Fließenden Übergang vom freien Spiel zum Positionsspiel in Gang setzen?

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  • Jetzt sehe ich gerade, dass beim Schreiben schon andere Antworten gekommen sind. Ist das nur bei mir so, dass die vor dem Absenden nicht zu sehen waren?


    Wenn man solch eine längere Antwort schreibt, dann verpasst man in den dynamischeren Threads durchaus mal ein paar Beiträge, das ist völlig normal bzw. geht mir auch so, also sind wir auf jeden Fall schon mal zu zweit. :) Aber dein Beitrag ist doch richtig gut, wenn du ihn nicht geschrieben hättest, wenn du die anderen Beiträge schon gesehen hättest, dann bin ich darüber ja richtig froh. Vielleicht würde ich dann Uwe und Sven vorschlagen, dass sie bei bestimmten Leuten eine automatisch verzögerte Anzeige von Beiträgen implementieren. ;)

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Danke für eure Antworten.


    Einen Punkt möchte ich noch ergänzen: Es klingt schon wieder heraus, dass ich zu viel erwarte und Geduld haben soll.


    Das ist ein Missverständnis!!!


    Gerade das Spiel am Dienstag hat meine Erwartungen übertroffen. Das war einfach nur schön anzusehen und ich muss gestehen, dass ich immer mehr Fan des freien Spiels werde. Die Jungs waren einfach so viel galliger und spielfreudiger als der Gegner (der auch starke Individualisten dabei hatte), dass man das Positionsspiel für die G (übrigens auch aus Sicht des Ergebnisses) nur ablehnen muss.
    Die Jungs waren immer in Bewegung, die Jungs hatten einen unglaublichen Zug zum Tor, die Jungs hatten fast immer Überzahl, die Jungs haben fast alle "komplett" gespielt (also Aktionen in der Offensive und der Defensive), wir hatten bei neun Toren sieben verschiedene Torschützen 8o
    Die Kinder hatten einfach Bock. Die Auswechselspieler sind zum Teil unruhig hin- und hergesprungen und mussten ihr Lachen und ihre Vorfreude unterdrücken (kennt ihr das, wenn ihr am ganzen Körper zittert, weil ihr etwas nicht abwarten könnt?).


    Wieso erwähne ich dann mein Unbehagen wegen des "Ausputzer"?
    Ich lege derzeit die Grundlagen für ein langes Fussballerleben. Viele Dinge des DFB und auch von Horst Wein bauen auf Erfahrungen und Entwicklungsprozesse auf. Das Fundament für Spielintelligenz und Spielverständnis wird gerade jetzt gelegt.
    Ich möchte einfach nicht, dass sich bei meinem "Ausputzer", Automatismen bilden, die ihm später zum Verhängnis werden können. Ich weiß z.B. dass in der Kreisliga viele Spieler einfach zu "blöd" sind eine Viererkette zu spielen, weil sie über Jahrzehnte anders gespielt haben und die Umstellung einfach nicht packen, weil sie gerade auch im instinktiven Spiel komplett festgefahren sind.


    Nochmal: Ich erwarte von meinen Kinder nicht, dass sie eine Kette spielen. Ich erwarte von meinen Kindern nicht, dass sie komplexe taktische Vorgaben umsetzen. Ich erwarte von meinen Kindern nicht, dass sie den "antiquierten Ausputzer" sein lassen. Sie dürfen spielen, was sie wollen. Sie sind Bambinis.


    Ich habe nur Angst, dass sie in einen Prozess gelangen, der ihnen langfristig schadet. Sozusagen ein Fundament, was auf falschen Steinen aufbaut.
    Genau das war auch die Intention dieses Thread. Ich wollte keine zwei geordneten Dreierketten sehen. Ich wollte den Kindern nicht Erwachsenenfussball überstülpen.
    Mich interessieren die Spielweisen unserer Gegner auch nicht. Ich lache mit meinem Co regelmäßig über deren Ahnungslosigkeit.
    Ich möchte nur die richtigen Grundlagen schaffen. Ich möchte Reizpunkte setzen, die den Kindern das Positionsspiel durch Hintertörchen schmackhaft macht. Ich möchte in den Köpfen der Kinder einen Prozess starten, der darin mündet, dass sie in der D-Jugend den Sprung auf das Neunerfeld und auf echtes Positionsspiel sowohl intellektuell als auch instinktiv problemlos vollziehen können.


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • Es klingt schon wieder heraus, dass ich zu viel erwarte und Geduld haben soll.
    Das ist ein Missverständnis!!!


    Ich glaube, es ist aber auch ein Missverständnis, was du da heraus zu hören glaubst. Ich für meinen Teil habe sowas überhaupt nicht gemeint. Da soll nichts heraus klingen, was nicht explizit da steht.

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  • tobn: Du hast Recht.


    Ich möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass mich eure Antworten nicht interessieren, weil ich nicht direkt darauf Bezug nehme.
    Eher im Gegenteil, ich habe sie mir alle interessiert durchgelesen und sauge gerade die Erfahrungsberichte wie ein Schwamm auf.
    Ich kann leider nix konkret dazu sagen, weil mit schlicht die eigenen Erfahrungen mit "großen" Kindern fehlen.


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


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    Martin Rafelt

  • Schimanski,


    ich hoffe du verstehst den Humor! Sagen wir mal so,....du stehst ziemlich alleine auf weiter Flur. Das Feld ist riesen groß und der Wind pfeift. Es ist Westernstimmung. Spiel mir das Lied vom Tod spielt gerade. Dein Team geht auf den Platz. Das Bild was ich gerade sehe ist schwarz-weiss. Der Gegner kommt, übermächtig, grimmig. Hinter dir stehen viele viele Leute am Rand, Trainerkollegen, Eltern und künftige Spieler. Sie sind noch weit weg, wissen nicht so recht. Der erste der sich hinter dich stellt, bin ich...ich habe meine Hand am Revolver und ich fordere Dich auf, genauso mutig, so sinnvoll, so weitsichtig, so spassig weiter zu machen. Alles andere wäre blödsinn. Du merkst es doch selbst.


    Genau das was du beschrieben hast, sieht man hier bei einer einzigen Mannschaft im E Bereich....eine Trainerin, die es ähnlich bis genauso wie du gemacht hast. Viel Spieltrainings, die Kinder einbinden, Intelligenz über Spielformen erhalten, fördern, entwickeln, ....dazu eine fette Briese "Horst Wein"...etwas Techniktraining, vielleicht auch fußballfremde Themen, kein Positionsdenken, keine echte Aufstellung, das Verschieben erhalten (ganz wichtige Erkenntnis....finde ich auch und dafür habe ich tatsächlich 10 Jahre benötigt, ...muß man sich mal vorstellen).


    DAS ist Minifußball! und das Beste ist, in der F und E hört der nicht auf....sollte es jedenfalls nicht. Bei anderen beginnt der nie oder vielleicht doch bald, weil


    ...es kommen Eltern, Spieler und auch Trainerkollegen....die versammeln sich nämlich gerade -wenn sie denn klug und mutig sind- hinter dir. Da geht die Sonne auf, die Lümmels die lächeln und nun sieht mein -zugegebener Maßen etwas kindisches- Bild wieder nach Farbe aus. Gruß Andre und Respekt


    P.S. Ich beneide dich dafür, dass du die Minis bedienen darfst, ich würde solch eine Truppe auch gern mal länger begleiten, wer weiss, vielleicht später mal. Gruß

  • Ich möchte einfach nicht, dass sich bei meinem "Ausputzer", Automatismen bilden, die ihm später zum Verhängnis werden können. Ich weiß z.B. dass in der Kreisliga viele Spieler einfach zu "blöd" sind eine Viererkette zu spielen, weil sie über Jahrzehnte anders gespielt haben und die Umstellung einfach nicht packen, weil sie gerade auch im instinktiven Spiel komplett festgefahren sind.


    Ich habe nur Angst, dass sie in einen Prozess gelangen, der ihnen langfristig schadet. Sozusagen ein Fundament, was auf falschen Steinen aufbaut.
    Genau das war auch die Intention dieses Thread. Ich wollte keine zwei geordneten Dreierketten sehen. Ich wollte den Kindern nicht Erwachsenenfussball überstülpen.
    Mich interessieren die Spielweisen unserer Gegner auch nicht. Ich lache mit meinem Co regelmäßig über deren Ahnungslosigkeit.
    Ich möchte nur die richtigen Grundlagen schaffen. Ich möchte Reizpunkte setzen, die den Kindern das Positionsspiel durch Hintertörchen schmackhaft macht. Ich möchte in den Köpfen der Kinder einen Prozess starten, der darin mündet, dass sie in der D-Jugend den Sprung auf das Neunerfeld und auf echtes Positionsspiel sowohl intellektuell als auch instinktiv problemlos vollziehen können.


