Offene Fragen / Bin seit einem halben Jahr Trainer

  • Hallo liebe TrainerTalk Schreiberinnen und Schreiber

    Ich lese jetzt schon seit geraumer Zeit mit und habe mich nun endlich entschlossen, ein Benutzerkonto anzulegen.
    Wie es oben schon steht, bin ich seit einem halben Jahr Trainer einer C2-Juniorinnen Mannschaft.
    Mir gefällt es bis jetzt wirklich super und macht mir bei jedem Training wieder Laune. ^^

    Allerdings haben sich bei mir einige Fragen angesammelt und ich dachte Ihr könntet mir vlt. weiterhelfen:

    1. Wir spielen während der gesamten Saison noch auf ein 9er Feld. Hierfür habe ich mir die Grundordnung 3-4-1 überlegt.
    Mein Problem: Mir ist aufgefallen, dass mein IV mehr ein Libero ist. Das ist nicht mehr wirklich zeitgemäß.
    Deshalb die Frage: Wie kann ich das ändern? Sie steht immer ein gutes Stück hinter den AV und hält sich größtenteils aus dem Spiel raus, obwohl Qualität da wäre. Ich möchte eigentlich an der Spielformation nicht viel ändern, sprich mit 3 Verteidigern weiterspielen. Ich habe die Befürchtung, das wir hinten zu offen stehen, wenn sie weiter vorrückt.

    2. Ich habe oft gelesen, dass von Indiv. Taktik die Rede ist. Was genau ist damit gemeint ? Sind das Dinge wie: Wie führe ich einen Zweikampf etc. ?
    Könntet Ihr mir ein paar Beispiele nennen?

    3. Sollte man jetzt schon anfangen die Spieler nach Position zu trainieren ? Ich habe da lange drüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es den Spielern auf jeden Fall helfen würde Position spezifische Dinge zu lernen. Andererseits schließe ich damit auch einen großen Teil der Mannschaft aus.
    Würde gerne mal eure Meinung hören.

    4. Ich habe teilweise Spielerinnen dabei die technisch wirklich schwach sind. Das ist teilweise so extrem, dass ein einfacher Pass über 5m, halbhoch und 2m daneben gespielt wird. Ich erkläre es immer wieder, aber es zeigt keine Wirkung.
    Wie packt man so was am besten an ?

    5. Wenn ich Dinge erkläre gibt es immer 2-3 Mädels die mir null zuhören und öfters dazwischen Quatschen. In kleineren Gruppen klappt das Erklären ganz gut.
    Deshalb bin ich dazu übergegangen die Mannschaft öfters zu splitten. (Daher rührt btw. auch die Frage nach dem Position spezifischem Training)
    Ich habe einfach keine Lust, ständig wieder auf's neue für Ruhe sorgen zu müssen und immer wieder dieselben Mädels zu ermahnen.
    Hat das was mit fehlendem Respekt zu tun ? Wie macht ihr das ?

    6. Bei uns im Team wird jetzt bald ein Posten bei den C1-Juniorinnen frei. Die haben wirklich eine tolle Truppe und sind außerdem noch extrem spielstark.
    Ich wurde gefragt ob ich diese Mannschaft nicht mitbetreuen will. Grundsätzlich hätte ich Lust dazu, aber der Zeitaufwand ist enorm.
    Außerdem bin ja erst seit einem halben Jahr Trainer... Habe ein bisschen Angst, dass mich die starke C1 überfordert. Bin da hin und her gerissen.
    Auch hier würde mich eure Meinung interessieren. ;)

    So das ist jetzt auch lang genug geworden.
    Ich habe fertig.
    Vielen Dank schon mal im voraus für die Antworten.
    (Falls das nicht in diesen Thread passt, dann bitte verschieben. Wusste nicht wo ich das sonst hinschreiben sollte)

    Gruß Nummer2 8)

