Saison-Vorbereitung B-Jugend ; Trainerneuling

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  • Hallo zusammen,


    Da ich ab Anfang August das erste mal als "Cheftrainer" eine B-Jugend übernehme stellen sich mir so einige Fragen. Mich würde primär interessieren wie ihr das ganze angehen würdet, ich selber habe mir schon einen Plan aufgestellt und Schwerpunkte festgelegt. Bei meiner Mannschaft handelt es sich um eine 16 Mann große B-Jugend der unteren Kreisklassen. Die Mannschaft habe ich bis jetzt noch nicht kennengelernt, jedoch wurde mir schon von der Jugendleiterin großen Teamspirit attestiert. In meiner Mannschaft wird sich auch ein geistig behinderter Spieler befinden, der ab und an vor dem Ball Angst haben wird - den ich aber unter keinen Umständen aussortieren möchte, bzw. ich möchte ihn sogar fest integrieren was sicherlich eine Herausforderung darstellen wird.


    Meine hauptsächlichen Themen der Vorbereitung werden sein:


    - Einführung 4er Kette (Taktik, 1:1, verschieben innerhalb der 4er Kette, Stellungsspiel TW)
    - Spielaufbau (Passspiel / Stellungsspiel, Passschärfe / Qualtität, Auge für Spieleröffnungen bzw. Angriffsspiel schulen)
    - Umschaltspiel Abwehr -> Angriff (Pass in die Tiefe, Umdenkprozesse fordern, ständig auf Angriff spielen etc.)


    Bei den Übungen werde ich auch stets drauf achten das der Konditionelle Aspekt nicht verschohnt bleibt und ständig mit Ball trainiert wird. Keine Waldläufe, Runden um den Platz oder sontige Übungen in diese Richtung, denn gerade beim Umschaltspiel wird ja viel gesprintet und geackert. Auch den Torwart möchte ich in so gut wie jede Übung mit einbeziehen -> Stellungsspiel, lange Bälle beim Umschaltspiel etc.


    Was ich mich jedoch am meisten beschäftigt:
    Wie stelle ich mich am besten vor? Regeln wie Pünktlichkeit, Fairness etc aufstellen, oder erstmal gucken obs ohne funktioniert? Generell, wie gestalte ich dass erste "Treffen" am sinnvollsten?


    Ich habe bisher nur als CO-Trainer einer D-Jugend für 6 Monate fungiert, bin 30 Jahre alt und habe davor keinerlei trainerischen Erfahrungen gesammelt.


    Für Anregungen und Tipps wäre ich sehr dankbar!



    Sportliche Grüße...

  • Hallo Marco,


    ich verweise direkt mal auf einen parallelen Thread.
    http://www.trainertalk.de/fuss…onplanung-vorbereitung-d-
    jugend/?highlight=


    Da geht es zwar um eine D-Jugend, aber aus meinem im Posting 16 gesagten würde ich sagen, dass Du mit den drei Schwerpunkten die Vorbereitung überfrachtest.


    Zum Thema Einführung Viererkette in den unteren Klassen ist auch schon im Forum viel diskutiert worden (schau mal mit der Suchfunktion). Das kann man machen, würde ich aber in einer unteren Mannschaft nicht in der Vorbereitung machen, weil Du noch die Motivation der unterschiedlichen Spieler kennen lernen solltest. In der unteren Kreisklasse wollen viele nur kicken, wenn die Übungen zur Viererkette zu viele Wiederholungen beinhalten (weil Du in bestimmten Grenzen "Automatismen" erreichen willst), wird denen das fad. Allerdings gibt es auch in der untersten Kreisklasse Spieler, die sich weiterentwickeln wollen und an solchen Themen sehr interessiert sind. Hier den Spagat hinzubekommen, ist m.M.n. eine der größten Herausforderungen in unteren Klassen mit älteren Jugendlichen. deshalb würde ich "Viererkette" später in der Saison ansetzen, wenn Du anhand erster Spiele siehst, wie weit die Vorkenntnisse sind. Wenn Du Pech hast, musst Du mit dem defensiven 1:1 anfangen. Wenn Du Glück hast, reicht das Niveau für die Ansprüche des Trainers und der Liga. dann brauchst Du nur ein bisschen Feinschliff und kannst auch Ballbesitzthemen mit der Viererkette vertiefen.