    Gruß, Christoph

    Wenn die Spieler in der Kreisliga in der Viererkette nicht spielen können, hat das nicht damit zu tun, dass sie blöd sind. Das ist eine ziemlich arrogante Aussage. In der Viererkette zu spielen ist keine großartige Kunst und hat vielmehr mit dem Trainer als Regisseur für diese Spielweise zu tun. Die Kreisliga schlaeppen aber noch aus der Jugend die Talentlosigkeit, oder den mangelnden Willen (Null Bock) oder die Mängel in der individuellen Technik aufgrund der Tatsache, dass sich arrogante Trainer in der Jugend mehr Gedanken zum Thema System als zu den Grundlagen gemacht haben.
    Auch kann man einige Jahre mit dem "antiquirten Libero" (ach Wikipedia) spielen. Das hat mit der Viererkette alles nichts zu tun.


    Zum zweiten Teil der Ausführung lässt sich sagen, dass als Vorbereitung für das Positionsspiel die gefestigten Grundlagen und den Überblick benötigt werden. Nichts weiter. Überblick bedeutet sich umschauen, wo sich die Gegner und wo sich die Mitspieler auf dem Feld befinden.


    Dass du über andere Trainer regelmäßig lachst bedeutet in etwa, dass dir regelmäßig die Ahnungslosigkeit begegnet. Ob das wirklich so ist? Wer gibt dir überhaupt Brief und Siegel, dass du selbst ein guter Trainer bist? Und schon wieder kommt die Arroganz heraus

  • @Andrè: :thumbup:


    Zitat

    Dass du über andere Trainer regelmäßig lachst bedeutet in etwa, dass dir regelmäßig die Ahnungslosigkeit begegnet. Ob das wirklich so ist?

    Lachen war der falsche Ausdruck. Ich schüttel eher mit dem Kopf. Das auf deutschen Fussballplätzen ne Menge Mist passiert, willst du nicht ernsthaft mit mir diksutieren, oder? Oder zweifelst du daran, dass ich das beurteilen kann?

    Zitat

    Wer gibt dir überhaupt Brief und Siegel, dass du selbst ein guter Trainer bist?

    Wo genau habe ich erwähnt, dass ich ein guter Trainer bin?

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • interessantes thema, zudem ich mich gerne näher äussern möchte, wenn ich denn mal zeit habe.


    was ich aber einigen hier im voraus nahe legen kann ist, lasst die kinder frei spielen! ohne vorgaben und zwänge, kleine tips und loben, loben, loben.
    woche für woche kann man sehen, wie sie sich selbstständig weiterentwickeln.

    "der runde steht im eckigen!"

  • Hallo,


    ich hole das Thema nochmal hoch, weil es bei uns wieder akut wird.


    Wir haben jetzt ein weiteres halbes Jahr frei gespielt, d.h. ohne Positionsvorgaben, alle greifen an, alle verteidigen.
    Ein positiver Effekt dieser Vorgabe ist neben den bekannten Vorzügen (Förderung der Kreativität, des Spielverständnis, dem Spaß, der Ungezwungenheit und der Spielintelligenz) die ungezwungene Ausbildung des Umschaltverhaltens. Dieser Punkt wird im modernen Fußball ja immer wichtiger und ist auch ein zentraler Punkt bei der Sichtung von Talenten (vgl. Hyballa-Buch über die holländische Nachwuchsförderung). Wir waren letzten als Bambini auf einem F-Jugend-Turnier und haben in meinen Augen das beste Umschaltspiel gehabt, wohingegen die meisten F-Jugend-Mannschaften in meinen Augen sehr träge und statisch gespielt haben.
    Der Grund liegt für mich klar auf der Hand: Das freie Spiel und die kollektive Verantwortung für Angriff und Abwehr (das kriegen die Kinder von uns jede Woche zu hören) lässt die Kinder hellwach sein und mit jedem Wechsel des Ballbesitzes, wechselt auch deren Aufgabenbereich.


    Trotzdem sind mein Trainerkollege und ich wieder an dem Punkt angelangt, wo wir über eine grobe Strukturvorgabe nachdenken. Wir haben auf einem gut besetzten Hallenturnier (starke Mannschaften auf den Nachbarstädten) sehr viel Lehrgeld bezahlt. Während wir spielerisch und individuell meist gleichwertig oder besser waren, haben wir "hinten" viel zu schnell und oft unglücklich Tore kassiert.
    Die Spieler sind zwar trotz des freien Spiels nach wie vor relativ dizipliniert (schalten sofort um, laufen mit nach hinten, positionieren sich bei Abschlag des Gegners sehr gut im Raum), aber das Problem entsteht in dem Moment, wo die Spieler von hinten raus ins Dribbling gehen und den Ball verlieren. Dann fehlt die Absicherung und selbst das beste Umschaltspiel kann das nicht kompensieren.


    Zudem habe ich letztens ein Spiel einer Mannschaft des Jahrgangs über uns beobachtet. Obwohl der Verein nicht dafür bekannt ist, die besten Kinder der Umgebung "anzuziehen", haben sie beeindruckend überlegen gespielt und gewinnen in ihrere Gruppe eigentlich alles sehr klar. Beeindruckend war für mich die Ordnung auf dem Spielfeld (zwei Dreierketten), die aber nicht einher ging mit dem typischen Verharren des Kinder auf ihren Positionen, sondern mit sauberem Verschiebe- und Umschaltverhalten, Spielfreude und Kreativität.
    Das sollte für uns in einem Jahr auch zu schaffen sein ;)


    Gestern beim Training haben wir die ersten Versuche in Richtung Dreierkette unternommen und zwar rein theoretischer Natur 8o
    Ich habe die Bilder der Kinder auf Pokerchips geklebt und ein Filzuntersetzer mit aufgezeichnetem Fußballfeld zum Training mit gebracht. Damit das für die Kinder nicht zu kompliziert wird, haben wir erstmal drei feste Dreierkette gebildet (zentral die Spieler mit dem besten Spielverständnis, außen die Dribbler mit Zug zum Tor). Alle drei Ketten sind ausgewogen besetzt und nicht leistungstechnisch gestaffelt.
    Jedes Kind hatte gestern seine feste Position (z.B. links in der Kette mit Max und Kevin) bekommen. Diese Ketten sollen in den nächsten Wochen fest zusammen bleiben und zwischen Angriff, Abwehr und Reserve rouchieren (mit gleichen Spielzeiten für alle).
    .
    Beeinrduckend war für mich wie gespannt die Kinder zugehört haben und wie engagiert die die Theorie angenommen haben. Wir haben dann noch grob das Verschiebeverhalten der Kette, der ganzen Mannschaft angesprochen und das Raus- und Einrücken angesprochen. Dabei habe ich mich bewusst zurückgehalten und die Kinder nach Lösungen befragt. Man mag gar nicht glauben, aber die meisten Antworten waren richtig. Die Kinder sind z.B. von alleine darauf, dass die Außen einrücken müssen, wenn der zentrale Spieler Druck auf den Ball macht. Man muss das nur kindgerecht erzählen und die Fragen richtig verpacken.


    Die nächsten Wochen spielen wir gegen schwächere Mannschaften, wo wir die Dreierketten zum ersten Mal auf dem Platz ausprobieren wollen. Auch wenn ich es in dem Thread schon oft genug erwähnt habe, möchte ich nochmal betonen, dass die Spielfreude, Kreativität und Spaß weiterhin weit über der taktischen Diziplin stehen. Auch werde ich das Umschaltspiel weiterhin gezielt beobachten. Wir haben den Kindern auch gestern erzählt, dass auch die defensive Kette angreift und die offensive verteidigt. Sollten die Kinder diese Verhalten einstellen, werde ich eingreifen.
    Zudem dürfen die Kinder auch weiterhin Kinder sein. Wenn Positionen nicht gehalten werden oder Gegentore deswegen fallen, ist mir das nach wie vor schnuppe (zumindest den Kindern gegenüber ;) ).


