Beiträge von Lindmann

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    In der Schule liegt der Fokus ganz klar auf dem Lernen und der Spaß ist nachrangig.


    Bin mir aber nicht sicher, ob das beim Fußball genau so sein sollte. Deswegen finde ich den Vergleich mit der Schule schwierig.


    Gerade wenn ich bedenke, dass in zwei drei Jahren für die Hälfte der Mannschaft es eh vorbei ist mit Fußball, dann schwindet der Sinn der idealen Ausbildung etwas und ich finde dann immer mehr, dass sie diese Zeit, die sie noch im Fußball aktiv sind, maximal genießen sollten.

    Gestern habe ich meine E-Jugend beim Training mal sich selber coachen lassen.

    Haben ein 4gg4 gespielt und jede Mannschaft sollte sich 3 Dinge überlegen, die sie machen wollen, um das Spiel gegen die andere Mannschaft zu gewinnen.


    Beide Teams haben sich dann Dinge vorgenommen wie offene Stellung ("Arsch zur Linie"), Schulterblick, Ballführer früh stellen, viel Freilaufen und Doppelässe.
    Also gennau das, was wir in den letzten Wochen und Monaten geübt haben.


    Das heiß nicht, dass ich all das dann auch wirklich von jedem im Spiel gesehen hätte, aber das erwarte ich auch gar nicht.
    Richtig gut fand ich, dass sie sich im Spiel immer wieder an das erinnert und zugerufen haben, was sie sich vorgenommen hatten.


    Hat mir gut gefallen.

    Ich habe bei mir im Garten einen Fußballplatz mit zwei 5m Toren.
    Die standen dort bislang auch immer ohne Sicherung.
    Und wie der Zufall es so will, ist eines davon gestern bei einer starken Windböe direkt vor meinen Augen umgekippt.

    Es ist niemand zu Schaden gekommen, aber die Tore werden jetzt auf jeden Fall gesichert.

    Bei unserer D-Jugend sieht es ähnlich aus. Sehr ausgeprägtes Leistungsgefälle und zu wenig Spieler, um zwei Mannschaften zu melden. Seit Monaten wird jedes Spiel zweistellig verloren. Ich glaube, letzten Herbst gab es immerhin mal ein Untenschiden.

    Habe neulich mal ein Spiel der Mannschaft gesehen...joa...nach Spielfreude sah das dann irgendwann nicht mehr aus.


    Die drei vier starken Spieler der Mannschaft haben keinen Bock mehr auf das ständige Verlieren und wollen mit Fußball aufhören oder den Verein wechseln.


    Wenn man nur eine Mannschaft melden kann, ist das echt schwierig. Entweder verlierst du die Schwachen, weil sie zu wenig spielen oder die Starken wollen irgendwann weg, weil sie auch mal gewinnen wollen.


    Ich würde mal mit der Mannschaft sprechen und versuchen, einen gemeinsames Ziel auszuarbeiten. Ich glaube nämlich, dass manche schwächere Spieler es gar nicht soo schlimm finden, mehr auf der Bank zu sitzen als andere, wenn die Mannschaft dafür dann erfolgreicher ist. Die sind ja nicht dumm und spüren durchaus, dass sie mitunter ein Faktor für eine Niederlage sind, auch wenn es niemand ausspricht. Manche wollen diese Verantwortung überhaupt nicht.

    Oder vielleicht es ist umgekehrt und der Mannschaft ist es vor allem wichtig, dass alle spielen und vielleicht ist die schlechte Laune nach einem verlorenen Spiel gar nicht nachhaltig, sondern nur temporär.

    Vielleicht ist das hier eine (teilweise) unbeliebte Meinung, aber ich erzähle mal.

    (für den Kontext: E-Jugend Mannschaft, Dorfverein)


    Die Kinder sollen Spaß haben und optimal ausgebildet werden. In den meisten Fällen geht das ja auch miteinander einher. Aber ich stoße auch immer wieder auf Situationen, bei denen das auch mal Zielkonklikte sein können und ich mir nicht sicher bin, welcher Aspekt mehr gewichtet werden sollte.


