Beiträge von let1612

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    „Wir glauben nicht an Gewicht und Körpergröße, sondern an gute Technik, Bewegungen und kognitive Fähigkeiten“, sagt Daerden.

    Quelle: tagesspiegel.de: Warum der belgische Fußball so stark ist (27.06.2021) - im Artikel sind noch ein paar andere interessante Punkte erwähnt.

    Wenn man aus allen Vereinen in der D die drei oder vier Besten über ein wöchentliches Fördertraining fördern und vorallem kennenlernen (Stärken/Schwächen) würde, dann würde man doch die Selektionsbasis signifikant verbessern, oder nicht?

    Man würde die Anzahl der Geförderten erhöhen. Man würde wahrscheinlich die Qualität der Basis erhöhen. Ob man allerdings die Qualität der Besten damit verbessert, mag ich bezweifeln. Und wenn ich begrenzte Ressourcen habe (Trainer, Infrastruktur, Geld usw.), müssen die in die Besten fließen und nicht in die breite Masse.


    Auch im Schulsystem leben die Nachhilfeinstitute sehr gut - meistens jedoch nicht von den Besten. Und so ist es beim Fußball auch.


    Und nochmals, nur weil ich zu den 3-4 besten in meinem Verein in der D-Jugend zähle, bin ich noch lange kein Talent und in einem anderen Verein würde ich in der 2. Mannschaft oder als Nummer 12-16 geführt.

    Goodie : ich sehe die JFGs oder JSGs als kein Erfolgsmodell an - und da haben wir oft, dass in der 1. Jugend-Mannschaft die 3-5 besten aus drei oder mehr Vereinen zusammen spielen. Von Talent würde ich da oft nicht sprechen.


    beobachter_1000 : ich gebe dir Recht. Viele gute Spieler entwickeln sich in den kleinen Vereinen besser als in größeren - sie müssen mehr Verantwortung übernehmen, können sich nicht verstecken, "Alibi-Pässe" helfen dem Team nicht weiter usw.


    Die Form der Pyramide wird immer wieder hergenommen, um eine Spitze/Elite herauszuarbeiten. Ich glaube nicht unbedingt, dass dies die optimale Form ist. Im Schulsystem haben wir uns davon weit entfernt (kaum einer geht noch auf die Hauptschule/Mittelschule). Man hat alle angehoben. Dadurch wurde die Elite allerdings nicht besser. Wenn ich im Fußball alle anhebe, glaube ich auch nicht, dass die Elite besser wird - ich habe oben wahrscheinlich nur mehr Breite, aber keine höhere Spitze.

    Ich bin der Meinung, dass sich die "richtigen" Talente auch heute schon durchsetzen und es spätestens ab der C-Jugend keine Spieler mehr gibt, die nicht schon beurteilt wurden. Die Problematik für die Entwicklung im Fußball sehe ich hier:

    Es wird hier nur über die Selektion diskutiert.

    Das negiert völlig den Effekt von Training.

    Ich glaube eben, dass im Ausbildungsprozess, in der Trainingsarbeit viel mehr Potential zur Verbesserung ist.

    Ich hatte oben Angst, dass die Aussage sich nur auf Innenverteidiger und Mittelstürmer unterhalb der C-Jugend bezieht - ich bin allerdings der Meinung, dass alle Spieler bis zu ihrem körperlichen Entwicklungsende (B- bzw. A-Jugend) für alle Positionen trainiert werden sollten und diese Erfahrungen auch sammeln dürfen.


    Der Trainingsansatz Koordination in allen seinen Ausprägungen zu trainieren, steht z.B. bei mir vor den fußballspezifischen Techniken, weil die Koordination die Grundlage für die Techniken ist. Und ja, da sehe ich auf den Sportplätzen sehr wenig und wenn dann sehe ich es sehr einseitig. Und die Koordination ist für mich auch positionsunabhängig auszubilden.


    Auch das oben erwähnte Beispiel mit dem Torabschluss kann ich bestätigen. Wann wird Kindern die Möglichkeit gegeben mit dem Rücken zum Tor, von der Seite, mit unterschiedlichen Voraktionen (Assist), im Strafraum (Nähe zum Tor), unter Gegner und Zeitdruck, gezielt sowie mit mehreren Einflussfaktoren einen Torschuss im Training auszuführen bzw. zu üben? Und auch das sehe ich unabhängig von der Spielposition, weil der kleine, schnelle Außenstürmer in der E-Jugend kann in der B-Jugend der große Innenverteidiger sein. Falls jemand zum Torschuss Anregungen haben möchte, stelle ich hier einen Auszug aus unserem Feriencamp zum Thema Torschuss zur Verfügung (über weitere Anregungen würde ich mich freuen).

    Ich finde zB, dass die Position IV und Mittelstürmer bzw. die spezifischen Fertigkeiten dafür unzureichend ausgebildet werden. Ganz besonders unterhalb der C-Jugend. Aber vor allem in der Zrainingsgestaltung

    Um welche Fertigkeiten geht es dir dabei? Und welche andere Trainingsgestaltung würdest du dir für diese Positionen wünschen?

    Was ich bei der Diskussion interessant fand, war dass sie sich in Richtung Körpergröße entwickelt hat - das ist das einzige, dass durch Training nicht beeinflussbar ist (und Hormone zu geben ist bei uns zum Glück noch ein Tabu).

    Alles andere kann durch den Trainer und Spieler beeinflusst werden - Technik, Spielintelligenz, Gewicht/Kraft usw. -> allerdings natürlich alles zu seiner Zeit (siehe Goretzka sogar nach ein paar Profijahren).

