Freies Spiel bei den Bambinis gefördert, jetzt steigt der Unmut

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  • Hallo zusammen,


    das erste Jahr Bambini ist jetzt bald rum. Ich habe mich zu weiten Teilen an die DFB-Philosophie gehalten (freies Spiel, wenig Manipulation vom Spielfeldrand, alle Kinder bekommen fast die gleiche Spielzeit, Spaß steht im Vordergrund, Bewegungs- und Koordinationsschulung, abwechslungsreiches Training, Abschlußspiele in kleinen Mannschaften, Entwicklung steht im Vordergrund, Ergebnis zweitrangig, etc.).
    Spielerisch und körperlich haben sich die Jungs nach meiner Einschätzung gut entwickelt. Von anderen Trainern werden wir auch oft wegen unserer Spielweise gelobt.


    Im ersten Halbjahr haben wir aufgrund der Unerfahrenheit und den körperlichen Nachteilen (alle meine Kinder sind aus dem jungen Jahrgang) alle Spiele verloren, im zweiten Halbjahr haben wir oft mithalten können und die Hälfte der Spiele auch gewonnen.
    Im Moment steigt aber der Unmut zwischen den Kindern und den Eltern. Ich habe zwei Kinder, die physisch am robustesten sind. Beide sind fussballerisch und vor allem koordinativ aber eher schwächer. Sie schießen bei uns aber die meisten Tore, da sie auch noch einen guten Zug zum Tor und einen starken Willen mitbringen.


    Nun haben wir auch ein paar Kinder, die fussballerisch stärker sind. Diese Kinder neigen dazu mannschaftsdienlicher zu spielen und/oder viel Defensivarbeit zu verrichten. Torerfolge gibt es bei diesen Kindern seltener. Diese Kinder und deren Eltern werden immer gefrusteter, da Kinder ja praktisch überall an Toren gemessen werden und sich auch untereinander gerne daran messen.
    Das merkt man mittlerweile auch beim Training. Die Kinder beschimpfen sich schon gegenseitig ("Gib doch mal ab"). Die "guten" Kinder stellen das Mitspielen ein, weil die physisch stärkeren oft vieles alleine machen und ihnen sogar mal den Ball abnehmen.
    Mittlerweile haben die Eltern der physisch starken Kinder wohl von dem Unmut wohl auch Wind bekommen und sagen ihren Kindern, dass sie mehr abgeben sollen. Damit verlieren diese aber ihren Zug zum Tor und ihre Unbefangenheit. Also sind im Moment fast alle gefrustet.


    Ein Elternabend zu dem Thema ist in zwei Wochen geplant. Das aber nur am Rande.


    Trotzalledem bleibt natürlich das Problem, wenn man das freie Spiel fordert und fördert, dass sich das erstmal nicht ändern wird. Grobe Versuche, die Kinder (ungezwungen) in ein System zu stecken, und Stürmer und Abwehrspieler rouchieren zu lassen, enden darin, dass die Kinder auf ihren Positionen verharren und die Stürmer das Verteidigen einstellen und die Abwehrspieler nicht mit am Angrifssspiel teilnehmen. Ich vertrete aber wohl wie die meisten hier den Standpunkt, dass die Mannschaft kollektiv angreift und verteidigt und sich ballorientiert verschiebt. Das machen die Bambinis ja instinktiv schon so. In einem System hören sie damit aber auf. Das kann also (derzeit) keine Lösung sein.


    Ich bin im Moment relativ ratlos, weil sich anscheinend das freie Spiel und glückliche Kinder ausschließen...


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • Auch bei den Bambini kann man schon einiges erlernen lassen, ohne Spiel und Spass aufzugeben.


    Mache beispielsweise ein Abschlussspiel, bei dem jeder nur ein Tor schießen darf, sein persönliches ....... und du wirst Zusammenspiel sehen wie bei keiner 1. Herren. Wer gewinnen will, braucht also verschiedene Torschützen (und Verteidiger), das regeln die Kleinen dann mal eben flott selbst auf dem Platz ...... oder verlieren. :D

    [b][color=#990000]"Absolvent der SOCCERDRILLS-ONLINE Kurse BASIS, Ki-Fu und JUGEND-FU."

  • Bei meinem alten Verein gibt es die Minis 2004, 2005 und 2006...derzeit.


    Wieviele Teams habt ihr und wenn "nur" ein Team....wieviele Spieler sind darin?


    Wenn es zuviele sind, teilt sie, damit die Jahrgänge und damit die Entwicklungsstufe zusammen passen, dann wären die Unterschiede dieser Altersgruppe vielleicht nicht so groß.