    Beispiele, die mir dazu einfallen:

    1. In der E-Jugend sollte man den Kindern nicht das Dribbeln und die Lust auf 1gg1 Duelle abgewöhnen. Passspiel ist eine Option, aber kein Muss. Natürlich alles situationsabhängig. Nun ist es aber so, dass zu viele Alleingänge durch die stärkeren Spieler oft zu Unmut bei denjenigen führt, die zwar frei stehen, aber den Ball nicht bekommen. Hier mahne ich dann doch öfter dazu, nicht unbedingt jedes 1gg1 mitzunehmen, das sich anbietet. Nicht unbedingt, weil das erfolgsversprechender wäre, sondern einfach, damit alle mehr Spaß am Spiel haben. Auch wenn ich damit dem Dribbler ein wenig seine Entwicklung einbremse.
    2. Am liebsten möchten die Kinder zum Ende des Trainings ein klassisches Abschlussspiel machen. Ich werde öfter danach gefragt. Am liebsten 7gg7. Da haben die einfach Bock drauf. Zugunsten der besseren Ausbildung gebe ich dem Wunsch aber nur in Ausnahmefällen nach. Kompromisse sind dann 3gg3 oder 4gg4 auf zwei Feldern. Am liebsten wären ihnen vermutlich, wenn ich sie statt Training einfach nur anderthalb Stunden frei spielen lassen würde.
    3. Fair verteilte Spielzeit VS Spiele gewinnen: Der Ausgang der Spiele ist zweitrangig, wichtiger ist dass die Spielzeit der Spieler fair verteilt wird. Es sei denn, man fragt die Kinder. Zu meiner Überraschung habe ich schon öfter erlebt, dass manche lieber mehr auf die Bank wollen, um dafür vermeintlich bessere Spieler einzuwechseln und das Spiel eher zu gewinnen. Das hat sicher auch mit gefühltem Druck zu tun, wobei ich mir immer Mühe gebe, den Kindern keinem Erfolgsdruck auszusetzen und ihnen klar zu machen, dass wir das alles nur für die Freude am Spiel machen. Auch die Eltern scheinen die gleiche Philisophie zu vertreten. Aber es ist nun mal wie es ist...nach Siegen ist der Jubel groß und nach Niederlagen sind viele niedergeschlagen. Niederlagen zu verarbeiten gehört natürlich zum Reifeprozess dazu und wenn wir verlieren, dann gewinnt wenigstens die andere Mannschaft. Die Anzahl der Kinder, die sich über das Ergebnis freuen (Teamübergreifend) bleibt also in beiden Fällen gleich.
    4. Gleiches gilt für unbeliebte Positionen. Ich setze Kinder oft auf verschiedenen Positionen ein. Unter anderem auch mal auf deren schwächsten Positionen. Und das führt nicht immer zu Begeisterung. Kennt ihr sicher alle auch. Für die Ausbildung ist das in der E-Jugend wohl sinnvoll. Für den Spaß am Spiel nicht immer (gibt natürlich auch Kinder, denen die Position ziemlich egal ist). Annekdote: Wir spielen ein 2-3-1 und am unbeliebtesten ist erstaunlicherweise die Stürmerposition.


    Ich trainiere eine E-Jugend im Dorfverein. Realistischerweise muss ich annehmen, dass ein gewisser Anteil meiner Manschaft irgendwann (aus unterschiedlichen Gründen) mit Fußball wieder aufhören und nie Herrunfußball spielen wird. Das heißt, je nachdem wie früh sie aufhören, ernten sie kaum die Früchte ihrer guten Ausbildung. Ihre "Ausbildungszeit" ist gleichzeitig ihre Gesamtzeit im Fußball.

    Und bei den Beispielen zu den Zielkonflikten frage ich mich dann manchmal, ob ich manchen Kindern nicht unrecht tue, wenn ich zu sehr den Fokus auf die Ausbildung lege.


