Beiträge von Thomas0815-2

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    Ich habe hier meine Erfahrungen mit dem Wechsel (meines Sohns) in einen "Leistungsverein" ja schon öfter kund getan und hoffe niemanden zu langweilen :) .


    Vorteile:

    Hervorragendes Training (Qualität und Quantität)

    Sehr gute Mit- und Gegenspieler im Training und im Spiel

    Alle im Team haben absolut Bock auf Fußball

    Hoher Leistungsanspruch, Leistung wir honoriert (statt gleiche Spielzeit für alle)

    Sehr gute Entwicklung

    Tolle Erlebnisse (Testspiele gg NLZ, Meisterschaften, Turniersiege, Trainingslager, internationale Turniere,...)


    Nachteile

    Fahrzeiten, Kosten, Zeitaufwand.

    Schule, Freunde, Verwandtschaft, Urlaub, Familie und andere Hobbys haben sehr oft Prio zwei.

    Erhöhte körperliche und mentale Belastung.

    "Und spielst du da auch"- Kommentare/ unterstellte Überheblichkeit/Neid von ehemaligen Mannschaftskollegen


    Fazit

    Nicht jeder Leistungsverein bringt einen Spieler automatisch weiter ->Training, Konzept, handelnde Personen vorher genau anschauen (der Spieler muss es wollen)

    Nicht jeder talentierte Spieler passt in einen LV (Nachteile bewusst machen)

    Rückfahrtticket im Voraus buchen (Vorteil für Heimatverein* und Spieler erkennen, statt Trennung im Streit)


    *Bekommt später Top Spieler zurück (wenn es beim LV irgendwann nicht mehr reicht) oder sogar einen hochqualifizierten Trainer (der einige Jahre beim LV/höherklassig bei den Herren gespielt hat) oder sogar eine lebende Legende (wenn es nach dem LV auch im Herrenbereich noch weiter geht)

    Vielen Dank für eure Antworten. Diese finde ich sehr hilfreich!


    dschibi: sehe ich auch so. Nur wer 10x gelobt hat, darf dann auch 1x schimpfen. Aber immer alle loben nimmt dem Lob halt seinen Wert. Und muss auch nicht sein. Jedes Kind hat genug besonderes und individuelles, dass man wenn man achtsam genug ist, sehen und loben kann.


    Constantin: ja, der beste Weg ist wahrscheinlich, mit meinem Kollegen zu reden.


    Constantin und wolfensk: Die Erfahrung, dass Liebe zum Spiel und Leistung Gegensätze sind kann ich nicht teilen. Die, die das Spiel lieben haben sich, auf dem Niveau auf dem ich unterwegs bin, auch leistungsmäßig immer über dem Durchschnitt bewegen.


    Mir geht es eher um die "armen" Kinder die gefühlt zum Fußball gezwungen werden, weil es alle machen/die Eltern meinen das sei ein abolut chaotisches Tobespiel, mit dem ihre Kinder von AHDS geheilt werden/den Eltern scheißegal ist, was ihre Kinder machen, so lange sie sie kostengünstig mal für 90 Minuten los sind. Das ist sicher eine Minderheit, aber wenn diese Kinder mit Fußball aufhören und dann ein anderes Hobby finden, das sie lieben und in dem sie deshalb auch noch gut sind, habe ich aus meiner Sicht als Fußballtrainer alles richtig gemacht.

    Hallo, ich trainiere seit kurzem mit 4 anderen Trainern zusammen (Luxus) eine F Jugend.


    Ich bin von der Art her eher das was man früher einen "harten Hund" genannt hätte und nehme das ganze sehr ernst. Bei Spielen/Festivals coache ich sehr viel, v.a. in der F finde ich das sehr einfach, weil die Kids da halt noch viel falsch machen und man sie mit sehr einfachen Tipps schnell weiterentwickeln kann. Auch im Training lege ich viel Wert auf Disziplin und Einsatz. Die Kinder sind schließlich freiwillig da und wollen lernen wie man Fußball spielt.

    Ich bin aber kein Kolleriker der die Kinder anschreit. Während eines Spiels spreche ich grundsätzlich keine Dinge an, die schon passiert sind, sondern gebe Tipps dazu welche Optionen in der aktuellen Situation zur Verfügung stehen. Und im Training bitte ich die Kinder, die nicht mitmachen, das nächste mal zu Hause zu bleiben oder nur wieder zu kommen, wenn sie wirklich Lust auf Fußball haben. Soweit mal zu mir.


