Beiträge von Lindmann

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    Ist das Training des Kollegen den gut? Also im Sinne alle haben Spaß es werden Grundlagen trainiert etc..

    Ja, finde ich schon. Ich kann nicht unbedingt behaupten, dass mein Training besser wäre, als seines.


    Witzig ist halt, dass ich mit seiner Methode total untergehen würde und er mit meiner genauso.

    Ich frage nur mal so aus Interesse.

    Weil was die Vorbereitung auf das Training betrifft, klaffen Welten zwischen mir (E1 Trainer) und unserem Trainer der E2.

    Und ich wollte mal gucken, wie das andere so handhaben.


    Mein Weg:
    Ich habe eine Excel Tabelle, in der ich alles plane.

    Die Schwerpunkte, die ich vermitteln will, sind grob über die ganze Saison vorgeplant. Die tatsächlichen Zeiträume leg ich nicht genau fest und mitunter änder ich den einen oder anderen Schwerpunkt auch noch mal wieder.


    Die Trainings für die nächsten 4 Wochen plane ich auch schon grob vor.

    Also an welchen Tagen sollen welche Übungen gemacht werden. Welche Übungen das sind, folgt aus dem jeweiligen Schwerpunkt.

    Manchmal änder ich noch kurzfristig was, aber das ist dann immer so der ungefähre mittelfristige Fahrplan.


    Für alle meine Übungen aus meinem Repertoire habe ich je ein DIN-A4 Blatt, auf dem ich die wichtigsten Eckpunkte der Übung, eine kleine Zeichnung, die Variationsmöglichkeiten und die Coachingpunkte aufgeschrieben habe. Alles so aufgeschrieben, wie es für mich als Gedankenstütze am besten funktioniert. Daraus ist ein ziemlicher Katalog geworden. In meiner Excel Tabelle habe ich zudem noch einen Feedback-Reiter, bei dem ich jede durchgeführt Übung bewerte (wie beliebt ist sie bei den Kindern, wie gut klappt sie, wie groß ist der Lerneffekt,...). Schlecht bewertete Übung fliegen aus dem Katalog.


    Am Tag des Trainings plane ich zur Mittagszeit das Training im Detail. Da weiß ich über die Teampunkt-App, wer heute zum Training kommt.

    Also klemm ich mir ein neues Blatt in mein Trainings-Klemmbrett und skizziere die Übungen, die wir heute machen.

    Feldgrößen bestimmen, Mannschaftsgrößen festlegen, Anzahl der Felder bestimmen, Provokationsregeln festlegen, benötigtes Material.

    Und ich teile auch jetzt schon die Teams ein. Im Ruhe zu Hause kann ich das viel besser, als auf dem Trainigsplatz mit tausend Kindern um mich rum, die ihre Wünsche äußern, mit wem sie in einem Team sein wollen.


    Ich bin dann eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn da und baue alles auf. Kinder, die ebenfalls früh da sind, helfen mir meistens.

    Das Training beginnt auf die Minute genau.


    Der andere Trainer hat nichts dergleichen. Der macht das alles komplett im Kopf. Schwerpunkte, Übungen etc.

    Er kommt 5 Minuten vor Trainingsbeginn auf den Platz. Während die Kinder selbstständig das Warm-up machen, baut er seine Übung auf.


    Ich will hier gar nicht sagen, dass das eine besser ist, als das andere. Das macht ja jeder typbedingt anders und ich bin nunmal ein ziemliches Excel-Kiddie und auf meinen Kopf ist zudem auch überhaupt kein Verlass.

    Wie ist euer Vorgehen?

    Der Themenersteller fragt, wie er seinen Sohn unterstützen kann und als Antwort kommt, dass er vielleicht eher Basketball spielen will.

    Das ist son typisches Internet Ding.


    Zur Fragestellung: Ich glaube, aktiv kann man da nicht viel unterstützen. Klingt für mich wie eine Sache des Selbstvertrauens bzw. der Komfortzone. Durch positive Bestärkung die Freude am Spiel aufrecht erhalten und darauf setzen, dass das Wohlbefinden in dem Umfeld mit der Zeit steigt. Es gibt halt Menschen (auch Erwachsene) die in unterschiedlichen Umfeldern unterschiedlich selbstbewusst imd unterschiedlich motiviert sind.