    Dazu kommt dann vielleicht sogar noch die Frage, ob das Leben besser ist, nur weil man in der Kindheit als Fußballer besser ausgebildet wurde und nun Bezirksliga statt Kreisklasse spielt. Aber diese Frage hier zu erörtern würde wohl den Rahmen sprengen und mehr ins Philosophische gehen. Das ist wohl eine andere Diskussion.


    Klar ist natürlich auch, dass besonders durch abwechslungsreiches Training in Spielformen und einem Training in entspannter Atmosphäre meistens beide Ziele (Spaß, Ausbildung) gleichermaßen erfüllt. Aber wie beschrieben...nicht ohne Ausnahmen.


    Wie geht ihr sowas an?

    Mal was anderes. Und zwar Vereinsorganisation.


    Als ich in unserem (Dorf) Verein Trainer geworden bin, hatte ich noch ein ganz anderes Bild vom Verein. Mir waren zwar keine Interna bekannt, aber nach außen wirkte das auf mich wie eine gut geölte Maschine. Dachte als Trainer kümmert man sich um die Mannschaft, ums Training und im die Spiele.


    Aber falsch gedacht.

    Irgendwie läuft gar nichts, man muss alles selber machen.

    Ohne Eigeninitiative passiert gar nichts.

    Und als Trainer muss man sich um weit mehr, als um die Belange der Mannschaft kümmern.


    Es fängt beim Spartenleiter an. Der macht den Job nur gewungenermaßen weil sich ansonsten niemand für den Posten finden ließ. Und das merkt man. Er kümmert sich um fast nichts. Und das gibt er auch offen zu. Wenn man von seinem Spartenleiter mehr erwarte, möge man sich bitte einen anderen Spartenleiter suchen. Und der Hauptverein hält sich aus allem komplett raus. Trainersitzungen werden viel zu selten abgehalten (vielleicht 3x pro Jahr), ergo kann gar nicht sauber geplant werden.


    Dann gibt es natürlich das übliche Problem des Trainermangels. Notgedrungen werden immer wieder Väter und Mütter als Trainer rekrutiert. Kennen sicher die meisten von euch. Meistens wird sich aber viel zu spät gekümmert, so dass den neuen Coaches kaum Zeit bleibt, rechtzeitig know-how für die neue Aufgabe aufzubauen. Immerhin werden die Kosten von Qualifizierungsmaßnahmen und Lizenzen vom Verein getragen. Aber ob betreffende (neu)Trainer sich qualifizieren oder nicht und welche Qualität das Training aufweist, wird in keinster Weise geprüft. Das sieht vermutlich nieman als seine Aufgabe und man hat vermutlich ohnehin Angst, Trainer durch zu kritische Beobachtung zu verlieren.

    Immerhin: Jetzt wollen wir eine regelmäßige Trainer-interne Sitzung einberufen, in der es ausschließlich um Austausch zu Trainingsinhalten gehen soll. Also quasi gegenseitige Schulung. Natürlich wieder nur auf Eigeninitiative der Trainer hin.


    Bis vor Kurzem hatten wir einen richtig guten Trainer im Verein, der den Posten des Jugendwarts übernommen hatte. Viel Erfahrung, viel Know How, hat zeitweise bei einem NLZ gearbeitet, sehr organisiert, kommunikativ, bzw. kann gut mit Menschen umgehen (sowohl mit den Kindern, als auch mit Erwachsenen). Und nicht zuletzt vor allem sehr sehr engagiert und wollte viele Verbesserungen umsetzen. Aber...das ist leider alles durch Stillstand oder gar ablehnende Haltung seitens Vereinsführung im Sande verlaufen. Die Konsequenz war dann, dass dieser Trainer sich dann lieber woanders beworben hat, wo die Arbeit vermutlich mehr Früchte trägt.


    Dazu das ewige Geldproblem. Kein Geld für Irgendwas. Viele Trainer beschaffen Materialien auf eigene Kosten. Wenn das über den Verein läuft, dauert es ewig und man muss ständig nachfrage. Ohne Nachfragen verläuft es im Sande. Oder man bekommt gleich gesagt, dass dafür kein Geld ist. Diese Hallensaison gab das Budget nur ein Hallenturnier (Startgeld) pro Mannschaft her.
    Dabei sind die Monatsbeiträge für den Verein lächerlich gering. 5€ plus 3€ Spartenzuschlag pro Monat. Jeder Handyvertrag ist teurer, jeder Streamingdienst, Fitnessstudios sowieso, etc. Ich hatte schon mal vorgeschlagen, den Beitrag mal zu erhöhen, aber da wurde direkt abgewunken.


