Weinerliches Kind

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  • Hallo Kollegen ;)


    ich bin Trainer einer D3, die ich sehr ins Herz geschlossen hab, jedoch auch keine einfache Mannschaft. Wie es bei einer D3 sicher üblich ist, treffen viele versch. Charaktere aufeinander, in der das gefälle von Leistung weit ausseinder geht. Nun hab ich neben vielen kleinen Probleme die sicher "normal" sind ein Problem, bei dem ich nicht wirklich weiß wie ich weiter vorgehen soll. Bei mir in der Mannschaft befindet sich ein Spieler, der vom Körperbau in der E oder F Jugend spielen könnte, vom technischen Niveau jedoch in der D1 (Sonderstaffel, oberes Mittelfeld).


    Jetzt ist es so, dass er auch gerne mal dribbelt und er so gerne mal auf die "Socken" bekommt, was im Fussball auch normal ist. Es fängt jedoch fast immer an zu heulen bzw sieht es so, dass alle gegen ihn wären - in dem Fall ich, weil ich eben kein Foul pfeife oder der Schiedsrichter/Mitspieler. Bei der kleinsten Berührung ist das Geschrei groß, auch bei kleinstem Körperkontakt geht das Meckern los wie unfair doch alle sind und das alle ihn nur foulen. Auch kann man sagen was man möchte, er schmollt lieber oder blockiert ganz. Ein Einzelgespräch ist so fast nicht möglich.


    Jetzt war es gestern so, dass ihm einmal ein Spieler im Zweikampf auf den Fuß trat und er sofort anfing zu weinen. Nach kurzer Beruhigungspause ging es weiter, beim Abschlussspiel kam eine Unglückliche Situtation zustande. Im Zweikampf mit einem Gegenspieler fiel er hin und der nachfolgende Spieler stolpere über ihn und es ging wieder los. Dies tat sicher auch weh, jedoch war für mich das Problem, dass er seinen Mitspielern teilweise Absicht unterstellt. Was nicht der Fall ist!


    Allgemein ist es so, dass er sich immer im Unrecht fühlt. Von Mannschaften bei Abschlussspielen, Standardsituationen die laut seiner Aussage für ihn entschieden werden sollte bis eben zu den Fouls. Es weiß selbst, dass er der beste Fußball ist und zeigt dies den anderen auch gern mal, das zeigt sich auch in den Übungen, wo er teils "frech" oder Larifari die Übungen absolviert und andere Spielern auf ihr nicht so ausgeprägtes technisches Niveau hinweist.


    Zusammenfassung:


    - Spieler älterer Jahrgang, Körperbau E-F Jugend, Spielerisches Niveau D1
    - Sehr oft weinerlich und sieht alles gegen sich
    - Nie wirklich motiviert egal was für Übungen absolviert werden, es wird lieber larifari trainiert. ;
    - Manchmal "flapsig" im Verhalten mit den Mitspielern und mir.


    Getätigte Maßnahmen:


    - Versuch eines Einzelgespräches
    - Ich werde jetzt demnächst mit den Eltern reden, weil ich eben nicht weiß, wie ich ihn noch anpacken soll.


    Kennt ihr selbst solche Fälle ? Wie geht ihr vor ? Habt ihr Ratschläge ?

  • Gönne ihm doch jedesmal, wenn er das Schimpfen oder Weinen anfängt eine kleine Pause und nimm ihn hinaus. Wenn sich das Verhalten nicht ändert, sollten die Pausen länger werden. Sollte mich wundern, wenn er das lange durchhält. Natürlich muß man unterscheiden zwischen Weinerlichkeit und wirklichen Fouls, bei denen in dem Alter auch manchmal noch Tränen fliessen dürfen.


    Gruß Karl

  • Gönne ihm doch jedesmal, wenn er das Schimpfen oder Weinen anfängt eine kleine Pause und nimm ihn hinaus. Wenn sich das Verhalten nicht ändert, sollten die Pausen länger werden. Sollte mich wundern, wenn er das lange durchhält. Natürlich muß man unterscheiden zwischen Weinerlichkeit und wirklichen Fouls, bei denen in dem Alter auch manchmal noch Tränen fliessen dürfen.


