Hallo zusammen,
das erste Jahr Bambini ist jetzt bald rum. Ich habe mich zu weiten Teilen an die DFB-Philosophie gehalten (freies Spiel, wenig Manipulation vom Spielfeldrand, alle Kinder bekommen fast die gleiche Spielzeit, Spaß steht im Vordergrund, Bewegungs- und Koordinationsschulung, abwechslungsreiches Training, Abschlußspiele in kleinen Mannschaften, Entwicklung steht im Vordergrund, Ergebnis zweitrangig, etc.).
Spielerisch und körperlich haben sich die Jungs nach meiner Einschätzung gut entwickelt. Von anderen Trainern werden wir auch oft wegen unserer Spielweise gelobt.
Im ersten Halbjahr haben wir aufgrund der Unerfahrenheit und den körperlichen Nachteilen (alle meine Kinder sind aus dem jungen Jahrgang) alle Spiele verloren, im zweiten Halbjahr haben wir oft mithalten können und die Hälfte der Spiele auch gewonnen.
Im Moment steigt aber der Unmut zwischen den Kindern und den Eltern. Ich habe zwei Kinder, die physisch am robustesten sind. Beide sind fussballerisch und vor allem koordinativ aber eher schwächer. Sie schießen bei uns aber die meisten Tore, da sie auch noch einen guten Zug zum Tor und einen starken Willen mitbringen.
Nun haben wir auch ein paar Kinder, die fussballerisch stärker sind. Diese Kinder neigen dazu mannschaftsdienlicher zu spielen und/oder viel Defensivarbeit zu verrichten. Torerfolge gibt es bei diesen Kindern seltener. Diese Kinder und deren Eltern werden immer gefrusteter, da Kinder ja praktisch überall an Toren gemessen werden und sich auch untereinander gerne daran messen.
Das merkt man mittlerweile auch beim Training. Die Kinder beschimpfen sich schon gegenseitig ("Gib doch mal ab"). Die "guten" Kinder stellen das Mitspielen ein, weil die physisch stärkeren oft vieles alleine machen und ihnen sogar mal den Ball abnehmen.
Mittlerweile haben die Eltern der physisch starken Kinder wohl von dem Unmut wohl auch Wind bekommen und sagen ihren Kindern, dass sie mehr abgeben sollen. Damit verlieren diese aber ihren Zug zum Tor und ihre Unbefangenheit. Also sind im Moment fast alle gefrustet.
Ein Elternabend zu dem Thema ist in zwei Wochen geplant. Das aber nur am Rande.
Trotzalledem bleibt natürlich das Problem, wenn man das freie Spiel fordert und fördert, dass sich das erstmal nicht ändern wird. Grobe Versuche, die Kinder (ungezwungen) in ein System zu stecken, und Stürmer und Abwehrspieler rouchieren zu lassen, enden darin, dass die Kinder auf ihren Positionen verharren und die Stürmer das Verteidigen einstellen und die Abwehrspieler nicht mit am Angrifssspiel teilnehmen. Ich vertrete aber wohl wie die meisten hier den Standpunkt, dass die Mannschaft kollektiv angreift und verteidigt und sich ballorientiert verschiebt. Das machen die Bambinis ja instinktiv schon so. In einem System hören sie damit aber auf. Das kann also (derzeit) keine Lösung sein.
Ich bin im Moment relativ ratlos, weil sich anscheinend das freie Spiel und glückliche Kinder ausschließen...
Gruß, Christoph