    Interessant war übrigens gestern das Abschlußspiel beim Training. Dreierkette war zwar von uns nicht vorgegeben, trotzdem haben sich die Kinder untereinander zum Teil darauf hingewiesen, dass sie falsch stehen :D
    Spielerisch war das zudem das beste, was ich von den Jungs gesehen habe. Gefreut hat mich vor allem, dass die schwächeren Spieler sehr gut mitgemacht haben und jeder Spieler Szenen in Angriff, Verteidigung, Balleroberung, Pass, Dribbling und Torschuss hatte. Vielleicht war es auch Zufall, vielleicht lag es aber auch daran, dass sich die Kinder wie echte Fussballer gefühlt haben und alle ab jetzt feste Rollen in der Mannschaft haben, keine Ahnung.


    Ich werde euch auf dem Laufenden halten...


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • Hallo Christoph,


    danke für Deinen ausführlichen Bericht, hört sich für mich ziemlich optimal an, wie das läuft :thumbup:. Ich wollte, meine F wäre auch schon so weit. Ich kämpfe immer noch mit Spielern, die sich nicht richtig beteiligen und anderen, die sich für alle Defensivaufgaben als nicht zuständig fühlen und nur noch stürmen wollen. An weiteren Erfahrungsberichten bin ich daher sehr interessiert.


    Grüße
    Oliver

  • Ich erblasse, ähnlich wie DonQuijote, auch gerade vor Neid, und frage mich, ob du eine Truppe aus lauter Talenten hast, eine Brille trägst, die deutlich rosaröter als meine gefärbt ist, oder einfach andere Wertmaßstäbe als ich hast. Wie dem auch sei, meine E-Junioren des überwiegend älteren Jahrgangs spielen beileibe nicht alle permanent mit, in der ersten Halbzeit im Spiel des letzten Samstags waren es gleichzeitig eigentlich nie mehr als zwei... ;( Nach der Pausenansprache war das dann in der zweiten Halbzeit besser, aber so richtig inspiriert war es dennoch nicht, und viel zu viele Alleingänge... Hach ja, es gibt solche Tage...

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Hallo,


    Feedback Teil 1:
    Wir haben auf dem gestriges Hallenturnier gegen einen sehr starken Gegner mit zwei Dreierketten gespielt und nach der halben Spielzeit die Ketten rotiert. Der Versuch ist so ziemlich in die Hose gegangen. Nach vorne keine Durchlagskraft mehr, hinten nicht sicherer, Kinder bleiben stehen anstatt mit zu spielen,...
    Die Kinder, die sich im freien Spiel, eher defensiv orientiert haben, waren in der vorderen Kette fehl am Platz, umgekehrt war es nicht viel besser. Spielfreude und Galligkeit waren eingeschränkt.


    Na ja, wie wollten wohl zu viel auf einmal. Wir werden uns dem ganzen jetzt schrittweise annähern. In den nächsten Wochen spielen wir gegen leichtere Gegner. Da wollen wir eine Halbzeit frei spielen und eine Halbzeit positionsgebunden. Die Kinder werden dabei auf den Positionen eingesetzt, die sie im freien Spiel bevorzugen. Wir wollen auch erstmal 2-3-1 vorgeben. Das dürfte den Kindern leichter fallen, orientiert sich dieses System in etwa an dem, wie sie sich auch im freien Spiel positionieren. Rotation und Dreierkette wird erst wieder probiert, wenn die Kinder das Postionsspiel und das instinktive, ballorientierte Spiel unter einem Hut bekommen haben.


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


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    Martin Rafelt

  • Moin,


    @guenther: Ich taste mich langsam ran. Ich habe die letzten Wochen und Tage wieder viel gelernt, vor alllem, dass der Kinderfußball nicht planbar ist ;)


    Aber der Reihe nach, Feedback Teil 2:


    Mittwoch letzte Woche: Gegner eine Mannschaft mit Brüllaffen-Trainer und starrem 2-2-2-System, wo die vorderen beiden Spieler immer wieder lautstark vom Trainer direkt vor die Nase unseres Torhüter gestellt wurden, um die sehr langen Abschläge irgendwie ins Tor zu stolpern. Spielerisch konnten die in meinen Augen nicht viel, in der Hinrunde haben wir überlegen 8:3 gewonnen.
    Wir haben uns an einem System mit zwei defensiven Kindern probiert - der Rest frei. Aber irgendwie klappte nix. Die zwei Kinder hinten waren ziemlich unmotiviert (sind auch im freien Spiel oft hinten, gehören aber zu den talentiertesten). Auch die anderen Kinder spielten wie gehemmt, wenig Spielfreude, schlechtes Umschaltverhalten, zögerlich und verunsichert.
    Es ging sogar so weit, dass ich die Kinder direkt auf dem Platz angesprochen und kritisiert habe. Obwohl wir das Spiel noch irgendwie 4:3 gewonnen haben, war das ein absolutes No-Go und Zeichen für mich die Not-Bremse zu ziehen.
    Der Druck beim Training war wohl zu hoch. Zu viele komplexe Übungen. Zu viele Ansprachen. Zu wenig Lob. Zu viele taktische Vorgaben. Dreierkette, Abräumer, Passspiel, Umschalten, Verschieben - die Kinder wussten gar nicht, wo ihnen der Kopf steht und hatten anscheinend Angst etwas falsch zu machen. So zumindest meine Analyse.


    Also habe ich mir für den darauffolgenden Samstag erstmal selbst aus dem Verkehr gezogen. Mein Trainekollege machte das Coaching, die Ansprache war minimal, keine taktische Vorgaben, keine Positionen. Das Spiel wurde aber nicht viel besser. Zu wenig Geschwindigkeit, zu wenig Biss, zu wenig Galligkeit, zu wenig Körpereinsatz. Im Training sieht das meist ganz anders aus. Da müssen wir die Kinder oft bremsen. Lag`s am Gegner?


    Wir haben gegen einen Gegner gespielt, wo sehr viel Unruhe an der Seitenlinie war. Fünf Co-Trainer, die die Kinder immer wieder angepeitscht haben. Hinten wurde Rausbolzen frenetisch bejubelt, vorne lauerte das beste Kind und machte gegen unsere verunsicherte Mannschaft ein Tor nach dem anderen. Vorne sind wir nicht durchgekommen weil die mit Mann und Maus verteidigt haben und wir uns gegenseitig auf den Füßen standen. Das Spiel endetet 6:6, wobei wir so einen Gegner vor Wochen eigentlich noch deutlich geschlagen hätten.
    Erfreulich an dem Spiel war nur, dass unsere Kinder bei Ballgewinn oft den Kopf gehoben haben und versucht haben, die Situation spielerisch zu lösen und den freien Nebenmann zu finden. Leider fehlte den Pässen und Laufwegen (im Bambini-Alter natürlich vollkommen normal) Zug, Timing und Präzision, so dass der Gegner so immer wieder zu schnellen Ballgewinnen kam, die darin endeten, dass sie frei vor unserem Tor standen.


    Wir waren aber trotzdem in der Krise angekommen. Weniger die Kinder, viel mehr der Trainer ;)
    Mich hat der Kinderfußball angekotzt. Mich haben die Gegner angekotzt. Ich fand es einfach ungerecht, dass man mit so beschränkten Mitteln die individuelle Unterlegenheit kompensieren konnte. Wie wird das nächstes Jahr in der F-Jugend? Habe ich dann überhaupt noch die Chance, die Kinder fußballerisch zu entwicklen ohne eine Klatsche nach der nächsten von fremdgesteuerten Nahkämpfern und Rausbolzern zu bekommen? Wieso dürfen die anderen Positionsidioten erziehen, Kindern jegliche Kreativität und Selbstständigkeit rauben, nur die besten spielen lassen und damit auch noch "anscheinend" gut fahren :cursing:


    Ich habe meine Unzufriedenheit auch den Eltern und meinem Trainerkollegen gegenüber offen kommuniziert. Und zwar in etwa der gleichen Form wie hier im Forum (die Eltern wissen in etwa über die Ideale im Kinderfußball Bescheid). Während einige Väter mit taktischen Ratschlägen kamen, andere Papas und mein Trainerkollege mich darin bestärkte unseren Weg weiter zu gehen (ich musste zu Beginn der Zusammenarbeit bei ihm viel Überzeugungsarbeit leisten, umso mehr freut mich, dass er jetzt voll dahinter steht), kamen von zwei sehr engagierten Mamas E-Mails.
    Das waren die Mamas, deren Kinder im freien Spiel oft hinten stehen und zuletzt relativ lustlos und unzufrieden über den Platz liefen. Sie rieten mir wieder dazu, für mehr Ordnung auf dem Platz zu sorgen. Die Kinder würden hinten immer in Unterzahl sein und vorne sich gegenseitig die Bälle abnehmen. Ihre beiden Jungs würden auch mal gerne offensiver spielen, sahen aber (IMHO aufgrund ihrer fortgeschrittenen Spielintelligenz) keinen Sinn darin, nach vorne zu laufen, weil sich da sowieso alles knubbelt und weil keiner auf die Defensive aufpasst.