    Zu den Regeln würde ich mich beim Vorgänger versuchen zu erkundigen, was bisher gegolten hat (manchmal gibt es sogar einen Vereinskodex). Die Regeln des Vorgängers musst Du nicht übernehmen, ich würde aber die Änderungen mit entsprechender Begründung bekannt geben. Und das spätestens nach wenigen Trainingseinheiten ich würde auf keinen Fall warten, wie es sich so ergibt. Nutze mal die Suchfunktion mit dem Stichwort "strafenkatalog", (du musst keinen einführen), da bekommst Du viele Anregungen zum Umgang mit Regeln.


    Alles schaffe ich jetzt nicht in der Mittagspause zu beantworten. Aber wie ich die Leute hier kennen, gibt es noch ein paar mehr Anregungen.


    Willkommen im Forum, bleib aktiv und lass uns an Deinen Erfahrungen teilhaben,

  • Hi Micha,


    Danke für die Anregungen. Das ich mit den Schwerpunkten die Vorbereitung überfrachten würde, habe ich mich auch gefragt. Mein eigentlicher Plan war es, mir genügend Zeit für die drei Schwerpunkte zu nehmen und eben nicht alles auf biegen und brechen in der Vorbereitungszeit durchzuziehen. Die Idee mit den 4er-Blöcken deinerseits werde ich mir unverschämterweise einfach mal klauen ;)


    Die Motivation der Truppe kenne ich bis jetzt noch nicht, von daher ist deine Anregung diesbezüglich wirklich sehr gutes Feedback - dennoch möchte ich mit der Viererkette (nach vielleicht 1-2 Wochen in der Vorbereitung) schon damit beginnen, eben weil ich dass für sehr wichtig halte. Spaß steht gerade bei den "unteren" Mannschaften natürlich im Vordergrund, auf der anderen Seite denke ich dass gewinnen oder eben nicht (zu hoch) verlieren auch Spaß machen kann. Ich kann mich an meine Jugendzeit als B-Spieler noch sehr gut erinnern und ich hätte mir damals echt gewünscht mehr taktische Elemente im Training gehabt zu haben, dahher meine Sicht der Dinge. Das ich nicht auf biegen und brechen gewinnen will sollte klar sein - für die Mannschaft und für den Verein im allgemeinen. Verspringen Bälle, schießt der Stürmer daneben oder ähnliches werde ich der Letzte sein der am Spielfeldrand ausflippt, wenn überhaupt. Zu meiner Philosophie als Trainer zählt eben das ständige motivieren und anpeitschen und nicht das erniedrigen einzelner Spieler. Spieler sollen meiner Meinung nach motiviert und angetrieben werden, "zum Selbstbewusstsein erzogen werden" und sich nicht schlecht fühlen müssen wenn man Fehler macht.


    Um nochmal auf die 4er Kette zurück zu kommen: Ich glaube das es einen großen Unterschied macht wie man das ganze vermittelt und coacht, ähnlich wie beim Umschaltspiel. Reine Theoriestunden oder ständige Spielunterbrechungen können da schnell fad werden, aufjedenfall. Ich glaube aber so Sachen wie Stimmlage, eine gewisse Ruhe und die Fähigkeit Fehler aufzuzeigen ohne das sich die betroffenen schämen oder schlecht fühlen müssen können da echt wunder wirken!


    Das Posting von dir fand ich im übrigen sehr hilfreich, an einen Grillabend mit PlayStation Turnier oder ähnlichem habe ich auch schon gedacht - allerdings will ich die Ideen von der Mannschaft hören und nicht mein Ding durchziehen.


    Einen Strafenkatalog werde ich auf jedenfall nicht einführen, eher dachte ich an eine Whatsappgruppe fürs Team wo sich Spieler abmelden können oder ähnliches. Die Idee, den vorherigen Trainer nach den vorhandenen Regeln zu fragen, finde ich ebenfalls gut. Je nach Bedarf werde ich meine Regeln dazu anpassen bzw Ergänzen.


    Danke soweit ;)

  • Marco


    ich finde vieles von deiner Vorgehensweise und deinen Vorstellungen gut.


    eines irritiert mich doch gewaltig:


    du stellts ein Planungs und Trainingskonzept zusammen ohne die Mannschaft zu kenne.


    wäre es nicht sinnvoller, zuerst den Leistungstandard, Zusammensetzung und Motivation der Mannschaft kennenzulernen und danach dein Konzept aufzubauen?


    nicht das Konzept bestimmt die Vorgehenweise sondern die Mannschaft ist Basis deines Konzeptes.


