Beiträge von Coach1976

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    Ich hab letztens auf der Plattform "Coaching Zone" auf Facebook einen Beitrag vom 02.12.2022 gesehen, mit der Überschrift "Der deutsche Fußball steht genau dort, wo er vor vier Jahren war: Am Boden. Doch was hat sich verändert? Nicht viel."
    Ich will ungern den ganzen Text hier posten, aber da es da wie auch hier im Thread (wie auch in etlichen anderen Threads) teilweise um den Nachwuchs ging, kann ich das nur jeden mal empfehlen zu lesen. Da werden mMn Probleme gut aufgegriffen.

    Ein Link dazu: Coaching Zone | Facebook

    "While winning is not a priority, trying to win within the commitment to development is 100% necessary."

    Ein sehr passendes Zitat aus den Kommentaren zum "Coaching Zone"-Artikel.

    Solche rechte Kommentare sind bodenlos!

    Absolut ekelhaft.


    Bitte sperren!

    Was genau ist von let1612 da rechts und bodenlos?
    Er stellt doch nur den Fak dar, dass wir deutsche Spieler haben auf sehr guten Niveau, die von einer solchen Regel "wir fördern im deutschen Jugendfußball hauptsächlich deutsche Spieler" ausgeschlossen wären, bzw. nicht so zum Vorschein gekommen wären und es deshalb aus fußballerischer Sicht falsch wäre.

    Ich lese den Beitrag von, Goodie so, dass eine Selbstverpflichtung jugendliche Spieler aus dem Ausland zu verpflichten, um diese in den letzten 2-3 Jugendjahren für die Profis auszubilden bzw. als "Wertanlage" für die Zukunft.

    z.B.: Sancho, Reyna, Pulisic, Alexander Isaak, Bione-Gittens (auffällig, dass mit spontan nur Dortmunder einfallen. Wer andere Beispiele kennt, gerne ergänzen. Hätte sich Musiala für England entschieden, würde er in die gleiche Kategorie fallen.


    Ich verstehe, was sie damit meint und bewirken will, sehe aber die Ausbildung an der Basis hier deutlich mehr in der Pflicht. Denn die Jungs, die aus dem Ausland kommen und einfach viel besser sind als die gleichaltrigen deutschen spielen ja zurecht anstelle ihrer deutschen Kollegen.

    Einerseits könnte man da jetzt eine gesellschaftliche Debatte aufmachen, dass es uns in Deutschland einfach zu gut geht und dadurch auch der absolute Wille im Sport (und auch anderweitig) fehlt Top-Top-Leistungen abzuliefern. Ein bisschen Wahrheit ist sicher dran.

    Andererseits ist es auch unsere Weichspül-Methode im Bezug auf Leistungsorientierung.

    Kinder die Bock haben nichts anderes zu tun als Fußball zu spielen werden bei uns idR in eine Schublade gesteckt, die da heißt: eindimensionales Kind über-ehrgeiziger Eltern. Die rennen nur dem Geld hinterher, vernachlässigen Schule und soziales. Aus dem kann ja nichts werden.

    Ich glaube man könnte schon sehr früh anfangen Kindern die Möglichkeit zu geben 5-7 Tage pro Woche Fußball zu spielen, wenn man ein Umfeld schafft, in dem die Schule nicht untendurch fällt.

    Dabei wäre es wichtig Leistungs- und Wettbewerbsgedanke zu trennen. Lust zur Leistung in einem Team, das sich gegenseitig pusht und motiviert, kann viel bewegen. Die Kinder sollen und müssen natürlich ihre Wettkämpfe gewinnen wollen aber eben nicht gewinnen müssen. Und schon gar nicht sollten Abstiegsgefahr oder das Risiko irgendwann aussortiert zu werden (zumindest bis 14 Jahre) Druck ausüben und die Lust an der Leistung trüben.

    Ich teile sämtliche Vorbehalte zu dieser WM, die auf Aspekte der Ethik und Nachhaltigkeit abzielen.

    Die mittelmäßige Stimmung (Argentinier und Marokkaner ausgenommen) ist vermutlich ebenfalls auf obiges zurückzuführen und nicht auf das Alkoholverbot in den Stadien. Die Proteste dagegen fand ich nämlich mehr als peinlich. Da regen sich Europäer zurecht über die Menschenrechtssituation in Katar auf um dann das Menschenrecht auf Alkohol für sich zu reklamieren.

    Kein Wunder, dass wir in manchen Teilen der Welt nicht mehr für voll genommen werden.


