Erfahrungen in Jungenliga

  • Moin,

    unsere C1-Mädchen spielt in der Kreisliga C der männlichen C-Jugend. Es gibt 11'er und 9'er Teams.


    Welche Erfahrungen habt ihr damit? Welche Unterschiede erkennt ihr zwischen den Mädchen und den Jungen? Welche Beobachtungen macht ihr beim Verhalten/Umgang vor/im/nach dem Spiel bei den Spielerinnen/Gegnern/Eltern? Gibt's Trainer von Jungenteams, die gegen Mädchenteams spielten... vielleicht sogar verloren/gab's da nachhaltigen Schaden?

  • Für mich ist der Mädchenfussball restlos neu. Ich muss sagen dass ich einige Unterschiede feststelle. Habe zirka 12 Jahre bis zur D Jugend männliche Teams beschult, dann eine längere Pause eingelegt und nun bin ich seit August unterstützend als Mädchentrainer unterwegs. Ich gebe immer Dienstag ein Training von zwei. Mein Thema ist alles was mit dem Verteidigen zu tun hat. Die Kollegin trainiert mehr in Richtung Angriff. Ich habe bis jetzt folgende Feststellungen gemacht:


    1. Mädchen benehmen sich immer zu jeder Zeit, sie sind miteinander herzlicher, Mobbing oder Zickenalarm gibt's bis Dato nicht.


    2. Sie sind gelehriger im direkten Vergleich mit gleichaltrigen Jungen, versuchen erkennbar Dinge umzusetzen, auch wenn es oft nicht klappt.


    3. Sie kämpfen mehr, sind überwiegend aber auch wehleidiger!


    4. C-Jungen weinen in teilen wenn sie verlieren. Jungen thematisieren das Spiel vor, während und nach dem Spiel...die Mädels nicht. Sie nehmen das gelassen zur Kenntnis und bedauern das andere Geschlecht mitleidig....


    5. Erwachsene und einige Vereinsler und Trainer vergleichen Jungen.- und Mädchenfussball. Wer das macht, hat meiner Ansicht nach keine Ahnung. Mit wenigen Ausnahmen ist der Mädchenfussball langsamer. Andererseits sprechen sie viel mehr miteinander beim Angriff, beim Abwehren eher nicht. Sie scheinen auch taktisch disziplinierter zu sein. Beim Torschuss fehlt die Kraft. Viele Spielerinnen sind nicht so wenig wie die Jungs. Zudem ist der Antritt langsamer,...Ausnahmen bestätigen die Regel.


    6. Schiedsrichter werden oft unfair, soweit ihr männliches Team hinten liegt. Da werden oft deutliche Abseitsstellungen nicht gepfiffen, das kommt mir auffällig öfter und krasser vor, als bei den reinen Jungenspielen.


    Ich/wir versuchen nun, dass die Mädels hier sofort den Arm geschlossen heben, um den Schiri zu lenken. Ich bin sehr gespannt, wie dumm die Schiriväter sein werden, rechne damit stark, dass das öfter mal klappt!


    7. Ausreden...Trainingsabsagen....das sind sie ehrlicher.

  • Ich glaube, das Thema Jungs/Mädchen ist ja in allen Sportarten ähnlich gelagert. Allerdings ersparen sich die anderen Sportarten den direkten Vergleich m/w. Wie du ja selber geschrieben hast, ist das auch eher dumm...


    Meine Zeit als Damenspielerin (Volleyball) war in jungen Jahren davon geprägt, dass man dem Trainer gefallen wollte. Man wollte aufsteigen in Damen 3, Damen 2, Damen 1... (Beim Damenvolleyball zieht man zumeist B-Spieler schon hoch, dann ist das Netz auf Damenhöhe). Jugend war dann eher ne Art lustiger Ausgleich.
    Wenn der Trainer attraktiv war, dann hat man ihn sowieso angehimmelt und wollte ihm ganz besonders gefallen.


    Wobei mir ein Trainer mal gesagt hat, dass ihn bei den Damen stört, dass er die Kabinengespräche nicht mitbekommt. Hier lag er aber komplett daneben denn in der Kabine gab es ganz andere Gespräche. Wer jetzt mit wem..., ob man die paralell trainierenden Basketballer mal einlädt... freitags wurde sich für die Disko gestylt.

