Wie eröffnet ihr das Spiel vom Torwart aus ?

  • Danke für die vielen Anregungen. :)

    Wir haben jetzt gemerkt das bessere Gegner auf das zustellen verzichten und wir im Gegenzug auch darauf verzichten. Ergebnis waren bisher schnelle Spiele mit vielen Pässen und wenig Gebolze. Wenn der Gegner allerdings zu sehr in Bedrängnis gerät.... hat er auch wieder zustellt. Am WE habe ich genau das erlebt was ihr schildert. Meine Tochter war bei einer Sichtung für Mädchen und hatte als TW freie Wahl wie sie das spiel eröffnet. Wenn es hinten Dicht war hat sie mit einem hohen Flugball den forderten Spieler angespielt. Das Problem war jedoch, das diese Abstöße oft nicht korrekt verwertet werden konnten. Was sicher kein Mädchen Problem ist. Die Mädchen die alle schon ein paar Jahre spielen , haben nach kurzer Zeit erkannt, das es sinnvoller ist das Spiel organisiert von hinten zu eröffnen. Nachdem mehrere Spielerinnen sich zugleich frei gelaufen hatten konnte die TW sie gut anspielen.

  • Der Schlüssel von so vielen ist Bewegeung. Bewegung ohne Ball und das auch im Sprint und von möglichst vielen Akteuren.

    Und nicht nur ein Alibiausfallschritt mit dem ich mich kaum vom Gegner löse oder/und Räume schaffe. Sondern 10 und mehr Meter, am besten nach Lauffinte.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Es gibt ja durchaus Mannschaften, die das perfektioniert haben und damit auch Erfolge haben.

    Ich bin der Meinung, dass es nichtsdestotrotz einfache Mittel gibt diese Spielweise auszuhebeln.

    Ein Verteidiger der sich traut in Richtung des Balles zugehen ist schon mehr als die halbe Miete.

    Hat man dazu noch einen mitspielenden Torwart, der nicht an der Torlinie festklebt, so ist man schon gut gewappnet gegen die langen Bälle.


    Ich möchte nicht behauten, dass wir solche Gegentore nicht kassieren, jedoch ist ihr Anteil im Verhältnis zu den vielen einfachen Balleroberungen mittlerweile sehr gering.


    Von daher Spieleröffnung flach, auch wegen mir mit Dribbling und Ballverlust und Lerneffekt.

    Bin ich voll und ganz bei dir.



    Meiner Meinung nach kann man eine misslungene Spieleröffnung häufig auf zwei Ursachen zurückführen.

    Oft zu hektisch, Torwart spielt den Ball obwohl der Mitspieler sich weder gelöst hat noch gedanklich auf das Zuspiel vorbereitet war.

    In manchen Fällen zu unentschlossen. Die Frage wohin mit dem Ball wird dann so dominant, dass vergessen wird darüber nachzudenken wie der Ball eigentlich gespielt wird. Durch eine technische Unsauberkeit misslingt das Zuspiel entsprechend.


    Obwohl die Ballannahme auch wichtigen Anteil zu einer erfolgreichen Spieleröffnung beiträgt, so kann die vorangehende Entscheidungsfindung des Torwarts einen großen Anteil haben, dem Mitspieler die Ballannahme deutlich zu erleichtern.



    Was das Zustellen anbelangt, so resultiert es, meiner Meinung nach, eher aus dem unsicheren Zusammenspiel bei der Spieleröffnung als es der umgekehrte Fall ist.

    Da gibt es sicherlich auch andere Meinungen zu.

  • Was das Zustellen anbelangt, so resultiert es, meiner Meinung nach, eher aus dem unsicheren Zusammenspiel bei der Spieleröffnung als es der umgekehrte Fall ist.

    Da gibt es sicherlich auch andere Meinungen zu.

    Das denke ich auch. Jedenfalls soll so sicheres Aufbaubauspiel schnell unterbunden werden. Lösen die Kids das aber schnell und schaffen dadurch Überzahl und freie Räume die bespielt werden können, dann läßt der Gegner es ganz schnell bleiben mit dem stupiden Zustellen.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Das Zustellen ist ja ein generelles Problem im Kinderfussball.

    Gerade bei G/F führt das Zustellen oft zum Torerfolg.

    Stellt der Gegner konsequent bei mir(E) zu, mache ich es in engen Situationen auch zum Teil. (Manchmal auch nicht, dadurch ja andere Lösungen beim eigenen Team gefordert und gefördert werden.)

    Aber meine Mannschaft selbst hat anfangs immer die Vorgabe nicht zu zustellen, um den Gegner eine Eröffnung zu ermöglichen und selbst geordnet zu stehen.

  • Heißt das nicht im Umkehrschluss, dass Flugbälle noch häufiger beim Gegner landen, da die Mitnahme des hohen Balles technisch noch anspruchsvoller ist?