    Jetzt ist einer der vier Trainer leider ein ganz anderer Typ. Er lobt die Kinder permanent "das habt ihr heute alle ganz super gemacht" ist sein Lieblingssatz. Und als ich heute einer Spieleren nach dem Abpfiff etwas zu ihrem Abwehrverhalten erklärt habe (mit anschaulichem Beispiel und allem drum und dran) kam er dazu und ergänzte "ja, aber du hast das heute echt super gemacht, ganz ganz toll"


    Was ist schlecht daran?

    Ich fürchte, dass die Kinder das permanente und pauschale Lob, egal, ob sie etwas gut oder weniger gut gemacht haben, durchschauen und dann nicht mehr auf ein ernst gemeintes Lob, mit dem ich sehr gerne und oft arbeite, reagieren.


    Meine zweite Befürchtung ist, dass die Kids jedesmal, wenn ich ihnen was erkläre denken, sie hätten etwas falsch gemacht und ich sei böse auf sie, weil ich sie nicht lobe, sonder ihnen sage, wie sie es beim nächsten Mal noch besser machen können.


    Wie seht ihr das und wie würdet ihr damit umgehen? Irgendwie tue ich mir

    schwer damit auf meinen Kollegen zuzugehen und ihm zu sagen, daß er die Kinder nicht dauernd loben soll, damit mache ich mich ja total zum Buhmann und ändern wird er sein Verhalten dadurch wahrscheinlich auch nicht.

    Ganz Plum gesagt bist du der Trainer und entscheidest damit wer im Kader ist und wer nicht.


    Weniger plump ist ein Rausschmiss natürlich die aller letzte Eskalationsstufe. Zumal in einem Dorfverein und auch weil sich der Bub ja außer Untalentiertheit und Unaufmerksamkeit nichts grobes hat zu schulden kommen lassen.


    Zuvor sind wohl einige Gespräche zu führen/Maßnahmen zu ergreife: mit dem Bub, mit den Eltern, mit dem Jugendleiter, mit dem Jugendleiter und den Eltern.../Verringerung Spielzeit, nicht zum Spiel mitnehmen, von einzelnen Trainings ausschließen, Eltern beobachten Verhalten im Training,...


    Wenn alles nichts hilft muss irgendwann eine Entscheidung getroffen werden. Entweder man ist brutal zu einem Kind (Rausschmiss) oder zu allen anderen, die Fußball spielen/lernen wollen (kein Rausschmiss).


    Mir selber ist sowas zum Glück noch nie passiert. Entweder gab es einen Mittelweg, der für den Spieler und den Rest der Mannschaft tragbar war oder derjenige hat selber erkannt, dass seine Talente und Interessen in einem anderen Bereich liegen und hat das Fußballspielen an den Nagel gehängt.

    Bei der Gruppeneinteilung werden (auch in 2 bis 15 Jahren) nicht die Kinder das Problem sein. (Die wissen dann nämlich ziemlich genau, welche Gruppe für sie am meisten Sinn macht). Leider gilt das aber nicht für die Eltern. Da fangen die ersten schon in der G Jugend an massiv schlechte Stimmung zu machen, wenn der Trainer nicht erkennt, dass er den nächsten Ronald+Messi vor sich hat.

    Vielleicht ist dein Anspruch wirklich zu hoch. Wenn Fußball ihre absolute Leidenschaft wäre, würden sie evtl. nicht in einer Kreisklassemannschaft spielen.


    Trotzdem gibt es auf jedem Niveau und eigentlich auch in jedem Alter Spieler, die voran gehen. Wie du das am besteb fördern kannst musst du selber herausfinden. Hier ein paar Tipps.


    - Am Anfang des Trainings 2 Teams mit Kapitän definieren und alle Übungen als Wettkampf mit Punkten gestalten. Der Kapitän, der verliert bestimmt 3 Spieler aus seinem Team, die nach dem Training aufräumen.


    - Aufgaben definieren: mein Sohn soll in diesem Jahr eine Führungsrolle übernehmen. In letzter Zeit beobachte ich, dass die Übungen beim Aufwärmen nicht mehr vom Trainer vorgegeben werden, sondern von ihm. Außerdem korrigiert der Trainer z.T. nicht mehr die Spieler, die falsch stehen, sondern fordert meinen Sohn als 6er/IV auf seine Vorderleute zu coachen.


