Entwicklung meines Sohnes

  • Hallo,

    ich bin/war Trainer meines Sohnes, wie vermutlich viele von euch. Ich habe mich gerade im Forum angemeldet, weil ich Rat brauche.

    Mein Sohn, 10 Jahre, spielt aktuell in der E-Jugend. In der F-Jugend habe ich ihn in der 2. Mannschaft trainieren dürfen. Das brachte sicherlich auch manchmal Konflikte mit sich, aber ich habe ihn auf einen guten Weg gesehen. Mein Wunsch für ihn ist der Spaß am Sport und er soll eben spielen, so gut er kann. Er war dann auch gut genug für die E1, was aufgrund seiner Schnelligkeit und Zielstrebigkeit vor dem Tor auch für mich nicht utopisch klang.

    Er liebt es Fußball zu spielen und schnappt sich wenn er raus geht einen Ball, damit er kicken kann. Er ist nicht sonderlich talentiert und wird kein Profi, aber ein Kicker mit ner guten Vorstellung vom Spiel und einer Portion Ehrgeiz ist er eben schon.


    Anfangs hat er gut mitgespielt, sich nach einigen Wochen an das Spieltempo, Stellungs - und Passspiel gewöhnt.

    Meiner Meinung nach hat er sich aber in den letzten 6-9 Monaten zurückentwickelt, was das spielerische angeht. Wie kann das sein?

    Das Entwicklungen stagnieren, ist für mich nicht ungewöhnlich, aber zeitweise habe ich den Eindruck, dass er nicht mehr weiß was er machen soll auf dem Platz.

    Er ist total fahrig im Spiel, verliert viele Bälle und ist nicht mehr zielstrebig in seinen Aktionen.


    Er hat jetzt von der 1. in die 2. Mannschaft gewechselt, weil er (in einer leistungsorientierten Mannschaft) nicht mehr "vollwertig" akzeptiert wurde.

    Die Entscheidung ist mit ihm gemeinsam gefallen, weil er sich nicht wohl gefühlt hat. Um ihm da Druck zu nehmen und ihm wieder Spaß am Spiel mitzugeben, ist es ne gute Entscheidung für ihn gewesen, meiner Meinung nach.

    Statt aber in der neuen Mannschaft, wo nun kein Druck von Mitspielern kommt, eine gute Rolle einzunehmen, setzt sich das hier auch fort. Der Unterschied ist natürlich das deutlich schwächere Niveau, aber er selbst bekommt die einfachsten Dinge nicht auf den Platz.

    Ich versuche ihm zu helfen, bin aber offengestanden auch sprach- und ratlos seinen Fehlern gegenüber. Wenn er mich fragt, wie ich ihn gesehen habe, dann spiegel ich ihm offen wieder, was ich gesehen habe und das ist zugegebener Maßen nicht viel positives...

    ich habe ihn gefragt, ob er Spaß hat auf dem Platz -woraufhin er antwortete unzufrieden mit der Mannschaftsleistung zu sein. das er selber aber nichts dazu beiträgt, dass die Truppe erfolgreicher spielt, sieht er nicht (oder er kann es nicht ändern)...

    Es hat bestimmt etwas mit Selbstvertrauen zu tun, aber wie kann er das wieder erlangen?


    Ich wünsche mir, dass er auf dem Platz wieder glücklich wird und sein Spiel spielen kann - Die Trainer sind junge Burschen, von denen ich diese Unterstützung nicht erwarten kann. Kann ich etwas tun? Ich bin für jeden Rat offen und wenn es auch bedeutet, dass ich mich vielleicht ganz aus seinem Spiel heraushalten soll...

  • Wenn er mich fragt, wie ich ihn gesehen habe, dann spiegel ich ihm offen wieder, was ich gesehen habe und das ist zugegebener Maßen nicht viel positives...

    Warum tust du das?

    Du bist nichtmehr sein Trainer. Du bist nur noch Vater.

    Du musst nichts korrigieren oder verbessern. Das machen die Trainer.

    Du bist zur Unterstützung da. Ihm fehlt Selbstvertrauen? Dann gib ihm welches.

    Über jedes Kind, dass aktiv am Spiel teilnimmt kann man etwas positives sagen. Und wenn das Selbstvertrauen am Boden liegt legt man den Maßstab halt sehr gering an.

    Wenn ein Pass nicht klappt, kann man die Übersicht loben. Wenn ein Dribbling nicht klappt, kann man den Mut loben. Wenn ein Zweikampfverloren geht, kann man den Einsatz loben.

