Was dabei rauskommen kann, wenn man sich nicht an die Regeln hält

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  • Ich beschreibe zunächst mal die letzten sechs Jahre mit meiner Truppe. Dann kann sich jeder ein Bild zur Vorgeschichte machen und wie ich KiFu so definiere bzw. es selbst praktiziert habe. In einem zweiten Post möchte ich euch dann meine jetzige Situation in der D-Jugend schildern, damit ihr mal eine praktische Schilderung habt was eben passieren kann, wenn sich vorher einige nicht an die Regeln gehalten haben.


    KiFu ist für mich G-E. Ab D-Jugend werden die Regeln nicht hinfällig, aber hier beginnt der Übergang in den Jugendbereich und die Regeln gelten aus verschiedenen Gründen nicht mehr so in der Absolutheit. Ich bin selbst früher als Trainer nur im Jugend- und Herrenbereich tätig gewesen, daher weiß ich wovon ich rede und worauf es später ankommt. Ich bin durch meinen großen Sohn zum KiFu gekommen und ich habe meine Truppe jetzt das siebte Jahr. Nachbetrachtend viel zu lange, aber Nachfolger waren nicht in Sicht.


    Da ich vorher nie im KiFu aktiv war und mich da nicht auskannte, habe ich im Netz recherchiert und bin u.a. auf diese Seite gestoßen. Das Meiste, was ich so gelesen habe, hätte ich vermutlich ohnehin so gemacht. Was jedoch Rotation betrifft, so ist es wirklich einigen Usern hier zu verdanken das ich das bei meinen Jungs ( und am Anfang auch zwei Mädchen ) praktiziert habe. Und zwar von Spiel zu Spiel und nicht während des Spiels. Egal ob "leicht" oder "schwer"! Bevor wieder dieser Einwand kommt „bringt ja nichts, wenn der in einem Spiel im Tor steht wo er nichts auf die Bude bekommt“: Das sollte ein Trainer schon erkennen und dementsprechend aufstellen. Es waren im Lauf der Jahre aber genug Spiele, sodass jeder auf den unterschiedlichen Positionen gefordert war. Für mich ist das eine der goldenen Regeln des KiFu: Rotation. Man nenne mir Gegenargumente.



    Zweite goldene Regel: Gleiche Einsatzzeiten. Das muss am Ende der Saison nicht auf die Minute je Spieler passen. Hat man zu viele Spieler nimmt man eben nicht alle mit und wechselt. Dazu noch der ein oder andere Trainingskick mit der Mannschaft eines befreundeten Trainers oder ein oder zwei Turniere und schon sollten alle Spieler auf ihre Kosten gekommen sein. Ich habe dabei immer wieder Spiele beobachten können, in denen Spieler max. auf 10 Minuten Spielzeit gekommen sind. Und nein, es waren leider keine Einzelfälle ! Einen Betreuer habe ich in der E nach einem Spiel mal drauf angesprochen, weil es mir bei ihm schon ab der F aufgefallen war. Sinngemäß sein Kommentar: „Gegen euch sind das immer so knappe Spiele, wenn ich da meine Schwachen bringe ist ein totaler Bruch im Spiel.“ Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass bei mir alle gleich lang gespielt haben und meine Spieler auch nicht alle auf dem gleichen Niveau sind. Es würde sich demzufolge wieder ausgleichen. Seine Antwort: „Ne, nicht gegen euch. Ist mir zu gefährlich. Meine Jungs wollen schließlich gewinnen.“ Während wir uns unterhielten haben ein paar meiner Jungs mit ein paar seiner Spieler zusammen auf ein Tor gebolzt.


    Jeder der mir erzählt, man tue den Schwachen kein Gefallen sie bei „schweren“ Spielen nicht einzusetzen, redet sich was schön. Wir reden hier von G-E. Das sind 5-10jährige Kinder. Die wollen Fußball spielen. Es gibt keine Ausnahme oder Ausrede für einen Kindertrainer sie daran zu hindern ! Und nichts anderes ist das.



    Dritte goldene Regel: Die Mannschaft besteht aus Trainer/-n, Spielern und Eltern. Man kann sich noch soviel Mühe geben, noch so eine gute Einstellung zum Ganzen haben und tatsächlich auch ein sehr guter Trainer sein, wenn Du die Köpfe und Herzen der Eltern nicht gewinnst ist das zum Scheitern verurteilt ! Klingt hart, ist aber meine Erfahrung.