  • 1. Es ist nun mal irgendwie intuitiv den Ausputzer in der Mitte zu spielen und ja auch oft. Man kann immer nur in spezifischen Situationen sagen (die ich nicht kenne) ob das Verhalten nun "richtig" und "zeitgemäß" war. Mannorientiertes Spiel ist sehr zeitgemäß. Ob der Zentrale Spieler, der sich wie ein Ausputzer verhält das situativ gut macht, kann man von der Ferne nicht sagen. Allgemein kannst du mal hier auf Fußballtraining.de über die Defensivarbeit zur 3er/5er-Kette grundlegend informieren. Dort gibt es auch schon ein paar Übungen, die man machen kann um das Verhalten zu coachen. Wenn du am Wochenende Bundesliga guckst, wird garantiert eine Mannschaft in einem 5-2 / 3-4 System auflaufen. Beobachte einfach mal wie sich die Verteidiger dort verhalten und wo der Unterschied zu deiner Mannschaft ist. Daraus kannst du dann evtl. schon sehr viel für dein Coaching ableiten. Viel wichtiger als spezifische Übungen ist es, dass du gut coachst.

    Auch wenn du nicht gerne Umstellen willst, würde ich dir doch zu einer variablen taktischen Schulung raten und auch die 4er-Kette Trainieren.


    2. Immer, wenn du deine Entscheidung als Fußballer unabhängig von Mitspielern triffst befinden wir uns zu 100% in der Individualtaktik.

    Der Begriff ist aber eigentlich etwas schwammig. Man kann nicht mehr wirklich zwischen Individual- und Gruppentaktik unterscheiden, weil man eine Entscheidung nicht gänzlich unabhängig von seinen Mitspielern treffen kann.

    Der DFB definiert deswegen streng nach den Verhaltensweisen in den verschiedenen 1 gegen 1(2) - Situationen:


    - Frontales 1 gegen 1 Am Flügel: kurze/lange Distanz

    - Frontales 1 gegen 1 Am Flügel: kurze Distanz

    - 1 gegen 1 Verteidiger im Rücken des Angreifers im Zentrum: Angreifer am Ball/ nicht am Ball

    - 1 gegen 1 Verteidiger im Rücken des Angreifers am Flügel: Angreifer am Ball

    - 1 gegen 2 Verteidigen

    - Seitliches 1 gegen 1

    - (Stellungsspiel des Torwarts)


    Ich nehme aber z.B. noch Dinge hinzu wie: wohin der Ball mitgenommen wird, wo und wie ich mich Freilaufe, In welchen Fuß ich einen Pass spiele, wie ich mich zu einem Passgeber anbiete etc.

    Das sind also Aktionen bei denen mehrere Spieler beteiligt sind, aber nur einer wirklich denken muss, bzw. andere Mitspieler keinen großen Einfluss auf meine Entscheidung haben.

    3. Das hängt vom Leistungsstand der Spieler ab und ob sie noch grobe Defizite in der Individualtaktik haben und ob sie Gruppentaktische Basics verinnerlicht haben. Jeder Spieler, egal auf welcher Position, sollte kompetent 1-gegen-1-Situationen verteidigen können und zumindest verstanden haben wie man offensiv Zweikämpfe löst. Des weiteren müssen halt Freilaufverhalten, Dreiecks- / Rautenbildung, Doppelpässe, Spiel über den Dritten etc. unabhängig von der Position beherrscht werden. Das Verteidigen zu zweit in Gleich-, Unter- und Überzahl muss verstanden sein.

    Positionsspezifische Dinge können und sollten im Kontext der Gruppentaktik fokussiert werden. Du könntest z.B. beim "Verteidigen zu zweit", deine zukünftigen "Innenverteidiger" nur 1/3 (anstatt 1/2) der Zeit Angreifen lassen (damit sie die Basics in der offensive lernen) und den Rest verteidigen lassen(um die Defensive zu forcieren und zu spezialisieren). Dabei passt du dann dein Coaching jeweils auf den Spieler an. Du wirst also deinem Verteidiger in der Defensive andere (spezifischere) Hinweise geben, als deinem flinken Flügeldribbler. Umgekehrt muss deine Erwartung an den Dribbler in der Offensive höher sein als an deinen Innenverteidiger.
    Deutsche Topspieler aus den NLZs sind meist sehr gute Spezialisten auf 1 bis 2 Positionen, würden aber auf anderen Positionen nicht wirklich negativ (aber auch nicht positiv) auffallen.



