2 vs. 1 + Torwart

  • Hallo zusammen,


    aufgrund der Jahreszeit trainieren wir aktuell 1x die Woche in der Halle. Für das Training haben wir die halbe Halle zur Verfügung.

    Aktuell lassen wir viel 2 vs. 1 + TW spielen.


    Das sieht dann wie folgt aus:

    - meine beiden Cos stehen mit den Bällen neben dem Tor (je ca. 3 Meter rechts und links vom Tor)

    -In der Hallenmitte (ca. 20m) vor dem Tor stehen 2 Reihen, eine mittig links, eine mittig rechts. Diese sind die Angreifer

    - ca. 5 - 7m vor dem Tor steht der Verteidiger.


    Ablauf:
    1. ein Co-Trainer spielt zu dem Vordermann der Reihe auf seiner Seite.

    2. Dieser nimmt den Ball an.

    3. Dann versuchen er und der Vordermann der anderen Reihe als Teamkollegen ein Tor zu erzielen (Keine Vorgabe wie). Der Abwehrspieler und der TW versucht dies zu verhindern

    4. ist der Ball drin, geklärt, etc. machen die Angreifer unter sich aus wer in die Abwehr geht (machen die ganz gut, es will jeder, gibt dennoch keinen Streit)

    5. Der andere Co spielt den Ball und es geht auf der anderen Seite wieder los.


    Unsere Ziele:

    - Ballan- und mitnahme

    - Entscheidungsfindung (versuche ich es alleine oder spiele ich ab?)

    - Das Spielen ohne Ball (freilaufen)

    - (Torschuss)


    Wir machen diese Übung jetzt seit 5 Wochen.

    Beim ersten Mal waren die Kinder recht überfordert mit der Entscheidungsfindung.

    Beim zweiten Mal fingen die ersten Kinder an, die Übung zu verinnerlichen.

    Beim dritten Mal haben weitgehend alle diese verinnerlicht.

    Letzte Woche sah man schon recht viele gute Kombinationen (zb im 1vs1 super durchgesetzt und dann einen Pass gespielt, Doppelpässe um den VER auszuspielen, uvm.)

    Wir können bei jedem einzelnen Fortschritte erkennen, sowohl bei der Ballannahme, dem Freilaufen und der Entscheidungsfindung, so dass wir manchmal erstaunt sind, was er/sie gerade gemacht hat/haben.

    Zusätzlich kann man den Kindern ansehen, dass sie viel Spaß an der Übung haben.

    Ich halte viel von der Übung, da es für die Kinder nicht monoton ist und sich jedesmal aufs neue in eine neue Situation stürzen.

    In naher Zukunft wollen wir es auf 3 vs 2 steigern und sobald es wieder nach draußen geht ebenfalls viel Funino einbauen.


    Ich würde gerne eure Meinung dazu wissen.


    Liebe Grüße

    Euer Wochenendarbeitsplatz

    Die CoachingZone;)^^

  • Was passiert wenn der Verteidiger den Ball gewinnt oder der Torhüter den Ball fängt?

    Kleiner Tipp: Sollte obiges geschehen, können sie einen Punkt erzielen indem sie zum wartenden Pärchen passen.

    Diese werden nun sofort aktiv um anzugreifen, die vorherigen Angreifer müssen sofort auf Torhüter/Verteidigung umschalten. Die Verteidiger verlassen das Spielfeld schnell zur Seite.


    Es ist sehr wichtig für Verteidiger solche Umschaltmomente drin zu haben um nach einer Balleroberung sofort die näcvhste Aktion zu starten. Neben Handlungsschnelligkeit wird hier auch die Konzentration der Wartenden gefördert. Am wichtigsten finde ich jedoch, dass eine positive Einstellung zum Ballerobern erlebt wird und Kinder die nicht so stark in der Offensive und mit dem Ball sind auch viele Erfolgserlebnisse sammeln können. Kinder die dagegen keine Lust auf Verteidigen haben, lernen schnell wie wertvoll es ist gut zu verteidigen.



  • Wenn das selbstständige entscheiden, wer Verteidiger ist, bei den Spielern klappt, dann ist das natürlich gut. Ich bin allerdings ein Fan davon, bei der Übungsorganisation klare Vorgaben zu machen um den Fokus auf den eigentlichen Trainingsinhalt zu lenken. Bei mir würde wohl der Spieler zum Vertidiger werden, der nicht aufs Tor geschossen hat.


    Ich würde eher zum 2 gegen 2 als zum 3 gegen 2 steigern. Ersteres passt doch besser zu den Trainingsschwerpunkten als ein 3 vs 2. Das 3v2 ist schon sehr stark taktisch geprägt, während beim 2v2 das Zweikampfverhalten und die Kreativität stärker im Vordergrund stehen.

