Lauf-ABC + Dehnprogramm im D-Jugend Bereich

  • Hallo zusammen,


    Ich übernehme ab dieser Woche die U12-Mannschaft eines gut geführten, ambitionierten Vereins.

    Ich bin momentan noch am überlegen ob es in diesem Altersbereich sinnvoll ist, vor jedem Training ein Lauf-ABC mit anschließendem Dehnprogramm vorzuschalten. Dies würde vor der eigentlichen 90-Minuten-Einheit erfolgen und somit keine Trainingszeit für anderen Schwerpunkte wegnehmen.


    Da ich zum ersten mal diesen Altersbereich trainiere fehlen mir hierzu die Erfahrungswerte, deswegen höre ich mir gerne verschiedene Meinungen an. Wie ist eigentlich der allgemeine Tenor des DFB bzw. der Landesverbände zu diesem Thema? :)


    Freue mich auf eine gute Diskussion :)

  • Der NFV sagt (ich stelle die Grafik jetzt mal hier nach, weil ich keine Lehrgangs-Folien einfach so hier einstellen möchte):


    E-Jugend:

    Schnelligkeit: O O O

    Koordination: O O O

    Beweglichkeit: O

    Kraft: O O

    Ausdauer: -


    D-Jugend:

    Schnelligkeit: O O O

    Koordination: O O O

    Beweglichkeit: O O

    Kraft: O O O

    Ausdauer: O



    3 Kreise: sehr wichtig bzw. vollwertiger Trainingsinhalt.

    Strich: nicht relevant für diese Altersklasse. Ab C-Jugend sind alle konditionellen Teilbereiche mit drei Kreisen versehen.


    Meine Meinung, die sich dann wohl auch mit dem NFV deckt:

    Lauf-ABC kann ja letztlich - zumindest in dem Altersbereich auch als Hauptziel - zur Koordination/Motorik gezählt werden. Du vermittelst den Spielern ja gewisse Bewegungsmuster und daraus resultierend ein besseres Körpergefühl und effizientere Bewegungen. Ich persönlich fänd's auch im Hinblick auf den U15-Bereich und die dortigen Wachstumsschübe sehr sinnvoll, wenn die Spieler an Dinge wie das Lauf-ABC schon vorher gewöhnt wurden und sich somit schneller wieder anpassen können.

    Und: Wenn sowieso keine Trainingszeit davon abgeht, ist's doch gar kein Problem. Im Gegenteil: Die Jungs wissen, jetzt ist Lauf-ABC angesagt und danach geht's los. Genau so wie ein Rondó oder ähnliches als Ritual vor dem Trainingsbeginn. Macht doch einen viel besseren Eindruck, als wenn jeder kreuz und quer auf's Tor ballert.


    Das Thema Dehnen kürze ich ab: Dynamisch und/oder Movement Preps: Ja, weil es auch später auf die Jungs zukommen wird und ich es zusätzlich auch als gute, altersgerechte Kräftigungs-/Stabilisierungsmöglichkeit sehe. Und später dann natürlich auch - genau wie das Lauf-ABC - als dann vertraute Methode, um den Körper auf Betriebstemperatur zu bringen und Verletzungen zu vermeiden.
    Statisches Dehnen vor der Belastung: Nein, weil potentiell leistungsmindernd und verletzungsfördernd. Da werde ich bei meiner neuen U17 auch noch Überzeugungsarbeit leisten müssen, bei denen ist das aktuell noch Bestandteil jedes Trainings.

  • Ich sehe es kritisch, den Trainingseinstieg mit Lauf-ABC oder ähnlichem zeitlich nicht dem eigentlichen Training zuzurechnen und von der Zeit her 'draufzupacken'. Ich finde da kann es irgendwann passieren, dass man es überreizt mit den zeitlichen Anforderungen (zumindest im Hobbybereich, wo ich auch die Bezirksliga mit reinnehme).


