Frustabbau-Thread

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  • Vermutlich ein Klassiker, aber ich bin komplett ratlos, wie hier weiter zu verfahren ist. Der abzubauende Frust begründet sich hier in dieser Ratlosigkeit.

    E-Jugend, zieht sich aber schon seit 2 Jahren. Dorfverein. Leistungsgefälle im Team von Anfänger bis gutes Silberniveau.

    Ein Kind, diagnostiziertes ADHS, in seinem Dorf ein paar km weiter schon ein gebranntes Kind. In den dortigen Verein wollte er nicht, weil dort eben die Kinder sind, mit denen er in der Schule nicht klarkommt. Von den Eltern wurde es damals als Mobbing der Anderen dargestellt, vielleicht ist da auch was dran. Aber Henne und Ei-Problem: Was war wohl zuerst da?


    Beispielhafter Ablauf vom letzten Training, der sich so ähnlich schon häufig abgespielt hat:

    Treffzeit vor dem Training, es wird Quatsch gemacht, alle happy.

    Irgendwann bei einer Übung ruft er "Loser" zu dem, der ihn gerade im 1gg1 ausgespielt, aber dann nebens Minitor geschossen hat.

    Ich steht direkt daneben, Ansprache, "keine Beleidigungen, Verwarnung".

    Geht in die Reihe, schießt dem letzten den Ball vom Fuß, stellt sich selber hin. "Gelbe Karte".

    Ein paar Minuten danach gibt es in derselben Übung noch eine derbere Beleidigung. 5 Minuten Pause.

    Statt der Anweisung zu folgen, etwas größeren Abstand einzuhalten, bleibt er aber deutlich näher stehen und kommentiert weiter das Geschehen, d.h. v.A. wenn jemandem etwas misslingt, Spott. Wegzerren kann ich ihn schlecht.

    Die Kinder reagieren natürlich irgendwann. Hin und her. Beende die Übung. Für ihn beende ich das Training, war noch das Abschlussspiel übrig. Er bewegt sich nicht weg, sondern bleibt neben dem Tor stehen.

    Ich versuche nochmal, mit ihm zu sprechen und sehe ihm an, wie es hinter seinen Augen tobt. Aber er kann nicht aus seiner Haut, vielleicht eine Entschuldigung aussprechen.

    Im Team hat er seinen Ruf natürlich weg und wenn er etwas startet, schießen sich die streitbaren Charaktere, die es natürlich auch gibt, schnell auf ihn ein. Tatsächlich ist es selten, dass solche Nickligkeiten VON den Anderen aus starten. Die zoffen sich eher mal untereinander bei vermeintlichen oder tatsächlichen Regelverstößen im Spiel, das Übliche.


    Es kommt mir vor, dass es in ihm einen Zwang gibt, dass irgendwann mal was raus muss, wie so ein Tick. Reaktionen provozieren. Aber wenn er die Konsequenzen spürt sieht er aus wie ein Häufchen Elend, das mir nur leid tut. Da ist kein böser Willen dahinter, das ist mir klar.

    Ich kann mich nicht an eine konkrete Einheit erinnern, die er mal ohne Zoff abgeschlossen hat. Leider muss man es so klar sagen: Ist er nicht da, wie in der gestrigen Einheit (laut Elternteil wegen der Beleidigungen anderer Kinder beim vorherigen Termin. Es wird nur das Kind zitiert und man ist sich bewusst, dass er selbst vorher austeilt.) läuft es in der Regel deutlich entspannter.


    Wir wollen das Kind nicht abschieben. Er will Fußball spielen. An den nächsten möglichen Anlaufstellen würde es 100% irgendwann wieder so aussehen. Dem Kind das Gefühl zu vermitteln, dass es nicht passt, kann nicht gut sein. Aber auch nicht, dass das Training für 15 Kinder weniger Spaß macht, weil ein Kind es torpediert.

    Ich bin aber kein Pädagoge oder Psychologe, sondern stehe da 2x die Woche und regelmäßig an Wochenenden für umme auf dem Platz.

  • Schwierige Frage, als Laie würde ich sagen, dass das Training für ihn zu langweilig ist und er daher Aktion = Streit sucht.

    Ist aber aus der Entfernung nicht wirklich zu beurteilen.