    Mir persönlich sind schlechte Spiele durchaus länger nachgelaufen aber da war ich eher allein. Viele andere haben mit dem Duschen in der Tat alles abgehakt.


    Ob man viel auf dem Feld quatscht, ist typabhängig. Hier konnte ich in 15 Jahren Mixedvolleyball keine Regelmäßigkeiten ableiten. Es gab stille Männer und stille Frauen.

  • Ich kann nur von einem guten Bekannten berichten , der mit seinen Mädels letzte Saison erstmals in einer C Junioren Kreisklasse gespielt hat. Zuerst wurden die Mädchen von den Jungs nur belächelt. Die Mädels hatten auch das Pech die ersten Spiele gleich die besten der Staffel erwischt zu haben. Diese Spiele gingen deutlich verloren. Der Trainer sagte immer die Jungs wollten sich keine Blöße geben und sind deshalb besonders hart in Zweikämpfe gegangen. Im nachhinein waren die ersten Niederlagen wohl doch gut , weil die anderen Mannschaften sich hoffnungslos überlegen gefühlt haben. Nach einem unentschieden folgten die ersten Siege. Bis in einem Stadtderby ...die Jungs haben angesiecht einer drohenden Niederlage so unfair gespielt haben , das 5 Mädchen Verletzt waren. Der Schiedsrichter vom Verein der Jungs hat wohl auch nicht fair gepfiffen. Resultat war eine Torhüterin mit einem Beinbruch und Mädchen die nach dem Spiel total verunsichert waren. Ich hatte dem Trainer damals geraten , sowohl den Schiedsrichter wie die Vorkommnisse beim Spiel dem Staffelleiter zu melden. Aber er wollte darauf verzichten um Gerede unter den Trainern zu vermeiden. Übrigens das Rückspiel haben die Mädels deutlich gewonnen. Diese Saison spielen sie allerdings wieder in einer Juniorinnen Liga. Bei den Jungs wurde sie 6. von 12 Mannschaften.


    Ich möchte aber auch sagen , unsere D Mädels werden anders als befürchtet, sehr Fair von den Jungs behandelt. Natürlich gibt es nach dem Spiel Gerede bei den Jungs wie schlecht die Mädchen waren. Aber wahrscheinlich stellen die Mädchen keine Gefahr für ihr Ego dar weil, alle -samt Anfänger sind. Torverhältnis 1:102 nach 4 Spielen. Von einem Team sind die Mädchen immer noch weit entfernt und Zickenalarm gibt es mehr als genug, selbst eine Schlägerei hatten wir schon.


    Meine Tochter hat da ganz andere Erfahrungen gemacht. Als sie noch in der Verteidigung gespielt hat kahmen da schnell mal derbe Sprüche wenn ein Junge immer wieder von ihr gestoppt wurde. Auch von den Mamas wenn ihr Junge nach Körpereinsatz gestürzt war, kahmen Rufe wie " hau sie um ist doch nur ein Mädchen " Jetzt als TW kommen eher anerkennende Äußerungen von den Gegnern.


    Grundsätzlich tendiere ich aber dazu , das nur sehr gute Juniorinnen sich in einer Junioren Liga begeben.

  • Da ich meiner Tochter sehr oft beim Training und immer bei Spielen zuschaue, habe ich den direkten Vergleich (sie spielt in einer Juniorenmannschaft und mit Zweitspielrecht in einer Juniorinnenmannschaft). Ich kann dir bei vielen Punkten zustimmen.


    Punkt 1: Ja, sie benehmen sich und hören auch eher zu, wenn etwas erklärt wird. Es wird nicht so viel Blödsinn untereinander gemacht. Das Training wird meines Erachtens nach ernster genommen. Zickenalarm gibt es allerdings schon, bei meiner Tochter in der Mannschaft aber eher untereinander, also so dass es die Trainer nicht wirklich mitbekommen.


    Punkt 2: Kann ich dir voll und ganz zustimmen.