    Ansonsten finde ich....sollte man reisende nicht aufhalten.


    Laßt Euch nicht verbiegen, ich finde das klasse was ihr da leistet. Leider scheint der Druck von Aussen hier Einfluß auf Euer an sich gutes Vorgehen so zu wachsen, dass ihr nachgebt.


    Diejenigen die da ihre Kinder beeinflussen und so Druck ausüben....die sollte man....nein ich sags nicht.


    Ich hätte damit bei Eurer Philosophie aber gerechnet. In meinem alten Verein ist man sich hinsichtlich der Philosophie einig....es ist die gleiche die ihr grundsätzlich auch habt...gehabt habt. Das zieht hier aber Massen an, weil man dadurch nämlich einen besonders guten Ruf genießt.


    Vielleicht solltet ihr Euer tun auf dem Elternabend, ...darüber hinaus durch Flyer...Info mit Hinweisen auf die Dfb.-Seite usw....transparenter und verständlicher machen. Ihr müßt mit Überzeugung und Infos auf die Leute zugehen, sie so auf Eure Seite holen. Sind sie auf Eurer Seite, wird sich euer positives Tun herumsprechen und man wird zu Euch kommen. Andere wenige werden gehen....sollen sie gehen. Der Vorstand sollte da auf Eurer Seite sein. Gruß Andre

  • Andres Empfehlungen sind m.E. gut.


    Grundsätzlich ist das aber genau das was ich immer predige: Du musst das gesamte Sozialkonstrukt Kindermannschaft "managen". Es gibt so viele Anspruchsgruppen in dem Umfeld. Du selbst, Deine Familie, die Spieler, deren Eltern, der Verein, andere Trainer, andere Mannschaften aus Eurem Verein, andere Spieler, bla bla bla ... alle haben deutlich ausgesprochene aber meist unausgesprochene Erwartungshaltungen. Vor dem Hintergrund ist es enorm wichtig von Anfang an diese zu berücksichtigen und ins Kalkül einzubeziehen. Meist sind Kompromisse nötig.

  • Mache beispielsweise ein Abschlussspiel, bei dem jeder nur ein Tor schießen darf, sein persönliches ....... und du wirst Zusammenspiel sehen wie bei keiner 1. Herren. Wer gewinnen will, braucht also verschiedene Torschützen (und Verteidiger), das regeln die Kleinen dann mal eben flott selbst auf dem Platz ...... oder verlieren. :D


    Ich habe mal eine Regel aus dem Kinderhandball, den meine Tochter spielt, übernommen: am Ende werden die Tore mit der Anzahl der Torschützen multipliziert, d.h. wenn ein Team insgesamt drei Tore geschossen hat, die sich auf fünf Schützen verteilen, so haben sie fünfzehn Punkte. Damit gewinnen sie gegen das Team, in dem zwei Spieler zusammen sechs Tore geschossen haben.


    Da freuen sich dann auch gleich die Grundschullehrer über die Übungen im 1x1. :)

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)


  • Ich habe mal eine Regel aus dem Kinderhandball, den meine Tochter spielt, übernommen: am Ende werden die Tore mit der Anzahl der Torschützen multipliziert, d.h. wenn ein Team insgesamt drei Tore geschossen hat, die sich auf fünf Schützen verteilen, so haben sie fünfzehn Punkte. Damit gewinnen sie gegen das Team, in dem zwei Spieler zusammen sechs Tore geschossen haben.


    Da freuen sich dann auch gleich die Grundschullehrer über die Übungen im 1x1. :)

    Sorr für OT aber ich find die Vorstellung das 5 Schützen 3 Tore schießen herrlich :)

    „Erfolg ist ein Geschenk – eingepackt in harte Arbeit." (Ernst Ferstl)

  • Sorr für OT aber ich find die Vorstellung das 5 Schützen 3 Tore schießen herrlich :)


    Touché! Siehste, zuerst hatte ich es anders herum, dann dachte ich mir, es sei so ja viel beeindruckender. Vor lauter Begeisterung hat dann offenbar das Hirn ausgesetzt und ich mir selbst das Bein gestellt.. Danke für den Hinweis.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Wenn ich den Text richtig verstanden habe, dann gibt es eher keinen Druck von außen, sondern Ärger innerhalb des Teams, nämlich die mannschaftsdienlichen gegen die Einzelkämpfer. Erstere ärgern sich, weil sie weniger Tore schießen, letztere geebn damit an, mehr Tore zu schießen.
    Was bei uns damals ganz gut funktioniert hat, war, die Passgeber, die Abwehrspieler den Torhüter bei guten Aktionen gesondert und hervorgehoben zu loben. Auch bei jedem Tor ging das Lob an den Schützen und nochmal gesondert an den Vorlagengeber. Angebereien oder Triezereien von Schwächeren haben wir immer konsequent unterbunden. Und selbstverständlich haben wir keine Tore gezählt.