    Und da sollte man auf jeden einzelnen Spieler individuell eingehen und so viele wie möglich Fakten/Erkenntnisse sammeln und dem Spieler so viele Erfahrungen wie möglich erleben lassen. Gerade im Alter von 12-16 Jahre (Stützpunktalter) dürfen hier nicht die aktuellen körperlichen Voraussetzungen auf die spätere (Fußball)Karriere projieziert werden. Die einen Voraussetzungen können sich noch ändern (der größte 13 jährige kann mit 17 zu den kleineren bzw. mittleren gehören und anders herum der kleine 12 jährige kann mit 18 der große Innenverteidiger sein) und die anderen Voraussetzungen können trainiert/beeinflusst werden (Technik, Spielübersicht, Kreativität, Gewicht, Kraft usw.). Das wird aus meiner Sicht nicht nur in den Stützpunkten, sondern auch in den Vereinen viel zu wenig berücksichtigt und die Spieler bereits in jungen Jahren auf eine Position festgelegt und hierfür auch trainiert (bzw. sammelt nur dort Erfahrungen im Spielbetrieb).

    Schade das Roberto Mancini hier im Forum nicht aktiv ist ;)

    Offensive Reihe: Chiesa (1,75), Immobile (1,85), Insigne (1,63)

    Mittelfeld: Barella (1,72), Jorginho (1,80), Verratti (1,65)

    Abwehr: Di Lorenzo (1,83), Bonucci (1,90), Chiellini (1,87), Emerson (1,76)

    Tor: Donnarumma (1,96)


    Er müsste nämlich feststellen, dass seine Mannschaft "zu klein" ist und "die Großen" (Bonucci und Chiellini) zu langsam. :)

    Hier mal ein paar Zitate von Bernhard Peters nach dem Abschneiden der deutschen Teams bei Olympia:

    "Generell tun wir uns mit der Entwicklung im Hochleistungsbereich schwer, weil die Stufen darunter, der Kinder-, Aufbau- und Leistungsbereich, nicht systematisch ausgebildet werden. Die natürliche Umsetzung des freien Spielens ist für die Kinder nicht mehr gegeben."

    "Der Fußball wiederum macht aus diesem Zulauf zu wenig, wie die letzten Jahre gezeigt haben. Hier fehlt es seit fast zehn Jahren an der richtigen Entwicklung."

    "Ich glaube auch, dass wir in vielen Ballsportarten verpasst haben, flächendeckend gute Kindertrainer auszubilden, die angepasst an kindgerechte Bedürfnisse mit guten pädagogischem Können Spielfähigkeit aufbauen können."

    "Ich habe in allen Spielsportarten im technischen, im taktischen, kreativen und kognitiven Bereich Mängel gesehen, auch bei der Körperlichkeit und den Willenseigenschaften waren andere Länder stärker."

    "Dazu braucht es aber andere Strukturen: Verbände und Vereine, die im Tagesgeschäft versinken, werden das nicht mehr leisten. Wir brauchen Verbesserungen systematisch und inhaltlich in den Spielsportarten."

    Quelle: sportschau.de


    Ich frage mich auch oft: haben die Stützpunkte bzw. die Stützpunkttrainer ein wirkliches Interesse an den Kindern und derer fußballerischen Zukunft? Falls sie das haben, muss aus meiner Sicht mehr als das heutige Leistungsvermögen in die Beurteilung einfließen -> dann sind wir bei Talentkriterien.

    open-minded : dann hat bei dir der Masterplan wohl nicht die beabsichtigte Wirkung erzielt - woran machst du das fest?


    Ich finde z.B. den Ansatzpunkt

    "Unser Ziel ist es, Vereine in der Entwicklung zukunftsfähiger Wettbewerbs- und Freizeit-Fußball-Angebote zu fördern."

    sehr interessant.

    Konkretisiert wird das auf Seite 16 und 17 mit:

    Spielformen im Kinderfußball und Tag des Mädchenfußball

    => 2 Themen, die auch hier immer wieder zu vielen Diskussionen führen


    Interessant finde ich das, weil den Vereinen keine 100% Lösungen serviert werden und sie am Prozess beteiligt werden (bzw. sie sich am Prozess beteiligen müssen). Und diesen Prozess finde ich sehr interessant (auch hier in den Diskussionen). Wer bringt sich ein, wer setzt was und wie um, wer schaut es sich vom Rand an und wer steht außen und meckert nur? Wem wäre es lieber, dass sich nichts ändert und wer will nur etwas auf Befehl umsetzen?


    Weiterhin ist der Prozess auch in den Verbänden sehr interessant zu beobachten.

    Bin gerade drüben bei facebook über einen Link gestolpert. Sollte das Live Scouting zur Normalität werden (wie es heute schon Fußballcamps und Förder-/Einzeltraining sind), dann wird es zukünftig wahrscheinlich noch mehr Wechsel geben - und ich gehe davon aus, dass Vereine daran nicht mit beteiligt/entschädigt werden (vielleicht höchstens, wenn man ihre Sportplätze benötigt). Und ob das "alles für das Kind/Jugendlicher" noch das Motto sein kann, bezweifel ich auch sehr stark.

    "Die Europameisterschaft hat viele Tore und einige interessante taktische Entwicklungen hervorgebracht. Während einige "Trends", wie die Fokussierung auf die "Goldenen Zone" und die "Assist Zone" nur eine Fortführung von bereits bekannten Entwicklungen waren, ist vor allem die "neue" taktische Rolle der Außen- und Flügelverteidiger eine Entdeckung dieser EM. Sie sind nicht mehr nur primär als Vorbereiter, sondern zunehmend auch als Abschlussspieler in Erscheinung getreten."

    Quelle mit Bildern - dfb-akademie.de