Aufmerksamkeitsprobleme im Training

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  • Hallo Leute,


    ich habe da einen Spieler in meiner F-Jugend, der sich in den letzten paar Wochen ziemlich verändert hat.


    Kurze Zusammenfassung: Er ist 8 Jahre alt, ein super Kämpfer und ein mittelmäßiger Fussballspieler, mit Ausbrüchen nach oben und unten. Seit ein paar Wochen ist er kaum noch zu fassen, d.h. man kommt nicht mehr richtig an ihn ran. Er kann sich kaum konzentrieren, man muss ihn alle paar Minuten darauf aufmerksam machen, was er tun soll.
    Während des Abschlussspiels im Training kaut er plötzlich an den Fingernägeln, schlägt Räder oder macht Rollen, klatscht in die Hände, usw. Ausserdem wirkt er in Zweikämpfen teilweise übermäßig aggressiv. Auch wenn wir uns vor einer Übung kurz zusammensetzen, damit ich was erklären kann, ist er unruhig, lässt sich schnell ablenken - wobei das wohl noch normal ist, die Jungs wollen ja spielen - und es wirkt so, als hörte er nicht zu, macht komische Geräusche (pfeiffen o.ä.). Ich spreche ihn dann immer an, dann ist er idR wieder kurz bei mir und kurz danach ist er wieder geistig woanders.


    Bei den üblichen Übungen, also Torschuss z.b. ist er manchmal ganz konzentriert dabei oder auch bei so Sachen wie Koordination sticht er wirklich heraus, aber wenn es dann ans Abschlussspiel geht, steht er oft völlig neben sich und macht die oben beschriebenen Sachen. Wenn ich ihn dann zu mir hole, frage ich ihn, was er selbst denkt, von dem was er macht, dann sagt er immer: "Es ist komisch" Das heisst, er siehts ein, verspricht mir sogar, ab dann "fussball" zu spielen, aber das hält nicht lange an.
    Ich hab das Gefühl, dass er gerne Fussball spielt, aber er kriegst irgendwie nich so hin.


    Kurz zu seinem Umfeld: Er ist wie gesagt 8 und macht neben dem Fussball noch Karate, wo er sehr erfolgreich ist - er gewinnt da Stadtmeisterschaften en masse usw.
    Ausserdem hat er einen 6-jähr. Bruder, der in der G-Jugend spielt. Manchmal macht dieser auch bei uns mit und macht ihm da manchmal echt was vor, d.h. er ist durchaus besser als sein älterer Bruder. Vom Verhalten her ist der jüngere übrigens das komplette Gegenteil.


    Ich weiss irgendwie nicht mehr weiter, laut seiner Mutter, benimmt er sich auch zuhause ähnlich, z.b. bei den Hausaufgaben.


    Leider bin ich psyologisch nich so der Kenner, das Problem ist halt, das er teilweise das Training schon stört, die anderen Kids beschweren sich teilweise auch schon.


    Ich hoffe, jemand hat irgendeine Idee und kann mir irgendwie helfen oder einen Tip geben! Wäre super.


    Besten Dank
    Sebastian

  • Hi Sebastian,



    kann ne Entwicklungsphase sein. mit der einfach überfordert ist. Vielleicht solltest Du mal ne zeitlang versuchen, ihn nicht darauf anzusprechen. Geh doch mal mit ihm ein Eis essen, nur du und er. Vielleicht weiß er im Moment nict, wo er zu Hause und im Fußball und in der schule usw. steht. Wahrscheinlich braucht er Sicherheit und Anerkennung, was Du ihm damit geben kannst. Und den Kontakt mit der Mutter halten.



