FC Bayern Probetraining

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung
  • Die Frage lautet aber vermutlich eher (Wie Du ja auch geschrieben hast): Was ist eigentlich ein Talent? Wer wird von den 30 ohne echte Erfolgschance gequält?


    Die Zahlen sind mMn zumindest der Größenordnung nach unstrittig, so schlecht rechnet Microsoft ja nicht, oder?! So im Mittel wird also einer aus jeder A-Jugend pro Jahr einen Profivertrag kriegen. Wenn es 2 sind, feiert sich das NLZ schon als extrem erfolgreich. Alle anderen Teammitglieder gehen leer aus. So besehen lohnt der Aufwand für den einzelnen Spieler nicht. Zumindest dann nicht, wenn ich selbst merke, dass ich nicht der Überflieger im A-Jugendteam bin.


    Aber das ist mMn zu kurz gedacht. "Erfolgschance" sollte nicht auf Profivertrag reduziert werden. Denn es ist ja nicht so, dass unterhalb der 3.Liga kein Fussball mehr gespielt wird. Die Spieler aus den NLZ sind ganz sicher alle top ausgebildet und finden ihren Platz im hochklassigen Fussball. Das ist aus sportlicher Sicht ein lohnendes Ziel.


    Grüße
    Oliver

  • BVB hat gestern gezeigt, dass man ein Spiel nicht nach 25, 82 o. 91 Minuten nach dem sichtbaren Ergebnis beurteilen kann. Dies kann man halt nur bei Kids, da sieht man mit 11 oder 13 Jahren, wer am Ende mit 19 Sieger wird - und wer nicht. Anything goes, fragt sich nur für wen. Ob die, die es können, indem sie mal eben kurz ein Leistungsoutcome sichten, darauf auch ihr eigenes Vermögen, nicht nur das von Kindern verwetten würden?


    Das heutige Probetraining habe ich in Absprache mit unserem Sohn zwecks Konsequenz abgesagt. Uns beiden ist schließlich seine IGS, wo es noch Förderkurse für Schwächere statt nur für Starke oder viele selbst ausgesuchte echte Freunde gibt, lieber als eines der fiktiv knappen Elite-Gymnasien mit Graben und Mauer herum, wo nach einer Klassenarbeit o. wenigen Wochen Testphase herausgesuchte Einzelne den doppelten Unterricht oder viele Exkursionen erhalten wie der Rest. Damit dieser auch ja nie mehr herankomme, jene Wenigen stets alle anderen besiegen, so ihre Lehrer auf einen Sockel heben, sich am Ende gut im Markt absetzen lassen und viel Geld machen....


    Ein Beispiel aus der hiesigen Bundesliga-U17 eines (der selbsternannten, aber eben auch relational erfolgreichen) LZ: im Sommer aus der Kreisliga (Vorsaison: Kreisklasse) als Ersatz vom Ersatz vom Ersatz gekommen, also Ersatz-TW der Zweiten, nie TW-Training gehabt, purer Auffüllkandidat, dessen Eltern nur mal wollten, dass er mal ein LZ von innen erlebt u. für 1 Jahr etwas TW-Training erhält. Boten ihr Kind vermutlich an... Da der 2. TW nicht konnte, der 3. in der Zweiten spielte, saß er dann im 2.Spiel auf der Bank, als sich der 1. TW in der 15. Minute langfristig verletzte: kam, sah und siegte (obwohl das Team mal wieder verlor), dh im nächsten Spiel blieb er im Tor u. der 2./3. TW in der Zweiten bzw. auf der Bank. Als der 1. TW nach 2 Monaten gesund war, war er längst nurmehr als Ersatz verplant - irgendwo ungerecht, aber so läuft es ja eben schon bei 16-jährigen in LZ. Im Winter war dann jener ehemals 4. Ersatz-TW bei einem Auswahl-Sichtungslehrgang, gehörte danach auch hier fest dazu. Nun wird er wohl grad von einem NLZ als Stamm-TW für deren U18 ab Sommer abgeworben. Soll man nun sagen, er hätte ohnehin irgendwann seinen Weg gefunden? Wäre es für ihn, seine Karriere nicht besser gewesen, schon mit 10 o. 13 Jahren mal ein wenig TW-Training bekommen zu haben. Oder war's grad gut, dass er bis 16 kein LZ von innen sah statt evtl. früh mental o. körperlich verheizt zu werden? Jeder kann das für sich beurteilen, wer aber meint, er allein wisse, wie sich hier alles verhalte, was wie richtig o. falsch sei, hat vermutlich als Kind schon Weisheit mit Löffeln zu essen gekriegt, da kann ich Wahrheit immer noch nur "Suchender" nicht mithalten. Aber ich hoffe, er hat auch Humor mitbekommen u. nimmt Ironie nicht krumm ;)


    @call: Nun ist es zunächst mal für die Wenigsten eine Qual im LZ, aber das böse Erwachsen später oft schon. Rechne aber mal deine Quote um: eins von knapp 800 schafft es, in der Bundesliga zu spielen? Hhm, dann müssten es ja mehrere aus unserer kleinen Gemeinde schaffen, aus der nächsten Stadt schon... - Bundesliga für (fast) alle, das wär's, dann würde auch ich mit $-Zeichen in den Augen mein Kind in den A treten, damit es alles gibt u. ins LZ einrückt ;)


    @TW: Ja, diesen "besonderen Charaktermerkmalen" sollte man zumindest nachspüren wollen, statt einfach sich Spiele o. Trainings anzuschauen und dann subjektiv "die Besten" für sich rauszupicken. Sie wären in etwa Fokussierung, Konzentration, Offenheit, Coolness, Teamgeist, Selbst-Vertrauen o. -Gefühl. Wer sich pädagogisch auskennt, der weiß, dass sie sich eben nicht schon mit 11 o. 13 sichtbar zeigen u. herauskristallisiert haben können! Aber wen interessiert schon, was pädagogisch sinnvoll ist. Na ja, und Frauenfußball: wenn man durch aussterbende Dörfer fährt, zweifle ich, ob soviel Frauen noch Mütter statt Karrierefrauen werden sollen bzw. wollen. Ist's nicht eher so, dass "frau" heute eben lieber mannhaft sich selbst beruflich verwirklicht statt 'nur' Mutter zu werden, da auch hier Geld(verdienst) als viel, viel mehr wert gilt denn Kinder, die mann wie frau sich da lieber einsparen? Und da es der Menge (Quantität) nach immer weniger Nachwuchs gibt, darf eben neuerdings kein Talent (Qualität) verloren gehen - wobei man aber recht wenig an die Kinder selbst denkt, eher eben - Preisfrage - an: ??? Das Absurde jedoch las ich heute wieder bei finanzen.net: deutsche Haushalte sind auch geldtechnisch (nicht nur bzgl. der 'Fertilität) im EU-Durchschnitt so ziemlich die Ärmsten, Spanier haben dreimal soviel u. auch die Zyprioten stehen besser da... Irgendwie scheint bei allem etwas ziemlich unverstanden u. Irres übrig, oder? Alles schrumpft und doch sind wir die Größten?