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • Diese Kinder und deren Eltern werden immer gefrusteter, da Kinder ja praktisch überall an Toren gemessen werden und sich auch untereinander gerne daran messen.


    Hier kannst du aber eingreifen. Natürlich sind Tore wichtig, nichts übertrifft im Fußballspiel das Gefühl des selbsterzielten Tores. Das musst du bei den Gewohnheitstorschützen daher aber auch nicht so sehr loben. Natürlich ist es immer gut, wenn ein Tor geschossen wird, das sollte man auch nicht ins Gegenteil verkehren. Aber alle anderen guten Aktionen solltest du genauso intensiv unterstützen.

    Das merkt man mittlerweile auch beim Training. Die Kinder beschimpfen sich schon gegenseitig ("Gib doch mal ab").


    Wenn die Situation passt, dann halte das Spiel doch mal genau da an und thematsiere die Situation. Beziehe dabei unbedingt den vermeintlichen Sünder ein und schaue mal, ob er darauf kommt, dass es sinnvoll gewesen wäre, abzuspielen. Andererseits haben wir es hier mit Bambini zu tun, da kann man noch nicht zu viel in Sachen Spielverständnis erwarten. Es würde mich auch nicht wundern, wenn hinter den Forderungen der Kinder zumindest teilweise die Eltern stehen, die der Meinung sind, ihr Kind würde den Ball nicht oft genug bekommen und die anderen seien zu egoistisch. Das ist dann ein gewisser Drahtseilakt..


    Wenn du es richtig verpackst, könntest du ja demonstrieren, dass beim Fußball zwei Teams gegeneinander spielen und dass einer alleine gegen ein Team nicht gewinnt. Da musst du aber höllisch aufpassen, dass der Alleinspielende sich nicht ausgezählt fühlt.


    Die "guten" Kinder stellen das Mitspielen ein, weil die physisch stärkeren oft vieles alleine machen und ihnen sogar mal den Ball abnehmen.


    Das geht aber nun mal gar nicht. Ich habe das, als es nicht von selbst aufhörte, streng und sofort sanktioniert: der Gegner hat den Ball bekommen. Hätte das nicht gereicht, so hätte ich auch noch ein Gegentor gegeben oder den Schuldigen kurz (d.h. unter eine Minute) Pause machen lassen.


    Mittlerweile haben die Eltern der physisch starken Kinder wohl von dem Unmut wohl auch Wind bekommen und sagen ihren Kindern, dass sie mehr abgeben sollen. Damit verlieren diese aber ihren Zug zum Tor und ihre Unbefangenheit. Also sind im Moment fast alle gefrustet.


    Mach dir da jetzt keinen zu großen Kopf, ich finde, es klingt doch ziemlich gut. Da ja inzwischen ohnehin allen das Thema bewusst ist, kannst du es ja innerhalb der Mannschaft ruhig auch ansprechen. Achte darauf, dass du alle auf das gemeinsame Ziel einschwörst, damit sie sich als Team verstehen. Rege bei den Gewohnheitstorschützen an, dass sie, wenn sie ein oder zwei Tore geschossen haben, versuchen können, den anderen dabei zu helfen, auch Tore zu schießen.


    Trotzalledem bleibt natürlich das Problem, wenn man das freie Spiel fordert und fördert, dass sich das erstmal nicht ändern wird. Grobe Versuche, die Kinder (ungezwungen) in ein System zu stecken, und Stürmer und Abwehrspieler rouchieren zu lassen, enden darin, dass die Kinder auf ihren Positionen verharren und die Stürmer das Verteidigen einstellen und die Abwehrspieler nicht mit am Angrifssspiel teilnehmen.


    Hmm, vielleicht sind deine Gruppen zu groß? Mit kleinen Gruppen, die ähnlich stark besetzt sind, sollte eher diejenige erfolgreicher sein, in der alle Spieler bei allen Aktionen mitmachen. So würden hoffentlich die berufenen Stürmer auch lernen, Defensivarbeit zu verrichten, und die Zurückhaltenderen hätten auch Gelegenheit zu einem offensiven Alleingang.


    Andererseits schreibst du, dass du in kleinen Mannschaften spielen lässt...