    Nicht die Mannschaft muss sich nach den Vorstellungen des Trainers richten (dazu ist sie oft gar nicht in der Lage),
    sondern der Trainer muss sich mit seinem Konzept nach der Mannschaft richten.

  • Hi Günter,


    auf der einen Seite kann ich deine Bedenken bzw. deine Anregungen verstehen, auf der anderen Seite aber kenne ich glaube ich keine
    Mannschaft die nicht Abwehr- /-Spielaufbau- / Umschaltspieltraining nötig hätte. Nicht weil diese Mannschaften schlecht wären, sondern
    weil niemand perfekt spielt.


    Was der Punkt der Motivation angeht: Käme die Mannschaft auf mich und zu und würde mir mitteilen das sie just 4 fun kicken wollen würden,
    würde ich die Themen nicht so Intensiv angehen. Das gleiche gilt natürlich auch in die andere Richtung. Im Prinzip ändert das aber nichts
    am Grundgerüst meinerseits. Was ich allerdings nach der Vorbereitung bzw. meinen 3 Schwerpunkten trainieren werde, dass wird Abhängig
    vom Leistungsstandard, der Zielsetzung und der Motivation sein. 4er-Kette ist für mich aber absolutes Pflicht- und Basisprogramm, egal wie
    gut oder schlecht eine Mannschaft ist.

  • So, gestern dass erste mal als Trainer auf dem Platz zum Training gestanden.
    Nach einer kleinen Vorstellungsrunde haben ich die Mannschaft nach ihren Zielen für die Saison gefragt und was sie sich von mir als zukünftigem Trainer erwarten würden.
    Raus kam dabei, dass sie ziemlich einstimmig (circa 12 von 15 Spielern) unbedingt Kreisklassenmeister werden möchten und das sie sich wünschen (im Gegensatz
    zu den vorherigen Trainern) auch mal auf ihre Bedürfnisse bzw. ihre "Trainingswünsche" mehr einzugehen. Wir haben dann letzendlich einen Kompromiss geschlossen,
    die Spieler werden stets pünktlich zum Training erscheinen und es wird vorher abgesagt wenn jemand mal nicht kommen kann. Zu dem habe ich noch als Bedinung gestellt
    das wir konzentriert arbeiten und die blödeleien größtenteils weg lassen, da ich vorhabe stets mit Ball aufzuwärmen. Kam anscheinend ganz gut an.


    Ich hatte im oberen Teil des Threads geschrieben das ich mit der "Einführung der Viererkette" anfangen möchte ohne die Mannschaft zu kennen. Gestern hatten wir dann das
    frontale 1 gegen 1 am Flügel und das 1 gegen 1 mit Verteidiger im Rücken, abschliessend ein kleines Trainingsspiel (circa 25 Minuten). Ich musste allerdings sehr schnell feststellen,
    dass die Mannschaft defensiv sehr gut aufgestellt ist und die Verteidiger inkl 6-er (haben vorher 1-4-2-3-1 als System gespielt) größtenteils wussten was sie tun. Selbiges kann ich
    im übrigen auch von den Offensiven Spielern sagen. Als nächste Einheit (am Mittwoch) kommt dann das 2 gegen 2 + 2 (nachrückende 6er) wo die IV erstmal auf Zeitgewinn spielen sollen.


    Sofern hatte Günther Recht wenn er gesagt hatte:

    Vielleicht werde ich, nach dem ich mir dass Gruppentaktische Verteidigen der Mannschaft angesehen habe, die Einführung der 4er Kette etwas verkürzen. Im Trainingsspiel sind mir schwächen im Umschaltspiel aufgefallen,
    vielleicht werde ich dann das in der nächsten Woche Mittwochs (Meisterschaft beginnt am 30.August) anfangen anzuschneiden. Hätte ja schließlich auch einen starken konditionellen Aspekt, worauf hier viele während der Vorbereitung großen Wert
    drauf legen.


    Ich war im übrigen überrascht wie technisch stark die Mannschaft ist und wie gut die Kommunikation unter den Spielern funktioniert. Die 6er haben das Spiel im Training richtig gut lesen können und auch die offensiv Abteilung zeigten richtig schöne Spielzüge. Die Mannschaft hat im übrigen letztes Jahr in der C-Jugend KreisLeistungsklasse gespielt, was hier im FVM die zweit niedrigste Jugendliga darstellt.