    Ich war also wieder an dem Punkt, an dem ich etwa vor einem halben Jahr war:


    Wie leite ich den fließenden Übergang vom freien Spiel zum Positionsspiel ein?


    Ich war schon drauf und dran einen gefrusteten Hilferuf hier im Forum an euch zu richten, wollte aber noch das letzte Spiel vor den Osterferien, ein Freundschaftsspiel gegen einen Gegner aus der Nachbarsgruppe abwarten.
    Diesen Gegner hatten wir vor etwa einem halben Jahr "entdeckt" und kontaktiert. Grund waren vor allem die überragende Rolle in ihrere Gruppe (alle Spiele problemlos gewonnen) und ihre Homepage, auf denen sie in kurzen Stichworten ihr Konzept darlegten. Dieses Konzept war kindgerecht und schlüssig. Diese Truppe mussten wir kennen lernen!


    Ich habe deren Trainer im Vorfeld kontaktiert und unsere derzeitige kritische Situation und unsere Ideale kurz erläutert. Ich habe ihn darum gebeten, darauf ggf. Rücksicht zu nehmen und habe auch angedeutet, dass wir etwas ausprobieren wollen. Dieses Ausprobieren bestand natürlich darin, wieder eine Dreierkette aufs Feld zu schicken.


    Der Ablauf war folgendermaßen: Wir haben die Kinder gefragt, wer in der ersten Halbzeit hinten spielen möchte. Als "Bonbon" durften diese Kinder dann durchspielen (dieser Vorschlag kam übrigens von einer Mama), die anderen fünf Kinder haben auf den drei offensiven Positionen rotiert (so wie wir es sonst immer ausnahmslos mit dem ganzen Team machen).
    In der Halbzeitpause haben wir die Frage erneut gestellt und es haben sich drei andere Kinder gemeldet, die dann ebenfalls durchspielen durften. Das hatte also bestens geklappt. Die zwei Kinder, die im freien Spiel eher defensiv spielen, haben sich in der ersten Halbzeit für offensive Positionen entschieden. In der zweiten wollte einer wieder hinten spielen.
    Wir haben den Kindern gesagt, dass sie die Ordnung in der Kette selbst regeln sollten. In der ersten Halbzeit war das zum Teil richtig gut, in der zweiten Halbzeit etwas verwaschener, was ich aber auf die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Kinder in Sachen Spielverständnis schiebe.


    In Halbzeit 1 hat z.B. mein Sohn hinten rechts gespielt. Er zeichnet sich durch ein sehr gute Übersicht, gutes Passspiel, gute technische Fähigkeiten (sichere Ballbehandlung) und eine gewissen Abgezocktheit vor dem Tor aus. Er treibt sich meist vorne rum und sucht immer die freien Räume. Seine Schwächen sind der Defensivzweikampf (läuft oft nur nebenher), seine Handlungsschnelligkeit (etwas Zeitlupe) und seine Endschnelligkeit (trotz schlanker Figur einer der langsamsten im Team).


    Mir ist aber das Herz aufgegangen. Er war richtig stolz eine feste Rolle im Team zu haben. Er hat die Rolle sehr ernst genommen, ist überraschend gut in die Zweikämpfe gegangen, hat sich sehr intelligent im Raum bewegt (eingerückt, ballorientiert verschoben) und hat auch immer wieder in den richtigen Momenten den Weg nach vorne gesucht. Bei den anderen Kindern lief es nicht ganz so gut, trotzdem konnte man erkennen, dass sie an der neuen Ordnung Freude hatten und durchaus bemüht waren, ihre Rolle gewissenhaft auszufüllen.


    Erfreulich waren aber vor allem die Bedingungen bei unserem Gegner - kingerecht. Kein ergebnisfixierter Brüllaffen-Trainer, kein Fremdsteuern der Kinder, kein blinder Rausbolzfußball - ein spielstarker und fairer Gegner. Wir haben das Spiel für mich ziemlich überraschend mit 8:5 gewonnen, hätten das Spiel aber auch verlieren können. Der Gegner hatte sehr gute Chancen und wir waren vor dem Tor ziemlich eiskalt. Ein Spiel auf Augenhöhe, dass wir - ganz untypisch für uns - in der Abwehr gewonnen haben.
    Spielerisch war der Gegner sogar fast noch etwas weiter als wir, hat sich aber an unsere defensiven Dreierkette die Zähne ausgebissen und war hinten selbst etwas nachlässig (in deren Gruppe scheint wohl generell ein etwas schwächeres Niveau zu herrschen).


    Normal würde ich jetzt sagen, dass diese Taktik nicht kindgerecht ist, aber da wir rotiert haben, kein Kind mit seiner Rolle unglücklich war und sogar das Verschieben und aktiv am Spiel teilnehmen gut geklappt hat, kann ich mit diesem Umstand sehr gut leben.
    Erstaunlich war auch, dass einige Kinder, die öfters etwas eingeschüchtert und zögerlich spielen, richtig aufgedreht haben und enorm viele Zweikämpfe gewonnen haben. Für mich ein Zeichen, dass Unruhe am Spielfeldrand, die vom Gegner kommt, auch auf meine Kinder abfärbt.
    Eigentlich ein trauriger Umstand. Das Spiel gegen eine richtig talentierte und spielstarke Truppe gewinnen wir mit einer tollen Leistung und das Spiel am vorherigen Wochenende gegen einen relativ limitierten Gegner, der - von testosteron-geschwängerten Vätern angefixte - Nahkämpfer, die mit voller Wucht gegen alles treten, was sich bewegt, aufs Feld schickt, spielen wir nur unentschieden.


    Ich gehe jetzt auf jeden Fall relativ zufrieden und entspannt in die Osterferien. In der ersten Woche wollen wir kein Training machen (etwas Abstand sollte uns gut tun), in der zweiten wollen wir vielleicht etwas auf dem Bolzplatz spielen gehen.
    Ich freue mich auf die ersten Spiele nach den Osterferien und werde euch auf dem Laufenden halten.


    Über Kommentare, Kritik und Anregungen zu meinem Bericht würde ich mich trotzdem freuen.


    Schönen Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • Hi Schimanski


    Der Erfolg der Maßnahme macht doch Hoffnung, freue dich ruhig darüber. Du rotierst ja weiter fleißig zwischen vorne und hinten, da sehe ich nicht das Problem, dass es nicht kindgerecht sein könnte. Das wäre es, wenn du die Spieler immer wieder auf die selben Positionen stellen und somit einseitig ausbilden würdest. Lasse dich von den zwei Müttern nicht zu sehr beeinflussen. Meiner Erfahrung nach sehen Mütter häufig noch mehr als Väter vor allem ihr Kind und machen zumeist Vorschläge, die auf die Verbesserung der Situation eben ihres Kindes zugeschnitten sind. Dabei sehen sie die Spiele aber oftmals durchaus anders als die Trainer.


    Bei vielen meiner Kids (ältere E-Jugend) war es und ist es noch ein Problem, ihre Position richtig zu interpretieren. Viele neigen dazu, sie so zu verstehen, dass die drei Spieler der hinteren Reihe grundsätzlich nur Abwehrarbeit leisten, sobald es nach vorne geht, wandern sie sehr gemächlich nach vorne und fühlen sich so gut wie nicht mehr für das Spiel zuständig. Manche bleiben auch kurz vor der eigenen Strafraumlinie stehen. Umgekehrt sind viele der Meinung, die vordere Reihe sei nur für den Angriff zuständig und das Verhindern von Gegentoren Sache der hinteren. Sie wissen es eigentlich besser, aber es widerspricht ihrer eigentlichen Sichtweise. Da wirft bspw. der Spieler links vorne demjenigen links hinten vor, das Gegentor nicht verhindert zu haben, dabei war für mich als Trainer klar, dass das nicht zuletzt daran lag, dass ersterer Spieler letzterem Spieler nicht geholfen hat. Und umgekehrt bietet sich kein Spieler der hinteren Reihe aktiv für einen Rückpass der vorderen Spieler an, wenn diese sich in der massierten Abwehr des Gegners verstricken.