    Ich vertrete aber wohl wie die meisten hier den Standpunkt, dass die Mannschaft kollektiv angreift und verteidigt und sich ballorientiert verschiebt. Das machen die Bambinis ja instinktiv schon so. In einem System hören sie damit aber auf. Das kann also (derzeit) keine Lösung sein.


    Deine Eindrücke bestärken ja die Einschätzung, dass bei den Bambini ein Spielsystem noch zu früh kommt und die Kinder eher hemmt. Mein Eindruck ist auch der, dass Kinder häufig meinen, Abwehrspieler seien nur zur Abwehr da und Stürmer nur zum Toreschießen, in der Steigerung dürfen dann nur Stürmer Tore schießen. Das ist natürlich alles Käse. Dass sie sich, wie du schreibst, instinktiv verschieben, ist ja auch ermutigend.


    Eigentlich musst du 'nur' vermitteln, dass sie als Team spielen sollen, dass Tore, die andere schießen, für die Mannschaft genau so viel zählen wie die eigenen. Fördern könntest du das, indem Tor nicht gleich Tor ist. Entweder, jeder darf erst wieder ein Tor erzielen, wenn alle anderen gleich viele Tore haben. Mir ist das aber oft zu drastisch, deswegen habe ich die Regel aus dem Handball erwähnt. Oder das erste Tor eines jeden Spielers zählt acht Punkte, das zweite nur noch vier, dann zwei, und anschließend nur noch eins.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Mache beispielsweise ein Abschlussspiel, bei dem jeder nur ein Tor schießen darf, sein persönliches ....... und du wirst Zusammenspiel sehen wie bei keiner 1. Herren. Wer gewinnen will, braucht also verschiedene Torschützen (und Verteidiger), das regeln die Kleinen dann mal eben flott selbst auf dem Platz ...... oder verlieren. :D

    Für mich der beste Vorschlag.




    Sorr für OT aber ich find die Vorstellung das 5 Schützen 3 Tore schießen herrlich :)

    Sehr, sehr geil :thumbup:

    Das einzige, was wirklich gerecht verteilt ist, ist die Intelligenz.
    Ich habe noch nie jemanden sagen hören, er hätte zu wenig davon.

  • Hallo zusammen,


    erstmal danke für die Antworten. Ich versuche mal der Reihe nach darauf einzugehen.

    Ich habe schon ähnliche Sachen probiert (ein Tor zählt nur, wenn jedes Kind einmal am Ball war). Ich fand das aber nicht bambini-gerecht. Der Spaß und die Spielfreude gingen gegen Null.
    Aber vielleicht ist deine Methode da passender.

    Zitat

    Bei meinem alten Verein gibt es die Minis 2004, 2005 und 2006...derzeit.


    Wieviele Teams habt ihr und wenn "nur" ein Team....wieviele Spieler sind darin?

    Ich habe einen reinen 05er Jahrgang. Zudem trainieren drei schwächere 05er bei den 06er mit, da sie bei uns überfordert sind. Ich kann also schon behaupten, dass die Kinder leistungsmäßig sehr eng beieinander liegen.

    Da hast du mich falsch verstanden. Ein Änderung der Philosophie kommt für mich nicht in Frage. Und das Ergebnisdenken der Eltern hoffe ich mit dem geplanten Elternabend weitestgehend aus der Welt zu schaffen.
    Das wirklich Problem liegt auf dem Platz. Spielerisch talentierte Spieler weinen, sind traurig und lassen sich hängen, weil nicht abgespielt wird und andere für ihre Torerfolge gefeiert werden.
    Beim letzten Spiel wollte der koordinativ veranlagteste nicht mitspielen und ist zu Hause geblieben. Da schrillen bei mir alle Alarmglocken.
    Ich möchte halt so wenig wie möglich die Kinder zum Passen auffordern. Man nimmt ihnen dadurch einfach ihre Leichtigkeit und beraubt sie auch ihrer Stärken.


    Ich weiß, das Bambinis von Natur aus sehr ich-bezogen sind. Deswegen bin ich auch keinem Kind böse. Aber wenn andere Kinder darunter leiden, kann das nicht im Sinne der DFB-Philosophie sein.

    Das ist alles in Planung bzw. habe ich in der Vergangenheit auch schon in Einzelgesprächen getan. Hier sehe ich mich auch in der Verantwortung. Man muss zusammen an einem Strang ziehen und den Weg gemeinsam gehen. Es löst aber trotzdem nicht (oder nicht vollkommen) das Problem auf dem Platz...