    Feedback etc. gerne erwünscht! ;)

  • Gute Herangehensweise - und wieder etwas gelernt, erst das Team kennenlernen und darauf die Ziele abstimmen.
    Deine Aufgabe als Trainer ist es den Leistungsstand zu analysieren und dem Team dort mit deiner Trainingsarbeit aufstzen wo sie am nötigsten ist.


    Wovon ich abstand nehmen würde - keine Ahnung ob das so geschehen ist wie ich das herausgelesen habe - aber gerade bei einer U17 würde ich persönlich davon abraten, den Jungs zu viel Einfluss auf die Gestaltung des Trainings zu nehmen. Gerade in diesem Alter reizen sie entgegengebrachtes Vertrauen schnell auch mal aus und greifst du nicht entsprechend nach den von dir aufgestellten Regeln durch, tanzen sie dir auf der Nase rum.


    Bleibe bei allem was du tust ehrlich auch dir gegenüber und gestehe dir auch Fehler ein. Als Trainerneuling, probiere soviele neue Dinge und Übungen aus wie du kannst, merkst du es läuft nicht so wie du erwartet hast, improvisiere und mache etwas anderes.


    Trainersein ist ein ständiger Lernprozess.


    Grüße
    Björn

    „Erfolg ist ein Geschenk – eingepackt in harte Arbeit." (Ernst Ferstl)

  • Wovon ich abstand nehmen würde - keine Ahnung ob das so geschehen ist wie ich das herausgelesen habe - aber gerade bei einer U17 würde ich persönlich davon abraten, den Jungs zu viel Einfluss auf die Gestaltung des Trainings zu nehmen. Gerade in diesem Alter reizen sie entgegengebrachtes Vertrauen schnell auch mal aus und greifst du nicht entsprechend nach den von dir aufgestellten Regeln durch, tanzen sie dir auf der Nase rum.

    Das war nur eine Überlegung von mir. Während dem Training kam u.A. der Wunsch nach Torschusstraining (denke mal isn Klassiker) und Sprintduellen. Darauf hin habe ich mir gestern Abend nach dem Training bzw. heute morgen überlegt, eins von beiden im Aufwärmtraining einzubauen. Es ist nicht so das sie sich die Übung inklusive Ausführung "wünschen", sondern viel mehr bestimmte Themen wozu ich dann passende Übung ausarbeiten würde. Vielleicht sollte ich das aber erst als "Belohnung" für ordentliches Verhalten während des Trainings und Spielen berücksichtigen. So war jedenfalls der Plan.


    Kann mir aber gut vorstellen was Du meinst - das ist auch allgemein meine größte Sorge, dass sie versuchen werden einem auf der Nase herum zu tanzen wenn man nicht bei entsprechenden Dingen durchgreift.


    Grüße,
    Marco

  • Toschuss oder Sprint beim Aufwärmen wären aber ein enorm verletzungsfreudiges Training, durch die kalte Muskulatur führt das schnell zu Zerrungen und Musekelrissen aller Art.


    Wenn du Spieler fragst egal welchen Alters, die wollen immer - aufs Tor schießen oder spielen - davon würde ich mich nicht leiten lassen.


    Ich habe mir angewöhnt mein Training 6 Monate im Voraus grob zu planen und lediglich Details anzupassen. So kann ich dann die Gewichtung bzw. die Schwere des Trainingsinhalts in der Feinplanung anpassen.


    Grüße
    Björn

    „Erfolg ist ein Geschenk – eingepackt in harte Arbeit." (Ernst Ferstl)

  • Wovon ich abstand nehmen würde - keine Ahnung ob das so geschehen ist wie ich das herausgelesen habe - aber gerade bei einer U17 würde ich persönlich davon abraten, den Jungs zu viel Einfluss auf die Gestaltung des Trainings zu nehmen.

    Zodiak


    das sollte man schon etwas differenzierter betrachten.


    natürlich sollte die Trainingsgestaltung grundsätzlich in den Händen des Trainers bleiben.


    trotzdem sehe ich überhaupt kein Problem darin, auch nicht in dieser Altersstufe, auch auf Wünsche der Spieler einzugehen, wenn diese in die Gesamtkonzeption des Trainings passen.


    garantiert heisst das nicht, dass man da auf alles eingehen sollte oder muss.


