Athletik- und Lauftraining

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  • Hi zusammen.

    Ich würde mich mit euch mal gerne über das oben genannte Thema im unteren Jugendbereich (E/D-Jugend) unterhalten. Und zwar ist ja sicherlich nicht nur mir aufgefallen, dass viele Kinder heutzutage, sei es aufgrund von zu viel Videospielen, TV gucken oder anderer Dinge, nicht mehr in der Lage sind, sich wirklich rund und effizient zu bewegen. Da wird der Körperschwerpunkt beim Rennen eher nach hinten als nach vorne verlagert, auf dem Hinterfuß statt auf dem Vorderfuß gelaufen, da fehlt insgesamt das Gleichgewicht, viele können nicht mehr auf einem Bein stehen, geschweige denn andere Balancierübungen lösen oder rückwärts laufen. Denn, wenn Kinder ohne Ball keine Wendungen und schnelle Richtungswechsel auf einem Bein hinbekommen, dann mit Ball erst recht nicht. Ich habe die letzte Zeit lange überlegt, wie ich versuchen kann, meiner Mannschaft, in dem Fall einem 2007er-Jahrgang auf die Sprünge zu helfen, um ihnen einerseits im Fußballbereich einen Fortschritt zu ermöglichen, andererseits insgesamt auch für den Alltag und andere Bewegungen Vorteile zu schaffen.

    Habt ihr ähnliche Probleme? Und wenn ja, wie versucht ihr, diese zu lösen?

    Klar, klassische Fang- und Bewegungsspiele stehen oft auf dem Programm, aber sollte man nicht auch in dem frühen Jugendbereich schon etwas spezifischer werden? Mal ein Athletiktraining einbauen, Yogaübungen und andere Stabilisationsaufgaben für das Gleichgewicht, eventuell auch ein gezielteres Traineren des normalen Laufens ohne Ball und dabei auf Arm- und Fußhaltung sowie Körperschwerpunkt achten? Elemente wie Seilspringen, rhytmisches Laufen etc. mal ausprobieren?

    Ich würde mich freuen, wenn ihr mal eure Sicht der Dinge schildern würdet und wir dann hier ein bisschen diskutieren könnten, was ihr vielleicht schon macht oder was ihr empfehlen würdet.


    Gruß Philirinho

  • Nein, man braucht kein spezifisches Athletiktraining in der E. Seilspringen und rhythmisches Laufen kann man machen, kann man ja in Spiele und Wettkämpfe einbinden.

    Aber, Koordinationstraining nur "oft auf dem Programm" zu haben, ist zu wenig. Jedes Training muss man das machen, immer und immer wieder in vielen Spielen mit und ohne Ball. Ich plane 20-30 min dafür ein (max. 10 ohne Ball). Nicht nur jedes Training, sondern auch vor jedem Spiel muss man das machen, immer!

    Nur dann kann man die Probleme ausmerzen.


    PS. Immer und möglichst vielfältig!

  • Habt ihr ähnliche Probleme? Und wenn ja, wie versucht ihr, diese zu lösen?

    Ja, mittlerweile ist es fast die Regel, dass in einer "normalen" Mannschaft ein Großteil der Kinder koordinative Probleme hat.

    Wie Skriwer schon schrieb, genügt es nicht, "mal" ab und zu an der Thematik zu arbeiten. Koordination ist die Basis von allem. Können die Kinder nicht stabil auf einem Bein stehen, können sie nicht vernünftig den Ball spielen. Deshalb sollte in jedem Training darauf ein Teil der Trainingszeit verwendet werden. Mitunter meinen Trainer damit ihre wertvolle Trainingszeit nicht "verschwenden" zu wollen und ziehen stattdessen fußballspezifische Übungen durch.

    Als effektiv hat sich bei mir das klassische Lauf-ABC erwiesen. Hier lassen sich leicht Bewegungen korrigieren. Je nach Alter maulen die Kids dann zwar etwas, weil sie ja "richtig" Fußball spielen wollen, aber mit zunehmendem Alter verstehen sie die Notwendigkeit.