    Auch nicht schlecht, wobei die mathematische Umsetzung wohl daran hapert, dass die Dropse noch alle im Kindergarten sind. Ich werd`s aber mal probieren.


    Ja, das mache ich auch schon. Ich fordere oft den Torschütze auf, sich beim Passgeber zu bedanken. Das ist aber wieder fremdsteuern, womit ich mich generell schwer tue.
    In der Nachbesprechung lobe ich auch ganz besonders die Kinder, die hinten aufgepasst haben. Auch erwähne ich immer wieder, dass der Erfolg ohne die Abwehr nicht möglich wär. Die Kinder, die keine Tore geschossen haben, sind für dieses Lob aber nicht sonderlich empfänglich.
    Auch auf dem Platz gibt es immer wieder Lob für die Rückwärtsarbeit.
    Ein Junge hat letztens zu seiner Mutter, als die ihn aufforderte doch auch mal alleine zu gehen, gesagt, dass er nicht so spielen will wie die anderen. Er will richtigen Fussball spielen, also zusammen und mit passen.
    Überspitzt formuliert, ersticken die Alleingänger die Entwicklung der Spielintelligenz und des Spielverständnisses der anderen.


    Oft macht ein Pass ja gar nicht Sinn. Im Gegenteil sind die Pässe oft zu lasch und werden von den anderen abgefangen. Die DFP-Philosophie gibt ja in jungen Jahrgängen eine Schulung des 1:1 vor. Passspiele sollten dagegen nur selten trainiert werden. Daran halte ich mich auch grob.


    Pässe spielen eigentlich nur ein paar Jungs wirklich gut. Die haben auch schon ein gewisses Spielverständnis. Das kommt am besten zur Geltung, wenn man 2:2 oder 3:3 spielt. Aber auch hier entscheidet selten der Pass, sondern oft der Zweikampf über Tor bzw. Nicht-Tor.


    Ich jetzt bin ich wieder bei dem Punkt, wo die Katze sich in den Schwanz beisst.


    Zitat


    Es
    würde mich auch nicht wundern, wenn hinter den Forderungen der Kinder
    zumindest teilweise die Eltern stehen, die der Meinung sind, ihr Kind
    würde den Ball nicht oft genug bekommen und die anderen seien zu
    egoistisch. Das ist dann ein gewisser Drahtseilakt..

    Da bin ich voll bei dir. Die einen Eltern geben Star-Wars-Karten für Tore, die anderen Eltern verbieten den Kindern alleine zu laufen und verlangen (den nutzlosen) Querpass.
    Genau deswegen haben wir auch den Elternabend einberufen.


    Mein Sohn bekommt von mir nie etwas gesagt. Er schafft den Spagat auch relativ gut. Er schiesst Tore, passt gerne, freut sich auch für die anderen und ist eigentlich immer (außer bei Niederlagen) glücklich. Für mich ein Zeichen, dass der Schlüssel zu dem Ganzen (auch?) bei den Eltern zu suchen ist.



    Zitat

    Das
    geht aber nun mal gar nicht. Ich habe das, als es nicht von selbst
    aufhörte, streng und sofort sanktioniert: der Gegner hat den Ball
    bekommen. Hätte das nicht gereicht, so hätte ich auch noch ein Gegentor
    gegeben oder den Schuldigen kurz (d.h. unter eine Minute) Pause machen
    lassen.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen, will ich das konkretisieren. Der technisch gut Spieler erobert den Ball und dribbelt los. Die anderen Spieler sind durch die Schulung des freien Spiels gewöhnt, sich zum Ball zu orientieren (anstatt in den freien Raum zu laufen). Der körperlich robuste ist dann irgendwann neben oder vor dem technisch starken Spieler, schiebt seinen Körper zwischen Ball und Mitspieler und dribbelt weiter. Der technisch starke Spieler stellt die Arbeit ein, der Robuste macht das Tor. Könnte man mit gutem Willen als gelungendes Zusammenspiel sehen, frustet aber mindestens einen der beiden.
    Wieder bin ich bei dem Punkt, dass die Förderung des freien Spiels zu Lasten einiger Spieler geht.


    Das bezog sich auf die "Meisterschaftsspiele". Da spielen wir ja 6+1. Im Training spielen wir maximal 4:4 und immer ohne Systemvorgaben.


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • Es löst aber trotzdem nicht (oder nicht vollkommen) das Problem auf dem Platz...