    Ich bin der Überzeugung, dass man (in der Kindeserziehung im Allgemeinen) über Selbstvertauen und ausreichen Zeit, dieses aufzubauen, am meisten erreichen kann. Außer vielleicht, besagtes Kind ist eines von denen, die eher zu viel Selbstvertrauen haben...da muss man vielleicht anders vorgehen, aber das scheint mir hier ja nicht der Fall zu sein.

    Also mein Sohn will nach jedem Training und nach jedem Spiel immer wissen, wie ich ihn fand und fragt mich nach einzelnen Situationen, um darüber zu reden. Deswegen mag er es nicht, wenn wir noch andere Kinder mitnehmen, weil dann im Auto über andere Gesprächsthemen gesprochen wird.


    Also lass dir nicht einreden, dass jedes Gespräch mit dem Sohn über den Fußball per se Druckaufbau ist. Das ist doch bei jedem Kind anders. Manche werden es als Druck empfinden, manche nicht und manchen ist es schlichtweg egal.

    Ich bekomme den Eindruck das auch Fussball (Mannschaftsportarten) immer mehr als Dienstleistung wahrgenommen wird.

    Wenn es passt: Gerne - Irgendetwas dem Teamsport zu liebe anders planen? Auf keinen Fall....

    Ich finde das immer bezeichnend, wenn jemand aus der Mannschaft seinen Geburtstag feiert, zufällig genau dann, wenn ein Spiel ist. Und natürlich lädt er die halbe Mannschaft ein. Da sieht man mal, wie da die Prioritäten liegen.


    Immerhin hatte ich aber auch Spieler, die zwar bei der Geburtstagsfeier eingeladen waren, aber dennoch zum Spiel gekommen sind.

    Ja, zumindest wenn ich vorher schon weiß, welche Paarung ich aufrufe.

    Wenn ich unseren Top-Sprinter, der superschnelle Reaktionen hat, als Verteidiger aufrufe und der Anfreifer eher etwas träger ist, dann lass ich einfach eine oder zwei Sekunden Zeit zwischen den Zahlen.


    Aber ansonsten, wenn der Verteidiger wirklich schnell ist, dann es trotzdem dazu kommen, dass sie beide gleichzeitig am Punkt sind, wo ich den Pass hinspiele. Dann muss der Angtreifer den Ball entsprechend unter Druck annehmen und ggf. abschirmen oder den Gegner ausblocken.


    Bisschen variieren kann man die Übung, indem man das Stangentor breiter oder enger stellt. Je breiter es ist, desto weitere Wege haben die Verteidiger zu laufen.


    Hab es aber auch schon gehabt, dass der Angreifer gepennt hat und der Verteidiger alleine am Stangentor stand. Dann musste ich den wieder zurückschicken und an die Aufmerksamkeit der Spieler appellieren.

    Dieses Unterforum ist leider etwas eingeschlafen, dabei finde ich es eigentlich richtig gut. Übungen findet man heutzutage ja an jeder Strassenecke, gerade auf social media werde ich oft bombardiert mit einer Vielzahl an Übungen, aber viele davon sind nicht gut, etwas veraltet oder passen einfach nicht auf meine jeweilige Mannschaft. Hier hingegen kann man Üungen ja gut diskutieren und gemeinsam weiterentwickeln. Finde ich eigentlich viel wertvoller, als die Flut an Übungen auf Instagram.


    Ich will hier mal ein Warm-Up vorstellen, welches ich gut finde für die Entwicklungsstufe, in der man seinen Spieler*innen beibringt, sich vor der Ballannahme vorzuorientieren und sich den Schulterblick anzugewöhnen. Also als erster Schritt einer Methodischen Reihe, wenn man so will.


