlebt man auch gerne beim Fußball schauen auf der Couch mit Freunden. Während den einen sofort auffällt welcher Spieler heute gut drauf ist, nehmen andere dies garnicht wahr.


    Meine Frage ist. Kann man sich als Trainer in dieser Wahrnehmung verbessern, ist das Erfahrung oder ist das angebohren?


    Viele Grüße

  • Ich glaube, dass man es zu einem kleinen Teil "lernen" kann, aber aus meiner Sicht ist genau das der Punkt, der gemeint ist, wenn man von Trainer - Talenten spricht.

    Diese "Gabe" kann sich mit den Jahren und der hinzukommenden Erfahrung weiterentwickeln, aber aktiv lernen, kann man das meiner Meinung nach nicht.


    Jeder Trainer hat Stärken und weniger starke Seiten. Ein Spiel lesen können, gehört zu einer Stärke. Das kann man sich aber nicht einfach aneignen. Genauso wenig wie natürliche Autorität.

  • Sehe ich auch so!

    Das kann mit Erfahrung kommen, aber aktiv trainieren ist schwierig!


    Was man machen kann:

    Bewusster zuschauen!


    Ich habe nicht immer das Gefühl, dass Trainer das Spiel wirklich voll mitverfolgen. Manchmal hab ich das Gefühl, Trainer bemühen sich auch nicht. Dann wird das Spiel quasi nur kommentiert.

    Wenn man wirklich versucht das Spiel zu lesen, dann macht man glaub ich schon alles, was helfen kann das Spiel zu lesen. Es hilft mit Sicherheit auch, wenn man sich weiter fortbildet. Letztlich ist ja klar, wer mehr Sachen kennt, der kann auch mehr erkennen :) Wer mehr Erfahrung hat, hat auch den Vorteil, dass er Verhaltensweisen sieht, die er schon mal gesehen hat. Ist sicherlich auch ein Unterschied, ob man Dinge theoretisch kennt oder aber auch schon mal gesehen hat.


    Wie gesagt:

    - Fortbilden (hier zähle ich alles zu, fängt bereits damit an, hier mitzulesen)

    - Beim Spiel wirklich darauf achten, das Spiel zu lesen

    - Sich mit dem Co-Trainer während und nach dem Spiel austauschen (und zwar nicht "Spieler A ist heute aber kacke", sondern versuchen zu sehen, warum das so ist. Hat der Gegner auf dem Flügel eine Überzahl, wodurch unser AV immer in Unterzahl ist und deshalb die gegnerischen Durchbrüche nicht verhindert oder ist er deutlich langsamer als sein Gegenspieler oder oder oder).

  • Erster Schritt ist schon mal, das Spiel nicht nur zu schauen, sondern beim Spiel mitdenken. Welche Verhaltensweise erwarte ich von meinen Spielern in der Aktion, welche führen sie tatsächlich aus? Es kann auch helfen nicht immer nur in Richtung Ball zu schauen, sondern bewusst andere Bereiche des Spielfeldes zu analysieren. ZB zu schauen wie steht meine 4er Kette, wie die gegnerischen Angreifer, wenn die gegnerischen IV den Spielaufbau machen. Wie sieht die ballferne Seite aus, wenn ich selber über die andere Seite angreife?

    Im Grunde muss man vom Rand aus gedanklich mitspielen.

  • Ich habe nicht immer das Gefühl, dass Trainer das Spiel wirklich voll mitverfolgen. Manchmal hab ich das Gefühl, Trainer bemühen sich auch nicht. Dann wird das Spiel quasi nur kommentiert.

    Das sehe ich auch so. Viele Trainer kommentieren und instruieren(Spiel ab!!), und erkennen gar nicht das evtl. das Freilaufverhalten der Mitspieler nicht stimmt. Davon ab, das ich instruieren ohnehin falsch finde, machen diese Trainer Ihre Spieler aktiv -schlechter-

    Edit: Gerade diese Trainer können ein Spiel gar nicht lesen, da Sie ständig in der Ballaktion sind und Ihre Spieler instruieren.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • TrainerE


    Das ist eine sehr pauschale Aussage. Ich weiß nicht, ob du jetzt von Kifu redest oder hohen Jugendbereich.

