Weg mit diesem Unsinn?

  • Bei uns im FVR dürfen die Mädels immer noch nur in ihrer Altersklasse spielen. Die allerbesten können bis zum Ende der C-Jugend (U15) noch ganz ordentlich, in der U17 aber nur schwer mithalten. Noch dazu reden wir hier nicht von Spitzenteams.

    Selbst eine sehr gute Spielerin wie Lena Lotzen hat mal in einem Interview gesagt, dass sie zwar bis zum Ende der U17 bei den Jungs mitgespielt hat aber dort keineswegs eine Leistungsträgerin gewesen ist.

    Meine Erfahrungen bezüglich Sichtungen haben übrigens gezeigt, dass der DFB gerne Spielerinnen zu den Sichtungslehrgängen zur U15 Nationalmannschaft einlädt, die Stammspielerinnen in einer männlichen U15 Bezirksligamannschaft oder ähnliches sind. Weiterhin haben derzeit nur noch die schnellsten Spielerinnen jeden Jahrgangs Chancen auf die Nationalmannschaft. Alle anderen Eigenschaften und Fähigkeiten sind eher sekundär.

  • Beitrag von Marianne ()

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  • Hallo

    Aus welcher Quelle ist es, dass nur die schnellsten Spielerinnen in die Nationalmandchaft kommen und alles andere nebensächlich ist ?

    Dann kann man ja auf die Sichtung verzichten und die Spielerinnen in den Landesauswahlen 100 m kaufen lassen .

    Irgendwie finde ich es auffällig , dass einige hier DFB oder Landesauswahlsichtungen infrage stellen . Es kommt mir so vor als würde damit begründen wollen warum Spielerin xy nicht gesichtet worden ist .

    Es gibt eine Vielzahl von Sichtern mit unterschiedlichen Meinungen , die dann einen Konsens bilden .

    Sichtungen für Mandchaften sind da auch noch was anderes .

  • Also natürlich gibt es noch Merkmale, die für die Sichter eine Rolle spielen, aber ich stimme da schon zu, dass Schnelligkeit (Antritt, sowie Endgeschwindigkeit) ein wesentliches Merkmal für die Sichtung zu sein scheinen. Ich sage das nicht aus Frust, sondern weil ich es in der Landesauswahl bis zur U16 einfach bemerkenswert fand, dass Mädchen mit einer hohen Sprintgeschwindigkeit langsameren Spielerinnen mit besserer Technik vorgezogen wurden.


    Ich kenne mich in den höheren Fusballligen nicht so gut aus, bin aber davon überzeugt, dass es dort nicht viele langsame Spielerinnen gibt. Selbst ein Mats Hummels, dem eine gewisse Sprintträgheit nachgesagt wird, wird uns wahrscheinlich mühelos im Sprint abziehen...

  • In den Landesauswahlen wird eben nach den Besten im Bundesland Ausschau gehalten und es gibt noch mehr gute Spielerinnen als die 40 die im Kader sind , aber diese 40 sind eben schon Überragender.

    Ich habe die NFV Spielerinnen gegen eine sehr gute Jungsmanschaft mit 6:0 gewinnen sehen und die Spielweise war schon beeindruckend .

  • Und natürlich ist neben dem Talent auch noch ein Kriterium, wen der Auswahltrainer gerne in der Landesauswahl sehen möchte, v. a. dann, wenn er auch noch Co des Landesauswahl trainers ist. Also Beziehungen koennen auch nicht schaden..


    Nicht, dass jemand denkt, ich halte meine Tochter fuer besser als sie ist und bin nur gefrustet. Ich sehe sie da nicht, aber ich habe Beispiele gesehen, wo es so ist.

  • Das würde ich aber für meine Tochter nicht wollen , wenn sie über Beziehungen in die Auswahl gekommen wäre .Sie selber würde das auch nicht gut finden .

    Ich glaube , da sind die beim NFV soweit ich das beurteilen kann recht professionell .

    Meine Tochter ist den Jahrgang tiefer aufgrund von verschiedenen Gründen aussortiert worden .

    Es hängt natürlich auch von den Trainern ab , wen sie bevozugen und auch wie stark der Jahrgang ist .

  • Marianne

    Ganz entscheidend ist neben den fußballerischen Möglichkeiten natürlich auch der "Glücksfaktor"...