    Es ist aus einer Abwandlung einer bekannten Übung entstanden und hat sich bei meiner E-Jugend gut bewährt.
    Ziele neben dem reinen Erwärmen sind:

    - Ballführung im engen Raum bei gleichzeitiger Konzentration auf akustische Eingaben

    - Reaktionsschnelligkeit trainieren

    - Angewöhnen des Schulterblicks

    - Erster Kontakt in den freien Raum


    So ist der Ablauf:

    • Jedem Spieler wird eine Zahl zugeordnet (sinnigerweise von 1 aufsteigend), die er sich gut merken muss
    • Man markiert ein rechteckiges Spielfeld, Größe abhängig von der Spieleranzahl
    • Jeder Spieler hat einen Ball und dribbelt in dem Feld frei umher, gerne mit etwas Tempo
    • Der Trainer ruft zwei Zahlen. Die erste benennt den Angreifer, die zweite benennt den Verteidiger
    • Die benannten Spieler lassen ihren Ball liegen und starten los:
      Der Angreifer läuft durch das Stangentor, um kurz dahinter den Pass vom Trainer zu empfangen
      Der Verteidiger läuft links oder rechts am Stangentor (was schneller geht) vorbei und versucht, in den Zweikampf zu kommen
    • Der Angreifer macht rechtzeitig den Schulterblick und weiß, aus welcher Richtung der Verteidiger kommt. Entsprechend geht der erste Kontakt in die entgegengesetzte Richtung.
    • Wenn der Angreifer richtig gehandelt hat und schnell genug läuft, folgt danach folgt der Abschluss ins Minitor, anderfalls kommt es zum 1gg1.
    • Danach kehren die zwei Spieler wieder ins Recheck zu ihren Bällen zurück und die nächste Paarung wird aufgerufen



    Anfangs hapert es manchmal noch daran, dass die Spieler nicht mitbekommen, dass ihre Nummer aufgerufen wurde. Aber genau das ist auch ein Teil der Übung, dass sie lernen, neben dem Dribbeln auch noch aufnahmefähig für Signale von außen zu sein.



    Hallo, wir sind im Breitensport, da geht es um mehr als Gewinnen und eine Mannschaft hat nunmal die rote Laterne.

    Und wenn die Mannschaft bessere werden will, muss halt mehr trainiert und weniger gespielt werden.

    Als Trainer habe ich nix dagegen 😃

    Genau. Ich propagiere gegenüber der Mannschaft auch immer, dass es nicht ums Gewinnen geht und eher der Spaß am Spiel und das Besserwerden im Vordergrund steht. Aber das ist halt eher die Trainersichtweise. Die Kinder wollen hier und jetzt Spiele gewinnen. Das Besserwerden, um in 5 Jahren auch noch Spiele gewinnen zu können, ist zumindest in meiner E-Jugend Mannschaft nur bei den ambitionierteren Kindern von Interesse.
    Aber es sind halt 10-Jährige. Die denken sicherlich noch nicht in größeren Zeiträumen. Die Leben mehr im Hier und Jetzt. Ich vermute, das ändert sich mit zunehmenden Alter.


    Ja, ist echt so. Die Eltern meiner Mannschaft stellen zum Glück keine Ansprüche und sind auch eher ein Fan von fair verteilter Spielzeit. Die Kinder hingegen sind mitunter schon mal bisschen böse gewesen, dass sie ein Spiel verloren haben, weil ich zu einem Zeitpunkt, an dem das Spiel auf der Kippe stand, gute Spieler runter genommen und schwächere Spieler eingewechselt habe.


    Deswegen mach ich es inzwischen so, wie du in deinem Kompromiss geschrieben hast. Es gibt keine Spiele, wo jemand nur 5 Minuten spielt, aber gegen starke Gegner haben die stärkeren Spieler mehr Einsatzzeiten und gegen schwächere Gegner, entsprechend die schwächeren.

    Hab ich doch im ersten Post beschrieben, wo da die Zielkonflikte liegen.

    Wir drehen uns im Kreis...

    Ich habe kürzlich den Großteil meiner F-Jugend von vor 16 jahren getroffen. 7/10 sind dem Fußball erhalten geblieben. Diejenigen die nicht mehr dabei sind, sind aber (bis auf einen) andere als ich vor 16 Jahren vermutet hätte. Der eine oder andere hat auch aufgehört und später wieder angefangen.
    Du sagst "Was soll ich sie mit Ausbildung belasten, wenn sie sowieso bald aufhören?" Ich habe Jungs gesehen, die in der B-Jugend aufgehört haben, weil der Trainer sie planlos hat kicken lassen. Andere hören also auf, weil sie NICHT ausgebildet werden.

    Ja, ist doch schön, dass du auch Positivbeispiele benennen kannst.