    Gruß,


    FG

  • Naja das hört sich ganz einfach nach Konzentrationsproblemen an. Würde jetzt nicht so weit gehen es gleich ADS( oder auch Hyperaktivität) zu nennen aber in die Richtung geht es meiner Meinung nach. Was mich sehr wundert ist, das es nicht schon immer so war. Hab auch 2 Jungs im team Die Probleme mit der Konzentration haben. Auch neigen sie dazu ab und an aggressiv zu werden. Das lässt sich auch schwer steuern und man kann von weitem da schlecht ein rezept für ausgeben. Ich powere meine Jungs immer richtig aus bevor ich was erkläre damit die beiden Spezies auch mal nen Moment ruhig sind. Ansonsten musst du eben die Übungen die ganze Zeit am laufen halten damit garkeine Pausen entstehen in denen sie Blödsinn machen können.
    Bei ihm kommt dann noch das Alter dazu wo einem Kind noch 1000 Sachen durch den Kopf fliegen ud eben alles sehr lustig ist was man so macht. Naja Wie gesagt halte ich eine Ferndiagnose für schwierig und bedenklich und will dir nur aufzeigen wie es bei mir in einem ähnlichen Fall abläuft. Wenn sie etwas Älter werden kann man sie über die Vernunft besser motivieren sich "zusammen zu reissen", das soll heißen ich red mit ihnen immer mal unter vier Augen und erkläre ihnen wie wichtig es ist das alle ordentlich an den Übungen teilnehmen und sich konzentrieren können. Das klappt in sofern das sie nicht mehr lustige Lieder pfeiffen wenn ich was erkläre bzw.: das sie nur nen kurzen Hinweis brauchen um mir etwas mehr aufmerksamkeit zu schenken. Aber da hilft eben nur learning by doing.
    Noch ein kleines Beispiel. In der F hatten wir auch nen Jungenbei dem die Ärzte ADS und ne Leserechtschreibschwäche festgestellt haben inklusive kleine Ausrater und manchmal seltsamen bis sehr sonderbaren Verhalten. Das arme Kind erfuhr das volle Programm unserer Schulmedizin. 3 Monate Klinik und Medikamenteneinstellung. Naja die kleinen Ausraster sind weg, dafür hat er ein paar neue Ticks und seitdem unheimlich große Probleme mit dem Selbstvertrauen, was schonmal dazu führt das er nach eigenen Fehlern einfach mal zusammenklappt und jammert oder weint. Wenn ich ihm was kurz erzählen will und seinen Namen normal rufe verliert er sofort die Körperspannung und steht da wie ein begossener Pudel. Dann muss man ihn erst wieder aufbauen und kann dann erklären.


    Naja es gibt immer mal schwere Fälle. Da ist es dann vor allem wichtig das man als Trainer hinter dem Kind stet und das der mannschaft auch vorlebt und den andern Kindern es gegebenenfalls auch erklärt soweit sie es verstehen. Dann gehen die Kinder auch anders damit um und fühlen sich nicht mehr gestört davon.


    Achso ist auch gut möglich das er sich einfach unterfordert fühlt. Und deshalb sehr gelangweilt durch die Gegend läuft. Hab schon von Hochintelligenten gehört die auf die Hilfsschule gekommen sind, weil sie in der Schule nix gemacht haben, aus dem Grund das ihnen das zu einfach war und sie unterfordert waren. Kam auch mal nen Beitrag dazu in SternTV.
    Mach das beste draus und steh zu dem Jungen, mehr kann ich dir nicht raten.

  • Wenn man deine Beschreibung liest, dann geht das leider über das hinaus, was ein Fußballtrainer leisten kann, dieser kann nur unterstützend wirken. Sollte sich das Verhalten des Jungen insgesamt nicht bessern (also es lediglich eine Phase sein), dann sollte ein Ergotherapeut zusammen mit den Eltern und dir ein Programm für den Jungen entwickeln. Es ist stark anzunehmen, dass auch seine schulischen Leistungen dadurch nachlassen werden, falls er allgemein unkonzentriert bleibt.

    [b][color=#990000]"Absolvent der SOCCERDRILLS-ONLINE Kurse BASIS, Ki-Fu und JUGEND-FU."

  • Rene


    ganz banal gefragt: bist du Trainer oder Sozialarbeiter bzw. Kinderpsychologe.


    die Problematik liegt doch hier eindeutig nicht im fussballerischen Bereich. zieh den Heiligenschein aus, und überlass das Problem den Eltern.