    Das wird bei meinen Jungs zusehends besser, wenn auch mit dem einen oder anderen deutlichen Rückschlag, der dann dafür richtig schmerzt. Ich möchte dich nur darauf vorbereiten, dass es sein kann, dass deine Kids die Sache mit den Positionen in zu rigider Form übernehmen.


    Noch eine letzte Bemerkung zu meinen Spielern: bei den acht Spielern in meinem Team ist nur einer dabei, der richtig Verantwortung übernimmt, der den Ball immer haben will, der stets im Spiel dabei ist, der jeden Ball erobern will. Die anderen sind eher Mitläufertypen, drei von ihnen haben überhaupt kein Interesse an Defensivarbeit, fünf sind sehr lauffaul (es gibt Überschneidungen), drei sind als nicht unbedingt hochgradig begabte Späteinsteiger technisch schwach und dementsprechend wenig selbstbewusst. Das sind alles Gründe dafür, dass es bei uns immer wieder mit dem gemeinsamen Verteidigen und dem gemeinsamen Angreifen hapert. Bei einer Truppe aus mehr begeisterten und weniger Mitläufertypen sieht es schnell anders aus.


    Wie man die Mitläufer dazu bekommt, mehr Initiative zu zeigen, das frage ich mich schon länger. Und glaubt mir, ich lasse die Kids so gut wie immer in kleinen Gruppen spielen. Das alleine hilft nicht.. Vielleicht mache ich dazu mal einen eigenen Thread auf, mal sehen..

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Hallo tobn,


    Der Erfolg der Maßnahme macht doch Hoffnung, freue dich ruhig darüber. Du rotierst ja weiter fleißig zwischen vorne und hinten, da sehe ich nicht das Problem, dass es nicht kindgerecht sein könnte. Das wäre es, wenn du die Spieler immer wieder auf die selben Positionen stellen und somit einseitig ausbilden würdest.


    Nein, ich habe keine Bedenken wegen der einseitigen Ausbildung, eher im Gegenteil. Das freie Spiel hat bei uns über 1,5 Jahre dafür gesorgt, dass die Kinder sich mit der Zeit selbst feste Positionen geben. Indem ich jetzt eingreife, Positionsspiel vorgebe und dabei routiere, wird die Ausbildung für die Kinder wieder flexibler 8o


    Meine Bedenken gehen in die Richtung, dass ich es eigentlich nicht gut finde, dass bei den Bambini schon taktisch "gemauert" wird. Mich hat das bei unsere Gegner auch immer geärgert. Grund: Man greift in deren Spielewelt ein, nimmt ihnen den Spaß, Kreativität und Spielfreude. Die Kinder, die bei unseren Gegner hinten stehen, wirken oft lustlos, unmotiviert und ausgenutzt (für die goldene Ananas). Sie gehören oft zu den schwächeren Kindern, sollen nur die Bälle hinten rauskloppen, dürfen nicht über die Mittelinie und stehen jedes Wochenende da. Das ist weder kindgerecht, noch fördert das deren Entwicklung und Ausbildung.


    Und genau da habe ich immer Bedenken gehabt. Ich habe letztens mit einem E-Jugend-Trainer (02er Jahrgang) aus unserem Verein gesprochen. Ein netter und ruhiger Typ. Seine Mannschaft ist relativ stark, ich schätze ihn als relativ "menschlich" und fair ein. Ich denke, die Kinder haben es bei ihm gut, man sieht ihnen an, dass sie gerne Fußball spielen. Bölken am Spielfeldrand gibt es nicht.
    Aber auch er hat mir berichtet, dass die Abwehrspieler in seinem 2-3-1 (spielt er seit den Bambini) nicht mit nach vorne gehen und das Fußball spielen aufhören, sobald der Ball über die Mittellinie ist. Die spielen das jetzt seit fünf Jahren und er kriegt es nicht mehr raus. Ich denke, der Schritt zu ballorientierten Verteidigung im Mannschaftsverbund in der D-Jugend wird für diese Mannschaft - trotz ihrer Qualitäten und des guten Arbeitsklimas - nicht leicht.


    Und genau deswegen habe ich damals auch diesen Thread eröffnet. Wie leite ich sanft und ungezwungen den Übergang zum Positionsspiel ein. Wie bekomme ich die Kinder dahin, dass sie relativ geordnet im Raum stehen, aber ihr "alle verteidigen - alle greifen an"-Prinzip nicht aufgeben.


    Im Gegensatz zum Zeitpunkt als ich den Thread eröffnet habe, bin ich derzeit der Meinung, dass wir das Positionsspiel wirklich brauchen. Und das aus mehreren Gründen:


    - Ergebnis: Darf man hier eigentlich nicht sagen, ist aber so. Die Kinder belohnen sich zu selten, bekommen viele doofe Tore, gleichstarke Mannschaften nehmen uns ohne Absicherung zeitweise auseinander (Zitat eines gegnerischen Trainers: Wir haben es gegen euch leichter, weil ihr mitspielt), schwächere Mannschaften mauern und kontern uns aus. Das finde ich ungerecht. Meine Kinder können viel am Ball, trainieren fleißig, dafür sollen sie auch in Form von Toren und Siegen belohnt werden.


    - flexible Ausbildung: Wie oben erwähnt, haben die Kinder im freien Spiel im Laufe der Zeit feste Positionen eingenommen. Mein Sohn hat als "Schönwetter-Fußballer" in den letzten Wochen verlernt, defensiv zu arbeiten und in Zweikämpfe reinzugehen. Kinder, die von sich aus oft hinten stehen, sind gefrustet weil die anderen immer die Tore machen.


    - Knubbelbildung in der Offensive: Unsere Kinder stehen sich vorne gegenseitig auf den Füßen. Angriffe verpuffen, weil uns der Platz fehlt (jedes Kind bindet ja auch meist einen Gegenspieler)

    Lasse dich von den zwei Müttern nicht zu sehr beeinflussen. Meiner
    Erfahrung nach sehen Mütter häufig noch mehr als Väter vor allem ihr
    Kind und machen zumeist Vorschläge, die auf die Verbesserung der
    Situation eben ihres Kindes zugeschnitten sind. Dabei sehen sie die
    Spiele aber oftmals durchaus anders als die Trainer.


    Ein interessanter Aspekt, den ich nach kurzer Überlegung sofort unterstreichen würde.


    Aber ich denke, Kommunikation ist wichtig und man sollte sich zumindest deren Meinungen anhören (in diesem Fall fand ich sie auch bereichernd, der Vorschlag mit der Durchspielgarantie für die Abwehrspieler kam aus der Richtung).
    Ich habe letztens auch zwei Mamas nach dem Training mal angerufen als es Probleme mit ihren Kindern gab. Die haben sich tierisch gefreut und geredet wie ein Wasserfall. Beide Kinder haben danach "die Kurve" bekommen, sich entschuldigt bzw. sind wieder voll integriert.



    Ja, das habe ich oben schon beleuchtet. Das ist meine größte Sorge und eigentlich auch der Grund, wieso ich diesen Thread eröffnet habe. Hier muss man ganz feine Antennen haben. Hier fehlt mir sowohl vom DFB als auch hier im Forum Fachwissen und/oder Erfahrungswerte. Das Thema wird fast ein wenig totgeschwiegen. Die Ansage, bei den Bambini frei spielen zu lassen und in der F-Jugend mit einer groben Form des 3-3 zu spielen, reicht einfach nicht. Es fehlt der Übergang.


    Noch eine letzte Bemerkung zu meinen Spielern: bei den acht Spielern in meinem Team ist nur einer dabei, der richtig Verantwortung übernimmt, der den Ball immer haben will, der stets im Spiel dabei ist, der jeden Ball erobern will. Die anderen sind eher Mitläufertypen, drei von ihnen haben überhaupt kein Interesse an Defensivarbeit, fünf sind sehr lauffaul (es gibt Überschneidungen), drei sind als nicht unbedingt hochgradig begabte Späteinsteiger technisch schwach und dementsprechend wenig selbstbewusst. Das sind alles Gründe dafür, dass es bei uns immer wieder mit dem gemeinsamen Verteidigen und dem gemeinsamen Angreifen hapert. Bei einer Truppe aus mehr begeisterten und weniger Mitläufertypen sieht es schnell anders aus.


