Torwartrotation beim Kinderfussball

  • Nach dem Thread der Rotation im Kinderfussball, möchte ich euch kurz meine Erfahrungen mit der Torwartrotation in dieser Saison F1 Jugend mitteilen. Soweit ich recherchiert hatte, macht es auch im Tor Sinn eine Rotation einzuführen. Als Hauptkriterium habe ich dabei heraus gelesen, dass sich anschließend jeder der Kids in die Lage des Torwarts versetzten kann und weiß welche schwierige Position dies sein kann. Ergo, es wird weniger auf den Torwart geschimpft.


    In der letzten Saison war es noch so, dass wir einen Jungen hatten, der überwiegend ins Tor wollte. Lediglich einige wenige Spiele wollte er draußen machen und das war ok. Es ist auch wirklich einfacher, wenn man einen festen Torwart hat (der das ganz gut kann), als eventuell jemand anderen unbeholfenen rein zu stellen.


    In dieser Saison ist er in die E hoch und wir hatten keinen "festen" Torwart mehr. Ich habe also vor der Saison auf dem Spielplan schon vermerkt, wer wann ins Tor geht. Immer abwechselnd eine Halbzeit pro Spiel, bis alle dran waren. Die Spieler die Torwart sein mussten, durften die zweite Hälfte dann draußen durchspielen. Dadurch das die Kids wussten, wer ins Tor geht, gab es auch keinen Widerspruch.


    Nach der Hinrunde kann ich nun sagen, dass es tatsächlich so ist, dass nicht mehr mit dem Torwart gemeckert wird! Dies war im letztes Jahr noch vollkommen anders. Aber hier wissen die Kids wohl, dass es eigentlich keinen "richtigen" Torwart gibt, und akzeptieren die einfachen Gegentore, die mal durchrutschen, eher. Vielleicht auch nur Zufall, aber ich kann es nur empfehlen. :thumbup:


    Auswirkung auf das Spiel in Bezug auf Ergebnis und Gegentore: Für mich kaum messbar. Allerdings waren bis auf zwei Mannschaften auch alle Teams Anfänger-Level. Zudem sind meine Jungs recht Leistungsgleich. Ein Torwart der 2-3 Jahre durchgehend im Tor war hätte "vielleicht" 20-30% der Gegentore verhindern können. Einige andere dafür aber vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon. ;-)

  • McLovin

    in der E Jugend ist das schon -spürbar-, ich wechsele allerdings auch die Torhüter, zumal unser -Stamm- Torwart auch ein sehr guter Feldspieler ist.

    Da die Jungs aber allesamt angehalten sind, eine richtige Spieleröffnung zu machen(nicht hoch und weit nach vorne kloppen) ist es schon ein Unterschied, wer denn dann im Tor steht.

    Darf wer will im Prinzip, gehts mal gegen richtig harte Gegner, tut man den Kids aber keinen Gefallen, wenn von 5 Schüssen aufs Tor auch 5 drin sind. Deshalb sollte man m.e. im älteren Jahrgang der E anfangen, den Kreis auf 3-4 Kandidaten in der Rotation einzuengen. Ansonsten ist zu merken, das wenn der Stammtorhüter mal im Feld spielt, das die Abwehrspieler sich doppelt anstrengen, weil Sie dem TW helfen möchten. Schöner Nebeneffekt. Von 15 Kids sind allerdings auch 9 gut befreundet, zum Teil auch weil Sie schon 5 Jahre Fußball zusammen spielen. Das sind sicherlich alles -weiche- Kriterien- die es einfacher machen so eine Rotation durch zu führen. Da kann ich von Glück sagen, das es so ist.

  • Stimme ich euch voll zu und handhabe es genauso. Aktuell in der U8 mit wechselndem Torwart je Halbzeit. Jeder war schon im Tor und jeder will auch gerne ins Tor. Ab der U9 möchte ich anfangen nurnoch je Spiel zu wechseln und ab der U10 dann einen engeren Kreis von Kandidaten zu finden zwischend dem getauscht wird. 3-5 Kinder, je nachdem was die Kids so möchten.