    Mit aktivem Coaching kann man sein Team durchaus besser und erfolgreicher machen.


    Natürlich nicht, wenn man Blödsinn reinruft, aber taktische Anweisungen gehen immer.

  • Das ist eine sehr pauschale Aussage. Ich weiß nicht, ob du jetzt von Kifu redest oder hohen Jugendbereich.

    Mit aktivem Coaching kann man sein Team durchaus besser und erfolgreicher machen.


    Natürlich nicht, wenn man Blödsinn reinruft, aber taktische Anweisungen gehen immer.

    eher vom Kifu. eine Instruktion in der Ballaktion halte ich übrigens auch im hohen Jugendbereich für falsch.

    Ich habe auch gar nicht von taktischem Coaching gesprochen!

    Ab D sollte man m.e. auch aktiv coachen (zum Teil situativ auch darunter).

    ganz simpel:Wenn ich riesen Lücke zwischen Abwehr und MF erkenne, muß ich das natürlich coachen.

    Ich erlebe jedoch ständig Trainer die jedesmal in der ballaktion instruieren. Und die werden kaum ein Spiel -lesen- können.

    Nur das habe ich geschrieben.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Meine Frage ist. Kann man sich als Trainer in dieser Wahrnehmung verbessern, ist das Erfahrung oder ist das angebohren?

    ...natürlich kann man sich, wie in allen anderen Dingen, auch hier verbessern!

    Ein erfahrener Trainer hat halt viele Erfahrungen gemacht und das ein oder andere daraus "gelernt" (Fachwissen).

    Wie schnell jemand lernt, hängt dann wiederum von seinem Talent, seinem Ehrgeiz und der Art und Qualität der Lern-Methodik ab.

    Passendes Beispiel bin ich selber!

    Um mich auf diesem Gebiet zu verbessern nahm ich an einer mehrtägigen Fortbildung des BFV zum Thema "Spielbeobachtung und Analyse" teil.

    In zahlreichen Durchgängen betrachteten wir z.B. einen und den selben Spielausschnitt immer wieder unter wechselnden Vorgaben.

    - wie ist die offensive Grundordnung von Team A

    - wie ist die defensife Grundornung von Team B

    - dann dasselbe bei Team B

    - wie ist das Freilaufverhalten der Spieler vo Team A ( ..dann Team B)

    - wie ist das Umschaltverhalten von Team A (...dann Team B)

    .......u.s.w......u.s.w....--> so lassen sich systematisch einzel-, gruppentaktische- oder mannschaftstaktische Geschehnisse beleuchten.

    Durch diese "Sezierung" eines überschaubaren Spielausschnittes erfolgt quasi ein "Videotraining".

    Im Vergleich zum anfangs oberflächlichen "Fernsehzuschauermodus", in dem nur die auffälligsten Situationen registriert werden, hatte ich im "Schlussdurchlauf" das Gefühl viel mehr und komplexere Abläufe zu erkennen.

    Das übertrugen wir am nächsten Tag auf ein Regionalliga-Livespiel. Die Gruppe wurde in 4 "Scouting-Gruppen" aufgeteilt.

    Jede Gruppe sollte am Tag nach dem Spiel einen "Scoutingreport" zum Gruppenthema in Form einer Präsentation abhalten.

    Aufgabenstellung meiner Gruppe war: wie verhält sich Team A gegen den Ball und wie reagieren sie bei Standards wenn sie den Ball nicht haben.

    Ob man nun an solchen Kursen teilnimmt, in Eigeregie Ähnliches macht, in Lektüre schmökert oder erfahrenen Kollegen auf den Senkel geht, es ist alles "Lernen" um besser zu werden!


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Das sind auf jeden Fall Maßnahmen, um sich weiterzuentwickeln, aber letztlich reden wir beim Scouting des Gegners ( ohne eigene Beteiligung bei der Spielbeobachtung) und dem Coachen der eigenen Mannschaft im Wettkampf, von zwei unterschiedlichen Dingen.


    Als Trainer ist man bei den eigenen Spielen viel angespannter, emotionaler und man steht direkt am Spielfeldrand und hat "Stress". Man sitzt nicht ruhig auf der "Tribüne" und kann sich Notizen machen.

