In den letzten 2 Monaten ging es eigentlich ganz human beim Training zu, ab und zu ist der Junge dann aber durch überhartes Einsteigen (allerdings keine Fouls, nur heftiger Körpereinsatz) und durch Diskussionen über Unsinn (Trainingsspiel zu früh abgepfiffen oder andere foulen ständig) aufgefallen.
Heute allerdings folgendes:
Zunächst schrieb er mir bei Whatsapp, dass er später kommt. Er kam dann aber doch pünktlich und sagte mir, dass er nicht wusste, wie schnell er mit Fortnite fertig wird (könnte für den späteren Teil der Geschichte noch wichtig werden).
Beim Abschlussspiel (Turnierform) war er im Zweikampf mit einem zweikampfstarken Spieler (spielt Kreisauswahl). Den Zweikampf gewann der Kreisauswahlspieler, mein "Problemspieler" sagte dann "hör doch auf zu foulen". Als Antwort bekam er "ich hab nicht gefoult, ich hab doch den Ball gespielt". Ein anderer Spieler kam auf die beiden zu und sagte mit einer schlichtenden Geste "Lass ihn doch in Ruhe und spiel weiter". Diesem Spieler wurden dann die Beine weggetreten und er landete auf dem Boden.
Ich schickte den Problemspieler sofort in die Kabine, ließ das Spiel zu Ende laufen und ging mit den beiden anderen Beteiligten in die Kabine, um das unter 8 Augen zu klären.
Ich ließ zuerst den Problemspieler erklären, dann die beiden anderen. Die Geschichte wurde von allen Seiten ungefähr gleich wiedergegeben. Der Kreisauswahlspieler sagte auch noch (zur Verteidigung des Problemspielers) "Ja, vielleicht hab ich ihn auch am Fuß getroffen, aber das war keine Absicht".
Alle drei gaben sich die Hand und sagten, dass sie alt genug sind, das zukünftig vernünftig zu klären.
Im letzten Turnierspiel war der Problemspieler aber nochmal auf dem Feld, wollte ins Tor gehen und setzte sich dann auch lautstark durch. Er hielt einen Ball, legte ihn sich vor die Füße und rannte los. Natürlich klar, dass er den Ball beim ersten Gegenspieler verlor und das Gegentor fiel. Seine ganze Mannschaft erklärte ihm, dass er als Torwart im Tor bleiben soll, wenn er dort schon unbedingt spielen will. Aber seine Antwort war, dass er ja bei dem Ballverlust gefoult wurde. Dann ging er aus dem Tor raus und stellte sich in den Sturm, wo er auch stehen blieb und nur auf lange Bälle wartete. Als seine Mannschaft dann verlor, wollte er wutentbrannt das Spielfeld verlassen und meckerte gegen alles und jeden, weil sie ja verloren haben.
Ich rege mich tierisch auf, dass ich das ganze habe durchgehen lassen, weil wir uns in der Kabine "versöhnt" haben. Im Nachhinein hätte ich den Jungen für den restlichen Januar nach Hause schicken sollen, weil ich es mir für den nächsten Fehltritt auch so vorgenommen hatte. Wenn aber dann 2 Spieler daneben sitzen und ihn "entlasten", obwohl sie quasi die Opposition sind, dann fällt es schwer.
Ich habe außerdem das Gefühl, dass Fortnite vor dem Training dafür sorgt, dass Kinder aggressiv oder leicht reizbar sind.
Was soll ich tun? Mein Co-Trainer war leider nicht da, ich habe ihm die Situation aber schon geschildert und er wird sich auch eine mögliche Lösung überlegen.
Aus dem Bauch heraus würde ich dem Jungen am liebsten morgen mitteilen, dass er die nächsten 3 Wochen zu Hause bleiben kann. Damit würde er die Endrunde unserer Hallenkreismeisterschaften und ein Freundschaftsspiel gegen die U13 eines Zweitliga-Vereins verpassen. Das wäre schon eine harte aber gute Strafe, die vielleicht etwas bewirken kann.
Er ist nun in den Jahren, in denen ich sein Trainer bin, mit so vielen anderen Kindern aneinandergeraten und immer sind die anderen Schuld. Komischerweise lebt der Rest der Mannschaft in Harmonie und nur, wenn er dabei ist, gibt es Probleme. Deshalb reizt es mich echt, dem ganzen Treiben ein Ende (oder eine 3-wöchige Pause) zu setzen.