Kaputte Spieler

  • Hi,


    hier einmal ein Thema, was mich schon länger umtreibt:


    Ich habe drei, vier geniale Kicker in meinen Reihen, die mit dem Ball wirklich schon eine Menge anfangen können.


    Mir geht es jetzt um zwei von diesen Spielern, die ich kurz vergleichen möchte:

    Einer von ihnen macht, wie man so schön sagt, in unseren Spielen den Unterschied aus, weil er in der Vorwärtsbewegung geniale weil überraschende Dinge macht, wobei er eher klein und schmächtig ist.

    Ein anderer ist in der Rückwärtsbewegung und im Umschaltspiel überragend und vom Körperbau "kernig" im positiven Sinne.


    Der Unterschied:

    Der eine (wenn man so will "defensive") Spieler könnte 50 Minuten durchrackern, der andere (wenn man so will "offensivere") Spieler ist oftmals schnell k.o.

    Beide trennt ca. ein halbes Jahr.


    Nun kamen die Eltern auf mich zu und haben gefragt, was man da evtl. machen könnte.


    Da wir Jungjahrgang E-Jugend sind kann man, so verstehe ich die Lehre, noch nicht an Kondition etc. arbeiten, dass kommt ja erst mit der D- bzw. C-Jugend richtig?


    Wie sind Eure Einschätzungen dazu?

  • Hi,

    das ähnliche -Problem- habe ich, etwas anders gelagert auch. Tritt dann immer auf, wenn man in der Erkältungswellenzeit 3 Absagen vor Turnieren kriegt und dann nur 1 zum Auswechseln hat ;-(

    Die Fußballspezifische Ausdauer holen sich die Kids normalerweise beim Funino, sodaß da auch kein Konditionstrainingsbedarf besteht. Das ist auch alles was man in dieser Altersklasse machen sollte.

    Trotzdem gibt es diese Unterschiede. Ist der Unterschied Training/Spiel eklatant von der Ausdauerseite her, dann -kann- es an den Ess / Trinkgewohnheiten liegen, die einen körperlichen Leistungsabfall in den Spielen zutage treten lassen. Das habe ich mir jedenfalls mal von einem Sportmediziner sagen lassen.

    Da Du von -offensiv- und -defensiv- sprichst. Evtl. zehren auch viele kleine Sprints am Akku deines -offensiven- ...

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Die Informationen sind doch sehr allgemein gehalten. Deshalb eine recht allgemeine Antwort.

    Es kommt auf den jeweiligen Typen an. Auch bei gleicher Trainingsbeteiligung kommt es vor, dass Kinder unterschiedliche Ausdauerleistungen haben. Rein von der muskulären Veranlagung gibt es die Typen Sprinter und Ausdauersportler, sowie die entsprechende Mischform.

    Dies mag im Alter Jungjahrgang E noch nicht so ausgeprägt sein, bemerkbar ist es dennoch.

    Neben der genetischen Veranlagung würde ich auf die sonstige sportliche Betätigung achten. Bsp. aus meinem aktuellen Team: ein Kind macht jeden Tag Sport, ernährt sich nicht übermäßig ungesund und sitzt recht selten vor der Konsole, das andere Kind: höchste Trainingsbeteiligung, aber sonst kein Sport, viel Cola und Süßigkeiten, jeden Tag vor der Konsole. Er ist zwar nicht dick, aber verfügt über kaum Körperspannung. Koordinativ ganz schwach. Der Junge ist nach spätestens 10 Minuten auf dem Feld platt. Mittlerweile ist es auch seinen Eltern aufgefallen, dass er konditionell deutlich gegenüber den anderen Spielern abfällt.

    Die schlechte Koordination führt aus meiner Sicht auch dazu, dass das Laufen mehr Kraft kostet. Hingegen läuft der konditionsstarke Spieler sehr sauber und damit auch effizienter. Er läuft darüber hinaus auch schneller als Kind 2 und auch länger schnell (Kraftausdauer).

    Überdies kommt noch die alltägliche Bewegung dazu. Wird das Kind zur Schule gefahren, oder läuft es. Wird es prinzipiell vom Taxi Mama zu den Freunden chauffiert oder benutzt es auch mal das Fahrrad.