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Als meine Söhne vor einem Jahr die Einladung bekamen zur U12 eines Bundesligisten (1.) zu wechseln, kam ich über google auf diese website und bin seitdem ein stiller, wenn auch dauerhafter Leser des Forums.


    Als "kleinen Dank" für die vielen Informationen die ich hier erhalten habe, gebe ich einmal meine Erfahrungen wieder:


    Meine Söhne haben beide in einem wirklichen Dorfverein gespielt, wo es vollkommen egal war, wie die Tabelle am Ende der Saison aussah. Die Jungs und Mädchen hatten Spaß, Kinder durften zum Training mal dazukommen, auch wenn sie nicht im Verein waren, das Verhältnis zwischen Trainern und Eltern ist sehr harmonisch. Wenn mal ein Trainer nicht konnte, ist eben ein Papa eingesprungen. Am Wochenende kickt dann oft das halbe Dorf zusammen auf dem -immer offfenen- Sportplatz, wo es schon mal vorkommt, dass Ü60 auf U6 trifft.
    Kurzum: ein Dorfverein, wie es ihn wohl überall vor zwanzig Jahren noch gab.


    Meine Söhne haben immer zwei Jugenden gespielt, a) weil sie es wollten und b) weil gar nicht genug Kinder da waren, um überhaupt eine Mannschaft voll zu bekommen. Andere Kinder machten dies auch, zumal es bei uns im Landesverband keine "Festspielregeln" im KiFu gibt.


    Schon früh wurde ich immer wieder drauf angesprochen, dass die Kinder talentiert seien und ob ich sie nicht einmal vorspielen lassen wollte. Ich war immer vehement dagegen und habe den Standpunkt vertreten, dass ein Wechsel vor 14 für mich nicht in Frage kommt und schon gar nicht in ein LZ eines Oberligisten, wo die Kinder nur angeschrien werden und ein immenser Leistungsdruck, gepaart mit Arroganz, herrscht.


    Unser Trainer hatte aber -aus welchen Gründen auch immer- Kontakte zu dem BuLi-Verein und als ich auf einer längeren Dienstreise war, organisierte er einen Vorspieltermin. Für die Jungs war es eine große Sache zumal es ihnen auch nur als "Spaßtraining" und "Belohnung" angekündigt wurde.


    Nach diesem einem Vorspiel wollte der Verein die Jungs.
    Was mir gefallen hat, war, dass die wirklich sehr freundlich mit allen! Kindern umgingen, Rücksicht nahmen und nicht nur den Spieler sondern auch das Kind und damit den Menschen sahen. Sozialkompetenz eben, die ich bei vielen Leistungszentren vermisste.
    Zwischenzeitlich waren die beiden auch noch bei der Sichtung für den DFB-Stützpunkt, wo sie auch genommen wurden.


    Nach ein paar Monaten Bedenkzeit, in der die Kinder ab und zu mittrainierten und an Freundschaftsspielen teilnahmen, habe ich mich breit schlagen lassen und einem Wechsel zugestimmt, zumal ich feststellen musste, dass die Jungs da wirklich binnen kürzester Zeit enorm viel lernten und gut mit ihnen umgegangen wurde. Kein Wunder bei einem Trainerschlüssel von 1:3 im Vergleich zum Stützpunkt mit 1:20. Zwischenzeitlich sind sie "Stammspieler" und auch andere Bundesligisten haben sich die Namen schon notiert.


    Sollten die Jungs es allerdings irgendwann einmal nicht schaffen da mitzuhalten und aussortiert werden - was ich für mehr als möglich halte - werden und können sie jederzeit zurück in unseren Dorfverein. Zu einem LZ werden sie dann jedenfalls nicht wechseln. Wozu auch. Um später statt Kreisklasse B einmal Kreis- oder Landesliga zu spielen?



    Fazit: Wenn ein Kind talentiert ist, wird es entdeckt, selbst wenn es im finstersten Dorfverein kickt. Der Wechsel in ein LZ und die Hoffnung darüber einmal in die BuLi zu kommen, ist sinnlos. Aus Gesprächen mit den neuen Trainern meiner Söhne weiß ich, dass die Bundesligisten die meisten der Kinder die dort spielen schon einmal gesehen und eben nicht genommen haben. Warum also die Kinder quälen und nicht den Spaß in den Vordergrund stellen?

  • @Don


    in deinem letzten Beitrag sprichst du für mich eine wichtige Thematik an.


    Manchen Beiträgen zufolge wimmelt es nur so von Talenten, die das Zeug zum Buli-Spieler haben, und entsteht der Eindruck
    dass Talentförderung nur in Richtung Buli-Ziel geht.


    für mich ist Talentförderung wesentlich mehr, mehr in die Breite gesehen und trifft garantiert auf wesendlich mehr junge Fussballer zu.


    in einem Verein, dessen Jugendmannschaften grundsätzlich immer in den untersten Staffeln spielen, ist es für mich Talentförderung
    ihn so zu fördern, dass er dauerhaft in einer Bezirksliga- oder Verbandsligamannschaft spielen könnte.


    muss es stets das Ziel sein, das Niveau direkt um 5-6 Stufen anzustreben?
    Ist es nicht auch Förderung einem jungen Fussballer die Möglichkeiten zu eröffnen, 1,2 evtl auch 3 Stufen höher zu spielen.?
    Für mich schon.


    aussergewöhnlichen Talenten stehen auch von da durchaus weitergehende Möglichkeiten offen.
    Förderungen haben ein durchaus realitätsbezogeneren Ausgang.
    Enttäuschungen, Frust, gar Aufhören mit dem Fussball sind da ganz anders zu betrachten.