    Bei Spielformen beobachte ich häufig, dass keine Verbesserung eintritt. Die Kids mit schlechter Lauftechnik werden z.B. als erste gefangen bzw. fangen selbst kaum jemanden und das war es dann. Leiterübungen baue ich hin und wieder ein, dazu auch gerne Sprungaufgaben, weil sie da auch gezwungen werden mit dem Vorderfuss zu arbeiten.

    In Fifa 11+ sind ja typische Elemente eingebaut. Ich habe mit ein paar Übungen darauf angefangen und werde das in den nächsten Jahren steigern, so dass sie Lauftechnik und Verletzungsprophylaxe in einem bekommen.

  • Ich denke gerade in Breitensportvereinen sollten Koordination und Lauftechnik nicht ständig und regelmäßig auf dem Plan stehen, es muss!!!! In den meisten Teams wird es hier Kinder geben die genau die beschriebenen Probleme im Bewegungsablauf (Fersenlauf, Schwerpunktlage, usw.) erkennen lassen. Wenn wir diese nicht ins Training der kleinsten (und formbarsten) Kinder aufnehmen, wann dann?


    Gleichzeitig sehe ich aber auch "Stützpunkt" und Leistungsvereine welche solche Kinder schlicht aussortieren. Sinnhaftigkeit hier mal außen vor, aber dann reicht vielleicht auch ein "regelmäßiges" Training.


    Bei mir sieht das ganze so aus das Übungen aus dem Leichtathletik "Lauf-ABC" und der Thanner-Laufschule Bestandteil in jedem warm-up sind. Egal ob Training oder Spiel. Zusätzlich lege ich (vor allem in der Halle) viel Augenmerk auf diese Dinge. Einbeinstand auf einer Matte kann jedes Team in der Pause durchführen. Bringt viel für Gleichgewicht und ist gleichzeitig Verletzungsvorbeugung im Bereich Sprunggelenk und Knie. Kombiniert mit weiteren Bewegungsaufgaben werfen, sich gegenseitig weg drücken usw. wird das auch nicht langweilig.


    Das ganze beginne ich in der E-Jugend und gehe damit auch noch durch die D-Jugend. Somit haben meiner Spieler vier Jahre kontinuierliches Training und fast alle beherrschen am Ende eine "brauchbare" Lauftechnik und Koordination. Wunder kann und darf man aber keine Erwarten. Veränderungen finden nicht von heute auf morgen statt und mit 1-2x pro Woche allein wird sich nicht alles richtig stellen lassen.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • Vielen Dank für eure Antworten. Ich sehe schon, dass ich bei meinem Team vor allem in den letzten 6 Monaten etwas zu viel Wert auf Training mit dem Ball gelegt habe. Habe hier zwar auch viel Koordination mit Farben, Richtungswechseln, Life Kinetik und Coerver etc. gemacht, aber eben meist mit Ball, die einfachen Sachen wie Springen, rückwärts laufen, auf einem Bein stehen etc. sind lediglich in Fangspielen und Torschussrundläufen eingebaut worden und insgesamt einfach etwas zu kurz gekommen. Wie ihr schon sagt, man denkt immer, man hat nicht so viel Trainingseinheiten und möchte die Zeit nicht verschenken, aber genau das tut man, wenn man diese Übungen nicht einbaut. Werde das Training diesbezüglich auf jeden Fall optimieren und in jedem Training Elemente einbauen. Da wir ab dem Frühjahr wieder dreimal wöchentlich trainieren, kommen die Übungen mit dem Ball dann sicher auch nicht zu kurz.

  • Ersatzbank Berechtigte Frage.


    Ich habe derzeit eine Bambini in der Betreuung. Hier steht in erster Linie eine ganz allgemeine Bewegungserfahrung wie Laufen, Springen, Krabbeln und alles dann noch in alle Richtungen auf dem Plan. Natürlich gibt es hier bereits auch "auf den Zehen gehen" und Einbeinstand. Allerdings sehe ich das eben nicht speziell auf Lauftechnik oder anderes ausgerichtet.


    Ähnlich sehe ich es in der F-Jugend. Koordination und Bewegungserfahrung sind hier ganz klar auch Bestandteil des Trainings. Aber eben nicht speziell auf einzelne Schwerpunkte. Auch in der F-Jugend habe ich noch die Erfahrung gemacht das viele Kinder die "Vorgaben bzw. Aufgaben" schlicht nicht verstehen bzw. noch nicht umsetzen können. Daher will ich hier noch keine Trainingszeit "verschwenden".