    Letztlich wird die Sparte nur durch Engagement einzelner (damit meine ich nicht nur die Trainer. Gibt noch weitere, die ihre Wochenenden unentgeldlich und ohne dass sie Kinder im Verein haben, dem Verein widmen) zusammengehalten. Und gedankt wird's denen natürlich auch nicht (naja stimmt nicht...die Schachtel Merci-Schokolade zum Saisonende gibt es schon noch). Da brauchen jetzt nur mal zwei drei wichtige Personen die Flinte ins Korn werfen und das Kartenhaus bricht zusammen.


    Naja klar...so kleine Dorfvereine haben wohl häufig solche oder ähnliche Probleme, wo die Beteiligten ihre Arbeit quasi unentgeldlich machen. Aber das kann es doch irgendwie nicht sein.

    Die Vorgehensweise des kompletten Durchwechselns macht nur Sinn, wenn du das konsequent in allen Wettbewerben durchziehst.

    Draußen, wenn die Spiele 2x25 Minuten dauern, ist das durchwechseln ja auch überhaupt kein Problem. Da kann ich auch in aller Ruhe überlegen, wie ich wechsel.


    In der Halle hatten wir 1x10 Minuten. Zwei mal geblinzelt und das Spiel ist schon halb rum. Da muss man sich ohnehin ziemlich ranhalten, um den Wechselzeitpunkt nicht zu verpassen.

    Heute ärgere ich mich über mich selber.

    Gestern waren wir in der Vorrunde der Hallenkreismeisterschaft und wir hatten gute Chancen aufs Weiterkommen.

    Ich hatte 8 Kinder mitgenommen, also 3 Auswechselspieler.


    Einige Spiele waren sehr knapp. Also lange unentschieden und das Siegtor lag quasi schon in der Luft.

    Und irgendwann hab ich mich dabei erwischt, dass ich eigentlich zu wenig durchwechsel. Die beiden besten Spieler des Teams waren tatsächlich nur selten auf der Bank. Und gegen die stärkeren Teams standen auch meistens unsere stärktsten Spieler in der Startaufstellung. Der Grund war klar...irgendwie wollte ich unsere Siegchanchen nicht schmälern...gerade wenn es so knapp war.


    Hab mich da dann schon ein bisschen geärgert und in der Zwickmühle gefühlt. Vor dem letzten Spiel hat ein Spielervater sogar angemerkt, dass wir heute ja deutlich weniger durchwechseln als sonst. Er hatte natürlich recht und daher hab ich im letzten Spiel dann unseren besten Spieler auf der Bank gelassen. Der Vater war dann zufrieden. Dafür sind wir dann aber nicht weitergekommen und meine Spieler gefrustet. Allen gerecht machen kann es natürlich ohnehin nie.


    Heute ärger ich mich über die gewinnorientierte Herangehensweise von gestern.

    Reine Koordinationsübungen finden meine Jungs immer ziemlich langweilig.

    Deshalb habe ich sowas hin und wieder in andere Übungen eingebaut, wie zum Beispiel:


    Hütchenparcours auf 2gg1: Ballführer muss erst durch einen kurzen Hütchenparcours dribbeln, bevor es in 2gg1 geht. So beginnt das 2gg1 auch direkt aus der Dynamik heraus und nicht statisch geordnet vom Startpunkt.


    Oder halt sowas wie: Auf dem Rückweg einer Übung zum Startpunkt liegt eine Korrdinationsleiter, die die man auf dem Rückweg durch muss.

    Ich hab damals als Co-Trainer angefangen.

    Ohne Vorbildung als Trainer, nur als Fußballer.