  • coach 31, warum kann man nicht ruhig dasitzen und sich Notizen machen?

    Ich habe für mich seid dem Wechsel auf das Großfeld gelernt nicht die Ballaktionen sondern das drum herum zu beobachten.

    Bei der letzten WM hat der ORF in Österreich die Optionen beim Streamen gehabt, das Spiel von der Dachkamera aus zu verfolgen... das war sehr interessant und hat mir sehr gut gefallen. Ich habe dann am Tablet das Match geschaut und zeitgleich habe ich den Fernseher laufen lassen wenn ich die Szenen direkt sehen wollte.

    Positiver Nebeneffekt bei der Dachkamera war, das es keinen Komentator gibt, für sind a Drama in Österreich 🤦🏼‍♂️🤣🤣🤣

  • maider187


    Wo habe ich gesagt, dass es ein Problem ist, wenn man auf der Tribüne sitzt, oder vor dem Tablet bzw. TV und sich Notizen macht?


    Ich sagte nur, dass das für mich kein "Spiel lesen", sondern eher scouten ist.


    Wenn man von "Spiel lesen" redet, dann geht es darum, das Spiel zu beobachten und zu "lesen" während es läuft. Das Spiel der eigenen Mannschaft. Da sitzt man in der Regel nicht vor dem TV :-)

  • Du schreibst als Trainer ist man viel angespannter, man sitzt nicht auf der Tribüne und macht sich Notitzen..

    Deswegen frage ich warum kann man nicht ruhig auf der Bank sitzen und sich Notizen machen? Ähnlich wie auf der Tribüne?

    Warum hat man Stress?

    Warum steht man am Spielfeldfrand?

    Muss man das wirklich?

    Weil man in der Aktion ist und nicht im Spiel. Hört sich jetzt etwas komisch an aber ich meine damit man fiebert mit dem Spieler mit, sieht man schön wenn der Trainer manchmal versucht den Ball selbst ins Tor zu spielen, egal ob mit dem Fuß oder dem Kopf ☝🏻.

    Und das kann man sehr wohl lernen...


    Mein bespiel beruht darauf das man es so etwa lernen kann, ich könnte viel von den Übertragungen mitnehmen. Alleine schon wenn man sieht wer die Zielperson beim Abschlag oder Ausschuß ist, wer auf den zweiten Ball geht und wer auf den weitergeleiteten Ball lauert. Selbst da kann man schöne Muster erkennen. Und das kann man mitnehmen und dann selbst darauf achten wir sich sein Team verhält, geht aber nur wenn ich mich auf die Zielperson und seine Aktion achte sondern auf seine Mitspieler im Umkreis.

    Einwurf zb. Ist eine sehr heikle Situation wenn sich der zweite IV nicht etwas nach hinten absetzt und die Tiefe sichert. Fällt dem Aktionsgebundenen Trainer selten bis gar nicht auf weil er den Kontakt zum Gegner fordert.

    Beispiel aus der U7, dort hatte ich immer ein Kind das beim fangen spielen abseits Stand und nie „aktiv“ mitmachte. Ich dachte mir immer sie ein fauler Socken bis mich ein Kollege aufforderte ihn genau zu beobachten. Und was stellte ich fest? Der Lauser hat das Spiel gelesen und sich immer still und heimlich auf die gegenüberliegende Seite des Fängers bewegt aber nicht am letzen Drücker sondern bedacht und in aller Ruhe 🤷🏼‍♂️💪🏻💪🏻💪🏻

  • Interessantes Thema - allerdings für mich nicht eindeutig.


    Nehmen wir das Beispiel aus dem 1. Post hier:

    man könnte es auch so interpretieren

    - Trainer A hat den Gegner falsch eingeschätzt und falsch aufgestellt und das obwohl er ihn schon beobachtete oder kannte. Kann also ein Spiel schlecht lesen.

    - Die Spieler können die Vorgaben des Trainers A nicht umsetzen oder halten sich nicht daran. Der Mittelfeldspieler verhindert die Pässe auf den Außenstürmer nicht so wie vorgegeben, so dass der linke Verteidiger nur schlecht aussehen kann. Somit sollte er mit dem Mittelfeldspieler reden.