    Da immer noch der Trainer entscheidet, welche Wünsche in sein Konzept passen oder nicht, sehe ich die Gefahr des auf der Nase rumtanzen nicht.


    Vermute, dass du hier vor Augen hattest, dass der Trainer die Trainingsgestaltung praktisch an die Mannschaft abgibt.
    das geht natürlich nicht.

  • Ja guenter - gerade bei einem Neuling ist diese Gefahr jedoch sehr groß.
    Das meine ich garnicht negativ gegenüber dem "neuen" Trainer - sondern habe ich selbst die gleiche Erfahrung vor einigen Jahren gemacht, als ich mich darauf eingelassen habe.


    Grüße
    Björn

    „Erfolg ist ein Geschenk – eingepackt in harte Arbeit." (Ernst Ferstl)

  • Zodiak


    alles ist doch ein Drahtseiakt. erst durch häufiges Runterfallen , aber auch wieder aufs Seil steigen, wird man dann mit der Zeit
    das Gefühl für das Seil kriegen. Wir sind doch als Trainerneulinge (später auch noch) doch wohl alle häufig runtergefallen.


    da kann man noch soviel lesen, noch soviel Ratschläge bekommen, Erfahrungen muss man selbst machen, das ist dann
    letztendlich der entscheidende Lernfaktor.

  • Heute war mein "2.Tag" als Trainer. Habe mir die Worte von Zodiak noch mal zu Herzen genommen und habe auf das Sprintduell sowie das Torschusstraining erstmal verzichtet. Komischerweise haben die mich das heute auch gar nicht gefragt, was mich zu dem Entschluss kommen lässt, dass sie vielleicht normal unterbewusst testen wollten in wiefern sie mich verbiegen können bzw. mal gucken können was sie alles mit mir machen können und was nicht.


    Heute sind mir jedoch andere Sachen aufgefallen:
    Während den Übungen und im Abschlussspiel (was circa die letzten 20 Minuten des Trainings ausmachte) kam so ne Art begeisterungslosigkeit rüber. Ok, der Platz (Asche) war durchnässt und es gab hier und da mal n' paar Pfützen aber dennoch: Es wurde nur gelaufen was nötig war, lockeres hin und herspielen untereinander mit gefühlten 40 % Einsatz. Als ich dann den "Wettbewerbsmodus" in form von "Schiesst das angreifende Team erfolgreich ab, müssen die Verteidiger 15 Liegestütz machen und umgekehrt" angeschmiessen habe, wurde mit Elan und Einsatz gespielt.


    Nun stellen sich mir mehrere Fragen:


    1. War mein Training zu langweilig?
    2. Spielen die Jungs nur locker weil sie denken ich sei so'n netter Kerl und sage nichts?
    3. Lag es am schlechten Zustand des Platzes?
    4. Ist die Art der "Bestrafung" bzw. des Einsatzforderns wirklich nötig oder muss ich das speziell in dem Team so handhaben um Respekt zu erlangen?
    (Wobei ich Abstand nehme von der Einstellung "Respekt durch Angst / Strafen zu erlangen" und würde mir viel lieber auf anderem Wege Respekt verschaffen / mehr Einsatzbereitschaft von den Jungs kriegen)


    Denn, ich weiß: Fußballspielen können die Jungs und das richtig gut! Selbst der etwas kräftigere Spieler spielt richtig schönen Fußball, obwohl er nicht so Laufstark und Sprintschnell wie die anderen ist. Als ich die "Bestrafung" eingeführt hatte, konnte man richtig feine Spielzüge, Dribblings, Zweikampfverhalten etc. bewundern - ohne das jedoch war alles eher ein müder Kick. Ich weiß, dass wenn sie die Übungen alle richtig motiviert und mit hohem Einsatz angehen würden, wir viel erreichen könnten und dass nicht weil ich son Ausnahmetalent als Trainer bin ( :D ), sondern weil die Jungs echt schönen Fußball spielen können... wenn sie müssen ;) Es ist auch so, dass sie bei beiden Trainings jeweils eine gute halbe Stunde vorher schon auf dem Platz sind und n' bisschen rumbolzen.


    Oder sehe ich das alles zu eng, ist die Art des Einsatzes ok? Zur Information: Wir spielen in der untersten Jugendliga, diese Mannschaft könnte aber locker unter den besten 3 landen (Kenne den Großteil der anderen Mannschaften in unserer Staffel).