    Sehr positiv finde ich, dass du wohlwollend über ihn schreibst und es erstmal weiter versuchen willst.


    Denke es ist folgende Dinge wichtig (alles aus Sicht eines Laien):


    Den Mitspielern klar machen, dass es nicht zwingend böse gemeint ist, am Ende des Tages ist es eine Behinderung/Krankheit.

    Und es kann auch einfach nur Necken sein.

    Dem Jungen aber auch klar machen, dass er schauen muss mit wem er es macht und halt auch nicht ständig.


    Ggf. für den Jungen/die Mannschaft mehr Abwechslung reinbringen, soweit ich weiß, langweiligen sich ADHS'ler bei "monotonen" oder zu schwierigen Übungen schnell.

    Gilt aber auch für viele nicht vom ADHS betroffenen Spieler, die machen es dann auch nicht gerne, "funktionieren" aber...


    Reglementiere den Spieler früher und lassen ihn aber im Abschlussspiel wieder mitspielen (auch nicht vorher damit drohen, dass er nicht dabei ist).

    Beim freien Spiel kann er sich "austoben" und ist wieder Teil der Mannschaften.

    Ich habe noch nie einem Spieler das Abschlussspiel verwehrt (verkürzt ja, aber nie ganz gestrichen).

  • Ich habe noch kein Kind gehabt mit ADHS, aber sehr wohl ein Kind bis unlängst, das auf Sicht das Team zu sprengen drohte aufgrund seines Verhaltens.


    Im Prinzip musst du mMn entscheiden, ob und wie lange du die Energie hast solche Kinder mitzuschleppen. Du bist kein Pädagoge, Psychologe und Auffangbecken für verhaltensauffällige Kinder, sondern Trainer, der auf andere Kinder auch schauen muss.

    Haben die Eltern ein Idee, wie man sein ADHS steuern kann? Hast du es probiert, dass die Eltern temporär in der Nähe und in Sichtweite dabeibleiben, um einerseits selbst zu sehen, dass kein vernünftiges Training möglich ist und sie dafür sorgen im Zuge einer Denkpause auf das Kind einzuwirken?


    Das wär für mich auch im Grunde ein Thema für eine Aussprache auch mit der Jugendleitung und Eltern zusammen, wie das weitergehen kann, wenn der Bub an sich gern kickt. Und Gernekicken ist auch nicht das Totschlagargument, um eine Belastung auf sich zu nehmen als Trainer und Mannschaft, weil davon ist auszugehen, dass ein Kind in einem Verein prinzipiell Lust auf Kicken hat.

  • Irgendwann bei einer Übung ruft er "Loser" zu dem, der ihn gerade im 1gg1 ausgespielt, aber dann nebens Minitor geschossen hat.

    Der hätte bei mir zur "Strafe" 1 gegen 1 auf 2 Minitore gespielt. Spiel bis 7 - wer ist der "Loser"? Und dann hätte er den nächsten Gegenspieler bekommen usw. - 1 gegen 1 ist anstrengend und ich habe keine Zeit für Blödsinn und keine Luft um viel zu sprechen.

    Falls die anderen das als "Belohnung" sehen, dann spielen alle 1 gegen 1 im ChampionsLeague-Modus (3-4 min.).

    Und wenn 1 gegen 1 dein Schwerpunkt war, dann hast du da die Wiederholungen und die Intensität auch gesteigert.

  • Du bist kein Pädagoge, Psychologe und Auffangbecken für verhaltensauffällige Kinder, sondern Trainer, der auf andere Kinder auch schauen muss.

    So sieht es aus.
    Also ein Fußballverein ist SICHERLICH nicht eine Anlaufstelle für ADHS-Therapien. Fußball ist ein Mannschaftssport und wer sich da nicht einfügen kann/will, braucht erstmal professionelle Unterstützung/Hilfe und wenn es geschafft ist, kann er wiederkommen.

    Die anderen Kinder haben auch Lust aufs Kicken, aber ohne ständig von _einem_ Kind belästigt oder eingeschränkt zu werden. Ich hätte als Trainer so gar keine Lust, mich ständig mit verhaltensgestörten Kindern zu beschäftigen, während meine eigentliche Aufgaben darunter leidet.