    Ein 9 Jähriger ist nicht so reflektiert, dass er eine ehrliche Meinung hören will wenn er dich fragt "wie hast du mich gesehen".

    Er will hören, dass er Sachen gut gemacht hat.

    Bedeutet aber nicht, dass man auch ein zwei Sachen mit auf den Weg geben kann die verbessert werden können.

  • Da ist schon was Wahres dran... Deinen letzten Hinweis, kann ich im Moment selber nicht umsetzen, weil ich mich bei den Ratschlägen im Moment eher dabei ertappen würde ihm wieder ein ..."Ja, Aber" mit auf den Weg zu geben...

    Die Positiven Dinge loben und den Rest weglassen - klingt so einfach...

    Ich will ihm helfen seine Fehler abzustellen, die eben auch den Erfolg der Mannschaft nach vorne bringen, was ja auch sein Ziel ist. Natürlich ist er da nicht allein für verantwortlich.... ich werde mich einfach zurückhalten müssen... -

  • Ich werde es versuchen- das sind Handlungsmuster, die es zu durchbrechen gilt. Ich hoffe ich kann das auf Knopfdruck abstellen.

    Ohne die jungen Trainer würde das überhaupt nicht funktionieren- allerdings kann ich ihnen dafür nicht die Verantwortung aufbürden- ich sehe die Gefahr, dass er das war er liebt irgendwann aufgibt... Da denke ich bin ich als Vater gefragt.

  • Anfangs hat er gut mitgespielt, sich nach einigen Wochen an das Spieltempo, Stellungs - und Passspiel gewöhnt.


    Meiner Meinung nach hat er sich aber in den letzten 6-9 Monaten zurückentwickelt, was das spielerische angeht. Wie kann das sein?

    Das Entwicklungen stagnieren, ist für mich nicht ungewöhnlich, aber zeitweise habe ich den Eindruck, dass er nicht mehr weiß was er machen soll auf dem Platz.

    Er ist total fahrig im Spiel, verliert viele Bälle und ist nicht mehr zielstrebig in seinen Aktionen.

    Er hat Anfangs gut mitgespielt, aber irgendwann wurde er nicht mehr -vollwertig- akzeptiert.

    Den Druck hat er vielleicht schon viel früher gespürt. Wie es in einer E Jugend dazu kommen kann, das man nicht akzeptiert wird aufgrund Leistung, ist ein Problem der Trainer und der Mannschaftsführung. Traurig genug!!!!!

    Leistungsorientiert ist auch nicht richtig, ERgebnisorientiert wäre wohl richtiger.


    ich habe ihn gefragt, ob er Spaß hat auf dem Platz -woraufhin er antwortete unzufrieden mit der Mannschaftsleistung zu sein. das er selber aber nichts dazu beiträgt, dass die Truppe erfolgreicher spielt, sieht er nicht (oder er kann es nicht ändern)...

    in der zweiten probiert er jetzt überzuperformen, um seinem, Deinem, und dem Anspruch der Mannschaftskollegen gerecht zu werden.


    Alles Ferndiagnose, kann nichts von stimmen, ich kenne aber solche Fälle.

    Grundproblem ist m.e. bei vielen, das der WEg von der E2 in die E1 sinniger wäre.


    Überhaupt zeigt das Beispiel überdeutlich, das es totaler Schwachsinn ist, in der E Jugend schon nach Leistung einzuteilen.

    Erstmal geht es ums Wohlfühlen in dem Alter und um soziales Gefüge. Demnächst steht dann der Schulwechsel an, und die

    nächsten sozialen Kontakte wechseln, was in der Natur der Sache liegt.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Er hat Anfangs gut mitgespielt, aber irgendwann wurde er nicht mehr -vollwertig- akzeptiert.

    Den Druck hat er vielleicht schon viel früher gespürt. Wie es in einer E Jugend dazu kommen kann, das man nicht akzeptiert wird aufgrund Leistung, ist ein Problem der Trainer und der Mannschaftsführung. Traurig genug!!!!!

    Leistungsorientiert ist auch nicht richtig, ERgebnisorientiert wäre wohl richtiger.


    in der zweiten probiert er jetzt überzuperformen, um seinem, Deinem, und dem Anspruch der Mannschaftskollegen gerecht zu werden.

    Er ist jetzt schon auf die Weiterführende-Schule gekommen, das ist natürlich auch noch mal ein Faktor, den man nicht außer Acht lassen darf.