    Punkt 3: Diesen Punkt sehe ich bei uns nicht. Die Mädchen sind meiner Meinung weder wehleidiger, noch weniger wehleidig. Das ist relativ vergleichbar.


    Punkt 4: Kann ich dir voll und ganz zustimmen. Ich kann jetzt zwar nicht für C-Jungs sprechen, aber die E-Junioren bei denen meine Tochter spielt nehmen sich das Ergebnis sehr zu Herzen. Da hör ich bei einem verlorenen Spiel schon öfter von den anderen Eltern sowas wie "Na toll, jetzt ist für den Rest des Tages die Laune wieder im Keller". Kenne ich von den Mädchen nicht.


    Punkt 5: Kann ich dir nicht zustimmen.


    Punkt 6: Kann ich dir voll und ganz zustimmen.


    Warum spielen eure C-Mädchen denn gegen C-Jungs? Bei uns ist es so geregelt, dass wenn keine Mädchenrunde zustande kommt, dann spielen die Mädchen gegen einen jüngeren Jahrgang, also C-Juniorinnen gegen D-Junioren, D-Juniorinnen gegen E-Junioren usw.

  • Andre

    Ein paar Erfahrungen dazu aus unterschiedlichen Blickwinkeln:

    In unserer Gegend machen das am ehesten Vereine, die mit den B-Juniorinnen höher spielen. Für die C-Juniorinnen gibt es keinen vergleichbaren Spielbetrieb - insofern gehen sie in die unterste Klasse der Jungs. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das immer eine so gute Idee ist... Duie gegnerischen Jungs haben damit gar nicht unbedingt ein Problem. Denen ist schon klar, warum die das machen und das ist für die auch in Ordnung.

    1. Mädchen benehmen sich immer zu jeder Zeit, sie sind miteinander herzlicher, Mobbing oder Zickenalarm gibt's bis Dato nicht.

    Du hast keine Tochter, richtig? Wenn es diese Dinge in der Mannschaft gibt, wird es der Trainer definitiv als Letzter erfahren.
    Die Mädchen sind zu anderen Mädchen, die sie mögen und akzeptieren, tatsächlich herzlich. Aber wehe, das ist nicht so.
    Gerade im Jugendleistungsfußball sagen Jungs "Wir müssen nicht 11 Freunde sein, wir müssen nur zusammen Fußball spielen."

    2. Sie sind gelehriger im direkten Vergleich mit gleichaltrigen Jungen, versuchen erkennbar Dinge umzusetzen, auch wenn es oft nicht klappt.

    Mädchen sind in ihrer Persönlichkeitsentwicklung meistens weiter als gleichaltrige Jungs. Ich habe schon häufiger sehr talentierte Mädchen in Jungenmannschaften trainiert. Insofern kann ich Deine Beobachtung voll unterstreichen. Nicht selten kommt es vor, dass Mädchen Themen aus dem letzten Training im nächsten Spiel anwenden.

    3. Sie kämpfen mehr, sind überwiegend aber auch wehleidiger!

    Ich habe nur Erfahrungen mit Mädchen in Jungenmannschaften. Kämpferisch gehen sie oft voran; ein wehleidiges Mädchen habe ich noch nicht kennengelernt.

    Gehe ich recht in der Annahme, dass die meisten Deiner Spielerinnen bislang nicht in Jungenmannschaften gespielt haben? Im Jungsfußball geht es körperlich anders zur Sache als im Mädchenfußball. Das gilt auch (vielleicht sogar gerade) in der untersten Klasse, in der fußballerisch viele limitiert sind... Das dürfte dann für viele neu sein.


    Meine Beobachtung ist, dass Vereine mit der Möglichkeit, eine Mädchenmannschaft in einer Jungenstaffel zu melden, nicht immer verantwortlich umgehen. Das Dilemma ist mir schon klar. Meistens wären diese Mannschaften in einer Mädchenstaffel in 80% der Spiele unterfordert. Gilt das aber auch für jede einzelne Spielerin? Ich konnte mir vor ein paar Wochen ein solches Spiel ansehen. Der Umgang miteinander auf dem Platz war von beiden Seiten vollkommen o.k. und respektvoll.