    Vierte goldene Regel: Technik, Technik, Technik. Links wie rechts. Und unter Technik verstehe ich nicht nur die Fußstellung. Betrachtet man alleine wie komplex die Ballannahme aus dem Stand ist ( Gewichtsverlagerung, Oberkörperhaltung, Fußstellung Standbein usw.) kann man erahnen wie lange es dauert, diese Technik so sauber zu beherrschen, dass sie auch im Spiel unter Druck sicher abgerufen werden kann. Ich runzle immer die Stirn, wenn hier ein Thread mit „richtiges System in der F“ usw. erstellt wird. Ich hatte genug zu tun in den sechs Jahren die Technikthemen einigermaßen gesichert abzuhandeln.


    Das mal so in aller Kürze als Beschreibung. Vieles hab ich falsch gemacht und würde vieles auch anders machen. An die o.a. Regeln habe ich mich aber immer gehalten und bis dato habe ich gedacht, dass das wohl normal ist und jeder so macht.


    Dann kam die D-Jugend

  • Keine Angst. Wird wesentlich kürzer. Ich möchte hier nur kurz beschreiben was passieren kann, wenn man sich eben nicht an die Regeln hält und glaubt, dass hätte keine Auswirkungen.


    Ich habe zu meinen 12 Jungs aus dem älteren Jahrgang 12 neue Spieler dazu bekommen. Gleich vorweg: Ich war geschockt ! Sowohl im Training als auch im Spiel. 3 davon hatten in etwa das technische und spielerische Niveau des Großteils meiner alten Truppe. In aller Kürze die wichtigsten Punkte:



    Technik / Spielverständnis / Rotation: Vom technischen Stand müsst Ihr Euch es so vorstellen, als hättet Ihr eine ältere F vor Euch !!! Ich weiß, klingt hart. Dann kann man sich in etwa vorstellen wie es mir ging.


    Im Spiel blieben einige stumpf hinten oder stumpf vorn. Umschalten war gar nicht. Zwei Gegner kommen auf den Spieler zu. Er steht zwar in der Nähe des Ballführenden läuft aber zum Gegner ohne Ball und lässt den anderen einfach laufen (= Manndeckung ). Die technischen Mängel im Spiel (= Druck ) waren logischerweise noch gravierender als im Training. Bei einigen konnte man sehen das die Ballannahme bei Blickrichtung zum Gegnertor einigermaßen sicher war ( =immer Abwehr gespielt ) bei der Annahme mit dem Rücken zum Tor jedoch sofort gegnerischer Ballbesitz bedeutete. Bei anderen genau das Gegenteil (= immer Sturm gespielt ). Ich habe mich dann mit einigen Eltern der Jungs über die Ursachen unterhalten. Um es kurz zu machen: Es geht hier genau um die Themen Trainingsinhalte ( Technik, Technik, Technik ), Rotation, Einsatzzeiten. Und deswegen ist jetzt meine innere Einstellung darüber wie fest zementiert: Hier darf es keine Ausnahmen geben. Jede Abweichung, die man sich da schön redet, ist eine zuviel ! Und nochmal zur Erinnerung: Ich rede hier nicht von einem oder zwei Spieler ! Das kommt dabei rum, wenn man sich nicht an die Grundregeln hält.



    Zudem haben einige auch noch ein Disziplinproblem. Das erschwert das Ganze umso mehr. Aber anderes Thema. Nun sieht es bei uns so aus: Im Training teilen wir in zwei Trainingsgruppen ein. Während Gruppe 1 zur Zeit im Trainingsblock Ballan- und mitnahme und sofortiger Übergang ins Tempodribbling mit hohem Gegnerdruck trainiert ( macht mein Co. ) trainiere ich mit Gruppe 2 die Ballan- und mitnahme in der Übungsform. Um dann langsam in der Spielform das Ganze zu festigen. Sprich im Grunde genommen nehme ich Übungsinhalte aus F !! Die Jungs können nichts dafür. Fortschritte sind auch schon zu sehen.