    Man muss ehrlicherweise aber auch sagen, dass das Turnier hinsichtlich der sportlichen Qualität eines der besten seit langem war.

    Schon in den Gruppenspielen waren einige ganz ordentliche Spiele (Deutschland - Spanien) dabei. In der KO-Runde ist mir bei dem was ich gesehen habe kein Totalausfall begegnet.

    Und das gestrige Finale war schon in den ersten 80 Minuten stark, weil Argentinien so dermaßen gut gepresst und kombiniert hat, dass die Franzosen trotz allen Talents keine Mittel fanden um dagegen anzukommen.

    Was dann ab Minute 80 - 120 passiert ist, habe ich bisher bei keinem Nationalmannschaftswettbewerb (und ich verfolge die jetzt seit 1984 oder richtig intensiv seit 1986) in der Qualität und Intensität erlebt.

    Hut ab vor allen Beteiligten. Und auch wenn Messi natürlich nicht mehr der ist, der er zwischen 2009 und 2015 war, ist es in einzelnen Momenten nach wie vor ein Genuss Ihn spielen zu sehen. Im Gegensatz zu seinem portugiesischen Kollegen war er außerdem ein echter Anführer und ein echtes Vorbild.

    Nicht zu vergessen das Schiedsrichter-Team! Ebenfalls tolle Leistung.

    Sir Alex :

    ich bin bei vielen Deiner Punkte eher dabei als dagegen, kann aber auch viele der Argumente von vangaalsnase nachvollziehen.

    Klar ist für mich:
    Leistungsorientierung und Selektion haben im Kleinfeldbereich (bis inkl. U11 nichts verloren).

    Wenn Vereine, die NLZs haben in diesen Altersklassen Mannschaften haben, dann sollte explizit auf den Breitensportcharakter dieser Teams hingewiesen werden und die Spieler tatsächlich nur aus nächster Nähe zum Vereinsgelände kommen.

    U12/U13: Leistungsorientierung und Fokussierung macht hier sicher schon Sinn, Selektion ist kritisch.

    Mir wäre es am liebsten, wenn wir in der Lage wären viel früher und viel flächendeckender gutes und ambitioniertes Training anzubieten. Wenn wir in der Altersklasse alle (z.B.) 20-25 Kilometer (gerne den Radius noch kleiner ziehen) eine oder mehrere Stützpunktmannschaften anbieten könnten, die Training und Spiele (keine Wettbewerbe, sondern nur Leistungsvergleiche) auf NLZ-Niveau bieten kan.

    In den Jahrgängen darunter würde ich mir so etwas wie das DFB-Modell in wesentlich höherer Frequenz wünschen, so dass jeder Verein, der Kleinfeldteams unterhält 2x pro Saison verpflichtend in den Genuss kommt und somit die Kinder und die Trainer und Eltern in die richtige Richtung geleitet werden...

    Ab U14 geht es dann vermutlich langsam mit der richtigen Leistungsorientierung los, wobei ich glaube, dass Selektion im Übergang von U15 zu U16 genügen würde, wenn man vorher richtig auswählt. Grundsätzlich sollte es außerdem möglich sein, jedem Spieler mindestens eine, besser zwei Saisons im NLZ zu ermöglichen.

    Das erhöht zwar die Anforderungen an die Sorgfalt bei der Auswahl der Spieler, wäre aber ja nicht das Schlechteste.


    Kurzer Hinweis noch an Sir Alex :
    Ulm, Essen, Unterhaching, Offenbach haben NLZ-Status, auch wenn die jeweiligen Profis nicht in der ersten oder zweiten BL spielen.

    Und speziell im Fall Unterhaching weiß ich aus diversen Erfahrungsberichten, Gesprächen mit Eltern und Kindern, die dort sind bzw. waren und öffentlichkeitswirksamer Presse (Adeyemi, Krattenmacher), dass die in Sachen Empathie und Menschlichkeit den A-NLZ weit voraus sind.

    . Ich habe nichts dagegen, wenn schon ab 13 Jahren selektiert und gefördert wird; jedenfalls außerhalb von NLZ.

    Und das verstehe ich nicht.

    Selektion ja, aber nicht im NLZ.

    Da würden mich Gründe interessieren, denn ich finde da keinen, die das eine gutheißen, das andere aber ablehnen.

    Gegen das NLZ könnten i.d.R. ja nur die weiten Entfernungen sprechen.
    Und die Betrachtung kommt mir hier einfach zu kurz.