    4. Wiederholungen und zwar Tausende.

    Erklären ist zwar schön und gut, aber machen ist besser. Ich empfehle dir das Eckspiel/Rondo um die Basics (alle technischen Aspekte außer Schießen) in dem Alter zu verbessern. Jedes Training 20 Minuten ein Rondo in verschiedenen Varianten kann viel helfen. Anders als bei isolierten Passübungen haben die Mädels hier auch Gegnerdruck und lernen ihre Technik trotzdem durchzubringen und richtige Entscheidungen zu treffen. Außerdem musst du gar nicht viel korrigieren, denn wer schlecht passt muss in die Mitte und laufen. Du kannst dich dafür mehr auf das Loben von gelungenen Aktionen konzentrieren.

    Gebe hierbei aber nur in Ausnahmefällen Kontaktbegrenzungen und mache für den Anfang kein größeres Eck als 5 gegen
    2 . Ich würde z.B. für eine sehr schwache C-Jugend mein Aufwärmprogramm fast immer so machen: 10 min Lauf-ABC/Koordination im Parkour mit Passen/Dribbling, 20-30 Minuten verschiedene technisch-taktische Rondos.


    5. Da kann ich dir von der Ferne keine Hilfe geben. Mädchen sind da auch noch mal anders als Jungs und mit Mädchen habe ich keine Erfahrung.


    6. Als Co-Trainer mitmachen kann ja nicht schaden. Du kannst dann alles vom jeweiligen Cheftrainer aufsaugen und evtl. viel lernen. Auch wenn du nur lernst das es alles Mist ist was er macht ;-) . Ob du das zeitlich stemmen kannst/willst musst du selber wissen. Evtl. lässt sich ja ein Kompromiss finden, z.B. dass du ihm nur jedes zweite Training hilfst.









  • Also zu 5. kann ich nur sagen, dass ein bisschen Gequatsche bei Mädchen ganz normal ist.. Ich spiele auch selbst in unserer Frauenmannschaft und auch da wird öfters mal zwischen den Übungen / Bei der Erklärung gequatscht.


    ABER es gibt 2 Arten von "Quatschen während des Erklärens". Zum einen wird ab und an mal gequatscht, aber die Erklärung trotzdem verstanden und richtig ausgeführt. Das finde ich persönlich vollkommen okay, wir sind ja nicht bei der Bundeswehr ;) Wenn aber aus Prinzip immer von den selben und total unsinniges Zeug gequatscht wird und danach überhaupt kein Plan der Übung vorhanden ist, dann nervt das schon extrem. Im C-Juniorinnen Alter kann man eine der Spielerinnen dann ruhig auch mal auffordern die Übung nun noch einmal für alle zu wiederholen / vorzumachen. Das wird sie nicht hinbekommen und von selbst das nächste Mal zuhören. Man sollte die Spielerin nicht vorführen, aber mit einem kleinen Seitenhieb hat das bisher immer ganz gut geklappt.


    Gut fand ich auch den Hinweis in anderen Themen, die Mädels am Anfang ruhig ein bis zwei Runden "warmlaufen" zu lassen (kann man auch zwischen den Übungen einstreuen, gibt auch Zeit zum Umbauen), wobei sie nach Herzenslust plaudern können. Nicht um des Laufens Willen und auch nicht als Strafe, sondern einfach damit danach dann Ruhe herrscht ;)


    Zuletzt könnte man sich selbst und seine Erklärungen nochmal hinterfragen, ob man vielleicht dazu neigt zu weit auszuholen oder Übungen zu kompliziert erklärt. Kurz ein paar Worte, dann Vormachen / Proberunde und dann gehts los.