    - Trainer B ist Kindertrainer (oder in der Vorbereitung oder ...) und möchte sehen, wie sich der Spieler gegen einen schnellen, wendigen Stürmer verhält

    - Trainer A liest zwar das Spiel, nimmt aber nicht die Emotionen wahr. Trainer B bekommt diese mit. Am Schluss schlägt Emotion die Taktik. Wer hat das Spiel besser wahrgenommen?


    Was gehört den zu einem Spiel lesen dazu?

    - Spielsystem?

    - Laufwege?

    - Passfolgen?

    - gespielte Pässe? gewonnene Zweikämpfe?

    - was unterscheidet Spiel lesen von Statistik?


    Für mich auch immer interessant: verhält sich der Spieler so, wie es der Trainer erwartete oder handelt er selbstständig aus der Spielsituation heraus (leider weiß ich nicht, was der Trainer seinem Spieler mitgegeben hat)

  • maider187


    Du kannst während deiner Spiele auf der "Tribüne" sitzen und Notizen machen?


    Du bist 0 angespannt? Dir ist das Spiel, wie sich deine Mannschaft präsentiert ( sowohl fußballerisch als auch disziplinarisch) also eigentlich egal bzw. Es ist sekundär?


    Du SCOUTEST das gegnerische Team, während deine Mannschaft gerade dagegen spielt und machst dir Notizen? Interessant. Das habe ich noch nie gesehen. In über 20 Jahren.


    Mir geht es um den Begriff des Spiel lesens im Spiel. Eine Aktion des Gegners zu sehen, bevor sie passiert. Beispielsweise deine ballfernen Spieler anzuweisen mit Tempo nach hinten zu arbeiten, weil 1-2 Sekunden später eine Diagonalball des Gegners genau in diesen Raum. Kommt.


    Oder deine Mannschaftsteile darauf hinzuweisen, dass sie kompakter stehen müssen und das auch klar anzusagen, wenn die Abstände zu groß sind.


    Zu sehen, dass der linke AV des Gegners große Probleme im defensiven 1:1 hat und dann deinen stärkeren Außen gegen ihn zu stellen, obwohl dieser eigentlich auf der gegenüberliegenden Seite spielt.


    In Game Aktionen. Das ist das, was ich meine. Auch dem eigenen IV zu sagen, dass er an dem Mittelstürmer (der sich etwas gelöst und ins Mittelfeld fallen gelassen hat) des Gegners dran bleiben muss und ihn sich nicht drehen lassen darf, weil gerade einer der gegnerischen Außen gestartet ist und das Zuspiel des Stürmers in die Schnittstelle erwartet.


    Zu sehen, dass der gegnerische Torwart bei hohem Bällen nie die Linie verlässt bzw. unsicher ist. Und dann die Anweisungen zu geben, jeden Standard nahe an das Tor zu bringen.


    Das ist ein Spiel lesen und durch das coaching hilft man dem Team, das Spiel zu gewinnen.


    Das was du meinst ist immer noch scouten.

  • Coach31


    ich habe nicht geschrieben ich sitze auf der Tribüne, ich habe gefragt was hält dich davon ab auf der Trainerbank zu sitzen und dir Notizen zu machen als ob du auf der Tribüne sitzt. Wer sagt das ich nicht angespannt bin? Sicher bin ich angespannt aber trotzdem kann ich meine Gefühle und Emotionen kontrollieren und mich auf das wesentliche im Spiel konzentrieren, die Mannschaft und nicht den Ball.

    Wie schon gesagt, ich verfolge nicht die Ball Aktion sondern das rundeherum und das bedeutet für mich In Game Coaching. Spiel lesen ist eher ein unglücklich gewähltes Wort, denn das was du mit der Aktion beschreibst hat eher was mit Antizipation zu tun und das kann jeder Spieler lernen.

    Mir geht es um den Begriff des Spiel lesens im Spiel. Eine Aktion des Gegners zu sehen, bevor sie passiert. Beispielsweise deine ballfernen Spieler anzuweisen mit Tempo nach hinten zu arbeiten, weil 1-2 Sekunden später eine Diagonalball des Gegners genau in diesen Raum. Kommt.