    Zielsetzung für Koordinative Ausbildung sollte in meinen Augen die D-Jugend sein. Hier sind die Kinder auf dem Gipfel der motorischen Lernfähigkeit. Sie kennen ihren Körper schon ausreichend, können vorgaben umsetzen und sind auch kognitiv in der Lage die Hintergründe zu erfassen und zu verstehen. Warum also bereits in der G Zeit auf spezielle Schwerpunkte verwenden wenn noch viel allgemeineres wichtiger ist.


    Soweit meine Auffassung.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • totog Das ist eine sehr interessante Differenzierung.

    So habe ich das bisher wohl einfach mangels meiner Fähigkeiten als Koordinationstrainer nicht betrachtet. Wohl auch deswegen, weil ich auch noch so viele allgemeine Koordinative Defizite in miner Truppe sehe, dass ich noch weit davon entfernt bin solche Details ins Auge zu fassen - denn dann stimme ich zu und würde die Trainingszeit tatsächlich nicht in der F dafür hergeben. Für allzu auffällige Bewegungen von einzelnen Kindern, die ich erkenne nehme ich jedoch schon mal eine 5-Minuten Einlage für individuelles Augenmerk heraus.

    Grüße von der Ersatzbank

  • Ersatzbank Das eine schließt das andere ja nicht aus. Jede Übung mit Zehenstand oder -gang hilft z.B. zur Ausführung eines "besseren" Laufstiles. Aber gezieltes Lauf-ABC und gezielte Korrekturen setzen eben auch voraus das Vorgaben auch bewusst umgesetzt werden können. Zusätzlich sind zu vielen Übungen ja auch Rhytmisierung, Orientierung usw. zwingend erforderlich um Veränderungen erreichen zu können. Diese müssen eben vorher gebildet werden.


    Daher gehe ich eher erst etwas später ins spezifische und bleiben vorher eher im allgemeinen Bereich. Stelle auch gerade fest das sich das fast mit unserem Fußball(Funino)-Konzept deckt.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • Moin zusammen,

    ich hol dieses Thema mal ganz bewusst wieder hoch.. der ursprüngliche Beitrag ist inzwischen acht Jahre alt - herrjemine. Aber ehrlich gesagt: Was damals beschrieben wurde, hat sich aus meiner Sicht nicht erledigt, eher im Gegenteil.

    Ich trainiere Kids im unteren Jugendbereich und erkenne viele der Punkte von damals echt eins zu eins wieder – teilweise sogar noch ausgeprägter.. Gleichgewicht, saubere Laufbewegungen, Richtungswechsel ohne Ball, ein stabiler Körperschwerpunkt oder einfache einbeinige Aufgaben sind für viele Kinder heute echte Herausforderungen.

    Was mich an der Stelle jetzt mal interessieren würde: Wie erlebt ihr das heute? Hat sich bei euch in den letzten Jahren da was verändert – sei es durch neue Trainingskonzepte, veränderte Rahmenbedingungen oder einfach durch die Generationen? Baut ihr bewusster koordinative Grundlagen, Balance- oder Beweglichkeitsarbeit ein? Oder habt ihr andere Ansätze gefunden, um diese Defizite aufzufangen, ohne den Trainingsspaß zu verlieren?

    Finde es spannend, da mal den Vergleich zu ziehen (oder es zu versuchen): Was war 2018 Thema – und wo stehen wir 2026? Vielleicht hat sich ja auch einiges positiv entwickelt, oder es gibt neue Ideen, von denen man damals noch nicht gesprochen hat.

    Freue mich jedenfalls auf eure Erfahrungen und einen Austausch – gerade über Altersklassen hinweg :)

  • Sogenannte gymnastische Übungen sind bei den Kindern nicht beliebt.

    Ich hatte das Glück zum Schluss nur mit Torhütern zu arbeiten, das hatte zum Einen den Vorteil, dass die sich nicht vor vielen "Zuschauern" blamieren konnten und zum Anderen habe die das mit der Beweglichkeit und der Körperspannung dann doch eingesehen.