    Gruß Karl


    Nun ja, in der Regel sind es nur Weinerlichkeiten (auf den Fuß getreten, bisschen geschubst bzw Körperkontakt). Es ist halt leider auch so, dass trotz Freißstoß für ihn, er alles gegen sich sieht und alle als unfaire Treter darstellt, dabei ist er teilweise nicht besser. :/


    Das mit den Pausen werd ich mir mal durch den kopf gehen lassen.

  • Meiner Meinung nach "bettelt" er schlicht um Aufmerksamkeit.


    Ignoriert ihn einfach, wenn er wieder über die Strenge schlägt. Mit der Zeit merkt er, dass seine Masche nichts bringt, und stellt sie ein.

  • Meiner Meinung nach "bettelt" er schlicht um Aufmerksamkeit.


    Ignoriert ihn einfach, wenn er wieder über die Strenge schlägt. Mit der Zeit merkt er, dass seine Masche nichts bringt, und stellt sie ein.


    Das könnte gut sein und darüber hab ich auch schon nach gedacht.


    Ich werde aufjedenfall noch das Gespräch mit den Eltern suchen und dann noch ein Gespräch mit ihm. Dabei werde ich ihm sagen das Fouls im Fussball normal sind und eben nicht alle gegen ihn sind und wenn das nicht aufhört, muss er eben mal pausieren oder wird nicht zum Spiel eingeladen auch wenn er der beste Spieler ist. Da ist die Mannschaft wichtiger als der Spieler.


    Er weiss, dass er der beste ist und sieht sich so immer benachteiligt. Letzte Saison spielte er in der jetztigen D1 kaum eine Rolle, und da hat er sich so nicht angestellt, da er wusste das die anderen besser sind bzw das er so nicht spielt.


    Ich werde aufjendefall die AUfmerksamkeit zurückziehen und klar machen das diese Einstellung dazu führt, dass er er erstmal pausiert. Sei es beim Trainingsspiel oder einem Meisterschaftsspiel.

  • Ich hatte einen ähnlichen Fall in der D1 diese Saison.


    Ein Spieler zeigte sich oft sehr weinerlich, zudem immer sofort genervt abdrehend bei vergebenen Chancen, da fühlte er sich benachteiligt, wenn er im Training immer Pech im Abschluss hatte.
    Auch wie im beschriebenen Fall war er bei Körperkontakt sehr weinerlich.


    ( Ich muss sagen, dass in unserer Mannschaft eine sehr lockere Atmosphäre herrscht. Es wird viel geflachst und es gibt einige Sprüche, viel Spaß, etc... was sicher auch damit zu tun hat, dass ich gerade mal 25, meine Trainerkollegen 18 und 19 sind... Sprich wir sprechen noch (fast) die gleiche Sprache. )



    Unser 18 jähriger Jungtrainer hat dann irgendwann eine Maßnahme ergriffen, die gefruchtet hat. Immer wenn unser Spieler wieder seine Selbstmitleidsphasen hatte, hat er ihm immer auf ironische, aber auch witzige Art und Weise angesprochen... Von wegen, dass die Welt ungerecht sei und alles gegen ihn sei. In entsprechend nicht ernster Betonung.


    Da konnte der Junge schnell drüber lachen und hat das recht schnell eingestellt und konzentriert sich voll auf sein Spiel.

    "Ihr fünf spielt jetzt vier gegen drei."

  • Wenn er das mit dem weinen nicht läßt, nach jedem Foul oder bei stärkeren Körperkonntakt, kann es durchaus mal sein das eine schmerzhafte Verletzung nicht gleich erkannt wírd und sich durch sein Verhalten eine Verletzung verschlimmern könnte.


    Gruß ,


    Sindi

    "Meine Spieler spielen alle 35 Meterpässe,, das ist ja ganz Stark!Ja:20 hoch und 15 weit.