    Es sollte immer berücksichtigt werden wieviel Zeit ein Kind für den Fußball im Auto verbringt.

    100km Anfahrtsweg machen einfach keinen Sinn (egal in welchem Alter).

    Es war aber eben auch so, dass die Vorbereitung der Chancen bei weitem nicht so klar war, wie bei den Spaniern.

    Wenn Du Dir die vielen deutschen Abschlüsse anschaust, dann waren vieles Torannäherungen, wo wenn alles gut läuft der Ball ins Tor hätte gehen können.

    Schaust Du Dir die Tore der Spanier gegen Costa Rica an, dann waren die im Vorfeld so vorbereitet, dass der abschließende Spieler so klar zum freien Abschuss kommt, dass alles andere als ein Torerfolg eine Überraschung gewesen wäre.

    Die deutschen Abschlüsse waren bis auf die Chance von Hofmann gegen Japan oder Musiala gegen Spanien dann doch eher aus der Kategorie Abschluss unter Druck oder aus der Distanz, wo man eben eher bei 30:70 Torwahrscheinlichkeit als bei 70:30 steht.

    Was die Verteilung der Spielanteile in den häufigsten Phasen der Spiele betrifft. Beschreibt die Statistik sehr gut, wie es gelaufen ist.

    Es nur auf die Effizienz zu schieben ist mir aber etwas zu einfach.

    Ich habe zwar irgendwo gelesen, dass Deutschland auch den höchsten XGoals-Wert aller Mannschaften hat, aber wenn ich mir die Spiele so anschaue, dann fehlt bei den Chancen irgendwo auch die Qualität. Mir fallen wenige deutsche Aktionen ein, wo man sagen konnte: der muss drin sein. Das war bei fast allen Gegentoren anders, da war es eher so, dass das jeweilige Tor die zwangsläufige Folge des vorherigen Spielzuges war.
    Ich will das aber gar nicht an der mangelnder Qualität im herausspielen der Chancen festmachen, sondern am Verhalten der jeweiligen Defensive.
    Musiala hatte einige gute Dribblings im 16er mit unglücklichen Abschlüssen, weil die Costa Ricaner mit allem verteidigt haben, was sie dagegenhalten konnten.

    Ich bin mir sicher mit den gleichen Aktionen hätte Musiala gegen die deutsche Hintermannschaft mindestens 3 Buden gemacht.

    Klar passieren auch jede Menge mannschaftstaktische Fehler in der deutschen Defensive aber in erster Linie sind die meisten Gegentore die wir erhalten haben auf individualtaktische Fehler oder lasches Verteidigen zurückzuführen.

    Das wiederum ist Ausbildungssache, Aufgabe des Vereinstrainers oder kommt vom eigenen Anspruch und Ehrgeiz des Spielers. Wenn Du als Bundestrainer an solchen Themen arbeiten sollst, musst Du es machen wie Katar und Nordkorea und die Mannschaft vor jedem Turnier 6 Monate ins Trainingslager holen.

    Es ist nicht nötig auf jeder Position absolute Weltklasse zu haben.

    Wichtig wäre es aber, dass die wenigen, die theoretisch Weltklasse sein könnten es dann in der Praxis auf sind, wenn es gefordert ist.

    Es hilft leider nichts, wenn Spieler von Hunger und willen erzählen, diesen dann aber nicht auf den Platz bringen.

    Wenn ich die Disziplinlosigkeiten im Defensivverhalten, die sich Süle, Rüdiger, Schlotterbeck, Raum, Kimmich, Kehrer etc. nur in diesen drei Spielen geleistet haben sehe, dann hilft die beste Taktik nicht. Taktik ist nichts anderes als eine vereinbarte Verhaltensweise innerhalb der Gruppe an die sich JEDER konsequent halten muss.
    Und ich bin mir sicher, dass Flick den Spielern sehr deutlich gemacht hat, was er von ihnen erwartet. Wenn ich dann berücksichtige, wie viele Anfängerfehler allein im defensiven 1:1 gemacht werden, oder den Pass, den Raum vor dem 1:1 auf Musiala spielt, obwohl er sieht, dass der Verteidiger im Vollsprint attackiert, dann fehlt mir einfach in vielen Bereichen sportliche Qualität und / oder Mentalität im Sinne von geistiger Anwesenheit beim Spiel, vollem Fokus auf die anstehenden 90 Minuten und der absolute Wille den vereinbarten Plan gemeinsam durchzuziehen.
    Natürlich ist auch das Aufgabe des Trainerteams, dafür zu sorgen, dass die Spieler den Plan verstehen und Einsatzwille und Fokus auf die gemeinsame Aufgabe bei 100% liegen. In erster Linie hat es aber etwas mit der Persönlichkeit der Spieler zu tun, die aber zumindest was das Fußballerische betrifft auch ein Teil der Ausbildung oder zumindest Teil des Scoutings ist.