  • Du bist kein Pädagoge, Psychologe und Auffangbecken für verhaltensauffällige Kinder, sondern Trainer, der auf andere Kinder auch schauen muss.

    So sieht es aus.
    Also ein Fußballverein ist SICHERLICH nicht eine Anlaufstelle für ADHS-Therapien. Fußball ist ein Mannschaftssport und wer sich da nicht einfügen kann/will, braucht erstmal professionelle Unterstützung/Hilfe und wenn es geschafft ist, kann er wiederkommen.

    Die anderen Kinder haben auch Lust aufs Kicken, aber ohne ständig von _einem_ Kind belästigt oder eingeschränkt zu werden. Ich hätte als Trainer so gar keine Lust, mich ständig mit verhaltensgestörten Kindern zu beschäftigen, während meine eigentliche Aufgaben darunter leidet.

    Zum Thema Therapie und Fussball:

    Das eine tun und das andere nicht lassen.

    Immer mit der Einschränkung, dass ich Fussball bzw. Mannschaftssportarten auch nicht so geeignet für ein ADHS'ler empfinde.


    Zum Thema sich belästigt fühlen:

    Das steht und fällt ganz stark mit der Einstellung vom Trainer und den Spielern.

    Das ist nicht als Vorwurf zu verstehen, da die Toleranzgrenzen von Menschen / dem Mannschaftsgefüge halt sehr unterschiedlich sind.


    Zu bedenken ist aber auch, dass das große Leistungsgefälle in der Mannschaften es prinzipiell nicht leicht macht.

    Allerdings hier ja auch "Behinderungen" / Einschränkungen aus Sicht der guten Spieler bei den schlechten vorliegen.

    Die müssen ja auch toleriert/ertragen werden...


    Die Integration zu versuchen finde ich jedenfalls super, kann und darf natürlich auch scheitern.


    Die Erkenntnis "... und sehe ihm an, wie es hinter seinen Augen tobt. Aber er kann nicht aus seiner Haut, vielleicht eine Entschuldigung aussprechen."

    Wäre für mich zumindest der Ansporn weiter um ihn zu kämpfen, in der Hoffnung, dass der Knoten mal platzt.


    Aber nicht jeder Mensch ist dafür gemacht.

  • Hatte schon 2 ADHS Kinder gehabt. Ist immer schwierig im Umgang weil die wirklich einen Zwang haben irgendwas zu sagen oder machen ohne das Sie es vermutlich nicht wollen.


    Bestrafungen etc wirkt da meist nicht

  • Ich hatte insgesamt vier ADHS-ler in den gut 20 Jahren, die waren allerdings älter: 12, 14,15 und 16.

    Der älteste und der jüngste waren weniger das Problem, da wir zu dritt waren und immer einer hat die beschäftigt. Der Älteste war zudem ein guter Fußballer, ist allerdings schon bei drei Nachbarvereinen rausgeflogen (und bei vier Schulen). Der Jüngste kam 5 Stationen mit der S-Bahn, war absoluter Anfänger und hat nach einem halben Jahr selber aufgegeben. Die beiden Mittleren, die waren schon ein Problem, da sie beide in der selben Mannschaft waren und da gehörig aufgemischt haben, aber auch von den Mannschaftskameraden in die Schranken gewiesen wurden.

    Glücklicherweise hatten sie einsichtige Eltern (die Mütter waren Cousinen) so dass mit einem "Belohnungsprogramm" - (wir hatten zwei U15.Mannschaften und die spielten in der Zweiten, durften aber bei entsprechendem Verhalten als Einwechsler mit zur Ersten)) die eine Saison einigermaßen überstanden haben.

  • Irgendwann bei einer Übung ruft er "Loser" zu dem, der ihn gerade im 1gg1 ausgespielt, aber dann nebens Minitor geschossen hat.

    Der hätte bei mir zur "Strafe" 1 gegen 1 auf 2 Minitore gespielt. Spiel bis 7 - wer ist der "Loser"? Und dann hätte er den nächsten Gegenspieler bekommen usw. - 1 gegen 1 ist anstrengend und ich habe keine Zeit für Blödsinn und keine Luft um viel zu sprechen.

    Falls die anderen das als "Belohnung" sehen, dann spielen alle 1 gegen 1 im ChampionsLeague-Modus (3-4 min.).