    Evtl. kannst du die Entscheidungsfindung durch einen zweiten von hinten einstartenden Verteidiger (->Zeitdruck) erschweren.

  • Ich habe auch noch 2 2 vs 1-Varianten, die ich gerne hab spielen lassen:
    (1) ebenfalls 3 Reihen vor dem Tor: Aus der mittleren Reihe startet ein Spieler mit Ball, er dribbelt an und schließt ab, dabei erlaube ich ihm auch einen Nachschuss, auf mein Kommando starten dann je ein Spieler von rechts und links, wobei der rechte einen Ball hat. Die beiden spielen 2 vs 1. Erobert der VT den Ball, hat er als Kontertor die Linie, auf der die 3 Reihen stehen.

    (2) 2 Tore mit je einem TW(wechselt natürlich immer mal wieder): Neben dem einen Tor 1 Spieler, neben dem anderen 2, alle 3 mit Ball. Der 1 Spieler startet und schließt auf das ggü.-liegende Tor ab, sofort danach bekommt er einen Ball von einem der beiden Spieler neben dem Tor als Pass zugespielt(wer das ist, habe ich vorher festgelegt). Den Pass schießt Spieler 1 mit 1-2Kontakten aufs Tor. Sobald er geschoßen hat, dribbelt Spieler 3 mit seinem Ball ins Feld und greift gemeinsam mit Spieler 2 auf das andere Tor an. Spieler 1 ist jetzt Verteidiger, der bei Balleroberung einen 3. Abschluss erspielen kann.

  • Ich würde dem Verteidiger auf die rechte Seitenwand eine Weichbodenmatte als Tor aufstellen, auf welche er dann unbedrängt mit links abschließen dürfte

    Naja, dann hast du ja wieder keinen Umschaltmoment mehr und wenn man das mit Gegnerdruck macht, wird es vermutlich dazu führen, dass die beiden Angreifer, die in diesem Moment zu Verteidigern werden, das Zentrum räumen um den Torschuss zu verhindern.

  • Die gleichen Übungen/ Spielformen zu wiederholen mache ich auch (fast ) garnicht. Machbar wäre es aber, wenn die Kids Spaß dran haben. Kids fragen öfter nach, ob Sie diese oder jene Spielform nochmal machen könnten. WEnns dann passt mache ich es auch. Grundsätzlich bin ich aber immer dafür, Spielformen und Übungsformen nicht zu wiederholen. Bis aufs Rondo zu Beginn zum Aufwärmen, auch da gibts Variationen en masse, aber ab und zu wiederholt es sich.

    was Skriwer oben schrieb finde ich elementar. Die Anschlußaktion sollte immer dabei sein, egal bei welcher Übung.

    DEshalb spiele ich beim Rondo auch gern das 4 +1 gg. 3 in der Mitte, wo der aktive Ballgewinn gefordert ist, und die 3 dann in der Mitte auf Halten 3 gg. 1 spielen.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Die gleichen Übungen/ Spielformen zu wiederholen mache ich auch (fast ) garnicht. Machbar wäre es aber, wenn die Kids Spaß dran haben. Kids fragen öfter nach, ob Sie diese oder jene Spielform nochmal machen könnten. WEnns dann passt mache ich es auch. Grundsätzlich bin ich aber immer dafür, Spielformen und Übungsformen nicht zu wiederholen. Bis aufs Rondo zu Beginn zum Aufwärmen, auch da gibts Variationen en masse, aber ab und zu wiederholt es sich.

    Sehe ich etwas anders. Grundsätzlich ist das variieren von Übungen/Spielformen hin und wieder wichtig. Aber grundsätzlich haben Spielformen, die bereits verinnerlicht wurden einige Vorteile. Einerseits fällt die Erklärung durch den Trainer weg, was wertvolle Trainingszeit und Aufmerksamkeit der Spieler spart. Außerdem haben die Spieler den Sinn der Übung bzw. die Coachingpunkte bereits verstanden. Hier kann der Schwerpunkt der Übung besser vertieft werden. Denn auch taktische Inhalte müssen durch häufige Wiederholung eingeschliffen werden, damit sie automatisiert sind.


    Also: Variation ja, aber nicht als Selbstzweck.

  • Sehe ich etwas anders. Grundsätzlich ist das variieren von Übungen/Spielformen hin und wieder wichtig. Aber grundsätzlich haben Spielformen, die bereits verinnerlicht wurden einige Vorteile. Einerseits fällt die Erklärung durch den Trainer weg, was wertvolle Trainingszeit und Aufmerksamkeit der Spieler spart. Außerdem haben die Spieler den Sinn der Übung bzw. die Coachingpunkte bereits verstanden. Hier kann der Schwerpunkt der Übung besser vertieft werden. Denn auch taktische Inhalte müssen durch häufige Wiederholung eingeschliffen werden, damit sie automatisiert sind.