    Noch häufiger nicht, eher seltener. Hohe Bälle können die gegnerischen Spieler typischerweise auch nicht sonderlich gut verarbeiten. Der eröffnenden Mannschaft kommt hier zugute, dass die Bewegungsrichtung des Balles mit ihrer Angriffsrichtung übereinstimmt, die Verteidiger laufen andererseits auf den Ball zu. Ich denke, das gleicht sich in der F-Jugend noch ziemlich aus bzw. ist eine sehr individuelle Sache -- viele Kinder ducken sich vor dem Ball da ja noch weg oder können den Punkt, an dem er tatsächlich aufkommt, nur schlecht einschätzen, so dass er mindestens ein mal aufdotzt. Der größere Vorteil für die eröffnende Mannschaft ist, dass der Ball relativ weit weg von ihrem Tor ist, deutlich weiter zumindest als bei der (sehr) kurzen Eröffnung. D.h. bei der langen Eröffnung liegt die Gefahr, dass der Ball relativ bald wieder zurück kommt, bei vielleicht 60%, bei der kurzen aber bei 90%.

    Im Grunde genommen ist es völlig egal welche Variante der Spieleröffnung gewählt wird. Sind Ballan- und mitnahme nicht zur genüge verinnerlicht, so endet es fast immer im Ballverlust.

    Richtig, aber in der F-Jugend und speziell bei schwächeren Spielern ist die Ballan- und -mitnahme zwangsläufig noch nicht zur Genüge verinnerlicht...

    Ich behaupte jetzt mal, dass die Ballannahme bei der flachen, kurzen Variante für die Spieler am einfachsten und schnellsten zu erlernen ist.

    Auch das stimmt, aber wir reden hier nicht von der Trainings-, sondern der Spielsituation. Da führt der Fehlpass des Torwarts, wenn er flach und kurz ausgeführt ist, in nahezu jedem Fall zum Gegentor. Vor lauter Entsetzen darüber lernen aber weder Torhüter noch Passempfänger auch nur irgendetwas. Verstehe mich nicht falsch, ich bin auf jeden Fall dafür, dass auch meine schwachen F'linge die flache Spieleröffnung ausprobieren. Aber ich habe auch nichts dagegen bzw. schlage ihnen sogar vor, dass sie stattdessen den hohen und langen Abschlag praktizieren, wenn die flache, kurze Eröffnung mehrmals hintereinander in die Binsen gegangen ist.

  • D.h. bei der langen Eröffnung liegt die Gefahr, dass der Ball relativ bald wieder zurück kommt, bei vielleicht 60%, bei der kurzen aber bei 90%.

    In dem Punkt würde ich widersprechen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein lang gespielter Ball wieder zurück kommt erachte ich als deutlich größer.

    Das Ballverluste in der Nähe des eigenen Tores viel gefährlicher und deutlich häufiger zum direkten Gegentor führen bleibt natürlich unbestritten.


    Mag sein, dass sich unsere Erfahrungen in diesem Punkt einfach deutlich unterscheiden.



    Auch das stimmt, aber wir reden hier nicht von der Trainings-, sondern der Spielsituation.

    Ich missverstehe dich möglicherweise an diesem Punkt. Ist das auf die Abwesenheit/Anwesenheit von Gegnerdruck bezogen?

    Oder auf die Wahrnehmung zwischen Trainingseinheit und Punktspiel?



    Aber ich habe auch nichts dagegen bzw. schlage ihnen sogar vor, dass sie stattdessen den hohen und langen Abschlag praktizieren, wenn die flache, kurze Eröffnung mehrmals hintereinander in die Binsen gegangen ist.

    Kommt sehr auf die Gründe an, warum die kurze Spieleröffnung gescheitert ist.

    Sollte der Gegner uns zustellen und unsere Verteidiger in Manndeckung nehmen, so würde ich nach drei, vier Versuchen sicherlich zum Torpieler rüber rufen: >>Versuch mal was anderes<<.


    Bei Fehlern im Zuspiel oder der Annahme und bei Unachtsamkeit der Spieler, würde ich hingegen nicht eingreife. Sie werden selbst den Fehler bemerkt haben (spätestens beim Gegentor) und ihre Schlüsse draus ziehen. Irgendwann wird sich der Lerneffekt einstellen.


    Somit sind wir gedanklich nicht all zu weit auseinander.

  • Auf Kreisligaebene finde ich die Spieleröffnung 'Abschlag/hoher langer Ball' schwach.


    Es ist dienlich, wenn man sich unter Druck keinen dummen Treffer einfangen will und wir spielen das Ding auch, wenn es zu eng wird.


    Mein Anspruch ist aber, dass sie dahin geleitet werden, auch unter direktem Gegnerdruck durch Individualtaktik chess Verhalten mutig und aktionsschnell (z. B. aus dem Schatten des Gegner sich unverhofft zu bewegen/zum Klatschen anzubieten) .


    Auch taktische Maßnahmen wie... das die Aussen-VT in Richtung Aussenfahnen verschieben. Hier kommt es meiner Ansicht nach nur darauf an, ob der Spieler das instruiert befolgt (zu früh/zu jung) oder stimuliert eigenständig einstreut weil ER es in dem richtigen Moment als gute Maßnahme erkennt!