    Was erwartest Du Dir? Eine Lösung für ein spezifisches Problem mit spezifischen Menschen aus einem anonymen Fußballforum? Das Problem hätte erst gar nicht entstehen dürfen. Das Kind ist jetzt schon in den Brunnen gefallen und Du als (Menschen)Führungskraft bist gefragt. Mit Fußball hat das an sich nix zu tun. Das ist eine Frage der Führungsqualitäten - wie übrigens so oft im Fußball.


    Leider ist das dermaßen individuell, dass nur Du das mit Deinen Vor-Ort Kenntnissen der Menschen dort lösen kannst.

  • Wenn ich deinen Post richtig deute, bist du also der Meinung, dass das Problem alleine von den Eltern kommt und ich es versäumt habe, im Vorfeld einzugreifen bzw. meine Philosophie zu verdeutlichen?

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • ...das denke ich auch!


    Der Ansatz mit dem Elternabend ist ein Anfang. Wie Paul schon schreibt - die Steuerung von oben ist entscheidend.
    Du solltest eine klare Linie für Alle (Kinder, Eltern und für dich selber) vorgeben.
    Den Kindern Prinzipien vermitteln, wo Kompromisse im Bereich Dissonanzen-Konfliktbewältigung nicht unbedingt angebracht sind.


    beste Grüße
    und viel Erfolg

  • @Schimi: Mei - ich weiß es nicht. Ein Teil Wahrheit wird schon dran sein. Aber auch die Kinder untereinander ... das kann von den Eltern gesteuert sein oder nicht. Ich persönlich habe bei sowas "Null-Toleranz". Wehret den Anfängen. Sowas kriegt in Teams immer ne Eigendynamik und u.U. kriegt man das nicht mehr so einfach in den Griff: Es verselbstständigt sich. Sowas ist ja wohl geschehen.


    Manchmal hilft ein reinigendes Gewitter oder Maßnahmen nach dem Motto: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende."


    Eine gute Portion weiblicher, sozialer Kompetenz kann auch nicht schaden. Evtl. kann Dich eine (unparteiische?) Frau (und Mutter aber nicht unbedingt von einem Deiner Spieler ) unterstützen?

  • Deine Sammelantwort bringt mich zu folgenden Schlüssen:
    1. Dir ist leider zu spät bewusst geworden, was sich da zusammenbraut. Jetzt ist da schon was an Suppe zum Auslöffeln da..
    2. Du scheinst nicht so richtig zu wissen, wohin du willst, außer, dass Friede, Freude, Eierkuchen herrsche
    3. Du bist dir nicht sicher, wo die Ursachen liegen: im sportlichen oder im zwischenmenschlichen Bereich
    4. Du nimmst die DFB-Philosophie sehr wörtlich


    Verstehe das jetzt bitte nicht als Vorwurf oder gar Ansammlung von Vorwürfen, so ist es nicht gemeint.


    Zu den einzelnen Punkten:


    1. Suppe-Auslöffeln


    Ich weiß nicht, ob du Neuling im Trainer-Job bist. Ich war es, als ich mit 'meinem' Team begann und ich würde heute einiges anders machen, wäre ich nochmal in derselben Situation. Dazu gehört ganz eindeutig, dass man seine Philosophie klar schriftlich formuliert und sie den Eltern sowohl in dieser Form über- als auch in einem Elternabend verbal vermittelt. So schaffst du eine gemeinsame Ausgangsbasis und machst deutlich, was deine Ziele sind (eben z.B. nicht die Ergebnisse sondern die Spielerlebnisse aller Spieler) und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, also z.B. dass keine Anweisungen reingerufen werden, dass nur gelobt werden darf und aber z.B. auch, dass es keine Belohnungen für Tore geben darf. Als sich das bei uns mal andeutete, habe ich klar gesagt, dass ich Kinder, bei denen ich davon erfahre, nicht aufstellen werde.


    Auch im regulären Trainings- und Spielebetrieb ist es wichtig, ein Auge auf seine Spieler zu haben, damit man frühzeitig erkennt, wie sie sich fühlen. Kinder haben zarte Seelen, du bist als Kinder-Trainer oft pädagogisch gefragter als sportlich. Und es ist auch wichtig, dass du immer mal wieder mit den Eltern sprichst, einfach so, am Spielfeldrand während des Spiels oder danach, da kannst du dann sagen, das war jetzt aber gut, guck mal. Und wenn sie mal kritisch sind, dann kannst du sagen, macht nix, liegt erstens am Alter und zweitens hat er es probiert, ist doch fein. Und zu Vorkommnissen, die tatsächlich kritikwürdig sind, kannst du ankündigen, dass du das im Training ansprechen wirst.