    Förderung für mich ist das Spielen auf einem etwas höheren Niveau, als es der Heimatverein bietet.
    Wird nach den Sternen gegriffen, zerplatzt manche Illusion mit teilweisen sehr negativen Auswirkungen auf die Entwicklung eines Jugendlichen.


    dieser Art der Förderung stehen aber viele Trainer und Vereine entgegen. Wer gibt schon gerne einen guten Spieler an den
    besseren Nachbarverein ab, wenn man in ihm nicht einen zukünftigen Buli-Spieler sieht.


    gg

  • Sollten die Jungs es allerdings irgendwann einmal nicht schaffen da mitzuhalten und aussortiert werden - was ich für mehr als möglich halte - werden und können sie jederzeit zurück in unseren Dorfverein. Zu einem LZ werden sie dann jedenfalls nicht wechseln. Wozu auch. Um später statt Kreisklasse B einmal Kreis- oder Landesliga zu spielen?


    Hallo Oppa,
    danke dafür, dass Du Deine Erfahrungen teilst. Den oben zitierten Satz kann ich aber gar nicht verstehen. Wieso hat es aus Deiner Sicht keinen Sinn, Landesliga, statt Kreisklasse zu spielen? Hat für Dich sportlich nur die absolute Leistungsspitze eine Exitenzberechtigung? Weil's da Geld zu verdienen gibt? Oder warum?


    Diese Sicht ist mir völlig fremd. Es geht doch im Sport darum, die persönlichen Potenziale auszuschöpfen. Bei einem ist das der WM-Titel, schön. Beim anderen reicht es "nur" zur Landesliga, auch schön. Da sehe ich mich einig mit Günther:

    in einem Verein, dessen Jugendmannschaften grundsätzlich immer in den untersten Staffeln spielen, ist es für mich Talentförderung
    ihn so zu fördern, dass er dauerhaft in einer Bezirksliga- oder Verbandsligamannschaft spielen könnte.


    Förderung für mich ist das Spielen auf einem etwas höheren Niveau, als es der Heimatverein bietet


    Grüße
    Oliver

  • Zitat von »Oppa«




    Sollten die Jungs es allerdings irgendwann einmal nicht schaffen da mitzuhalten und aussortiert werden - was ich für mehr als möglich halte - werden und können sie jederzeit zurück in unseren Dorfverein. Zu einem LZ werden sie dann jedenfalls nicht wechseln. Wozu auch. Um später statt Kreisklasse B einmal Kreis- oder Landesliga zu spielen?


    Hallo Oppa,
    danke dafür, dass Du Deine Erfahrungen teilst. Den oben zitierten Satz kann ich aber gar nicht verstehen. Wieso hat es aus Deiner Sicht keinen Sinn, Landesliga, statt Kreisklasse zu spielen? Hat für Dich sportlich nur die absolute Leistungsspitze eine Exitenzberechtigung? Weil's da Geld zu verdienen gibt? Oder warum?

    Es tut mir leid. Der Satz den ich schrieb, klingt wirklich sehr arrogant. Ich freue mich für jeden, der höherklassig spielen kann und gefordert wird. Das habe ich jedenfalls nach dem Wechsel meiner Söhne gelernt. Beide wollen Fußball auf hohem Niveau spielen und sind mit Freude dabei.


    Das Wichtigste -und hier bin ich bei meinem eigentlichen Thema- ist nämlich die Freude, der Spaß im Kinderfußball. Wenn es den nicht mehr gibt, sondern nur Leistungsdruck, dann hört für mich das Verständnis auf. Und nur weil meine Kinder mit Spaß und Freude dort in dem neuen Verein Fußball spielen, sind sie auch da.


    Ich habe im vergangenen Jahr sehr viele U-Mannschaften der Bundesligisten (1.-3.) aber auch LZ'en spielen sehen. Mir ist da aufgefallen, dass der Druck, den die Kinder im LZ bekommen wesentlich höher ist als bei den meisten BuLi-Mannschaften. Ebenso ist der Ton der Eltern am Rand entsprechend rauer.


    Meine Frage also: Warum ein Kind in ein LZ schicken, wo es keinen Spaß hat, nur damit es später einmal höherklassiger spielen kann? Sollten nicht die Kinder beim KiFu im Mittelpunkt stehen?

  • Danke für die Erklärung, so sehe ich das auch. Es muss den Kindern Spaß machen, sonst bleiben die ohnehin nicht dabei. Wobei ich bei meinem Sohn auch sehe, dass es ihm gerade besonders viel Spaß macht, wenn er (heraus-)gefordert wird. Insofern ist Spaß hier nicht das Gegenteil von leistungsbezogenem Training.


    Zu Deiner Unterscheidung im Trainerverhalten: Leider habe ich bei Turnieren auch schon NLZ-Trainer gesehen, die einen 9-jährigen nach einem Fehler sofort auswechselten und dann vor versammeltem Publikum nieder brüllten ("Hab ich Dir nicht 1000mal..."). Zum Glück ist das aber die Ausnahme. Ob die Quote der Brülltrainer im LZ höher ist, vermag ich nicht zu sagen. Könnte aber sein, da in den NLZ die Kontrolle der Trainer sicher stärker ist als im LZ. Aber es ist klar, dass ich mein Kind unter so einem Trainer nicht spielen lassen würde.


    Grüße
    Oliver

  • Das Wichtigste -und hier bin ich bei meinem eigentlichen Thema- ist nämlich die Freude, der Spaß im Kinderfußball. Wenn es den nicht mehr gibt, sondern nur Leistungsdruck, dann hört für mich das Verständnis auf.