    Günter

  • Günter, bist du aber abgekämpft! Genau das schreibe ich doch. :?:

    [b][color=#990000]"Absolvent der SOCCERDRILLS-ONLINE Kurse BASIS, Ki-Fu und JUGEND-FU."

  • Entschuldigung, habs schon von GC auf Rene geändert


    sei doch froh, dass ich dich bestätigt habe.


    Günter

    ...................... und ja, ich habe einen Abschluss in Pädagogik. Wenn du das Wort googlest, findest du "Knabenführung". :D

    [b][color=#990000]"Absolvent der SOCCERDRILLS-ONLINE Kurse BASIS, Ki-Fu und JUGEND-FU."

  • Erstmal danke, dass ihr mir so schnell antwortet!


    Ich habe heute seiner Mutter gesagt, sie soll ihn mal ne Woche zu Hause lassen, weil ich dachte, dass er vllt merkt, wie es ihm fehlt. Aber mittlerweile denke ich, dass das sinnlos ist, damit nehme ich ihm ja nur den Spaß weg.


    Das mit dem ADHS war auch meine erste Befürchtung, da ich schonmal ein Kind hatte, allerdings in der C-Jugend, der sich ähnlich benommen hat.


    Das Argument von Rene, dass er unterfordert ist, daran habe ich bisher nicht gedacht. Da wir momentan in der Halle sind, ist es teilweise nicht ganz so anstrengend, da ich oft und viel auf Technik gehe. Vielleicht sollte ich da mal anpacken.


    Gruß
    Sebastian

  • @ Günter: Naja ich muss die Jungs beim Training und bei den Spielen erleben. Du hast schon recht das es das Problem der Eltern ist, aber solange das Kind beim Fußball ist trag ja ich die Verantwortung. Und da muss man dann das beste draus machen! Ich werd auch keinem Kind sagen er kann nicht mehr kommen weil es nicht her passt bzw ein Handicap hat.

  • Ich werd auch keinem Kind sagen er kann nicht mehr kommen weil es nicht her passt bzw ein Handicap hat.


    das wollte ich auf keinen Fall vermitteln, das soll auch nicht der Fall sein.


    ich wollte an sich nur rüberbringen, dass due dieses Problem nicht lösen kannst, sondern nur damit leben.


    Günter

  • @Günther: Da geb ich dir Recht, aber ein Stück weit muss ich ja einen Weg finden um das Training unter diesen etwas schwierigeren Bedingungen trotzdem für alle optimal zu gestalten. Und deshalb suche ich auch nach Wegen um die Jungs einzubinden. Ich weiß nicht wie das woanders aussieht; ich stehe im allgemeinen in sehr engen Kontakt mit der ganzen Fußballerfamillie, auf die art bekomme ich auch eher mal mit wenn es Probleme gibt und kann das gegebenenfalls einfliessen lassen in dem ich das Kind anders anspreche oder eben versuche zu ermuntern und von problemen für die Trainingszeit abzulenken.
    Ich denke das ein Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Trainer, Eltern und Trainer sowie Spieler und Spieler die Arbeit erleichtert. Jeder weiß es wird mit offenen Karten gespielt und man geht ehrlich miteinander um. Da kann sich ein Kind auch mal eher öffnen wenn ihm was auf dem Herzen liegt und man kann sich als Trainer drauf einstellen. Ich bin wahrlich kein Psychologe und werde mir auch nicht anmassen die Kinder therapieren zu wollen. Ich versuche nur die Jungs klar für das Training zu haben und das klappt meist ganz gut.

  • Der Trainer im allgemeinen kann zeitweise vom Kind oder Jugendlichen höher angesehen werden als er die Eltern sieht. Somit denke ich fällt eine genaue Eingrenzung des Bereiches vom Trainer bezüglich des Kindes aus. Die Trainer müssen sich in solch einem Fall mit den Eltern - vorher mit dem Kind - zusammensetzen und schauen was sich verändert hat.
    Es können manchmal ganz kleine Dinge sein, die das Kind oder die Eltern nicht als Auslöser sehen, aber genau das ist es dann.