    Aber nun mache mal den Elternabend, sei dir aber klar, worin du die Gründe siehst, zeige den Eltern auf, wie du es dir vorstellst und wie der Weg dahin sein soll. Und falls Streit aufkommen sollte, agiere als Mediator und Schlichter, schlage dich keinesfalls auf eine Seite, sondern betone, dass dein Ziel ist, dass alle möglichst zufrieden sind.



    2. Du scheinst nicht so richtig zu wissen, wohin du willst, außer, dass Friede, Freude, Eierkuchen herrsche


    Du hältst die DFB-Philosophie hoch, super. Leider ist sie aber halt in großen Teilen recht abstrakt, es liegt an uns Trainern, sie zu konkretisieren. D.h. du musst dein Ziel bzw. deine Ziele klar formulieren und daraus konkrete Maßnahmen, Trainingsinhalte, Bewertungsmaßstäbe, etc. ableiten. Ein Ziel könnte z.B. sein, dass die Kinder ungestört spielen sollen. Zu den sich daraus ergebenden Maßnahmen könnte zählen, dass du und die Eltern die FairPlay-Regeln einhalten. Ein weiteres Ziel könnte es sein, jedes Kind entsprechend seiner Möglichkeiten bestmöglich zu fördern. Konsequenz daraus könnte sein, im Training auch mal Gruppen nach Leistungsstand zu bilden und geringfügig unterschiedlich zu trainieren. Team-Spirit könnte ein weiteres Ziel sein. Dazu könnten gemeinsame Unternehmungen helfen, Kooperationsspiele im Training, Mannschaftsrituale. Transparenz könnte auch ein Ziel sein. Gute Organisation, eine gute Informationspolitik, bekannte, nachvollziehbare und umgesetzte Regeln sowie allgemein hohe Kommunikationsbereitschaft gehören da rein.


    Du verstehst, wo ich hin will?



    3. Du bist dir nicht sicher, wo die Ursachen liegen: im sportlichen oder im zwischenmenschlichen Bereich


    Tja, du eierst halt etwas herum, einserseits liege das Problem auf dem Platz, weil einige Spieler nicht abgeben, weiter unter schreibst du aber, dass sie meistens gar nicht abspielen sollten und es auch gar nicht können. Und dass du ihnen das Passspiel nicht vermitteln willst, weil es dem freien Spiel widerspreche. An anderer Stelle berichtest du von Belohnungen für Tore für einzelne Spieler, dass es einzelne gibt, die 'richtig' Fußball spielen wollen und denen das verwehrt wird, sowie von Eltern, die bestimmtes Verhalten verlangen, egal ob Alleingang oder Pass. Und die fehlenden Pässe erkennst du einerseits als Problem, willst sie aber andererseits nicht fördern..


    Ich habe den Eindruck, die Probleme entstanden dadurch, dass die Eltern deiner Spieler nicht um deine bzw. die DFB-Philosophie wissen. Sie stören sich am egoistischen Spiel einiger Spieler und sehen ihre Kinder benachteiligt. Bei diesem Thema reagieren viele Eltern äußerst empfindlich, aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich da nur zu größter Sensibilität raten. Sie wollen, dass gepasst wird, wie bei den Großen, das Passspiel ist ja schließlich die Seele des Fußballs, gerade der modernen Ausprägung. Das haben sie den Kindern auch schon vermittelt, die interessierten Kids wissen das aber auch aus den Kommentaren von Bela Rethy und Konsorten.


    An dieser Stelle komme ich zu Punkt 4:



    4. Du nimmst die DFB-Philosophie sehr wörtlich


    Ich bin mir nicht sicher, ob deine Interpretation der DFB-Philosophie nicht zu radikal ist. Ja, der DFB fördert das freie Spiel, aber er sieht es im Gegensatz zum Trainings- und Spielbetrieb, in dem Kinder wie kleine Erwachsene behandelt werden. Ich halte es nicht für sinnvoll, die Lütten einfach nur sich selbst zu überlassen, das führt schnell zu darwinistischen Erscheinungen. Du bist als Trainer meiner Meinung und Überzeugung nach schon gefragt als derjenige, der die Losung ausgibt, der dafür sorgt, dass die Gruppe funktioniert, und der die Kinder sowohl sportlich als auch menschlich fördert. Dazu gehört aus meiner Sicht unbedingt, dass man den Kindern, gerade im Wissen um ihren Egozentrismus und Egoismus, nahe bringt, sich in andere hinein zu versetzen, sie verstehen zu lassen, wie sich der andere fühlt, wenn ihm vom eigenen Mannschaftskameraden der Ball abgenommen wird. Und das als Einwurf: mir ist egal, wie es der jeweilige Spieler konkret macht, man nimmt dem Mannschaftskameraden den Ball nicht ab, punkt, fertig, aus. Man geht ihm vielmehr aus dem Weg, wenn man ihm in selbigem steht. Auch als Bambino.