    Also:

    - beim Training als Assistent mitwirken, Übungen nach Anweisung aufbauen, teilweise selber coachen
    - als (alleiniger) Coach der zweiten Mannschaft zu den Spielen fahren


    Das Training als Co-Trainer hat mir viel gebracht. Der Cheftrainer und der andere (sehr erfahrene) Co-Trainer haben mir sehr viel erklärt und mich an die Hand genommen. Zum einen sehr viel über die grundsätzliche Herangehensweise/Philosphie. Zum anderen viel zu den Übungen erklärt.


    Das Coachen bei den Spielen fiel mir anfangs recht schwer und ich hab da auch durchaus Fehler gemacht. Habe nach ein paar Monaten aber dann die Lehren aus den Trainings auch ins Coaching einfließen lassen können und dann wurde es besser.


    In meiner zweiten Saison dann als Cheftrainer eine Mannschaft übernommen. Hier war der Schritt für mich am größten, bzw. die Lernkurve für mich am steilsten. Hier musste (bzw. wollte) ich Wochen und Monate vor der Mannschaftsübernahme erstmal viel know-how aufbauen.


    Alles in allem finde ich das einen guten Einstieg.
    Wenn man selbstbewusst genug ist und starker Autodidakt mit viel Eigeninitative ist, kann man vielleicht auch direkt einsteigen, ohne den Co-Trainer Job.

    Davon ab, helfen zu viele "unbedeutene" Regeln, samt Sanktionen so gar nicht dabei, dass sich Kinder an die wichtigen Regeln halten.

    Letzteres ist mir das wichtige und das gelingt mir, indem ich auch mal 5e grade sein lasse, jedes Kind er selbst sein lasse. Und da kann man trotzdem sagen, dass man das nicht toll findet.


    So sehe ich das auch. Nicht nur in der Fußballmannschaft, sondern bei Kindeserziehung im allgemeinen.


    Es gibt viele Eltern, da wird jeder Wimpernschlag kommentiert. Tu dies nicht, tu das nicht.

    Bei solch einer Inflation an Maßregelungen hat jede einzelne dann gar kein Gewicht mehr.

    Das ist dann ein Gemecker-Grundrauschen, das links rein, rechts raus geht.

    Das kenn ich aus eigener Erfahrung, denn genau so wurde ich damals erzogen.


    Ein Trainerkollege von mir betreut eine F-Jugend. Sein Training ist eine anderthalbstündige Ermahnungs-Tirade. Niemand hört noch auf irgendwas, was er sagt.


    Deswegen versuch ich mich auf das zu bechränken, was wirklich wichtig ist.

    Wenn Verletzungsgefahr besteht oder der Lärmpegel ein gewisses Maß überschreitet.

    Oder bei Kaspereien wärhend der Erklärungen oder Übungen.


    Harmlose Albernheiten zwischen Spielen lass ich unkommentiert laufen, solange sie nicht aus dem Ruder laufen.

    Auf der anderen Seite wollen wir ja Emotionen. Naja schwierig.

    Emotionen meinetwegen gerne. Aber das muss sich doch nicht in krachendem Gewitterjubel bei jedem beschissenen Tor wiederspiegeln. Vor allem weil das auch nicht die Hallenkreismeisterschaft war, sondern einfach nur ein x-beliebiges E-Jugend Turnier eines benachbarten Vereins, wo es die hunderste Medaille für die Sammlung und für die ersten Plätze noch nen billigen Baumarktpokal zu gewinnen gab.

    Und ich habe mir gestern bei einem Turnier gedacht, dass ich wirklich nich böse drum wäre, wenn man diese Druckluft-Fanfaren im Jugendfußball untersagen würde.


    Die Eltern aller Teams haben im ganz normalen Rahmen gejubelt und angefeuert. Nur eine Mannschaft stach raus. Deren Eltern hatten mehrere dieser Druckluft Fanfaren dabei. Und bei jedem Tor, bei jeder gelungenen Aktion und bei jedem Abpfiff (sofern das Ergebis zusagte) wurde tierisch laut getrötet. In der Halle ist es ohnehin schon sehr laut...selbst ohne die Tröten. Dazu kommt noch diese dämliche (und ebenfalls unnötig laute) Tormusik aus den PA Lautsprechern und der sonstige Jubel. Da zucken die Spieler jedes Mal zusammen.