    Ja, die Erfahrung in der E1 war echt sehr schwierig für ihn. Sie haben noch einen Spieler gebraucht, damit sie zu zehnt in die Saison gehen konnten. Drei von den Jungs spielen zusätzlich noch in einem Leistungszentrum - der Trainer hatte sich zum Ziel gesetzt die Meisterschaft zu holen, einmal weil die Jungs vielleicht sogar das Potential dazu hatten, andererseits auch um die drei Leistungsträger zu halten und ihnen eine Perspektive aufzuzeigen für die E-Jugend (man das klingt schon alles abgefahren, wenn ich das so schreibe...)

    Ich bin auch enttäuscht vom Trainerteam und mache mir dann als Vater natürlich auch Vorwürfe, warum ich einem Wechsel nicht in die E1 nicht widersprochen bzw. die Entwicklung nicht eher unterbunden habe... Sein Potential habe ich gesehen und sehe ich noch. Aber der Spaß und er selbst sind auf der Strecke geblieben.


    "Überhaupt zeigt das Beispiel überdeutlich, das es totaler Schwachsinn ist, in der E Jugend schon nach Leistung einzuteilen.

    Erstmal geht es ums Wohlfühlen in dem Alter und um soziales Gefüge. Demnächst steht dann der Schulwechsel an, und die

    nächsten sozialen Kontakte wechseln, was in der Natur der Sache liegt."

    ... das habe ich von Anfang an so gesehen, aber das fängt schon an bei der Altersaufteilung - er hat angefangen mit dem Fußball weil seine Klassenkameraden in der 1. Klasse ihn dazu gebracht haben. Wir waren auch vorher schon viel kicken, aber in einem Verein spielen, kam für ihn gar nicht in den Sinn vorher.

    Dann hat er in der F- angefangen und nach einem Jahr wechselte die halbe Klasse in die E Jugend, da sie älterer Jahrgang war.

    Er konnte dann mit seinen Freunden aus der Schule nicht mehr zusammen kicken... Warum teilt man das so ein, obwohl dieses Problem doch alle betrifft?


    Danke an alle, die etwas zu dem Thema schreiben - es ist hilfreich sich auszutauschen, kritische Kommentare zu erhalten und einen Lösungsweg zu beschreiten!

  • Überhaupt zeigt das Beispiel überdeutlich, das es totaler Schwachsinn ist, in der E Jugend schon nach Leistung einzuteilen.

    Erstmal geht es ums Wohlfühlen in dem Alter und um soziales Gefüge. Demnächst steht dann der Schulwechsel an, und die

    nächsten sozialen Kontakte wechseln, was in der Natur der Sache liegt.

    Danke für den Kommentar, dass in der E noch nicht nach Leistung sortiert werden sollte. Ich bin nächste Saison wohl für die Einteilung zuständig als Koordinator und möchte die Mannschaften auch nicht komplett nach Leistung sortieren.

    Wir haben einzelne Spieler schon immer sortiert, wenn sie komplett rausstechen. Meine Mannschaft hat in den letzten Jahren so einige Spieler nach oben abgegeben.



    Zum Thema:

    Ich habe mit meinem Sohn auch mal zu viel besprochen, was er besser machen kann. Dann habe ich aber gemerkt, dass er es als negative Kritik und nicht als Tipp aufnimmt.

    Seitdem Lobe ich vor allem, versuche aber im Lob auch mal Tipps einfließen zu lassen. Immer nach der Sandwich-Regel Lob - Kritik/Tipps - Lob.

  • Drei von den Jungs spielen zusätzlich noch in einem Leistungszentrum - der Trainer hatte sich zum Ziel gesetzt die Meisterschaft zu holen, einmal weil die Jungs vielleicht sogar das Potential dazu hatten, andererseits auch um die drei Leistungsträger zu halten und ihnen eine Perspektive aufzuzeigen für die E-Jugend (man das klingt schon alles abgefahren, wenn ich das so schreibe...)

    das klingt wirklich abgefahren;)

    Meistertitel holen, um eine Perspektive aufzuzeigen. Welche denn konkret? Titel zu sammeln? Oder fußballerisch besser zu werden?

    oder was denn eigentlich genau. Wenn 9,10 jährige schon eine -Meisterschaft- als perspektive brauchen, dann stimmt irgendwas nicht mit den Eltern, Trainern oder was auch immer Sie so sozialisiert hat. -Gefordert- werden Sie ja anscheinend im Perspektivteam (? habe hier gelernt, das es sowas bei einigen NLZ wohl gibt) des Leistungszentrums.