    - Hier noch eine Übung:

    Alle Spieler dribbeln mit farbigem Hütchen in der Hand in einem durch Stangen markierten Raum. Wenn zwei Spieler aneinander vorbei laufen, tauschen sie das Hütchen. Auf Kommando dribbeln alle Spieler in eine Ecke. Ziel: alle Spieler mit Hütchen der selben Farbe treffen sich so schbell wie möglich in der selben Ecke. Bei der Übung siehst du schnell, wer deine Führungsspieler sind.


    - Gib deinen Führungsspielern nicht zwangsläufig die Binde. Die brauchen echte Führungsspieler nicht.

    Coach_T88: ich gebe dir vollkommen recht, dass ein 2:2 in der F-Jugend die einfachste und damit in den allermeisten Fällen auch die erfolgsversprechendste Formation ist. Wenn man gute Spielergebnisse, als Erfolg definiert.


    Da mir Ergebnisse aber relativ egal sind (sie dienen nur dazu, die Kids bei Laune zu halten) und ich mich mehr für die Entwicklung der einzelnen Spieler interessiere, bevorzuge ich das 121.


    Etwas plump ausgedrückt würde ich sagen: Wenn es deiner F Jugend gelingt im (aus meiner Sicht einfachen) 2:2 zu gewinnen, dann sind sie reif für die Umstellung auf das (aus meiner Sicht anspruchsvollere) 121. Wenn sie dann so weit sind, in dem System auch zu gewinnen, hast du ihnen in dem Punkt alles beigebracht, was man in der F Jugend lernen sollte 😀.

    Ich bevorzuge immer Formationen, mit starkem Mittelfeld. Weil Mittelfeldspieler am ehesten verteidigen und angreifen. Diese Flexibilität versuche ich in der Jugend zu fördern. Gleichzeitig gibt es aber auch Positionen, bei denen es darum geht, die Position möglichst gut zu halten und nicht wild über den Platz zu rennen. Auch das versuche ich schon früh zu vermitteln. Und als drittes begreife ich Fußball als Spiel, bei dem man Vorteile hat, wenn man die Komplexität des Spiels begriffen hat, deshalb mag ich einfache Aufstellungen mit wenig unterschiedlichen Rollen und wenig Flexibilität in der Jugend nicht.


    Aus diesen Gründen ist ein 121 meine Lieblings-Aufstellung beim 4+1.

    Letztlich kommt es aber auch immer darauf an, ob du Spieler hast, die dafür geeignet sind?

    Also im organisatorischen Bereich kommt das schon vor. Aber ich versuche den Umfang der Rückfragen durch eine klare Kommunikation der organisatorischen Dinge an die Eltern so gering wie möglich zu halten. In Zweifel ziehe ich mich mit einem „sorry, ich muss mich jetzt um deine Kinder kümmern“ aus der Affäre.


    In sportlichen Bereich kam es tatsächlich nur einmal in 5 Jahren vor:

    Vater: Mein Sohn sitzt schon die komplette erste Halbzeit auf der Bank. Wechsel ihn jetzt ein.

    Ich: Sorry, hab heute sehr viele Spieler er kommt gleich zu Beginn der 2ten Halbzeit ins Spiel.

    V: Das geht so gar nicht! Du hättest ihn viel früher einwechseln müssen. Ich hab früher selber gespielt und weiß deshalb Bescheid.

    Ich: Wenn du früher selber gespielt hast weißt du ja, wer über den Zeitpunkt der Einwechselungen entscheidet.

    V: ja, aber ein sozialer Trainer wechselt alle Spieler ein.

    Ich: wenn du so sozial bist kannst du mich ab sofort als Trainer unterstützen, dann verliere ich bei den Einwechselungen und 12 Kindern, von denen aber nur 7 aufs Feld können auch nicht mehr den Überblick. Wir sehen uns dann künftig immer Dienstags und Donnerstags um 16:30 beim Training, die Trainer kommen jeweils ne halbe Stunde früher.

    Er kam nicht.


    Ob das so richtig ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass ich solche Probleme wie sie Leg0_o beschrieben hat nicht kenne. Nicht mal ansatzweise.

    Ich bin immer wieder überrascht, was man als Jugendtrainer alles über sich ergehen lassen muss….


    …und komme immer mehr zu der Überzeugung dass mein Weg (ich kommuniziere null mit den Eltern, außer organisatorisches und gehe auch null auf deren Wünsche und Meinungen ein. Letzteres könnte ich gar nicht, weil ich diese nicht kenne und den Eltern auch keinerlei Möglichkeit gebe diese zu äußern).


    Trotzdem bekomme ich regelmäßig Feedback, wenn ich es will/danach frage.