    Jetzt läuft mir wieder die Zeit davon, aber ich hatte zwei Gründe zur Erstellung dieses Threads: Ich wollte denjenigen anhand meiner jetzigen Situation verdeutlichen, was passieren kann, wenn man sich nicht an gewisse Grundregeln hält. Man muss sich nicht stur an Richtlinien halten. Jeder sollte seinen eigenen Stil entwickeln. Aber wenn man sich mal hier und da 'ne Ausnahme von den Grundregeln, gerade was die Einsatzzeiten betrifft, gönnt, nach dem Motto „Ist doch nicht so schlimm“ sollte bedenken, dass andere dafür später die Zeche bezahlen !!


    Zum zweiten Grund „Gleichbehandlungsfantasie in Verbindung mit Disziplinproblemen und wann kommt der Zeitpunkt jemand ausschließen zu müssen“ schreibe ich später.


    Reicht ja auch erstmal als Input, oder :rolleyes:

  • Steini


    Fragen


    bei 12 Spieler, wieviele Spieler hast du in der Regel in F und E beim Spiel mitgenommen, d.h. zum Einsatz gebracht.




    wie sah deine Rotation in F und E aus?


    von Spiel zu Spiel die Position rotiert, oder z.B. 3 Spiele auf einer Position einspielen lassen ,und dann wieder rotiert


    in jedem Spiel einen anderen TW, also von 1-12 durchrotiert, oder auch hier einen Spieler einige Spiele im Tor und dann wieder rotiert


    gg

    • Offizieller Beitrag

    Klasse Steini!


    Ich habe zusätzlich bei zur Rotation folgende Erfahrung gemacht: mein D-Team (Kleinfeld 6+1) ging in die C und wurde von einem anderen Trainer übernommen und in eine bestehende Mannschaft integriert (vorher Großfeld D-Jugend 11er).
    Fazit: Der neue Trainer lobte ide Jungs unglaublich, denn sie konnten da spielen, wo sie eingesetzt wurden und keiner maulte. Als ein- zweimal kein Torwart zur Verfügung stand, meldeten sich gleich zwei meiner ehemaligen Jungs, dass sie das übernehmen würden, sonst keiner.
    Topp Sozialverhalten und absolute Teamplayer, weil sie Teamregeln konsequent eingehalten haben. Die Umstellung von Klein- auf Großfeld war überhaupt kein Problem, obwohl die anderen Spieler (O-Ton "Fußball in der D gehört aufs Großfeld") ein Jahr Vorsprung hatten. Leider sprangen dann einige von den "Schlechten" ab, weil sie keine regelmäßigen Einsatzzeiten mehr bekamen, der Kader war insgesamt zu groß. Ich bin mir sicher, diese Spieler hätten dem Fußball erhalten bleiben können, wenn sie sich nicht nur als Reserve gefühlt hätten.


    Das alles aus einer Zeit, als ich begann den Kinderfußball einigermaßen zu verstehen. Was vorher war ist mir jetzt peinlich und bei den Kindern von damals wäre heute eine Entschuldigung fällig.

  • @Steini...liest sich sehr interessant, ..aus der Praxis für die Praxis und vielleicht ermutigt es den Einen oder Anderen von seinem Jetzt abzuweichen. Gr. Andre

  • bei 12 Spieler, wieviele Spieler hast du in der Regel in F und E beim Spiel mitgenommen, d.h. zum Einsatz gebracht.

    Max. drei Auswechselspieler. Selbst das wurde teilweise knapp, da aufgrund von Krankheit, Geburtstagen usw. ohnehin oft welche fehlten. War also nie ein großes Problem.

    von Spiel zu Spiel die Position rotiert, oder z.B. 3 Spiele auf einer Position einspielen lassen ,und dann wieder rotiert

    2 oder 3 Spiele hintereinander auf der gleichen Position. Dann mit ihm im Training kurz ein paar Dinge angesprochen. Meinetwegen Rechtsfuß spielt auf rechts außen und versucht ständig mit seinem starken Fuß rechts vorbei zu kommen. Habe ihm dann geraten, gerade seinen schwachen Fuß im Training zu benutzen und zu trainieren um mehr Alternativen im Spiel zu haben. Im nächsten oder übernächsten Spiel konnte er dann das anwenden oder aber zumindest versuchen. Also Prinzip: Fehler auf der Position machen, Alternativen oder Tipps geben, im Training festigen und dann beim nächsten Spiel unter gleichen Voraussetzungen (= selbe Position ) ausprobieren

    in jedem Spiel einen anderen TW, also von 1-12 durchrotiert, oder auch hier einen Spieler einige Spiele im Tor und dann wieder rotiert

    Genauso wie im Feld. 1-3 Spiele. Aus denselben Gründen.