    Nicht verzweifeln, Mädels / Frauen sind so ;)

  • Herzlichen Willkommen Nummer2 .

    Ein paar Anregungen von mir zu deinen Fragen:

    1.

    Wie bist du denn auf diese Grundordnung gekommen? Ich lasse die Grundordnung spielen, die zu meinen Spielern passt (aktuell im Kleinfeldbereich natürlich nur eingeschränkt). Wenn du die Spielerinnen für ein 3-4-1 nicht hast, dann solltest du über einen Wechsel nachdenken. So wie du die Libera (heißt das so?) beschreibst, könnte ich sie mir auch gut zentral vor der Abwehr vorstellen.

    Eine 3er-Kette vermittle ich aus der 4er-Kette, d.h. ich fange normal mit der 4er-Kette an und wenn das Prinzip der ballorientierten Verteidigung sitzt, dann leite ich daraus die 3er-Kette ab. Die Varianten der 3er-Kette sind ja auch vielschichtig. Aus verschiedenen Gründen habe ich bislang mit 3er-Kette gespielt, die zur 4er-Kette wird, also nicht wie derzeit häufig gesehen zur 5er-Kette.

    Gerade Mannschaften, die nur Manndeckung gespielt haben, interpretieren eine 3er-Kette völlig anders, nämlich zumeist nicht als Kette. Daher der Umweg über die 4er-Kette.

    2.

    Zur Individualtaktik wurden schon Hinweise gegeben. Aus meiner Sicht gehört unbedingt noch das Stellungsspiel dazu, insbesondere die Positionierung vor der Ballannahme. Die sog. "offenen Stellung" ist für mich elementar. Gerade wenn deine Spieler noch Probleme mit der Ballan- und -mitnahme haben, gewinnen sie durch eine offene Stellung etwas Zeit.

    3. und 4.

    Deine Mannschaft scheint heterogen besetzt zu sein. Dies ist im Breitensportbereich und insbesondere bei den Mädels völlig normal.

    Kleingruppentraining sehe ich bei so einer Konstellation als sehr empfehlenswert an. Gerade in dieser Altersgruppe und bei den Mädels ist es aber wichtig, dieses Training positiv zu verpacken, damit sich die schwächeren Spielerinnen nicht als Looser fühlen. Ggfs. kannst du das ja als Positionstraining verkaufen, obwohl es das dann eig. nicht ist. Das Festlegen auf Positionen hängt immer vom jeweiligen Team ab. Da du noch auf dem 9er-Feld spielst, kann es noch Sinn machen, die Positionen zu rotieren. Auf dem 11er-Feld würde ich das grundsätzlich nicht mehr machen.

    5.

    Wichtiger als erklären ist es zu demonstrieren bzw. demonstrieren zu lassen. Manche Begriffe verstehen die Mädels vielleicht gar nicht. Andere wissen längst was du willst und hören deshalb nicht mehr hin. Mein Motto: wer sich mehr bewegt, hat weniger Zeit zum quatschen.

    Also alle immer schön in Bewegung halten. ;)

    6.

    Mitbetreuen heißt? Du behältst die C2 und wirst in der C1 Co-Trainer oder Trainer von beiden Teams?

  • Vielen Dank für die Antworten

    Ich versuche mal in den einzelnen Punkten zu antworten:

    1. Das 3-4-1 ist so gedacht, dass der Stürmer den ersten Verteidiger gibt. Das Mittelfeld bildet vor der Abwehr eine 4er Kette und dahinter steht die 3er Abwehrkette. Ist etwas individuell, aber ich habe bewusst auf eine defensive 5er Kette verzichtet. Das LM und RM soll etwas weiter vorne stehen, damit wir schneller auf Ballbesitz im Mittelfeld reagieren können. Außerdem habe ich das Problem das viele meiner Abwehrspielerinnen technisch und taktisch noch nicht soweit sind. Hat den Hintergrund das die Mannschaft letztes Jahr einige Spieler verloren hat.