    Es gab aber auch schon ein sehr negatives Erlebnis. Ein Kind hat in 20 Minuten 16 Gegentore bekommen. Dieser war danach sehr traurig, auch wenn daran natürlich nicht er alleine Schuld hat.

  • bei uns (U8) sind die besten TW auch die besten Abwehrspieler. Effekt: wenn ich einen von denen ins Tor stelle, dann bekommt er auch die Bälle um die Ohren weil der gegnerische Sturm nahezu ungehindert spielen kann.
    Dennoch: auch bei uns dürfen alle ins Tor die wollen. Ich "zwinge" niemanden rein, der das nicht möchte. Im Training gilt häufig: wer ein Tor schießt ist TW. Da machen alle mit auch die die sich sonst gegen das Tor wehren.

    Auf der TW-Position klappt die Rotation ohne Probleme... da wir noch Spielfeste haben haben wir pro Spieltag drei verschiedene TWs. Meist reicht es nicht um alle glücklich zu machen, es wollen immer mehr Kinder ins Tor.

  • Ich bin etwas zwiegespalten was das Thema Towartrotation angeht. Einerseits denke ich jeder Spieler sollte sich mal an dieser Position probieren um seine eigenen Erfahrungen zu machen. Andererseits frage ich mich ob ich diesen Spielern und der Mannschaft damit nicht doch mehr schade.

    Vor kurzem hatten wir ein Hallenturnier. Torwart wurde von Spiel zu Spiel gewechselt. Als einer unserer Spieler, vom Typ her der sogenannte "dicke Paule", ins Tor wollte und ging, kam es halt leider zu 9 Gegentoren in 10 Minuten. Ich habe so gut es geht versucht zu trösten und keiner der Mannschaftskollegen hat ihn kritisiert. Allerdings gingen die Köpfe der Spieler sichtlich runter nachdem die ersten drei Schüsse der Gegner direkt zu einem Torerfolg führten. Danach gab es von uns keine Gegenwehr mehr und wir wurden halt abgeschossen.

    Ich denke nicht, dass ich unserem Spieler einen Gefallen getan habe seinem Wunsch nachzukommen.

  • Bei uns (F2 - U8) gehen von 12 Kindern 5 ins Tor (mein Sohn ist einer von den 5). Pro Spiel wird der Torwart in der Halbzeit gewechselt. In der G-Jugend bei Hallen- und Feldturnieren habe ich das Torwarttrikot gar nicht benutzt - da gab es ein Leibchen drüber. Und heute in der F2 beschwert sich mein Spielbericht auch immer, dass ich keinen Torwart ausweise und erst bei der Nr. 2 beginne ;) - das Torwarttrikot gibt es dann über das normale Trikot. Den Kommentar anderer Trainer: "Du hast ja immer noch keinen Torwart gefunden." nehme ich als Kompliment :)

    Als Vater sehe ich es lieber, wenn sich mein Sohn bewegt und im Feld spielt - da weiß ich von Anfang an auch, dass er beschäftigt ist, was im Tor auch mal nicht der Fall sein kann (geht einem anderen Vater ähnlich). Da sage ich mir dann, wenn er es will, dann soll er es halt machen.

    Als Trainer brauche ich einen Torwart und es bringt ihm mehr Bewegungs- und Ballerfahrung.


    Selbst als ich positionsbezogen in der F-Jugend Fußball spielen habe lassen, hatte ich nur eine Saison mit einem festen Torwart, sonst haben sich die Position 2-4 Spieler geteilt und wenn die nicht im Tor waren, haben sie als Feldspieler gespielt (Ende der 80iger Jahre bei einem leistungsorientierten Zweitligisten).


    Ich kenne Torhüter, die es in den Profibereich geschafft haben, die nur Torwart waren (von Anfang an) und solche die erst später Torwart wurden. Allerdings bin ich der Meinung, dass beim heutigen Torwartspiel der Torwart so viel wie möglich Feldspielererfahrung haben sollte.