  • Besten Dank soweit,


    Grätsche

    ich werde versuchen, noch etwas weiter ins Detail zu gehen:


    Der Spieler, der schneller kaputt ist, ist definitiv der schnellere Spieler.

    Schneller Antritt und höhere Endgeschwindigkeit.

    Bezogen auf einen 800m Lauf ist er ebenfalls der Schnellere.

    Im Bereich der Koordination sähe ich ihn ebenfalls vorne.


    Trainingsbeteiligung ist fast identisch.

    Sport machen beide, so wie ich das beurteilen kann, zusätzlich auch regelmäßig in Schule und Freizeit.


    Trainer E

    Im Funino sind sie physisch ähnlich stark, der Abfall ist in der Tat eher beim großen Spiel zu sehen.

    Können die kurzen, vielen Sprints das alleine erklären?

    Die habe ich im 3 vs. 3 ja auch permanent...

  • DenSen da hast Du recht. beim Funino ja schon. aber evtl. ist das im 7 gg. 7 für den -defensiveren- Spieler weniger.

    alleine erklären kann es das nicht. hatte ich mir nur mal so bei meinen überlegt. Da ist schon so, das -vorne- mehr Sprints angezogen werden, und ich dann feststelle, das die gleichen Kids hinten nicht so kaputt sind, wenn ich wechsele.

    Ist es denn genauso, wenn Du die Aufgaben( Will jetzt nicht Positionen sagen ) der Jungs tauschst?!?

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Trainer E

    Dem physisch stärkeren Spieler merkt man nicht an, wo er spielt.

    Spielt der andere defensiver, schiebt er das Spiel durch Dribblings in hohem Tempo an und ist nicht weniger kaputt, da die Interpretation der (eigentlich) defensiveren Aufgaben doch recht offensiv ausfällt... :D:D:D

    Dann wird aber schnell und gerne die Rückwärtsbewegung vergessen, was den Trainer dann wieder ins Spiel bringt.


    Ein richtiger Vergleich ist da nur schwer möglich...

  • Eine wirkliche Hilfe ohne Spielanalyse, welche hier Mist wäre, ist nur sehr schwer möglich. Wie schnell werden denn diese und jene Strecken zurück gelegt?


    Mancher Spieler orientiert sich sofort nach Abschluss einige Meter nach hinten oder zur Mitte und erspart sich so eine gewisse Strecke welche der andere Spieler durch ein höheres Tempo entsprechend kompensieren muss. Und hier macht es dann wieder die Anzahl der Läufe welche mit 95% oder mit 99% geführt werden müssen.

    In Kombination mit der Veranlagung, dem weiteren Bewegungsprofil der Kinder abseits vom Training und all den anderen hier bereits genannten Punkten ist ein Unterschied einfach normal.


    Zusätzlich spielt hierbei auch der Kopf eine enorme Rolle. Manche (Typ Dahlmeier) können Laufen bis der Arzt kommen muss. Andere hingegen erfahren Erschöpfung schlicht anders und sind dann einfach nicht mehr in der Lage 100% zu gehen. Unabhängig vom "wollen" können auch daraus enorme Unterschiede entstehen.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Zusätzlich spielt hierbei auch der Kopf eine enorme Rolle. Manche (Typ Dahlmeier) können Laufen bis der Arzt kommen muss. Andere hingegen erfahren Erschöpfung schlicht anders und sind dann einfach nicht mehr in der Lage 100% zu gehen.

    Ergänzend dazu: Kinder haben i.d.R. eine gute Eigenwahrnehmung, wann sie kaputt sind. Bei Erwachsenen ist das auch anders, mitunter aus medizinischen Gründen (Triathlet aus meinem Freundeskreis als Bsp.)

    Allerdings beobachte ich, dass insbesondere Kinder mit wenig Ehrgeiz relativ schnell erschöpft sind ober behaupten erschöpft zu sein. ;)

    Im von DenSen beschriebenen Fall würde ich diese Ursache aber ausschließen.

  • Grätsche

    Was den Ehrgeiz angeht bin ich voll und ganz bei Dir!


    Hier ist es so, dass der Bursche aber eher vom Ehrgeiz zerfressen ist (wenn man das so sagen will) und einfach nicht mehr kann, was ihn dann wieder ärgert...

    Da gibt es schnell Tränen, wenn ein Spiel verloren geht....