  • Einfach zwei gleiche Balance Parcoure aufbau und zwei Mannschaften gegeneinander antreten lassen und schon wird es "spannender" 😀.

    Ok, aus der Sportart aus der ich komme muss man dann, wenn es zu leicht = langweilig wird, i.d.R. noch zusätzlich einen Ball auf seinem Schläger balancieren etc., der dafür eigentlich nicht gemacht ist...


    Und in dem Parcoure kann man auch "Kraftübungen" mit einbauen.

    Lerneffekte: Müde = schlechtere Konzentration = schlechtere Ergebnisse

    => Konditionstraining auch für die saubere Technik wichtig.

    Kraft + Konditionen werden "nebenbei" mit trainiert.


    Komme aus einer Hallensportart, da ist es vermutlich aber einfacher einen interessanten Parcoure aufzubauen.

  • Wir haben immer wieder viele koordinative Aufgaben, viele Fangspiele (mit und ohne Ball) und Wettkämpfe gemacht.

    Viel Erfolg haben und hatten wir mit kleinen Hausaufgaben. Wir haben den Kids einige Übungen gezeigt, die sie zu Hause dann machen sollten, z B. über die Ferien. Nur 5 bis 10 Minuten jeden Tag.

    Immer mal wieder im Training gemeinsam machen. Du wirst bei einigen eine Entwicklung sehen.


    Viele Bewegungssefizite kannst Du im Fussballtraining aber nicht auffangen. Versuche ihnen gerade in jungen Jahren die Freude und den Spaß an der Bewegung mitzugeben.

    Wenn die sonst nur sitzen und sich nicht bewegen, dann helfen da keine 2 mal die Woche Training um Rückstände aufzuholen!

  • Reine Koordinationsübungen finden meine Jungs immer ziemlich langweilig.

    Deshalb habe ich sowas hin und wieder in andere Übungen eingebaut, wie zum Beispiel:


    Hütchenparcours auf 2gg1: Ballführer muss erst durch einen kurzen Hütchenparcours dribbeln, bevor es in 2gg1 geht. So beginnt das 2gg1 auch direkt aus der Dynamik heraus und nicht statisch geordnet vom Startpunkt.


    Oder halt sowas wie: Auf dem Rückweg einer Übung zum Startpunkt liegt eine Korrdinationsleiter, die die man auf dem Rückweg durch muss.

  • ich bin seit vielen Jahren als Trainer tätig und kann jetzt keine signifikanten Verschlechterungen der allgemeinen Koordinationsfähigkeiten bei den Jungs feststellen. Ich bin jetzt aber auch im Speckgürtel einer Großstadt tätig, wo viele Kinder aus gut behütetem Elternhaus stammen und die Eltern auch auf Bewegung etc. achten.


    Es gab zu meiner Zeit als Fußballer schon koordinativ gute und schlechte Fußballer und auch als ich anfing als Trainer vor ca.15 Jahren gab es koordinativ gute und schlechte Fußballkids.


    Koordinative Übungen und Spielformen gehören ins Training jeder Altersklasse wie der Zucker in den Kuchen.

    Bei den Kleinfeldkids jeder Altersklasse natürlich idealerweise in Spielformen und in Form von Wettkämpfen.

    Auch Stabilisierungsübungen und Übungen mit dem eigenem Körpergewicht sollten ab der D-Jugend schon gut integriert werden ins Training.

    Es geht ja bei dem Training mit Kindern nicht nur darum, den Kindern den Fußball beizubringen, sondern ich sehe in unserer Rolle als Trainer auch ganz klar den Auftrag, den Kindern einen sorgsamen Umgang mit dem eigenen Körper beizubringen und den Kindern beizubringen, wie sie den Körper und damit ihre eigene Leistungsfähigkeit in Form bringen können.

    Das gibt ihnen neben den fußballerischen Fähigkeiten auch Skills mit ins Leben, auf denen sie jederzeit zugreifen können und ihrem Körper Gutes tun können.

    Bei Erwachsenenteams oder Teams der A- und B-Jugend kann man mit dem Team bspw. auch mal eine Session im Fitnessstudio unter Anleitung eines Trainers buchen oder in der Vorbereitung auch körpereigenen Übungen verteilen.