    Grüße,
    Marco

  • Marco


    deine Fragen sind von Aussen nicht zu beantworten.


    allgemein gilt jedoch,


    dass du immer wieder mal gewisse Anreizpunkte setzten musst.


    dass du etwas lockerer bleiben solltest


    zwar Gewisses registrieren, aber nicht alles direkt bis ins Detail ergründen musst.


    erst wenn du gewisses Verhalten immer wieder registrierst, musst du Ursachen ergründen und Veränderungen überlegen.


    gerade in dieser Altersstufe ist es nicht unnormal, dass die Jungs häufig wechselndes Verhalten zeigen, heute lustlos, morgen
    absolut trainingsgeil, heute ist alles super, morgen sind die gleichen Übungen absolut öde.


    mein Rat bei Übernahme einer Mannschaft:


    die erste Zeit das Verhalten der Mannschaft, der einzelnen Spieler beobachten, registrieren was auffällig ist, was ständig wiederkehrt, oder einmalig auftritt.


    Dann, wenn du ein genaueres Bild hast, Überlegungen anstellen und die erforderlichen Konsequenzen (z.B. Umstellung des
    Trainings) ziehen.


    Gedanken machen ist wichtig, zuviel Gedanken machen kann kontraproduktiv sein.

  • Hi Marco,
    erst mal RESPEKT das du als Neuling gleich mal eine B-Jugend als Cheftrainer übernimmst. Bin 3 Jahre älter als du und ich hätte da so meine Bedenken gleich mal so "hoch" einzusteigen.

    Nun stellen sich mir mehrere Fragen:


    1. War mein Training zu langweilig?
    2. Spielen die Jungs nur locker weil sie denken ich sei so'n netter Kerl und sage nichts?
    3. Lag es am schlechten Zustand des Platzes?
    4. Ist die Art der "Bestrafung" bzw. des Einsatzforderns wirklich nötig oder muss ich das speziell in dem Team so handhaben um Respekt zu erlangen?


    Aus der Ferne sind die Fragen schwer zu beantworten, ich stand ja nicht auf dem Platz. ;) Aber dennoch gebe ich mal meinen Senf dazu:


    1. Fandest du dein Training langweilig? Du hast dir das ja vielleicht schon selbst beantwortet: "Als ich dann den Wettbewerbsmodus...angeschmissen habe". Vielleicht hat es der Modus von "langweilig" auf reizvoll gesteigert.
    Generell bin ich der Meinung, dass man sich nicht allzu viele Gedanken darum machen sollte ob ein Training langweilig ist oder nicht. Ich versuche in meiner Trainingsvorbereitung immer interessante und reizvolle Übungen oder Spiele einzubauen.
    Überlege mir auch wie ich jedem Spieler ein Stück weit gerecht werden kann. Aber dann - wie Björn schon sagte - muss ich das was ich als Trainer geplant habe, als Vorgabe verkaufen. Es ist ja auch so: Es hängt ja auch von der Tagesform der Spieler ab. Gestern hat das mit dem Wettbewerbsmodus geklappt, in der nächsten Woche klappt es halt nicht, weil die Spieler (oder Einzelne) nicht so gut drauf sind.


    2. Wie gesagt, mein größter Respekt. Was ich die letzten Wochen für mich festgestellt habe: Die Basis des Trainerdaseins ist fundiertes Fachwissen. Das ist m.M.n. das Wichtigste. Egal ob den Spielern oder Eltern gegenüber.
    Wenn die Spieler merken das dein Training auf Fachwissen aufgebaut ist und du auch noch ein sympathischer Kerl bist werden sie nicht versuchen dich zu unterwandern. Wenn sie sich fragen warum du jetzt so eine komische Übung machst, musst du ihnen das erklären können und verkaufen (sie mit ins Boot holen).