    Mit fiel aber auf, dass von den 11 Mädchen auf dem Platz ca. 7 stark gefordert bis überfordert waren. Die anderen 4 waren in der richtigen Klasse und haben dazu beigetragen, das Ergebnis im Rahmen zu halten. Wäre es da nicht sinnvoller, wenn diese 4 Mädchen in einer Jungenmannschaft spielen und die anderen in einer Mädchenstaffel? Natürlich weiß ich, dass manche Mädchen das nicht wollen. Die wirklich talentierten Mädchen in unserem Verein wollten das bislang aber immer...

  • Das gehört zum Vereinskonzept. Die erste Damen spielt recht hoch. Man möchte möglichst aus dem eigenen Nachwuchs schöpfen und die werden halt so recht stark. Die meisten C Mädchenteams der Mädchen Liga werden bei Freundschaftsspielen meist deutlich geschlagen.

  • Ich bin das erste Jahr frisch dabei, habe dem nach Abwägung anderer Denkmodelle einvernehmlich und mitverantwortlich zugestimmt. Das hatte drei Gründe.


    1. Die anderen Mädchenteams (bis auf eins) haben keine Schnitte... was nützen da erwartungsgemäß zweistellige Ergebnisse


    2. Hatte man hier bereits ein Jahr Erfahrung. Im Pokalendspiel letzte Saison gewann man gegen die erste Mannschaft der Mädchenliga deutlichst... was das Konzept positiv unterstrich


    3. So lange wir Trainer und alle anderen Verantwortlichen keine Erwartungen leben, steht der reine Ausbildungsgedanke im Fordergrund. Dafür stehen wir ein... das klappt.

    So kamen wir in die Kreisliga C... männlich. Ich weiss es nichtmal exakt... 2 oder dreimal gewonnen, und dreimal verloren und ich glaube ein Unentschieden... das passt. Fussballerisch sehe ich das Team ganz vorne,... verloren wurde eher aufgrund eines einzelnen Stürmer, der mal alleine ging und durchbrach und abschloss.


    Alternative war,... in die Mädchenliga zu gehen und Freundschaftsspiele zu spielen. Ich bin heute jedoch im Glauben, dass da wohl öfter von männlichen Teams geniffen wird, da man vermutlich Angst hat, zu verlieren (?)


    In der Jungenliga sind auch 9'ner Spiele möglich.

  • Meine Tochter hat bis letzte Saison in einem Verein gespielt deren 1. Frauenmannschaft 2. Bundesliga gespielt hat und nun spielt sie in einem Verein in dem die 1. Frauenmannschaft Regionalliga spielt. In beiden Vereinen war es so, dass die C-Mädchen in D-Junioren-Runde und die D-Mädchen in der E-Junioren-Runde gespielt haben bzw. spielen.


    Beide Möglichkeiten sind irgendwie zumindest in diesen beiden Vereinen keine gute Wahl. Spielen sie gegen jüngere Jungs, gewinnen sie alles und wurden auch Meister, also quasi unterfordert. Allerdings gehen die Freundschaftsspiele gegen gleichaltrige Jungs allesamt verloren, teilweise zweistellig.

  • Zu diesem Thema kann ich etwas beitragen, da meine Tochter vier Jahre (U13 + U15) mit ihrer Mädchenmannschaft in der Kreisklasse männlich mitgespielt hat. Dazu muss ich noch erwähnen, das in unserem Verband Mädchen NICHT gegen jüngere Jungs spielen dürfen.


    Der Verein hatte damals gerade mit dem Einsatz der Mädchenteams bei den Jungs begonnen und es gab zu Beginn auf beiden Seiten einige Unsicherheiten und von den Gegnern bei Spielern, Trainern und besonders Eltern (Mütter!) einige Aussetzer.

    ABER: es hat sich im Laufe der Zeit in diesem kleinen Fußballkreis herumgesprochen und heute gibt es sogar so eine Art "Fanfreundschaft" zwischen einigen Klubs.