    Verschieben sollen beide Reihen übrigens trotzdem, je nach Angriffsseite.
    Ich scheue mich noch etwas davor eine 4er Kette mit der Abwehr zu trainieren, da ich die vielen technischen Defizite für dringender halte.
    Vlt. unterschätze ich meine Spielerinnen auch und man konnte beides machen. Aber Trainingszeit ist ja auch begrenzt...

    Aber mal angenommen ich würde umstellen auf ein 4-3-1. Könnte ich die beiden AV trotzdem mit nach vorne nehmen, ohne zu offen zu stehen ?
    Die müssen jetzt nicht versuchen die Gegenspieler zu hinterlaufen. Ich möchte lediglich, das die Flügelspieler eine Anspielstation nach hinten haben und die AV den Ball ggf. neu verteilen können.

    2.Vielen Dank für die Beispiele. Ist mir jetzt wesentlich klarer.
    Die "offene Stellung" habe ich mir mal in einem Video angeschaut. Klingt sehr sinnvoll. :thumbup:

    3. Hier muss ich mir noch ein paar Gedanken machen. Individuelle Tipps und Anforderungen zu haben, klingt nach einer guten Idee.
    Ich denke ich werde erst einmal mit elementaren Dingen weitermachen und nicht allzu spezifisch werden.

    4. Rondo halte ich für eine gute Idee. Wird zwar anfangs etwas frustrierend für einige, aber das sollte mit der Zeit hoffentlich besser werden.
    Obwohl ich manchmal das Gefühl habe, dass sich da rein gar nichts tut. :( 
    Ich denke ich werde das einfach mal die nächsten Wochen durchgängig spielen lassen. Vlt. sehe ich ja dann eine klitzekleine Besserung. :)

    5. Als ich frisch angefangen habe, ist genau das passiert:
    Erklärungen waren viel zu lang. Nichts vorgemacht etc. Das hat sich jetzt aber stark verbessert. Kommt auch eigentlich nur vor, wenn ich systemrelevante Dinge erkläre. Bei den Übungen sind sie fast immer bei der Sache.
    Ich habe eher das Gefühl, dass meine 3 Pappenheimer gar kein Interesse an Fußballwissen haben, sondern einfach nur spielen wollen.
    Aber ganz ohne das geht es eben nicht.

    6. Ich würde die C2 behalten, die ich übrigens auch nicht alleine trainiere. Wir sind zwei Trainer, begegnen uns aber auf Augenhöhe, sprich keiner ist der "Chef" der den Ton angibt.
    In der C1 ist es das genaue Gegenteil. Da gab es eine "Chefin" und den Co. Die Haupttrainerin verlasst das Team jetzt und der Co-Trainer bleibt. Habe schon kurz mit Ihm gesprochen. Er würde sich das ganze so vorstellen, wie in der C2 momentan.
    Nur so halb in der C1 sein, ist da glaube ich nicht drin.

  • Talker1980 Das hängt davon ab, was du genau trainieren willst.

    Am einfachsten ist es immer erstmal den Spielern Extraaufgaben gibt die sie entweder technisch nochmals fordern oder große kognitive Leistung verlangen.


    Kontaktbegrenzungen sind da ein gutes Beispiel. Geringe Kantaktzahlen fördern die Vororientierung und Übersicht und hohe Kontaktzahlen mehr ein Dribbling und die Ballmitnahme. Du kannst natürlich immer alles Kombinieren um es komplizierter zu machen. Ein Beispiel für die Kombination wäre z.B. Man muss immer direkt spielen nachdem ein Spieler nicht direkt gespielt hat. Und dann: Nachdem direkt gespielt wurde muss man min. 3 Kontakte nehmen.


    Eine weitere Kombination die ziemlich Anspruchsvoll ist wäre z.B. das in einem 4 gegen 2 die 4 Spieler jeweils einen Ball haben und nachdem sie ihn verloren haben zum Anspieler werden für die die noch einen Ball haben.Bis kein Ball mehr im Spiel ist. Das kannst du dann noch mit Toren für die Innen kombinieren.


