F Jugend Taktik / Trainings Ausrichtung Theorie vs. Realität

  • Hallo


    Ich bin recht neu im Forum und haben bisher nur mitgelesen.

    Seit einer Weile betreue ich zusammen mit einem erfahrenen Trainer eine F-Jugend und habe auch bereits einen ersten Lehrgang unseres Verbands besucht.


    Je mehr ich mich nun in das Thema einlese und auch das was ich Lehrgängen sehe, fällt auf dass es einen deutlichen unterschied zwischen Theorie und Realität gibt.

    So hört man oft, dass Taktik und Technik Schulung erst mit der E-Jugend starten sollten. Man sollte in der F Jugend primär spielen und nur wenig rein technische Übungen einbauen. Taktik sollte generell erst ab E Jugend starten?


    Auf Spieltage sehe ich aber Mannschaften die schon sehr klare Taktische Strukturen haben, die bei manchen auch über reines Positionsspiel hinaus gehen. Teilweise mit sehr einstudierten schnellen Umschalten mit geplanten Bewegungsabläufen.


    Auch technisch sieht man einigen Mannschaften an, dass da sehr gezielt und sehr intensiv Technik trainiert wurde.


    Wie viel Technik trainiert ihr pro Einheit / pro Wochen?

    Habt ihr ähnliche Erfahrungen ?


    Wie steht ihr dazu ?

  • Hi Tzypo,


    meiner Meinung nach ist Taktik Schulung selbst in der E Jugend noch etwas zu früh. In der F Jugend haben wir so was nicht getan, da die Kinder einfach noch nicht so weit sind um irgendwelche taktischen Vorgaben umzusetzen. Es gibt zwar eine Grundordnung aber das war es auch schon. Meine Vorgabe war immer nur, alle greifen zusammen an und alle verteidigen zusammen.

    Was die Technik angeht, so machen wir in jedem Training ca. 10-15 Minuten Ballschule, danach Spielformen und ganz viel Passtraining. Bin kein Freund von statischen Übungen ohne Gegnerdruck.

    Fintentraining usw. bauen wir auch immer mal wieder ein.

  • Hallo,

    Du hast Recht. Bei Turnieren oder Spielen sieht man immer wieder Teams mit klaren taktischen Vorgaben. Die sehen aber oft so aus, dass zwei Spieler immer hinten stehen bleiben. Und einer immer vorne stehen bleibt. Die Kinder sind zu jung, um solche Vorgaben variabel umzusetzen. Für die Kinder die nur rumstehen ist das einfach ein Nachteil, auch wenn das Ergebnis am Ende durchaus besser aussehen kann.


    Ich versuche meine G und auch meine F als ganzes Team zu "steuern". Wenn man den Ball verliert muss man sich den wieder holen. Und wenn man den Ball hat darf man nach vorne. Es wird lediglich ein Grundsystem vorgegeben, also alle Angreifen und alle Verteidigen.


    Technik ist wieder etwas anderers. Da sollte man so früh wie möglich beginnen. Die Grundtechniken müssen am Ende der F alle trainiert worden sein und werden in der E verfeinert.

  • Du hast Recht. Bei Turnieren oder Spielen sieht man immer wieder Teams mit klaren taktischen Vorgaben. Die sehen aber oft so aus, dass zwei Spieler immer hinten stehen bleiben. Und einer immer vorne stehen bleibt.

    Heute wieder bei den meisten Teams so beobachtet. Man sieht immer wieder lustige Dinge, etwa schon Bambini-Trainer mit Taktiktafel.


    Heutiger Turniergegner. Für uns ging es um Platz 1 oder 2. Gegner stand bereits als Letzter fest. 30 Minuten vor Spielbeginn hat sich der Trainer mit seinen Kids in die Kabine verkrümelt. Was auch immer die armen Kids sich da 30 Minuten lang über Pressing, Konterspiel, Verschieben, Manndeckung u.Ä. anhören mussten…

  • hatten am Wochenende auch Hallenturnier. Und ich bin auch vor jeder Partie mit meinen Kids in die Kabine. Hatten zwischen den Spielen zum Teil echt lange Wartezeiten, und zumindest meine Mannschaft brauch dann schon mal 10 Minuten um wieder runter zu kommen. Dann noch ein bisl quatschen und albern, da sind 15 oder 20 Minuten gar nix. Und das ganz ohne jeglichen taktischen Kram

  • Meiner Meinung nach sollte jeder Trainer selber herausfinden wie er seine Mannschaft erfolgreich und zielführend trainiert.


    Es gibt nicht DAS Patentrezept für eine F-Jugend, und wenn eine Mannschaft bereit für taktische Inhalte ist dann soll sie die auch bekommen. Dass wir nicht bei F-lingen von abkippendem 6er oder Falscher 9 schwadronieren versteht sich von selbst, sondern es ist doch das Ziel von jedem Trainer die Mannschaft alters- und leistungsgerecht weiter zu entwickeln. Und da gehören die Taktischen Basics irgendwann einfach dazu. Gerade bei talentierten Teams muss man davon ausgehen dass Technik nicht allein (und wahrscheinlich sogar zu gerade einmal 10-20%) vom Vereinstraining kommt. Die autodidaktische Entwicklung der Kinder wird neben dem Training weiterlaufen, man schaut sich Youtubevideos zu Tricks etc an und macht das Ganze mit seinen Freunden nach, solange bis es klappt; man spielt 1vs1 4vs4 oder 7vs7, so wie es die Anzahl der Freunde auf dem Schulhof oder mit dem Bruder/Schwester gerade hergibt.