    Wenn man ehrlich ist, dann haben doch Spieler wie Sane, Gnabry, Kimmich, Rüdiger, Süle diese extremen Aussetzer und Momente des Leistungsabfalls und Abtauchens auch in ihren Vereinen immer wieder. Da ist aber das Gerüst darum vielleicht stabil genug um es zu kompensieren.

    Das Thema unterschiedliche Ausbildung in den NLZ ist sicher ein ganz wichtiges.

    Vielleicht liegt der Fehler aber auch genau da, die Ausbildung zu sehr den Vereinen/Verbänden zu überlassen.

    Frankreich hat hier mit Clairefontaine und dem zentralisierten Ausbildungskonzept sicher Vorteile.
    Außerdem ist es auch nach wie vor so, dass gerade in den NLZ-Ligen die fehlende Intensität und Geschwindigkeit auf engstem Raum hausgemacht ist.

    In Bayern wird ab der U13 auf Großfeld 11:11 gespielt und bei den großen Vereinen i.d.R. bereits in der Rückrunde der U12 darauf vorbereitet, was dazu führt, dass diese ihre unterlegenen Gegner durch taktische und körperliche Überlegenheit gnadenlos her spielen, ohne richtige Zweikämpfe und 1:1 Duelle führen zu müssen. Auch das Thema Restverteidigung ist bei der Platzgröße nicht relevant, weil mit körperlicher und taktischer Überlegenheit jeder Konter locker unterbunden werden kann. Auf dem Kompakt- oder Kleinfeld sähe das sicher anders aus.
    In England wird bis inkl. U13 noch 7:7 auf Kleinfeld gespielt. Ab und zu 9:9 auf Kompakt und selbst die U14 kennt noch kein 11:11.

    Wen wundert es da, dass Musiala (neben seinen definitiv angeborenen Fähigkeiten und Talenten) der einzige Spieler in Deutschland ist, der sich auf engstem Raum unter Gegnerdruck behaupten kann. (England hat Foden, Saka, Sterling, Mount, Sancho,....)

    Sicher wurden auch taktische Fehler seitens des Trainerteams gemacht, ohne die das gestrige Aus vielleicht nicht passiert wäre. Aber im Großen und Ganzen bleibt im internationalen Vergleich aktuell eine riesige Leere, mit ganz vielen Baustellen, die sicher nicht bis 2024 zu schließen sind.

    Vielleicht sollte man jetzt schon beginnen intensiv am Team 2030 zu arbeiten.,,,

    Der Knackpunkt war trotz allem das Japan-Spiel.

    Und da war die Leistung bis zum Ausgleich definitiv in Ordnung (Besser als gegen Costa Rica), ohne überragend oder beeindruckend zu sein. Dass die Mannschaft ein gutes / solides Spiel, das man eigentlich gewinnen muss aus der Hand gibt, weil man entweder nicht die Kondition (kann ich mir nicht vorstellen) oder den Biss (will ich mir nicht vorstellen) oder die Fußballerische Reife, Intelligenz und Konzentration hat es einfach mal durchzuziehen zieht sich leider seit über 4 Jahren durch das Team egal wer Trainer ist und wer auf dem Platz steht.

    Chancenverwertung war gegen Japan sicher ein Thema (Gnabry, Hofmann, Musiala). Gegen Costa Rica war die Qualität der Chancen einfach nicht ausreichend um die nötigen acht Tore realistisch erscheinen zu lassen. Mit glücklichen Zufällen beim Abschluss hätte es vielleicht funktionieren können, aber dann brauchst Du eben auch eine Abwehr (inkl. zentrales Mittelfeld), bei der Du weißt hinten steht die Null. Man kann bei Schweinsteiger, Kroos und Khedira sicher auch negatives in der Vergangenheit finden, aber an deren Qualität auf dem Zenit kommen Gündogan, Kimmich und Goretzka einfach nicht heran.
    Ein Vergleich von Hummels, Boateng, Mertesacker, Badstuber, Höwedes, Friedrich zu Hochzeiten mit dem was aktuell und in näherer Zukunft zur Verfügung steht verbietet sich sowieso...