    Ein Lauf ABC finde ich auch immer gut als Trainingseinstieg. Ich würde dabei aber variieren. Ich mach mal Lauf-ABC, mal ein Koordinationsparcour mit Leiter, Ringe etc., mal gleich eine softe Spielform wie z.B. 6:3 auf Ballhalten, mal einen Passrundlauf o.ä. Ich habe zumindest den Eindruck, dass es ganz gut ankommt wenn nicht immer gleich klar ist, was als erstes gemacht wird. Bei der Spielvorbereitung mache ich das anders, da weiche ich wenig ab, weil die eigentliche Konzentration dem Spiel gilt und das Aufwärmen dann ruhig gewohnt und 'langweilig' sein darf (oder vielleicht sogar sollte ?).

    Vom Dehnen zum Einstieg im Aufwärmprogramm bin ich nach diversen Literaturhinweisen ganz ab. Höchstens mal was kurzes in Richtung Movement Preps. Gedehnt wird entweder Zwischendurch mal nach einer Trinkpause oder ganz am Schluss des Trainings. Beobachte ich auch wenn wir mal im Winter oder zur jetzt zur Corona-Abwechslung mit der Mannschaft mal was anderes machen (Spinning, HIT-Kurs mit versch. Übungen etc.). Einen Leichtathletiktrainer hatte ich auch schon mal da. Die Trainer dieser Sparten dehnen meist auch erst ganz zum Schluss, und das doch sehr anders als wir es im Fußball gewohnt sind, insbesondere mit viel längeren Dehn-Haltephasen, wenn ich das mal so beschreiben darf. Eine Kursleiterin hat letztens Dehnungen bis zu 1 - 2 Minuten halten lassen. Im wesentlichen soll das Dehnen ja der allmählichen Verkürzung des Sehnen vorbeugen und der Erhaltung der Beweglichkeit, und weniger (bis gar nicht) dem Aufwärmen vor einer sportlichen Belastung. In dieser Phase kann es sogar eher schädlich sein und die Verletzungsgefahr erhöhen.

  • Steile These:


    Weder in der U12, noch in sonst einem Altersbereich, ist ein isoliertes Erwärmen und Dehnen einer intelligenten Trainingssteuerung in Sachen Verletzungsprophylaxe überlegen. Entscheidend ist meines Erachtens, dass die Intensität zu Beginn des Trainings langsam gesteigert wird, ob Du das dann in Form eines Lauf-ABC, einer kleinen Spielform (enger Raum/keine Sprints z.B. 4 gg 2) oder einfachen Technik-Aufgaben löst ist eigentlich sekundär.


    Letzten Endes willst Du den Muskel ja auf eine Belastung vorbereiten, das geht wahrscheinlich am Besten, wenn Du die Bewegungen, die du später auch im Spiel brauchst, in geringerer Intensität ausführst. Ich habe persönlich auch nicht die Erfahrung gemacht, dass sowas besonders gut vor Verletzungen schützt. Im Gegenteil haben wir dieses Jahr im Training zu keinem Zeitpunkt klassisches Erwärmen gemacht
    (statt dessen eher kleine Ballbesitzspiele) und hatten das ganze Jahr über nur zwei ernsthafte Muskelverletzungen (und das immerhin in einer Saison in der wir in die Verbandsliga aufgestiegen sind).


    Zu deinem speziellen Fall: Warum kannst Du die Zeit, die Du für die Laufschule verwendest nicht z.B. für eine andere Form der Erwärmung nutzen? Wenn das Platzgründe hat, würde ich mir überlegen, ob ich nicht vielleicht schon langsam in Richtung Kräftigung gehe. Davon würde ich mir eher langfristige Effekte erwarten.