    Hab diese Vorgehensweise anfangs als Schwäche empfunden, fahre nun aber schon seit fünf Jahren sehr gut damit (gutes/entspanntes Verhältnis zu Eltern und Kindern, bei zufriedenstellender sportlicher Entwicklung).


    Und je mehr Beiträge wie obigen ich lese (und man findet hier fast wöchentlich einen) um so mehr wächst in mir der Gedanke bald mal Schulungen zum Thema „Wie richte ich mein Verhalten als Trainer auf die Kinder (und nicht auf deren Eltern!) aus“ anzubieten 😀…

    Natürlich hast du recht.


    Fußball ist aus meiner Sicht zu 50% Kopfsache/„Wollen“ (nur die anderen 50% macht man mit den Füßen/„Können“).


    Da du schon mit ihm geredet hast und ihm auch positive Beispiele/Vorbilder gezeigt hast, gehe ich davon aus, dass er auch verstanden hat um was es geht. Zusätzlich sagst du, dass er es früher auch gemacht hat, deshalb gehe ich davon aus, dass er auch körperlich dazu in der Lage ist/eine ausreichende Ausdauer hat, um offensiv und defensiv mitzuarbeiten. Es fehlt also wahrscheinlich nur an dem, was ich oben als „Wollen“ bezeichnet habe.


    Dieses „Wollen“ durch Reden/Belohnen/Bestrafen, also extrinsisch, zu beeinflussen ist schwierig, bewirkt, besonders wenn das Kind einen ausgeprägten eigenen Willen hat, oft sogar das Gegenteil. Eine Lösung, die Sportpsychologen/-pädagogen vorschlagen ist, die gewünschte Handlung mit positiven Emotionen/Spaß zu verknüpfen.


    Wenn du also eine Übung findest, in der Reaktionsschnelligkeit (durchaus in Verbindung mit Anstrengung und fußballerischem „Können“) positive Emotionen bei ihm hervorruft, kann er das vielleicht auf das Spiel übertragen und lernen, dass schnelles Umschalten und eine daraus resultierende Balleroberung in der Defensive, genauso viel Spaß machen, wie ein Torabschluss.


    Unterstützen würde ich das ganze dann eher subtil (Vorsicht, mein Sohn durchschaut mich dabei inzwischen relativ schnell) in dem ich Aktionen (von Profis im TV, nicht von seinen Mit-/Gegenspieler!) lobe, bei denen gut nach hinten mitgearbeitet wurde und seine Defensivaktionen genauso feiere, wie gelungene Aktionen in der Defensive.

    Hi PeterUnlustig,


    wenn ich es richtig verstehe reden wir über schnelles Umschaltspiel, das hier verbessert werden soll.


    In der Regel erfordert dies intensives Training im Mannschaftsverbund. Das Thema ist so anspruchsvoll, dass es auch bei jeder Bundesligamannschaft regelmäßig auf dem Trainingsplan steht. Trotzdem schadet es aus meiner Sicht nicht, schon in der E Jugend (entsprechend dosiert) damit anzufangen. Auch die Trainingsphilosophie Deutschland bietet einige Ansätze, wie das schon in dem jungen Alter spielerisch vermittelt werden kann. Allerdings handelt es sich dabei in der Regel um Übungen, die im Verbund, also mit mehreren Spielern gemacht werden, was für dich als Nicht-Trainer natürlich schwierig ist.


    Aus meiner Sicht hast du 2 Handlungsmöglichkeiten, um deinen Sohn zu unterstützen:

    1. du gehst auf den Trainer zu und schilderst die Herausforderung deines Sohnes. Wenn andere Kinder in der Mannschaft dieselbe Herausforderung haben (was ich für sehr wahrscheinlich halte) oder der Trainer das Umschaltspiel insgesamt verbessern will, wird er offen für entsprechende Übungen sein.

    2. Du trainierst mit deinem Sohn Reaktionsschnelligkeit. Hier eine Übung, die mir sehr gut gefällt:

    - Sohn sitzt auf dem Boden du stehst direkt davor und hast einen Ball in den Händen. Deine Hände sind nach oben gestreckt. Du schreist „hopp“, lässt dann den Ball fallen, dein Sohn fängt ihn auf.

    - Steigerungen:

    Du schreist nicht „hopp“, sondern lässt den Ball einfach fallen.

    Du hältst den Ball zu Beginn nicht nach oben, sondern vor deine Brust/Bauch.