    Und ganz klar, einige Spieler -besonders die leistungsstarken- sind eher an Ausbildung als an lockeren Gekicke interessiert.
    Aber zumindest bei uns im Verein ist das nicht die Mehrzahl.

    Die Mehrzahl würde es begrüßen, wenn wir im Training nur noch Spiele machen. Und zwar keine 3gg3 Spielformen, sondern am liebsten die eine Hälfte der Mannschaft gegen die andere Hälfte auf große Tore. Ohne Provokationsregeln, ohne irgedndwelche Vorgaben. Das heißt nicht, dass sie die Übungen (sei es klassische Übungsform oder kleine Spielform) nicht spaßig fänden, aber trotzdem wollen sie lieber nur kicken.


    Also muss ich dem Großteil der Mannschaft sagen (sinnesgemäß): "ich weiß, ihr wollt einfach nur Fußballspielen, aber ich will, dass eure Entwicklung an erster Stelle steht, deswegen machen wir heute im Training etwas, was ihr eigentlich nicht ganz so gerne wollt".


    Dahinter steht natürlich die Hoffnung, dass im Laufe des Älterwerdens die Erwartungen der Kinder an den Sport etwas reift und sie dann in der B-Jugend froh darüber sind, in der E-Jugend nicht nur freies Kicken im Training gemacht haben, sondern zu wettbewerbsfähigen Spielern geworden sind und sie nicht Woche für Woche in der Kreisklasse mit hohen Niederlagen nach Hause geschickt werden.

    Kann ich nachvollziehen.

    Und -obwohl ich selber überhaupt nicht der authoritäre Typ bin- glaube ich schon, dass in der G und F Jugend eine gewissen Authorität hilfreich ist. Gerade wenn es so viele Kinder sind. Wenn die Quatschmacher freie Hand haben, verselbstständigt sich das irgendwann und die ganze Mannschaft ist nur noch ein Hühnerhaufen.


    Bei uns im Verein wird die G Jugend von einem sehr strengen, authoritären Trainer mit kräftiger Stimme betreut. Da ist immer Ruhe und auch die frechen Kinder, trauen sich nicht, aus der Reihe zu tanzen. Das ist gut für die Kinder, die ohnehin immer die Regeln befolgen. Aber es haben auch schon Kinder wegen diesem Trainer aufgehört, weil sie mit seinem Ton nicht klargekommen sind.


    In unserer F Jugend das genaue Gegenteil. Da ist der Trainer der liebe Onkel, der sich nicht durchsetzen kann. Drei vier Chaoskinder tanzen ihm durchgehend auf der Nase rum und stecken die disziplinierteren Kinder auch damit an. Kindern ärgern sich gegenseitig, es wird viel geweint. Richtiges Training ist kaum möglich. Der Trainer meckert zwar, aber das geht im Lärm unter und undiszipliniertes Verhalten hat keine Konsequenzen. Auch hier hören Kinder auf...hier aber weil sie keine Lust auf diesen Chaoshaufen haben.


    Ich würde einen Mittelweg suchen, bzw. so mache ich das mit meiner E-Jugend. Generell ganz relaxed sein, auch mal den einen oder anderen Spaß erlauben, aber mit klaren Regeln und deren Einhaltung auch einfordern, bzw. sanktionieren wenn sie nicht befolgt werden. Und das kann auch mal bedeuten, dass ein Störer dann im strengen Ton für den Rest der Übung auf die Bank verwiesen und zum zugucken verdonnert wird. Immer wieder mal ne zweite Chance geben, aber auf keinen Fall störendes Verhalten durchgehen lassen. Ich würde auch soweit gehen, richtig üble Störer (hatte ich bislang zum Glück nicht), vom Training auszuschließen, wenn wegen ihm/ihr andere Kinder keine Lust mehr auf Fußball haben.

    In der Schule liegt der Fokus ganz klar auf dem Lernen und der Spaß ist nachrangig.


    Bin mir aber nicht sicher, ob das beim Fußball genau so sein sollte. Deswegen finde ich den Vergleich mit der Schule schwierig.


    Gerade wenn ich bedenke, dass in zwei drei Jahren für die Hälfte der Mannschaft es eh vorbei ist mit Fußball, dann schwindet der Sinn der idealen Ausbildung etwas und ich finde dann immer mehr, dass sie diese Zeit, die sie noch im Fußball aktiv sind, maximal genießen sollten.