    Meine Meinung, die sich dann wohl auch mit dem NFV deckt:

    Lauf-ABC kann ja letztlich - zumindest in dem Altersbereich auch als Hauptziel - zur Koordination/Motorik gezählt werden. Du vermittelst den Spielern ja gewisse Bewegungsmuster und daraus resultierend ein besseres Körpergefühl und effizientere Bewegungen. Ich persönlich fänd's auch im Hinblick auf den U15-Bereich und die dortigen Wachstumsschübe sehr sinnvoll, wenn die Spieler an Dinge wie das Lauf-ABC schon vorher gewöhnt wurden und sich somit schneller wieder anpassen können.

    Und: Wenn sowieso keine Trainingszeit davon abgeht, ist's doch gar kein Problem. Im Gegenteil: Die Jungs wissen, jetzt ist Lauf-ABC angesagt und danach geht's los. Genau so wie ein Rondó oder ähnliches als Ritual vor dem Trainingsbeginn. Macht doch einen viel besseren Eindruck, als wenn jeder kreuz und quer auf's Tor ballert.

    Ich finde es komplett Richtig, dass so ca. im Bereich U13-U16 vermehrt auch im Hinblick auf das Wachstum trainiert werden muss. Das Lauf-ABC kann mich dahingehend nicht mehr so wirklich überzeugen. Immerhin handelt es sich ja um Bewegungen, die dem Spieler wenig koordinative Fähigkeiten abverlangen, zumindest ab dem Zeitpunkt an dem die Bewegungen automatisiert sind (was bei einem sportlich begabten Kind recht schnell passieren sollte). Ich glaube, dass es einfach komplexere Bewegungsaufgaben als ein lauf ABC braucht um die entsprechenden Koordinativen Fähigkeiten zu schulen. Außerdem wird mMn oft die Komponente Kräftigung in diesem Zusammenhang unterschätzt. Wenn ich einen ausreichend stabilen Körper (ohne muskuläre Dysbalancen) habe, sinkt mein Verletzungsrisiko erheblich.

  • In den Wachstumsphasen gibt es bei einigen Kindern das Problem, dass die Knochen schnell wachsen, Sehnen und Muskeln aber nicht hinterher kommen und es gibt Wachstumsschmerzen - wenns dumm läuft an vielen Ecken und Enden des Körpers. Gern genommen sind hier die Fersen/Achillessehne und die Knie.


    Geht man mit den Kindern zum Arzt, bekommt man viele Ansichten zu hören: Pause ist ein beliebter Rat, der nur blöderweise nicht wirklich hilft. Erwischt man einen Doc, der die jungen Sportler versteht, wird dieser Physiotherapie verordnen um die Muskeln an die neuen Verhältnisse des Körpers heran zu trainieren. Kraftübungen und Dehnen steht dann auf dem Programm.


    In sofern würde ich es sehr gerne sehen, wenn dies im normalen Trainingsbetrieb auch gemacht würde. Mein Problem ist nur, dass ich selber der absolute Volllaie auf diesem Gebiet bin und mir das Anleiten solcher Einheiten überhaupt nicht zutrauen würde. Nicht umsonst lernen die Physiotherapeuten ihren Job über Jahre.

    Aber wenn das drauf hat, sollte es mE mit den Kindern machen :thumbup:

  • Für mich persönlich ist das Lauf-ABC bzw. sind laufkoordinative Elemente absolut wichtig und ein regelmäßiger Bestandteil meines Trainings (D-Junioren-Bereich).


    Auch vor dem U12-Alter sollten grundlegende Bewegungsmuster (gern auch in spielerischer Weise) vermittelt werden. Schlussendlich ist eine gute Koordination eine stabile Basis für sauberes technisches Vermögen. Ein Spieler der bereits bei einbeinigen Sprüngen Probleme hat das Gleichgewicht zu halten, könnte unter Umständen auch Probleme beim Passspiel (erfolgt ja in der Regel auch auf einem Bein) oder beim Landen (nach Kopfballsprung) Probleme bekommen. Umso früher hier gewisse Bewegungsmuster geschult werden, umso besser!