  • Danke Steini !


    genau diese gedanken habe ich vor gut 2 Jahren selber entwickelt.


    ich hatte bei uns im Verein 3 Jahre lang hintereinander die D1 übernommen,
    da waren "erfolgsverwöhnte" Jahrgänge aus der E Jugend dabei.


    Neben dem Problem, dass die E Trainer böse auf mich waren, weil ich derjenige war, der
    den Väter-Trainer seine Mannschaft "wegnahm"; gab es das erste AHA Effekt:
    warum schafften es nur ca die Hälfte der Älteren E jugendspieler in die D1 zu kommen, obwohl dieser
    Jahrgang zu den Besten gehörte im Kreis ?
    Oder andersrum:
    Warum konnten viele der Spieler nicht gut Fussballspielen ?


    Obwohl das team fast nur gewann entwickelten sich viele der Spieler nicht so stark weiter !!!


    UND (was ich selber erlebte):
    Ich hatte bei meiner letzten F Jugend in einem "kleinen/schwachen" Verein im Winter
    das Team übernommen, da der Trainer aufhörte.
    Das Team verlor oft 14:1 o.ä.


    Ich habe dann angefangen so zu trainieren, dass wir möglichst gute Ergebnisse erzielten, damit die
    "Loser"-Stimmung mal aufhörte etc.


    also habe ich mit fast Festen Positionen Spielen lassen, durch einen guten Stürmer, eher kick and Rush spielen lassen usw....


    nach 1,5 Jahren waren wir deutlich stärker geworden; waren in der Stadt von Nr.4 auf einmal Nr. 1


    Alles richtig gemacht ? Die Kinder waren irr Stolz auf sich, als sie auf einmal eine starke Mannschaft wurden;
    sprechen mich mit besten Trainer der Welt an usw...


    Tolles Gefühl !



    A B E R !!!
    Im Nachhinein muss ich ehrlich sagen:
    Man habe ich das viel Scheiße gemacht !!!!


    Mit den Spielzeiten war es nicht so schlimm, aber kaum Rotation, kaum richtiges Techniktraining,....
    Ich habe nicht alles falsch gemacht, viel gutes; ABER ich habe bei weitem nicht das Potenzial der einzelnen
    Spieler ausgeschöpft !!
    Dass der MANNSCHAFT denke ich schon; aber nicht der SPIELER !!!!


    Wenn ich mir die Spieler heute ansehe, dann bin ich mit dem Ergebnios nicht so zufrieden.
    klar der ein oder andere hat sich toll entwickelt und konnt eviel Positives mitnehmen;
    aber ca 2/3 spielen keine "große Rolle"..


    Da ist schon etwas Enttäuschung dabei.



    ALso wie war das Fazit aus den beiden Phänomenen wie oben beschrieben ?
    in der F juegdn trainiere ich nur insofern eine Mannschaft, dass sie Teamgeist, Disziplin und sowas mitbekommen !
    Keine Taktik, wie man gewinnt, feste Positionen, Bankdrücker züchten (OK dass habe ich auch vorher nicht !), und viel
    individuelle Technik (a la Coerver) !


    Das habe ich mir mit meinen jetzigen 2002er vorgenommen gehabt !


    Es ist wirklich ein Unterschied zu sehen, wenn mann die Sachen vom Steini beherzigt, man bekommt insgesamt mehr gute und
    flexiblere Spieler in den D Jugendbereich; man gewinnt aber nicht so viel !


    Sorry nicht so toll geschrieben der Text, hoffe es ist rüber gekommen was ich meinte !


    Anekdote dazu:
    der jetzige D2 Trainer ist froh, wenn aus meiner E1 mal einer aushilft !!
    Und hat mir erst neulich gesagt, was sie (er war CO Trainer) doch in der F und in der E für Scheiße gemacht haben,
    und jetzt in der D sieht man die "Lücken" !!


    ich kann nur jeden beherzigen:
    Trainiert in der F und in der E die Spieler , nicht so viel die Mannschaft

  • Danke, Steini, für den sehr eindrucksvollen Bericht! Interessant finde ich vor allem Dein Vorgehen in Bezug auf die Rotation, d,h, feste Positionen für 2 oder 3 Spiele, dann rotieren. Das habe ich oft viel häufiger rotiert, meist sogar in der Halbzeit. Aber damit habe ich meineSpieler vermutlich überfordert. Das würde ich heute anders machen.