    Gestern habe ich meine E-Jugend beim Training mal sich selber coachen lassen.

    Haben ein 4gg4 gespielt und jede Mannschaft sollte sich 3 Dinge überlegen, die sie machen wollen, um das Spiel gegen die andere Mannschaft zu gewinnen.


    Beide Teams haben sich dann Dinge vorgenommen wie offene Stellung ("Arsch zur Linie"), Schulterblick, Ballführer früh stellen, viel Freilaufen und Doppelässe.
    Also gennau das, was wir in den letzten Wochen und Monaten geübt haben.


    Das heiß nicht, dass ich all das dann auch wirklich von jedem im Spiel gesehen hätte, aber das erwarte ich auch gar nicht.
    Richtig gut fand ich, dass sie sich im Spiel immer wieder an das erinnert und zugerufen haben, was sie sich vorgenommen hatten.


    Hat mir gut gefallen.

    Ich habe bei mir im Garten einen Fußballplatz mit zwei 5m Toren.
    Die standen dort bislang auch immer ohne Sicherung.
    Und wie der Zufall es so will, ist eines davon gestern bei einer starken Windböe direkt vor meinen Augen umgekippt.

    Es ist niemand zu Schaden gekommen, aber die Tore werden jetzt auf jeden Fall gesichert.

    Bei unserer D-Jugend sieht es ähnlich aus. Sehr ausgeprägtes Leistungsgefälle und zu wenig Spieler, um zwei Mannschaften zu melden. Seit Monaten wird jedes Spiel zweistellig verloren. Ich glaube, letzten Herbst gab es immerhin mal ein Untenschiden.

    Habe neulich mal ein Spiel der Mannschaft gesehen...joa...nach Spielfreude sah das dann irgendwann nicht mehr aus.


    Die drei vier starken Spieler der Mannschaft haben keinen Bock mehr auf das ständige Verlieren und wollen mit Fußball aufhören oder den Verein wechseln.


    Wenn man nur eine Mannschaft melden kann, ist das echt schwierig. Entweder verlierst du die Schwachen, weil sie zu wenig spielen oder die Starken wollen irgendwann weg, weil sie auch mal gewinnen wollen.


    Ich würde mal mit der Mannschaft sprechen und versuchen, einen gemeinsames Ziel auszuarbeiten. Ich glaube nämlich, dass manche schwächere Spieler es gar nicht soo schlimm finden, mehr auf der Bank zu sitzen als andere, wenn die Mannschaft dafür dann erfolgreicher ist. Die sind ja nicht dumm und spüren durchaus, dass sie mitunter ein Faktor für eine Niederlage sind, auch wenn es niemand ausspricht. Manche wollen diese Verantwortung überhaupt nicht.

    Oder vielleicht es ist umgekehrt und der Mannschaft ist es vor allem wichtig, dass alle spielen und vielleicht ist die schlechte Laune nach einem verlorenen Spiel gar nicht nachhaltig, sondern nur temporär.

    Vielleicht ist das hier eine (teilweise) unbeliebte Meinung, aber ich erzähle mal.

    (für den Kontext: E-Jugend Mannschaft, Dorfverein)


    Die Kinder sollen Spaß haben und optimal ausgebildet werden. In den meisten Fällen geht das ja auch miteinander einher. Aber ich stoße auch immer wieder auf Situationen, bei denen das auch mal Zielkonklikte sein können und ich mir nicht sicher bin, welcher Aspekt mehr gewichtet werden sollte.


    Beispiele, die mir dazu einfallen:

    1. In der E-Jugend sollte man den Kindern nicht das Dribbeln und die Lust auf 1gg1 Duelle abgewöhnen. Passspiel ist eine Option, aber kein Muss. Natürlich alles situationsabhängig. Nun ist es aber so, dass zu viele Alleingänge durch die stärkeren Spieler oft zu Unmut bei denjenigen führt, die zwar frei stehen, aber den Ball nicht bekommen. Hier mahne ich dann doch öfter dazu, nicht unbedingt jedes 1gg1 mitzunehmen, das sich anbietet. Nicht unbedingt, weil das erfolgsversprechender wäre, sondern einfach, damit alle mehr Spaß am Spiel haben. Auch wenn ich damit dem Dribbler ein wenig seine Entwicklung einbremse.
    2. Am liebsten möchten die Kinder zum Ende des Trainings ein klassisches Abschlussspiel machen. Ich werde öfter danach gefragt. Am liebsten 7gg7. Da haben die einfach Bock drauf. Zugunsten der besseren Ausbildung gebe ich dem Wunsch aber nur in Ausnahmefällen nach. Kompromisse sind dann 3gg3 oder 4gg4 auf zwei Feldern. Am liebsten wären ihnen vermutlich, wenn ich sie statt Training einfach nur anderthalb Stunden frei spielen lassen würde.
    3. Fair verteilte Spielzeit VS Spiele gewinnen: Der Ausgang der Spiele ist zweitrangig, wichtiger ist dass die Spielzeit der Spieler fair verteilt wird. Es sei denn, man fragt die Kinder. Zu meiner Überraschung habe ich schon öfter erlebt, dass manche lieber mehr auf die Bank wollen, um dafür vermeintlich bessere Spieler einzuwechseln und das Spiel eher zu gewinnen. Das hat sicher auch mit gefühltem Druck zu tun, wobei ich mir immer Mühe gebe, den Kindern keinem Erfolgsdruck auszusetzen und ihnen klar zu machen, dass wir das alles nur für die Freude am Spiel machen. Auch die Eltern scheinen die gleiche Philisophie zu vertreten. Aber es ist nun mal wie es ist...nach Siegen ist der Jubel groß und nach Niederlagen sind viele niedergeschlagen. Niederlagen zu verarbeiten gehört natürlich zum Reifeprozess dazu und wenn wir verlieren, dann gewinnt wenigstens die andere Mannschaft. Die Anzahl der Kinder, die sich über das Ergebnis freuen (Teamübergreifend) bleibt also in beiden Fällen gleich.
    4. Gleiches gilt für unbeliebte Positionen. Ich setze Kinder oft auf verschiedenen Positionen ein. Unter anderem auch mal auf deren schwächsten Positionen. Und das führt nicht immer zu Begeisterung. Kennt ihr sicher alle auch. Für die Ausbildung ist das in der E-Jugend wohl sinnvoll. Für den Spaß am Spiel nicht immer (gibt natürlich auch Kinder, denen die Position ziemlich egal ist). Annekdote: Wir spielen ein 2-3-1 und am unbeliebtesten ist erstaunlicherweise die Stürmerposition.


    Ich trainiere eine E-Jugend im Dorfverein. Realistischerweise muss ich annehmen, dass ein gewisser Anteil meiner Manschaft irgendwann (aus unterschiedlichen Gründen) mit Fußball wieder aufhören und nie Herrunfußball spielen wird. Das heißt, je nachdem wie früh sie aufhören, ernten sie kaum die Früchte ihrer guten Ausbildung. Ihre "Ausbildungszeit" ist gleichzeitig ihre Gesamtzeit im Fußball.

    Und bei den Beispielen zu den Zielkonflikten frage ich mich dann manchmal, ob ich manchen Kindern nicht unrecht tue, wenn ich zu sehr den Fokus auf die Ausbildung lege.


    Dazu kommt dann vielleicht sogar noch die Frage, ob das Leben besser ist, nur weil man in der Kindheit als Fußballer besser ausgebildet wurde und nun Bezirksliga statt Kreisklasse spielt. Aber diese Frage hier zu erörtern würde wohl den Rahmen sprengen und mehr ins Philosophische gehen. Das ist wohl eine andere Diskussion.


    Klar ist natürlich auch, dass besonders durch abwechslungsreiches Training in Spielformen und einem Training in entspannter Atmosphäre meistens beide Ziele (Spaß, Ausbildung) gleichermaßen erfüllt. Aber wie beschrieben...nicht ohne Ausnahmen.


    Wie geht ihr sowas an?

    Mal was anderes. Und zwar Vereinsorganisation.


    Als ich in unserem (Dorf) Verein Trainer geworden bin, hatte ich noch ein ganz anderes Bild vom Verein. Mir waren zwar keine Interna bekannt, aber nach außen wirkte das auf mich wie eine gut geölte Maschine. Dachte als Trainer kümmert man sich um die Mannschaft, ums Training und im die Spiele.


    Aber falsch gedacht.