    Sportlich konnten wir in dieser niedrigen Klasse gut mithalten und wurden auch einige Male Staffelsieger. Die Mädchenmannschaft nimmt erst ab der U17 wieder am Spielbetrieb der weiblichen Jugend teil - dann für gewöhnlich in der höchsten Klasse. Vorher wird nur auf (zahlreichen) Turnieren gegen etwa gleichwertige Gegner aus dem In- und Ausland gespielt.


    Warum bei den Jungs mitspielen? Ganz klar wegen der Wettkampfhärte und dem Zweikampfverhalten.


    Gibt es noch einen weiteren Vorteil? Auf jeden Fall: da ein Aufstieg vom Verein von vorneherein ausgeschlossen wird, können die Trainer ganz nach Belieben ausprobieren und testen. Niederlagen haben keine Folge. Uns Eltern wurde schon vor der Saison mitgeteilt, dass das Abschneiden bei den Jungs für den Verein unwesentlich ist. Nur die Vergleiche gegen starke Mädchenmannschaften bei Turnieren werden bewertet. Da will man mithalten können.

  • Ich möchte nochmal betonen wenn die Mädchen eine gewisse Spielerfahrung/Leistungsniveau erreicht haben ist ganz klar eine Junioren Liga in betracht zu ziehen. Wenn jedes Spiel gegen andere Mädchen zweistellig gewonnen wird,ist Zeit für andere Herausforderungen.


    Wir waren am Wochenende mal wieder bei unsern D Mädchen zu Gast. Nach 6 Pflichtspielen haben sie ein Torverhältnis von 1:115 0 Punkte Aber inzwischen bin ich davon überzeugt das nicht daran liegt das es Mädchen sind, sondern einfach daran das Grundlegende Kenntnisse über das Spiel und auch das fehlen von Fähigkeiten mit dem Ball dafür der Grund sind.


    Eine Junioren Mannschaft bei der alle Jungs noch nie Fußball gespielt haben, wäre wahrscheinlich nicht wesentlich besser.

  • Ich habe letztes Jahr eine U15 Junioren gehabt. Wir hatten in der U14, 2 Mädchen die bei uns 2. Spielrecht hatten und ab und zu in der Jungen Bezirksliga gespielt haben. Ansonsten in einer reinen Mädchenmannschaft, in einer Mädchen-Landesstaffel der B-Jugend. Also gegen ausschließlich ältere Spielerinnen. Es hat ihnen also einen klaren Vorteil gebracht. Auch wenn sie bei uns nicht sehr viele Einsatzzeiten hatten, sie hatten das Training und in der Juniorinnen Staffel viel gespielt.

  • Was Sadic da beschreibt, ist die andere Vorgehensweise: Man gibt sehr talentierten Mädchen die Möglichkeit, in starken Jungenmannschaften zu spielen und/oder zu trainieren. Der Unterschied ist, dass sie im Spiel und Training Mitspieler und Gegner haben, die auch ein hohes taktisches und technisches Niveau haben.
    In der untersten Jungenklasse findet man das nicht. In der Regel gewinnt da (besonders bei 9er Mannschaften) die Mannschaft mit dem schnellsten Einzelspieler. Technisch und individualtaktisch sind die Gegenspieler da doch eher limitiert...

  • Update:

    Meine Erfahrungen steigern sich. Gestern hatten wir in einer Grosshalle ein Freundschaftsspiel im 4+1 mit Futsal im C-Mädchen Bereich. Die Gegnerinnen und das Trainerteam sind eine bärenstarke Truppe... ich glaube neben Stützpunktspielerinnen sind zwei in der Westfalenauswahl. Spielerisch sicherlich sehr gut... starke Torfrau. Nach drei Halbzeiten stand es tormässig deutlich für uns, gezählt hat das keiner, war auch nicht wichtig. Fussballerisch war das vom Potenzial her zwischen gleichwertig bis leichten Überhang für den 'Gegner'. Was allerdings den deutlichen Unterschied machte ist/war nach meiner subjektiven Einschätzung die deutliche körperliche Präsenz bei schneller zügiger Aktion. Das sprach ebenfalls deutlich für die Philo, ein gutes Mädchenteam in der Kreisliga C Jungen tatsächlich anzumelden, denn darauf führe ich das zurück. Spass hatten beide Teams, beiden quoll das Adrenalin aus den Ohren, war toll. Um den Powerfussball zu pflegen, liessen wir drei Viererteams im Vier bis max. Sechs-Minutentakt wechseln. Das ganze als Raute, vorne eine derzeit etwas Antrittschwächere pro Team. Derzeit können sie zwei Spieleröffnungen, die ich oder eine Mitspielern nach Lage mal mit einer Ziffer (1 oder Variante2) einrufen.