    Ich sag es mal so, es gibt immer Mal wieder die totalen Überflieger, bei denen spielt es keine Rolle, ob sie vorher in irgendeiner Auswahlmaßname waren o.ä.

    Die sind einfach so stark, dass sie selbst an schlechten Tagen noch halbwegs passabel spielen. Dann gibt es eben noch die Anzahl an Mädchen, zu der ich z.b. auch meine Tochter zählen würde, die gute solide Fußballerinnen sind, sich aber durch Fleiß viel Dinge hart erarbeiten müssen. An guten Tagen kann sie herausragende Leistungen bringen, an schlechten fällt sie nicht auf. Die physischen Werte (Schnelligkeit, Technik, ...) sind top, dieses zungenschnalzende, trickreiche Offensivspiel beherrscht sie nicht, sondern ist eher der Ballsichere, passgebende Spielerin mit guten Zweikampfwerten...


    Nun zum Glücksfaktor:

    Für die nicht hochbegabten Spieler gilt ganz einfach, dass punktuell alles passen muss, um Teil einer Auswahlmannschaft zu werden. (So wie du schon schriebst:

    -wie stark ist der Jahrgang?

    -worauf "steht" der Trainer?

    -hat das Kind am sichtungstag einen guten Tag?

    -wie sieht der Stützpunkttrainer das Kind?

    -An welcher Position wird das Kind eingesetzt?

    -...


    Es gibt unendlich viele weitere Faktoren.


    Und, in dem Punkt stimme ich dir absolut zu:


    Wie sehen die Eltern ihr Kind???


    Natürlich sehen wir Eltern unsere Kinder immer anders, als irgendwelche Trainer, Lehrer, etc.; Wir haben einen engeren Bezug zu den Kindern. Wir kennen die Entwicklung, die die Kinder genommen haben. Aber gerade wir Eltern sollten uns auch mal klarmachen, dass auch wir nur einen Auszug aus den Sichtungen erleben und viele von uns (auch unbewusst) die rosarote brille aufhaben, wenn es um das eigene Kind geht. Da wird das eigene Kind mit einem anderen Kind verglichen und festgestellt, dass das eigene dich viel besser sei, als das andere Kind, welches jedoch einen Stammplatz in der Landesauswahl hat. Dass das andere Kind vielleicht auch mal einen schlechten Tag haben kann, oder nicht fit ist zählt nicht, beim eigenen hingegen schon und wird gerne mal als Entschuldigung herangezogen.


    Ich kann für meinen Teil nur sagen, dass ich versuche(!) mein Kind objektiv zu betrachten. Ich versuche, die Beweggründe von (Auswahl)-Entscheidungen nachzuvollziehen. Ich bringe den Sichtern mein Vertrauen entgegen, indem ich ihnen auf Grund ihrer Erfahrung zugestehe, dass sie sehr genau einordnen können, wo die Kinder stehen. Ich nehme das Ganze nicht mehr so ernst. Wenn es passt, super. Wenn nicht, auch gut.

  • Zur Frage mit der Schnelligkeit. Diese ist halt feststellbar und wird auch in verschiedenen Übungen mit Lichtschranken gemessen und schon einmal als gegeben herangezogen - kennt man z.B. aus den Stützpunkten (Jungs und Mädels).

    Im Spiel wird dann noch auf das Gesamtpaket aus Sprintfähigkeit, Reaktion und Entschlossenheit geachtet. Außerdem auf die Erholungsfähigkeit - d.h. ob eine Spielerin sich bei langsamerem Laufen wieder für den nächsten Sprint "erholen" kann.


    Es gibt immer Trends und Schwerpunkte bei den Sichtungen. Vor einigen Jahren wollte man weg von den "Rumpelfüßlern" und ballsichere Spieler wie Javi oder Iniesta auch in Deutschland haben. Derzeit will man schnelle Spieler/innen wie Werner, Sane und Co., während Typen wie Hummels unter starken Kritikdruck kommen.

    Ich bin ein großer Fan von Typen wie Kroos oder Pirlo aber zur Zeit hätte ein Briegel wahrscheinlich wieder gute Chancen bei einer Sichtung...