    Irgendwie läuft gar nichts, man muss alles selber machen.

    Ohne Eigeninitiative passiert gar nichts.

    Und als Trainer muss man sich um weit mehr, als um die Belange der Mannschaft kümmern.


    Es fängt beim Spartenleiter an. Der macht den Job nur gewungenermaßen weil sich ansonsten niemand für den Posten finden ließ. Und das merkt man. Er kümmert sich um fast nichts. Und das gibt er auch offen zu. Wenn man von seinem Spartenleiter mehr erwarte, möge man sich bitte einen anderen Spartenleiter suchen. Und der Hauptverein hält sich aus allem komplett raus. Trainersitzungen werden viel zu selten abgehalten (vielleicht 3x pro Jahr), ergo kann gar nicht sauber geplant werden.


    Dann gibt es natürlich das übliche Problem des Trainermangels. Notgedrungen werden immer wieder Väter und Mütter als Trainer rekrutiert. Kennen sicher die meisten von euch. Meistens wird sich aber viel zu spät gekümmert, so dass den neuen Coaches kaum Zeit bleibt, rechtzeitig know-how für die neue Aufgabe aufzubauen. Immerhin werden die Kosten von Qualifizierungsmaßnahmen und Lizenzen vom Verein getragen. Aber ob betreffende (neu)Trainer sich qualifizieren oder nicht und welche Qualität das Training aufweist, wird in keinster Weise geprüft. Das sieht vermutlich nieman als seine Aufgabe und man hat vermutlich ohnehin Angst, Trainer durch zu kritische Beobachtung zu verlieren.

    Immerhin: Jetzt wollen wir eine regelmäßige Trainer-interne Sitzung einberufen, in der es ausschließlich um Austausch zu Trainingsinhalten gehen soll. Also quasi gegenseitige Schulung. Natürlich wieder nur auf Eigeninitiative der Trainer hin.


    Bis vor Kurzem hatten wir einen richtig guten Trainer im Verein, der den Posten des Jugendwarts übernommen hatte. Viel Erfahrung, viel Know How, hat zeitweise bei einem NLZ gearbeitet, sehr organisiert, kommunikativ, bzw. kann gut mit Menschen umgehen (sowohl mit den Kindern, als auch mit Erwachsenen). Und nicht zuletzt vor allem sehr sehr engagiert und wollte viele Verbesserungen umsetzen. Aber...das ist leider alles durch Stillstand oder gar ablehnende Haltung seitens Vereinsführung im Sande verlaufen. Die Konsequenz war dann, dass dieser Trainer sich dann lieber woanders beworben hat, wo die Arbeit vermutlich mehr Früchte trägt.


    Dazu das ewige Geldproblem. Kein Geld für Irgendwas. Viele Trainer beschaffen Materialien auf eigene Kosten. Wenn das über den Verein läuft, dauert es ewig und man muss ständig nachfrage. Ohne Nachfragen verläuft es im Sande. Oder man bekommt gleich gesagt, dass dafür kein Geld ist. Diese Hallensaison gab das Budget nur ein Hallenturnier (Startgeld) pro Mannschaft her.
    Dabei sind die Monatsbeiträge für den Verein lächerlich gering. 5€ plus 3€ Spartenzuschlag pro Monat. Jeder Handyvertrag ist teurer, jeder Streamingdienst, Fitnessstudios sowieso, etc. Ich hatte schon mal vorgeschlagen, den Beitrag mal zu erhöhen, aber da wurde direkt abgewunken.


    Letztlich wird die Sparte nur durch Engagement einzelner (damit meine ich nicht nur die Trainer. Gibt noch weitere, die ihre Wochenenden unentgeldlich und ohne dass sie Kinder im Verein haben, dem Verein widmen) zusammengehalten. Und gedankt wird's denen natürlich auch nicht (naja stimmt nicht...die Schachtel Merci-Schokolade zum Saisonende gibt es schon noch). Da brauchen jetzt nur mal zwei drei wichtige Personen die Flinte ins Korn werfen und das Kartenhaus bricht zusammen.


    Naja klar...so kleine Dorfvereine haben wohl häufig solche oder ähnliche Probleme, wo die Beteiligten ihre Arbeit quasi unentgeldlich machen. Aber das kann es doch irgendwie nicht sein.