  • Mit fiel aber auf, dass von den 11 Mädchen auf dem Platz ca. 7 stark gefordert bis überfordert waren. Die anderen 4 waren in der richtigen Klasse und haben dazu beigetragen, das Ergebnis im Rahmen zu halten. Wäre es da nicht sinnvoller, wenn diese 4 Mädchen in einer Jungenmannschaft spielen und die anderen in einer Mädchenstaffel? Natürlich weiß ich, dass manche Mädchen das nicht wollen. Die wirklich talentierten Mädchen in unserem Verein wollten das bislang aber immer...

    Das ist eben die Struktur, die ganz viele Mädchenmannschaften haben - die Spanne reicht von richtig guten Spielerinnen bis hin zu absoluten Anfängerinnen (auch noch in C oder B) und Mädchen mit wenig Bewegungstalent. Würde man die stärkeren Spielerinnen sämtlich in Jungsmannschaften schicken, wäre die Restmannschaft nicht mehr konkurrenzfähig und nicht mehr lange existent. Im Prinzip kann man drei Vereinsstrategien im Mädchenfußball erkennen:


    1. Alle werden aufgenommen, alle spielen. Über ein mittleres Niveau können solche Mannschaften nicht hinauskommen.


    2. Aufgenommen werden nur leistungsfähige Spielerinnen (ca. obere 50 Prozent der Normalverteilung), die perspektivisch auch die Option bieten, mit der Mädchenmannschaft in Jungsstaffeln spielen zu können. Diese Mannschaften räumen (wenn sie im Mädchenfußball spielen) alles ab.


    3. Es werden nur diejenigen Mädchen aufgenommen, die für Training und Spiel in Jungsmannschaften definitiv geeignet erscheinen. Rund 80 Prozent der an Fußball interessierten Mädchen werden abgewiesen. Auf Mädchenmannschaften wird in der Konsequenz verzichtet.

  • Alter Sack

    Es gibt schon noch eine weitere Strategie:
    Alle werden aufgenommen. Den Stärksten gibt man die Möglichkeit, in Jungenmannschaften zu spielen.

    Gerade das

    Das ist eben die Struktur, die ganz viele Mädchenmannschaften haben - die Spanne reicht von richtig guten Spielerinnen bis hin zu absoluten Anfängerinnen (auch noch in C oder B) und Mädchen mit wenig Bewegungstalent.

    ist doch das große Problem im Mädchenfußball. Homogenität hast Du nur bei Vereinen, die die talentiertesten Mädchen einsammeln. Bei dem Spiel, von dem ich oben berichtete war es ungefähr so:

    Ca. 20% der Mädchen hätten auch in der KL oder 1. KK der Jungs mithalten können.

    Ca. 20% waren in der 2. KK der Jungs gut aufgehoben.

    Aber ca. 60% waren komplett überfordert.

    Natürlich sorgen die 40% dafür, dass es nicht all zu schlimm wird. Und vermutlich bringt es diesen Mädels auch etwas. Vermutlich haben sie auch realistische Chancen, irgendwann in der hochspielenden 1. Damen zu landen. Aber was bringt den 60% dieses Spiel? Werden die nicht verheizt, um die anderen 40% zu fördern?

    Diese prozentualen Gewichtungen habe ich übrigens anhand der Spielerinnen auf dem Platz gemacht. Bezogen auf den Gesamtkader waren mehr als 60% überfordert.

  • Follkao


    - Ja: der Einsatz in 11er Mannschaften in der Jungenligen ist sinnvoll. Gerade wenn bei den Mädels auch nach der D ansonsten noch auf Kleinfeld gespielt wird.