    Grüße
    Oliver

  • saschatoni
    Wenn ich meine Fehler der Vergangenheit im Bericht aufgeführt hätte, wäre er zu lang geworden ;) Aber ein Satz von Dir drückt in wenigen Worten aus, worauf es ankommt:

    ich kann nur jeden beherzigen:
    Trainiert in der F und in der E die Spieler , nicht so viel die Mannschaft

    @Don

    Das habe ich oft viel häufiger rotiert, meist sogar in der Halbzeit. Aber damit habe ich meineSpieler vermutlich überfordert. Das würde ich heute anders machen.

    Überfordert würde ich gar nicht mal so sagen und ich bin mir auch gar nicht so sicher, welche von beiden Möglichkeiten die bessere ist. Bei Deiner Variante lernen sie ja, sich in kurzer Zeit umzustellen. Technisch haben die unterschiedlichen Positionen unterschiedliche Anforderungen, die sie dann eben innerhalb eines Spieles abrufen müssen. Vielleicht ist es auch der goldene Mittelweg. Keine Ahnung. Hauptsache Du hast rotiert. Glaub mir, Deine Spieler ( und Deine Trainernachfolger ) werden es Dir später danken.

  • wegen dem Rotieren:


    Man kann auch während eines Spiels relativ viel rotieren, ohne dass die Spieler überfordert werden, aber die Voraussetzung ist,
    dass man sie darauf vorbereitet hat, und sie die Posiionen kennen.


    Ich habe es mal übertrieben und alle paar Minuten die Positionen "rutschen" lassen, und das war da noch zu früh..


    ALSO:
    Die Spieler auf derselben Positionen mindestens 1 Spiel oder 2 oder 3 spielen lassen, bis sie einigermaßen "bekannt" ist.
    Und dann kann man darauf aufbauend relativ viel rotieren lassen !!


    Ist schon tolles Gefühl, wenn man während des laufenden Spiels, mehrfach die Spieler "hin- und herschiebt" und sie
    das Problemlos umsetzen !
    Diesen Status habe ich nun (mit Abstrichen natürlich) in meiner älteren E !
    Kommt schon öfters vor, dass SPieler bei mir in einem Spiel 3 verschiedene Positionen spielen..

  • Zum zweiten Grund "Gleichbehandlungsfantasie in Verbindung mit Disziplinproblemen und wann kommt der Zeitpunkt jemand ausschließen zu müssen" schreibe ich später.

    Ich hatte oben den Ist-Zustand hinsichtlich des momentanen fussballerischen Ausbildungsstandes beschrieben und das wir deswegen die Mannschaft in zwei Trainingsgruppen unterteilt haben. Die eine Gruppe trainiert mein Co. mit normalen D-Jugendthemen. Die andere trainiere ich wie eine ältere F. Es ist nun mal so wie es ist. Im Grunde genommen trainieren wir zur Zeit zeitgleich eine F und D in der D-Jugendaltersklasse. Auch das ist eine Herausforderung und grundsätzlich kein Problem. Da ist z.B. ein "dicker Paul" dabei. Der ist aber bei jedem Training, hört zu und gibt sich richtig Mühe. Ich habe einen Anruf seiner Mutter bekommen, dass er eigentlich aufhören wollte. Jetzt hat er sich in seinem Kalender die Trainingszeiten eingetragen und würde sich wieder auf jedes Training freuen. Sie hat sich dafür bei uns bedankt. Das bestärkt uns in dem Willen keinen aufzugeben.


    Jetzt sind wir jedoch kurz vor der Entscheidung ob das so haltbar ist. Die Gruppe zwei erfordert unheimlich viel Aufmerksamkeit. Nicht nur was das Fußballerische angeht, sondern hier geht es auch um Stärkung des Sebstbewustseins. Mit Lob wurde in der Vergangenheit offensichtlich mehr als sparsam umgegangen. Ich versuche ihnen zu vermitteln, dass Fehler nichts schlechtes sind sondern der Verbesserung dienen.