    Was macht Hoffnung für die Zukunft?
    Musiala(!), Wirz(!), Bella Kotchap (?), Moukoko (?) (keine AV und ein IV und MS mit ?)

    Die 2014er Weltmeister waren (bis auf Klose) mit 20 Jahren alle Stammspieler in Bundesligavereinen des oberen Tabellendrittels.

    Wenn wir heute über 20-jährige potentielle Nationalspieler sprechen, dann kämpfen diese bis auf die og Ausnahmen in Ihren Vereinen um Kurzeinsätze.

    Die meisten sind damit beschäftigt sich als solide Bundesligaspieler zu etablieren und gegen die oft stärkeren Konkurrenzen aus anderen Ländern zu behaupten. (Das soll keine Kritik an ausländischen Leistungsträgern in der BL sein. Wenn diese besser sind und den Verein weiterbringen, spielen sie zurecht).
    Von Ambitionen internationale Klasse oder gar Weltklasse zu werden sind die meisten definitiv weit entfernt.

    Deine Meinung zur fehlenden Kompaktheit im zentralen Mittelfeld gegen Japan teile ich und habe diese auch weiter oben direkt nach dem Spiel ziemlich deutlich geäußert.

    Aufs Japan-Spiel bin ich nur noch einmal bezüglich Hofmann zurückgekommen, weil er zum zweiten Mal nach einer Einwechslung nicht überzeugen konnte.

    Sané und Füllkrug haben offensiv mehr bewirkt und Musiala besser unterstützt als Müller oder Gnabry (der aber ja in der 70. noch gar nicht ausgewechselt wurde).

    Gündogan hat bis zu seiner Auswechslung ein gutes Spiel gemacht (besser als Gnabry), trotzdem war es OK ihn runter zu nehmen, weil einfach eine andere Wucht für das Spiel nötig war.

    Ich stimme Dir zu, dass das insgesamt definitiv eine gute Leistung gegen einen sehr starken Gegner war. Gegen den Ball gibt es nicht viel zu kritisieren.

    Wenn man den Vergleich zum 0:6 vor zwei Jahren sieht, hat man es tatsächlich geschafft, dass Spanien bis auf das Tor nur noch 2-3 torgefährliche Aktionen herausspielen konnte.

    Wo ich noch "Luft nach oben" oben sehe ist mit Ball.
    Bei der Beurteilung von Gnabry stimme ich dir zu, das war offensiv und defensiv nicht besonders gut, was ich sehr Schade finde, da er in den letzten Bundesligaspielen vor der WM den Eindruck erweckt hat er hätte sein Tief genau zum richtigen Zeitpunkt überwunden.
    Müller hat einen wichtigen Beitrag bei der Arbeit gegen den Ball geleistet, war aber bei eigenem Ballbesitz quasi unsichtbar. Weder als Anspielstation, noch mit Dribblings (was ohnehin nicht seine Stärke ist, noch hals Phantom im 16er (was er sonst ja gerne mal macht) konnte er in Erscheinung treten.
    Letztendlich hat sich offensiv zu viel auf Geniestreiche von Musiala konzentriert, aber mit sich alleine Doppelpass spielen kann er halt auch nicht. Das wurde dann besser, als er mit Sané einen passenden Partner bekam.

    Unpassend fand ich, dass Hofmann erneut in der Schlussphase reinkam. Seine Einwechslung hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Japan-Spiel am Ende in die falsch Richtung lief. Hier hätte ich mir eher wieder Götze oder vielleicht sogar Brandt -von dem ich eigentlich kein großer Fan bin, aber er war einer der wenigen Dortmunder mit konstanten Leistungen in den letzten Wochen - gewünscht.

    Luft nach oben trotz guter Leistung auch in der IV. Süle war stark verbessert, und 90 Minuten Fehlerfrei gegen Spanien ist fast unmöglich, aber die Art und Weise wie er seinen Einsatz gegen Morata erst verpennt und dann hinterherstolpert, sollte ihm nicht passieren.

    Besonders hat mir gefallen, dass die Mannschaft nach dem vermeidbaren Gegentreffer nicht wieder eingeknickt ist wie zuletzt nach Gegentoren in ab der 60. Minute.