    Und wenn 1 gegen 1 dein Schwerpunkt war, dann hast du da die Wiederholungen und die Intensität auch gesteigert.

    Das hätte in einer Demontage desselben Kindes geendet. Das Spiel war ja schon ein 1gg1 auf 2 Minitore ("Lucassen-1gg1"). Man muss sagen, dass der Andere mit ihm schon erst etwas Katz und Maus gespielt hat, bevor er ihn dann lässig daneben geschoben hat. Bei demjenigen kann ich jetzt nicht sagen, dass es bewusstes Lustigmachen über den Anderen war. Der findet sich nur allgemein ziemlich gut und zeigt gern was er kann. Ich hatte in dem Moment schon das Runterzählen begonnen.


    Hatte schon 2 ADHS Kinder gehabt. Ist immer schwierig im Umgang weil die wirklich einen Zwang haben irgendwas zu sagen oder machen ohne das Sie es vermutlich nicht wollen.


    Bestrafungen etc wirkt da meist nicht

    So isses.

  • Der hätte bei mir zur "Strafe" 1 gegen 1 auf 2 Minitore gespielt. Spiel bis 7 - wer ist der "Loser"? Und dann hätte er den nächsten Gegenspieler bekommen usw. - 1 gegen 1 ist anstrengend und ich habe keine Zeit für Blödsinn und keine Luft um viel zu sprechen.

    Falls die anderen das als "Belohnung" sehen, dann spielen alle 1 gegen 1 im ChampionsLeague-Modus (3-4 min.).

    Und wenn 1 gegen 1 dein Schwerpunkt war, dann hast du da die Wiederholungen und die Intensität auch gesteigert.

    Das hätte in einer Demontage desselben Kindes geendet. Das Spiel war ja schon ein 1gg1 auf 2 Minitore ("Lucassen-1gg1"). Man muss sagen, dass der Andere mit ihm schon erst etwas Katz und Maus gespielt hat, bevor er ihn dann lässig daneben geschoben hat. Bei demjenigen kann ich jetzt nicht sagen, dass es bewusstes Lustigmachen über den Anderen war. Der findet sich nur allgemein ziemlich gut und zeigt gern was er kann. Ich hatte in dem Moment schon das Runterzählen begonnen.

    Dann hätte ich das "Loser", gekonnt überhört bzw. als Spaß aufgefasst.

    Was stört es die selbstbewusste Katze, wenn das "kleine" Mäuschen mal Glück hat, weil die Katze mal daneben schießt.


    Hätte dich das "Loser" auch bei einem andern Spieler gestört oder hättest du es da ggf. auch als Spaß aufgefasst?

  • Mal eine andere Idee bzgl. Strafen:


    Gibt es in der Mannschaften 1-2 Spieler, die ihn trotzdem mögen (ihn so akzeptieren wie er ist)?

    Frage sie doch mal, ob sie bereit wären mit ihm gemeinsam die Auszeit (in Form von anderen Übungen) zu verbringen.

    Die Idee dahinter ist, dass du so aus der Schusslinie kommst, nach Aussprache der "Strafe."


    Ist bei Schiedsrichtern (wenn es zwei gib) und bei temparamentvollen Spielern auch so.

    Einer zeigt die Strafe an, der zweite holt ihn dann auf die Bank, das ist ein bewährtes Mittel.


    Ich würde auch versuchen, das Wort "Strafe" im Zusammenhang mit ADHS zu vermeiden.

    Es geht doch nur darum, dass er aus seinem Tunnel kommt.

    Kennt man doch auch von Pubertierenden, wenn die in ihrem Tunnel sind.

  • Das klingt echt anstrengend, ich als Trainer bin selbst diagnostiziert und mein Großer der in meiner Mannschaft spielt ebenfalls.

    Er hat seinen Hyperfokus auf das Training gelegt, da habe ich Glück bei ihm das er alles 1000 Prozent richtig machen will.

    Stelle mir es aber auch schwierig vor wenn er ständig die anderen kommentiert oder runter macht.

    Meinem Junior muss ich auch schonmal sagen das ich keine Kommentare brauche, dann ist aber auch Sendepause.


    Vielleicht mal mit den Eltern sprechen wie man dem Jungen helfen kann.