    Die erste Regel die ich immer einführe ist: "Wenn ein Spieler den Ball verliert müssen immer 2 in die Mitte. Der der den Ball verloren hat und der der den letzten Pass gespielt hat" Das verbessert langfristig die Passqualität, da man nun nicht mehr einfach einen Notpass in die Bedrängnis spielen kann um nicht mehr in die Mitte zu müssen.


    Einen sehr heraussvordernden Charakter bekommt man, wenn man Teams gegeneinander antreten lässt. z.B. 2 6e-Teams bilden und jeweils 2 müssen beim anderen Team in die Mitte. Wer länger den Ball halten kann erziehlt einen Punkt und es wird so lange gespielt bis jeder mal in der Mitte war.


    Also im Prinzip kann man alles Mögliche machen und kombinieren, hier ist mal eine Liste für Variationen die mir gerade so einfallen:


    - Kontaktbegrenzung / Mindestkontaktzahlen

    - Teams mit zusatzregeln (z.B. Blau darf nicht zu Gelb passen, Gelb nicht zu Rot und Rot nicht zu Blau im 6 gegen 2)

    - Punkterzielung für die Spieler die Außen sind (durch x Pässe , Pässe durch die Schnittstelle, Zielspieler anspielen, Passtore im Feld etc)

    - Punkterzielung für die Spieler in der Mitte (Rausdribbeln aus dem Feld, Dribbeltore, Anspieler außerhalb des Rondos, Minitor außerhalb des Rondos etc.)

    - Ballanzahl erhöhen

    - andere Bälle benutzen

    - Dribblerondos auf Ballhalten

    - Dribbelrondos mit Zielzonen/Hütchentoren zur Punkterzielung

    - variable Felder und "komische" Feldformen

    - Hindernisse im Feld die z.B. als Banden benutzt werden können

    - mit Felderwechsel

    - neutrale Spieler

    etc.


    Irgendwann wird der Übergang zum Positionsspiel (wenn du noch explizite taktische Aspekte mit rein nimmst ) etwas schwammig, aber das ist zur Vorbereitung auf solche ja eigentlich eher gut.

  • Die Idee, dass Passgeber und Passempfänger rein müssen finde ich gut. Werde ich mal mit aufnehmen.

    Dazu gebe ich den Hinweis, sehr gut hinzusehen, ob es für deine Mannschaft die "richtige" Regel ist. Es kann nämlich sein, dass schwächere Spieler dann bewusst nicht mehr angespielt werden, weil die Passgeber "Angst" haben, wegen der schwachen Spielfortsetzung auch in die Mitte zu müssen.

    Ich beobachte es bei meiner Mannschaft hin und wieder, dass in Spielformen bewusst schwächere Kinder nicht mit einbezogen werden, um den "Erfolg" nicht zu gefährden. Da gibt es es dann Zusatzregeln oder eine andere Spielform.

    Beim Rondo handhabe ich es eher so, dass der Passgeber nur dann mit in die Mitte muss, wenn der Pass schlecht war.

    Allgemein würde ich auch sagen, dass die einfachen Rondos bei den stärkeren Spielern flüssiger laufen und auch mit mehr Ehrgeiz gespielt werden. Bei den schwächeren Spielern kommt wenig Tempo auf und es macht ihnen auch nur mäßig Spaß. Der Lernfortschritt hält sich daher auch in Grenzen.

  • Ich kann den Mädels 100x sagen, dass ich mehr Bewegung sehen will, aber dass hält dann eine Minute an, dann ist geht es wieder lahm weiter.