    Sicher war trotzdem in einigen Bereichen noch Luft nach oben, aber der Auftritt hat zumindest dazu geführt, dass ich man den Jungs wünscht, dass sie sich am Donnerstag belohnen und dann hoffentlich endlich der Knoten platzt und sie mal über 90 Minuten rauslassen, was in ihnen steckt.
    Die Problempositionen bleiben die AVs + Süles mangelnde Konstanz.
    Da mach er gestern über weite Strecken mal ein wirklich gutes Spiel und reißt dann mit diesem Blackout alles wieder ein.
    Kehrer hab ich bis zum Gegentor eigentlich gar nicht so schlecht gesehen.

    Aber natürlich hat er an der Entstehung des Gegentreffers genauso großen Anteil wie Süle und im Anschluss ist er dann tatsächlich eingebrochen.

    Vielleicht wäre Klostermann gegen Costa Rica tatsächlich eine Alternative, da gelernter RV und offensiv stärker. Fragt sich nur, ob die Kraft reicht.

    Vorne haben mich Gnabry und Müller enttäuscht.
    Ich würde mir wünschen, dass bei Sane die Fitness bis Donnerstag einen Startelfeinsatz zulässt.

    Gestern war es vollkommen OK, dass er zunächst draußen war, weil ich glaube, dass er mit dem Kurzeinsatz genau die richtige Energie in die Partie gebracht hat.
    Bei einem Einsatz von Beginn an hätten ihm die starken Spanier vermutlich früh den Zahn gezogen und die Gefahr, dass er in sein altes Phlegma gefallen wäre, war groß.
    Gegen Costa Rica sieht das meiner Meinung nach anders aus, da wäre es wichtig von Anfang an mir dieser Energie in der Offensive loszulegen...

    Beim zweiten Tor gebe ich Dir teilweise recht, andererseits ist es so, dass wenn Asano aufs lange Eck spielt und Neuer links oben kurz zugemacht hätte die Diskussion auch losgegangen wäre, warum er den nicht hat. Trotzdem sieht die Bewegung, die er da macht sehr unglücklich aus und er hätte das vermutlich besser lösen können. Andererseits müsste Schlotterbeck einfach energischer stören, auch wenn klar ist, dass er den Ball nicht mehr bekommen kann. Etwas mehr Zug zum Gegner hätte zumindest dazu geführt, dass Asano statt der 2-3 Optionen zum Abschluss nur noch eine hat, und die hätte Neuer dann vermutlich antizipiert und den Ball gehalten.

    Beim ersten Tor, ist es meiner Meinung nach schwer den Ball kontrolliert in eine bestimmt Richtung abzuwehren. Der Ball kommt schnell aus kurzer Distanz und Neuer wehrt ihn irgendwie ab. Dass der dann beim Gegner landet ist unglücklich, man kann aber auch über die Boxbesetzung der Defensive reden. Warum steht Raum da gegen zwei Gegenspieler?
    Bei Neuer ist eher noch die Frage, ob er die Hereingabe nicht mit 2 Händen hätte festhalten können. Es war ja eigentlich klar, dass der Japaner nicht aufs Tor schießt, sondern den Ball nach innen gibt, dementsprechend konnte er sich eigentlich vorbereiten.
    Im Endeffekt ist es aber bei beiden Toren so, dass die entscheidenden Fehler viel früher passiert sind. Beim ersten: Süle und Goretzka durch passives, schlampiges, naives Verteidigen. Beim zweiten: dadurch, dass er verpennt mit Rüdiger und Schlotterbeck auf einer Linie zu stehen und das Abseits aufhebt.

    Zum Thema Kimmich und Standards frage ich mich auch, welche dunklen Geheimnisse seiner Trainer (egal ob Verein oder N11) er kennt, dass er die nach wie vor treten darf.

    Die meisten seiner Ecken und Freistöße (so ein Geniestreich wie in Frankfurt mal ausgeschlossen, aber das war 1 von 100) sind einfach nicht gut und es gäbe ausreichend potentiell besser geeignete Standardschützen in beiden Teams. Viel gravierender ist für mich aber, dass Kimmich mit seinen Fähigkeiten genau der Richtige wäre um 20-25 Meter vor dem Tor die zweiten Bälle zu erobern und den Ball im Spiel zu halten.