    Auch denke ich, dass die Trainingsinhalte des DFB nicht unumstößlich sind. Wenn du bei deinen Bambini ein paar dabei hast, die schon passen könnten, dann darfst du ihnen das ruhig auch mal beibringen. Keinen Schwerpunkt daraus machen, aber sie halt auch nicht mit ihrem Wunsch, das zu lernen, völlig im Regen stehen lassen.


    Ich habe in meiner Gerade-noch-E2 auch ein paar Kinder, die durchaus schon gruppentaktisch denken können und entsprechende Überlegungen anstellen. Das ist laut DFB erst Thema der D, aber wenn diese (wenigen) Jungs schon so weit sind, dann halte ich es sogar für geboten, ihnen Antworten auf ihre Fragen zu geben und ihr Interesse nicht zu ersticken.


    Auch die DFB-Philosophie gibt aus meiner Sicht 'nur' einen Rahmen vor. Diesen zu füllen und konkret auszugestalten ist deine Aufgabe. Dabei muss auch auf individuelle Eigenschaften, Anforderungen und Eigenheiten deiner Mannschaft eingegangen werden.



    Abschließend wünsche ich dir viel Erfolg. Werde dir klar darüber, was deine Ziele sind und was das für dich, deine Kids und ihre Eltern bedeutet. Kommuniziere das, erkläre es allen Beteiligten, habe ein achtsames Auge und offene Ohren, und bleibe flexibel.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Danke tobn,


    ich glaube, du hast die Situation ganz gut erfasst.
    Einige deiner "Empfehlungen" praktiziere ich schon, andere muss ich intensivieren und wieder andere neu hinzunehmen.
    Ich werde mich in den nächsten Tagen und spätestens nach dem Elternabend nochmal melden.


    Danke für den Input!


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • Hallo,


    ich muss mich nochmal melden.
    Ich finde den Beitrag von tobn auch sehr treffend. Er hat die Sache wirklich sehr gut analysiert. Ich finde auch die Vorschläge von ihm auch bereichernd und werde mir davon etwas annehmen bzw. habe ich heute schon gemacht.


    Wir hatten heute ein Spiel. Tja, und so ein Spiel kann einiges ändern. Ich habe die Sache wohl auch etwas zu überspitzt und pessimisitsch dargestellt, um die Sache anschaulicher zu machen und Reaktionen zu bekommen.


    Schon alleine die Ankündigung des Elternabends und einige Gespräche mit den Eltern und zwischen den Eltern haben sich heute auf dem Platz widergespiegelt. Die Jungs haben zum einen viel Spielfreude gehabt, sehr gut zusammen gespielt und gerade die "traurigeren" Kinder haben heute hervorragend gespielt. Einer war bester Mann, überall auf dem Platz zu finden, mit unzähligen guten Dribblings und Vorlagen, der andere hat zwei Netze gemacht und war defensiv ähnlich stark.


    Zudem hat man an den Rufen der Eltern gemerkt, dass sich alle Seiten des Problems bewusst sind. Beide Seiten sind ein Schritt aufeinander zugegangen. Es wurden Pässe und Zusammenspiel gelobt und Tore nicht über alles gestellt. Zudem haben die Eltern wohl die "Passpflicht" aufgehoben. Alle Kinder sind heute mutig nach vorne gelaufen und haben wieder Zug zum Tor entwickelt.


    Ich werde euch auf dem Laufenden halten...


    Gruß, Christoph



    Edit: Als Ergänzung zu Punkt 3 von tobn: Ich eier nicht rum. Ich lobe das Zusammenspiel und freue mich über Pässe. Ich streube mich nur dagegen, dass Pässe von außen
    auferzwungen und die Kinder fremdgesteuert werden. Ich bin in dem, was ich von den Kindern verlange und was ich erwarte, sehr zielgerichtet.
    Ich habe schon eine Vorstellung davon, wie die Jungs spielen sollen.
    Leider haben die Eltern da andere Vorstellungen und messen die Kinder am Ergebnis bzw. die einen an Pässen, die anderen an Toren. Da gilt es auf dem Elternabend einen gemeinsamen Nenner zu finden.

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

    3 Mal editiert, zuletzt von Schimanski ()