    Manchmal hört es sich so an, als könnte man beim BuLi oder im LZ keinen Spass haben. Klar gibt es auch dort immer wieder Kinder, die keinen Spass mehr haben. Dies liegt aber oft auch daran, dass es verschiedene Sorten von Spass gibt, aber nicht jede Sorte im leistungsorientierten Verein gefördert wird und gefördert werden kann.
    Eine LZ oder BuLi Mannschaft muss Leistung fordern dürfen und können. DAS muss aber nicht zwangsläufig auch Druck bedeuten. Mit Kinder die Spass an Leistung entwickeln können, kann auch ein kognitiv, konditionell und sozial anspruchsvolles Training - entsprechend ausgebildete Trainer vorausgesetzt - durchaus sehr viel Spass machen und Freude bereiten.
    Wer aber im LZ Anschluss an eine Blödeltruppe sucht, die Geduld des Trainers zur Selbstprofilierung bewusst strapaziert und immer noch Mühe hat, sich im Sinne des Mannschaftssports ins Ganze einzugliedern, der wird im LZ keinen Spass haben und gehört meiner Meinung nach auch nicht dorthin.
    Wenn Trainer brüllen - was sie nicht sollten und mir auf BuLi Ebene auch nicht bekannt ist - hat das in der Regel weniger mit Fussball, sondern mit mangelnder Disziplin, Respekt und sozialer Kompetenz einzelner Kinder zu tun. Diese sozialen Eigenschaften kann, muss und soll ein LZ und BuLI Verein auch weiterhin einfach voraussetzten können, respektive sind Sozialkompetenz und das Formen eines kollaborativen Charakters immer noch primär Erziehungsaufgaben, welche primär von den Eltern wahrgenommen werden sollen und müssen.
    Wenn "Dorfvereine" hier in die Bresche springen ist das natürlich eine tolle und förderungswürdige Sache. In leistungsorientierten Vereinen ist aber die Nachfrage im Verhältnis zum Angebot in der Regel so eklatant viel höher, dass auf soziale Gaps und dem Bedürfnis nach schenkel-klopfendem Blödelspass, im Sinne der Talentförderung, weder Rücksicht genommen werden kann noch muss.

  • Gebe dir bzgl unseren hiesigen LZ Recht: zuviel Ehrgeiz, da man per Jugend mehr sein will, als man ist, o. einzelne Trainer sich für Höheres empfehlen wollen: wofür dann die Spieler rennen sollen. Persönliche Potentiale zu entfalten, und genau dies zu erleben, bringt Spaß, Eigenmotivation,echte Erfolgserlebnisse, steht da nicht mehr im Mittelpunkt, Scheitern vorprogrammiert. Ich lese deine Schilderung aber etwas anders als du selbst: deine Jungs hatten also offenbar im Vergleich zu anderen mehr als die doppelte Spielzeit - und genau dies dürfte die beste Förderung sein: (frei) spielen, spielen, spielen! Bei uns zB waren eben 20 Kinder in einem 7er Team. (Melden kostet ja Mühe, Geld o. Risiken, dass man am Ende zu wenig Spieler hat.) Unser Sohn war zwar (wie natürlich beide Trainerjungs) sog. "Stamm", musste aber ins Tor (wogegen jene im Mittelfeld fast die gesamte Spielzeit machen dürften was sie wollten). Als unser Sohn nach 1 Jahr betteln, auch mal "raus" zu dürfen, sich vorm Spiel weigerte, das TW-Trikots anzuziehen, musste er erstmal den Saisonrest draußen schmoren, obwohl derweil das Team auf 11 Spieler geschrumpft war, - klar: die Kinder, die nur ganz selten mal dabei sein dürften u. dann doch fast nur Bankdrücker waren, blieben weg. Erst als Papa beim Weihnachtsfest ausrastete, dürfte unser Sohn wieder mit spielen, im Feld, aber nur in der Abwehr: das kann er, befahl der Trainer. Ich duldete diesen faulen Kompromiss notgedrungen - besser als nichts o. den Verein, alle Schulfreunde verlassen. Natürlich immer die Faust in der Tasche, wenn mal wieder nur die Trainerjungs die Besten waren, die Tore machten, gefeiert wurden. Ein Jahr später Kreis-Auswahlsichtung: da wollte ich unseren Sohn als TW hinschicken, aber plötzlich sollte er sich im Feld präsentieren, wo ihm die Erfahrung fehlte. Daher natürlich abgelehnt. Da ein Auswahltrainer ihn aber noch vom Tor her kannte, bestellte er ihn extra ein zum Training des höheren Jahrgangs, wo er ausgewählt wurde. Doch dürfte er nicht ins Team, da zu jung. Der Trainer seines Jahrgangs aber hatte schon zwei TW benannt, wollte ihn nicht als dritten haben. Also: Talent egal, TW-Förderung finito...? Worum ging's nun?


    Weiter die Hosen runter: Dann beim sog. Sparkassen-Cup 2 Jahre später war unser Sohn erstmals wieder im Tor, wollte auch, bekam aber nur ganze 3 Schüsse zum Halten, konnte sich daher nicht zeigen u. sein Team schied zudem unglücklich aus. Der stets gepushte u. protektionierte Trainerjunge samt Papa verließ das Team gen LZ (Oberligaverein - aber im prinzip gute Förderarbeit, leider nur starker Ergebnis/Erfolgsfokus: so viele Spielerwechsel, allein im Herbst wurde 4 neue Spieler eingeworben, andere "flogen raus" in die Zweite), Dorfteam danach endgültig kaputt, auf zum nächsten Dorfverein, da Schule uns wichtiger als Fußball etc. Aktuell werben 3 Trainer höher spielender Stadt-Teams um ihn als Feldspieler, aber sein Weg wurde ihm durch alle Wirrsale wohl versaut u. er selbst will auch gar nicht mehr wechseln. Und nun die Preisfrage: gleiche Chancen wie deine Kids, beim äußerlichen Sichten einfach nach Leistungsoutcome ihn gleich bewerten? Ist das fair? Hätte er nicht viel eher ein Potential (mehr nicht!), nach 1 Jahr mal echter Förderung einen Leistungssprung wie o.g. TW der BuLi-U17 zu machen als deine sicher prima Jungs? Hier einfach so zu tun, als wollten sich nur Eltern über ihre Kinder profilieren, finde ich völlig unangebracht: Da es mir doch spürbar um ganz anderes als den eigenen Sohn, seine zufällig vielfach gebrochenen "Karriereweg" geht. Denn JEDER hat individuell ungleiche Startvoraussetzungen, andere Biografien, andere Prägungserlebnisse oder Entwicklungen durchgemacht, durchmachen müssen etc.