    Sir Alex :
    Ich stimme absolut mit Dir überein, dass das Spiel der deutschen Mannschaft nicht als sehr gut bezeichnet werden kann und selbst bei einem Sieg alles andere als eine Bewerbung für den Favoritenkreis gewesen wäre.
    Aber nach dem Spielverlauf mit relativer Dominanz über die meiste Zeit, Torchancen (wenn auch nicht en Masse) hätte es angesichts der - wie Du ja selbst schreibst - alles andere als starken Leistung der Japaner (die natürlich trotzdem keine Laufkundschaft waren) bei konsequenter und disziplinierter Beibehaltung der in den ersten 70 Minuten gezeigten Leistung zu einem glanzlosen aber trotzdem verdienten Sieg reichen müssen.


    CoachT
    Bei der Qualität des Kaders zwischen 2014 und heute sehe ich schon deutliche Unterschiede, v.a. im kompletten Defensivverbund.

    Hinzu kommt, dass der Großteil der Defensive die Nachteile in Qualität und Potential gegenüber ihren Kollegen aus anderen Nationen nicht durch absolute Topform und erreichen Ihres Leistungsmaximum kompensiert, sondern ganz im Gegenteil, der Rückstand im Potential sich durch die vorhandene Formdelle der meisten sich sogar noch vergrößert.

    Das ist dem Nationaltrainer natürlich nicht anzulasten, sondern in erster Linie den Spielern und in zweiter evtl. dem Vereinstrainer.

    Kimmich sehe ich, obwohl ich schon in seiner Leipziger Zeit ein Fan von ihm war mittlerweile sehr kritisch.

    Sir Alex bringt es auf den Punkt. Er spielt alles ein bisschen und nichts richtig. So kann man als Topspieler einer Breitensport- oder Jugendmannschaft agieren aber nicht auf Profiniveau. Wenn er unbedingt auf der 6 spielen möchte, dann soll er sich bitte auch an die zentrale Aufgabe dieser Position halten und das Zentrum stabilisieren. (der Japaner Endo hat das trotz deutlich weniger Talent gestern eindrucksvoll vorgemacht). Wenn er den Anspruch hat sich permanent durch tiefe Läufe in die Offensiver einzuschalten, dann soll er sich bitte wieder hinten rechts aufstellen lassen, (da ist die Not im Team eh größer als im Zentrum) und 90 Minuten die Linie rauf und runter sprinten...


    Insgesamt sehr Schade, weil das Team grundsätzlich schon Potential und Perspektive hat und so ein Auftaktsieg, wenn auch nicht überragend und euphorisch herausgespielt wie bei den Engländern, Franzosen oder Spaniern trotzdem den Schalter in die Richtung hätte legen können um Leichtigkeit und Spielfreude für den Rest des Turniers zu erzeugen.

    Jetzt ist es wahrscheinlicher, dass man schon am Sonntag ausscheidet, als dass es im dritten Gruppenspiel überhaupt noch um etwas geht und die daraus entstehende Hypothek für die Vorbereitung auf die EM im eigenen Land hat zur Folge, dass bis dahin weiter der verkrampfte Fußball der letzten Jahre zu sehen ist mit der Angst, in der Schlussphase gegen jeden Gegner das Spiel vergeigen zu können.

    Es ist ja irgendwie auch bezeichnend, dass die Japanische Defensive wesentlich stabiler wirkte als die Deutsche, obwohl Deutschland die meiste Zeit Spielüberlegen war und ohne Zweifel in der Offensive über die größere individuelle Klasse verfügt.


    Charles De Goal :
    beim Vergleich der Spiele von 2018 und 2022 liegst Du vermutlich richtig. Ich glaube, damals habe ich das Spiel an sich in der Emotion und Enttäuschung negativer gesehen als es war und das Ergebnis wesentlich stärker bewertet.

    Fakt ist aber, dass wir weiterhin die Probleme auf den selben Positionen haben und mittlerweile vermutlich durch die vielen Rückschläge der jüngeren Vergangenheit gar nicht mehr in der Lage sind eine Spiel bis zum Ende durchzuziehen.

    Pech lasse ich in Zusammenhang mit diesem Spiel definitiv nicht gelten. Die Tore hat man fahrlässig zugelassen und wenn ich die vergebene Doppelchance von Gnabry und Hofmann sehe, dann war da mehr Unvermögen, Unkonzentriertheit und fehlende Gier das Tor zu schießen dabei als Pech.

    Ergänzend zum Post oben noch folgende Anmerkung:

    Verglichen mit der Auftaktniederlage 2018 gegen Mexico ist die gestrige noch viel ärgerlicher. Gegen Mexico hat man einfach nicht gut gespielt, kaum Torchancen gehabt und das Ergebnis war zwar nicht zwangsläufig aber schon irgendwie verdient.