    Um mehr Bewegung ins Rondo zu bringen, kann man ein Viereck markieren. Der Verteidiger bewegt sich ausschließlich im Viereck, die drei Passgeber ausschließlich außerhalb des Vierecks. Die Passgeber dürfen sich nur entlang der Linie bewegen. Verbunden mit der Aufgabe, dass sie immer anspielbar sein müssen, kommt da sogar sehr viel Bewegung rein, da sich sonst eine Anspielstation immer im Deckungsschatten befindet.

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

  • Haha, die spielen auch Pässe in den Deckungsschatten.

    Genau das, soll diese Spielform ja ändern. Niemand darf dem Spieler mit Ball gegenüber stehen. Man muss sich immer an der Seite anbieten. Wer dies nicht macht, muss in die Mitte. Problem gelöst.

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  • Ich glaube die Übung ist für deine Mädels noch zu schwierig. Lass die Verteidiger weg. Bau Vierecke auf und stelle 3 Spielerinnen rein. Die Spielerinnen müssen sich nun so bewegen, dass das Diagonale Eck von der ballbesitzenden Spielerin unbesetzt ist. Die Spielerinnen müssen also ständig in Bewegung bleiben um sich anzubieten. Erst wenn dieses ständige anbieten in der DNA drin ist würde ich Rondo spielen lassen.

  • Larius Das alles lernen sie viel schneller im Rondo selbst. Der Gegnerdruck ist das Entscheidende. Wenn dieser noch zu hoch ist in einem normalen Rondo würde ich ihn nicht komplett weglassen, sondern nur verringern (5gegen 2, 4 gegen 1 oder ein größeres Feld).

    Dazu musst du das dann natürlich noch coachen. Eine Übung selbst macht noch keinen guten Lerneffekt.

  • Larius Das alles lernen sie viel schneller im Rondo selbst. Der Gegnerdruck ist das Entscheidende. Wenn dieser noch zu hoch ist in einem normalen Rondo würde ich ihn nicht komplett weglassen, sondern nur verringern (5gegen 2, 4 gegen 1 oder ein größeres Feld).

    Dazu musst du das dann natürlich noch coachen. Eine Übung selbst macht noch keinen guten Lerneffekt.

    Ich glaube, der Ansatz von Larius ist gar nicht so verkehrt. Die Laufbereitschaft resultiert ja aus einer gewissen Gewohnheit zu Laufen. Bei meiner Truppe kann ich sagen was ich will, Rondo verkommt immer zu Stehübung. und je größer das Feld oder geringer der Druck, desto früher wird gejammert.

  • Im Rondo hast du keinen Laufdruck, das endet immer im stehen wenn man sich nicht die ganze Zeit den Mund fusslig redet und dann wird auch nicht gelaufen weil es schlau ist, sondern weil es der Trainer sagt und das ist finde ich nicht zielführend. Gerade wenn man den Druck verringert wird ja noch weniger gelaufen weil die Notwendigkeit viel geringer ist. Die Mädels müssen erstmal die Basis lernen und verinnerlichen bevor sie die nächsten Schritte machen können.

  • Du musst das halt coachen und das dauert ein bisschen, aber dann haben die Spieler es Verstanden. An Hütchen lernt man vielleicht zu Laufen, aber nicht warum und wohin. Du kannst den Spielern vielleicht sagen: "Das Hütchen repräsentiert einen Gegenspieler." aber aufs Spiel übertragen werden sie es nicht können, da sie die Situation nicht wiedererkennen. Da kann man meiner Meinung nach auch Runden laufen lassen.

    Hast du dagegen in Rondos und in Positionsspielen schon 100 mal eine Lücke zwischen Spielern gesehen (und der Trainer hat dich ein paar mal darauf hingewiesen), erkennst du diese Lücke auch im Spiel und läufst dann da hin.

    Wenn es gut läuft und man gut steht muss man im Rondo wenig laufen, da gebe ich euch recht, aber das Training hört da ja nicht auf.

    In den folgenden Spielformen musst du immer wieder das Anbieten und Freilaufen fordern. Das ist ja auch kein Schwerpunkt, Aktivität und Intensität musst du in jedem Training immer fordern um sie langfristig zu entwickeln.