    Dein Sohn springt auf, sobald du „hopp“ rufst. Der Ball darf einmal vom Boden ab prallen (auf einer Wiese sehr schwierig), dann nimmt ihn dein Sohn an und jongliert dreimal (oder öfter). Zum Start ist es einfacher, wenn dein Sohn nicht sitzt, sondern auf einem Bein kniet.

    Wenn dein Sohn allein trainieren will, kann er den Ball im Sitzen/Knien auch selber auf den Boden prallen lassen und dann aufspringen und jonglieren.

    Zahlreiche weitere Übungen zur Reaktionsschnelligkeit findest du im Internet


    Wichtig:

    Die Variante mit aufspringen und jonglieren ist sehr anspruchsvoll. Erwarte nicht zu viel und führe langsam an diese Variante heran.

    Bei diesen Übungen spielen technische Fähigkeiten und Spaß nur eine begrenzte Rolle. Deshalb sollten im E Jugend Alter andere Übungen den Schwerpunkt bilden.

    Du sprichst aber ein wichtiges Thema an: dass man als ehrenamtlicher Trainer oft keinerlei Anleitung oder Feedback erhält. Und dann irgendwann kommt im schlimmsten Fall der große Knall.


    Auch in meinem Verein war es so: In den vier Jahren meines Trainerdaseins (ohne irgendwelche vorherigen Lehrgänge oder Erfahrungen, der klassische Vatertrainer halt) ist kein einziges Mal(!) irgendjemand vom Vorstand bei meinen Trainings oder bei meinen Spielen aufgetaucht und hat mal geschaut, was ich eigentlich dort mache. Gerade am Anfang hätte ich aber sehr wohl Unterstützung, Begleitung, Aufmunterung und auch konstruktive Kritik gebraucht. Ich hätte mir einiges ersparen können, wenn man mich mal am Anfang etwas angewiesen und beobachtet hätte. Jeder Schiedsrichter bekommt einen Mentor und darf erst nur unter Überwachung pfeifen. Und wird auch später regelmäßig begutachtet (jedenfalls in der Theorie). Bei Trainern? Null. Jedenfalls in vielen Vereinen. Da wird irgendjemand aufs Feld gestellt und dann passt das schon.

    Ich (2. Abteilungsleiter und F-Jugendtrainer) hab den Beitrag von WolfgangL gleich mal als Inspiration genommen und unseren Jugendleiter gefragt, ob es bei uns Bedarf an einem Mentoringangebot für die Jugend-Trainer gibt und ob wir sowas dann auch umsetzen können. Bin gespannt, ob sich daraus was entwickelt.

    WolfgangL: Danke schon mal für den Tipp :)

    Zunächst ein Hinweis: Im Jugendbereich ist es, anders als bei den Herren, durchaus üblich keine klare Nr. 1 zu benennen. In NLZ und bei Leistungsvereinen ist es sogar in der Regel so, dass immer 2 Torhüter pro Jahrgang ausgebildet werden, die dann pro Halbzeit oder pro Spiel abwechseln. Du musst dich also gar nicht auf eine Nummer 1 festlegen.


    Natürlich kannst du die Spielzeit nach Trainingsleistung verteilen und diejenige, die mehr Einsatz zeigt öfter spielen lassen. Wenn die andere dadurch motiviert wird und mehr Einsatz zeigt, kannst du sie mit mehr Spielzeit belohnen. Wenn die schwächere nach wie vor zu wenig Einsatz zeigt, kannst du die Spielzeit immer noch auf Null setzen, hast aber immer die Möglichkeit sie für mehr Einsatz zu belohnen. Wenn du hingegen eine klare Nummer 1 benennst, kann das das Gefühl vermitteln, dass sich daran, egal wie die Trainingsleistung ist, nichts mehr ändern wird. Das ist demotivierend für die Schwächere und auch kein Ansporn für die Stärkere ihr Niveau zu halten.

    Du schreibst von „Spielerinnen“ betrifft es mehrere oder ist es ein Einzelfall in deinem Team?


    „Wollen“ ist aus meiner Sicht eine nicht zu ersetzende Voraussetzung, um im Fußball erfolgreich zu sein. „Können“ kann man bis zu einem bestimmten Niveau kompensieren, aber ohne “Wollen“ geht es nicht. Und ohne „Wollen“ (Trainingsfleiß) entsteht auch kein „Können“.


