Von anderen Sportarten lernen

  • Der Nordwestdeutsche Volleyball-Verband veranstaltet auch in diesem Jahr wieder einen kostenlosen Volleyball Trainer MOOC (Massive Open Online Course). Ich habe im letzten Jahr am ersten MOOC schon teilgenommen und konnte einiges für das Fußballtraining herausziehen. Falls jemand Interesse hat, gibt es hier weitere Informationen und den Link zur Anmeldung.

  • Kann ich nur unterstützen! Schau rein, es lohnt sich!


    Für Freunde des Torwartspiels: achtet mal auf die Haltung der Finger des Volleyballspielers! Die sind bei zentraler Position der Arme vor- über dem Körper gespreizt, damit sie den "Federweg" der Finger bestmöglich unterstützen und die Handtrefferfläche zu vergrößern.


    Achtet dann mal auf die Fingerhaltung bei euren Keepern. Da mögen die Finger gerade mal in zentraler Position und meist eher zufällig noch gespreizt sein. Aber in seitlicher, fast ausgestreckter Armhaltung sind die Finger meist nicht gespreizt, sondern liegen eng aneinander. Bei dieser Fingerstellung können die Bälle selten gefangen werden. Aufgrund des geringen "Federwegs" der Finger droht bei dieser Haltung Prellungen und leider manchmal Brüche oder Anbrüche des oberen Fingerglieds bzw. des Gelenks., wenn die Hände parallel zum Körper, anstatt schräg vor dem Körper den Ball abwehren sollen.


    Schaut auch mal bei den Sprungtechniken nach. Egal, ob für den Kopfball oder für den Keeper. Aber ihr werdet sicher noch weitere Anwendungsmöglichkeiten.


    Wer Lust bekommen hat, der sollte sich auch mal ein Volleyballspiel anschauen.


    Man wird nicht dümmer dadurch, wenn man mal seine Nase in andere Sportarten steckt!

  • Beobachte bei uns häufig das Training eines Bundesligisten American Football.
    Teilweise sehr innovativ hinsichtlich Koordination und Schnelligkeit.
    Ich denke in den letzten Jahren hat sich der Fußball realitiv bereitwillig bei den Trainingslehren und Trainingsformen anderer Sportarten bedient.
    Auch wenn dies in der Breite leider teilweise noch nicht angekommen ist.
    Ansonsten würde ich nicht zur Zeit regelmäßig von 5-10 km Läufe in der Vorbereitung von D,C und B - Jugenden hören.

  • Dümmer wird man nicht.
    Das Pritschfangen ist aber für das Fangen eines harten schweren Balls komplett ungeeignet.


    Beim Volleyball muss der Ball mit möglichst wenig Schwung zum Zuspieler (Pritscher) kommen und dieser leitet die Energie des Balls in eine veränderte Richtung. Daher wird die Energie nicht abgefedert im Sinne von abgebaut sondern das funktioniert wie bei einem Trampolin.


    Was das Fangen für einen TW angeht, da würde ich eher zu den Basketballern schielen.
    Aber danke für den Link, das werde ich mir mal bei Gelegenheit reinpfeifen

  • Das Pritschfangen ist aber für das Fangen eines harten schweren Balls komplett ungeeignet.

    Man sollte stets das von einer anderen Sportart für sich gewinnen, was für seine Sportart Fussball passt.


    Es geht nicht um das Kopieren (z.B. Pritschfangen) aus einer anderen Sportart, sondern um das kapieren (z.B. Sprungtechnik für Kopfball oder für das Fangen hoher Bälle), was man von der anderen Sportart gewinnen kann.


    Übrigens gibt es Kollegen, die das Fangen regelmäßig mit anderen Bällen (klein, groß, leicht, schwer) trainieren. Ich mache es weniger, aber gelegentlich auch!

  • ja, das hatte ich schon verstanden.


    Ich bin ja Volleyballerin und habe schon häufiger nach Paralellen gesucht... vorallem bei koordinativen Übungen und es gibt in meinen Augen nicht viele Gemeinsamkeiten mit Kifu.


    Gerade bei den Kindern, da muss man den Volleyballern beibringen, beim Ballspielen zu stehen. Mit beiden Füßen aufm Boden... sonst geht das nicht. Vorallem die Kinder, die vom Fußball kommen tun sich da total schwer. Turner und Tennisspieler sind da massiv im Vorteil.


    Der Stemmschritt etwa bringt Höhe und bremst den Impuls nach vorne komplett aus. Er bedarf aber eines intensiven Tiefgehens vor dem Sprung, beide Hände hinten. Dann gehen die Arme als Schwunghilfe mit hoch und es geht in die Bogenspannung, Schlagarm hinter dem Kopf. Vorallem: der Stemmschritt ist total Zeitintensiv.
    Was sollte der TW davon gebrauchen können?


    Auch hier würde ich bei den Basketballern abschauen. Die fangen die Bälle oben beim Rebound.