    Gibst du dir dafür selbst die Schuld?


    Ich habe mit meiner Truppe ein wenig Glück gehabt. Ich habe ihm zweiten Bambini-Jahr die zehn stärksten von 15 05er-Kinder in die G1 mitgenommen. Die scheinen auch alle etwa gleich stark zu sein und ziehen meist voll mit (beim Training und Spiel fehlen die Kinder nur bei Krankheit, meist sind wir vollzählig). Dadurch das die Kinder in etwa das gleiche Niveau haben, pushen sie sich natürlich auch gegenseitig. Konkurrenz belebt das Geschäft ;)
    Hier muss ich auch mal die DFB-Philosophie loben. Dadurch das alle Kinder gleichberechtigt behandelt werden sollen (in Form von Spielzeiten) bleibt kein Kind entwicklungstechnisch auf der Strecke und selbst der größte Egomane (der seiner Mutter regelmäßig auf der Nase rumtanzt) kommt bei der Auswechslung ohne Theater und Diskussion vom Platz und ordnet sich dem Mannschaftgefüge unter. Ich denke, dass ist gerade für den langfristigen Erfolg sehr wichtig.


    Die stärksten Bambini-Mannschaften unsere Gegend, die in etwa so stark wie wir sind (wir haben in dieser Saison bis jetzt nur zwei Spiele verloren, diese Gegner aber im Hin- bzw. Rückspiel geschlagen), haben meist ein, zwei starke Individualisten, wir hingegen kommen über das Kollektiv. Bei uns strahlt jedes Kind Torgefahr aus. Bei uns hat kein Kind (ich habe es nicht genau nachgehalten) mehr als 30 Tore, dagegen mindestens die Hälfte der Mannschaft mehr als 10 und alle anderen (selbst die Torhüter) mindestens 3.


    Ich erwähne das nicht, um mich/uns zu feiern, sondern als klares Plädoyer für den DFB-Ansatz.


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • - Ergebnis: Darf man hier eigentlich nicht sagen, ist aber so. Die Kinder belohnen sich zu selten, bekommen viele doofe Tore, gleichstarke Mannschaften nehmen uns ohne Absicherung zeitweise auseinander (Zitat eines gegnerischen Trainers: Wir haben es gegen euch leichter, weil ihr mitspielt), schwächere Mannschaften mauern und kontern uns aus. Das finde ich ungerecht. Meine Kinder können viel am Ball, trainieren fleißig, dafür sollen sie auch in Form von Toren und Siegen belohnt werden.

    Die stärksten Bambini-Mannschaften unsere Gegend, die in etwa so stark wie wir sind (wir haben in dieser Saison bis jetzt nur zwei Spiele verloren, diese Gegner aber im Hin- bzw. Rückspiel geschlagen), haben meist ein, zwei starke Individualisten, wir hingegen kommen über das Kollektiv. Bei uns strahlt jedes Kind Torgefahr aus. Bei uns hat kein Kind (ich habe es nicht genau nachgehalten) mehr als 30 Tore, dagegen mindestens die Hälfte der Mannschaft mehr als 10 und alle anderen (selbst die Torhüter) mindestens 3.

    Ihr habt erst zwei Spiele verloren, werdet aber zeitweise auseinander genommen und belohnt Euch zu selten mit Siegen...? Ich habe Schwierigkeiten, Dir zu folgen. :wacko: ?(


    Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass man den Kinderfußball (besonders in der G-Jugend) nicht zu analytisch betrachten sollte.

  • Hallo Follkao,


    sorry, mir ist schon nach dem Schreiben aufgefallen, dass das evtl. widersprüchlich daher kommt.


    Zur Erklärung: Es gibt in unsere Gruppe drei Mannschaften, die etwa gleich stark sind. In der Hinrunde haben wir gegen eine verloren, die anderen beiden geschlagen. Die, gegen die wir verloren haben, haben wir im ersten Rückrundenspiel geschlagen. So weit, so gut.


    Gegen eine andere Truppe, die wir in der Hinrunde noch besiegt haben, haben wir aber in der Rückrunde in den 10 Minuten vor der Halbzeit 7 oder 8 Tore bekommen. Die haben allerdings auch einen Spieler, der schon in der F-Jugend mithalten könnte (vor allem von der Physis, fussballerisch aber auch super). Wir hatten durch das freie Spiel keine Absicherung nach hinten und die Kinder sind richtig derbe vermöbelt worden. Ihr kennt das wahrscheinlich alle, wenn die Kinder durch Gegentore in ein Loch fallen. Das kam noch dazu.
    Ich habe das damals bewusst über uns ergehen lassen, sozusagen als Lerneffekt. Wir haben das in der Halbzeit besprochen und für uns intern bei 0:0 angefangen. Die Kinder haben dann auch hinten besser aufgepasst, der Gegner hat seinen Top-Spieler zu großen Teilen draußen gelassen und wir haben die zweite Halbzeit 4:2 gewonnen.


    Nun treffen unsere beiden obigen Gegner im darauf folgenden Spieltag gegeneinander an. Für mich war die zweite Truppe (die uns zeitweise zerlegt hat) der klare Favorit. Gewonnen haben aber die anderen (die individuell mit Sicherheit schlechter aufgestellt sind), einfach aus dem Grund weil die auf eine stabile Defensive sehr viel Wert legen.



    Hinzu kommen noch die Erfahrungen bei den Hallenturnieren. Zu unsere eigenem Turnier haben wir bewusst in anderen Städten Anfragen gestellt. Und welche Mannschaften melden sich dann? Klar, die jeweils besten Truppen der Region. Auch hier haben wir Spiele verloren, wo wir ebenbürtig oder gar besser waren, einfach weil wir hinten zu sorglos spielten.


    Ich hoffe, das wird jetzt etwas klarer. Wenn nicht, nachfragen!


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • Hey Schimi


    Nein, ich habe keine Bedenken wegen der einseitigen Ausbildung, eher im Gegenteil. Das freie Spiel hat bei uns über 1,5 Jahre dafür gesorgt, dass die Kinder sich mit der Zeit selbst feste Positionen geben. Indem ich jetzt eingreife, Positionsspiel vorgebe und dabei routiere, wird die Ausbildung für die Kinder wieder flexibler 8o


    Aus der Ferne betrachtet denke ich, dass es sinnvoll ist, der sich einschleichende Etablierung von gewohnheitsmäßig besetzten Positionen Einhalt zu gebieten. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber ich beobachte, dass dann die guten Spieler und die typischen Rädelsführer sich ihre Positionen aussuchen und dem Rest das zuweisen, was übrig ist. Oder letztere sich halt einfach in die noch freien Nischen ausweichen.


    Wir hatten es in G und F leider versäumt, alle Kinder zu rotieren, stattdessen haben wir viele Kinder überwiegend ihren scheinbaren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt. Es gab dadurch ein paar Spieler, die für bestimmte Positionen quasi fest gebucht waren. Und dann gab es ein paar, die auch nicht so fest gelegt waren, die dann mal hier, mal dort spielten. Als ich dann im ersten E-Jahr gezielt die Rotation einführte, gab es dann vor allem einen Spieler, der damit gar nicht klar kam. Bis dahin hatte er ausschließlich als Stürmer gespielt, wollte er auch so, plötzlich sollte er auch verteidigen.. Das hat sicher dazu beigetragen, dass er uns schließlich verlassen hat. Da ich die Rotation für absolut sinnvoll halte und von ihr nicht abweichen möchte, ziehe ich daraus die Lehre, dass ich früher mit der vom Trainer vorgeschriebenen Rotation beginnen würde, als wir es taten. Deine Situation mag diesbezüglich aber eine andere sein.


    Meine Bedenken gehen in die Richtung, dass ich es eigentlich nicht gut finde, dass bei den Bambini schon taktisch "gemauert" wird. Mich hat das bei unsere Gegner auch immer geärgert.