    Also: Variation ja, aber nicht als Selbstzweck.

    Variation als Selbstzweck?! Verstehe ich nicht. Eben nicht als Selbstzweck.

    Ich sehe die Variation als Teil des differentiellen Lernens.

    Das sehe ich wiederum ganz anders als Du.

    Spielformen können durchaus ständig variiert werden. Dabei -spart- es nicht die Aufmerksamkeit der Kids, sondern fordert die Aufmerksamkeit. Der jeweilige Schwerpunkt bestimmt die Variation. Und auch innerhalb eines Schwerpunktes variieren die Spielformen. Mit -einschleifen- und -automatisieren- kann ich wenig bis gar nichts anfangen.


    Einschleifen bei taktischen Inhalten. Sehe ich nicht als zwingend an. Individualtaktik und gruppentaktik (und dann irgendwann mal Mannschaftstaktik) benötigen wiederkehrende SPIELsituationen, aber keine gleiche Gegebenheiten.

    Im Gegenteil bin ich davon überzeugt, das ich durch ständig unterschiedliche Gegebenheiten und variantenreichen Spielformen gerade besseres Situationsverständnis schaffe.


    BTW: Ich erkläre z.b. den SChwerpunkt oft nicht mehrvorher, sowie ich es früher gemacht habe, sondern lasse mir den nach(besser in einer PAuse) einer Spielform von den Kids erklären. Die können das erstaunlich gut, trotz ständig anderer Spielformen.

    Erleichtert dann ungemein das Coaching

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Wenn ich eine Form mit ausreichender Komplexität (bzw. Spielerzahl) wähle entseht eine entsprechende Differenzierung der Spielsituationen. Das zeichnet ja gerade eine gute Spielform aus. Dass sie ohne zu viele Regeln, das Trainingsziel möglichst oft und spielnah darstellt. Und wenn ich eine solche habe, dann brauch ich sie auch nicht mehr so sehr zu verändern.


    Die Aufmerksamkeit wird auf die Erklärung des Trainers bzw. auf die veränderte Aufgavenstellung gelenkt anstatt auf das eigentliche Trainingsziel gelenkt.


    Ein Fußballer braucht, bei aller Spielintelligenz, Automatismen. Denn Spielintelligenz kann nur die Fähigkeit sein aus einem breiten Werkzeugkasten das richtige Werkzeug auszuwählen. Und diese Werkzeuge müssen dann automatisiert ablaufen, sodass ich als Spieler in der Lage bin, meinen Fokus auf "höhere" Ebenen des Spielgeschehens zu richten.

    Das heißt aber logischerweise nicht, dass ich taktische Inhalte isoliert trainiere. Im Gegenteil läuft mein Training fast immer in Spielformen ab.


    Wir sind was den differentiellen Ansatz angeht denke ich auf der selben Wellenlänge. Meine These ist nur, dass ich dafür keine Variation der Spielform benötige, da eine gute Spielform bereits für die entsprechende Varianz sorgt. Die Vorteile bei (moderater!) Wiederverwendung von Spielformen hab ich oben bereits beschrieben.

  • naja wir sind nicht soooo weit auseinander. Du erkennst die varianz in der spielform an sich. Natürlich haben spielformen gg. Über den normalen, repetitiven iso-übungen natürliche Varianzen. Ich sehe das allerdings noch weiterreichend. Da kommen wir nicht zusammen was ich aber nicht schlimm finde. Eine höhere ebene des Spielgeschehens sehe ich nicht. Meinst du damit z.b. umblickverhalten wenn man nicht im ballbesitz ist(wird immer pauschal zur -vororientierung- gerechnet)???

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Wenn ich grundlegende Aspekte des Spiels (bspw. Technik/Individualtaktik) automatisiert beherrsche habe ich mehr geistige Kapazität für anspruchsvollere Vorgänge (z.B. Mannschaftstaktik), die dem Spieler mehr aktives Denken abverlangen.


    Wenn ich im Gegenpressing die richtige "Mentalität" (automatisierte Individualtaktik) habe, dann kann ich mich voll auf mein Zugriffsverhalten (Gruppen-/Mannschaftstaktik) konzentrieren.


    Ich habe zu wenig detailliertes Wissen über die neuronalen Auswirkungen von differenziellem Lernen (solltest du da was lesenswertes haben, immer her damit) um jetzt darüber philosophieren zu können, wie viel Varianz noch was bringt und ab wann es zum Selbstzweck wird.