    Das lässt sich für mich sehr schwer am großen Platz Coachen weil die Aktion unmittelbar bevor steht und ich nicht in 2 Sekunden vermitteln kann was jetzt kommt, noch dazu würde ich den Spieler aus seiner Konzentration holen und komplett aus dem spiel nehmen. Mir wäre es da wichtiger wenn er überlaufen wird das er sofort nach hinten zum doppeln ansetzt und den IV hinterläuft um dessen Position einzunehmen um nochmals ausgespielt werden zu müssen. (Gruppen / Individualtaktik)



    Das was Eingangs gefragt wird hat eher taktische Hintergründe wie zb wie ich es erlebt habe das der Gegner sehr tief steht und bei Ballgewinn weit und schnell auf die Stürmer spielt aber dabei nicht nachrückt. So habe ich mein Team angewiesen

    1. Der zweite IV muss sich bei den hohen Bälle sich sofort fallen lassen damit wir nicht in Laufduelle entwickelt werden und als ganzer Verbund etwas tiefer stehen, jedoch nicht so tief das der Abstand zwischen Verteidigung und Mittelfeld abreist
    2. Die Stürmer die IV Anpressen um den weiten Ball zu verhindern oder unsauber zu spielen
    3. Bei Ballgewinn sofort die Mitte zu bespielen weil hier massive Löcher sind weil der Gegner nicht aufrückt

    Oder wir führen mit einem Tor Vorsprung und der Gegner drückt auf den Ausgleich und baut das Spiel immer über die Mitte auf. Doch wir haben dort keine Zugriff, Anweisung an die zweiten Stürmer, fallen lassen und die Mitte dicht machen damit der Gegner den Ball über die Seite spielen muss. bzw so anlaufen das der Pass in die Mitte nicht möglich ist.

    Oder deine Mannschaftsteile darauf hinzuweisen, dass sie kompakter stehen müssen und das auch klar anzusagen, wenn die Abstände zu groß sind.

    das ist für mich In Game Coaching



    Das was du meinst ist immer noch scouten.

    Mein Beispiel mit Tablet und TV sollte dazu dienen das man sehr wohl lernen kann sich nicht auf den Ball zu konzentrieren sondern auf das Spielfeld und mit der Kameraperspektive vom Dach hat man sehr schön gesehen was sich überhaupt neben dem Hauptdarsteller (Ball) so alles abspielt. Ob man dann sieht was passiert ist eine andere Sache..


    Das kann man auf die Bank mitnehmen und auf sein Team ummünzen.


    Scouten kann ich Spieler im Match die ich gerne hätte oder über die ich ein Spielerprofil erstellen möchte, bzw. vorab einen Gegner um mir einen Matchplan zurecht zu legen.


    Aber im Spiel versuche ich Muster des Gegners zu erkennen um seine Taktik/Spielweise herauszufinden um darauf reagieren zu können wenn mein Matchplan nicht funktioniert und wir keinen Zugriff auf das Spiel haben.. und das kann ich nur wenn ich das ganze Feld beobachte und nicht den Ballführenden Spieler... und wenn ich drauf reagieren kann ist das für mich In Game Coaching.. kann aber auch sein das ich komplett falsch liege.:/


    Aber ja, jedem das seine.


    Edit: und wenn ich dann im CL-Finale stehe und der generische Trainer soll meine Anweisungen, Systemumstellung nicht mitbekommen schreibe ich einen Zettel und sage dem Spieler den ich ihm gegeben habe, lass ihn dir aber nicht wegnehmen 8o:D:D:D

  • Mir geht es nicht um das Kommentieren jeder Ballaktion. Hier ging es um das "Spiel lesen" und erst wenn ein Trainer das kann, kann er gutes und erfolgversprechendes In Game Coaching betreiben.


    Ein Trainer, der ein Spiel nicht lesen kann, ruft zumeist nur: "Auf Hans, lauf"

    "Larry, was machst du denn da Junge? Du musst auch mal Kreide fressen!"

    Im besten Fall kommt was motivierendes.