    3. Entweder ist der Platz oder der Schiedsrichter schuld... :D


    4. Respekt erlangen... siehe Punkt 2. Respekt erlangst du durch Fachwissen, nicht durch Strafen. Christian Arentz hat auf der Trainertech z.B. angefangen im Spiel von 10 runter zu zählen. In dieser Zeit musste ein Tor erzielt werden, sonst hat der Gegner den Ball bekommen. Hat er gemacht, weil ihm das Spiel nicht schnell genug war. Oder das Spiel auf farblich markierte Tore. Zwischendurch hat er die Farben gewechselt oder ein Tor aus dem Spiel genommen. Oder Wechsel wie bei Uno, Duo, Tres mal die Spielrichtung. Also es gibt viele Dinge die du machen kannst. Vorsichtig würde ich dabei nur sein, denn die Übungen verlieren vielleicht schnell ihren Reiz. Aber man kann ja von sich ja überlegen wie man das beim nächsten Mal verändert oder steigert. Getreu dem Motto: Von einer guten zu einer grandiosen Übung... ;)


    Vielleicht konnte ich dir ein paar Gedanke mit auf den Weg geben...


    Gruß,
    sb

  • Danke soweit an Günther und Soccerbook.


    Es ist so, dass ich unbedingt eine Altersklasse haben wollte mit der man Gruppentaktische Spielformen trainieren kann. Eine Altersklasse wo das Sinn macht und die Jungs langsam begreifen was es bedeutet ballorientiert zu verteidigen, Pressingzonen umzusetzen etc pp. Ob es mir an Fachwissen mangelt oder nicht, wird sich wohl noch zeigen.. aber ich erkläre all meine Übungen in den "Hauptteilen" des Trainings fast immer nach dem gleichen Schema:


    Beispiel 2gegen3 auf ein Tor mit nachsetzenden Sechsern aus dem Mittelfeld:


    "Ihr dürft euch die Übungsform nun so vorstellen, dass ihr gerade von der gegnerischen Mannschaft ausgekontert werdet. Die zwei Abwehrspieler haben im 2gegen2 nun die Aufgabe den gegnerischen Angriff zu verlangsamen in dem sie das Zentrum dicht machen und so den nacheilenden Verteidigern (die 6er von der Mittelfeldlinie) die nötige Zeit geben um euch zu unterstützen. Geht ihr direkt auf Balleroberung und verliert den Zweikampf, müsst ihr hinterherlaufen und die zwei 6er haben gar keine Möglichkeit mehr euch zu helfen da sie einen noch längeren Laufweg haben. Provoziert Querpässe, stellt dass Zentrum zu und zwingt sie über Außen zu attackieren, so ist die Chance auf einen Torerfolg geringer (da spitzer winkel) und ihr gewinnt Zeit für die Nachrückenden 6er."


    So, oder so ähnlich beschreibe ich jeder meiner Übungen. Was ich mir von den einzelnen Positionen erwarte, eine kleine Anregung um den Spielern das Leben zu erleichtern und biete nach circa 3 durchläufen korrigierende Hilfestellungen da ich kein Freund davon bin direkt alles immer "schlecht zu reden" bzw den Spielfluss ständig durch Rederei zu unterbinden.


    Nun ist es so, dass sie die Vorgabe verstanden hatten und die Verteidiger auch keine Mühe hatten jedes mal den Angriff zu unterbinden - nicht weil sie so top waren, sondern weil die Offensivabteilung zu locker agiert hatte. Wettbewerbsmodus an - und siehe da, es fruchtete.


    @Günther:


    Ich bin generell ein Mensch der sich (zu) viele Gedanken macht. Das dass oft Kontraproduktiv ist, weiß ich. Abstellen ist da allerdings schwierig. Ich versuche vieles zu ergründen und selbst zu reflektieren. Was Du sagst werde ich aber mal versuchen halbwegs zu beherzigen: über längeren Zeitraum beobachten und dann "Urteilen" bzw Maßnahmen ergreifen, denn es stimmt: an Tag 1 war Elan und Power zu spüren, an Tag 2 nicht so.

  • Es ist so, dass ich unbedingt eine Altersklasse haben wollte mit der man Gruppentaktische Spielformen trainieren kann. Eine Altersklasse wo das Sinn macht und die Jungs langsam begreifen was es bedeutet ballorientiert zu verteidigen, Pressingzonen umzusetzen etc pp.


    Das finde ich super, dass du da klare Vorstellungen hast und gleich in diese Altersstufe gewechselt bist. Ich habe auch einen Kollegen der meinte, das ihm F- oder E-Jugend nicht mehr reicht, weil er eben auch gerne taktische Dinge trainieren wollte.
    Du machst dir Gedanken und hast deine Vorstellungen. Dazu noch in der für dich richtigen Altersklasse. Passt doch...