    Was dieses Thema betrifft, liege ich mit meinem Co-Trainer etwas über Kreuz. Wir haben unsere aktuell siebzehn, vormals und bald wieder achtzehn Spieler in zwei Mannschaften aufgeteilt, von denen er bei den Spielen das eine und ich das andere Team betreue. Er legt stets Wert auf eine stabile Defensive, stellt den stärksten Spieler also meistens in die hintere, mittlere Position im 3-3-System, und rotiert auch deutlich weniger als ich. Bei mir spielt in jedem Spiel ein Anderer im Tor und bis auf einen, der von sich aus gesagt hat, dass er lieber hinten als vorne spielt, spielt auch jeder mal hinten und mal vorne. Ich behaupte, er traut sich noch nicht, das auch zu tun, bzw. lässt sich davon zu sehr einschüchtern, dass es zunächst einmal ganz furchtbar aussehen wird. Wobei ich meine, bei 'meinen' Spielern erkennen zu können, dass sie, wenn auch erst langsam und allmählich, ein Verständnis dafür entwickeln, wie man sich auf den verschiedenen Positionen sinnvoll verhält. Da gibt es auch Ausreißer, aber insgesamt gefällt mir die Entwicklung.


    Bei meinem Co wird immer mal wieder in den Feldrundenspielen Beton angerührt, vor allem, wenn es gegen Mannschaften geht, die ähnlich stark oder stärker sind. Wenn er mir davon erzählt, äußere ich mich nie begeistert, muss aber eingestehen, dass sich seine Spieler sicher mehr über einen 1:0-Sieg freuen als sie es über eine 2:5-Niederlage täten. Sein Problem ist, dass die meisten seiner Spieler kaum Torgefahr ausstrahlen. Da sich das nicht kurzfristig ändern lässt, die Defensivstrategie aber unmittelbar umgesetzt werden kann, hat er sich für diesen Weg entschieden.


    Ich habe mein Team auch schon mal sehr defensiv eingestellt: gegen den Spitzenreiter unserer Gruppe, der nach fünfzehn Partien bereits ein Torverhältnis von 144:12 hat, habe ich die Jungs, nachdem wir gegen denselben Gegner im Pokal ein paar Wochen zuvor mit offenem Visier mit 2:18 verloren hatten, im Tannenbaum angeordnet, d.h. drei defensive Spieler, davor in die Zwischenräume noch zwei Spieler, und nur eine Spitze. Ich gab ihnen auch den Rat, sich soweit zurück zu ziehen, dass die hintere Reihe auf Höhe des Strafraums steht, die Spieler davor nicht weit davor, wenn die Gegner in Ballbesitz sind, und sie erst in der eigenen Hälfte, dafür aber energisch und gemeinsam anzugreifen. Nur so hatten meine (bis auf einen) nicht sonderlich spritzigen Spieler eine Chance, gegen diesen technisch ungeheuer starken und kombinationssicheren Gegner nicht hoffnungslos ausgespielt zu werden. Distanzschüsse habe ich bewusst einkalkuliert, diese sind aber in der E-Jugend nicht mehr so gefährlich wie noch zu G- und F-Zeiten, weil die Torhüter inzwischen überwiegend die Latte erreichen können. Zur Halbzeit stand es dann auch tatsächlich 'nur' 0:3. Mitte der zweiten Halbzeit ging dann bei uns hinten die Ordnung aber zunehmend verloren, es sind schließlich auch nur Zehnjährige, unser Torhüter verlor auch währenddessen für ein paar Minuten die Lust, so dass das Spiel am Ende 1:9 ausging. Das ist aber insofern anders als bei Euch, als dass wir zwar gemauert haben, aber die spielstärkere doch, und wie ich finde, auch deutlich genug gewonnen hat.


    Diese Spielweise ist bei meinem Team die große Ausnahme, so richtig diszipliniert ist die Abwehrarbeit meiner Spieler, wie in ihrem Alter auch nicht anders zu erwarten, meistens nicht, obwohl ich da, wie gesagt, durchaus langsam Verbesserungen feststelle, wenn auch immer mal wieder ganz schlimme Rückfälle dabei sind.. Daher haben wir auch schon gegen zwei Teams schlecht ausgesehen, die mit der von dir beschriebenen Taktik operierten: einsamer, spielstarker Stürmer vorne, von hinten wird der Ball eigentlich nur rausgeholzt. Wobei man sagen muss, dass das in der E-Jugend bei den meisten Teams dann durchaus schon planvoller aussieht, als ich es bei dem Bambini vermute. Das ist dann teilweise wie bei Gladbach, d.h. es wird von einem oder zwei Spielern halt sehr schnell in die Offensive umgeschaltet, wenn dann deine Abwehrspieler etwas reaktionsschwächer und auch nicht so hyperschnell sind, dazu noch nicht begriffen haben, dass man solche Defizite durch entsprechendes Stellungsspiel kompensieren muss, dann fängst du dir halt ein paar blöde Gegentore..


    Grund: Man greift in deren Spielewelt ein, nimmt ihnen den Spaß, Kreativität und Spielfreude. Die Kinder, die bei unseren Gegner hinten stehen, wirken oft lustlos, unmotiviert und ausgenutzt (für die goldene Ananas). Sie gehören oft zu den schwächeren Kindern, sollen nur die Bälle hinten rauskloppen, dürfen nicht über die Mittelinie und stehen jedes Wochenende da. Das ist weder kindgerecht, noch fördert das deren Entwicklung und Ausbildung.


    Da stimme ich dir voll und ganz zu, wobei ich durchaus auch die Beobachtung gemacht habe, dass man einigen, eher schwächeren Kindern durchaus entgegen kommt, wenn man sie anfangs eher hinten postiert. Da sind die Aufgaben einfacher, zwar ist es auf Dauer nicht zielführend, den Ball nur weg zu schlagen, aber das bekommen auch die Schwächeren hin und gewinnen so an Sicherheit. Man darf aber, und da schere ich dann wieder ein, das nicht zum Dauerzustand werden lassen, d.h. man muss auch bei diesen Kindern die Ballfertigkeit, die Koordination und die Spielintelligenz fördern.


    Und genau da habe ich immer Bedenken gehabt. Ich habe letztens mit einem E-Jugend-Trainer (02er Jahrgang) aus unserem Verein gesprochen. Ein netter und ruhiger Typ. Seine Mannschaft ist relativ stark, ich schätze ihn als relativ "menschlich" und fair ein. Ich denke, die Kinder haben es bei ihm gut, man sieht ihnen an, dass sie gerne Fußball spielen. Bölken am Spielfeldrand gibt es nicht.
    Aber auch er hat mir berichtet, dass die Abwehrspieler in seinem 2-3-1 (spielt er seit den Bambini) nicht mit nach vorne gehen und das Fußball spielen aufhören, sobald der Ball über die Mittellinie ist. Die spielen das jetzt seit fünf Jahren und er kriegt es nicht mehr raus. Ich denke, der Schritt zu ballorientierten Verteidigung im Mannschaftsverbund in der D-Jugend wird für diese Mannschaft - trotz ihrer Qualitäten und des guten Arbeitsklimas - nicht leicht.


    Hmm, mag sein, es könnte aber auch sein, dass das eine ganz normale Entwicklung ist. Ich bin mal gespannt, wie es bei dir wird.. Derzeit neige ich dazu zu meinen, dass es einfach auch Unterschiede in den Kindern gibt, was ihre Begeisterung, ihre Laufbereitschaft, ihren Ehrgeiz, etc. anbelangt, die unseren Bemühungen Grenzen setzen.


    Und genau deswegen habe ich damals auch diesen Thread eröffnet. Wie leite ich sanft und ungezwungen den Übergang zum Positionsspiel ein. Wie bekomme ich die Kinder dahin, dass sie relativ geordnet im Raum stehen, aber ihr "alle verteidigen - alle greifen an"-Prinzip nicht aufgeben.


    Ich befürchte momentan, dass es diesen Königsweg nicht gibt. Ich habe zwei Spieler in meinem Team, wenn ich sie klonen könnte, dann hätte ich ein Team, die dem Ideal schon ziemlich nahe käme. Und dann habe ich ein paar, von denen ein ganzes Team noch ähnlich spielen würde, wie man es im Kindergartenalter sieht.. Und dann habe ich noch den Löwenanteil, der sich zwischen diesen Polen befindet. Da gibt es mal Licht, mal Schatten, verschiedene Stärken und Schwächen, das ist individuell sehr verschieden.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Im Gegensatz zum Zeitpunkt als ich den Thread eröffnet habe, bin ich derzeit der Meinung, dass wir das Positionsspiel wirklich brauchen. Und das aus mehreren Gründen:


    - Ergebnis: Darf man hier eigentlich nicht sagen, ist aber so. Die Kinder belohnen sich zu selten, bekommen viele doofe Tore, [...]