    Damit das erfolgreich stattfinden kann bedarf es der vorherigen Bedienung monatelanger einzelner Trainingsthemen ("Ballannahme/Ballmitnahme/Angreifer im Rücken/Passen/reaktionsschnelles Verhalten mit Körpertäuschung), wodurch die Spieleröffnung abseits des Abschlages fast unmöglich als Thema für den unteren Jugendbereich erscheint.


    Versuch macht dennoch klug...man muss es ja nicht abverlangen.


    Einen Abschlag/langen Flugball anzunehmen ist für viele Spieler schwierig und das bleibt es für viele auch. Ich behaupte man könnte 80 Prozent der Abschläge auch dem Gegner eben locker rüberspuelen, weil er sowieso genau dort landet.


    Zudem sind viele Spieler bis sie ungefähr das C Alter erreicht haben, überhaupt nicht in der Lage, einen langen Flugball zu spielen und dann schon garnicht,... gezielt,... das ist Wunschdenken.


    So verkommt für mich der Abschlag auf Kreisligaebene letztlich als Notlösung, um irgendwie über die eigenen Defizite hinweg zu kommen, sorry.

  • Momentan wird in der Junioren E1 Mannschaft meiner Tochter das Spiel so eröffnet. Wenn der Torwart den Ball hat soll ein Spieler (egal ob Verteidiger oder Stürmer ) den Torwart anlaufen dann soll der Pass kommen . Das Problem ist, wenn die Spieler vom Gegner sehr eng gedeckt sind , ist diese Aktion oft riskant. Da der Gegner ja meist mit dem anlaufenden Spieler mitlauft. So kommt es immer wieder mal vor , das der Gegner statt dem eigenen Spieler den Ball erobert. Die Folge ist öfters ein Gegentor.

    Das ist in der E (also 8 - 11 Jahre) ein sehr komplexer Vorgang.
    Typische Beobachtungen der Feldspieler bei solchen Vorgaben:

    • Spieler läuft los bevor der TW bereits ist.
    • Mehrere Spieler laufen los (und bringen einen Gegenspieler im Schlepptau mit).
    • Spieler laufen los, werden angespielt und bleiben dann stehen, um auf den Ball zu warten.
    • Spieler laufen weiter, obwohl die Distanz zum TW inzwischen zu kurz ist.
    • Fehlender Blickkontakt zum TW
    • Fehlende Auftaktbewegung
    • Rücken zum Spielfeld
    • usw.

    Aber auch beim TW kann man bestimmte Beobachtungen immer wieder machen

    • Spielt den Ball nicht in den Fuß
    • Spielt zu spät
    • Spielt zu früh
    • Spielt den Ball zu lasch
    • Spielt den Ball auf Kniehöhe
    • usw.

    Man sieht also, dass es mit einer einfachen Vorgabe nicht getan ist. Da steckt deutlich mehr dahinter. Für den TW ist das abhängig vom Verhalten der Mitspieler eine anspruchsvolle Situation. Vieles davon hat Sir Alex schon beschrieben.

    Das Zustellen ist ja ein generelles Problem im Kinderfussball.

    Ist das so? Ist das nicht zunächsteinmal normales altersgemäßes Verhalten? Ist es nicht genau das, was das Ziel "Gemeinsam Tore schießen, gemeinsam Tore verhindern" hervorruft?

    Aber meine Mannschaft selbst hat anfangs immer die Vorgabe nicht zu zustellen,

    Lernen sie durch diese Vorgabe etwas? Für mich lernen sie am ehesten etwas, wenn das Zustellen durch einen langen Ball in die Hose geht. Dann kann man durch entsprechende Fragestellungen zu Lösungen führen.
    Ich gebe deshalb nichts vor. Ich frage eher hinterher, welches Verhalten unsererseits, welches Verhalten des Gegners begünstigt.

    Genauso ist es, wenn wir rausspielen. Auch da frage ich, "haben wir es dem Gegner leicht gemacht, den Ball zu gewinnen? Was hätten wir anders machen können?"
    Es sind lange Bälle und kurzes Rausspielen erlaubt. Die Kinder entscheiden, was in der jeweiligen Situation sinnvoll ist. Natürlich entscheiden sie auch falsch; im Laufe eines Jahres aber auch immer häufiger richtig.

  • Follkao Du beschreibst genau meine Mannschaft... und wir sind D-Jugend. :/

    Es ist halt aber auch schwer einen so präzisen und temperierten Pass zu spielen, den dann der Spieler noch unter höchstem Druck verarbeiten muss. Ich möchte zwar immer das meine Spieler den kurzen Abstoß versuchen, sage aber immer wenn es nicht geht der Ball lang kommen darf.

    Das richtige Freilaufverhalten lernt man übrigens auch beim Training: 1 gegen 1 mit Verteidiger im Rücken, Spieler noch nicht am Ball.

    Ich lasse das nicht nur als sehr offensive Variante Trainieren, sondern bringe auch immer mal wieder Situationen die bei einem Abstoß beginnen.