    Das geht von Hänselleien, über weitere neue Einbindungen von sportlichen Aktivitäten oder zB. Gitarrenunterricht, bis hin zum neuen Freund der Mutter. Als Trainer kann man nur versuchen das Vertrauen des Kindes zu bekommen und ihm vermitteln, dass er sich bei allen Problemen an dich wenden kann. Als Trainer ist man also der Freund und ein guter Ratgeber, aber auch eben der Trainer, der die Kinder ins Training mit einbezieht und Sie ausbildet. Ich denke das Zeichen, dass er eine Woche nicht mehr zum Training kommen darf/durfte hat ihm nur gezeigt das er eventuell stört.


    Sicher mögen Absichten des Trainers gegenüber des Kindes für Eltern verständlich sein, müssen es daher aber nicht unbedingt für das Kind auch sein. Erwachsene denken wesentlich anders als Kinder. Selbst wenn du einem Kind etwas vermittelst was von der Argumentation vielleicht richtig ist, spielt deine Mimik und deine Tonlage eine sehr wichtige Rolle, meist sogar mehr als das was du sagst.


    Also wie schon gesagt, denke ich dass du gerade den Jungen einbeziehen solltest und Ihm das Gefühl geben solltest, dass er dir vertrauen kann. Erst dann wirst du eine konstruktive Antwort erhalten.


    Gruß Steven

  • Ich habe auch ein paar Kinder die nur kurze Zeit die Konzentration aufs Spiel lenken können.
    Nach 4-5 Minuten sieht man plötzlich wie Ihnen alles zu viel wird,
    Eigentlich typische ADHS/ADS Symptome die du hier beschreibst.
    Auch ist es kein Wiederspruch das er Karate excelent kann, da muß er sich nur auf sich selbst konzentrieren.
    Beim Fußball schwirren überall Kinder um ihn rum , und er muß sich dem anpassen.


    ADHS/ADS Kinder glauben mehrere Sachen gleichzeitug tun zu können, da Sie ein anderes Zeitgefühl haben, das funktioniert aber natürlich nicht.
    Er glaubt aber wärend des Spiels einfach ein Rad zu schlagen, ist überhaupt kein Problem.


    Den Eltern kann man nur raten das abchecken zu lassen, Psychologe und Neurologe.
    Kenne einen Fall bei dem man herausgefunden hat das das Kind motorische Dyspraxie hat, nichts ansteckendes oder bedrohliches, eine neurologische Störung die die Vernetzung im Gehirn betrifft.
    Das Kind bekommt jetzt ergotherapeutische Betreuung.
    Den Eltern,dem Lehrer und dem Kind geht es jetzt viel besser, alle wissen daß das Kind hochmotiviert ist und sein bestes versucht. Er hat auch durch die Ergotherapie große Fortschritte gemacht.
    Natürlich einem Elternteil zu raten zu einem Psychologen oder Neurologen zu gehen ist sehr mutig und kann auch in die Hose gehen.

  • Den Eltern kann man nur raten das abchecken zu lassen, Psychologe und Neurologe.
    Kenne einen Fall bei dem man herausgefunden hat das das Kind motorische Dyspraxie hat, nichts ansteckendes oder bedrohliches, eine neurologische Störung die die Vernetzung im Gehirn betrifft.
    Das Kind bekommt jetzt ergotherapeutische Betreuung.
    Den Eltern,dem Lehrer und dem Kind geht es jetzt viel besser, alle wissen daß das Kind hochmotiviert ist und sein bestes versucht. Er hat auch durch die Ergotherapie große Fortschritte gemacht.
    Natürlich einem Elternteil zu raten zu einem Psychologen oder Neurologen zu gehen ist sehr mutig und kann auch in die Hose gehen.

    Als Trainer würde ich den Rat nie geben. Dafür bin ich nicht qualifiziert. Ich kann den Eltern sagen, was ich beobachte. Was sie mit der Information machen, ist ihre Sache. Falls das Kind sich in anderen Lebensbereichen ähnlich verhält, werden Lehrer bzw. Erzieherinnen im KiGa den Eltern die entsprechenden Ratschläge geben. Und die sind auch entsprechend qualifiziert.