Ist Nachwuchsförderung im deutschen Fußball sportlich und finanziell rentabel?

  • Wie kommt es zu den 3,5%?

    "Die ARD-Radio-Recherche Sport hat die U19-Kader (Quelle: transfermarkt.de) der aktuellen Profiklubs aus den vergangenen acht Jahren ausgewertet. Von den insgesamt 5.736 Spielern stehen aktuell 198 (3,5 Prozent) im Kader eines Vereins in den fünf Topligen aus Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich." (Quelle: sportschau.de)


    Aus meiner Sicht können es höchstens 10% schaffen (und keine 100%). Nehmen wir in der U19 einen 20iger Kader. Gehen wir davon aus, dass in der 1. Mannschaft auch 20 Spieler spielen und ein Spieler 10 Jahre aktiv spielen kann. D.h. von jedem Jahrgang können immer nur 10% oben reinkommen bzw. ersetzt werden. Oder mache ich da einen mathematischen Denkfehler?


    Als Konkurrenz zu den Profiklubs kommen dann noch die Spieler der NLZs von Amateurklubs.

  • let1612 Ich interpretiere es so:

    von den Kadern der U 19 der Profiklubs (für mich Liga 1-3!), haben es 3,5 % in die Topligen (heißt für mich 1Liga!) geschafft. Das relaviert die Zahl doch ziemlich. Denn für einen U 19 Spieler eines Drittligisten wäre doch der Sprung in die 3. Liga oder 2. Liga schon erstrebenswert. Aussagekräftiger wäre doch die Betrachtung wer aus den U19 Kadern einen Profivertrag erhalten hat (für mich Liga 1-3).

    Die U 19 Kader der NLZ sind mitunter auch größer als 20 Spieler. Statistisch würde es also aus jedem Kader (der Ligen 1-3) etwa ein Spieler in die 1. Liga schaffen. Wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass die allermeisten U19 Kader zwei Jahrgänge umfassen.

    Deshalb würde ein jahrgangsbezogener Vergleich vielleicht mehr Sinn machen.

  • Aus meiner Sicht kein Einzelfall sondern ein Trend: Private Fußballschulen drängen in den Vereinssport.

    Von der Fußballschule zum Verein: Der Fußballsportclub Nürnberg steht im Startblock


    Bei einer U8 kann ich mir noch vorstellen, dass es ohne Abwerbung funktioniert. Bei einer U13 und/oder U15 leider nicht - spielen die Kinder bisher wirklich nur in der Fußballschule Fußball oder haben die nicht meistens einen Heimatverein?


    Hier scheint Ausbildung finanziell rentabel zu sein.

  • Das bestätigt meine Aussage.

    Es kommt viel zu wenig aus dem Nachwuchs und/oder die Profivereine, trauen ihrem Nachwuchs den nächsten Schritt oft nicht zu.


    Aber wenn man sich die U-Nationalmannschaften anschaut, gestern beispielsweise die U17, dann frage ich mich wirklich was genau in den NLZs mittlerweile abgeht?


    Die U17 ( Jahrgang 2002) hat die Qualifikation zur EM gerade so gepackt und war dabei noch von den Ergebnissen der Konkurrenz in anderen Gruppen abhängig.

    Nun gab es zwei Spiele und beide Spiele wurden knapp, 1:2 und 0:1, aber verdient verloren.


    Die U19 hat sich wieder nicht für die Endrunde eines Turniers qualifiziert. Sind in ihrer Vierergruppe an Norwegen gescheitert.


    Nur die U21 ist zur Zeit erfolgreich, aber das ist auch eine Herrenmannschaft und kein Junioren Team.


    Was also läuft falsch in den NLZs?


    Wir haben in unserem Ballungsgebiet gleich fünf NLZs. 1.Bundesliga bis Regionalliga spielen deren 1.Mannschaften.


    Dementsprechend kann man diese Vereine auch gut miteinander vergleichen.