  • Das klappt bei dem ein oder anderen bei mir auch, jedoch ist er was das angeht nicht der Typ dafür. Er wird es dann wieder so sehen, dass alle gehen ihn sind bzw wird sich schmollend neben den Platz setzen und total blockieren. Aber wie oben geschrieben werde ich ihm dann mal keine Beachtung schenken. Er wird dann selber merken, dass es so nicht weiter geht.


    Zu Sindi: Wohl war

  • Mal fußballerisch beleuchtet.


    Er ist im zweiten Jahr E und du sagst, dass er der Beste im Team ist.


    Ich würde ihn über Fragestellungen versuchen dahin zu lenken, dass ER über für ihn machbare fußballerische Lösungen nachdenkt.


    Ich würde ihn eingangs zum Beispiel fragen, ob er gern auf die Socken bekommt. Die Antwort kennst du.


    Dann würde ich ihn fragen, ob er eine Lösung kennt. Ich würde mit Ihm die Lösung theoretisch erarbeiten....er muß die Lösung finden.


    Die Lösung EINS ist ein Pass....und zwar - ZWEI -zum richtigen Zeitpunk (Passtiming). Die Lösung DREI ist...der Pass und danach freilaufen....als späterer Punkt. Versuche...das sie/er es erarbeitet...Lobe dann...und weiter....möglichst nicht vorgeben in diesem Alter...so würde ich es heute machen.


    Das würde ich in dieser Altersgruppe nicht abfordern...sondern in Trainingsformen trainieren. Hierbei würde ich gelegentlich mal ein zuvor vereinbartes STOP setzen...die Spieler FRAGEN....was man in dieser oder jener Sekunde noch für geniale Aktionen hätte starten können. In diesem Zusammenhang wäre auch die Erklärung des Deckungsschattens ein allmähliches Thema ...für die, die es schon verstehen können. In der D sind es dann Themen...für mich jedenfalls. Hier im zweiten Jahr E kann man es vorsichtig integrieren...aber nicht abverlangen..das wäre wichtig...für mich jedenfalls. Damit reizt du sowohl theoretisch seinen Geist und dazu passend die richtigen Übungen. Ich wette der nimmt das gierig auf!


    In Übungsformen würde ich den Pass hierzu technisch üben...am besten in Wettkampfformen.


    Unterscheide entsprechend Spielformen und Übungsformen!


    Wenn die in der Schule ihm Team einen Tennisball halten und eine andere Gruppe will den Abjagen...dann würde er doch nach einigen verlorenen Kämpfchen den Ball vielleicht auch mal zu einem Klassenkameraden werfen. Diesen Moment würde er nie vergessen, weil er ein Erfolg im Team wäre. Diesen Moment sollte man erzeugen...ihn provozieren und dann Lob...so läuft das heute! So würde ich es auf der Ebene des Kinderfußballs heute versuchen.


    Zusatz:


    Später in der D lernt er dann, dass er nicht nur dribbelt und zum richtigen Zeitpunkt abgibt, sondern auch mal abzubrechen....Rückpass...Hinterlaufen....Ballannehmen...Ball im ordentlichen Zweikampf abschirmen....dann auch mal dribbelnd abgehen und abschließen....dann hätte er mehrere Revolver am Koppel, statt nur einen ...nämlich Dribbeln bis es BUM macht...aua...und heul... ;) . Wenn er auch nur einmal die andere Lösung wie oben beschrieben erfolgreich praktiziert...dann wird er dich angrinsen, garantiert.

    2 Mal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Andre, das werde ich wohl auch mal angehen. Allgemein das Thema Spielintelligenz im Training, eben durch gezielte Fragen und die Kinder müssen entsprechende Lösungsideen entwickeln.


    PS: Er ist im zweiten D-Jugend Jahr ;)


    Für mich ist leider das Hauptproblem, dass er sich immer als Opfer sieht. Es versteht was er für alternativen hat, nutzt diese jedoch ungern , eben weil die Mitspieler nicht so gut sind. Das fängt von der einfachen Ballanahme an und dann macht er es lieber alleine...


    Aber ich werde dennoch diesen ganzen Lösungswege angehen, ich denke er ist clever genug um auch selbst seine Fehler einzusehen.