    Dabei geht es für mich im Rahmen dieser laufkoordinativen Elemente nicht immer nur um „spielnahe“ Bewegungen, sondern um vielseitige Bewegungsschulung!


    In diesem Zuge bringe ich gerne regelmäßig die „Turner“ ins Spiel. Egal in welchem Alter ich einen jugendlichen Fußballer mit einer Vergangenheit beim Turnen hatte: Er war koordinativ top aufgestellt und stets mit sehr guten Technik ausgestattet.


    Nach mehreren Gesprächen mit einem befreundeten Physio-Therapeuten empfehle ich an dieser Stelle auch nochmal dringend das Training der „einbeinigen Stabilität“.

    Wie oben bereits geschrieben, erfolgen viele fußballspezifische Bewegungen auf einem Bein (Pass, Schuss, Landungen). Gerade ab der C-Jugend nehmen Verletzungen im Bänder-Apparat (ob nun Knöchel oder Knie) vermehrt zu. Um diese Strukturen zu stärken sollte über gezielte Sprungschule und Stabi-Übungen Prävention betrieben werden. Tückisch dabei sind auch diese „Über-den-Knöchel“-Schuhe (mit dieser Art Socken): Sie suggerieren eine gewisse Stabilität, leisten sie aber nicht und die dort bestehenden Muskel- und Bänderstrukturen lassen wegen veränderter Belastung nach...

  • Was wird empfohlen?

    "Das Präventionsprogramm 11+ wurde von einer internationalen Expertengruppe basierend auf ihren Erfahrungen mit verschiedenen Programmen zur Verletzungsprävention für Amateurspieler und -spielerinnen ab 14 Jahren entwickelt. Es ist ein komplettes Aufwärmprogramm und ersetzt das herkömmliche Aufwärmen vor dem Training."

    Quelle: dfb.de - pdf - Homepage


    Beantwortet leider die Frage nicht, weil die Frage sich auf D-Jugend (U13 bzw. U12) bezieht. (Im Forum hier wurde bisher immer nur C-Jugend diskutiert - die Beiträge helfen somit auch nicht weiter).


    Mir wäre wichtig, dass in der D-Jugend stets der Ball mit im Spiel ist ("Goldenes Lernalter"). Anstatt eines Lauf-ABC könnte man auch ein Finten-ABC zum Aufwärmen nutzen - gerne auch mit den Grundlagen des Lauf-ABC und verschiedenen koordinativen Elementen.

  • Also speziell für den jüngeren Jahrgang (F/E/D) würde ich gar kein spezielles Erwärmungsprogramm machen, sondern einfach nur Dinge die ich ohnehin anbiete aber softer (ohne Sprints, langsam angehen lassen etc.). Ob Spiel-, Pass- oder Dribbelform wäre ganz egal. Das einzige Argument das in diesem Alter für ein Erwärmungsprogramm spricht ist wenn man so will die Aussage: 'damit sie sich schon mal dran gewöhnen weil es ab C sowieso kommt'. Das ist aber m.E. im Augenblick wo es passiert (aktuell D) Zeitverschwendung, da nicht notwendig. Genauso wie ich immer wieder höre das Kinder schon mal an das große Feld gewöhnt werden soll, weil es in der neuen Saison ja sowieso kommt. Trotzdem sind sie doch jetzt, wo es aktuell passiert, immer noch in der jüngeren Altersklasse.


    Etwas anderes sind Stabilisierungsübungen, die sollte man immer einstreuen finde ich. Aber auch nicht zwingend zu Beginn eines Trainings. Mittlerweile mache ich sowas immer gerne nach Trinkpausen, bevor es zur nächsten Übung oder Spielform geht.


    Ich nehme mal an das Präventionsprogramm 11+ fängt nicht umsonst mit Empfehlung ab 14 an, das hat ja von allem etwas dabei (Lauf ABC/Kräftigung-Stabis/dynamisches Dehnen)