    Dein Beispiel ist daher gut geeignet, um zu zeigen, wie optimal ein kindlicher Weg sein kann und dann mit 11, 12 auch etwas Positives bei herauskommt. Soll man Kinder aber nur danach bewerten/urteilen, was herauskommt? Ist das alles, was uns an ihnen interessieren sollte, haben sie kein Innenleben o. billigt man es ihnen nur kaum zu? Wo kommt aber die spätere Leistungs-Fähigkeit her: von außen oder innen? Klar, LZ-Trainer sind keine Sozialarbeiter, aber ist es nicht auch schlicht dumm, Kinder wie Rennpferde o. Spielzeug-Autos zu behandeln u. auszuwählen: nur nach Schnelligkeit, Technik, Größe? Überspitzt gesagt! Ist es denn das allein, worauf es im Fußball, an Menschen ankommt? Und nun werden im NLZ/LZ die, die ohnedies schon die besten fußballerischen Wachstumsbedingungen hatten noch per doppelter Trainingszahl, x Events o. Trainerschlüssel von 1:3 statt 1:20 weiter gegenüber den Benachteiligten gefördert, die so nahezu keine Chance mehr haben, an jene im Outcome jemals noch heranzureichen. In der Schule gibt es aus sozialen Gründen Extra-Förderung für Schwächere als Chance, ungerechte Zurücksetzungen aufzuholen, bestimmte Probleme zu verarbeiten: Ressourcen auch für sie. Im Fußball läuft's genau umgekehrt: Extra-Transfers nur für von Machern ausgewählte Starke als "Umverteilung nach oben", ein künstliches Zuchtwesen (als Ziel der natürlich stets verkäuferisch netten Macher), ohne Rücksicht auf "Nebenbedingungen" einzelner Kids, damit die L-Schere immer weiter aufreisse, sich nur ja nie von unten schließen lasse? Dabei kommt es dann zum geschilderten Doppelgemoppel: nicht nur im NLZ werden jene Auserwählt-Starken gepusht, auch die DFB-Stp wollen ihren teil am goldenen Kalb abhaben statt etwa die knappen Ressourcen sinnvoll breiter zu streuen, sich auf die bisher Zurückgesetzten in kleineren Vereinen ausgleichend zu konzentrieren. So entsteht dann der Sog: weg von diesen, hin zu jenen - als Sach-Zwang: top oder flop. Polarisierung pur zwecks Business. Wären deine Jungs in den Stp gelangt ohne NLZ, Trainerschlüssel von 1:3? Wer weiß. Immerhin dürften sie ja 4mal soviel: stets doppelt spielen, wo viele bei uns nur halb ran dürften.


    Wieviel Freiheit bleibt ihnen da aber noch im Kopf? Ob die geballte Förder-Power nicht zuviel für die belasteten kleinen "Zuchtbullen" ist, wer fragt dann schon danach: NLZ, Abstellungspflicht für Stp/Auswahl, Schule... - fertig, alles on the line u. gut? Wer fragt wann mal die Kids so, dass sie auch ehrlich antworten, in sich hören könnten? Und so mag es kommen, dass dann doch mitunter noch wer wider alle materialistische Förderlogik von unten hoch kommt, ausgeruht, sich frei entwickelt habend. Alles überspitzt, schon klar, aber man muss ja die Akzente setzen, wo alles so als normal inszeniert wird, vielleicht aber am Ende ganz viele Kinder den Schaden haben, außer jenen, die halt AM ENDE durchkommen, durchsetzungsfähig, robust, hart, selbstbewusst genug waren. Da machen sich viele Eltern große Illusionen, s. Quote, den Preis dafür bezahlen aber ihre Kids - oder? Wenn's im Fußball nichts wird, ist dann der Dorfverein einfach die Alternative? Was schwebt sonst als Perspektive im Kopf - oder ist Fußball nun nicht alles, was zählt?


    @FB: Natürlich haben Kids in aller Regel Spaß, solange sie im LZ drin sind, dazugehören, mitspielen - was aber, wenn sie merken müssen, dass es nicht mehr so ist, gehen müssen?

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Hallo Kicker, ich weiß nicht, ob ich auf alle Deine angeführten Punkte eingehen kann. Für mich aber klingt das alles sehr traurig und enttäsucht, was Du schreibst.
    Offensichtlich hatten meine Jungs mit ihrem Dorfverein wohl echt das große Los gezogen. Bei den Bambinis sind es so fünf bis zehn Kinder, bei der F zehn, der E acht, der D zehn usw.
    Alles in Allem also kaum genug Kinder, um eine Mannschaft zu stellen und Ausfälle zu kompensieren. Von daher spielen immer auch freiwillig Kinder der F bei der E, der E bei der D etc. Selbstverständlich ist auch das Training da offen. Wer Lust auf ein Zusatztraining hat, geht also zum Training der E, D, C etc. Das klappt wohl aber nur, weil wir wirklich ein Dorfverein sind und Trainer und Eltern wunderbar harmonieren. Ich glaube, dass so die meisten Kinder Sozialkompetenz und Teamgeist von selbst gelernt haben. Da wird die Mannschaft nicht hängen gelassen, weder von Eltern noch von Kindern


    Von daher gebe ich dir Recht wenn Du schreibst: "(frei) spielen, spielen, spielen!".



    Bei den "Stammspielern" der BuLi U12, bald U13 ist mir aber folgendes - insbesondere bei Gesprächen mit den anderen Eltern - aufgefallen:


    • alle Kinder haben meist zwei Jugenden F/E; E/D gespielt
    • jede Minute der Freizeit wurde zum Bolzen verwandt
    • meist aus kleinen Dorfvereinen
    • sozial kompetent und teamorientiert - keine "Großkotze"
    • Eltern sehr zurückhaltend, nicht fordernd aber fördernd
    • die freuen sich intensiv zu trainieren und haben Spaß dabei
    • Niederlagen werden akzeptiert und sind Ansporn


    Ob es fair ist, dass die Kinder da im NLZ "verwöhnt" werden? Manchmal bin ich da auch irritiert, wieviel Geld da der Club in die Jugendarbeit pumpt. Aber es ist nunmal sein Geld, was er ausgibt. Das der DFB da weniger macht ist schade aber wohl nicht zu ändern.
    Die Trainer der Jungs haben meist die A-Lizenz, was auch immer das heißt. Wichtiger finde ich aber, dass diese alle ein Pädagogik- / Psychologiestudium absolviert haben (oder dabei sind) und so wirklich gut mit den "Kleinen" umgehen können. Ist wahrscheinlich auch so Vereinsphilosophie.


    Im übrigen - weil ich immer wieder gefragt werde - für uns Eltern ist das ein Zuschussgeschäft. Wir bekommen keine geldwerten Vorteile (abgesehen von Freikarten wenn die Jungs als Balljungen eingesetzt sind) vom Verein und (zumindest U12/U13) auch kein Fahrgeld.