    In meiner alten Truppe konnte ich mich mehr und mehr auf Feinheiten bei der Korrektur beschränken. Bei dieser Gruppe ist jedoch volle Konzentration gefordert und ich muss nahezu in jeder Aktion sofort in die Korrektur gehen. Mit dementsprechenden Vormachen und kurzen Erläuterungen. Und hinter meinem Rücken geht dann das Chaos los. Zwei Jungs sind dabei, bei denen habe ich mich schon gefragt was die auf dem Fußballplatz wollen. Null Interesse bei den Übungen. Null Interesse wenn Du ihnen was erklärst. Null Interesse beim Abschlussspiel einigermaßen mitzuwirken. Sie quatschen ständig, schubsen, schlagen anderen den Ball weg und und und. Man sieht den anderen Spielern an, dass sie das nachhaltig nervt. Auch im Vier-Augen Gespräch hatte ich den Eindruck, dass sie ihr Fehlverhalten weder einsehen noch ändern wollen. Es ist dann soweit gekommen, dass ich beide zeitgleich für eine Einheit vom Training ausgeschlossen habe. In dieser Einheit konnte man sofort sehen, dass die Jungs sich kontinuierlich verbesserten. Zwar langsam aber deutlich sichtbar.
    Kaum waren die anderen beiden Spieler wieder dabei, war wieder richtig Unruhe in der Gruppe.


    Ich habe mich mit einem Vater der Trainingswilligen darüber unterhalten.
    Wert auf Disziplin wurde nie gelegt. Meist wurde dies mit Geschreie und Runden laufen quitiert. Das Training war monoton ( Aussage seines Sohnes !! ). Spielen durften immer die selben. Der Rest war Füllmasse. Bereits ab F. Zu Anfang waren nach seinen Beobachtungen auch die beiden oben beschriebenen Jungs mit Eifer dabei. Das hat sich nach und nach geändert und sie wurden daraufhin links liegen gelassen. Auf meine Frage, was deren Eltern denn dazu sagen bzw. ob sich ein Gespräch mit ihnen lohnt: "Kann ich dir nichts zu sagen. Die habe ich nie zu Gesicht bekommen." Ich übrigens auch nicht.


    Jetzt naht die Hallenzeit, d.h. alle 23 auf engstem Raum. Mein Co. und ich haben stundenlang zusammen gesessen. Versucht alle Alternativen zu durchdenken. Wir mussten uns entscheiden: Die zwei auf Biegen und Brechen versuchen zu halten und damit zu riskieren, dass sich das auch auf die restlichen 21 auswirkt. Und das wird es.
    Oder aber den beiden sagen, dass es so keinen Sinn mehr macht.
    Wir haben uns im Sinne der anderen Spieler für letzteres entschieden. So leid es uns für die Jungs tut und es hat mich die ein oder andere schlaflose Nacht gekostet.


    Ein absolut besch... Gefühl. Wir löffeln die Suppe aus, die andere uns eingebrockt haben


    DAS kann dabei rauskommen, wenn man sich nicht an die Regeln hält :!:

  • Steini


    Schwierige Situation. Ich glaube aber, dass Du richtig gehandelt hast.


    Bei mir ist die Situation z.T. ähnlich. Der Großteil der Truppe ist gut zu motivieren. Aber 2-3 scheren immer wieder mal aus und torpedieren den Ablauf. Dann werden einige andere mitgerissen und der Fluss ist erst einmal dahin.


    Natürlich sage ich mir dann auch mal, dass ich das Training nicht attraktiv genug gestalte. Das kommt bestimmt vor. Schließlich habe ich im Gegensatz zu Dir noch eine obere F. Da muss man sehen, dass es den Kindern Spass macht. Aber es klappt eben auch deutlich besser, wenn die Störer nicht dabei sind. Bisher habe ich die Sache immer noch irdgendwie hingebogen bekommen. Maximal gab es einen kurzzeitigen Auschluss bis zum Ende des Trainings. Aber in einer D würde ich wohl auch anders reagieren, weil man dort schon etwas mehr erwarten kann.


  • Versucht alle Alternativen zu durchdenken. Wir mussten uns entscheiden: Die zwei auf Biegen und Brechen versuchen zu halten und damit zu riskieren, dass sich das auch auf die restlichen 21 auswirkt. Und das wird es.
    Oder aber den beiden sagen, dass es so keinen Sinn mehr macht.
    Wir haben uns im Sinne der anderen Spieler für letzteres entschieden. So leid es uns für die Jungs tut und es hat mich die ein oder andere schlaflose Nacht gekostet.