    Ich finde das vollkommen in Ordnung. Das Ergebnis ist zwar zweitrangig, dennoch ist es auf Dauer zermürbend, nur zu verlieren, das macht den Kindern auch keinen Spaß und kann auch nicht das Ziel sein. Man muss halt aufpassen, dass man sich von dem unumstritten angenehmen Gefühl des Sieges nicht dazu verführen lässt, der Dunklen Seite der Macht zu verfallen.


    - flexible Ausbildung: Wie oben erwähnt, haben die Kinder im freien Spiel im Laufe der Zeit feste Positionen eingenommen. Mein Sohn hat als "Schönwetter-Fußballer" in den letzten Wochen verlernt, defensiv zu arbeiten und in Zweikämpfe reinzugehen. Kinder, die von sich aus oft hinten stehen, sind gefrustet weil die anderen immer die Tore machen.


    Absolut, ich bin auch der Meinung, dass man als Trainer die Kinder auch dort spielen lassen sollte, wo sie es weniger gerne tun. Mit Bedacht, mit Unterstützung, mit viel Lob, natürlich, und ohne Druck. Aber schon.


    - Knubbelbildung in der Offensive: Unsere Kinder stehen sich vorne gegenseitig auf den Füßen. Angriffe verpuffen, weil uns der Platz fehlt (jedes Kind bindet ja auch meist einen Gegenspieler)


    Jaja, das ist auch ganz normal, das sehe ich sowohl im Fußball als auch im Handball bei meiner Tochter: die Kids, die den Ball haben wollen, laufen gerne mal auf ihre Mitspieler zu, ganz egoistische nehmen ihren eigenen Mitspielern den Ball sogar aktiv ab. Was meinst du, was ich gerade mit meiner E1 freilaufen und anbieten übe? Und das Breitmachen des Spiels bei eigenem Ballbesitz. Ich wage zu behaupten, dass darauf kein Kind von selbst kommt..


    [Ratschläge der Mütter]
    Ein interessanter Aspekt, den ich nach kurzer Überlegung sofort unterstreichen würde.


    Ich sehe: wir leben in der selben Welt. =)


    Aber ich denke, Kommunikation ist wichtig und man sollte sich zumindest deren Meinungen anhören


    Auf jeden Fall. Ich wage zu behaupten, dass bei uns ein überdurchschnittlich gutes Verhältnis zwischen Trainer-Betreuer-Team und Eltern herrscht, das hat mit aktiver Kommunikation und Meinungsaustausch zu tun.


    [...] Ich möchte dich nur darauf vorbereiten, dass es sein kann, dass deine Kids die Sache mit den Positionen in zu rigider Form übernehmen.


    Ja, das habe ich oben schon beleuchtet. Das ist meine größte Sorge und eigentlich auch der Grund, wieso ich diesen Thread eröffnet habe. Hier muss man ganz feine Antennen haben. Hier fehlt mir sowohl vom DFB als auch hier im Forum Fachwissen und/oder Erfahrungswerte. Das Thema wird fast ein wenig totgeschwiegen. Die Ansage, bei den Bambini frei spielen zu lassen und in der F-Jugend mit einer groben Form des 3-3 zu spielen, reicht einfach nicht. Es fehlt der Übergang.[/quote]
    Ja, das sehe ich ähnlich. Den Königsweg kann ich, wie gesagt, leider auch nicht bieten. Ich glaube auch nicht, dass es das eine Erfolgsrezept gibt, das immer wirken wird. Es geht ja eigentlich auch nicht so sehr um das Positionsspiel an sich, sondern vielmehr um die Spielintelligenz. Die Kinder sollen lernen, die Spielsituation zu erfassen, sie einzuschätzen, Prognosen darüber abzugeben, was als nächstes passieren könnte, was die anderen Spielern machen könnten, was davon wie wahrscheinlich ist, und was sie selbst daher am sinnvollsten tun sollten. Das ist unheimlich anspruchsvoll. Und außerdem kennzeichnet es den Übergang vom reinen Egozentriker, wie es jüngere Kinder nun mal sind, zum Team-Player. Das ist schwierig, darin bin ich mir sicher. Und ich behaupte auch, dass viele Trainer ihren Spielern zu viel zutrauen, wenn sie von ihren F'lingen behaupten, sie seien schon richtige Team-Player. Ich denke, in vielen Fällen ist da das gewünschte Verhalten antrainiert und wird dazu noch durch die getönte Brille gesehen..



    Gibst du dir dafür selbst die Schuld?


    Wofür genau? Dafür, dass diese Truppe so ist, wie sie ist? Nein, eher nicht. Sicher habe ich auch einen Anteil an der Entwicklung der Kinder, aber man sollte seinen Einfluss als Trainer auch nicht überschätzen. Wir haben unterschiedliche genetische Voraussetzungen, außerdem spielt das Elternhaus bei der kindlichen Entwicklung eine ganz große Rolle. Gerade bei Bekannten mit drei Adoptivkindern erkennt man den Einfluss der Vererbung ganz deutlich, das bestätigt sich auch in den vielen Ähnlichkeiten, die ich zwischen meinen Spielern und ihren Eltern sehe, wir kennen uns ja nun schon seit mehr als fünf Jahren..


    Was aber nicht heißen soll, dass man als Trainer keinen Einfluss hat, ganz und gar nicht. Man kann vor allem sehr leicht sehr viel kaputt machen. Aber in der Förderung der Kinder sind einem Grenzen gesetzt, die man erkennen muss und auch zu akzeptieren lernen muss. Die Kunst besteht darin, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Und stets die richtige Abwägung zwischen Fördern und Fordern zu finden.


    Ich habe mit meiner Truppe ein wenig Glück gehabt. Ich habe ihm zweiten Bambini-Jahr die zehn stärksten von 15 05er-Kinder in die G1 mitgenommen. Die scheinen auch alle etwa gleich stark zu sein und ziehen meist voll mit (beim Training und Spiel fehlen die Kinder nur bei Krankheit, meist sind wir vollzählig). Dadurch das die Kinder in etwa das gleiche Niveau haben, pushen sie sich natürlich auch gegenseitig. Konkurrenz belebt das Geschäft ;)


    So ähnlich war das damals bei uns auch. In der F stießen dann aber noch Kinder hinzu, in der E auch. Und man hat auch den einen oder anderen Abgang. Die Schere in der Leistung geht mit zunehmendem Alter typischerweise weiter auseinander, die Späteinsteiger hinken auch oft länger hinterher. Ich sah und sehe immer noch einen Teil meiner Aufgabe darin, allen Kindern, die das Interesse daran haben, den Fußballsport näher zu bringen, auch den schwächeren, und bin davon überzeugt, dass das auf dich auch zutrifft. So hat sich unser Kader aber entwickelt und diversifiziert.


    Die stärksten Bambini-Mannschaften unsere Gegend, die in etwa so stark wie wir sind (wir haben in dieser Saison bis jetzt nur zwei Spiele verloren, diese Gegner aber im Hin- bzw. Rückspiel geschlagen), haben meist ein, zwei starke Individualisten, wir hingegen kommen über das Kollektiv. Bei uns strahlt jedes Kind Torgefahr aus. Bei uns hat kein Kind (ich habe es nicht genau nachgehalten) mehr als 30 Tore, dagegen mindestens die Hälfte der Mannschaft mehr als 10 und alle anderen (selbst die Torhüter) mindestens 3.


    Toll, aber, wie du selbst sagst, auch Glück. Man sucht sich seinen Kader schließlich nicht aus. Die anderen Teams haben insofern vielleicht auch nur andere Voraussetzungen als ihr.


    Ich erwähne das nicht, um mich/uns zu feiern, sondern als klares Plädoyer für den DFB-Ansatz.


    Davon, dass der Ansatz richtig ist, bin ich auch überzeugt.


    Hast du schon das Buch von Horst Wein gelesen? Ich kann es nur empfehlen und würde es dir gerade jetzt, zum Übergang in die F-Jugend, stark ans Herz legen. Sein Thema ist gerade im F-Alter die Förderung der Spielinteligenz, das ist eigentlich genau das, was du willst.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)