  • Also ich hab da auch so meine Erfahrung gemacht


    Bin ja Trainer einer U10 jg. 2003.
    Der Cousin einer meiner Spieler – ebenfalls jg 2003 - spielt bei einem Top 3 Vereine des Landes! (besser gehst nimmer)!
    Dem Jungen macht das Training dort großen Spaß und er ist immer hoch motiviert dort hinzugehen. Wenn er mal gemeinsam mit seinem Cousin zusammen ist und wir zufällig Training haben, darf er auch immer bei uns mitmachen. Meine Spieler profitieren ja von ihm und schauen sich auch immer gerne was ab. Seine Einstellung zum Training ist eine ganz andere als die von meinen Spielern. Bei ihm gibt es nur 110%. Als Trainer ist das eine Freude wenn die Spieler hast die nie blödeln und immer 100% geben. Technisch können meine besten mit ihm mithalten, kämpferisch, läuferisch und vom willen sind Welten zwischen ihm und uns. Das glaubt man gar nicht!!


    Einmal hat mir sein Vater gesagt dass sein Junge von selber nie von dort weggehen wurde. Er beneidet aber seinen Cousin darum, dass seine Mannschaftkollegen alle auch Freunde sind, die sich gegenseitig zu Geburtstagen einladen, ihre Freizeit miteinander verbringen, etc.. das gibt es bei seinem Verein nicht, weil die Kinder in dem Alter schon ein gewisses Konkurrenzdenken entwickelt haben.

    Wer aufhört sich weiter zu entwickeln, hört auf besser zu werden.

  • Soll man Kinder aber nur danach bewerten/urteilen, was herauskommt? Ist das alles, was uns an ihnen interessieren sollte, haben sie kein Innenleben o. billigt man es ihnen nur kaum zu?


    Manchmal kommen solche Aussagen bei mir so an, als gäbe es Leute die tatsächlich glauben, dass das Leben einzig aus Fussball bestehe.
    Es geht doch ein vernünftiger Mensch soweit einen Menschen auf Grund seiner Fussballlaufbahn zu bewerten. Kann ja sein, dass ein Kind weniger für den Fussball geeignet ist. Aber dafür ist es vielleicht top in der Schule, hat einen reichen Freundeskreis, ist kreativ oder macht sonst was toll oder ist einfach - alles andere als eine Selbstverständlichkeit - einfach zufrieden und glücklich mit sich und der Welt wie sie ist.


    Es ist aber nicht die Aufgabe des Fussballvereins ein Kind als Menschen zu beurteilen sondern, wenn überhaupt, höchstens seine Eignung dafür, auch zukünftig mit Spass und Freude in einem Fussballverein mitzuwirken der so ist wie er ist !
    Und ja, im Fussballverein sollen vor allem die fussballrelevanten Kompetenzen bewertet werden. Alles andere wäre arrogant und definitiv nicht im Verantwortungsbereich des Fussballvereins.
    Beispiel: Ich persönlich finde es absurd ein Kind "künstlich" im Verein zu behalten weil es sonst durch sämtliche sozialen Netze fallen würde. Genauso absurd hielte ich es, wenn man Kicker an Schulnoten, Provenizenz der Eltern, Stand der Entwicklung etc. mässe. Gemessen werden, sollte doch eigentlich alleinig am Thema Fussballkompetenz
    Alles andere kann und soll intressieren, soll aber bei der Bewertung möglichst aussen vor bleiben.

  • Manchmal kommen solche Aussagen bei mir so an, als gäbe es Leute die tatsächlich glauben, dass das Leben einzig aus Fussball bestehe.
    Es geht doch ein vernünftiger Mensch soweit einen Menschen auf Grund seiner Fussballlaufbahn zu bewerten. Kann ja sein, dass ein Kind weniger für den Fussball geeignet ist. Aber dafür ist es vielleicht top in der Schule, hat einen reichen Freundeskreis, ist kreativ oder macht sonst was toll oder ist einfach - alles andere als eine Selbstverständlichkeit - einfach zufrieden und glücklich mit sich und der Welt wie sie ist.


    Es ist aber nicht die Aufgabe des Fussballvereins ein Kind als Menschen zu beurteilen sondern, wenn überhaupt, höchstens seine Eignung dafür, auch zukünftig mit Spass und Freude in einem Fussballverein mitzuwirken der so ist wie er ist !
    Und ja, im Fussballverein sollen vor allem die fussballrelevanten Kompetenzen bewertet werden. Alles andere wäre arrogant und definitiv nicht im Verantwortungsbereich des Fussballvereins.
    Beispiel: Ich persönlich finde es absurd ein Kind "künstlich" im Verein zu behalten weil es sonst durch sämtliche sozialen Netze fallen würde. Genauso absurd hielte ich es, wenn man Kicker an Schulnoten, Provenizenz der Eltern, Stand der Entwicklung etc. mässe. Gemessen werden, sollte doch eigentlich alleinig am Thema Fussballkompetenz
    Alles andere kann und soll intressieren, soll aber bei der Bewertung möglichst aussen vor bleiben.



    Manchmal kommen solche Aussagen bei mir so an, als gäbe es Leute die tatsächlich glauben, dass das Leben einzig aus Fussball bestehe.
    Es geht doch ein vernünftiger Mensch soweit einen Menschen auf Grund seiner Fussballlaufbahn zu bewerten. Kann ja sein, dass ein Kind weniger für den Fussball geeignet ist. Aber dafür ist es vielleicht top in der Schule, hat einen reichen Freundeskreis, ist kreativ oder macht sonst was toll oder ist einfach - alles andere als eine Selbstverständlichkeit - einfach zufrieden und glücklich mit sich und der Welt wie sie ist.


    Richtig, nur weil man nicht in ein "LZ" kann, muss man "sein Leben nicht im Schatten fristen", ist kein "Verlierer", etc., wie einer hier wohl glaubt. Ich müsste meinen Jungs mal erzählen, was sie doch für Looser sind, da spielt keiner Stützpunkt oder in einem ominösen Leistungszentrum.


    Es ist aber nicht die Aufgabe des Fussballvereins ein Kind als Menschen zu beurteilen sondern, wenn überhaupt, höchstens seine Eignung dafür, auch zukünftig mit Spass und Freude in einem Fussballverein mitzuwirken der so ist wie er ist !
    Und ja, im Fussballverein sollen vor allem die fussballrelevanten Kompetenzen bewertet werden. Alles andere wäre arrogant und definitiv nicht im Verantwortungsbereich des Fussballvereins.
    Beispiel: Ich persönlich finde es absurd ein Kind "künstlich" im Verein zu behalten weil es sonst durch sämtliche sozialen Netze fallen würde. Genauso absurd hielte ich es, wenn man Kicker an Schulnoten, Provenizenz der Eltern, Stand der Entwicklung etc. mässe. Gemessen werden, sollte doch eigentlich alleinig am Thema Fussballkompetenz
    Alles andere kann und soll intressieren, soll aber bei der Bewertung möglichst aussen vor bleiben.


