Hallöchen,
erstmal Danke für alle antworten. Mit solch einer Reaktion habe ich nicht gerechnet.
Das zeigt aber wohl leider recht deutlich das es ein allgemeines Problem ist. Das man als Trainer eh immer am Rade des Kollaps steht ist ja nichts neues, aber spätestens seit dem Herzinfakt von Ottmar Hitzfeld ist es keine Sache mehr die nur die "kleinen" betreffen kann.
Und ja es ist auch richtig das ich zu der Sorte Mensch gehöre die nur schwer "NEIN" sagen kann. Die C hatte ich damals übernommen weil mir die Jungs so leid getan haben. Keiner wollte sich um die kümmern, es war auch echt eine Katastrophe wie die gespielt haben. Da ist schon sehr viel Kraft reingeflossen von mir um aus den Jungs was brauchbares zu machen ....
Dann hatte ich dieses Jahr die B2 ins Leben gerufen um den Jungs die aus der C raus gekommen sind eine Mannschaft zu bieten. Dass das nicht gut gehen kann wusste ich von Anfang an eigentlich aber ich wollte es nicht einsehen.
Die A-Jugend konnte ich auch nicht im Stich lassen da die Jungs zum Teil schon seit der E-Jugend bei mir sind/waren....
Es ist aber ein typischen Symptom des Burn-Outs das man sich immer mehr in eine Sache rein steigert und vollkommen den Bezug zur Realität verliert. Deswegen hat es durch aus seine Vorteile wenn man Hinweise anderer aufnimmt, was leider nicht immer möglich ist denn durch den Realitätsverlust ignoriert man sowas einfach. Sehr viele Menschen haben mir immer wieder gesagt: Daniel übertreibs nicht so und schalt auch mal ab ... und meine Reaktion war nur ein grinsen oder manchmal nicht mal das. Ich hab mich am Ende gefühlt wie die Titanic, groß und unsinkbar und dann kam eben mein Eisberg.
Der Tag wo mein Arzt meinte das es fünf vor zwölf wäre und eben hier eine Grenze gezogen werden muss war für mich die Hölle. Wies im Leben so ist kommt dann auch noch einiges zusammen wie das im Radio von Juli "geile Zeit" lief! (Ja ich weiß es war ne geile Zeit, hey es tut mir leid ... es ist vorbei ...). Da geht einem so viel durch den Kopf ... alles was man erlebt hat. Die schönen Zeiten und aber auch das was einen belastet, wie die beiden Situationen letztes Jahr wo ich nen Notarzt rufen musste weil die Jungs sehr schwer verletzt waren....
Und dann kommt der Moment wo man es den Kids sagen muss, und den anderen im Verein. Ich war sehr überrascht welche Welle es ausgelöst hatte, das am Abend meines damaligen Abschieds so viele Menschen da waren. Spieler (aktuell und ehemalige), Eltern, der Vereinsvorstand und sogar Menschen von anderen Vereinen. Ich weiß nicht wie ich beschreiben soll was es für ein Gefühl ist wenn man den Menschen die einen seit Jahren begleitet haben sagen muss das man von heute auf morgen nicht mehr da ist. Nicht weil man weg zieht, oder wegen sonst etwas man greifen oder begreifen kann. Nein, man kommt nicht mehr weil sich alles in einem weigert zu kommen, weil die Welt einen erschlägt, weil man auf einmal hasst was man doch liebt.
Die erste Zeit danach war alles andere als einfach, ich mein ich hatte ja so gesehen keine alternativen zum Fussball. Es war sein sehr komisches Gefühl für mich von der Arbeit zu kommen und nicht gleich wieder zum Fussball zu fahren sondern einfach mal das TV anmachen und Simpsons gucken. Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber ich habe gemerkt das sich meine Seele in ne Hängematte gepackt hatte und sich hat baumeln lassen.
Wie ich ja schon mal geschrieben hatte ging es aber nicht lange gut. Ich hatte dann noch mal ne Abschiedsfeier mit der C gemacht und es danach auch echt sein gelassen mich um den Fussball zu kümmern. In der JSG ging es seit dem drunter und drüber, auch krass wenn man so merkt welche Rolle man eigentlich hatte.
Ich hab dann wieder alte Hobbys von früher in Angriff genommen. Schallplatten sammeln, an meinem Astra basteln, quer durch Deutschland fahren für irgend welche Fussballspiele (Gruß nach Lotte).
Aber vor allem hab ich mir irgend wann die Frage gestellt: War es das wert?
Ich denke ja, weil ich genau weiß wie glücklich meine Kids mit mir zusammen waren. Ich bin stolz drauf das ich zum Teil drei Generationen einer Familie bei mir im Fussballtraining hatte.
Was das Alter angeht: ich bin jetzt 27. Die einen meinen jung, ich fühl mich allerdings schon recht alt!
Die ganze Sache hat auch auswirkungen auf meinen Beruf, bin eigentlich Elektriker aber da ich nun massive Probleme habe Stress zu bewältigen und zu verarbeiten sieht es so aus das ich diesen Beruf an den Nagel hängen kann/muss.
Wenn man sowas alles vorher wüste könnte man einiges anders machen nur frag ich mich auch was ich weg lassen könnte ohne das Gefühl zu haben einen Fehler zu machen ... aber ich denke das sind Sachen die man echt in einer Therapie auferbeiten muss.
Ich möchte auch noch anmerken das ich wirklich recht lange gebraucht habe bis ich über dieses Thema sprechen konnte und es wird auch noch viel Zeit vergehen bis ich auch wirklich ehrlich mir gegenüber sein kann.
Abschließend kann und möchte ich noch los werden das es jedem zu Wünschen ist das er, egal in welcher Situation, immer Rückendeckung bekommt von der Seite wo man es braucht.
In diesem Sinne ...
Daniel