    Dieses Mal war die Niederlage völlig unnötig. Man hat das Spiel im Griff ohne überragend gespielt zu haben. Ausreichend Chancen zum 2:0 ohne den Gegner jetzt an die Wand gespielt zu haben und dann versucht man 20 Minuten vor Schluss in so einer engen Kiste auf Verwaltungsmodus zu starten. Dass dann gerade die Verteidigung und das Zentrale Mittelfeld plötzlich die Arbeit komplett einstellt kommt dann leider erschwerend hinzu.

    Schade und wie gesagt unnötig. Hätte man den Stil der ersten 70 Minuten bis zum Ende fortgesetzt wäre man am Ende wohl mit 1:0 oder 2:0 vom Platz gegangen und der Thread hier könnte bleiben wo er war...

    Es hat sich ja leider auch nicht viel geändert seit dem letzten Debakel.
    Ich finde schon, dass der Trainerwechsel neuen Wind und neue Stimmung gebracht hat, aber das was ich schon vor der EM als Hauptproblem gesehen habe hat sich in keinem Fall verbessert, eher verschlechtert:

    ---

    Ich glaube, dass die größten Probleme mangelnde Personalqualität & Formschwäche auf einigen Schlüsselpositionen (IV, AV zentrale Sturmspitze), ...

    Hinzu kamen unglückliche Wechsel, die die Mannschaft letztendlich eher geschwächt haben, als wie gewünscht neue Frische und Stabilität zu bringen.
    Dass der Wechsel Goretzka für Gündogan dermaßen die Stabilität im Mittelfeld kippt, hat mich auch überrascht, weil ich mir diesen Wechsel kurz vorher auch gewünscht habe (so viel zu meiner Expertise ;)).
    Hofmann für Müller war aber in meinen Augen vornherein als Fehlgriff anzusehen. Hier hätte ich mir eher Götze gewünscht oder meinetwegen mit Adeyemi etwas mehr Speed auf der Außenbahn....
    Aber hinterher ist man als Trainer natürlich immer Schlauer. Festzuhalten bleibt aber, dass es bei Süle und Schlotterbeck in der aktuellen Verfassung einfach nicht reicht und dass Rüdiger ein sehr guter Innenverteidiger ist, der, wenn neben ihm ein Weltklassespieler wie Thiago Silva oder Alaba steht, überragend spielt, aber als Abwehrchef einfach überfordert ist.

    Giessen46 :
    Falls Du aus meinem vorletzten Beitrag ein "Recht zum Bleiben" und dazu die Aufforderung deshalb auf den Platz im Team zu bestehen herausgelesen hast, dann muss ich hier nochmal relativieren.

    1. rechtlich hat der Verein keine Möglichkeit den Jungen wegzuschicken. Er darf weiter trainieren, eventuell aber auch in der vierten Mannschaft, wenn es so eine gibt. Sich auf eine rechtliche Position zu beziehen macht also überhaupt keinen Sinn.
    2. Moralisch ist das was der Verein nach einem halben Jahr macht (aus den Hintergründen, die man hier im Beitrag lesen kann) jenseits jeden Anstands und wäre für mich als Elternteil ein Grund meinem Kind zu erklären, dass das nicht der richtige Ort für ihn ist und die Sachen zu packen. Auch wenn ich kein Freund von "Nachtreten" bin, würde ich wenn mich einer fragt warum der Verein nach so kurzer Zeit schon wieder verlassen wurde sehr deutlich kommunizieren wie dieser "Leistungs- und Ausbildungsverein tickt". So schützt man vielleicht wenigstens andere.

    3. Wenn der Junge das Selbstbewusstsein und auch das Potential hat, dass er und die Eltern der Meinung sind, er kann in der Rückrunde so Gas geben, dass er sich entgegen der Meinung des Trainers doch ins Team spielt, dann wäre das die einzige Situation in der darüber nachzudenken wäre noch einmal das Gespräch zu suchen. Dabei ist es dann aber tatsächlich so, dass man - "Bleiberecht" hin oder her - ein Stück weit die Rolle des Bittstellers übernimmt.


    Ich hätte rein menschlich keine Lust weiter irgendwo dabei zu sein, wo mir nach so kurzer Zeit das Vertrauen entzogen wird.

    Wenn der Junge im Heimatverein doch Leistungsträger war, sich dort wohlgefühlt hat und vielleicht auch noch guter Kontakt da ist, warum nicht zurückwechseln und da wieder Selbstvertrauen tanken?