    Ein absolut besch... Gefühl. Wir löffeln die Suppe aus, die andere uns eingebrockt haben

    Kann mir vorstellen, dass Dir das schlaflose Nächte bereitet hat. Hättet Ihr Euch genauso entschieden, wenn Ihr anstatt eines 23er Kaders lediglich einen 13er Kader hättet?

    Einmal editiert, zuletzt von Follkao ()

  • Zum Thema Rotation möchte ich noch kurz meine Erfahrungen beisteuern. Ich habe in der zweiten Saisonhälfte der E2 damit begonnen, vorher hatten einige Spieler Gewohnheitspositionen, die sie gut und scheinbar auch ganz gerne besetzten, einige wurden auf verschiedenen Positionen eingesetzt, weil sie recht universell waren, und einige wurden leider auch ein bisschen hin und her geschoben und füllten, wenn man es böse ausdrücken möchte, die Lücken aus. Hmm, eigentlich war es für diese Spieler noch ganz OK, sie haben durchaus mal mehr defensiv und mal mehr offensiv spielen sollen. Blöd war es tatsächlich eher für die, zum Glück wenigen, Spieler, die fast nur defensiv eingesetzt wurden.


    Unsere Grundaufstellung war in der F ein 1-2-1-2, in der E2 dann ein 2-3-1. Daraus ergab sich mehr oder weniger zwangsläufig, dass die halbe Mannschaft primär defensiv oder hauptsächlich offensiv ausgerichtet war. Ich änderte dann die Grundaufstellung ins 3-3 und gab gleichzeitig die Parole aus, dass alle gemeinsam angreifen wie verteidigen sollen. Durch die flache Aufstellung wurden wir natürlich nun häufiger mal überspielt, aber ich meine, den allermeisten Kindern kam die Vereinfachung entgegen: es gab nun nicht mehr drei bis fünf verschiedene Positionen und damit verbundene Profile, sondern nur noch zwei bis vier: vorne oder hinten, evtl. dazu noch außen vs. zentral. Vorher gab es hinten, mitte, vorne, teilweise noch mit der Unterscheidung zentral/außen.


    Wir haben dann viel Minifußball gespielt und in größeren Trainingsspielen (7 gegen 7) alle paar Minuten alle Positionen getauscht, typischerweise reihum, d.h. Torhüter ging nach hinten links, die hintere Reihe verschob jeweils um einen nach rechts, der RAV wurde RA, die vordere Reihe verschob um eins nach links, und der LA ging ins Tor. Anfangs gab es ab und an noch etwas Verwirrung, aber die Jungs haben es erstaunlich schnell hin bekommen, sich auf alle Positionen einzustellen. Natürlich sieht man weiterhin Unterschiede, dem einen liegt natürlich weiterhin die Offensive oder Defensive mehr. Aber sie sammelten alle sichtbar Erfahrung in den verschiedenen Rollen und konnten sich bald recht schnell umstellen.


    Da wir im Spielbetrieb mit zwei Mannschaften gemeldet waren, jede dieser Mannschaften (fürs 6+1) aber aus nur neun Spielern bestand, mussten wir auch innerhalb von Spielen zumindest teilweise Positionsrotation betreiben, sonst hätten vier Feldspieler durchspielen müssen, während die anderen vier jeweils nur eine Halbzeit hätten spielen können. Auch aus kondtioneller Sicht waren da gleichmäßigere Wechsel die bessere Option. Wie in anderen Threads schon erwähnt, wechselten wir häufig auch zur Halbzeit im Tor. Das klappte insgesamt auch sehr gut, wobei ich hier die bekanntermaßen schwächeren Torhüter auch gegen eher schwächere Teams stellte. Da bei uns die stärkeren Torhüter gleichzeitig auch eher stärkere Feldspieler waren, hatten die schwächeren Torhüter außerdem den Vorteil einer besseren Abwehr vor ihnen.