    Das Format ist geil, und kostenlos dazu! Ich hab das schon gebookmarkt. Irgendwann, wenn meine Kinder größer sind, werde ich wieder als VB-Trainerin einsteigen...

  • Was sollte der TW davon gebrauchen können?

    Der "Stemmschritt" kommt sehr viel häufiger im Fussball vor, als man vielleicht auf den ersten Blick denken mag.


    Dabei geht es um 2 Faktoren:
    a. Schaffung von Körpergleichgewicht
    b. Aufbau von Körperspannung (Anspannung von Bein-, Rumpfmuskulatur, Begleitung der Armmuskulatur)


    Grob kann man hier mit 2 Zielen unterscheiden:


    a. Stemmschritt zur Umsetzung in Weite
    b. Stemmschritt zur Umsetzung in Höhe


    Daran geknüpft lassen sich Defizite ermitteln, die man mit geeigneten Übungen verringern kann.


    Ein besonders häufig vorkommendes Defizit beim Stemmschritt ist eine deutlich zu große Schrittweite in den Stemmschritt. Denn hieraus folgen 2 Problembereiche:


    a. aufgrund des Bewegungsablaufs eines sehr großen Schritts läßt sich kaum ein Gleichgewichtspunkt finden
    b. Der Spieler/Keeper kann nach Stemmschritt nicht kontrolliert in Höhe/Weite umsetzen, sondern kippt relativ flach nach vorn


    Als wichtiger Korrekturhinweis sollte der Spieler/Torwart erläutert werden, den letzten Schritt zum Stemmschritt etwas kleiner zu machen, damit der darauf folgende Bewegungsablauf durch kontrolliertes Gleichgewicht im Zusammenhang mit Körperspannung besser in Höhe oder Weite umgesetzt werden kann.


    Hier mal eine kleine TW-Übung (Simulation: gegnerischer Angriff über Außenbahn und hohe Flanke auf den 2. Pfosten)
    Die TW-Aktion läßt sich wie folgt beschreiben.
    a. der TW stellt sich zunächst auf einen Schuß des Gegners ein. Weil es sich um einen am Boden befindlichen Ball aus mittlerer Position handelt, kann er die Torfläche durch Verkürzung der Distanz bis an den 5-er Rand verkürzen.
    b. als der TW im Augenwickel einen zweiten gegnerischen Angreifer erkennt und der Gegner zur hohen Flanke ansetzt, wendet er eng, um schnellstmöglich die nötige Balldistanz zu verkürzen und vor dem
    gegnersichen Angreider den Ball zu fangen.


    1. TR plaziert seitlich an der Ecke des 5-er ein Hütchen
    2. Auf TR-Kommando sprintet der TW zum Hütchen, umkurvt es von innen nach aussen sehr eng
    3. TR wirft den Ball in einem hohen Bogen in Richtung 2. Pfosten
    4. TW sprintet mit Blick zum Ball und Fußrichtung zum 2. Pfosten, bis unmittelbare Nähe zum Ball
    5. TW nimmt mit kleinem Schritt zum Stemmschritt Körpergleichgewicht und Körperspannung durch leichte Duckhaltung auf und springt hoch zum Ball, den er mit beiden Händen gleichzeitig umgreift und
    bei der Landung durch Umgreifen an der Brust sichert.


    Häufige Fehler:
    a. TW umkurvt Hütchen zu weit und gerät beim Versuch den Ball zu fangen außerhalb des Gleichgewichts in eine Rücklage
    b. TW geht rückwärts (anstatt vorwärts), sodass er die Distanz zum Ball nicht schnell genug verkürzen kann
    c. TW hält beim Sprung ein Bein angewickelt (anstatt beide Beine lang ausgestreckt), sodass er nicht die nötige Höhe erreicht


    Um sich für einen Hechtsprung gut abdrücken zu können, darf ebenfalls kein weiter Schritt in den Stemmschritt vorausgehen. Denn auch hier könnte der TW keinen günstigen Punkt für ein Körpergleichgewicht finden, um die nötige Weite zu erreichen.


    Aber auch Spieler benötigen dem Stemmschritt, um in einer finalen Aktion einen geflankten Ball verarbeiten bzw. mit guten Bewegungsablauf erfolgreich abschließen zu können.


    Auch, wenn die Bewegungsabläufe auf den ersten Blick recht unterschiedlich sein mögen, hat der Stemmschritt eine hohe Bedeutung auch im Fussball. Weil man den Stemmschritt beim Volleyball und Basketball wesentlich häufiger und deshalb mit höherer Perfektion sehen kann, bieten diese Sportarten ein gutes Anschauungsmaterial.

  • Super Beispiel, mir fehlt nur der überkreuzende Charakter. Gegengleiche Armbewegungen hätten die Sache gekrönt. Ein wenig Stan Laurel Kniechen, Näschen Öhrchen oder ähnliches hätte die Sache perfekt gemacht.

  • let1612 Interessant. Viele der Spiele kenne ich von meinem Grundschullehramtsstudium. ;) Das An- und Abkoppeln für die D-Jugend fände ich jetzt aber nicht so interessant...