    Vielen Dank aber für den Hinweis in Sachen FT- und ST-Fasern.

    Ob das hier passt weiß ich nicht, aber auf alle Fälle habe ich wieder was gelernt!!! =)=)=)


    Was meint ihr denn zu den Punkten Ernährung und Schlaf?

  • Hier ist es so, dass der Bursche aber eher vom Ehrgeiz zerfressen ist (wenn man das so sagen will) und einfach nicht mehr kann, was ihn dann wieder ärgert...

    Da gibt es schnell Tränen, wenn ein Spiel verloren geht....

    Das kann aber auch wieder ins Gegenteil umschlagen. Der Junge will zwar, konzentriert sich aber so sehr auf die Erschöpfungssignale dass er diese wiederum früher und verstärkt wahrnimmt.


    Eine Analyse als Außenstehender ist enorm schwer.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Was meint ihr denn zu den Punkten Ernährung und Schlaf?

    ich bin so ausm Bauch raus der Meinung, dass das in der E noch keinen Anteil haben sollte. So wichtig sollte Fußball noch nicht sein, dass man sein gesamtes Leben darauf ausrichten sollte. Klar, als Gag kann man mal freitags sagen: "Heute früh ins ins Bett, wir haben morgen ein wichtiges Spiel" aber wirklich ernst sollte man das doch noch nicht nehmen, oder?

    Vielleicht hilft dem Spieler eine kurze 5 Min. Pause nach 3/4 des Spiels um sich für den Endspurt zu wappnen.
    Ich sage den Kindern immer: ausgeruht wird sich draußen. Solange noch wild gewechselt werden kann, werden wir das auch immer nutzen. Und da bei uns dann niemand für den Rest draußen stehen muss, haben die Kinder inzwischen so viel vertrauen, dass sie auch zur Seite kommen wenn sie außer Puste sind. Aber sie fragen immer auch nochmal nach "komm ich gleich wieder rein?" - =) sicher ist sicher =)

  • Ich würde erst ab der B auf spezielles Ausdauertraining achten, vorher eher nicht. Die Puste kommt über interessante spannende Übungen wo es um das Gewinnen geht...Wettkampfform usw...also alles mit Ball in Spielformen.


    Da es ja um Fördern und Fordern geht - so habe ich es mal gelernt - und nicht um Überforderung oder Unterforderung...denke ich hier, dass ich einen Spieler der ein guter Kicker ist, aber ausdauermäßig nicht mithalten kann ....über die Auswechselbank im Spiel an die Leistung heranführe, die er benötigt.


    Ich setze Reize, ...hier...immer ein bisschen länger in Minuten über die alte zeitliche Leistung. So merkt ein Körper nach meinem Verständnis, dass die vorhandene Ausdauer nicht reicht und setzt was drauf. Ich würde es so als Trainingseffekt benennen.


    Da man ja im Jugendbereich so oft ein und auswechseln kann wie man will, sollte man entsprechend davon viel nutzen. Ich spreche hier von der E Jugend, D Jugend speziell. Bei den Minis ist dieses Thema meiner Ansicht nach Gift. Kinder in dieser Altersgruppe kennen nur Vollpower und Akku leer von jetzt auf gleich. Eine nicht änderbare Tatsache die es zu akzeptieren gilt. Das ist auch kein Trainingsthema und das auch nicht bei der F oder E oder D und ich denke auch nicht in der C.


    Als letzte Maßnahme könnte ich mir vorstellen, den Spieler - wenn er auf Grund der Ausdauer halt nicht in die Leistungsgruppe passt - in selbige zu geben. Sprich...er spielt einen tiefer. Das wäre für mich aber nicht wirklich eine Lösung, weil die Ausdauerfrage im Prinzip kein Thema ist. Es ist nichtmal ein Trainingsthema, sondern es entsteht mitläufig unterschwellig bei guten Trainings und für die Spiele ist es auch nicht Thema.

  • Ernährung bedeutet für mich in diesem Kontext z.B. in den 90 Minuten vor Spielbeginn wird nichts mehr gegessen.

    Z.B. benötigen Kinder während eines Hallenturniers eigentlich kaum feste Nahrung und schon gar keinen Kuchen etc.