    Ich möchte Steini darin beipflichten, dass die Rotation für alle Spieler von Vorteil ist. Da ich nun eine D-Jugendmannschaft betreue, die neben Spielern, die ich bereits vorher trainierte, zu zwei Dritteln aus Spielern besteht, die vorher deutlich positionsfixierter und in tieferen Systemen eingesetzt wurden, muss ich feststellen, dass diese 'fremden' Spieler deutlich weniger flexibel sind und stärker ausgeprägte Defizite aufweisen, die einen im offensiven, die anderen im defensiven Bereich. Das empfinde ich durchaus als Nachteil, sowohl für die Spieler als auch für die Mannschaft. Fiel ein Spieler letztes Jahr aus, so spielte es (bis auf jeweils eine Ausnahme in jeder Mannschaft) keine Rolle, wer fehlte. Im jetzigen Team ist das noch durchaus anders..

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Schwierige Situation. Ich glaube aber, dass Du richtig gehandelt hast.

    Danke. Ich hoffe es auch. Leichter macht es das leider nicht, da "richtig" in unserem Fall nicht gleichbedeutend mit "gut" ist. Im Grunde gibt es hier nur Verlierer.

  • Steini


    ein fauler Apfel kann dir bekanntlich ja den ganzen Korb verderben.
    Im Interesse der übrigen Spieler muss man auch einen solchen Schritt gehen können. Solche Typen können dir einen ganzen Jahrgang versauen.


    Möglicherweise wäre auch noch ein Zwischenschritt möglich, den ich mal gegangen bin, wenn auch letzendlich erfolglos.:


    Trainings und Spielausschluss für einen bestimmten Zeitraum (z.B. 4 Wochen) . obs was gebracht hätte, wag ich jedoch zu bezweifeln, aber einen
    Versuch wärs wert gewesen.


    Verkehrt finde ich es, deren Verhalten deinem Vorgänger und dessen Trainingsinhalten anzulasten.
    Vorwerfen kann man ihm lediglich, dass er deinen Schritt jetzt nicht schon vorher vorgenommen hat.
    Unter Umständen, wären deine Neuen jetzt auch schon weiter.
    die 2 von 24 haben dein Training schon beeinflusst, wie stark war aber deren Einfluss bei 2 von 12.


    eine Gemeinschaft hat immer Regeln, an die man sich halten sollten, sonst gilt dann "Entweder -Oder"


    Garantiert keine einfache und beqeme Entscheidung, deshalb mein Repekt.


    also keine schlaflosen Nächte, du hast im Interesse von 22 heranwachsenden Jugendlichen gehandelt.




    ähnliches Thema hatten wir schon mal, da gab es aber erhebliche Zuschriften, die gegen einen Ausschluss votierten, und alles Mögliche aufführten, die dagegen sprachen. Entweder ändern sich Meinungen, oder diejenigen halten jetzt still.


    gg

  • Steini


    nochmals Fragen


    24 Spieler bisher, jetzt 22


    ihr spielt doch D 9 oder?


    hast du 1 oder 2 Mannschaften gemeldet?


    wieviel Pflichtspiele habt ihr in der Vorrunde?


    wieviel Freundschaftspiel hast du bisher gemacht?


    wieviel Trainer seit ihr?


    gg


  • ähnliches Thema hatten wir schon mal, da gab es aber erhebliche Zuschriften, die gegen einen Ausschluss votierten, und alles Mögliche aufführten, die dagegen sprachen. Entweder ändern sich Meinungen, oder diejenigen halten jetzt still.

    Ich habe in der Vergangenheit Trainer gesehen, die auf diese Art ihren zu großen Kader bereiningt haben. So wie ich Steini aus seinen Beiträgen hier kennengelernt habe, schätze ich ihn aber nicht so ein.


    Das Thema zeigt aber auch, wie wichtig es ist, innerhalb des Vereins eine einheitliche Linie zu fahren. Ich mache zur Zeit eine ähnliche Erfahrung. Die Spieler der Mannschaft, die ich in diesem Sommer übernommen habe, wurden im Vorjahr von unterschiedlichen Trainern trainiert. Ohne mich mit allen Vortrainern darüber unterhalten zu haben, merkt man aber, in welchen Mannschaften rotiert wurde und in welchen nicht. Das, was sie können, können sie durchaus gut. Also auch die "Abwehrspezialisten" können einen gepflegten Ball hinten rausspielen. Ich werde diese Spieler voraussichtlich nur ein Jahr trainieren. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich in diesem Jahr damit umgehe. Teilweise wurden die 3-4 Jahre auf eine Position genagelt. Zu Saisonbeginn haben wir kräftig gewürfelt und konnten bei einigen die Verunsicherung förmlich spüren.