    Und wenn ich meine Punktspiele anschaue, dann wechseln wenige U8 Mannschaften den Torwart - und in der Halbzeit, habe ich es beim Gegner noch nie erlebt.

  • Ich bin etwas zwiegespalten was das Thema Towartrotation angeht. Einerseits denke ich jeder Spieler sollte sich mal an dieser Position probieren um seine eigenen Erfahrungen zu machen. Andererseits frage ich mich ob ich diesen Spielern und der Mannschaft damit nicht doch mehr schade.

    Vor kurzem hatten wir ein Hallenturnier. Torwart wurde von Spiel zu Spiel gewechselt. Als einer unserer Spieler, vom Typ her der sogenannte "dicke Paule", ins Tor wollte und ging, kam es halt leider zu 9 Gegentoren in 10 Minuten. Ich habe so gut es geht versucht zu trösten und keiner der Mannschaftskollegen hat ihn kritisiert. Allerdings gingen die Köpfe der Spieler sichtlich runter nachdem die ersten drei Schüsse der Gegner direkt zu einem Torerfolg führten. Danach gab es von uns keine Gegenwehr mehr und wir wurden halt abgeschossen.

    Ich denke nicht, dass ich unserem Spieler einen Gefallen getan habe seinem Wunsch nachzukommen.

    Ein Gegentor ist nie die schuld des Torhüters . Der Torhüter ist eigentlich nur dafür da um die Fehler der Anderen vorher auszubügeln. Die Feldspieler müssen sich dann fragen was sie beim nächsten Mal besser machen können um den Abschluss zu verhindern.

    Da man diese Art der Reflexion von Kindern nicht erwarten kann und sollte ist es deine Aufgabe als trainer das zu vermitteln. Du musst dich erstmal fragen warum in 10 Minuten überhaupt 9 mal aufs Tor geschossen werden konnte und (wenn altersgemäß) musst du das dann im Training thematisieren.

  • Skriwer


    Wenn du geschrieben hättest "eine Niederlage ist nie die Schuld des Torhüters" dann hätte ich dir zugestimmt. Aber in dem Fall...

    Ein Gegentor ist nie die schuld des Torhüters .

     

    ... muss ich widersprechen. Wenn selbst einfachste Bälle nicht abgewehrt werden können (ich spreche hier zum Teil von Bällen die von den meisten mit dem Fuß/Körper angenommen werden könnten) und Chancen für den Gegner durch Fehler in der Spieleröffnung kreiert werden, dann kann ich einen Torwart nicht als unfehlbar gegenüber den restlichen Spielern hervorheben.


    Du musst dich erstmal fragen warum in 10 Minuten überhaupt 9 mal aufs Tor geschossen werden konnte und (wenn altersgemäß) musst du das dann im Training thematisieren.

    Das ist gar nicht schwierig.

    Wenn alle Feldspieler damit beschäftigt sind den Gegner am Torschuss zu hindern und praktisch nur noch als Kreisläufer fungieren, dann

    kann keine Entlastung durch eigene Angriffe mehr erzeugt werden. Die Folge davon war, dass wir in der eigenen Hälfte festgenagelt waren, und der Gegner mit Schüssen aus der Halbdistanz häufig zum Torerfolg kam.

    Das unsere seltenen, eigenen Angriffe nicht sauber zu ende gespielt wurden lag dann natürlich an den hängenden Köpfen.

    Aber wer kann es ihnen verübeln. Nach kurzer Zeit so hoch in Rückstand, da ist es egal ob junger Amateur oder gestandener Profi, in beiden Fällen sitzt der Frust tief.


    Dieses Spiel hat die Mannschaft gemeinsam verloren. Genauso wie sie andere Spiele gemeinsam verliert oder gemeinsam gewinnt egal wer wie viel dazu beigetragen hat.


    Das zu beantworten war aber nicht der Grund meines oben geschilderten Beispiels.

    Die Frage dich ich mir weiterhin stelle ist:

    Was hat es dem Spieler, der auf der Position des Torwarts hoffnungslos überfordert war, gebracht?