  • Vielleicht könntest Du nach einer gewissen Zeit hier Rückmeldung über Deine getroffenen Maßnahmen und eventuelle Fortschritte geben. So können auch wir vielleicht wieder etwas lernen.


    Gruß Karl


  • Letzte Saison spielte er in der jetztigen D1 kaum eine Rolle, und da hat er sich so nicht angestellt, da er wusste das die anderen besser sind bzw das er so nicht spielt.

    Er hat in der letzten Saison mit denen zusammengespielt, die heute die D1 bilden? Und er spielt jetzt in der D3?


    Dass er da unzurieden ist (mit sich, den anderen, der Situation, und überhaupt...) muss man ihm schon zugestehen. Wieso spielt er eigentlich nicht in der D2?


    Was haben denn seine Mitspieler so drauf? Mal angenommen er spielt zwei aus, spielt einen Pass und läuft weiter: Bekäme er den Doppelpass zurück oder wären seine Mitspieler dazu nicht in der Lage?


    Eine andere Möglichkeit: Erkläre ihm, dass es seine Aufgabe ist, die anderen mitzureißen. Sie sollen sich an ihm aufrichten können. Er soll ein Vorbild sein in Kampf, Einsatzwillen und fußballerisch sowieso. Als Memme nehmen ihn seine Kollegen nicht ernst. Fußballerisch kann er diese Rolle ja offensichtlich ausfüllen. Jetzt muss er dazu nur noch Kerl genug sein.

  • ob dieses Problem durch Trainingsinhalte oder Gespräche zu lösen ist, kann ich nicht beurteilen, da keine Erfahrung diesbezüglich.


    jedoch eine interessante Szene erlebt.


    D-Jugend, Spielertyp genau wie zuvor beschrieben, technisch sehr gut, etwas schmächtig. bei jedem Körperkontakt gings auf den Boden, Mutter kam sofort angerannt, Betreuer
    angerannt, weinenden Jungen vom Platz getragen, wo er jedoch urplötzlich wieder fit war, und sofort eingewechselt werden wollte, geschah auch meist, da einer der besseren Spieler.


    das Verhalten hat alle genervt.



    In der Halbzeit ging mein Vaterschiri (erfahrener Kinderschiri) zum Trainer, teilte ihm mit, dass er in der 2. Halbzeit auf den Jungen nicht mehr reagiert (nur bei echtem Foul;
    und das Spiel nicht mehr unterbrechen wird. dann zur Mutter und untersagte ihr (jedeoch im freundlichen Wortlaut) dass er nicht mehr will, dass sie auf den Platz gerannt kommt,
    dafür wären die Betreuer zuständig.


    so pfiff er dann auch in der 2. Halbzeit. Folge: nach so 10 Minuten reduzierte der Junge sein Verhalten ganz wesentlich, ganz abstellen konnte er es nicht, es reagierte aber keiner
    mehr auf ihn.


    kurz vor Schluss liesser er sich dann von ihm ausgehend auswechseln.


    ich geh davon aus, dass es die Folge dessen war, dass er nicht mehr im Mittelpunkt stand. Vielleicht ein Ansatzpunkt.


    gg


  • Weil es auch für die D2 nicht reicht, diese sind der alte E1 Jahrgang und werden zur neuen Saison die Quali zur Beziksliga spielen. Die D2 hat viele gute Spieler, die auch noch etwas mehr robustheit mitbringen, deswegen spielt er in der D3.


    Sagen wir mal so mit meiner ersten"11" - wir spielen D7 - kann man gut spielen und wir würden auch sicher weiter obene spielen, aber das Gefälle innerhalb der Mannschafts ist stark. Sobald einer der ersten 7 rausgeht, geht auf der Position fast nix mehr bzw es kann dort nicht mehr sauber Fussballl gespielt werden. Fängt von Ballan und- mitnahme und bis zu Pass und Torschuss.


    guenter - Dies werde ich aufjendefall machen, dass wurden oben auch schon vorgeschlagen, und sehe das auch als sinnvoll an. Ich denke damit und den Fussballerischen Fragen - wie man gar nicht in solche Situationen kommt - wird sein Verhalten besser.