    Als Vereine geben wir einerseits denen, die sonst keine Möglichkeit haben einen Anlaufpunkt zum kicken, einfach um etwas mit Gleichaltrigen zu unternehmen, Spaß zu haben. So wie es in den meisten Dorfvereinen der Fall ist, lernt man zuerst geradeaus zu laufen, dann das ganze mit Ball und schließlich mit dem Kopf nach oben. Aber da wo die Gegebenheiten so sind dass man die Mannschaft auch mich taktischen Aspekten nicht überfordert sollten wir das als Glücksfall sehen und auf die unterschiedlichen Voraussetzungen reagieren.


    Taktisches lässt sich meiner Meinung nach auch super mit freiem Spiel kombinieren:


    Beispiel Verschieben: Tore zählen nur wenn alle Feldspieler in die Gegnerische Hälfte aufgerückt sind, oder andersrum: wenn ein Stürmer der verteidigenden Mannschaft vorne rumsteht zählt das Tor doppelt

    Beispiel Zweikampf und Umschalten: 2vs3, 3vs4, 4vs5 spielen lassen und die Unterzahlmannschaft bekommt bei Seitenaus immer den Ball. Viele 1vs1 und Kontersituationen sind vorprogrammiert



    Bei meiner eigenen Mannschaft (gemischte F) versuche ich den Spielern auch einige Prinzipien an die Hand zu geben, die natürlich nicht immer sofort erfolgreich umgesetzt werden, allerdings geht es darum ja auch gar nicht. Wenn man immer wieder auffrischt und das meiste bis zur D Jugend sitzt, hat man 'ne Menge geschafft.


    Das wäre:

    -Die Stürmer müssen an den Verteidigern vorbei, nicht umgekehrt: klappt wenig bis gar nicht, kein Wunder denn es sind 8 jährige die am liebsten jedem Ball hinterherflitzen wollen

    -In der Verteidigung sind die Seitenlinien unsere Freunde: Wir schaffen es immer häufiger unsere Gegner nach außen zu 'lenken'. Ob das unbewusst entsteht (was ich mal stark vermute) oder auch durch das Training sei mal dahingestellt, jedenfalls sehen wir das was wir sehen wollen.

    -Nutze jeden Platz den hast: Klappt erstaunlich gut, das ist nach meiner Erfahrung das was sämtliche Kinder, egal in welcher Altersklasse am einfachsten verstehen: wenn man sieht das der Weg frei ist, sofort dahin dribbeln. Passen nur wenn man Gegner überspielen kann oder Druck hat. Schieß aufs Tor wenn du meinst dass du nah genug dran bist.

    Einfacher geht es nicht, wichtig ist allerdings in der Beziehung dass man die Kinder ermutigt den Ball mitzunehmen, denn bei uns ist keiner in der Lage Spielsituationen so wahrzunehmen dass ein One Touch Pass die beste Option ist. Somit ist jeder Ball der mit nur einem Kontakt gespielt wird eine reine Angstreaktion auf den Gegnerdruck. Diese Angst wollen wir mit Entscheidungstraining (-> Taktiktraining) nehmen.


    LG 16er

  • Taktiktraining explizit gibt es auch in der E m.e. noch nicht. Durch Provokationsregeln z.b. beim Funino geht es aber spielerisch in die Richtung. Z.b. wenn die Vorgabe lautet das nur Pässe nach hinten erlaubt sind. (Automatisch wird der freie Raum zum Dribbeln genutzt, allerdings verhalten sich die Mitspieler natürlich schon -taktisch- indem Sie sich anspielbereit im Rücken des Ballführenden freilaufen). Ist allerdings auch eine Provokationsregel, die sehr fordernd ist, und bei der man genau hinschauen muß inwieweit das umsetzbar ist. (einfacher fängt man dann eben mit -nur pässe nach vorn- an)

    Will damit sagen, das spielerisch beim Funino z.b. taktisches Verhalten vermittelt wird, wenn man gezielte Provokationsregeln einbaut. Ohne das die Kids das bewußt wahrnehmen.

  • let1612


    Mit diesem Merksatz habe ich in der Hinrunde versucht den Kindern zu vermitteln, dass wir in der Verteidigung nicht gezwungen sind die Gegner im Sprint zu attackieren, da man es dem Gegner leichter macht durch ein gezieltes Dribbling an ihnen vorbei und vor das Tor zu kommen.

    Das heißt die Torsicherung ist in der eigenen Hälfte Priorität und wird durch abwartendes Verteidigen erreicht.


    Oder in einem Satz: 'Renn nicht auf den Gegner drauf, sondern dräng ihn zu den Seitenlinien'


    Wie gesagt klappt das natürlich eher weniger, da die Kinder noch einen Trieb zum Ball haben der nicht so leicht abtrainiert werden kann (>wollen wir das überhaupt?<), aber dennoch denke ich dass es wichtig ist dass die Kinder zumindest den Grundgedanken kennen und ab und zu anwenden. Bis man von einem koordinierten Abwehrverhalten sprechen kann wird eh noch viel Wasser den Rhein runterfließen da es ja auch erst ab der D-Jugend möglich ist das Spielfeld als Verteidigerteam zu bestimmen.