    Taktische Korrekturen und Anweisungen kommen nur von Trainern, die ein Spiel lesen können.


    Allerdings kann ich auch einen anderen Trainertypus nicht leiden... Nämlich den, der die ganze Zeit, vor allem am Anfang des Spiels, nur ruhig auf der Bank sitzt ( gerade wenn es für sein Team nicht läuft), aber wenn man dann sicher führt, dann kommen die ganzen taktischen Anweisungen und man lässt den Guardiola raushängen.


    Gute Trainer helfen ihrem Team, wenn es nicht läuft. Wenn meine Jungs 4:0 führen, 20 Minuten vor Spielende, brauche ich nicht mehr den Kasper zu machen.


    Und nein, ich lasse den Spieler es nicht absichtlich falsch machen, damit ihn sein Gegenspieler überläuft, "damit er was lernt". Lernen soll er das im Training.

    Bei den Spielen ist der Coach dazu da, dass er seinem Team hilft die Begegnungen zu gewinnen.


    Edit: Das ganze Spielfeld beobachten ist nichts anderes als das Spiel zu lesen :-)

  • Gute Trainer helfen ihrem Team, wenn es nicht läuft.

    Genau das beschreibt auch Norbert Elgert (Schalke) in seinem neuen Buch.

    Es sei ein fatales Signal an die Mannschaft, wenn der Trainer sich im Falle eines Rückstandes schweigsam auf die Bank zurückzieht.

    Genau das Gegenteil müsste der Fall sein.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • So ist es. Natürlich ist es auch nicht hilfreich wie ein Baumstamm da zu stehen. Das Team muss merken, dass der Coach da ist.


    Wenn es läuft, dann merkt man meistens nicht, dass der Trainer da ist. Selbst Klopp sitzt bei einem 5:0 gegen gegen Wolverhampton ruhig auf der Bank :-).


    Im Ernst, die "Trainer", die bei einem entschiedenem Spiel den großen Taktiker raushängen lassen, sind Blender.


    In Deutschland bzw. Europa wird da ohnehin zu wenig differenziert.

    In den USA gibt es den Coach und die Trainer.


    Für mich sind viele "Trainer" eher Übungsleiter. Aber ein richtiger Coach definiert sich nicht hauptsächlich über sein Training oder wird nach diesem bewertet.

  • Coach31 ich lasse den Spieler es ja nicht absichtlich falsch machen aber 2 Sekunden bevor die Aktion startet „Achtung“ rufen, zu mehr hast ja in 2 Sekunden nicht Zeit ist ja auch nicht zielführend, oder?

    Ich glaube in der Aktion das ich den Spieler eher störe als helfe wenn ich zwei Sekunden vorher namentlich reinrufe. Es gibt auch etliche Studien die besagen das solche zu und reinrufe als störend und nicht Zielführend wahrgenommen werden.


    https://www.dfb.de/trainer/art…mpf-richtig-coachen-2214/


    Da macht es mehr Sinn die Situation direkt danach anzusprechen oder in der Halbzeit aufzuarbeiten.

    Wenn es zu oft passiert muss man im Spiel eine Möglichkeit finden um es verständlich rüberzubringen...


    Unterm Strich wollen wir beide auf das selbe raus, nur hat jeder eine andere Blickrichtung und anderen Zugang und das ist gut so.


    Und ja ein Trainer der wie angewurzelt dasteht oder sitzt, ist vermutlich auch nicht der richtige. Anderseits gibt es sehr viele unterschiedliche und sehr erfolgreiche Trainertypen dass man das sicher nicht so pauschal beurteilen kann was nun wirklich besser oder schlechter ist.


    Edit: außerdem wer sagt das der AV falsch steht, vielleicht haben sich der IV und der AV abgesprochen das der IV die langen Flugbälle nach vorne zum AV klärt und somit schneller umschalten können ☝🏻🤷🏼‍♂️.

  • In Deutschland bzw. Europa wird da ohnehin zu wenig differenziert.

    In den USA gibt es den Coach und die Trainer.

    Für mich sind viele "Trainer" eher Übungsleiter. Aber ein richtiger Coach definiert sich nicht hauptsächlich über sein Training oder wird nach diesem bewertet.