    Ist es nicht so, dass die Vereine auch sehr auf Umfeld und Noten schauen? Erinnere ich mich falsch, oder hattest Du nicht auch geschrieben, dass das auch bei euch im Verein wichtige Themen sind?

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • Oppa: Du bestätigst meine mangels Nähe unwissende Ahnung. Natürlich ist jedem Kind sein Glück zu gönnen u. Kids selbst sind auch idR nie neidisch, sie nehmen mangels Wissen eben alles, wie es kommt. Nur läuft es eben höchst unterschiedlich im KiFu u. da ist es - im gemeinnützigen Vereinswesen - ein (Kind-)Gerechtigkeits- wie Fairnessproblem, allen gewisse Chancen zu eröffnen, eher ausgleichend nach unten als noch umverteilend nach oben sich "zu engagieren". Warum diese Probleme fast niemand (ein)sieht, ist für mich das größte Rätsel bei allem, aber wohl auch größtes Hindernis etwas zu verändern. Die NLZ/LZ/Stp gehen mE einfach nur den für sie bequemsten Weg, wollen nicht groß pädagogisch nachdenken, wer ihn wg zu oberflächenhafter Sichterei u.U. durch die Lappen gehe, ob zuviel Förderstress sich auch negativ auswirken können (also: LZ UND Stp statt entweder-oder), wobei es natürlich auch einzelne Ausnahmen gibt. Ich selbst war als "Mentalcoach" hier nicht erfolgreich im Werben für "weniger (auf wenige zugespitzte Selektion) ist mehr (für alle, sie wie andere)". Ich hatte im LZden Eindruck, dass grad einflussreiche Eltern der "Auserwählten" (wie in Schulen auch im "Konkurrenzdenken": der Leiter als sich als Ex-Sponsor des Sohn-Teams hochgedrängelt, erst Trainer mit B-Lizenz abgesägt, nun den Vorgänger mit A-Lizenz) darauf drängen, dass nur ja nicht welche von unten hochkommen können: Wodurch Vereine zum Gegenteil von "gemeinnützig" (qua sozial ausgleichend) mutieren.


    All die verborgenen wie recht offen ersichtlichen Eigeninteressen Erwachsener in den LZ - das war hier ja mal mein Aufhänger, wobei es durchaus auch nützlich für die LZ sein könnte, den Fokus breiter anzulegen, tiefer ins Kind zu blicken, daher mehr Türen für Potentialqualitäten offen zu halten und die eigene "Diagnosekompetenz" (die pädagogisch nach Hattie heute als Schlüsselquali gilt: der Lehrer/Trainer macht den Unterschied!) zu entdecken, die heute im Jugendleistungsfußball (im Vergleich zum Scouting) fatalerweise fast keine Rolle spielt. Wenn zB ein VfL Wolfsburg 7 Mio Euro p.a. ins NLZ steckt, sollte man da nicht erstmal tiefer nachdenken, mehr innovative Stimmen zulassen, bevor man die gleiche geklonte Strategie wie alle verfolgt? FB sprach oben vom "Formen eines kollaborativen Charakters" - ja, er wird da herangezogen, Ziel aber sollte doch eher sein: der eigendynamische Charakter! Und da ist es dann wieder ein himmelweiter Unterschied, ob ein Trainer eine A-Lizenz hat o. wie bei uns 2 Nichtfußballer sich nur Trainer nennen bzw. glauben, welche zu sein, obwohl sie eben nie Fußball spielten, Falsches beibringen*, nichts vorführen können - dafür aber lange, "eindringlich" laute Vorträge vor Spielen u. danach im Training bei Niederlagen: ja, so lernen Kids Fußball bei uns :(


    *Zuletzt dribbelt da ein Kind als letzter Mann gegen 2 jahrgangsältere Gegner, verliert natürlich den Ball - Tor. Ich sage frecherweise zu ihm, dass er dies nicht tun solle, darauf der "Trainer": Ruhe da, das soll er, ich habe es ihm gesagt... Vielleicht wäre solch ein Kind auch ein guter Minikicker, aber wie soll er es so schaffen, dies jemals zu zeigen? Wird er nebenbei bei einem Turnier mal kurz "besichtigt", würde man jedenfalls nie erkennen, was bei ihm nicht stimmt, dass es uU nicht an ihm liegt. Warum wir noch da sind? Weil ich die Kids selbst entscheiden lassen, sie da ihre Freunde haben, bleiben wollen - so habe ich auch meinen Anteil, dass aus ihnen nicht wird, klar. Aber das Soziale finde ich eben wichtiger.

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Baert
    Nochmal zum Thema ansprechen: Bei uns ist es so, dass in der U11 von den Vereinen Spieler zum DFB-Stützpunkt geschickt werden. Nach meiner Beobachtung werden hier auch die Besten genommen, die die nicht genommen werden, sind hinterher genau so wichtige Bestandteile der eigenen Mannschaft. Da hat noch keiner einen Knacks weggekriegt. Kommt vielleicht auch darauf an, wie man den Jungs vermittelt, wie es so läuft. wenn ich sie mit sieben Jahren in irgendwelche Sichtungen zerre und Ihnen erkläre, wie wichtig das ist bzw. sie schon als kommende Profis bei Werder Bremen sehe, dann knackst da möglicherweise wirklich etwas.


    Neulich hat sich offenbart, was wir so gar nicht mitbekommen haben: Bei unserer D1 war wohl tatsächlich mehrere Male ein Scout eines benachbarten Zweitligisten, der die Spieler alle mit Namen kannte, und unseren D1-Trainer auf mögliche Wechsel ansprach. Letztendlich blieben die Spieler aber lieber bei uns, Work-Life-Balance. ;) Außerdem sind wir das Mittelding zwischen den Dorfvereinen und dem Proficlub. Wenn wir wollten, könnten wir uns bestimmt auch LZ nennen und "großer Zampano" spielen. :D

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • Paulwurf, weiss jetzt eigentlich gar nicht, warum Du mich ansprichst :) .
    Ich hab nichts gegen Sichtungen, ich hab was gegen ELTERN, die ihr Kind irgendwo "aufdrängen" möchten.
    Wenn ein TRAINER seinen Schützling zum Sichten irgendwo hinschickt, ist das m.E. was völlig anderes ...