    Alle haben eines Gemeinsam... Keine Kontinuität auf den Trainerposten.


    Kein U19 Team hat einen Trainer, der zwei Jahre durchgehend im Amt ist. Ähnlich sieht es bei den U17 Junioren aus.

    Das zieht sich zumeist durch die komplette Jugendabteilung.


    Früher gab es oft feste Trainer für die verschiedensten Jahrgangsstufen. Das war auch nicht immer perfekt, weil es oft Trainer gab, die ihren Posten aufgrund ihrer persönlichen Beziehungen zum Jugendleiter und später NLZ Leiter erhalten haben. Diese Trainer konnten ein mieses Jahr nach dem anderen abliefern und es passierte nichts.


    Die Spieler hatten dennoch jede Saison einen anderen Trainer. Das sollte den Spielern weiterhelfen. Jedes Jahr gab es quasi wieder eine neue Beurteilung. Das führte aber oft dazu, dass ein Trainer einen Spieler rauswarf, weil dieser seinen Ansprüchen nicht genügte, der Trainer darüber den Spieler EIN Jahr später wieder zurück holte.


    Dennoch gab es sowas wie Kontinuität und wenn da gute Leute am Werk waren, war das definitiv ein Vorteil.


    Aber jetzt?

    Ein Beispiel... Ein U19 Trainer spielt mit seinem Team um die Meisterschaft und damit um die Chance in die Bundesliga aufzusteigen.

    Ihm wird ein paar Spieltage vor Rundenende mitgeteilt, dass er die U19 in der kommenden Saison nicht mehr macht.


    Grund : Sie wollen einen Trainer, der mehr Pädagogik anwendet.


    Kommende Saison: Eben dieser Trainer wird wegen Erfolgslosigkeit 10 Spieltage vor Saisonende entlassen und ein weiterer Trainer geholt. Der allerdings auch nicht genügend Punkte holt und dieser Jahrgang landet auf Platz 8. Hinter 5!!! U19 Teams von Amateurvereinen.


    Und der nächste Trainer kommt.


    Es gibt auch Beispiele, bei denen das Team auf dem 2.Platz der Junioren-Bundesliga steht und auch dessen Trainer wird vor zwei Wochen mitgeteilt, dass er am Saisonende gehen muss.

    Grund: Strategische Neuausrichtung.


    Aber auch in der Führungsetage dieser Jugendabteilungen gibt es sehr oft Wechsel. Im Sommer unterhält man sich mit einem NLZ Leiter, der im Winter schon nicht mehr da ist.


    Da geht es mittlerweile auch schon um viel Geld und von daher finden da oft die gleichen Vorgänge wie bei den Profis statt.

    Was soll man von einem NLZ Leiter erwarten, wenn ein Mitglied der Führung des erfolgreichsten deutschen Vereins, dem eigenen Trainer, öffentlich, ständig Knüppel zwischen die Beine wirft? Obwohl dieser Trainer mit seinem Team wahrscheinlich Deutscher Meister wird und sehr gute Chancen hat, auch den Pokal zu holen.


    Warum ist das so? Es geht um Eitelkeiten und in den NLZs ist das noch viel ausgeprägter. Nicht nur bei der Führung und den Trainern, sondern auch bei den Spielern.

    Die Spieler in den NLZs verdienen schon ab der U14 ordentlich Geld und haben Verträge.


    Ständig laufen irgendwelche dubiosen "Berater" über die Plätze und füllen den Jungs den Kopf mit irgendwelchen Versprechen und Träumereien.


    Zudem wird diesen Jungs alles abgenommen. Sie werden Rund um die Uhr betreut. Entweder im Internat oder von Mama und Papa.

    Und das ist auch ein großes Problem... Deutschland hat sehr viele Menschen, die in Vereinen Fußball spielen. Fußball ist halt Volkssport Nummer eins und bei 82 Millionen Einwohnern, finden sich schon ein paar gute Fußballer.