    Übrigens schicken deshalb viele motivierte Eltern ihre Töchter zur Leichtathletik. Wobei mir aufgefallen ist, dass die besten Leichtathletik Sprinter im Fußball oft Probleme bei Richtungswechseln haben.

  • Also Beziehungen koennen auch nicht schaden.

    Hört man immer wieder, wenn es um Kaderzusammenstellungen geht. Egal, ob es sich dabei um Auswahlmaßnahmen oder Leistungseinteilung im Verein handelt.

    Deshalb vielleicht ein paar grundsätzliche Dinge wie soetwas funktioniert (%-Anteile schwanken, nur als grobe Richtschnur ansehen):

    • 20% des Kaders sind meistens sogar jedem Laien klar. Diese Spieler stechen so heraus, dass sie über jeden Zweifel erhaben sind.
    • 60% sind nach der Sichtung den Fachleuten klar. Hier schaut man sich evtl. einige Talentkriterien genauer an. Nach Vergleich mit den anderen, werden die Unterschiede aber deutlich.
    • Die restlichen 20% sind die Spieler, über die am meisten gesprochen wird. Da ist es dann knapp, ob man dabei ist oder nicht. Da gibt´s dann natürlich auch Überschneidungen zu denjenigen, die nicht genommen werden.

    Natürlich will sich jeder Trainer seine Mannschaft so stark wie möglich zusammenstellen. Niemand wird also auf jemanden verzichten, der nach der Beurteilung zu den stärkeren 80% gehört.
    Wie erstebenswert ist es aber, in einer nach Leistungsgesichtspunkten eingeteilten Mannschaft zu den letzten 20% zu gehören? Selbst wenn da also Beziehungen, alte Rechnungen oder was auch immer eine Rolle spielt...

  • Übrigens schicken deshalb viele motivierte Eltern ihre Töchter zur Leichtathletik. Wobei mir aufgefallen ist, dass die besten Leichtathletik Sprinter im Fußball oft Probleme bei Richtungswechseln haben.


    Das könnte ich meiner Tochter wirklich nicht zumuten ,entweder sie kann schnell laufen oder auch nicht .Entweder sie ist ausreichend gut für die Landesauswahl oder eben irgendwann nicht mehr , aber um sich kaputt zu machen gibt es später einfach viel zu wenig zurück und wenn es dann eben einmal U 15 Nationalmandchaft wäre , um dann später Regionalliga zu spielen ist das ok .

  • Meine Große Tochter kam von der Leichtathletik zum Fussball und hat bis letztes Jahr auch noch beides parallel gemacht. Gerade was die Koordination betrifft ist Leichtathletik eine sehr gute Ergänzung zum Fussball, auch der Bereich Ausdauer profitiert davon.

  • Follkao

    So isses - und deshalb wird die Mannschaft zusätzlich zu den oben angesprochenen Kriterien natürlich auch zu 80% aus Spielerinnen des ersten und zweiten Quartals bestehen.


    Marianne

    Das ist die richtige Einstellung. Fördern und anbieten + positive Dinge mitnehmen.

  • Beitrag von Marianne ()

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  • Stefan

    Du meinst mit erstem und zweiten Quartal

    die Ältesten eines Jahrgangs ?

    Könnte stimmen , zumindest trifft das auf die zu deren Geburtstag ich kenne.

    Dann muss aber meine Tochter die im Nfv im jüngeren Jahrgang ist und dazu noch Ende Dezember geboren ist absolut überzeugend sein .

    Ich glaube aber , dass sich das wieder durch die Pupertät relativiert .

    Immerhin sind bei der U 14 zwei Jahrgänge vertreten , die rein nach Leistung ausgewählt werden .

  • Stefan70

    Marianne

    Je höher die Anzahl ist, aus der ausgewählt werden kann, desto eher sind die Auswirkungen des RAE erkennbar.

    Durch die höhere Anzahl, hat man bei den Jungs eine höhere Leistungsdichte als bei den Mädchen und deshalb ist der RAE da auch deutlicher zu erkennen.

    Bei den Mädchen ist die Chance als spätgeborenes Talent Förderung zu bekommen, höher als bei den Jungs.
    Also: Bei den Mädchen gibt es sicherlich auch eine RAE-Problematik - aber weniger stark ausgeprägt.