    Ich mache mir auch oft zu viel Gedanken. Jemand hat mir mal gesagt: "Hey, mach doch einfach mal." ;)

  • Marco84


    Ich bin gleich über mehrere Dinge gestolpert.


    1. In deinem Nick steht: Trainer B-Junioren (unterste Liga)
    2. Trainingsschwerpunkte im gruppentaktischen Verhalten


    Wie paßt das zusammen?


    Bist du der einzige Trainer in eurer Mannschaft? Wenn ja, was machen die anderen Spieler, während du mit einzelnen Teilen deines Teams gruppentaktisches Verhalten in bestimmten Situationen übst?


    Unter Bestrafung verstehe ich etwas anderes, als wenn du mit Provokationsregeln und Zielvorgaben arbeitest. Ein paar Liegestütz mögen bei den Einen vorwiegend Arm- und die Anderen besonders ihr Gesichtslachmuskeln traineren. Noch interessanter könnt`s werden, wenn die Angreifer durch ein vorgegebenes zeitliches Limit nicht zum Torabschluß kommen und sie nun zur Belustigung der cleveren Abwehrspieler einige Liegestütz machen müssen.


    Unter einer Bestrafung verstehe ich etwas anderes. Sie beruht meistens darauf, dass sich der Trainer in seiner Arbeit gestört fühlt oder vielleicht nur schlecht gelaunt ist und sich nicht anders zu helfen weil, als zur Aufrechterhaltung von Disziplin und Ordnung irgendwelche Strafen zu verhängen, über die nur er einen nützlichen Zusammenhang mit dem Fussball herstellt. Wenn du hier im Forum ein bißchen surfst, wirst du bestimmt fündig werden.


    Ob dein Training die Erwartungen deiner Spieler erfüllt, kann von Außen schwerlich beurteilt werden.


    Allerdings braucht ein Trainerneuling einige Zeit, bis er:
    - zum Niveau in der Trainingsgruppe die passenden Übungen und Spielformen in größerer Auswahl zu den einzelnen Schwerpunkten finden muß,
    - komplexe Übungen und Spielformen zunächst kurz erklärt und die richtigen Impulse kennt, um sie "in Gang" zu bringen,
    - die Erführung für die Entscheidung besitzt, wann man eine Übung unterbrochen und korrigiert werden sollte,
    - die Erfahrung hat, wann der Schwierigkeitsgrad (einfacher, schwerer bwz. vom Bekannten zum Unbekannten) verändert wird,
    - das richtige Timing findet, ab wann Konzentration und Kraft nachläßt und eine Regenerationspause sinnvoll ist


    Bedenke: Auch Übungsleiter (Trainer) müssen Üben! Aber das ist doch gerade das Schöne daran, nur nur seine Spieler, sondern auch sich selbst weiterentwickeln zu können!

  • TW-Trainer:


    Ja, noch bin ich der einzige Trainer der Mannschaft. Wird sich wohl dank eines Freundes bald ändern. Ich beziehe allerdings immer alle Spieler mit ein, es ist nicht so dass ich kurz was erläutere und der andere Teil sich die Eier schaukelt. Soweit bin ich bis jetzt aber noch nicht, da ich erst zwei trainings abgehalten habe. Die Klasse, in der die gerade aus der C-Jugend in die B-Jugend aufgestiegene Mannschaft spielt sagt meiner Meinung nach nix über ihr können aus - wenn man sie mal am Ball und miteinander gesehen hat. Die Mannschaft hat letzte Saison eine Klasse höher gespielt, ehe sie sich zur Winterpause (dank eines Trainerwechsels) abmelden musste. War wohl jemand der große Sprüche geklopft hatte und behauptete er würde XY kennen, nur am rumschreien gewesen etc. Ich habe hier echt eine gute Mannschaft die eine vernünftige Basis (Spielerisch) bietet.


    In den 5 Punkten die du aufgezählt hast erkenne ich mich auch wieder. Habe mich das ein oder andere mal schon gefragt ob ich ihnen in Sachen Technik / Passspiel etc was vormachen kann oder nicht. Um es anders auszudrücken: In dem Alter war ich nicht so gut wie die, und ich habe circa 8 Jahre selbst Erfahrung im Jugendfußball als Spieler.


    Ich selber Übe die letzte Zeit mehr als genug, glaub mal :) Fast schon zu viel Input, aber mir machts auch große Freude.