    Einer meiner Spieler ist bei sowas recht sensibel. Zum einen bei Gegentoren immer etwas zu emotional und vor allem sehr Lärmempfindlich. Der hat sich im Spiel (und auch bei Spielen anderer Teams, als wir auf der Tribühne saßen) mehrfach die Ohren zugehalten und angefangen zu weinen.


    Immerhin haben die die Tröten dann eingepackt, als wir die Eltern darauf hingewiesen haben. Insofern waren es keine Arschlöcher. Dennoch finde ich, hat sowas im Jugendfußball nichts zu suchen und Vereine, deren Eltern sowas mit zu den Spielen bringen, sollten von sich aus aktiv werden und die Eltern bitten, sowas zu Hause zu lassen. Oder halt alternativ auch einfach vom Verband aus verbieten.

    Sind es wirklich alles Kinder, die eigentlich gar nicht kicken wollen, aber sie sollen halt irgendeinen Sport machen? Dann hätte ich da als Trainer auch keinen Bock drauf. Oder liegt der Grund vielleicht auch bei anderen Dingen? Beim Training, beim "immer zu den schlechten gehören"...

    Ist wild gemixt. Von allem was dabei. Also ein paar Kinder, die zwar Bock haben auf Fußball, aber auch nach mehreren Jahren immernoch keinerlei Ballgefühl haben. Ein paar Kinder, die halbwegs Fußballspielen können, aber denen 10 Minuten vor dem Trainig einfällt, dass sie heute mehr Lust auf Playstation haben. Ein paar Kinder, die Fußball nicht so gerne mögen, aber von den Eltern -mehr oder weniger- gezwungen weden. Ein paar Kinder, die zwar gerne Fußballspielen, aber keinen Bock auf Übungen haben und deswegen lieber Witze reißen, stören oder andere Kinder ärgern.

    Usw usw...ihr kennt bestimmt all diese Spielertypen.


    Spontane Idee: Könntest du bei euch mal ein Training mit den schwächeren E-Jugend-Spielern oder mit der jetzigen D2 machen? Quasi als Test.

    Die schwächeren E Spieler hab ich schon öfter Trainiert, weil wir hin und wieder auch mal gemischte Trainingsgruppen (aus E1 und E2) machen. Sind mir daher nicht ganz unbekannt.


    Den Jüngeren D Jahrgang hab ich letztes Jahr auch schon mal vertretungsweise trainiert.


    Es ist auch nicht so, dass ich mit gelegenlichen Motivationsdurchhängern einzelner Kinder nicht leben könnte. Auch die Spieler meiner intrensisch motivierten E1 haben mal Tage wo sie weniger Bock haben. Da verlier ich auch nicht gleich die Lust. Ich fürchte mich eher so davor, dass mir die Erkenntnis nach ein paar Monaten kommt und ich dann realisiere dass es mir keinen Spaß mehr bringt.

    Ja...das wäre auch so meine Hoffnung, dass meine Motivation sich dann eher aus dem Ziel generiert, einen Hühnerhaufen in eine halbwegs funktionale Fußballmannschaft zu formen.


    Bei uns im Verein hatten wir in den letzen Jahren auch Trainer, die resigniert sind. Hatten keinen Bock mehr auf pubertierende, unmotivierte Spieler und den Auseinandersetzungen, die daraus gefolgt sind. Die haben dann irgendwann im Training nur noch einen Ball hingeworfen und gesagt "macht zwei Mannschaften und kickt". So lange, bis sich irgendjemand hat breitschlagen lassen, als Interimstrainer bis zum Saisonende einzuspringen.


    Glaub, soweit würde es bei mir nicht kommen. Aber man will sich selber ja auch nicht zwei mal die Woche zum Training und am Wochenende zum Spiel aufraffen müssen.

    Warum kannst du dann die D1 nicht übernehmen wo ggfls viele deiner E1 Kinder spielen ?

    Denkbar wäre es schon, aber es sprechen zwei Punkte dagegen.