    Wenn man sich natürlich mit solchen, Kurzzeitüberfliegern, misst, kann die Moti natürlich schnell sinken.

    Vergleichen macht eben Unglücklich.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Für mich klingt's nach negativen Spirale.


    Wie kommt man raus ? Echtes Loben , Mutmachen, Spaß dran haben ihn spielen zu sehen.

    Das Team in dem mein 7 Jähriger Sohn ist wird von mir trainiert. In der Gruppe gehört er zu den 3 stärksten. Trotzdem hat er, wie das eben bei Kindern so ist, Tage da geht gar nix.


    Trotzdem hab ich Spaß daran ihn spielen zu sehen. An den Tagen sucht er auch oft gerne für sich "Ausreden" "Das Tor stand nicht gerade, der rasen ist holprig, ....."

    Dann lobe ich einfach ehrlich das es doch toll ist, dass er gerne Fußball spielt statt vor einer Playstation zu sitzen.

    Das es mich freut zu sehen wie er mit seinen Freunden bolzt, ganz egal ob starker oder nicht so stark Tag.

    Es ist wichtig , sich die Ziele wirklich bewusst zu machen.


    Wenn Kinder gut sind vergisst man das leicht. Dann verändert sich die Situation und was vorher mit Leichtigkeit gelang wird zum Krampf und man dreht sich da schnell weiter.


    Deswegen Druck Raus und vielleicht einfach mal Just for fun in einem Hof, im Urlaub am Strand oder ähnliches mit dem Sohn bolzen und auch mal Unsinn machen, ganz ohne korrigieren :)

  • meine Beiden, Fußball seit 5 und 7, jetzt 9 und 12, haben unterhalb des Jahres massive Schwankungen. Diese kommen wahrscheinlich von Wachstumsschüben, die ja nicht nur den Körper sondern auch das Gehirn betreffen. Andere Dinge wie Krankheiten oder schlicht weg falscher Trainer beeinflussen die Leistung auch massiv. Ich denke, E-Jugend, beobachten, mal was versuchen (hast Du ja gemacht mit dem Team wechsel) und ansonsten viel Geduld und eine gewisse positive Ernsthaftigkeit.

  • Es passt jetzt nicht ganz -allerdings sagte mein Sohn zu mir:Papa wenn du mich lobst ist das ja ok.... aber wenn jmd anderes mich lobt - geht mein Herz auf.

    Ja, das wünsche ich mir natürlich auch, dass bspw. die Trainer ihn loben. Ich bin gespannt, wie das in 14 Tagen wird, wenn die RR losgeht.

  • meine Beiden, Fußball seit 5 und 7, jetzt 9 und 12, haben unterhalb des Jahres massive Schwankungen. Diese kommen wahrscheinlich von Wachstumsschüben, die ja nicht nur den Körper sondern auch das Gehirn betreffen. Andere Dinge wie Krankheiten oder schlicht weg falscher Trainer beeinflussen die Leistung auch massiv. Ich denke, E-Jugend, beobachten, mal was versuchen (hast Du ja gemacht mit dem Team wechsel) und ansonsten viel Geduld und eine gewisse positive Ernsthaftigkeit.

    Das ist interessant zu hören, weil ich schon an meiner Wahrnehmung und an seinem Willen, Fußball zu spielen, gezweifelt habe.

    Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass Wachstumsschübe sich derart auswirken können.

    Habe jetzt auch von anderen gehört, die berichten, dass zeitweise die Beine schneller sind als das Gehirn und es dann so aussieht als wäre das kopflos, was die Spieler dann machen....

    Ich bin jetzt auf jeden Fall schon entspannter, werde mich vom Spielfeldrand zurücknehmen, mich auf positives konzentrieren und ihn ermutigen!:]

  • Ansonsten kann man immer gut Vergleiche mit Schule oder Musikschule heranziehen.

    Da kommt auch keiner auf die Idee, das Kind zu kritisieren, während es im Unterricht sitzt.

    Nur am Fußballplatz, da stehen die Eltern mit Argusaugen, kommentieren und kritisieren.


    Keep cool! Schwierig aber machbar. Ich muss mir auch öfter Kommentare bei meinen Söhnen verkneifen und ich weiß, dass es mindestens zwei Papas von meinen Bambinis ähnlich geht.