    Ich finde solche Ernährungs Punkte sollten bereits ihren Platz in einer E haben dürfen.

    z.b. Kurz vor dem Spiel noch einen Müsliriegel oder ähnliches fressen ist eben Unfug. Das schlägt sich natürlich extrem auf den Sauerstoffumsatz im Blut um. Kinder haben nicht viel Blut, und wenn ein guter Teil davon im und am Magen zum Verdauen benötigt wird, wie soll denn dann das Herz mit den Rest für Sauerstoffversorgung fein können?

    Grüße von der Ersatzbank

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  • Als letzte Maßnahme könnte ich mir vorstellen, den Spieler - wenn er auf Grund der Ausdauer halt nicht in die Leistungsgruppe passt - in selbige zu geben. Sprich...er spielt einen tiefer. Das wäre für mich aber nicht wirklich eine Lösung, weil die Ausdauerfrage im Prinzip kein Thema ist.

    Wie Du richtig beschrieben hast wäre das kein Thema.


    Vom fußballerischen Können her muss er nicht in eine schwächere Mannschaft.

    Ganz im Gegenteil:

    Der Junge spielt teilweise schon im Altjahrgang unserer E-Jugend mit und gehört auch da dann zu den Leistungsträgern.



    Kurz bitte Spiel noch einen Müsliriegel oder ähnliches fressen ist eben Unfug. Das schlägt sich natürlich extrem auf den Sauerstoffumsatz im Blut um. Kinder haben nicht viel Blut, und wenn ein guter Teil davon im und am Magen zum Verdauen benötigt wird, wie soll denn dann das Herz mit den Rest für Sauerstoffversorgung fein können

    Ersatzbank

    Das mit dem Sauerstoff bzw. der Verbrennung im Magen klingt für mich zunächst logisch.

    Hast du da eine Quelle für?

    Ich war bisher immer davon ausgegangen, ein Apfel oder ähnliches kann vor dem Spiel nicht schaden...

    Habe ich mich bisher aber auch noch nicht mit beschäftigt...bin ich ganz ehrlich...

  • Danke für den Link. Das pdf gefällt mir.


    Meine Quelle ist ein Fachbuch mit dem Titel "Ernährung im Radsport". Es bezieht sich natürlich nicht direkt auf Kinder, aber das Prinzip der Körperfunktionen und der Aufnahme und Verwendung von "Stoffen" und Energie im Körper in der jeweiligen Leistungssituation ist mMn neutral auf alles anwendbar.

  • Die Puste kommt über interessante spannende Übungen wo es um das Gewinnen geht...Wettkampfform usw...also alles mit Ball in Spielformen.

    Sehe ich im Wesentlichen auch so. Und ich stimme Dir auch zu, dass man den Kindern (gerade im Kleinfeldbereich, wo man beliebig wechseln kann) auch mal Pausen geben muss. Oft sieht man Trainer im Kleinfeldbereich, die ihre "Schlüsselspieler" erst runternehmen, wenn gar nichts mehr geht. Natürlich geht es denen um´s Ergebnis. Aber gerade dann wäre es cleverer, sie schon in der 1. HZ mal runterzunehmen. Auch das ist also ein Argument für gleichmäßiges Durchwechseln.

    Zusätzlich spielt hierbei auch der Kopf eine enorme Rolle. Manche (Typ Dahlmeier) können Laufen bis der Arzt kommen muss. Andere hingegen erfahren Erschöpfung schlicht anders und sind dann einfach nicht mehr in der Lage 100% zu gehen. Unabhängig vom "wollen" können auch daraus enorme Unterschiede entstehen.

    Abgesehen davon, dass man das als Trainer über Pausen dosieren kann, ist das Kopfthema in dieser Altersklasse eine Hauptursache für konditionelle Unterschiede. "Typ Dahlmeier" ist eine gute Beschreibung für die Fähigkeit, den inneren Schweinehund zu überwinden. Das ist für mich weniger eine körperliche Fähigkeit als ein Charakterzug. Da fallen viele Faktoren rein, auf die wir Trainer absolut keinen Einfluss haben.
    Ich habe schon viele Kinder gesehen, die gute Techniker waren oder körperliche Vorteile hatten, aber nicht die Zähne zusammenbeißen konnten. In höheren Altersklassen wurden sie oft von denen überholt, die mehr Biss hatten.