    Einsatz in der gleichaltrigen Bezirksliga und höher: ich persönlich kenne zwar einige Mädels, die das als Stammspieler (und ohne Vatertrainer) geschafft haben. Diese waren aber sämtlich mindestens B-Juniorinnen Bundesligaspielerinnen oder sogar in der Mehrzahl Nationalspielerinnen oder doch wenigstens Teilnehmerinnen an Nationalmannschafts-Lehrgängen.

  • Gerade das ist doch das große Problem im Mädchenfußball. Homogenität hast Du nur bei Vereinen, die die talentiertesten Mädchen einsammeln.

    Nein - Homogenität hast du ab und zu auch bei Mannschaften bzw. Vereinen, deren talentiertesten Mädchen eingesammelt worden sind.

    Nehmen wir einmal an, der Verein setzt die beschriebenen vier stärkeren Mädchen in eine Jungsmannschaft um. Was ist dann mit den anderen Mädchen? In einer Jungsstaffel werden sie sicher nicht mehr spielen können; in einer Mädchenstaffel treffen sie wiederum auf die von dir korrekt beschriebenen Einsammler-Vereine. Wer die Strategie fahrt, dass alle überdurchschnittlichen Spielerinnen nicht in Mädchenmannschaften spielen sollen, muss in der Konsequenz auf Mädchenmannschaften verzichten, wenn diese nicht von einer Abschlachtung zur nächsten geführt werden sollen.

  • Gerade wenn bei den Mädels auch nach der D ansonsten noch auf Kleinfeld gespielt wird.

    Diesen Einwand kann ich nachvollziehen.
    Bei uns in der Gegend ist es allerdings so, dass Du in der niedrigsten Jungenstaffel größtenteils auf 9er Mannschaften triffst.

    Einsatz in der gleichaltrigen Bezirksliga und höher: ich persönlich kenne zwar einige Mädels, die das als Stammspieler (und ohne Vatertrainer) geschafft haben. Diese waren aber sämtlich mindestens B-Juniorinnen Bundesligaspielerinnen oder sogar in der Mehrzahl Nationalspielerinnen oder doch wenigstens Teilnehmerinnen an Nationalmannschafts-Lehrgängen.

    Bezogen auf die Bezirksliga bin ich auch da bei Dir. Auch ich kenne nur eine Nicht-National- / B-Jun.-Bundesligaspielerin, die das geschafft hat.
    In der Kreisliga oder 1. Kreisklasse sieht das aber schon ganz anders aus.

    Nehmen wir einmal an, der Verein setzt die beschriebenen vier stärkeren Mädchen in eine Jungsmannschaft um. Was ist dann mit den anderen Mädchen? In einer Jungsstaffel werden sie sicher nicht mehr spielen können; in einer Mädchenstaffel treffen sie wiederum auf die von dir korrekt beschriebenen Einsammler-Vereine. Wer die Strategie fahrt, dass alle überdurchschnittlichen Spielerinnen nicht in Mädchenmannschaften spielen sollen, muss in der Konsequenz auf Mädchenmannschaften verzichten, wenn diese nicht von einer Abschlachtung zur nächsten geführt werden sollen.

    Na ja... Wenn man diese Top4 rausnimmt, bleibt eine ganz normale Mädchenmannschaft übrig. Es ist ja nicht so, dass jede Mädchenmannschaft Spielerinnen hat, die bei den Jungs klarkämen.
    Mir geht's dabei aber um etwas anderes: Man spielt in einer Klasse, die für 60% der Mannschaft zu hoch ist. Für diese 60% bringt das wenig. Hart ausgedrückt sind sie das Füllmaterial für die Ausbildung der 40%...

    20% meiner jetzigen Mannschaft werden in der Frühjahrsrunde eine Klasse zu hoch spielen; 20% werden meistens mithalten können. Die Top60% werden das vermutlich weitestgehend auffangen. Sie werden dieselben Spielzeiten bekommen wie die anderen. Trotzdem werden diese Spieler nur selten persönliche Erfolgserlebnisse haben. Das tut mir jetzt schon leid für die Jungs. Lässt sich aufgrund der Kadergrößen halt nicht anders darstellen. Wenn ich mir aber vorstelle, dass das für 60% der Mannschaft gilt,...