    Aber wie viele von diesen Jungs spielen denn noch auf "der Straße"?

    Das ist das, was ich meine, wenn ich sage, dass Funino eine nette Idee ist, zwar Aktionismus, aber dennoch nett.


    Das alles aber nix bringt, wenn sich die Vorgänge in den NLZs nicht ändern und die Spieler keinen Hunger und nicht die richtige Einstellung haben. Nur Talent hilft leider nicht. Und zweimal Funino in der Woche auch nicht.

  • Coach31 : nachdem ich bei einem heutigen NLZ in früheren Jahren groß geworden bin (Spieler und Trainer) und die heutige Entwicklung beobachte (private Erfahrungsberichte von Trainern (u.a. einem langjährigen - die gibt es auch); Spielern (noch dabei nicht aussortiert) und Eltern), würde mich interessieren, was du als positive Entwicklung und was als negative Entwicklung durch die NLZ siehst.


    Ich sehe positiv:

    - Internat bzw. Gasteltern (gab es früher beim VfB z.B. auch schon, jetzt aber flächendeckend und mit mehr pädagogischen Kräften (Professioneller))

    - ärztliche Versorgung

    - Trainingsbedingungen (z.B. Plätze, Ausstattung)


    Relativ neutral sehe ich:

    - dein Einwand Kontinuität von Trainern - auch früher war da oft keine Kontinuität, heute kommt da der NLZ Leiter noch dazu (die Jugendleiter früher waren meist länger im Amt - zumindest mein Eindruck)

    - Professionalität von Trainern (Geld erzeugt auch eine gewisse Abhängigkeit - es gab aber auch schon früher Geld)


    Eher negativ sehe ich:

    - Spielbetrieb (Reisen auch schon in jüngeren Jahren; Balance zwischen Schule, Freunde und Sport)

    - Trainingshäufigkeit (Verletzungsanfälligkeit, trotz besserer ärztlicher Versorgung; keine Abwechslung (z.B. andere Sportart))

    - Druck ist aus meiner Sicht gestiegen (z.B. Halbjahresgespräche; Scouting)

    - Konzentration auf den Fußball (vieles wird den Kindern abgenommen bzw. irgendjemand kümmert sich darum)

  • https://www.op-online.de/sport…schmaechtig-12202180.html


    Zitat

    Es gibt nämlich Zweifel, ob der 1,80 Meter große Deutsch-Italiener die körperlichen Voraussetzungen für eine Profi-Karriere mitbringt. Zu klein, zu schmächtig – so lauten die Bedenken. Eine Idee: Signorelli soll erstmal andernorts Spielpraxis sammeln.

    Andernorts bedeutet in dem Fall: Hoffenheim 2 hat nicht die Bedenken er könnte zu klein oder zu schmächtig sein. Meiner Meinung nach in vielen Köpfen immer noch zu tief verankert.


    Es ist ja allgemein bekannt, selbst ein Messi, Griezmann und andere wären durchs Raster gefallen. Ohne den Umweg Ahlen gäbe es keinen Reus.


    Sieht für mich so aus: Der hat zwar keine Chance bei den Herren, aber um unserer Jugend die Klasse zu halten ist er gut genug. Ergebnis über Ertrag. So rettet er dem Trainer den Job. Ist wohl wichtiger möglichst hochklassig zu spielen, als Spieler für die Herren zu entwickeln.


    Hallo Uwe . Ich hab mich im Thema verhauen, wollte in: Ist Nachwuchsförderung rentabel.

  • Danke für den Artikel. Leider weiß ich auch nach dem Lesen nicht mehr als jemand, der Ajax' U19 nicht verfolgt und Nicolas Kühn nicht kennt. Was zeichnet denn seinen Spielstil aus, das er in einem deutschen NLZ nicht entwickeln könnte?


    Mir fällt natürlich sofort sein Geburtstag 1. 1. 2000 vor dem Hintergrund des RAE auf.