    Auch wenn es etwas Off-Topic ist, möchte ich da widersprechen (bzw. würde ich gerne wissen, was deiner Meinung nach deutlich wichtiger ist als das Training.


    Ich kenne "Coaches", die tatsächlich der Meinung sind, dass das Training keinen hohen Stellenwert in ihrer Arbeit als Trainer hat. Es ist nicht zwingend notwendig, dass bei denen das Training nicht besonders gut, aber es kommt doch häufiger vor als bei "Übungsleitern".

    Ich möchte damit nicht sagen, dass es nicht weitere Fähigkeiten gibt, die einen "guten" von einem "schlechten" Trainer unterscheiden. Es ist vielleicht wie beim Spitzenfußballer und der Technik. Auf höchstem Niveau machen andere Fähigkeiten den Unterschied aber ohne geht es einfach nicht.


    Ich glaube nicht, dass es eine wahnsinnig gute Idee ist Konzepte aus den USA zu übernehmen. Auch wenn das sicher nicht der einzige Grund ist, warum die Vereinigten Staaten in den letzten Jahren kaum Erfolge verzeichnen konnten. Die dort vorherrschenden Sportarten (bes. Football und Baseball) haben deutlich geringe Anforderungen an die Übungsleiter, allein schon deswegen, weil es kaum Probleme gibt eine hohe Spezifität zu erzeugen. Ein Baseball-Spieler macht meist immer das selbe, da ist es für einen Trainer deutlich einfacher ein passendes Training zu entwerfen.


    Im Grunde sind ja gerade die Trainer, die sich über ihre Fähigkeiten als Vermittler von Inhalten definieren diejenigen, die besonders erfolgreich sind (-> Thomas Tuchel; [Jürgen Klopp]; Julian Nagelsmann; Pep Guardiola).


    Um hier mal den Bogen zum ursprünglichen Thema zu spannen:

    Ob ich jetzt Banalitäten coache oder taktische Inhalte hängt auch davon ab, wie weit meine Mannschaft bereits ist. Du hast geschrieben, dass du "deine ballfernen Spieler [anweist] mit Tempo nach hinten zu arbeiten". Das ist für mich etwas, was ich mir im Training erarbeiten muss. Da müssen die Spieler natürlich körperlich und geistig auf der Höhe sein und natürlich gibt es Mannschaften bei denen es notwendig ist das einzufordern. Aber letzten Endes möchte ich (durch mein Training) an einen Punkt kommen, an dem das ein Automatismus ist.


    Es geht beim "Lesen" eines Spiels in erster Linie darum, dass ich klare Vorstellungen habe, was ich als Trainer in dieser Situation von meinem Spieler sehen will und, was ich von ihm (aufgrund von Alter, Spielklasse etc.) erwarten kann. Ich hatte mal einen (Interims-) Trainer, der mich als Spieler für ein Spiel gecoacht hat. In dieser Partie (ich war Außenverteidiger) sah mein Flügelspieler eine relativ frühe rote Karte. Da der Trainer (warum auch immer, war zugegeben sein einziges Spiel mit der Mannschaft) verzichtete darauf entsprechend umzustellen, sodass ich eine sehr komplizierte Halbzeit auf meiner Seite. In der Halbzeit erklärte mir der Trainer, dass ich endlich mal meine Seite zubekommen solle.


    Dass ich absolut nicht in der Lage war, teilweise doppelte Unterzahlsituationen zu verteidigen, war ihm tatsächlich einfach entgangen. Er hatte keine konkrete Vorstellung wie die Mannschaft verteidigen soll und konnte mir dementsprechend nicht sachdienlich helfen.


    Je konkreter meine Vorstellung davon, wie meine Mannschaft spielen soll, umso einfacher ist es zu erkennen, wo genau es auf dem Platz hakt. Und dann spielt es auch keine Rolle, ob ich als Trainer eher aktiver oder eher passiver bin. Das kann ich dann abhängig vom einzelnen Spieler und seinen Bedürfnissen oder einfach meiner eigenen Vorstellung als Trainer. Glaubwürdig muss ich da ja zu jedem Zeitpunkt bleiben.