    Ich wollte eigentlich nichts mehr schreiben, die Lust ist mir so ein bißchen abhanden gekommen :) , aber ich hab in der Zwischenzeit auch ganz viele Dinge gelesen z.B. von Oppa, die ich so 100%ig unterschreiben kann .

  • Zitat @kicker:

    Zitat

    *Zuletzt dribbelt da ein Kind als letzter Mann gegen 2 jahrgangsältere Gegner, verliert natürlich den Ball - Tor. Ich sage frecherweise zu ihm, dass er dies nicht tun solle, darauf der "Trainer": Ruhe da, das soll er, ich habe es ihm gesagt...


    Das Bild rundet sich für mich immer mehr ab...
    Allein sein Spruch macht mir den Trainer schon sympatisch. :thumbup:

  • Baert


    War eine Antwort auf einen Beitrag von Dir, wo Du ebendies beschriebst, quasi nochmal als Bestätigung.
    Hab den Beitrag gestern mitten ind er Nacht gelesen und dann keinen Nerv mehr drauf zu antworten, deshalb erst jetzt.

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • Seine Einstellung zum Training ist eine ganz andere als die von meinen Spielern. Bei ihm gibt es nur 110%. Als Trainer ist das eine Freude wenn die Spieler hast die nie blödeln und immer 100% geben. Technisch können meine besten mit ihm mithalten, kämpferisch, läuferisch und vom willen sind Welten zwischen ihm und uns. Das glaubt man gar nicht


    Er beneidet aber seinen Cousin darum, dass seine Mannschaftkollegen alle auch Freunde sind, die sich gegenseitig zu Geburtstagen einladen, ihre Freizeit miteinander verbringen, etc.. das gibt es bei seinem Verein nicht, weil die Kinder in dem Alter schon ein gewisses Konkurrenzdenken entwickelt haben.


    2 tolle, kontraire, Beispiele.
    einmal zeigen sie auf,wo der Unterschied liegt in den Einstellungen und den Prioritäten eines Kindes.
    gewisses Talent vorausgesetzt, sind doch viele andere Faktoren entscheidend für den zukünftigen Werdegang.


    Leider kommt diese Einstellung nicht immer aus dem Kind selbst heraus, sondern wird stark von Erwachsenen beeinflusst.
    Verhalten von Kindern wird dadurch stark beeinflusst, dass sie ihren Eltern gefallen wollen.


    Oft wird erst im Pupertätsalter bewusst, was sie wirklich wollen.


    Erst dann entscheidet sich, ob aus einem Talent mehr werden kann oder nicht.


    Nicht alle Kinder und auch nicht alle Eltern sind bereit, dem Fussball alles unterzuordnen, Freizeit und Freundschaften zu opfern,
    um eventuell irgend ein grosse Ziel zu erreichen.


    Andererseits gibt es aber auch Kinder, den ist der Fussball so wichtig, dass anderes absolut in den Hintergrund tritt.
    Warum sollen die dann nicht den entsprechenden Weg einschlagen?


    Letztendlich muss in jedem Elternhaus die Entscheidung selbst getroffen werden.
    Leider können viele Eltern das Positive und Negative für ihr Kind gar nicht richtig beurteilen, einmal weil sie das Metier auf
    bestimmten Fussballebenen nicht kennen, zum anderen, weil sie ihr eigenes Ego über das des Kindes stellen.


    Mutter, Vater und Sohn hatten auf Einladung des Koordinators eines Leistungsvereins ein sehr ausführliches, für mich
    beispielhaftes Gespräch. In diesem wurden von ihm nicht nur die Möglichkeiten der Förderung angesprochen, sondern aubetrachtet
    die Nachteile (sonstige Hobbys, Freizeit, gewachsene Freundschaften, Schule) betrachtet.
    zu Hause nochmals alles durchdiskutiert. nach 14 Tagen Bedenkzeit kam mein Sohn und teilte mit, dass er das eine Jahr (letztes D-Jahr)
    seine jetztigen Kameraden nicht im Stich lassen will (wusste, dass ich dort dann als Trainer aufhören musste, wegen den Fahrten)
    und erst zur C-Jugend wechseln will. Nachdem ich die Entscheidung weitergegeben habe, kam das Angebot das eine Jahr dann
    1 mal die Woch dort mitzutrainieren.
    Das Angebot wurde angenommen, meinem Sohn machte das Training unheimlich viel Spass, wurde sogar in Freundschaftsspielen eingesetzt. Leistungsmässig absolut keine Problem, eher in der oberen Hälfte.


    über Weihnachten dann seine Entscheidung: er wird nicht dorthin wechseln.
    fast 4 Stunden täglicher Zeitaufwand waren ihm zuviel. neben der Schule, die ihm sehr wichtig war, blieb für anderes nichsts mehr übrig.


    obwohl ich als Vater stolz gewesen wäre, dass der Sohn soweit kommt, fanden wir seine Entscheidung gut, denn inzwischen
    hatte ich meine Erfahrungen ausserhalb des Platzes gesammelt, was auch nicht unbedingt meine Welt war (wohl zu kleinkariert)


    da er aber unbedingt doch auf einem etwas höheren Niveau spielen wollte, wechselte er zur C-Jugend in eine Bezirksligamannschaft
    eines gutgeführten Vereins, wo er auch Jungs aus der Schule her kannte.


    Heute in der B-Jugend ist seine Einstellung auf dem Platz, egal ob Training oder Spiel, aus Sicht seines Trainers absolut
    vorbildlich. Leistungsmässig gehört er zu den besten Spielern der Region, was auch die alljährlichen Anrufe höherklassiger Vereine
    bestätigen.


    Klar hätte ich als Fussballvater gerne gesehen, dass er sein offensichtlich vorhandenes Potential nach Oben ausschöpfen könnte.


    Er jedoch fühlt sich Wohl, ist anerkannt in Mannschaft und Verein, geniesst einen hohen Stellenwert und für ihn wichtig Schule und Freunde
    kommen auch nicht zu kurz


    Er geht den Weg, den er entschieden hat. Ich bin inzwischen froh, ihn nicht beeinflusst zu haben.


    gg

  • Zitat guenter:


    Das kann ich auch so unterschreiben.