    Deshalb weigere ich mich SpielerInnen zu trainieren/einzusetzen, die (das) nicht wollen. Wenn bei mir im Training jemand erkennbar keine Lust hat, lasse ich ihn/sie 5-10 Minuten zuschauen, dann frage ich, ob er sie wieder Lust hat und lass ihn/sie wieder mitmachen. Wenn es dann immer noch nicht klappt, hat er/sie bis zum Ende des Trainings Pause. Ich hab auch schon öfter SpielerInnen gebeten, sich ein anderes Hobby zu suchen, wenn ich wiederholt merkte, dass die keine Lust haben. Im Extremfall würde ich die dann mal von 1-3 kompletten Trainings ausschließen, damit sie Zeit haben, sich ein Hobby zu suchen, das ihnen Spaß macht. Wenn das auch nicht hilft müsste man solche SpielerInnen dann komplett aus der Mannschaft schmeißen, um zu verhindern, dass ein Kind in ein Hobby gezwungen wird, auf das es keine Lust hat. Soweit ist es bei mir aber noch nie gekommen…

    Ich halte diese Übersicht für eher theoretisch. Ich schaue mir regelmäßig Kreisliga Herren Spiele und BOL D Jugend Spiele an. Da ist nicht immer erkennbar, dass es sich um dieselbe Sportart handelt.


    Körperlich gibt es da natürlich Unterschiede und technisch sind die Erwachsenen den 12-13 Jährigen natürlich auch ebenbürtig. Aber taktisch sieht man halt in der BOL schon viele Elemente, die man im Unteren Herrenbereich so gut wie nie sieht. Da ist man schon froh über ganz einfachen taktischen Element wie Doppelpass, Klatschbälle, Aufbau von Dreiecken, Hinterlaufen, Kreuzen, Nachrücken, Zurücklaufen,… In der BOL sehe ich hingegen schon in der D Jugend einen schönen Spielaufbau oder solides Pressing an dem die komplette Mannschaft beteiligt ist.


    Ich stelle mir die Frage, wie jemand, der in der D Jugend schon einen sehr anspruchsvollen Fußball gespielt hat im Herrenbereich dann mit einem Kick and Rush zurechtkommen soll?


    Außerdem stelle ich mir die Frage, wofür der von SamS angestellte Vergleich und die Übersicht genutzt werden sollen?

    Genau das ist der Punkt.

    Als warm up mach ich gerne Rondo in verschiedensten Varianten. Klappt auch immer super, die Kids jagen dem Ball hinterher, bringen den / die Ballbesitzspieler unter Druck...so wie es halt sein sollte. Im großen "machen wir heute noch ein richtiges" Spiel ist dann davon nur noch wenig zu sehen. Überlege schon ob die Kinder dann zu platt sind und evtl. das Abschlussspiel als erstes zu machen?

    Fürchte das ist einer der Fehler der großen Spielformen. Die meisten Kinder fühlen sich nicht mehr zuständig und überblicken das ganze nicht, wenn zu viele andere in ihrem Team sind. Bei Punktspielen hat das ganze bei meine E-Jugendlichen nur geklappt, wenn jeder eine feste Aufgabe hat (Stichwort Bewegung ohne Ball in bestimmten Angriffs-/Defensivsituationen). Das ließ sich dann manchmal auch auf Training übertragen, hat aber nicht so gut geklappt, weil da die Disziplin v.a. im Abschlussspiel geringer ist, als in den Punktspielen.


    Fazit: ein "richtiges" Abschlussspiel macht im E(!)-Jugend Training (bis zu einem bestimmten Niveau) noch weniger Sinn wie große Spielformen bei Punktspielen. Deshalb habe ich es oft "vergessen". Hab es praktisch nur gemacht, damit die Kids Ruhe geben und nächstes mal wieder kommen. Nur wenn es ganz gut lief und ich die richtige Truppe beieinander hatte, konnte ich dabei die Bewegungen ohne Ball coachen/trainieren. Ansonsten hab ich sie einfach Spaß haben lassen, auch wenn ich in dieser letzten Viertelstunde des Trainings nur einen sehr geringen Lerneffekt erkannt habe.

    Statt auf Übungen würde ich hier auf das Mindset schielen.

    Volle Zustimmung.


    Folgendes Mindset würde ich in der Situation empfehlen:

    - ein Zweikampf ist erst zu Ende, wenn wir den Ball haben.

    - beim Fußball gewinnt die Mannschaft, deren Spieler in höherem Maße dazu bereit sind, die Fehler ihrer Mitspieler auszubügeln.


    und damit gehen mindestens 50 EUR ins Phrasenschwein 😀