  • Was hat es dem Spieler, der auf der Position des Torwarts hoffnungslos überfordert war, gebracht?

    Na die Erkenntnis, dass das total schwierig ist im Tor. Und der wird wahrscheinlich für lange lange Zeit nie über den TW meckern, wenn der einen reinlässt. Mei, ein mal 10 Min doofe Erfahrungen darf man ruhig mal machen. Wir sind ja nicht dazu da, den Kindern im Leben jedes noch so kleine Steinchen aus dem Weg zu räumen. Wenn man besagtes Kind ein ganzes Turnier ins Tor geschickt hätte wäre das was anderes, aber so?

    Ich finde auch, dass sich langsam rauskristallisiert, wer für die TW-Position geeignet ist. Ich habe da auch 4-5 Kinder im Auge. Mal sehen was sich noch tut bis zur E-Jugend. Ab der E gibts bei uns separates TW-Training und vorher werde ich auch niemanden ausgucken.
    Hier im Umkreis ist der TW-Wechsel noch absolut üblich...

    Als Vater sehe ich es lieber, wenn sich mein Sohn bewegt und im Feld spielt - da weiß ich von Anfang an auch, dass er beschäftigt ist, was im Tor auch mal nicht der Fall sein kann (geht einem anderen Vater ähnlich). Da sage ich mir dann, wenn er es will, dann soll er es halt machen.

    Als Trainer brauche ich einen Torwart und es bringt ihm mehr Bewegungs- und Ballerfahrung.

    Mein Sohn ist auch ein potentieller TW. Ich sehe ihn eigentlich ganz gerne im Tor. Er ist nur ziemlich klein für sein Alter und hat dadurch bei hohen Schüssen null Chancen. Aber er hatte auch schon einen Gesichtstreffer abbekommen, da war dann den Fahrt ins Krankenhaus fällig. Danach wollte er ne ganze Zeit lang nicht mehr in den Kasten.

    Allein deswegen (Kinder machen negative Erfahrungen) würde ich immer auf mehrere (ggf. viele) TW setzen.

  • Na die Erkenntnis, dass das total schwierig ist im Tor.

    Meiner Ansicht nach hatte er die Erkenntnis schon lange aus unseren Trainingseinheiten für sich gewonnen, da innerhalb von zwei Trainingseinheiten jeder Spieler mindestens einmal im Tor stand.


    Und der wird wahrscheinlich für lange lange Zeit nie über den TW meckern, wenn der einen reinlässt.

    Es wird bei uns eigentlich vergleichsweise wenig über den Torwart gemeckert aus den oben genannten Grund. Wenn, dann eher bei einer missglückten Spieleröffnung.

    Es ist eher der Fall, dass die Torhüter meckern wenn die Vorderleute nicht frühzeitig den Gegner angegriffen haben.


    Unseren talentiertesten Torwart musste ich aber schon einige male einbremsen. Es waren viele Diskussionen nötig bis er verstanden hatte, dass nicht alle seine Mitspieler (eigentlich keiner) die selben Fähigkeiten im Tor vorweisen können wie er.

  • Meiner Ansicht nach hatte er die Erkenntnis schon lange aus unseren Trainingseinheiten für sich gewonnen, da innerhalb von zwei Trainingseinheiten jeder Spieler mindestens einmal im Tor stand.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, das die Situationen nicht vergleichbar sind. Es ist ein Mega-Unterschied, ob das Kind im Training im tor steht, oder mit der Verantwortung klar kommen muss, dass es eine Verantwortungsvolle Position bekleiden darf - Bekleiden im wahrsten Sinne des Wortes: Denn der TW ist ja schliesslich optisch deutlich den anderen Mannschaftsmitgliedern hervorgehoben und geniesst Sonderstatus.

  • Die Situation im Spiel ist mit der im Training nicht vergleichbar, da hast du soweit recht. Allerdings bin ich der Meinung, dass dies auf alle Spieler zutrifft und nicht nur auf den Torwart im speziellen.

    Im Training würde es auch nicht zu so einer Situation kommen, da wir meistens nach jedem Tor den Torwart rotieren.