    Erster Punkt ist, dass der andere Trainer derzeit die aktuelle D trainiert und die zukünftige D1 auch zum Teil aus seiner aktuellen Mannschaft bestehen wird.

    Und zweiter Punkt, dass der Sohn des anderen Trainers in der D1 spielen wird.

    Wird also unwahrscheinlich, dass der andere Trainer eine andere Mannschaft, als die D1 übernehmen wird.


    Ich könnte auch gut damit Leben, ein Jahr zu pausieren und nächstes Jahr meine aktuelle E1 dann als die D1 weiterzuführen. Aber daür müsste dann ja woanders ein Trainer frei werden. Mal abwarten, was sich da so entwickelt.

    Nein, die künftige D1 wird sich aus dem älteren Jahrgang der jetzigen E1 und dem jüngeren Jahrgang der jetzigen D1 zusammensetzen.


    Die D2 entsprechend aus dem älteren Jahrgang der jetzigen E2 und dem jüngeren Jahrgang der jetzigen D2.

    Eine Frage habe ich nicht gestellt. Muss man hier immer eine Frage stellen?


    Nee, die sind nicht nach Alter in D1 / D2 getrennt, sondern nach Spielstärke.

    Von meinen jetzigen E1 Spielern werde ich in der D dann keinen mehr haben.


    Naja...ist alles auch noch nicht final beschlossen. Theoretisch wäre auch eine Trennung nach Jahrgang denkbar, aber halte ich das für nachteilhaft für die Ausbildung der Kinder.

    Ist jetzt wohl der falsche Thread. Nicht Frustabbau, sondern eher ich-hoffe-ihr-könnt-mir-die-Sorge-nehmen Thread.

    Weil ich habe grad den "Fehlende Erfolgserlebnisse & Umgang mit sehr schwachem Team"-Thread gelesen.


    Aktuell trainiere ich unsere recht spielstarke E1. Das sind nicht nur unsere besten Kicker, sondern auch die motiviertesten. Die Trainingsbeteiligung ist super gut und bei den Spielen sind auch immer alle da. Die Eltern sehen das Training nicht als kostenlose Kinderbetreuung. Die Kids haben Bock auf besser werden und machen die Übungen super mit. Keine Kaspereien, keine Streitigkeiten.


    Nächste Saison wird sich das wohl ändern, weil ich aller Wahrscheinlichkeit nach die D2 (gibt nur D1 und D2) übernehmen werde. Und da sieht es entsprechend anders aus. Ich kenne die Spieler aus der jetzigen E2 bzw. der jetzigen D.

    Spieler und Spielerinnen mit wenig Entwicklung über die Jahre, Trainingsbeteiligung unregelmäßig, im Training wird viel rumgealbert, manchen von denen ist es auch völlig egal, ob sie was dazulernen oder nicht. Manche von denen spielen auch gar nicht so gerne Fußball, aber ihre Eltern sagen dass sie wenigstens einen Sport machen müssen.


    Im Moment mit der E1 ist das das alles noch ein Selbstgänger, weil es einfach Spaß macht, Kinder zu trainieren, die Bock haben und wo ich beochachten kann, wie die Kinder besser werden.

    Ich bin mir leider nicht sicher, ob ich meine Motivation als Trainer der D2 so ein Jahr lang aufrecht erhalten kann.

    Wenn dann muss ich es aber auch durchziehen. Ich will keiner sein, der Mitte der Saison aufgibt und die Mannschaft im Stich lässt. Deswegen will ich mich im Vorfeld nicht selbst belügen, gerade weil ich mich kenne und weiß, dass meine Motivation bei sowas schnell einknicken kann.


    Eigentlich eher schlechte Vorraussetzungen, wird mir beim Schreiben grad bewusst. Glaub ich bin da eher ein ungeeigneter Trainer. Bei der nächsten Trainersitzung werde ich wohl mal die Alternativen abchecken. Gibt ja Trainer, die da weniger Probleme mit sowas haben. Nur leider ist unser Verein auch nicht gerade von einem Überschuss an Trainern geprägt...